DIE ATTRAKTION DER ERDE ALS
KAMMERTON DES HERZENS
Zweiter Teil des
Söldnerunwesens

Ja, viele Zweiteilungen sind es, die den Menschen mit der eigenen
Existenz entzweien. Der Fall geht häufig ins Uferlose. Daß
die Söldner zerteilt werden, wußte ich vorher nicht, aber es
ist ja auch ganz im Einklang mit der Botschaft des Textes, die da
lautet, daß es gerade die Zweiteilung ist (in Gut und Böse,
Recht und Unrecht etc.), die für all die bösen
Kriegshändel verantwortlich ist, die den Planeten stündlich
verwüsten. Die Zweiteilung muß raus aus dem Kopf; man sollte
sich mindestens das Vierteilen angewöhnen. Äußerungen,
die im folgenden Text beziehungslos scheinen, sind dies auch im
Zusammenspiel mit dem ersten Teil. Dies ist die moderne Zeit, Baby.
Mal die Leserbriefe kucken... Zwei zu eins. Scheiße,
die Quoten sacken. Da wird's ja bald so laufen wie mit der Margarete.
Auf der Straße, da ist's kalt. Nur mit einer Zeitung bekleidet,
da läuft die Öffentlichkeit an dir vorbei. Bittere Zeiten
sind's, und kein Ende ist in Sicht. You are the sunshine of my life, da
da-da-da. Und jetzt wird in die Hände gespuckt, wir steigern das
Brutalosozialprodukt. Hit it!
VERMISST IN HANDLUNG
Mir sind gerade Spaghetti explodiert. Diese Information spielt im
Hinblick auf italienische Söldnerfilme keine große Rolle,
wirft aber ein bezeichnendes Schlaglicht (blink, blink) auf meine
Eignung als Gourmetkoch. Vielleicht waren die Spaghetti ja
"all'arrabbiata" - tja, jetzt kleben sie an der Wand.
Larry "der Lude" Ludman alias Fabrizio "totally fab" de
Angelis hat als Produzent wesentlich mehr auf dem Kasten denn als
Regisseur. Das ist die übereinstimmende Meinung all jener, die mit
ihm zusammengearbeitet haben. Trotzdem aber sind seine Regiearbeiten
(seit 1983, dem Jahr von THUNDER) zumindest technisch kompetent und auf
dem Videomarkt ohne größere Verdauungsprobleme absetzbar.
Thomas hat schon mal seinen OVERTHROW eines Blickes gewürdigt. Ich
möchte hier auch auf seinen unglaublichen L'ULTIMA PARTITA (dt:
THE LAST MATCH) hinweisen, in dem Oliver Tobias seinen Sohnematz
befreien möchte, und zwar aus den gierigen Krallen eines
autoritär diktierten Gefängnisleiters namens Henry Silva. Um
dieses Ziel zu erreichen, greift sich Oliver nicht nur den Ex-Trainer
Ernest "Ernie" Borgnine, sondern auch seine ehemalige Vietnam- und
jetzige Footballtruppe. Und damit sie bei der Befreiungsaktion nicht
bemerkt werden, ziehen sie sich alle dafür ihre Footballklamotten
an! Muß man gesehen haben, um es zu glauben.
Immerhin zu seinen besseren Leistungen gehört COBRA
MISSION (DIE RÜCKKEHR DER WILDGÄNSE, 1985), der in
Zusammenarbeit mit der Schweizer "Ascot" entstand. Dieser Umstand
zauberte (genau wie in den ähnlich gelagerten Filmen von
Margheriti) in Gestalt des wunderbaren Manfred "Manni" Lehmann noch
einen bundesdeutschen Farbklecks in das Grün des Dschungels.
Und auch ansonsten gibt es so manches Wiedersehen mit
bekannten Gesichtern. Eine Gruppe von gescheiterten Vietnamveteranen
findet wieder zueinander. Chris Connelly hat eine reiche Schlampe
geheiratet und mit ihr ein ekelhaftes Kind gezeugt, das heiratet, denn
das Zepter der sozialen Unabhängigkeit muß weitergereicht
werden. Daß Chris seine alten Kameraden eingeladen hat - die sich
obendrein aufführen wie die Bierkutscher -, will der gespreizten
Madame nicht munden. Als sie mault, begeben sich alle in eine Bar.
"Alle" - das sind außer Lehmann noch der Brite John
Steiner und sein Landsmann Oliver Tobias, den man aus einer
Nervenklinik rausgeeist hat. In der Bar treffen sie auf Kollegen aus
dem großen Zweiten ("Wenn ich an den verdammten Winter in den
Ardennen denke, au!"), die mit provozierenden Reden das Ansehen der
Vietnamveteranen brutal mit Kot überziehen. Manni kann sich nicht
damit abfinden und macht das, was man als aufrechter Soldat in so einem
Fall zu tun hat: Kleinholz.
Dann begibt man sich an die alte Wirkungsstätte.
Zuerst kommt General Gordon Mitchell, der sie vor Major Morris warnt,
dem sein Fanatikertum eine Suspendierung eingebracht hat.
Natürlich wird genau jener Morris als nächstes besucht, und
hier lauert eine geharnischte Überraschung, denn in der Rolle des
Kommunistenfressers findet man Enzo G. Castellari, einen der besten
Actionregisseure des Landes!
Da das Wochenende etwas flau daherkommt, fährt man
nach Bangkok, um einen alten Kumpel zu treffen. Auch besuchen die
wackeren Kämpen eine Art Hilfsorganisation, die Eltern Geld aus
der Tasche lockt und ihnen dafür vorflunkert, man würde ihre
vermißten Kinder suchen. Chef der Organisation ist Enzos Bruder
Enio (!), und der besorgte Elter ist Luciano Pigozzi. Auch hier wissen
sich die Wildgänse nur mit totaler Vernichtung des Mobiliars zu
behelfen.
Ja, Leichen pflastern ihren Weg! Pater Lenoir wird
gespielt von Donald "Onkel Donald" Pleasance, und die Tatsache,
daß er etwas angesäuselt ausschaut, soll nicht darüber
hinwegtäuschen, daß er den Daumen am Puls hat - im Keller
seiner Kirche befindet sich ein ganzes Waffenarsenal! Mit Lenoir
gewaschen...
