WHEN HYAZINTH MÜHLE COMES TO TOWN...

Da der "Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega" im Oktober das außerordentliche Vergnügen haben wird, den sagenumwobenen Paul Naschy in seiner Mitte begrüßen zu dürfen, möchte ich auch den werdenden Fans hier Gelegenheit geben, einen Einblick in das Leben und die überbordende Filmographie dieses fabelhaften Mannes zu gewinnen!

Jacinto Molina Alvarez wurde am 6. September 1934 in Madrid geboren. Seine Kindheit verbrachte er im Schatten des zweiten Weltkrieges und des faschistischen Franco-Regimes. Die Greuel, die er dort erlebte, erschreckten ihn zutiefst, prägten aber schon früh seine Vorliebe für das Außergewöhnliche und gaben ihm einen Sinn für die große Dualität des Lebens - Schönheit und Häßlichkeit in ewiger Umarmung. Der Reiz der Schlangengrube verband sich mit einer (auch durch seine Familie vorbelasteten) Neigung zur Kreativität. So war Jacinto ein großer Verehrer sowohl von "gehobener" Literatur wie auch den Romanheften und Comic-Strips, die damals populär waren. Helden wie El Zorro und El Coyote zogen ihn in ihren peitschenschwingenden Bann.

Auch frühe Begegnungen mit der gotischen Bauweise (und der ihr innewohnenden Philosophie) hinterließen einen großen Eindruck auf den jungen Mann, den er später in einem Architekturstudium vertiefte.

Obwohl Jacinto später vor allem als gefeierter und preisgekrönter Gewichtheber von sich reden machte, führte seine lebenslange Begeisterung für Literatur und die bildende Kunst zu Erzeugnissen, von denen Naschy-Fans kaum etwas wissen: So schrieb er unter dem Pseudonym "Jack Mills" verschiedene Westernromane für das Verlagshaus "Editorial Rollán" und besorgte die Coverzeichnungen für die ersten spanischen Veröffentlichungen von Elvis Presley und Bill Haley ebenso wie für Decca-Aufnahmen von klassichen Komponisten wie Mozart, Bach, Beethoven, Haydn und Händel!

Nach diversen Auftritten in Statisten- und Kleinrollen (etwa in KING OF KINGS oder 55 DAYS AT PEKING) wurde die Sache ernst im Jahre 1967, als in deutscher Koproduktion der Film LA MARCA DEL HOMBRE LOBO (DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA) entstehen sollte. Während zunächst Lon Chaney jr. (Larry Talbott forever!) für die Rolle des unverschuldet in Schwulitäten geratenen Waldemar Daninsky vorgesehen war, stellte sich schon bald heraus, daß Jacintos Idol gesundheitlich zu angegriffen war, um diese Rolle übernehmen zu können. Da war guter Rat teuer! Einer der Produzenten fragte den Drehbuchautoren Jacinto Molina Alvarez, ob er sich nicht vorstellen könne, in die Rolle des lykanthropischen Adeligen zu schlüpfen. Obwohl zunächst unsicher, ob er hier nicht mehr abbeißen würde, als er schlucken könne, sagte Jacinto zu, nicht ahnend, daß dieser Entschluß ihn auf eine nunmehr 35 Jahre andauernde Pilgerfahrt durch die Gefilde des Schreckens schicken würde... Als Pseudonym wählte er sich "Paul Naschy", nach Papst Paul VI. und dem ungarischen Gewichtheber Imre Nagy! Aus Jacinto wurde Paul...

LA MARCA DEL HOMBRE LOBO stellt nach wie vor einen "famous first" dar. Während es durchaus schon vorher makabre, unheimliche und phantastische Filme in Spanien gegeben hatte, war es dem Horrorfilm niemals gelungen, zu einem eigenständigen (und kommerziell vermarktbaren) Genre zu reifen. LA MARCA nun schweißte die Motive alter "Universal"-Grusler mit den naturalistischeren und farbenfreudigen Filmen der britischen "Hammer Studios" zusammen. Auch ein deutlicher Einfluß italienischer Horrorkunst wurde sichtbar in der sehr bewußt eingesetzten visuellen Ästhetik und generellen Verspieltheit der formalen Mittel - es schien so, als wären die Verantwortlichen einfach mal in den Gothic-Pool hineingesprungen und hätten dort nach Herzenslust herumgeplanscht! Serviert wurde das Ganze mit einer charmanten Naivität, die letztlich doch die Naivität des Märchens ist: Mit staunenden Augen verfolgt man das tragische Schicksal des Wolfmanns wider Willen, Waldemar, der in zahlreichen Folgefilmen nach Liebe und Erlösung strebt... Unterstützt wurde das Unterfangen von der fähigen Regie des noch jungen Enrique Eguiluz und einigen guten Darstellern, darunter der leider bereits verstorbene Julian Ugarte als Vampir. Jacinto/Paul verarbeitete in seiner Behandlung des Wolfsmenschen-Motivs auch die tragischen Erfahrungen ein, bei denen in seinem eigenen Leben die Liebe vom Tode überschattet worden war. Seine Begeisterung für die Kultur der Schauerromantik, die unschuldige Begeisterung an alten "horror serials" und der eigene Hang zum Romantizismus fügten sich zusammen zu einem Film, wie er in Spanien vormals ohnegleichen gewesen war...

