SCHNECKEN DES GRAUENS Also, als meine Mutter mir heute abend mitteilte, daß sie von Schnecken besucht worden war, dachte ich sofort, daß ich darüber was schreiben wollen würde. Mit Schnecken verbindet mich seit jeher eine intensive Form von Haßliebe, da die glitschigen, nudelförmigen Körperlein so schön matschen, wenn sie unter die Schuhe geraten! Wenn es Sommer wird, dann begeben sich die kleinen Schmusebatzen auf die Reise, und sie kennen dabei keine Rücksicht auf eventuell kreuzende Humanoiden. Als ich eine frühere Partnerin von mir kennengelernt habe, war das auch so: Ich traf mich mit ihr am Weserufer, wir durchstreiften suppigstes Unkraut, rochen den Morast und das Wasser und fühlten uns wohl. Schon bald hielten wir Händchen, und auch die Münder fanden zueinander. Doch auf dem Rückweg, als unsere Seelen von Amors Flammenpfeilen erhellt waren, da machte es "Matsch" - ein weiteres Schleimwesen klebte unter meinem Schuh, und ich dachte, Herrgott, warum muß das immer an so unpassenden Momenten passieren?
Wenn die Schnecken auch noch sogenannte Schneckenhäuser mit sich führen, kommt noch ein unansehnliches Knacksen dazu, wenn man die Intimsphäre der kleinen Freunde durchbricht. Macht die Sache auch nicht appetitlicher!
Nun, meine Mutter begab sich außer Hauses, um die ästhetische Qualität des Vorgartens zu prüfen und ein klein wenig mit der Nachbarin zu tratschen. Was mußte sie da sehen? Die Buchsbaumhecken waren zugequollen mit uffjedunsenen Schneckenleibern! Sie muß sich gefühlt haben wie in einem Horrorspektakel des Grusel-Altmeisters Hitchcock: Schnecken, so weit das Auge reichte! Sofort packte sie beherzt zu und grub eine Handvoll aus der Gartenpracht heraus. Fallen Schnecken unter den Artenschutz? Ich glaube ja nun nicht. In jedem Fall ließ sie sie ohne viel Federlesens in die Kloschüssel wandern. Man hörte noch das matte Kreischen der kleinen Lieblinge, dann tat der Wassergott Neptun sein gewaltiges Bestes. BA-WUSCH!!!
Sofort eilte meine Mama wieder nach draußen und widmete sich dem Rest der Schneckenplage, und das ohne jede Gartenkralle! So mutig ist meine Mutter. Mit einer weiteren Handvoll Schneckenmulch kehrte sie zurück, doch was soll ich Euch sagen? Die kleinen Bastarde kamen schon wieder zum Klo herausgekrochen! Aaaargh, da schreit doch die Tante Klementine im Herzen eines jeden! Sofort wurde bedingungslose Annihilisation geübt, Schneckenrechte wurden nicht beachtet, Familien schonungslos auseinandergerissen. Was hätte meine Mutter sonst tun sollen? CARE-Pakete abwerfen? UNO-Resolutionen abwarten? Nein, sie machte das, was Bush und seine Steigbügelhalter mit Menschen machen - sie spülte die Kollegen erneut im Lokus herunter und krönte die Entsorgung mit einer doppelten Ladung Chlorix! Das ätzte sich durch jedes Schneckenduodenum. Mit Vollgas ging´s die Wasserrutsche bergab... Die Schnecken wußten gar nicht, wie ihnen geschah!
Meine Mama zuckte die Schultern und begab sich erneut in den Vorgarten, wo sich Schneckenleiber wanden. Den Ekel bekämpfend, griff sie ein ums andere Mal in den fetten Batzen Buchsbaumheckenverunzierung, holte die Plagegeister heraus und feuerte sie stante pede in die Kanalisation. Schnecken können keine Beschwerden an die UNO schreiben (Kofi Annan - kofi alle!), und so war es denn bald Schluß mit der Schneckenpracht!
