PALAIS SCHAUMBURG UND DER HAMBURGER MICHELWie ja von hier bis an den Hans-Albers-Platz bekannt sein dürfte, bin ich ein Nordlicht und somit dem hemmungslosen Einsatz von Fischbrötchen nicht abgeneigt. Aus meiner regulären Heimatstadt, Bremen, ist allerdings nur sehr wenig Befruchtendes in musikalischer Hinsicht passiert, wenn auch viele Bands das Terrain als durchaus auftrittsdankbar loben. Auch gibt es mit Bultis "Überschall" einen der feinsten Plattenläden, der auch für ein gleichnnamiges Festival verantwortlich ist, aber Bands kenne ich in der Tat nicht so furchtbar viele.
Da muß ich schon nach dem großen Hansebruder Hamburch ausweichen, wo nicht zuletzt durch Alfred Hilsbergs "Zick Zack"-Label so einiges geschah, das hier Erwähnung verdient. Auch der gehobene Musikjournalismus war im Norden zuhause, da hier die Zeitschrift "Sounds" ihr Hauptquartier hatte, und auch wenn dort viel loser Tinnef zu lesen war, so stand dort doch auch viel Informatives über die neuen Bands aus der BRD.
Die wichtigste Band aus Hamburg war fraglos Palais Schaumburg, die bei "Zick Zack" mit einigen Singles debütierten, die für Hilsberg einen immerhin so ordentlichen Erfolg darstellten, daß er sie später als 12-Inch ("Das Single-Kabinett") neu auflegte. Die Singles müssen um 1980 herausgekommen sein und enthielten einfach strukturierte New-Wave-Songs, deren sparsame Instrumentierung mit einer Perfektion eingesetzt wurde, die dem Gros des Gepfriemels, das unter dem Deckmantel der Avantgarde (oh-la-la!) abgeliefert wurde, bitterlich abging. Geschmack war eben doch vonnöten, und er waltete in Gestalt von Holger Hiller, Thomas Fehlmann, Timo Blunck und Ralf Hertwig. (Letzterer löste F.M. Einheit ab, der auch bei der Punkband Abwärts trommelte und zu den Neubauten wechselte.) Auf der ersten Single gab es eine furiose Version eines alten Liedes, "Rote Lichter", während die zweite das höchst morbide "Kinder der Tod" und "Telefon" enthielt, dessen Schlußbotschaft "Telefon - Blumenhalter" auch deutschen Fernsehzuschauern in einer Sendung über die NDW entgegenschallte. Die Texte, die Hiller mit seiner unnachahmlich brüchigen Stimme deklamierte, waren von einer dadaistischen Freude am Zusammenstellen schwer vereinbarer Vokabeln. Einen tieferen Sinn zu suchen, war Sache der humorloseren der Musikjournalisten. Die erfreulichste Auswirkung der Punkbewegung war doch gewesen, die Begriffe eben von diesen vorgestanzten tieferen Bedeutungen zu trennen, und so kann es in dem Stück "Aschenbecher" (eine Leihgabe vom "Lieber zuviel als zuwenig"-Sampler) auch getrost heißen: "Ich flatter´ immer hin und her und nasche an den Blumen hier...", ohne daß man sich gezwungenermaßen einen an Gebinden knabbernden Herrn Hiller vorstellen mußte. (Obwohl das eigentlich auch seinen Reiz hat!) Mehr als auf den beiden Folge-LPs wird noch mit Synthesizer gearbeitet, der von Bluncks Minimalbaß ergänzt wird. Später wurde die Präzision noch durch Hertwigs unnachgiebig lässige Schlagzeugarbeit betont, während Fehlmanns Trompeteneinwürfe für unruhigen Kontrast sorgen.
