Tony Kendall è morto!
Gerade eben habe ich erfahren, daß der italienische
Filmschauspieler Tony Kendall (bürgerlich: Luciano Stella)
verstorben ist. Ich kann das noch gar nicht glauben, war Tony doch vor
zwei Monaten noch im "Geheimnisvollen Filmclub" zu Gast. Er
entzückte uns vor, während und nach der Vorstellung mit
seiner Lebendigkeit, seinem Humor und seiner Gelassenheit. Daß er
nicht mehr unter uns weilt, ist wirklich unfaßbar.
Luciano Stella wurde am 22. August
1936 in Rom geboren. Nachdem er an diversen "Fotoromanzi" mitgewirkt
hatte, bekam er Ende der 50er Jahre seine erste Rolle in einem Film.
Sein blendendes Aussehen führte dazu, daß er in den beiden
folgenden Jahrzehnten die Position des charmanten Playboys, Casanovas
und Strahlemannes innehatte, die er in zahlreichen Produktionen mit
unannachahmlicher Lässigkeit ausfüllte. Als besonders
populär erwiesen sich die in deutscher Koproduktion entstandenen
Agentenfilme um den "Kommissar X". Als Jo Walker durfte er nicht nur
James Bond Paroli bieten, sondern auch dem ihm in Haßliebe
zugetanen Polizeioffizier Rowland (gespielt vom Amerikaner Brad Harris)
auf die Nerven gehen. Zu seinen anderen bedeutenderen Produktionen
zählt Mario Bavas Horrorfilm-Poem DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU,
Giuliano Montaldos erstklassiger Gangsterfilm AMERICAN ROULETTE und
Amando de Ossorios Horrorschocker DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN
LEICHEN. Außerdem war er in unzähligen Western, Krimis und
sonstigen actionsbetonten Leinwandepen zu bewundern.
Bei seinem Besuch im Club machte er
den Eindruck eines zufriedenen, sein Leben als Geschenk betrachtenden
Zeitgenossen. Er muß bereits gewußt haben, wie es um ihn
stand, und dieser Umstand nötigt mir den allerhöchsten
Respekt ab. Anstatt zu jammern und zu resignieren, riß er sich
zusammen und machte uns und unserem Publikum damit eine
unvergeßliche Freude. Im "Zirkus Parolini", der bei uns auf der
Bühne tobte, nahm er die Rolle des eleganten Dompteurs ein,
flachste mit den beiden anderen herum und hatte offensichtlich eine
angenehme Zeit. Daß dies auch für uns der Fall war, liegt an
seiner großen Liebenswürdigkeit. Zusammen mit den anderen
beiden gab er Autogramme, bis die Hände bluteten. Mir blutet das
Herz, wenn ich mir vorstelle, daß sein Licht jetzt erloschen ist.
Aber das ist es nicht wirklich, denn die Erinnerung an die schönen
Tage wird immer da sein, und wann immer wir jetzt seinen Namen in einem
Vorspann erblicken, werden wir einem Freund begegnen.
Tony Kendall (1936 - 2009)
R.I.P.