An dieser Stelle bin ich rausgegangen, um mir ein
Butterbrot zu schmieren. Als ich wieder reinkam, hoppelten die
Waffengänger wie die Kaninchen durch den Dschungel, nach links und
rechts Köttel aus rostfreiem Stahl verstreuend. Nicht näher
bezeichnete "Schlitzis", "dreckige Gelbärsche" und "gelbe Hunde"
fallen für ihr Vaterland. Die Zeichnung der Vietcongs ist nicht
besonders differenziert, es kann nicht verschwiegen werden. In einem
Dorf, das man besucht, ist niemand so recht begeistert, daß die
Befreier endlich da sind. Als dann das Gefangenenlager erreicht wird,
wo die "missing-in-action"-Gesellen einsitzen, vergessen Manni und
seine Freunde die Hälfte - die bleiben einfach da!
Lehmann hat im übrigen seine beste Szene, als er
einen mit Dynamit vollgepoppten Lastwagen in eine rote
Straßensperre hineinfahren läßt: Mittelfinger,
Stirnband und "Verreckt alle!" Hui-Buh, hier geht's ab. Als er wenig
später eine Asiatin beschlafen will, enthüllt ihm diese ihre
verbrutzelte Vorderfront ("Das war amerikanisches Napalm!") und
schießt ihn über den Haufen.
Man sollte anmerken, daß sich de Angelis einige
kritische Anmerkungen zum US-Einsatz und zur Ethik des Soldatentums
nicht nehmen läßt (es gibt sogar eine Bezugnahme auf My
Lai), aber es handelt sich hier eher um modische Zynismen, die den
Geist der Rambo-Zeit gut wiederspiegeln: Alles ist bitter und sinnlos,
aber was getan werden muß, muß halt getan werden. Der
dritte Weltkrieg - das wird hier einmal mehr deutlich - läuft
bereits, und er tut dies seit dem Ende des großen Zweiten. Die
Kriegslinie hat sich nur etwas verlagert. Immerhin sind die brutalen
Taten - anders als in vergleichbarer US-Ware, etwa der mit dem Mann mit
dem Kartoffelgesicht oder mit dem Mann mit der Gesichtslähmung -
wirklich brutal und dreckig. Gehört sich so, finde ich. Hier
steckt kein Glanz verborgen, der Seim des Proletariertums sprüht
giftig und traurig stimmend.
Als die wenigen Überlebenden der großen
Tortenschlacht kurz vorm Erreichen ihres Ziels sind, taucht auf einmal
die halbe NVA auf. Ein amerikanischer Hubschrauber schraubt herbei, dem
Gordon Mitchell entsteigt, aber das verwundert jetzt auch niemanden
mehr. Der ganze Schmuh mit den Kriegsgefangenen geschieht im
Einvernehmen mit der US-Regierung. Oliver meint nur trocken: "Ich gehe
wieder in meine Klinik zurück!" Steiner: "Ich habe mit diesem Land
nichts mehr zu tun." Ein schönes Kloß-im-Hals-Ende wird doch
noch vermiest, wenn auch das Schlußbild wirklich gelungen ist.
Der Film ist akzeptable Trash-Kost, die auch den
"Wildgans"-Freunden unter den Videokunden wohl genug Wumm für ihr
Geld gegeben hat. Die Kameraarbeit von Sergio d'Offizi ist sehr gut und
macht aus der Uninspiriertheit der Regie das Beste. Auch gelungen ist
Francesco de Masis stark an Jerry Goldsmith erinnernde
Schmedderetäng-Musik, die es auch auf LP gibt und teilweise auf
CD.
Was die wenigsten wissen: Es gibt auch eine Fortsetzung,
COBRA MISSION 2, die hierzulande als COBRA MISSION vermarktet wurde.
Der Film, inszeniert von Camillo Teti und produziert von Fabrizio, ist
ziemlich mies, aber da das Cover großartig ist, möchte ich
ihn mit hineinnehmen.
Der Veteran Roger (soll, glaube ich, der
Connelly-Charakter aus Teil 1 sein) kommt zum Begräbnis eines
Kollegen und wird sofort vom Boß für ein Attentat
angeheuert, das einem Diktator heimleuchten soll. Wo genau die Diktatur
liegt, ist ungewiß. Gedreht wurde das Ganze auf Santo Domingo,
aber dort läßt man ja sogar Joe d'Amato seine Pornos drehen
- sooo autoritär kann man da also nicht sein! Mit einem dieser
Pornos wäre man wohl auch besser beraten gewesen, denn die
geometrische Visage des namenlosen Hauptdarstellers hat Schlitze wie
Augen und sonst nüscht. Immerhin hat seine Dominikaner-Connection,
Gabriel, einen geilen Schwulenschnäuzer - die beiden waren
garantiert früher Videothekare, die Schiffbruch erlitten haben und
danach nochmals mit einem Sportstudio. Das kann nicht laufen, nicht auf
Santo Domingo. Gemeinsam ist man stark und bombt den halben Safaripark
Hodenhagen zusammen. So spannend wie ein Hautausschlag, det janze
Jesumse. Wer sich durch diesen Film Erkenntnisse darüber erhofft,
wie man einen Diktator fachgerecht exekutiert, der wird eine
Enttäuschung erleben - das kann die CIA wirklich besser.
Dafür kann man aber einiges darüber lernen, wie man einen
Soundtrack geschickt wiederverwertet: in diesem Fall Stefano Mainettis
Score zu Ignazio Dolces ANGEL HILL (dt: BYE BYE VIETNAM). Wenn man dem
Film schon nichts anderes entnehmen kann, so mag doch zumindest die
Lektion, daß man keine Spaghetti als Fertiggericht kaufen soll,
dem Leser seinen weiteren Gang durchs Leben erleichtern oder gar ebnen.
EINE KATZE NAMENS KACK
Liebe Mami. Ich schreibe dir aus Feindesland, wo ich an einer neuen
Kolumne arbeite. Leider leide ich an einer grauenhaften Erkältung,
die meine Augäpfel zu großen Medizinbällen anschwellen
läßt und mir Fetthöcker in den Kopf gezaubert hat. Der
Fernseher läuft, dauernd explodieren Bomben und Rotz tropft aufs
Papier. Bestimmt muß ich jetzt sterben und werde nicht mehr zu
meinem Artikel über Sandalenfilme kommen.
Ein Film, den ich jahrelang zuordnen wollte, ohne es zu
können, ist AFGHANISTAN CONNECTION, der in Italien als FRATELLI DI
SANGUE lief. Er ist leicht zu verwechseln mit Tonino Valeriis
gleichnamigen Film (bei uns: BROTHERS IN BLOOD), der zu des Regisseurs
wenigen schlechten Filmen gehört und als einzigen Höhepunkt
eine Travestie-Nachtclub-Szene mit Werner Pochath besitzt.