Die erste LP erschien dann aber 1981 auf dem großen "Phonogram"-Label und wurde von David Cunningham produziert, der (glaube ich) früher was mit den Flying Lizards zu tun hatte und die meisten von Michael Nymans früheren Aufnahmen überwacht hat. Auf diesem wahren Klassiker der 80er wird die Neigung der Schaumburger zu sinnwidrigen Wortspielen noch deutlich verstärkt. So kann man sich mit den unterliegenden Bedeutsamkeiten von grünen Winkelkanus und Tigern an der Pampel-Ampel herumschlagen, und dankenswerterweise geht diese fröhliche Lust an Neologismen nicht in den unverbindlichen Spaßbereich, sondern ringelnatzt sich eine Schönheit zusammen, die vielleicht nicht jedem gleich einleuchten mag, aber wer sie erkennt, hat, denke ich, deutlich mehr von seinem Dasein! Den Beginn macht das alte Hamburger Lied "Wir bauen eine neue Stadt" (auf dem Cover posieren die Schaumburger im Hagenbeck-Tierpark), das zu einem überregionalen Hit wurde und sich auf zahlreichen Samplern der Zeit findet. Auf Stück 2 springt "Die Freude" pur auf Holger Hillers Popo und gebiert ein Murmeltier aus Gipsbenzin nebst anderen Absonderlichkeiten. "Gute Luft" ist eine Neubearbeitung von "Aschenbecher". Einer meiner Favoriten ist "Ahoi, nicht traurig sein", auf dem die bejahenswerte Botschaft immer wieder ins Bewußtsein des Hörers eingesalbt wird, bis dann ein Mittelteil von einem Raufbold namens Bullensohn berichtet, der einen völlig aufgelösten und seiner Worte beraubten Sänger stammelnd zurückläßt. "Grünes Winkelkanu" beginnt mit einer Kinderstimme, die dann von kubistischen Aggressionen von seiten Hillers brutal niedergeknüppelt wird. Das Finale ist die schönste Stelle der Platte. Man könnte noch viel mehr Lobendes und Wahres über das Album sagen, aber man kann sie ja auf CD bekommen, denn der Major hat sich nicht lumpen lassen... Also, reinhören!
Dann verließ Hiller das Schiff, um sich Soloobsessionen zu widmen. Die erste der späteren Schaumburg-Veröffentlichungen ("Lupa", 1982) besitze ich noch, und sie besitzt auch ihre Reize, wenngleich der unberechenbare Charme von Hiller dem Gesamteindruck doch sehr abgeht. Für ihn sprang Walter Thielsch ein, der sich auch als Filmemacher Meriten gesammelt hat. Der Schwerpunkt von "Lupa" liegt doch sehr auf Ästhetik (wie auch das Foto der Band andeutet), doch die wilde dadaistische Freude am Draufhämmern auf die Konvention ging da natürlich in die Binsen. Nichtsdestotrotz findet sich auch hier einiges Schöne, u.a. das morgensternige "Sieg auf Knien". Die Produktion ist noch einen Zacken perfekter und versucht nach Leibeskräften, Schönheit zu erzeugen. Meine Privatmeinung ist jedoch, daß eine gewisse Brachialität vonnöten ist, um solche Bizarrerien legal über die Rampe zu tragen. Auch Kurt Schwitters´ "Ursonate" würde sich äußerst bescheuert anhören, wenn man sie z.B. mit anmutigen Housebeats versehen würde...
Von Holger Hillers Soloaktivitäten besitze ich lamentabel wenig. Das großartig betitelte "Ein Bündel Fäulnis in der Grube" kam 1983 heraus und verbindet synthetische Klangexperimente aus Hillers Werkraum mit zahlreichen Anleihen bei der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik, die verraten, daß Hiller knalligem Pomp durchaus nicht abgeneigt ist. Der einzige richtige Hitparadensong ist "Jonny du Lump", der dem Protagonisten empfiehlt: "Jetzt singe dies Lied für ein Hundevolk..." Das ist auch gut so, denn "die Welt ist ein Kai, auf dem Mädchen stehen und den Matrosen den Kopf verdreh´n." (Darauf warte ich ja noch immer!) Dieselbe Freude an der Erzeugung von schrägen Unberechenbarkeiten mit einem Fuß im traditionellen Liedgut findet sich auch auf der späteren "Oben im Eck", die noch erhältlich ist, wenn man einen gutsortierten Plattenladen hat. (Schwieriger wird das bei der 1990 herausgekommenen "As Is", die nicht nur ein tolles durchsichtiges Cover besitzt, sondern auch viel inwendigen Glanz!) Richtig weggeblasen hat mich Hillers im letzten Jahr (nach langer Ankündigungsphase) herausgekommene CD ohne Titel, die die heutige Musikszene und die mit ihr verbundenen technischen Möglichkeiten nach Kräften durchklabüstert und dabei eine Menge Spaß für Jung und Alt offeriert - mal eine CD, deren Anschaffung mich nicht gereut hat! Noch dringend gesucht werden von mir seine diversen Früh-Singles, darunter "Träneninvasion", "Herzmuskel" und eine surreale Kurzoper namens "Guten Morgen, Hose", die er mit Andreas Dorau zusammengebastelt hat...
