DER DUMME AUGUST

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310802

Ich bin unsäglich müde, es ist fünf Uhr morgens, und ich habe trotzdem noch die neue TV-Woche hingekritzelt! Seht es mir also nach, wenn ich jetzt nichts mehr zu schreiben weiß. Wohl aber weise ich mit Nachdruck auf die italienischen Exploitationfilme hin, mit denen uns der Kabelsender "Tele 5" die nächste Woche bombardiert, beginnend mit dem morgigen SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN, der möglicherweise länger wird als die Videofassung. Und demnächst erzähle ich hier von einem Film mit einem schwarzen Hauptdarsteller, der Gangster mit seinem Penis erdrosselt! Bizarrster Blaxploitationfilm aller Zeiten...

300802

Cooles Argument zum Wahlkampf von Tierschützern, die sich als Enten verkleidet haben!

280802

So, jetzt ist der Artikel fertig! Und ich bin auch fertig - wenn ich in den nächsten Tagen nicht ganz so zuverlässig poste, dann liegt das wohl daran, daß ich gerade nicht in der richtigen Stimmung bin, aufgrund persönlicher Ungelegenheiten. Ich werde wahrscheinlich demnächst meine Behausung wechseln, da mir meine gegenwärtige 120-Quadratmeter-Bude bei all den unermeßlichen Reichtümern, die infolge meiner filmjournalistischen Bestrebungen auf mein Haupt gehäuft werden, zu popelig erscheint. Mir schwebt eher ein Palast mit Zwiebelturm vor, in dem ich natürlich nur mit original Schnabelschuhen mit Glöckchen vornedran herumflanieren werde. Der Zwiebelturm wird vermutlich in Bochum stehen, denn dort wohnen viele meiner Lieben... Ich werde dann unverzüglich die Regierung über den Stadtteil übernehmen, in den es mich verschlägt, und sanft und gütig wird mein Regnum sein. Es wird Gratisbonschen für alle Kinder geben, die mir nicht auf die Nerven gehen, und lecker Suppe für die Armen und Alten. Ich werde das "Ius Primae Noctis" (=das Recht der ersten Nacht!) bei meinen Untertanen nicht über Gebühr einfordern, denn harmonisches Zusammenleben ist mein Begehr. Und wenn irgendjemand im Palast ein Instrument spielt, wie etwa ein Klavier oder ein Flügelhorn, so soll dem Garstigen das fragliche Instrument mit Vollgas in die rückwärtige Körperregion eingeführt werden, auf daß die Muse schweigt! Meine Lieblingsschlagzeile der letzten Tage ist "Schwangere fängt auf Operationstisch Feuer"... Die Meldung selber ist langweilig, die Überschrift aber super! Jetzt gehe ich in die Heia und träume von meinem Zwiebelturm und meiner August-Miete, die ich noch überweisen muß... :(

270802

In den Kommentaren, die dem gestrigen Duell der unheiligen Personalunion Schroiber gewidmet wurden, wurde immer wieder der Vorwurf geäußert, die Kandidaten seien "in ein enges Korsett gezwängt" worden. Als ich das zum ersten Mal hörte, verstand ich aber, sie seien in ein enges Klosett gezwängt worden, und fand das dann doch ganz drollig! Dort hätten sie ja über den berühmten Ausspruch des ehrenwerten Konrad Adenauer philosophieren können: "Keine Exkremente!" Daß ich so rüde Sachen äußere, liegt auch daran, daß ich gerade dabei bin, meinen Artikel über französische Sleazefilme zu beenden, und da muß ich ja auch immer diese fürchterlichen Videos sehen... Da verroht man flugs. Da ich im Laufe der nächsten Wochen noch weitere Filme von Eurociné et al sehen werde, die aus Platzgründen brutal ausgegrenzt werden mußten, werde ich auf der Homepage einfach noch einige Kurzreviews anbieten zu den verlorenen Söhnen und Töchtern. Mein Lieblingszitat aus den Filmen dieses Artikels gebe ich schon einmal kund: "Ich kille sie alle, und mir ist die Welt!" Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen.