Auch AFGHANISTAN CONNECTION ist nicht so toll, aber man
kann ihn kaum als einen von Regisseur Tonino Riccis wenigen schlechten
Filmen bezeichnen. Der einzige wirklich gute Film Riccis ist m.E. der
Giallo UN OMICIDIO PERFETTO AL TERMINE DI LEGGE, und ausgerechnet der
war in Germany nicht zu sehen. In AFGHA geht es um liebgewonnene
Klischees des "Kalten Krieges": Irgendwo in den Albaner Bergen
(=Afghanistan) wird ein Dr. Hunter und seine Tochter Samantha von
bösen Russen davongebombt. Dabei werden farbige Rauchfackeln
(=chemische Kampfstoffe) eingesetzt. Da nicht nur die Russen, sondern
auch die auf diesem Gebiet gleichfalls operierenden Amis ein
geharnischtes Interesse daran haben, daß der gutherzige Doktor
nicht dazu kommt, seine Botschaft an "amnesty international"
weiterzugeben, schickt General Stelio Candelli (habe ich auch schon
total lange nicht mehr gesehen, den Stelio!) eine Gruppe
mörderischer Muskelprotze in die Taiga. Nummer Eins in diesem Team
ist der Haudrauf Conrad Nichols ("Ich bade lieber in Bier!"), der
Regisseur Ricci auch durch RUSH 1 + 2 sowie das Meisterwerk THOR DER
UNBESIEGBARE BARBAR begleitete. Ihm wird bedeutet, daß er sich
bei irgendeinem Hindukusch namens Hirbe Islami oder Birtes Salami oder
was weiß ich zu melden habe. Seine Spießgesellen sind -
jawohl, da isser ja: Werner Pochath, Howard Ross (Renato Rossini) und
Richard Raymond. Göttlich sind die Dialoge dieser
Gemütsmenschen: "Wie kommen wir da hin?" - "Durch den Iran." -
"Khomeini wird das nicht gern sehen!" - "Wir bringen 'n paar Geschenke
mit!" - "Das klingt ja kinderleicht." - "So leicht wird's nicht!" -
"Wie meinst du das?" - "Der Job ist nicht leicht, aber wir werden's
schon schaffen!" Jaaaa, da denkt man an die Glanzzeit von Hollywood
zurück, als Heroen wie Ben Hecht Zeilen wie Goldstücke in die
Münder der Stars gelegt haben.
Gemeinsam besucht man Afghanistan und bestaunt die rauhe,
aber intensive Schönheit der Landschaft. Nebenbei werden noch
Dutzende von Tuaregs (oder wie das da heißt) füsiliert. Als
man auf die richtige Gruppe stößt, sind Professor und
Töchterlein aber mittlerweile in den Besitz eines bösen
Scheiches übergewechselt. Von einem Führer namens (Salman?)
Kushdie sollen sie zu dem Verbrecher gebracht werden. Doch an ehrlichen
Verhandlungen ist den Söldnern nicht gelegen: Sie brechen lieber
ins Lager ein, ballern alles zuschanden und klauen Tochter Samantha und
ihren eingeborenen Pagen. Der Professor ist nämlich mittlerweile
gestorben und sieht aus, als habe man ihm ins Gesicht gekotzt. Dann
wird noch eine Weile verbissen gebombt, wobei man erwähnen sollte,
daß die Bösewichter alle Tücher vorm Gesicht haben, was
den Helden auch ganz gut stehen würde. Leider erkennt man aus
diesem Grunde nicht Stuntleute wie Neno Zamperla oder die
dell'Acqua-Brüder, die in Tausenden von Abenteuerfilmen und
Western aufgetaucht sind und hier anonym durch die Gegend hüpfen.
Das kracht und zischt, und man kann schon mal rausgehen, um lecker
Brötchen zu schmieren oder eine Klöppelarbeit zu beginnen. Da
die Söldner das böse Spiel ihrer Auftraggeber nicht
mitspielen wollen, landet man statt im Iran lieber in Pakistan, wo man
Samantha und den jungen Amin absetzt. Letzterer hätte gut nach
London gehen können, um dort einen wunderbaren Waschsalon
aufzumachen; stattdessen zog es ihn, wie die Geschichte lehrt, nach
Uganda, um dort Dada zu machen! Auf Nichols' Pilotenhelm gibt es noch
einen der schönsten Mikroschatten aller Zeiten - dann ist Ruhe im
Karton!
STREICHELKOMMANDO
Ob "Nomeansno" an Bruno Mattei gedacht haben, als sie in einem ihrer
flotten Schlager "Oh no, Bruno, too much is not enough" gesungen haben,
ist mir leider nicht bekannt - Kanada ist weit ab vom Schuß, und
es muß nur einmal richtig doll schneien, damit dort alles
zusammenbricht. Damit bei Bruno alles zusammenbricht, braucht man ihm
nur eine Filmkamera in die Hand zu geben. Den Rest besorgt der
natürliche Ablauf der Dinge. Thermodynamisch bezeichnet man dieses
Phänomen, glaube ich, als Entropie. Zum gehörigen
Entropisiertwerden hat in Matteis Söldnerfilmen aber niemand
Gelegenheit, denn im Nu zersetzt sich alles und jeder, wie aufs STRIKE
COMMANDO. (Jau, was für ein Übergang!)
Eigentlich gibt es ja sogar zwei Commandi - das erste in
Deutschland erschienen als COBRA FORCE (1986), das zweite als HEROIN
CONNECTION (1988).
Teil 1 befaßt sich mit den Abenteuern des
Vorzeigesoldaten Mike Ransom, gespielt von Reb "Laus" Brown. Dieser
Mime allein lohnt das Ansehen von STRIKE COMMANDO. Man sollte es kaum
für möglich halten, aber er hatte mal eine Rolle in einem
richtig guten Film, nämlich Philippe Moras DEATH OF A SOLDIER, in
dem er einen psychopathischen US-Soldaten spielt, der in Australien
seine Opfer auch jenseits der feindlichen Grenzen sucht. Meines Wissens
ist Reb der Sohn der berühmten Comic-Figur Charlie Brown;
jedenfalls sieht er so aus. Wenn er seine diversen Massenmordwerkzeuge
erhebt und sein Gesicht sich zu einer Popcorn-Version von Munchs
Gemälde "Der Schrei" verwandelt, nur um die aufgestaute sexuelle
Energie in einem brachialischen Donner- und Flammengetöse
herausbrechen zu lassen, dann wird klar, daß dieser Mann
große Sozialisationsprobleme hat. Vererbt von Vater zu Sohn,
möchte man vermuten.