Bevor ich zu dem berühmtesten Ziehkind von Hiller komme, ein paar Worte zu den Zimmermännern. Jene nämlich hatten nicht nur Schaumburgs Timo Blunck als Bassisten, sondern veröffentlichten auch eine Anzahl von Platten auf "ZickZack", die sondernormen war. Natürlich habe ich davon auf wieder nur sehr wenig (grrr!), und das reut mich, denn ich mag die Zimmermännereien ganz gerne... Auf dem Cover der ersten LP mit dem schönen Titel "1001 Wege, Sex zu machen, ohne dabei Spaß zu haben" (1982) zeigen sich die Musiker mit den farbigen Popperklamotten, die man in Uhlenhorst vermuten würde, wo ich von einer reichen Schnöselschnepfe mal einen Korb gekriegt habe. (Erneut: grrr!) (In Bremen wären das Oberneuland und Rockwinkel, wo viele schöne Mädchen im zarten Teenageralter wohnen, die intensiv nach Nivea duften...) Solch einer Gewandung einen Statementcharakter anzudichten, wäre wohl etwas zuviel des Guten, aber es kontrastierte doch recht deutlich mit der vorherrschenden Überzeugung, alles habe ganz wichtig und Kunst und so zu sein. Hiervon setzen sich die Zimmermänner deutlich ab und säuseln sämige Sanftheiten, denen ihre ironische Gewandung durchaus gut zu Gesichte steht. Lieder wie "Kaufhuber geht nicht mehr aus" oder "Erwin, das tanzende Messer" sind nicht wirklich schmachtkompatibel, werden aber vom anderen "DD" mit solch inbrünstiger Anmut gesungen, daß einem schon blümerant zumute werden kann. Der Zimmermann ist natürlich Detlef Diederichsen, der Bruder des damaligen Chefredakteurs von "Sounds", zu dem wir auch gleich kommen... "1001 Wege" enthält anmutige Schluchzer wie "Ruf´ mich an, das wäre so wunderbaaar...", endet aber mit einem Schockeffekt: "Wenn Lennart seine Freunde besucht" wird von mir noch heute erfolgreich angewendet, wenn es gilt, sensible Bekannte moralisch zu verunsichern, da am Schluß des Liedes, nach 40 Minuten Salbenstrecke, auf einmal eine Referenz zum dicken Schwanz besagten Lennarts fällt! (Als wenn der Name nicht schon genügen würde...) Ansonsten habe ich nur die Single "Ein halbes Jahr" und die Beilage zum ZZ-Sampler "Wunder gibt es immer wieder", die beide den gleichen Pfaden folgen. Es gibt aber noch mindestens zwei spätere LPs und diverse Singles, deren erste als Ede + die Zimmermänner das Licht der Plattenpresse erblickte...
Auch liegt mir ein Soloalbum von Detlef vor, "Volkskunst aus dem Knabengebirge", deren Songs etwas weirder sind als die Zimmermänner-Sachen, aber durchaus im selben Geist. Hervorgehoben werden wollen die Lieder "Animierdamen", "505 Christen spielen mit Gott" und vor allem "Helmut hört heiße Hits". Detlef D. ist dem Vernehmen nach heute als Produzent tätig.