260802

Gestern ist mir die Lust zur virtuellen Beichte abhanden gekommen, denn ich habe mir kurz vorm Zubettgehen nochmal eine Kelle der gehobenen Preisklasse abgeholt. Der Abend begann eigentlich richtig nett, denn ich habe mit meinen Nachbarn Robert & Bettina, Sailor RIP und seiner Monika und Ingojira ein Raquel Welch gefeiert. Dabei hievte man leckere Kleinigkeiten auf ein Fondueschälchen und legte es dann auf einen Miniaturofen zum Sieden - im Grunde genommen wie ein Fondue, nur nannte man es Raquel Welch! Das wurde dann noch sehr lustig, und wir spielten ein Spiel namens Hollywood, wo ich die schlechtesten Filme überhaupt produzierte. CITIZEN KANE mit Charlton Heston in der Hauptrolle - au Mann! Auch sehr gut DER UNSICHTBARE DRITTE mit Errol Flynn - den hätte ich sofort über den Regisseur George Cukor drüberrollen können, das hätte Zusatzpunkte gegeben! Ich habe dann aber voll verloren, was mich sehr verdrossen hat... (Irgendwann goß Sailor ein Glas Rotwein über den Tisch aus, und Bettina dann sofort: "Mensch, Christian!" Ich, der ich weit abseits weilte: "Häh, ich?" Tja, mein Leben!) Robert Zion hat dann alles abgeräumt, was es an Oscars zu gewinnen gab, und wir haben einige rassistische Witze gerissen, was auch nur ging, da er und seine Frau einen sehr coolen Humor haben... Die Katzen Mia & Vincent plünderten derweil die Fleischstücke und Maiskörner des Raquel Welch, aber wir waren ja alle schon satt. Wir begaben uns dann Richtung Wohnstube, wo wir noch ein wenig geharnischten Blödsinn tratschten und die Hausherrin verarschten, die glücklicherweise nicht nur an Liebreiz kaum zu überbieten ist, sondern auch einen gesunden Humor ihr Eigen nennt. Danach bin ich noch zur Hausparty ins Erdgeschoß gegangen, mit mindestens einer Flasche Wein im Bauch. Einer meiner Nachbarn wurde gerade von einer wittrigen Blondine angeschmiegt, die mich unmittelbar nach meinem Auftritt auf ausgesprochen uncharmante Art anranzte. Ich erfuhr, daß ich schwul aussehe, ein nichtssagendes Gesicht besitze und nichts vom Leben weiß, dem bösen. Ich verkniff mir den Ausdruck "Fotze, blöde", sagte nur zum Nachbarn: "Stell´ die mal gut ab!", knallte den Wodka auf den Tresen und verzog mich. Unglückliche betrunkene Frauen sind okay, aber nicht, wenn sie unfreundlich werden - dann erspüre ich da einen grundsätzlichen Charaktermakel! (Zum Unterschied zwischen Gelsenkirchenern und Bueranern muß ich demnächst nochmal was Analytisches anmerken, aber erst gehe ich mit dem Rastakopf Ralf in das "Zutz" und genieße die mißbilligenden Blicke...) Ein weiteres geiles Gegensatzpaar lernte ich heute beim Kanzlerkrieg kennen, wo sich Schlödel und Stoibel gegenseitig nichtssagendes Vorgedichtetes erzählten. Niemand sagte was Riskantes. Alle deutschen Bundesbürzel schalteten ein, weil sie eigentlich hören wollten, daß einer der beiden privat Damenwäscheträger sei, aber njet - es kam nur der gewohnte Schwund. Unerwartet nur, daß der mir verhaßte Schroiber hier tatsächlich besser abschnitt, da Schröder sich verkrampft an seinem Klavier festhielt, und seine ungleich größere Fähigkeit zum improvisierten Charmieren vollkommen außen vor blieb. Der Sesamstraßenclown Stoiber (Strauß` Schlappenschammes forever) war der unangefochtene Gewinner dieser Präsentation. Danach wurde die Zurschaustellung von einigen heutigen und einstigen Szenetypen noch ausgedeutet, aber insgesamt war das wirklich ein Kasperletheater, in dem vorsichtig kalkulierte Texte schauspielerisch mittelmäßig vorgetragen wurden. Schröder wirkte verkrampfter als sonst, Stoiber wirkte lockerer als sonst - ehrlich war keiner von beiden. Gewinner: Die Medien. Ein extrem langweiliges Wahlkampfduell als lauer Höhepunkt eines dicken Hype. Da wünscht man sich echt Strauß und Brandt zurück... Schalke hat heute extrem lau gespielt gegen Hertha BSE, und Werder war gestern ein totaler Versager. Einziger glänzender Gewinner war überraschenderweise der VFL Bochum, der gegen einen desolaten Bayer Lebergrusel abgehottet hat wie eine Gulaschkanone auf Speed - das hat wirklich Spaß gemacht und endete mit einem gloriosen 2:4 - super!