Reb ist Bestandteil einer Elitetruppe namens "Cobra Force"
(vielleicht sogar "Strike Commando"?), die gleich zu Anfang eine Horde
gelber Affen in einer Flammenhölle gen Hades jagt. Die Strafe
für das Kriegsverbrechen folgt aber auf dem Fuße, da Colonel
Chris Connelly auf die Truppe pfeift und alles in die Luft sprengt.
("Die Cobra Force existiert nicht mehr. Jeder von ihnen war ein Held.")
Als einziger Überlebender des Massakers irrt Reb durch den
Dschungel. Gesundgepflegt von einigen als Eingeborene verkleideten
Papageien (die andauernd alles wiederholen, was man ihnen sagt),
fühlt sich Reb so ganz als Exponent seiner Nation und erzählt
dem kleinen Dschungelkind Lau (das aber nicht lau daherkommt, sondern
dull) von seinem Land: "ein Land, wo Donald Duck und Micky Maus leben",
wo Zuckerwatte an den Bäumen wächst und wo "der Geist der
magischen Lampe" Wunder vollbringt. Man fragt sich, wie der Mann es
schafft, durch die Welt zu spazieren, ohne andauernd gegen Hindernisse
zu stoßen, wie etwa Laternenpfähle, Briefkästen oder
Zäune. Da er in seiner Eigenschaft als Amerikaner natürlich
sofort als Retter verehrt wird, muß er einiges tun, um diese
Anbetung zu rechtfertigen. Zuerst einmal haut er allerdings ab.
In Amerika trifft er den gehaßten Colonelli wieder,
wie auch seinen Freund und Vorgesetzten Major Harryman. Dieser Major
wird übrigens verkörpert von einem lieben Bekannten aus
zahlreichen Söldnerfilmen der 70er und 80er: Mike Monty.
Bemerkenswert ist die äußere Erscheinung dieses Mannes, denn
besonders in seinen späteren Auftritten (z.B. in Fulci/Matteis
ZOMBI 3) sieht er dem Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld zum Verwechseln
ähnlich! Wenn er in die Kamera schaut und seine Augen
stählerne Blitze versenden, weiß man, daß dieser Mann
die Borussia aus dem Schlamassel führen würde.
Reb stößt mit seiner Behauptung, im
vietnamesischen Dschungel auf Russen gestoßen zu sein (Russen? In
Vietnam? Ausgeschlossen!) auf taube Peanuts und wird mit einer Kamera
zurückgeschickt, um Beweise zu sammeln. Das erste, was er
allerdings fotografieren kann, sind die Überreste des Dorfes, in
dem er hochgepäppelt worden war. Den sterbenden Lau in den Armen
schaukelnd, zeigt Reb Gefühle. Vormals hatte ihm eine Frau noch
gesagt: "Es ist ein Fehler, kleinen Kindern Illusionen zu machen." Ein
typischer Frauenrat, ist es doch gerade diese Maxime, die einen der
Grundpfeiler der modernen Zivilisation bildet. Lau stirbt und
läßt Reb in Pein aufschreien. Supergrimassen, das macht
einfach Spaß, zuzusehen.
Der Oberschurke ist der dicke Alex Vitale, der genau zu
der Sorte menschlicher Montblancmassive gehört, denen man in der
Disco die Freundin anbaggern möchte. ("He, haffte meine Freundin
angepackt?" Schöne Grüße an Elch.) Vitale macht seinem
Namen alle Ehre und metzelt, daß die Schwarte kracht. Auch
Margheriti-Tausendsassa Luciano Pigozzi gehört zu seinen Opfern.
In einer Szene kreuzt Vitale den Weg einer Kobra. Seine Reaktion ist
denkbar unkompliziert: Er gröhlt und kickt sie weg! Gnorf. Eine
Ähnlichkeit mit Meister Propper ist ebenfalls kaum zufällig.
Reb befindet sich schon bald in Vitales liebevoller Obhut.
Mit einem verwesenden Leichnam eingesperrt, kommt ihm schon bald die
kalte Grütze hoch. (Vitales russische Partnerin: "Das ist keine
Folter mehr...das ist inhuman!" Jau, humane Folter.) Als Madame Olga
aber das Verhör von Reb übernehmen soll, gelingt diesem die
Flucht. (Wenn man Frauen schon mal 'ne Sache in die Hand gibt...)
Colonelli will daraufhin Rebs Befreiung persönlich
übernehmen, denn: "Er ist es wert!"
Reb Brown und Vitale sind erstaunlich nuancierte
Schauspieler, und es ist eine wahre Freude, den beiden zuzuschauen, wie
sie im Unterholz herumkrauchen. Und überall liegen Ranken, der
Wald ist voll davon! Ihren Höhepunkt haben die beiden beim
Schlußkampf, als sie kurzerhand mit den Köpfen
gegeneinanderlaufen. Bumm, und der Vitale segelt über den
Wasserfall. So machen Abenteuerferien Spaß!
Der Film ist für totalen Scheißdreck
überraschend unterhaltsam anzuschauen. Riccardo Grassettis
Bildführung ist sauber, und Ceccarellis Discomucke würde ich
mir jederzeit auf CD zulegen, wenn es sie gäbe. Die Dialoge sind
wundervoll ernstgemeint. Gleich zu Beginn gibt's ein rechtes Zuckerli,
als Brown in den Vietcong-Hort einbricht und vom Wachposten gestellt
wird: "Halt, wer ist da?" - Reb: "Alles in Ordnung!" - Wache: "Dann ist
gut." Jaul. Gar zahlreich sind die Beispiele klassischer Schundzeilen,
wie "Ich kann Sie jetzt nicht mehr decken!" oder "Mit Soldaten wie ihm
werden wir eines Tages siegen!" Das bezweifle ich nicht. Ich bezweifle
aber stark, daß Bruno mit der Szene siegen wird, in der Reb den
bösen Connelly (dessen Name, Radek, ihn bereits vorher für
denkende Zuschauer als KGB-Spion verraten hat) in die Luft jagt: Wer
einen Recorder mit Einzelbildschaltung besitzt, sollte sich die Freude
machen, die Schaufensterpuppe auszukucken, die anstelle von Connelly
explodiert. Die Ähnlichkeit ist absolut verblüffend.
(Connellys großartigste Leistung besteht übrigens in der
Zeugung seiner wunderhübschen Tochter Jennifer.)