Kommen wir zum anderen DD, Diedrich Diederichsen, der nicht nur als Buchautor und Journalist in Erscheinung getreten ist, sondern auch Sänger der Nachdenklichen Wehrpflichtigen war. Obwohl ich Wiglaf Drostes böswilligen Text in bezug auf die spexigen Aktivitäten DDs zumindest teilweise nachvollziehen kann, so sind die Erzeugnisse der Wehrpflichtigen, so sie mir vorliegen, eine feine Sache. Die erste Single war "Politik für junge Leute", auf der diverse Charakterköpfe jener Tage zu finden sind, etwa F.M. Einheit und der runde Zensor Frieder Butzmann! Die Platte hat Spaß daran, kulturelle Ernsthaftigkeiten mit erdhaftem Fußballgeschehen zu verbinden, und der Spaß überträgt sich durchaus auf den Hörer. Noch besser finde ich den Beitrag zu "Lieber zuviel als zuwenig", der aus einer A-capella-Version von "You Say You Don´t Love Me" besteht. Bis vor kurzem konnte man "Politik" noch auf Hilsbergs "What´s So Funny About"-Seite bekommen, aber ich war schneller - ätsch! Dann gab es noch eine Art Doppel-Maxi, die "Kirche der Ununterschiedlichkeit", auf der eine Seite von den Wehrpflichtigen bestritten wird, was der Welt das tolle "Svengali Joe" geschenkt hat, auf dem der Protagonist 10 Minuten lang davon berichtet, daß er schon alles erlebt habe. (Scheint von Josef v. Sternberg zu stammen - Marlene, watch out!) Das zweite Stück ist eine schöne Bearbeizung eines Textes von Christoph von Grimmelshausen und kann ebenfalls genossen werden. Auf den anderen Seiten tummeln sich Bands wie Markus Oehlens Vielleichtors oder Männer in nassen Kleidern, wobei die Musiker sich teilweise überlappen und auch den großartigen Heiner Goebbels mit einschließen...
Was gab´s ´n noch in Hamburg? Na, Abwärts habe ich ja schon erwähnt, deren erste Single, "Computerstaat", auf ZZ herausgekommen ist und die schöne Version des "Alabama Songs" enthält. (Ist, glaube ich, auch noch bei A.H. erhältlich - hier eingelinkt!) Die LP "Amok Koma" gehört zu den besten Punkplatten der Zeit und ist (neben "Kollaps" von den Neubauten) die einzige ZZ-LP, die noch offiziell vertrieben wird - das spricht für die Popularität. Frank Z.´s Gruppe litt etwas unter der Abwanderung der Musiker - F.M. Einheit und Mark Chung zog es beide zu Blixas Neubauten. "Amok Koma" ist ein richtiger Kracher - wer das von "Mufti" Einheit gegröhlte "Shanghai Stinker" nicht gehört hat, vermißt eine der Grundzutaten zu einem gehaltvollen Leben!
Und a propos "gehaltvolles Leben": Jetzt hätte ich fast Andreas Dorau vergessen, mannomann... Der Mann ist ja immer noch überregional berühmt, und auch wenn ich seine heutige Musik immer noch sehr mag, fnde ich seine alten Sachen noch spannender: Die erste Single, "Der lachende Papst", kam auch auf ZZ heraus und präsentiert einen schätzungsweise 16-jährigen Dorau, der noch weit von den Marinas entfernt ist. Die bizarre Qualität des Titelstücks ist eher mit den Experimenten von Holger Hiller zu vergleichen, der ihn auch unter seine Fittiche nahm. Eher doraumariniert ist die B-Seite, die in jugendlicher Unschuld verkündet: "Negermuskeln muß man kneten..." Ich habe für diese insgesamt etwa dreieinhalb Minuten lange Single 45 Mark ausgegeben, und mich reut kein Pfennig davon! (Auch liegen mir noch zwei Stücke vor, die er wohl noch vorher gemacht haben muß und die auf dem "Rondo"-Label rauskommen sollten - "Winnetou" forever!) Abgesehen von seinem "Sommer im Dornmösental" (oder so ähnlich) auf dem "Lieber undsoweiter"-Sampler, zog es ihn dann zur Düsseldorfer Konkurrenz von "Ata Tak", wo "Fred vom Jupiter" herauskam und seine nähere Zukunft bestimmte. Die jungenhafte Unschuld, mit der er auf seiner Debüt-LP "Blumen und Narzissen" auch Lieder wie "Lokomotivführer" trällerte, in dem eine Textzeile einfach nur aus dem bizarren Gegensatzpaar "Blumenkohl - Penis" besteht, schweißte ihn ans Herz vieler kunstbedrückter Freizeitsüchtiger. In dem Rainer-Kirberg-Film "Die letzte Rache" unterstützte er seine Plan-Freunde mit der besten Version von "Junger Mann". Trotzdem ging es danach zu einem Major, wo allerdings angeblich interne Intrigen den Verkauf von "Die Doraus und die Marinas geben Antwort auf brennende Fragen" hemmten. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber Lieder wie "Fatme" (in dem es u.a. heißt: "Dieser Rhythmus/ die Bewegung/ macht uns rasend vor Erregung/ Trommeln drönen/ Flöten tönen/ und die Wüstensöhne/ stöööhnen...") sind auch heute noch in den Ohren von Popfreunden wie von Punkophilen. Leider sind die alten LPs nicht auf CD erhältlich, aber ein "Best Of" ist bei "Ata Tak" unter dem Titel "Ernte" erhältlich. (Link zu finden bei meinem Text zu Der Plan.) Tolltolltoll!