240802

Nun haben mich aufgrund meines gestrigen Geschreibes gleich zwei Zuschriften erreicht, die mutmaßten, ich müsse wohl sehr einsam sein. Beide Zuschriften waren wohlgemerkt wohlwollend gedacht! Ich möchte hier aber abwinken und klarstellen, daß ich mich mitnichten an jedem Abend in Kneipen oder Singles-Bars herumdrücke und unterbezahlte Bedienungen mit wollüstigen Blicken verzehre! Das habe ich zum letzten Mal vor etwa 6 Jahren gemacht, und nix war´s... Man muß mir gelegentlich die berühmte dichterische Freiheit zubilligen, die natürlich nicht ausklammert, daß in jenem lediglich matt befunzelten Dachstübchen, in dem der kreative Prozeß stattfindet ("Angeklagter, erheben Sie sich und seien Sie kreativ!"), eine entsprechende Grunddisposition lauert. Wer hat schon in seiner Schädelkapsel Freunde? Die müßten sich schon sehr klein machen, um nicht andauernd mit dem Dez an die Knochenwand zu kloppen... Dann melden sich aber die Nachbarskinder zu Wort, die mit ihren Spielzeugrollern über die Planken der Dachterrasse marodieren, wann immer die Sonne lacht. Dann beginnt der Entladekrawall des Gemischtwarenladens direkt vor meinem Fenster. Dann spricht der Volksmund - er spricht wahr, er spricht Dialekt, und er spricht laut! In Gelsenkirchen-Buer ist es ein wenig wie in Neapel - man hat niemals Ruhe, aber man ist niemals allein. Die Menschen hocken dicht gedrängt aufeinander und ringen einander die Sterblichkeit ab. Aber... Naja, "allein" ist ja nun doch etwas anderes als "einsam". Vielleicht bin ich ja doch einsam. Vielleicht sind die meisten Menschen hin und wieder einsam, selbst wenn sie ihre Liebsten bereits gefunden haben. Sie fühlen sich unverstanden, wenn ihnen der Lover im Bett den Atem vom Vorabend in die Visage bläst. Sie fühlen sich fehlinterpretiert, wenn ihnen die Käsefee im Supermarkt den Harzer Roller mit einem gar zu garstigen Augenaufschlag überreicht. Sie fühlen sich unter Wert verkauft, wenn ihnen der Postbote statt eines glühenden Liebesbriefes nur eine Rechnung von der doofen Telekom bringt. Sind die Menschen deshalb Schweine? Ich denke, nicht. Der große graue Wonnebatzen in unseren Schädeln liefert zu etwa 99 Prozent Ablenkung vom Wesentlichen und Irritation. Das eine verbleibende Prozent ist ein Unfall. Da sagen die Gefühle Hallo. Und dann nähert man sich dem Grund, warum ich mir neben Spielfilmen und Fußball fast nur noch Tierfilme zu Gemüte führe. Die kaschubischen Tulpenkormorane kümmern sich einen matten Kehricht um die "conditio humana" und den nächsten Funken Glück. Die picken ihre Nester sauber, füttern ihre Brut und lustwandeln durch die Schöpfung, wie dies ihnen von Brehms Tierleben befohlen wird. Die machen mal und denken sich nicht aus den ihnen zugedachten Planquadraten heraus. Das macht Mut. Wer kein kaschubischer Tulpenkormoran ist, kann vielleicht etwas mit dieser Anti-Stoiber-Seite anfangen, die einige Punks aus der Provinz erstellt haben.