Der Film war sehr erfolgreich, in seinem Heimatland wie in Übersee, und so entstand schon bald eine in Paris gedrehte Fortsetzung, LAS NOCHES DEL HOMBRE LOBO (1968), die leider aufgrund unglücklicher Umstände als verschollen angenommen werden muß.

Als nächstes entstand der fantasievolle LOS MONSTRUOS DEL TERROR (DRACULA JAGT FRANKENSTEIN, 1969), in dem der Amerikaner Michael Rennie (Klaatu aus DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND!) einen fiesen Außerirdischen spielt, der an der Seite von Karin Dor die Weltherrschaft übernehmen möchte. Zu diesem Zweck reanimiert er die Körper von Frankensteins Monster, der Mumie, Dracula und...Waldemar Daninsky! Der "Universal"-Ansatz, viele Monster in ein buntes Horror-Comic hineinzupacken, wird von der sehr flapsigen deutschen Synchro durchaus unterstützt. (Craig Hill kommt in die Kneipe: "Ich hätte gerne einen Kurzen, Kühlen, Kalten, Klaren!" Antwort des Wirts: "So soll er sein!") Eguiluz sollte hier erneut Regie führen, wurde aber von dem Hollywood-B-Veteranen Hugo Fregonese abgelöst.

Während das Daninsky-Abenteuer LA FURIA DEL HOMBRE LOBO (1970) eine ziemliche Enttäuschung darstellte (Naschy hatte einige Schwierigkeiten mit dem Regisseur!), sollte er mit dem gebürtigen Argentinier León Klimowsky den vielleicht bedeutsamsten spanischen Horrorfilm aller Zeiten drehen: LA NOCHE DE WALPURGIS (NACHT DER VAMPIRE, 1970)! Hier stimmte einfach alles: Eine wilde Geschichte voller dunkler Wälder, alter Gemäuer und schöner Frauen, die in bittere Händel geraten. Mittendrin unser aller Freund, Waldemar Daninsky, der sehr profitiert von der professionellen Regie Klimowskys und den tollen Drehbucheinfällen Molina Alvarez´, die auch die berühmten Zeitlupeneinstellungen mit den Vampirinnen mit einschlossen. Was LA MASCHERA DEL DEMONIO für den italienischen Horrorfilm war, war LA NOCHE für den spanischen - der letztendliche Dammbruch, der eine Flut zumeist minder interessanter Filme nach sich zog.

In inhaltlicher Hinsicht noch deutlich gewagter war die nächste Naschy-Klimowsky-Zusammenarbeit: DR. JEKYLL Y EL HOMBRE LOBO (DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE). Hier treibt Waldi sein Unwesen in der Stadt der Doppeldeckerbusse und des Linksverkehrs, und er fällt dem berüchtigten Dr. Jekyll (gespielt von meinem Freund Jack Taylor) in die Hände, der ihn zu widrigen Experimenten mißbraucht. Als Ergebnis winken fürchterliche Geschehnisse, die in einen ebenso unterhaltsamen wie bizarren Film eingebunden sind.

JACK EL DESTRIPADOR DE LONDRES (1972) war ein sehr ansehnlicher Thriller, der vermutlich die beste Arbeit des Regisseurs José Luis Madrid darstellt. Paul Naschy ist toll als zu Unrecht verdächtigter Ex-Trapezkünstler, der in das blutige Wüten eines perversen Arztes hineingezogen wird. Der italienische Charakterdarsteller Renzo Marignano spielt den Inspektor, während das Filmsternchen Orchidea de Sanctis die bezaubernde Freundin vom modernen Jack the Ripper mimt... Eine schöne spanisch-italienische Koproduktion.

