IM SCHATTEN DER WURST!

( Drei Farben: Braun)

 
 
Mit Würsten hat mich schon immer ein inniges Verhältnis verbunden. Spätestens seit ich einmal in einem Supermarkt der Firma "Comet" eine sogenannte Syker Knüppelwurst (ein Mordstrumm von Fleischbatzen!) erwarb, die ich für das Kettensägen-Clubprogramm "Lederwurst" benötigte, zog mich die Wurst in den Bann! Ich erzählte der unglücklichen Wurstfachverkäuferin in jovialem Plauderton, ich brauche das Gerät für eine Bühnenvorführung... Es gibt zahlreiche bessere Methoden, einen vorteilhaften Eindruck auf seine Mitmenschen zu hinterlassen!

Daß mich die Wurst auch in den Folgejahren nicht aus ihren fettigen Klauen ließ, hat vermutlich tiefenpsychologische Ursachen, die tief in der Kindheit verankert sind. Beim traditionellen A-A-Machen haben wir zu Hause immer schön die Tür verschlossen und die profane Wirklichkeit des Verdauungsfinales somit streng vom Familienalltag separiert. Um ehrlich zu sein: Ich hätte es rückblickend auch merkwürdig gefunden, wenn es anders verlaufen wäre! Nach meinem erfolgreichen Auszug aus dem Familienhaushalt und den darauffolgenden Wanderjahren geriet ich aber immer wieder in zutiefst dubiose Mietverhältnisse, in denen in punkto Darmtätigkeit der anderen Mietparteien meist kein Blatt Klopapier vor den Mund genommen wurde! Besonders brillant waren der christliche Klavierspieler und die Lehrerin. Bei diesen beiden bemerkenswerten Vertretern der Spezies Mensch stellte sich endgültig das ein, was die Wissenschaftler gerne als "Pup-Psychose" bezeichnen - eine Fixierung auf die Darmtätigkeit FREMDER LEUTE! Es entstand die Illusion eines animalischen Magnetismus: Obwohl außer mir nur noch drei andere Nachbarn im Hause lebten (der Klavierspieler war mysteriöserweise verheiratet), schien es mir so, als sei unser Geschick zumindest in dieser Hinsicht aneinandergekettet - wann immer ich den Abort aufsuchte, und sei es mitten in der Nacht, regte sich die Peristaltik der Mitbewohner! Zudem waren die Wände dünn wie raschelndes Herbstlaub und machten mich mit den sanitären Gewohnheiten meiner spießbürgerlichen Umwelt vertraut, auf ebenso entlarvende wie eklige Weise. Wollte mir Onkel Gott etwas mitteilen?

Während meines lustigen Studentenlebens war ich kurzfristig Mitglied eines Lyrikkollektivs, das sich mit der Herstellung garantiert sinnfreier Gedichte befaßte. (Vielleicht stelle ich da auch mal ein paar Beispiele rein...) Auch hier machte sich eine Fixierung auf die Wurst als solche bemerkbar, sowohl als Phallussymbol als auch als Endresultat menschlichen Strebens. Etwa in einem fiktiven Libretto einer mittelhochdeutschen Oper, die Shakespeares "Der Sturm" um mindestens zwei Jahrhunderte vorwegnahm! (Der "Barde von Stratford"? Johoho, ich lach´ mich kaputt...) Wir schufen konkrete Poesie in ihrer höchsten Vollendung, und immer poppte die Wurst da raus!

Nun verhielt es sich so, daß Kai, der Sänger der sensationellen neuen Band "Der Frosch mit der Maske", mir von einer Gruppe aus Iserlohn/Hagen erzählte, deren Exzesse so ziemlich alles in den Schatten stellen sollten, was ihm bisher vorgekommen sei: Die Sons of Tarantula! Meine Ohren wurden spitz, und mich hungerte und dürstete nach einer Begegnung mit diesen musikalischen Extremitäten. Aus dem Netz saugte ich mir einige kleine Spezereien, die schon bald von der ersten CD der Gruppe, "Hitz mit Witz", ergänzt wurden. Musikalisch schall bzw. schillte mir eine befremdliche Mixtur aus Punk und Metal entgegen, die durchaus originell war, aber das wirklich ungewöhnliche war das Konzept der Band. Während mich bisherige Ausflüge in den Bereich des Vulgären in der Rockmusik (Kassierer, Eisenpimmel) weniger schockiert, als vielmehr amüsiert hatten, ging hier mal wirklich die Post ab - das Blut stockte in meinen Adern!