230802

Ich habe heute eine Meldung gelesen, die mir wieder Hoffnung macht: An der Universität von Glasgow haben einige Masterminds herausgefunden, daß "moderater" Alkoholkonsum das Gesicht eines potentiellen Geschlechtspartners um 25 Prozent schöner erscheinen läßt! Wenn man den Zapfhahn etwas weniger moderat sprechen läßt, kann das auch noch ganz anders aussehen. Probanden, die mit wenigstens 1 Flasche "J & B" abgefüllt wurden, begannen bei Preisgabe eines Bildes der beliebten Volksschauspielerin Heidi Kabel wie wild zu masturbieren. Dies ist umso erstaunlicher, als diese Frau in Schottland natürlich schier niemand kennt, also von der reinen Wallungswucht des gereiften Exemplars hehrer Weiblichkeit ausgegangen werden darf. Wie sieht das in der Realität aus? ICH gehe in eine Kneipe, um die Frau für´s Leben kennenzulernen. Ich lasse meinen Blick schweifen - überall sturzbetrunkene potentielle Geschlechtspartner beiderlei Geschlechts. Da ich mich in einer der dunkelsten Regionen des Ruhrpotts befinde, sind damit im wesentlichen solariumsverkokelte Blondinen fortgeschrittenen Alters gemeint. Ein Schierlingsbecher mit Wermut stimmt mich milde und heißt mich auf den nächsten Barhocker darniedersinken. Mit kühner Geste ordere ich ein Bier. Es wird auch sofort aufgetragen und schaut mich vorwurfsvoll an. Ich zucke im Geiste die Achseln und setze zum Sturm auf den Gerstensaft an. Zwei, drei Schlucke, und das Bier schäumt schon etwas weniger forsch. Ich blicke mich um und versuche, einen Augenkontakt zu einer Vertreterin des weiblichen Geschlechts herzustellen. Die sind aber alle ins Gespräch mit ihren jeweiligen Begleitern vertieft. Was tun? Lässig heuchele ich Gleichgültigkeit, obwohl ich vor innerer Anspannung fast vom Hocker rutsche. Ein Stadtmagazin liegt aus, das ich mir sofort schnappe, um dort garantiert nicht vorhandene interessante Texte zu erhaschen. Entnervt lege ich das Ding beiseite. Auf mich achtet noch immer niemand. Zwei, drei weitere Schlucke - das Bier geht zur Neige. Bald darauf ist es soweit - das Glas ist leer. Ich sondiere ein letztes Mal meine Chancen, ziehe die Notbremse und haue ab. Was mal wieder demonstriert, daß die Nachrichten, die in irgendwelchen Videotexten drinstehen, nicht unbedingt ernstzunehmen sind - getestet, erwiesen und therapeutisch verarbeitet! Ansonsten möchte ich anmerken, daß ich es durchaus nachvollziehbar finde, daß Eddie Murphy demnächst die Hauptrolle in der Neuverfilmung von THE INCREDIBLE SHRINKING MAN übernehmen wird. Nach dem Remake von DOCTOR DOOLITTLE ist das wirklich kein Wunder. In einer Neuverfilmung von DER GROSSE DIKTATOR wäre er auch nicht schlecht. Wenn Hollywood die Anregung aufgreift, erwarte ich Tantiemen in Millionenhöhe!

210802

Ich würde ja sehr gerne von den beiden Lesben erzählen, die mir vor kurzem meinen Besuch im Essener IKEA-Kaufhaus entschieden fellinisiert haben. (Zwei Frauen, die eine auf den Knien, die andere symbolisch leckend, das Ganze auf dem Parkplatz von IKEA? Eine schöne Erfahrung!) Allerdings geht mir im Moment die nötige Fantasie ab, um die authentische Begebenheit wieder in mein Gedächtnis zurückzupeitschen. Der heutige Tag war gänzlich unlesbisch und unoriginell. Stattdessen lauerten die Fabrikschornsteine von Herne, an denen man auf der A 43 vorüberschraddelt. Sie stehen wohl irgendwie für den Kapitalismus. Das tröstet mich auch nicht so recht. Viel tröstlicher ist da schon die Anekdote, die mir ein werter Herr aus Bochum erzählt hat: Er berichtete davon, wie er in eine Sex-Videothek hineinging, um einige Videobänder zu retournieren. Er war schon vorher die Korridore dieser Videothek entlanggegangen und hatte die Zahl der auf merkwürdige Weise unattraktiv besamten Gesichter bestaunt. Ist das die Erotik des neuen Jahrtausends? Er wunderte sich noch immer, als er die Videobänder am Tresen abgab. Das hätte jetzt ein ganz normaler Pornovideorückgabevorgang sein können. Aber auf einmal räusperte sich jemand neben ihm. Er drehte sich um und erblickte einen Mann mit Zylinder. Der Mann trug neben dem Zylinder auch noch eine Fliege. Außer diesen beiden Accessoires trug er nichts! Er hatte auch einen ziemlich kurzen Schwanz, aber diese pikante Wissensscherbe flechte ich nur mal so ein! Vor seinem Bauch trug der nackte Mann ein Tablett, auf dem verschiedene Likörgläschen standen. "Einen Likööör gefällig, der Herr?" fragte die Erscheinung. Mein Freund glotzte verdattert, verglich das Gesehene mit seinem Erfahrungshorizont und fixierte die Likörgläschen, in denen eine milchige Flüssigkeit schwamm, die ein wenig an strammen Mannessaft gemahnte. Ein loses Gulpen entrang sich seiner Kehle, dann die Entgegnung: "Danke, ich bin Antialkoholiker!" - dann ging´s raus aus der Türe! Das dürfte wohl das einzige Mal sein, daß dieses Bochumer Etablissement von jemandem verlassen wurde, der vor Lachen kreischte... Sowas ist mir leider niemals passiert! Dafür habe ich die Promo-CD des neuesten Erzeugnisses von "Diggler Records" gehört, BIRDS DO IT, das zur Gänze aus Beat-Musik deutscher Sexfilme der 70er Jahre besteht. So gut, wie das klingt, ist auch die CD! Locker Orgelfreuden aus einer Zeit des gesunden Lendentaumels - Spaß, bis die Kimme qualmt! Schon kaufen... Bald im Handel und hoffentlich auch in Euren CD-Schächten!