Mit Javier Aguirre drehte Naschy den sehr "Hammer"-lastigen EL GRAN AMOR DEL CONDE DRACULA (1972), in dem die dem Vampirismus unterliegende sexuelle Thematik in wesentlich ansprechenderer Form behandelt wird als in den entsprechenden "Hammer"-Filmen, deren schamhafte Schürzenlüpferei meist etwas playboyhaft Verklemmtes besaß. Noch deutlich besser war aber Aguirres andere Zusammenarbeit mit Naschy aus demselben Jahr, der zu einem von Paules größten Triumphen werden sollte: EL JOROBADO DE LA MORGUE (DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN). In ihm spielt Paul den Buckligen Gotho, der in seiner Ortschaft von jedem nur belacht und behämt wird. Die einzige Ausnahme ist ein junges Mädchen, der er in hündischer Liebe ergeben ist. Als sie stirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Er stiehlt den Leichnam und schleppt ihn in seine Kellergewölbe. In nächster Nähe vollführt auch ein finsterer Wissenschaftler seine diabolischen Experimente, und die Schicksalslinien überkreuzen sich... EL JOROBADO bietet Pauls vielleicht beste darstellerische Rolle (preisgekrönt!) und trägt die morbide Verknüpfung von zum Scheitern verurteilter Liebe und modrigen Exzessen zu teilweise wirklich schockierenden, teilweise wirklich anrührenden Höhepunkten... Ein Meisterwerk des spanischen Horrorfilms.

Das Jahr 1972 sollte für Paul ein ebenso ertragreiches wie erfolgreiches werden. Mit dem jungen Carlos Aured Alonso drehte er z.B. den aufregenden EL ESPANTO SURGE DE LA TUMBA (BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL), der von Paul in nur anderthalb Tagen geskriptet wurde und erstmals die an den berüchtigten Massenmörder Gilles de Rais angelehnte Gestalt des Alaric de Marnac verwendet. Alaric wurde nämlich zusammen mit seiner Geliebten (jamm: Helga Liné!) auf unschöne Weise hingerichtet. Jahrhunderte später erreicht sein unruhiger Geist seine Nachkommen, denn sein abgetrennter Schädel will wieder mit seinem verscharrten Leib zusammengeführt werden. Ein kleines Juwel spanischer Splatterkultur, eingebettet in all die gotischen Zutaten, die man von spanischen Horrorfilmen jener Zeit gewohnt ist! Ebenfalls mit Aured drehte Naschy EL RETORNO DE WALPURGIS (DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES), der erneut Waldemar Daninsky in überaus tragische (und überaus blutrünstige) Ungelegenheiten entführt... Daß die Vorgeschichte von Waldemars Werwolfdasein von Film zu Film wechselt, stört genau Null und entspricht den Pulp-Ursprüngen von Naschys Faszination mit dem Genre. Es ist keine irdische Logik, die hier zählt, sondern die Logik der Träume, und die findet sich in den farbigen Motiven, mit denen die Lykanthropiaden angereichert sind.

Mit Klimowsky drehte er in diesem Jahr lediglich LA REBELION DE LAS MUERTAS (BLUTRAUSCH DER ZOMBIES), in dem er einen indischen Guru und seinen diabolischen Zwillingsbruder spielt. Das gotische Delirium von LA NOCHE DE WALPURGIS blieb hier unangetastet. Auch LA ORGIA DE LOS MUERTOS (TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER) von José Luis Merino kam da nicht annähernd heran, lieferte aber einen großartig aufgelegten Paule als nekrophilen Diener, der eine Nebenrolle zu einer wahrhaftigen Hauptrolle machte! (Der Film wurde hierzulande ebenfalls als Klimowsky-Film vermarktet, wie auch einige britische und amerikanische Horrorfilme dasselbe Schicksal erfuhren - so populär waren diese Filme damals bei uns!)

Mit Aured drehte Naschy 1973 den kurzweiligen und trashigen Mumienfilm LA VENGANZA DE LA MOMIA (erneut mit Jack Taylor), sowie den sehr morbiden und schwarzhumorigen Thriller LOS OJOS AZULES DE UNA MUNECA ROTA, in dem Naschy einen Frauenmörder spielt, der in die Fänge dreier Schwestern gerät. Diese Schwestern haben es faustdick hinter den Ohren, und schon bald weiß der Psychopath im Mittelpunkt nicht mehr, wie ihm geschieht - die Leichen türmen sich... León Klimowsky lieferte mit UNA LIBELULA PARA CADA MUERTO (TODESKREIS LIBELLE) einen interessanten und recht sleazigen Giallo ab, der in Mailand spielt und nicht zuletzt von der Präsenz der atemberaubenden Erika Blanc profitiert. Naschy spielt einen authentisch beschnäuzerten Italo-Bullen, und es ist eine wahre Freude, ihm dabei zuzusehen! Die deutsche Videosynchro wartet ebenfalls mit Glanzpunkten auf...