War es ein Konzept? Oder war es grauenerregende Wirklichkeit? Aussagen einer Freundin zufolge, die die Jungs mal gekannt hat, sollen die Musiker wohl wirklich extreme Existenzen geführt haben. Die Einzelheiten möchte ich hier nicht wiedergeben, denn ich möchte nicht, daß meine unschuldige Seite dichtgemacht wird. (Eine frühere Inkarnation nannte sich "The Lemming Project"!) Auf jeden Fall legen sich die Sons mit so ziemlich allen Tabus an, die man sich als empfindsamer Mensch irgendwie zurechtgelegt haben kann. Teilweise ging das selbst mir über die Hutschnur, und jeder, jeder windet sich bei den munteren Weisen! Dabei regiert ein sehr ungesunder Humor, der vielen zartbesaiteten Naturen fremd sein dürfte, aber das lustvolle Penetrieren von Schambereichen jeder Art wird dermaßen konsequent durchgezogen, daß schon klar wird, daß hier erbittert Schindluder (und Ludergeschinde) mit den Fehltritten einer Gesellschaft getrieben wird, die die Wurst leugnet und in das kollektive Unterbewußte verbannt. Die verneinte Wurst, sozusagen.

Wie sieht das konkret aus? Nun, zuerst einmal tritt der Onkel auf und hinterläßt auf dem Spielplatz einen Ort der geschundenen Seelen. Danach geht´s ab ins Tula-Land (die Sons haben es mit Kindern!), wo das Recht auf Tula-Fun eingeklagt wird. Zu Hippies haben die Sons natürlich ein höchst ungesundes Verhältnis. ("Jetzt erstmal schön gepflegt ´n Spieß in´ Arsch!") Das Verzehren von Hippies wurde schon vom Durstigen Mann gefordert - hier wird es zu einer Kunst erhoben! Weibliche Intimgerüche werden schonungslos thematisiert in dem Stück "Das muß ein toter Vogel sein". Das Versilbern von Rosetten findet seine Replik in dem Lied "Schwuler Hund", das ich nicht zur Nachahmung empfehlen möchte. Es wird von einer Real-Aufnahme eingeleitet, in der ein harmloser Mitbürger vom Würger aufs Übelste beschimpft wird. Wenn schon Homophobie, dann doch bitte so! In der "Pimmel-Polka" referiert die Dicke Taube über ihre Probleme mit der Autoerotik. Sehr hübscher Chorgesang. Das Lied "Pimmel raus im Frauenhaus" ist ganz und gar unentschuldbar - mit dem angesprochenen Eber habe ich, glaube ich, gemailt! Drogensucht und Prostitution bestreiten den säkulären Gehalt des nächsten Tracks. Dann kommt der Kasper dran, und das massiv! Der legt gut los, der Kasper, denn der will ja schließlich Papst werden! Dann kommt ein Sample aus "Deep Space Nine", in dem es um Tula-Bären geht. (Mit Bären haben es die Sons auch!) Ein offenbar wenig liebenswerter Zeitgenosse wird besungen, der unter anderem mit dem schönen Wort "Glitterbock" bedacht wird. (Meine Favorit-Beschimpfung ist aber "Spitzsau"!) Der Aidsbär hat dann einen wenig sensiblen Auftritt, mit einem Spezialauftritt vom Onkel: "So, liebe Kinder, jetzt zeigt euch der Onkel, wie man so richtig schön gepflegt an den Aidsbär rankommt..." 70er-Jahre-Akzente verrät das Stück über "Katastrophen-Heidi". Schließlich macht der hemmungslos erotische "Schokoladenonkel" Schluß. (MAD MAX 2-Sample: "Ich bin sehr enttäuscht von euch!")