200802

Und siehe da, für Giallo-Freunde gibt´s mal wieder was zum Knabbern: Umberto Lenzis EYEBALL aka WIDE-EYED IN THE DARK (1974) gehört zwar nicht zu den Scheff-Döhwres des Regisseurs, aber eine attraktive Besetzung (Martine Brochard, John Richardson etc.) und ein hübscher Score von Bruno Nicolai machen auch diesen italienischen Thriller zu einem Fest für Gleichgesinnte... Marketing hat ja bereits Sergio Martinos TUTTI I COLORI DEL BUIO als DIE FARBEN DER NACHT in vorbildlicher Form auf DVD herausgebracht. Ich habe das für einen charmanten Einzelfall gehalten, aber nun hat das Label auch noch Lenzis Giallo als LABYRINTH DES SCHRECKENS auf den Markt geworfen - erneut in höchst zufriedenstellender Qualität, mit deutschem und englischem Ton. Angesehen habe ich mir bereits gestern den neuesten Takeshi-Kitano-Film, BROTHER. Hohe Erwartungen, die auch eingelöst werden, sind immer wieder eine schöne Sache - der Kitano hat es einfach drauf! Meisterklasse... GONIN (vom einstigen EVIL DEAD TRAP-Regisseur Takashi Ishii) stellt zwar auch ein überdurchschnittlich attraktives Gangsterdrama dar (mit Kitano als Profikiller), aber gegen BROTHER sieht er freilich blaß aus. Was bei minderbegabten Regisseuren nur die von mir oft gescholtene "Coolheit des Tötens" ergeben würde - bei Kitano füllen sich die sehr unkonventionell montierten Bilder mit Leben und Poesie. (Rein menschlich betrachtet würde ich lieber in der Wishman-World einziehen als bei Takeshi seinem Beat, aber die Filme sind wirklich unerreicht!) Es ist schon spät. Ich gehe getz nach Bett und träume von einem saftigen Gewitter, das die Luft wieder freiblitzt und -donnert...