Ob Jungherr Dorau auch bei der von Hiller produzierten Single von Fähnlein Fieselschweif, "Pluto grüßt die Perser", mit dabei war, ist jetzt nicht zu eruieren, obwohl es häufig behauptet wird. Die Single ist in jedem Fall ebenfalls erwerbenswert.
Wen aus Hamburg könnte man jetzt noch erwähnen? Da sind noch die Geisterfahrer, deren Michael Ruff ebenfalls journalistisch tätig ist. Der düstere punkverwandte New Wave auf der ersten Single (ZZ 001!) und die beiden LPs "Fest der vielen Sinne" und "Schatten voraus" (auf dem "Konkurrenz"-Label) sind unbedingt empfehlenswert. Auch schön die beiden Soloplatten von Matthias Schuster, namentlich die LP "Atemlos" und die Maxi "Ritual", die den Geist der Geisterfahrer in elektronischere Gefilde umpflanzen. Aus lauter Liebe möchte ich auch Leute wie Jackie Eldorado und Andy Giorbino herzlich grüßen, deren Erzeugnisse natürlich ebenfalls einen wohlgehüteten Platz in meinem Plattenschrank haben! Da wären noch Front, die sich aus der Punkband The Coroners entwickelt haben und schrägen Funk gemacht haben. Und - oh ja! - Saal 2 natürlich, die eine der schönsten frühen ZZ-Singles gemacht haben, "Angst vor´m Tanzen", deren Synthiebeat mir noch aus Jugendtagen in den Ohren gellt... Die Band benannte sich übrigens um in Saal 3, Saal 4 etc., aber ihre in den 90ern aufgenommene CD, "Auf der Suche nach dem Glück", ist ein Werk von Saal 2 und enthält weitgehend unschräge Nettlieder und den famosen Schmachter "Ich liebe dich", der auch auf "Wunder gibt es immer wieder" enthalten war.
Ja, die Sampler von "Zick Zack" sind ohnehin hochgradig empfehlenswert, wobei der erste, "Geräusche für die 80er", ein Mitschnitt von einem legendären Konzert ist, auf dem Bands wie Abwärts und die lustigen Gelsenkirchener Salinos (hey, schöne Grüße, ich wohne jetzt bei Euch!) mit einem ruppigen Punkerpublikum kämpfen, das die malariesk durchsetzten Liebesgier kaum durchgehen läßt... (Eher da schon die Razors!) Der Höhepunkt ist natürlich das weihnachtliche "Ihr Kinderlein kommet", das der LP sogar kurz zensoriellen Ärger bescherte, wenn man den Gerüchten glauben darf. "Lieber zuviel als zuwenig" ist auch ein vollkommener Kracher. "Wunder gibt es immer wieder" ist wesentlich poppiger, weniger interessant, enthält aber immerhin das einzige Vinyl-Zeugnis von Christoph Schlingensiefs Band Die Vier Kaiserlein. "Die Rache der Erinnerung" ist der seltenste der Sampler und ist dem Vernehmen nach sehr schräg. Wer mir das Dingen als Aufnahme zukommen läßt, erhält einen ideellen Schmatzkuß mitten auf die Stirn!
So - das war Hamburg! Spannender als Bremen, aber mein Herz liegt am Fuße der Roland-Statue, und da bleibt es auch...
Interview mit Holger Hiller (Link) Guter Text über Dorau (Link)