Die Arbeiten, die Naschy anno 1974 abdrehte, sind nicht in Deutschland erschienen. Am bemerkenswertesten ist vielleicht EL MARISCAL DEL INFIERNO von León Klimowsky, in dem Naschy der wahren Geschichte des vermaledeiten Gilles de Rais so nahe kommt wie sonst in keinem seiner Filme. Er zeichnet das Monster (im Rahmen eines pervertierten Mantel- und Degen-Filmes) als ebenso verabscheuungswürdiges wie leidendes Subjekt, das von der Enggeistigkeit der Menschen auf falsche Wege geleitet worden ist. EXORCISMO entstand unter der Regie von Juan Bosch Palau und verarbeitet Motive von THE EXORCIST, obwohl die eigentliche Story bereits Jahre zuvor geschrieben worden war...

Mit Miguel Iglesias Bonns drehte Paul 1975 einen weiteren Daninsky-Film, LA MALDICION DE LA BESTIA. Der Film siedelt seine blutigen Geschehnisse im Nepal an und bezieht sogar den Yeti in die Handlung ein. INQUISICION (1976) bedeutete Jacinto Molinas Debüt als Regisseur und spielt während der düstersten Periode der Hexenverfolgungen. Inszenatorisch sehr achtbar, ist der Film teilweise nichts für zarte Nerven, was aber durch die Anwesenheit der strahlend schönen Sizilianerin Daniela Giordano mehr als wettgemacht wird... Mit ULTIMO DESEO drehte León Klimowsky einen sehr ansehnlichen Endzeitfilm, der ebenfalls zu den besten Filmen Naschys gezählt werden muß. Für das Drehbuch zeichnete hier mal nicht Jacinto Molina, sondern der zukünftige Erfolgsregisseur Vicente Aranda verantwortlich. 1977 entstand auch einer von Pauls ausgesprochenen Lieblingsfilmen, der auf einer authentischen Begebenheit basierende EL HUERTO DE FRANCES. Hier geht es um einen Lokalbesitzer und Serienmörder, der eine Vielzahl von Gästen unter seine Blumenbeete verfrachtete, und der glänzend besetzte Film zählt zu Recht zu Pauls Lieblingen.

Nach einigen etwas mageren Jahren erreichte Paul 1980 einen Produktionsdeal mit Japanern, was zu EL CARNAVAL DE LAS BESTIAS führte, einer sehr morbiden Gangstergeschichte, in der er einen gewissenlosen Gangster spielt, der vor rachesüchtigen Yakuza fliehen muß. Dabei wird er verletzt und gerät in die Obhut einer Familie von Landeiern. Dumm nur, daß die sich als Kannibalen herausstellen... Mit EL RETORNO DEL HOMBRE LOBO (THE WEREWOLF) drehte er im selben Jahr einen weiteren gut fotografierten Film aus der Daninsky-Reihe, der ebenfalls zu Pauls Lieblingen gehört.

Der nächste Horrorfilm sollte aber erst 1982 herauskommen, mit LATIDOS DE PANICO (HEART BEAT), der auf sehr stimmungsvolle und teilweise wirklich gruselige Art die Legende des Alaric de Marnac wiederbelebt. Eine sehr ungewöhnliche Mixtur aus Samurai- und Werwolffilm lieferte LA BESTIA Y LA ESPADA MAGICA (1983), in dem Waldemar mit Stäbchen ißt... EL ULTIMO KAMIKAZE war ein überraschend blutiger Agentenfilm, in dem Naschy in zahlreichen Verkleidungen zu bestaunen ist. Sehr wild, der Film!