Schnell zu HEROIN CONNECTION. In diesem erneut von
Fragasso geskripteten Meisterwerk gibt es tatsächlich Verweise auf
ein "Strike Commando", doch der Film schlägt einen entschieden
anders gelagerten Grundton an. Möglicherweise handelt es sich bei
diesem Film um das erstaunlichste Beispiel für Matteis
Kunstfertigkeit, wenn es um das Abklatschen erfolgreicher Vorbilder
geht. Daß die daraus resultierenden Produkte selten den Glamour
der Vorbilder erreichen, enttäuscht nur oberflächlich, vor
allem, wenn sie in ein Fragasso-Meer (das soll eine Anspielung auf
Sargasso sein, ich bin heute wieder albern) hanebüchener Zeilen
getaucht sind. Aus diesem Meer gibt es keine Rettung. Richard Harris
wußte das nicht, und deshalb stürzte er sich mit diesem Film
kopfüber in die Fluten!
Der Anfang präsentiert uns einen drömelig
daliegenden Mike Ransom, der diesmal von dem Amerikaner Brent Huff
gespielt wird. Sein geistiger Ziehvater Vic Jenkins ist von bösen
Menschen getötet worden. Bruno schenkt uns eine von diesen
besinnlichen Zeitlupenrückblenden im vietnamesischen Kriegsfeuer.
Die Steppe brennt, die Tundra lodert wie wild. Da Jenkins von Harris
gegeben wird, überrascht es nicht baß, daß kurz darauf
ein amputierter Kriegskumpel von Ransom vorbeischneit und ihm davon
berichtet, daß Jenkins, der ein CIA-Agent war, jetzt "auf Eis
gelegt" worden ist, aber noch sehr wohl unter den Lebenden weilt.
Natürlich düst Ransom sofort zum CIA-Mann seines Vertrauens
und überzeugt ihn von den Vorteilen rückhaltloser Offenheit.
Der Amputierte wird derweil in einem Zug von einem russischen Killer
namens Svet Kraminski erdrosselt. Diese ruchlose Meucheltat findet
mitten im Gang statt. Die anderen Fahrgäste interessiert das
überhaupt nicht. So stelle ich mir die dritte Klasse vor.
Besonderes Augenmerk sollte man in dieser hübschen Szene auf das
Graffiti richten, vor dem Hinkebein sein Leben aushaucht: "Elmer Ohwell
knew" steht da nämlich.
Richard Harris sieht selber wie Elmer Ohwell aus, als er
das erste Mal die Treppe runtertorkelt. Der ist auf Eis gelegt, und das
Eis schwimmt in einem Whiskyglas! Der kommt kaum runter! Harris ist
ohnehin einer meiner besonderen Lieblinge, da er sich nie für
etwas zu schade war und in den schlechteren Rollen (wie in Dereks
großartigem TARZAN) schon mal fröhlich herumfeixt. Ein
kostenloser Urlaub in Italien, ein paar Drinks und viel Spaß beim
Drehen, das wird unterm Strich dabei herumgekommen sein. Der Mann ist
einfach nur saucool. Die Kleidung sieht gelegentlich etwas nach Klaus
Beyer aus. Die Lage verschlimmert sich, als er von Drogengangstern
gekascht wird, die im Austausch Rohdiamanten fordern. Auf dem
beiliegenden Schleyer-Video sieht Harris genau so aus wie ich nach
einer Flasche Southern Comfort auf Ex.
Ransom wird daraufhin von CIA-Mokel Massimo Vanni in den
Dschungel geschickt und darf dort die halbe Handlung von RAIDERS OF THE
LOST ARK nachempfinden. Besonders gelungen in dieser Hinsicht ist eine
Lastwagenfahrt (bis in einzelne Einstellungen hinein kopiert), eine
Trinkszene mit der handfesten Leading Lady und der Killer, der so
aussieht wie Spielbergs Chefnazi. Zudem wird das Geschehen ständig
kontrapunktiert von flapsigen "Indiana-Jones"-Scherzen, was nicht von
der Tatsache ablenkt, daß die Brutalitäten teilweise herbe
Züge aufweisen. Huff ist im übrigen etwas sympathischer als
Reb Brown und erinnert an einen Chippendale-Tänzer ohne Haare.
Seine Partnerin, Mary Stavin, ist auch ungewöhnlich
erträglich und sieht verdammt chefig aus. Das Filmen muß
echt toften gewesen sein, denn alles flachst zum Gottserbarmen.
Mainettis Musik töst abenteuerlich, erreicht aber nicht seinen
sonstigen Standard. Wer in dieser Hinsicht mal richtig verwöhnt
werden möchte, sollte sich Al FATAL FRAMES Festas Mucke zu Matteis
megatrashigem PREDATOR-Rip-Off ROBOWAR (dt: ROBOMAN) anhören;
dagegen war der Börsenkrach gar nichts.
Ansonsten bietet der Film eine Menge Aktion von der Sorte,
wo man Sprengsätze explodieren sieht und im Umkreis von ca. 100
Metern Leute akrobatisch durch die Gegend fliegen. Das ist wild, das
ist frech, wie der Patrick sagen würde! Auch schön die
dampfenden Einschußlöcher. In einem von diesen Löchern
muß auch Luciano Pigozzi verschwunden sein, der angeblich einen
"smuggler leader" spielt, aber trotz intensiver Suche nicht aufzufinden
war. Vielleicht erholte er sich noch von seinem Auftritt in Matteis
Western WHITE APACHE, der gar nicht mal so gut ist...
In Brunos DOUBLE TARGET (DER KAMPFGIGANT) spielt Pigozzi
zwar auch nicht mit, dafür aber Elmer Ohwell, und zwar unter dem
Pseudonym "Miles O'Keeffe". (Vielleicht war es Brunos Ehrgeiz, die
ganze Besetzung von TARZAN durchzugehen... Gibt schlechtere Ideen.)