Ja, was soll man dazu sagen? Den sehr speziellen Musikstil der Gruppe würde ich als Kopro-Metal bezeichnen, oder vielleicht auch Tourette-Metal. Wer das ernstnimmt, dessen Nüstern werden sich weiten, der Kopf wird langsam rot, spielt alsbald ins Purpurne, bis ein SCANNERS-kompatibler Headcrash ins Haus steht... Die Sons bringen alle diese (übrigens fast ausschließlich von realen Personen und Geschehnissen handelnden!) Kleinodien mit grotesken Stimmen hervor, die durchaus den Charakter der "Muppet-Show" besitzen, nur daß in diesem Theater ganz, ganz viel schiefgegangen ist! Mir sind bislang der Würger, der Scheißer, der Kasper und der Sittenstrolch bekannt, aber es gibt auch noch PLO-Kämpfer Habib, den Eber, den Onkel und zahlreiche andere Charaktere, denen man schon immer begegnen wollte! Ich habe mich dann mal auf die Heimseite der Sons begeben, auf die man sich bitte nur bewegen sollte, wenn man a) über 18 ist und b) über einen rustikalen Sinn für Humor verfügt. (Ich distanziere mich hiermit gemäß den obwaltenden Gesetzen von den Inhalten dieser Seite und den damit verlinkten Seiten und mit diesen Seiten verlinkten Seiten... Sonst komme ich sofort nach Köln-Eigelstein und werde dort mit Würsten beworfen!) Schön ist die Galerie, in der zahlreiche teilweise recht unappetitliche Fotos der Bandmembers enthalten sind. Ein Foto vom Kasper habe ich mir ja schon mal ausgeborgt. Einige freie MP3s sind hier erhältlich, mit denen man bereits vor dem Konzert am Samstag schunkeln kann- Näheres zum Auftritt steht im News-Ticker!) Die Verkleidungen sind auf jeden Fall elaborat und wirken wie eine koprophile Version von Gwar.

Metal, der das Verzehren von Fäkalien verherrlicht - kann das funktionieren? Das überlasse ich Eurer eigenen Wertschätzung. Ich höre die Sons mittlerweile fast jeden Tag und habe eine Menge Spaß dabei. Ich bleibe dabei, daß solch eine Musik eigentlich nur in Iserlohn respektive Hagen entstehen konnte. Aber wer diese zugegeben massiv anstößige Musik ernstnimmt, verdient die Darmkoliken, die ihm daraufhin entstehen werden...

Es gibt mittlerweile (neben dem leider ausverkauften Tape "Käpt´n Iglo Must Die") auch eine weitere Sons-CD, die angeblich auch beim Konzert verkauft wird: "Chorsingen macht Spaß". Davon kenne ich aber nur einige wenige Songs, die so klangvolle Titel tragen wie "Wer hat die Scheiße aufgefressen?", "Kindergulasch", "Volle Kelle Gummizelle", "0190 Massakerline", "Fit mit Suizid" und "Lecker Prengel". Auf "King Kasper" gibt ebendieser richtig Vollgas, in "Strümpfe" hat Onkel Gott einen Gastauftritt. Es gibt einen schönen Fußballsong, dessen gesamter Text lautet: "Scheiße - Schalke - Ficken!" Und auch einen rein spanischen Song gibt es auch, "Burro con Ketchup", der Sepultura die Tränen in die Hühneraugen getrieben hätte... ("Estamos abiertos...")

Ich hatte mittlerweile Kontakt zum Sittenstrolch und zum Eber. Letzterer ist ein früheres Band-Mitglied, aber beide klangen sehr nett. Wer nur ein kleines bißchen zartbesaitet ist und keinen Humor hat, sollte von den Werken der Sons die Finger lassen. Ich freue mich sehr auf das Konzert am Samstag, grusele mich aber auch ein klein wenig davor. Hagen? UND die Sons? Mein Gott, was wird da nur passieren... Au Scheiße!

HIER kann man lesen was passiert ist...

NEU: Ein Interview mit Papst Kasper!


"Du alte Esel sein gut für Wurst!" (Scheich Habib)

Der Autor, platt, mit Syker Knüppelwurst

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