Ein ähnliches Feuerwerk an Verkleidungen liefert auch der Horrorfilm EL AULLIDO DEL DIABLO (1987), in dem Naschy seine wohlige Verhexung mit düsteren Legenden lustvoll aufarbeitete - er spielt nicht nur Blaubart, Quasimodo und Rasputin, sondern auch Satan, den Tod, das Phantom der Oper, Mr. Hyde, das Frankenstein-Monster, Fu Manchu und diverse andere Exzentriker. Auch Waldemar Daninsky hat natürlich seinen Gastauftritt, wie auch mein lieber verstorbener Freund Howard Vernon in einer schönen Rolle glänzt. Gedreht wurde dieser sehr persönliche Film in Pauls eigenen Landhaus in Lozoya!

Die Schwierigkeiten, angemessene Rollen in seinem Heimatland zu finden, trieben Naschy auch in die Arme von ausländischen Schmierfilmern. So erreichte ihn aus Holland die Anfrage, ob er in einem Werk des berüchtigten Sidney Ling mitspielen würde. Paul sagte zu, nicht ahnend, daß SHADOWS OF BLOOD eine groteske Katastrophe werden sollte, die es an Respekt vor seiner Person wie an jeglichem filmischem Talent fehlen ließ. Der Film macht alles falsch, was wir bei Buio Omega richtig machen werden! Der belgische STATE OF MIND war etwas ansehnlicher, hatte aber nur eine Gastrolle für Paul parat, in der er sofort ermordet wird. Fred Williamson und Jill Schoelen waren auch dabei.

1993 drehte er in eigener Regie den "Urban Violence"-Thriller LA NOCHE DEL EJECUTOR, der wie eine spanische Version von Michael Winners DEATH WISH anmutet, nur daß er die fast schon schwarzkomödiantischen Akzente des amerikanischen Filmes durch eine grimmige, tragische Note ersetzt, die vermutlich Pauls eigene Wut auf viele unschöne Dinge wiederspiegelt, die ihm in seiner Karriere widerfahren waren. Die Szene, in der Strauchdiebe seine Familie abmetzeln und ihm die Zunge abschneiden, ist fast unansehbar. Der stumm gewordene Paul zieht daraufhin das schwarze Gewand der Rache an und macht Schluß im Quadrat, mit dem Largo aus Beethovens 7. Symphonie im Hintergrund...

Nach einem experimentellen Kurzfilm, EL NECROFAGO, der auf Texten von Baudelaire basierte, kam er erst 1996 wieder dazu, an einem Film teilzuhaben, der das phantastische Genre berührte. LICANTROPO bedeutete die Rückkehr von Waldemar Daninsky, doch der Regisseur jenes Filmes besaß nicht einmal ansatzweise das Flair für das knallig Triviale, für die schauerromantische Groteske und die tragische Liebe, die in Naschys Arbeiten mit Klimowsky so vorzüglich herübergekommen waren. Das Ergebnis befriedigte weder Pauls Erwartungen noch die der gespannt wartenden Öffentlichkeit. Es bleibt nur zu hoffen, daß es irgendwann wieder einen Regisseur geben wird, der sowohl den Stil als auch das Herz besitzt, um dem Heroen von einst die Silberkugel aus dem Herzen zu ziehen!

Mit diesem Film endet vorerst meine kleine Werwolfsaga um den unsterblichen Paul Naschy! Sie wird wiederauferstehen am 19. Oktober 2002, wenn Waldemar höchstpersönlich im Schauburg-Kino in Gelsenkirchen-Buer auftauchen wird, um Hallo zu seinen zahlreichen Fans zu sagen... Ich kann nur sagen, daß ich vor Vorfreude und Spannung bereits berste, und ich werde aufpassen, daß mich dieser Mann nicht beißt. Denn der Vollmond lauert hinter jeder guten Absicht, und eh man sich´s versieht, hockt man auf dem Dach und heult den Mond an! Und ob dann zur rechten Zeit ein Schönliebchen parat steht, die einem die Silberkugel ins Herz feuert? Wem es davor nicht graust, der ist wärmstens dazu aufgefordert, uns zu helfen, diesem großen Mann den Tribut zu zollen, den er verdient! Sagt Hallo zu Paul - sagt Hallo zu Jacinto! Und:

Bringt den Vollmond zum Leuchten...

Samstag, 19.10.2002
  Einlass: 10.30 Uhr vormittags,
  Beginn: 11.00 Uhr vormittags,
                       im SCHAUBURG Filmpalast, Horster Straße 6, 45897 Gelsenkirchen-Buer:
   PAUL NASCHY LIVE!
        Der Großmeister des spanischen Horror-Kinos
          und zwei seiner schönsten Filme

Mehr Informationen unter: info@buio-omega.de

Paul Naschys offizielle Fanpage findet Ihr hier!

BACK