Gleich in seiner ersten Szene meldet sich Miles in typischer Kraftpose
am Telefon - der kann nicht einmal normal abheben! Wie es scheint, gibt
es Ärger mit den südvietnamesischen Behörden: Man will
ihm das Recht verwehren, seinen Sohn zu suchen, den er einst mit einer
dort ansässigen Schönheit gezeugt hat. Unter welchen
Umständen der gezeugt wurde, wird leider nicht gesagt. Sei's drum:
Wie es bei den Kommies üblich ist, wird Miles sofort in eine
Kammer gezerrt. Der asiatische Beamte war schon toll; ein deutlicher
Besucher des "Wie-spiele-ich-böse-Schlitzaugen"-Seminars. Aber
jetzt kommt der schwedische Ex-Eishockeyspieler Bo Svenson und macht
den dritten Grad. Miles hat keinen Bock auf Entspannung und
knüppelt die ganze Truppe in die Ecke. Wieder zu Hause,
begrüßt ihn Colonel Waters, gespielt von Mike Monty - who
else? Und dann geht die Post so richtig ab: Donald Pleasance spielt
Schreibtischhengst Senator Blaster, und gleich bei seinem ersten
Auftritt kämpft er würgend mit dem Inhalator und kotzt dabei
fast auf den Tisch. Spitze! Und er hat jede Menge Weisheiten dabei:
"Ein Soldat braucht mehr als Muskeln!", und: "Schlachten, Mister Held,
werden nicht nur mit Waffen gewonnen!" (Ich möchte dem kurz
widersprechen: Ein Soldat braucht NICHT mehr als Muskeln, und
Schlachten werden WOHL nur mit Waffen gewonnen.) Miles verspricht Onkel
Donald, daß er ihm seinen Inhalator in die untere
Körperöffnung einführen wird, und fährt Richtung
Philippinen.
Schwer zu sagen, wie das jetzt kausal zusammenhängt.
Zuerst kämpft Miles mit einem der gefährlichen Filipino-Haie
(der explodierende Hai sieht gut aus und stammt bestimmt aus einem
anderen Film); dann trifft er Richard Raymond, der ihn zu seinem Sohn
Sonny schleust. Sonny hat aber keinen Bock auf seinen Papi, was dieser
mit Verbitterung aufnimmt. Aber er hat gar keine Zeit, sich zu
grämen, denn sofort geht's weiter ins Russenlager, und da wird der
Raymond erst mal erbittert zusammengequatscht von Massimo Vanni, der
hier aussieht, daß echt alles zu spät ist. Es gelingt den
beiden Amis, die Personalakten von Brunos "Flora Film" abzulichten.
Eine Menge Kampfgetümmel folgt, bei dem Sonnys Dorf vom wilden
Schweden aufgemischt wird und Raymond auf eine Mine tritt. Kaum hat
Miles dann eine Blondine mit Hausboot und ihren Papi Luciano Pigozzi
(diesmal wirklich) kennengelernt, schon fliegt wieder alles auseinander
- die Tristesse des Kriegsboten. Es gibt einen hübschen
Markisensturz, der direkt aus TEMPLE OF DOOM geklaut ist. Ein fieser
Glatzkopf verwandelt sich durch Bombe in eine halbe Puppe (brennend).
Blondinchens Freundin heißt My Lai. Und nach ein paar
Hubschrauberstunts der Marke "Wie bleibe ich möglichst geschickt
am Höhenruder, am Schwanz des Ko-Piloten o.ä. hängen,
ohne runterzufallen" gehen für Onkel Bo die Lichter aus. Das doofe
Kind bleibt am Leben. Und Onkel Donald bekommt richtig fies sein Fett
weg: Ihm wird was ganz Böses gesagt, was ihn im Innersten
verletzt. Geknickt schleicht er von dannen.
Ja, Donald ist natürlich der Star, und er balgt sich
den ganzen Film hindurch mit den Inhalatoren und Kampferstiften. Zu
Mike Monty möchte ich erwähnen, daß ich Gordon Mitchell
gestern gefragt habe, wer das ist, und er verriet mir, daß Monty
ein auf den Philippinen lebender Amerikaner ist, was erklärt,
wieso er in so vielen dort gedrehten Söldnerfilmen mitmischt. Er
soll obendrein indianisches Blut haben. Dies fand ich besonders
interessant, da ich ihn vor kurzem in einem Western von Ferdinando AUGE
DES BÖSEN Merighi gesehen habe, wo er einen Indianer spielt, mit
Superperücke. Außerdem hat mir Gordon noch was erzählt,
aber das kann ich wirklich nicht drucken! Mike taucht auf jeden Fall in
zigtausend Filmen auf - achtet mal drauf. Gordon wird demnächst
übrigens in einer Folge der beliebten Serie EHEN VOR GERICHT
auftauchen, als "charismatischer Sektenprediger", wie das Presseinfo
vermeldete. Die Welt hört nicht auf, sich zu drehen - wunderbar!
Grüße an Pastor Clemens.
Wenn man sich diese drei Filme bereits angeschaut hat,
kann man eigentlich Nägel mit Köpfen machen und sich auch
Brunos tollen COP GAME (dt: G.I. KILLER) und NATO PER COMBATTERE (dt:
BORN TO FIGHT) zu Gemüte führen - insgesamt sechs Filme, nach
denen man für das Berufsleben gewappnet ist: Nicht lange
herumstudieren, sondern gleich ins pralle Menschenleben hineingelangt!
Das Werk soll den Meister loben...
MANNA MANNA, NAM NAM!
BYE BYE VIETNAM (1988) ist eines von vier Produkten, die unter dem
Pseudonym "Paul D. Robinson" auf den internationalen Videomarkt
gezwungen wurden. In Deutschland liegen alle vier dieser Filme vor. Der
richtige Name des Regisseurs lautet Ignazio Dolce, und er ist bereits
seit den späten Fünfzigern als Regieassistent und
Schauspieler mit von der Partie. Besonders häufig hat er mit den
Action-Spezialisten Parolini und Margheriti zusammengearbeitet.
Für des Letzteren HÖLLENHUNDE BELLEN ZUM GEBET und KILLER
FISH zeichnete er als "2nd Unit Director" verantwortlich.