190802

Nach einer verwirrend langen Pause melde ich mich wieder zu Wort! Der Filmclub hat jetzt getagt, und ich war unvermutet guter Laune, nicht zuletzt wegen der sehr attraktiven Besucherzahl von 85 - das ist für einen sonnigen Samstagmorgen nicht schlecht. Als besonderes Showelement gab es bei der zweiten Ansprache von meinereiner eine komplette Kontraktion meiner Brustmuskeln (=Folge einer Nervenerkrankung), wegen der mir etwa 30 Sekunden die Luft wegblieb. Das hat für das Publikum wahrscheinlich ausgesehen wie ein mittlerer Herzanfall, aber ich habe den Umstand ganz gut gemeistert, denke ich... Ansonsten bin ich noch niemals von soviel netten Frauen geknuddelt worden wie an jenem Tag. Das hat Nachahmungscharakter - das möchte ich unterstützen! Da mich am Sonntag nicht ganz soviele Frauen geknuddelt haben, habe ich mal spaßeshalber den Namen der Pornodarstellerin "Brigitte Lahaie" in meine Filesharing-Programme eingegeben und fand dort Videoclips, die die Dame in gänzlich bedenkenlosen Situationen zeigten. Ich war von der Frivolität der vorgefundenen Dateien schockiert und habe sie natürlich sofort von meiner Festplatte gelöscht... In den Yahoo-News steht heute die großartige Meldung, daß Kinder bei Kinovorführungen wesentlich mehr störendes Popcorn und ähnliche Süßigkeiten schnackeln, als dies Erwachsene bei kulturell hochwertigen Filmen wie etwa "Der Himmel über Berlin" tun - Mann, das hat mich jetzt wirklich baß überrascht! Ich dachte, daß es gerade die lockeren und unverkrampften Weltenbürger sind, die sich deutsche Autorenfilme reinpfeifen, deren Knister- und Knusperfrequenz besonders hoch anzusiedeln ist... Ich war früher ja auch einmal jener Meinung, daß alle Knisterköpfe, die den komplett blödsinnigen Werbungen für Speiseeis und Schleckerbonschen Folge leisten, dem unverzüglichen Flammentod zu überantworten seien. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht. Wenn sich jemand POLICE ACADEMY Teil Soundso anschaut und erwartet, daß niemand leiblichen Genüssen frönt, der soll sich ruhig dem Frieden des Wohnzimmers überantworten und sich vom eigenen Gelächter trunken machen lassen. Bei Greenaway knuspert sowieso keine Sau! Das Rascheln und Knuspern paßt sich in der Regel dem jeweiligen Sujet an, und das ist schön und gut so... Wer sich beim Betrachten der Kamerafahrten im neuen Schwarzenegger-Streifen gestört fühlt, leidet wahrscheinlich eh unter einer Realitätsferne, die ihm den Gang über die Straße zu einem unüberwindbaren Hindernis machen wird. Ich werde mich demnächst mit einer verhornten Nickelbrille in POKEMON 2 (oder 3) setzen, jedem Knusperbalg das Popcorn aus den Händen schlagen und mit zusammengekniffenen Lippen trotzig auf eine Besserung der Lage hoffen... Ich werde hoffen, daß niemals ein Hauch des wirklichen Lebens meine Existenz berühren wird. Dann werde ich ins Alternativkino zurückkehren und mit zu 80 Prozent verschrumpelten Kulturmumien auf meine Rechte als Geisteswissenschaftler pochen. Und hoffentlich wünsche ich mir bald das Popcorn zurück!

160802

Hossa! Ich habe heute für Euch die neue Fernseh-Wochenübersicht geschrieben, und das gleich zweimal, da mein Rechner kurz vor der Vollendung abgekackt ist... *BLÄH!* Immerhin habe ich im Hintergrund Philip Glass´ tolle CD "1000 Airplanes On The Roof" gehört, die ich mir gesaugt habe, und während ich zumindest viele der späteren Glassworks für immer gleich klingendes Nerv-Genorgel halte (ganz im Unterschied zu seiner Oper "Einstein on the Beach"!), mit dem kulturell beflissen erscheinen wollende Kaffeekränzchen veredelt werden sollen, schocken die Flugzeuge fürwahr... Statt eines grummelnden Chores hat sich der Norgel-Philip hier eine anmutige Phenomena-Sopranistin an Land gezogen, die treibende Synthiepassagen zu Festen gebannten Mitschnipsens werden läßt. Außerdem habe ich heute einen sehr lustigen Trashfilm aus den Staaten gesehen, nämlich Mark E. Lesters WHITMANS RÜCKKEHR, zu dem ich gleich mal eine ausführliche Review verfaßt habe! Hier eine kleine Preisfrage (ohne Preis), die ich morgen beantworten werde: "Was ist rot und liegt auf dem Feld?" Da ich am Tag vor Buio Omega immer früh in die Falle muß, erfolgt die Beantwortung möglicherweise auch erst übermorgen...