Meine Mutter zählte tatsächlich die Invasoren: Es waren 213! ("Das war spannender!") So wissen wir denn die Zahl der Schnecken, die ihr Leben lassen mußten im Interesse des Keßler´schen Vorgartenidylls. Was lassen die sich dort auch alle nieder! Ist ja widerlich! Wissen die nichts Besseres zu tun? Schnecken sollen sich gefälligst auf Feldern herumtreiben, die ihnen von der Ordnung der Dinge zugedacht sind. In unserem Vorgarten haben die Racker rein gar nichts zu suchen - da geht´s ihnen an die Kanüle! Das würde ich nicht anders machen...
"Die sahen aus wie Würste!" beschad Mutter den fettesten Schnecken, die sich an unserer Veranda zu schaffen machten. Schnecken, die wie Würste aussehen, hätten bei mir auch kein langes Leben gehabt. Aber ich bin auch ein fieser Patron, der einstmals Ameisen en masse gekillt hat in Spanien, mit der Lupe, mit dem Taschenmesser. Ich war fasziniert von dem Schauspiel. Die Ameisen gaben schnell den Löffel ab, streckten die Fühler und Zangen in die Höhe und sagten Goodbye zum Spiel des Lebens. An und ab veredelte auch eine kurze Stichflamme den Akt des Abtritts.
Es sind weit mehr afghanische Zivilisten ums Leben gekommen, als Amerikaner bei den widerwärtigen Anschlägen ihr Leben lassen mußten. Sie streckten ihre Fühler und Zangen in die Höhe und traten den Weg ins Jenseits an. Ihre Familien wurden zerstört. Daran muß ich denken, wenn Leute wie Bush ihre eigenen Lobreden halten, ob im deutschen Bundestag oder anderswo. Der "Krieg gegen den Terror" tobt überall, auch im eigenen Vorgarten. Die Feinde sehen meist wie Würste aus, und ihre privaten Lebensgeschichten interessieren nicht wirklich. Ich würde mir wünschen, daß jeder der Verantwortlichen die Qual seiner Opfer gut mitkriegen würde, und das gilt für den gottverdammten Mistbart Osama Bin Laden genauso wie für seinen Erzfeind George Bush und seine Steigbügelhalter. Ich wünsche diesen Leuten, daß sie mit der Qual dieser Menschen leben müssen, bin aber Realist genug, um zu wissen, daß sie die menschlichen Tragödien genauso professionell abspülen werden, wie das Wahlkampfprogramm es gebietet, und die damit verbundenen Notwendigkeiten. Fiese Wixer wie der Waffenhändler Hermann Schreiber werden ebenso schnell Gegner, wie es die Staatsraison und das Ziel bei der nächsten Wahl gebieten. Früher waren diese Leute Freunde. Und das ist eine Affenschande!
Meine Mama ist der Schneckenplage Herr geworden. Sie fährt jetzt mit meinem Papa nach Langeoog, wo ich einstmals im Dünensand Kaninchenschädel gesammelt habe. Wenn sie wiederkommt, findet sie hoffentlich ein Haus der Behaglichkeit vor. Es ist diese fiese Angst in mir, daß die Schnecken wieder hervorkriechen werden und das ganze Badezimmer besetzen. Da werden massig Störfälle sein, die nicht nur die Kanalisation belasten werden. Sie alle räkeln sich, wollen ihren Spielraum, wollen ihr Zuhause. Die sind immer irgendwo parat. Und die lassen sich nicht immer straflos in das Klo spülen. Und ich finde das irgendwo verflucht richtig!
213 Schnecken? Das ist eine ziemlich vermessene Zahl. Die sollen sich nicht so haben, die Schnecken. Schnecken sind eklig - da revoltiert das Weltgewissen nicht. Überlegt Euch bitte zweimal, ob Ihr den Schnecken ein Dasein gewährt. Vielleicht beknabbern sie schon bald Eure Salatköpfe? Und ob das Fernsehen dann dabei ist?
Hallo, Robert S., wo immer Du bist - die Leute, die sich Deines Schwachsinns annehmen, sind die schlechtesten Freunde des Menschen... An alle anderen: Macht Euch Eure eigenen Gedanken! Laßt Euch von dem Medienquark nicht behexen. Mit Schnecken wird man relativ leicht fertig. Daß man es mit Menschen ebenso vermag, ist sehr schade, aber man kann dagegen halten. Und das werde ich bis zum letzten Atemzug.