Daß er in puncto Spektakel was von seinen
Lehrmeistern gelernt hat, kann man nicht abstreiten: BYE BYE VIETNAM
(auch als ANGEL HILL aka THE LAST PLATOON bekannt) sieht gut aus, was
sicher auch auf den vorzüglichen Kameramann Sergio d'Offizi
zurückzuführen ist, der ebenfalls von gestern, ja von
vorgestern ist. Was bei keiner der Robinsonaden so richtig hinhaut,
sind die Stories: Trotz der guten Technik sind alle Filme bestenfalls
blah und hätten eigentlich mehr verdient. Im Falle von BYE BYE
geht dem Film ein zentraler Grundkonflikt ab, wie er etwa Margheritis
TORNADO (IM WENDEKREIS DES SÖLDNERS) ausgesprochen belebt. Hier
geht die Handlung gleich in medias res: Ein Söldnerkommando
(gähn!) soll ein vietnamesisches Lager in die Luft jagen. Mit
dabei von der Knallerei ist Richard Hatch, der einst lange Haare hatte
und als "Captain Apollo" Mädchenherzen rund um den KAMPFSTERN
GALACTICA verzückte. Auch löste er Michael Douglas als
Partner von der Knollennase ab. Hier ist er Sergeant Costa (später
Colonel Costa - man wird schnell befördert bei der U.S. Army, das
Berufsangebot für Späteinsteiger), und er sieht etwas
ausgemergelt aus, wie nach einer Entziehungskur. Seine Bosse wollen,
daß er Captain Marvin befreit; das macht er dann auch. Und wer
ist Marvin? Natürlich Mike Monty, wenngleich schon sehr grau. Zwar
bricht eine Mine sein Bein (es muß peinvoll gerichtet werden),
aber seine Überreste werden gehorsamst abgeliefert, bei...Donald
Pleasance. (Jau, Familientreffen!) Donald sieht natürlich nicht
ausgemergelt aus, aber in der Uniform ist das wirklich der Onkel Jupp
im Jagdzwirn, ich kann mir nicht helfen. Ihm auch nicht. Für die
gelungene Beendigung seines Auftrags erhält Costa Urlaub, den er
bei seiner saigonesischen Geliebten Mai Lin verbringen will, die zwar
NICHT identisch ist mit dem amerikanischen Pornostar, aber dafür
im Verdacht steht, Ho Tschi Minh das Rezept für "Dr. Pepper"
verraten zu haben. (Lustigste Szene von NUMMER FÜNF LEBT: "Ich bin
ein Pfeffer!") Eine Fee macht Schnipps, und schon ist die Mai Lin weg
und zwei große, böse Feldjäger stehen auf der Matte,
die Costa erst einmal richtig vermöbelt. Kurz darauf verdrischt er
auch noch zwei dealende Kameraden - der Mann ist richtig schlecht
drauf, man geht ihm am besten aus dem Weg.
Onkel Donald aber baut auf ihn. Er will, daß er in
den Wald geht und dort eine Brücke in die Luft jagt. Dafür
bekommt Costa auf eigenen Wunsch sogar einige Knastologen zur
Verfügung gestellt, darunter - yippie! - Vassili Karis und einen
Mohr mit Wollmütze. Im Dschungel trifft man dann Mai Lin wieder,
die eine Rebellin reinsten Wassers ist, wenn auch nicht sehr lange.
Alles wird dann zerbombt. Die Knackis wollen sich andauernd
verdrücken, bleiben aber doch bei der Stange. Die
Brutalitäten sind herbe, da zerplatzt die Zuckerwatte. Gute
Modellaufnahmen verwöhnen bei Explosionen etc. das Auge - man ist
von Mattei anderes gewohnt. Aber schließlich führt die
ausführliche Schilderung von Kriegsverbrechen doch nur zu dem
üblichen zartbitteren Ende zynischer Gewandung. "Welchen Kontinent
erobern wir als nächsten?" fragt Hatch ironisch, Kritisches
vorgaukelnd. Hmm, wie wär's mit China? Insgesamt ein technisch
mehr als ansehnlicher Film, bei dem dramatisch leider nicht viel
zusammenläuft. Da hätte ich lieber Ignazio Dolces ersten
eigenen Film gesehen, L'AMMAZZATINA, eine Komödie mit der
betörenden Erika Blanc, mit der demnächst ein Interview
folgt. Den strammen Soundtrack von Stefano Mainetti gibt es auf CD. Da
wird BLADE RUNNER imitiert, daß es nur so splittert. Die anderen
drei Robinson-Filme sind LEATHERNECKS mit Marsina und Karis (der beste
der vier), LAST FLIGHT TO HELL (müßiges Gedrechsel) und THE
LAST AMERICAN SOLDIER (totale Gülle). Spaß, Spaß,
Spaß, solange Wald da ist. Dann müssen alle, wie der
Robinson, auf die einsame Insel. Oder, wie der Tony Kendall, wir
spielen in Pornos mit, wie zum Beispiel der unterhaltsame THRILLING
LOVE aka TRADIMENTI A CAPRI von Maurizio Pradeaux, auf den hier auch
noch mal hingewiesen wird! Tony spielt natürlich nur in den soften
Teilen mit, da er von zarter Hand kastriert worden ist, aber sein
Gesichtsausdruck, wenn er entmannt, ein sich rotfärbendes
Bettlaken um die Lenden geschlungen, nach links zum Bild herauswankt,
paßt gut zum Titel des hier besprochenen Filmes: BYE BYE VIETNAM.
ZETER UND SOLDIO
Der letzte Text gehört einem nicht ganz so berühmten Film:
SÖLDNER DER APOKALYPSE (APOCALYPSE MERCENARIES) von 1989 ist
garantiert niemals in Italien gelaufen. Der Regisseur (versteckt unter
dem Pseudo "John J. Dawson") heißt Leandro Lucchetti. Ich
erinnere mich daran, ihn vor Jahresfrist einmal angerufen zu haben,
aber der gute Mann sprach leider nur Italienisch. Immerhin fiel mir
auf, daß er offensichtlich bei seiner Familie wohnt, da ich von
einem Lucchetti zum nächsten gereicht wurde. Daraus zu
schließen, er wäre eventuell noch minderjährig, ist ein
Irrtum, denn Leander der Klosterschreck zählt bereits über
fünfzig Lenze. 1983 drehte er, mit Hilfe des "Artikels 28", einen
Kunstfilm über Eurydike. Da dieser Film ein totaler Flop wurde,
wagte er sich erst sechs Jahre später wieder auf das schwanke Eis
des Regiegeschäfts, mit APOCALYPSE MERCENARIES, und der wurde
NICHT gefördert.
Der Film beginnt vielversprechend: Zum
ohrenbetäubenden Trommelfeuer von Stelvio Ciprianis Synthie-Score
verwirrt der Vorspann angenehm mit der Information: "Cameramen: Claude
Mitchell". Ein Kameramann mit multipler Persönlichkeit? Toll! Man
ist gleich gespannt, was die Claude Mitchells dem staunenden Auge
bescheren.
Zunächst einmal ist da Paul Muller, der als
alliierter General einen Diavortrag hält. Sein Thema ist nicht
"Mit dem Faltboot durch Finnland", sondern die Zusammenstellung eines
Killer-Kommandos ("Er ist eine richtige Kampfmaschine!"), dessen
Aufgabe es sein soll, das Nazi-Hauptquartier wegzubomben, das die
Offensive gegen die jugoslawische Befreiungsarmee organisiert. Muller
trägt zu diesem Vortrag einen blütenweißen
Johannes-Heesters-Schal, den noch nie irgend jemand getragen hat, jede
Wette. Es soll nicht das einzige Mal während dieses Filmes sein,
daß der Schal auftaucht. Zum Kommando gehören unter anderem
Vassili Karis als Captain Tony Hail (!) und Maurice Poli als
sprengwütiger "Priester". Als viertes Rad am Wagen greift man sich
den Bodybuilder Karl Landgren, der brutal wie ein Eber ausschaut; der
hört jeden Tag rund um die Uhr "Rammstein", bis er ganz
rammdösig ist, jede Wette. Beim ersten Auftritt exekutiert er
höchstpersönlich mehrere Nazis; Poli spricht ein Gebet und
macht das Kreuzzeichen mit dem Daumen.
Die Struktur des Filmes ist übrigens leicht
durchschaubar. Genau wie Umberto Lenzi in seinem BRIDGE TO HELL
Material aus verschiedenen jugoslawischen Kriegsfilmen verwertet hatte,
so sind hier die diversen Aufträge, die Muller den Buben per Funk
mitteilt, der Natur des Archivmaterials angeglichen, das in den 90
Minuten verwurstet wird. Daß es sich um Fremdmaterial handelt,
muß allerdings auch dem Dümmsten auffallen, da es nicht nur
eine vollkommen andere Bildqualität besitzt, sondern auch ein
unterschiedliches Format. Auch die neuen Szenen sind wahrscheinlich in
Jugoslawien gedreht worden. Die Jugos-Natzis sind echt toll. Die haben
echt die letzten Hütchenspieler von der Straße gezerrt und
ab in die Uniform. Mann, sehen die authentisch aus! Die verbindenden
Szenen machen das Herz des Filmes aus und bescheren ihm den
bescheidenen Reiz, den er besitzt. Zum Beispiel gibt es eine Sequenz,
in der der Karies und die anderen auf einen alten Mann stoßen,
der auf einem Hügel hockt. Auf einmal explodiert eine Hütte
mit Natzis, ein Wecker klingelt und der alte Mann ist tot! Aus einer
anderen Hütte kommt dann ein monokelbewehrter Natzi-Offizier
heraus, der wohl von Muller den schönen Heesters-Schal bekommen
hat! Hui-Buh... Und dann die Sache mit dem Lazarettzug voll Waffen,
jau: Die Söldner wollen "die Gleise unterminieren", und zwar mit
TNT. Zwar hat der Archivzug nirgendwo "Rote-Kreuz"-Flaggen, aber Wumm
macht es trotzdem, und der Poli geht total ab, so habe ich den Mann
noch nie gesehen! Echt ein Fall für die Poliklinik...
Meine Lieblingsszenen finden aber statt im Hauptquartier,
das nicht nur einen Tisch mit Zetteln drauf aufweist, sondern noch ein
Beistelltischchen mit Schreibmaschine! An der Wand klebt eine
"Deutschland, erwache!"-Flagge, die sich vermutlich an das Publikum
richtet. Den Chefnatzi finde ich so lala, aber der Adjutant ist einfach
super: Eine Diktion wie ein komplett Betrunkener und ein Gesicht wie
der Mann, der in der "Witwe-Bolte"-Schule die Milchtüten austeilt.
Das Gefecht, das dann um diese Höhle entbrennt, ist kostensparend
realisiert und entzückt durch einige Synchro-Perlen von
zufällig herumstehenden Natzis, etwa: "...und dann hadder gemeint,
ein Nacktfoto ist Kunst, haha..." Heijeijei! Als sich Karis und
Konsorten zum Funkgerät durchgekeilt haben, sucht man nach dem
Code, aber - oh Wunder: Er ist auf das Funkgerät geschmiert!
"Schwarzer Adler", begleitet von einem unglaublichen Adler-Aufkleber,
den der Adjutant bestimmt von einer Milchtüte gemopst hat. Super!
Das ist etwa so, als ob ich die Geheimnummer von meiner "ec"-Karte an
die Hauswand sprühe...
Die inszenatorische Qualität, das muß man nicht
erwähnen, erreicht die Kunstfertigkeit des letzten
Bundeswehr-Videos nur mit Ach und Krach. Poli und der Pilot (der
übrigens auch einen weißen Schal gefunden hat!) sterben dann
noch vollkommen sinnlose Tode, und Muller faßt alles hübsch
zusammen: "Meine Arthritis ist schlimmer geworden und Sie sind jetzt
ein Held!" Die Schlußmusik verballhornt Jochen Tschaikowskys
"Schwanensee".
Noch ein paar Worte zu Lucchetti: Nach diesem Meilenstein
begab er sich ins SNAKE HOUSE (wie BLOODY PSYCO bei uns heißt).
Sein GETTING EVEN, in dem ein psychopathischer Nam-Veteran Leichen
reißt, ist im Fernsehen gelaufen. LE PREDE UMANE (dt: CAGED HEAT)
ist ein megatrashiger Gefängnisfilm (sicherlich sein bester). Und
ein AIDS-Drama gibt es auch noch von ihm.
Das waren also jetzt die Soldaten. Ich weiß nicht genau, ob es
nächsten Monat einen Artikel gibt, denn meine Augen sind ganz
zugeschwollen vom vielen Kaffee, und auch das Geknalle geht irgendwann
an die Substanz. Ich möchte schließen mit meiner
Lieblingsstelle aus Herrn Schlingensiefs Talkshow, wo der Prinz von
Hohenzollern hereinkommt und etwas ungeschickt formuliert:
"Danke...tolles Begrüßungs...kommando!" Schlingensief, der
sich die Freude kaum verkneifen kann, grinst: "Kommando?...Das ist
bestimmt eine Anspielung auf die 68er? Mit der Faust auf den Tisch
hauen, sich nicht alles gefallen lassen, was verändern
wollen...Die Frage ist: Wie viel Veränderung verträgt der
Mensch?" Der Prinz, unsicher: "Weiß nicht...fünf, zehn..."
Als Abschluß dieses Artikels paßt aber eher die
Schlußbotschaft des Talkmasters, der den Arbeitslosen in
Deutschland zubrüllt: "Verliert nicht die Hoffnung - es ist alles
verloren!!!" Das sehe ich genauso. Es ist nichts mehr zu sagen. Punkt.
P.S.: Es ist DOCH noch was zu sagen: Buch über Italo-Western -
später im Jahr - alle kaufen!
Christian Keßler
(Der Artikel erschien zum ersten Mal im März 1998 in der
"Splatting Image" Nr. 33.)