150802

"Der Weltraum..." Als alter Raumschiff-Enterprise-Fan besitze ich selbstverständlich alle alten Folgen lückenlos, auch wenn ich zu den drei oder vier Menschen in diesem Lande gehöre, die von Herrn Picard & Co. noch nix gesehen haben. Jetzt habe ich mir mal die ersten beiden Enterprise-Boxen von Paramount geleistet, und sofort kam der Hammer: Sehr bald erscheint auch von den späteren Teilen eine Special-Edition, mit Audiokommentar, Dokumentationen und Samenabstrich. Verdammt! Preistreiber! Beutelschneider! Egal - ich habe mir die Filme an nur zwei Tagen noch einmal angeschaut, von Teil 1 bis 6. Teil 1 habe ich das letzte Mal als 12-Jähriger im Kino gesehen und fand ihn unglaublich langweilig. Sailor Ripley hat gemeint, es handele sich um einen seiner Lieblingsfilme überhaupt, und nach nochmaligem Ansehen muß ich ihm leider zustimmen: Der Film ist wirklich toll! Etwas ganz anderes halt, das man mit den Motiven der Serie angestellt hat, aber schön bis zum Abwinken... (Hier gibt es auch in der deutschen Fassung Extras reichlichst!) Teil 2 ist dann eher etwas für die Serienfans - Aktion pur, mit dem guten alten Ricardo Montalban (=Khan) in bester Überchargierlaune... Teil 3 ist hingegen ein ziemlicher Langeweiler, der die Tränen vom Finale der vorangegangenen Folge mehr als trocknet... Teil 4 bietet hingegen den mühelos unterhaltsamsten Teil der Reihe und ähnelt auch am ehesten der zugrundeliegenden Serie. (Speziell der Folge "Epigonen", wenn ich mich recht entsinne.) Teil 5 offeriert eine Begegnung mit Gott, oder zumindest mit einem Amtsanmaßer, der Spocks leiblichen Halbbruder mächtig über den Löffel balbiert. Wieder einen Zacken besser ist Teil 6, in dem es um klingonische Glasnost-Bestrebungen geht, die hochunterhaltsam aufgelöst werden. Ich habe mir auch sogleich die Scores zu den ersten drei Teilen gesaugt, und wer häufig bei KaZaA und WinMX Musik nuckelt und Filmmusik mag, der sollte mal hier nachsehen, denn da gibt es Tracklistings zu vielen der Goldsmith-Scores sowie zu denen einiger anderer Komponisten. Ich schmiere mir jetzt ein Sandwich mit echter Romulaner-Remoulade und schreibe dann dem Präsidenten der Föderation einen geharnischten Brief, daß er vermeiden soll, daß wieder so widerwärtige Bilder ins Fernsehen geraten wie das der armen Frau, die heute in der Flut zu Tode gestürzt ist, mit einer sensationsgeilen Kamera voll drauf! Manche Sender sind sich ja für nichts zu schade und strahlen das dann aus, eingeleitet von garantiert bißechten Infotainmentmuschis ohne Herz und Geblüt... Die Hölle ihnen!

140802

So, was ist geschehen in den letzten Tagen? Der Naschy-Abend war eine ganz reizende Angelegenheit, und neben Nashy-Birnen wurde zu den Filmen des spanischen Horrorstars ein original Werwolfkuchen gereicht, für den die Köchin 400 Gramm Marzipan zum Gesicht von Imre von Wolfstein geformt hat. (Das war der Bösewicht aus DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA...) Ja, in Bochum kann man was erleben - auch beim Fußball: Das erste Saisonspiel gewannen die "Unabsteigbaren" mit links. Schalke spielte ziemlich schlecht, gewann aber noch glücklich mit 1:0. Für Werder Bremen begann die Saison nicht gerade optimal: 3:0 verloren gegen Aufsteiger Bielefeld, und dann noch zwei rote Karten - wo geht die Reise hin? Wo für viele Leser die Reise am nächsten Samstag hingehen wird, sollte doch wohl klar sein - da lacht der FILMCLUB! Unter dem Motto "Apokalyptus-Bonbon" gibt es zwei Filme zu sehen: Der erste handelt vom Weltuntergang und ist hübsch bunt; der zweite dreht sich um ein Weltraummonster und ist hübsch splatterig! In jedem Fall die perfekte Knabberpackung für ein bewegtes Wochenende... Und noch ´ne Meldung: Ein osttürkischer Familienvater hat sich nach seinem 50. Kind (!) endlich zur Familienplanung durchgerungen - irgendwann muß ja mal Schluß sein. (Manche tun sich ja schon schwer damit, ein einziges Kind zu ernähren - hier, hinkucken!) Die Stadt, in der sich dieses Familiendrama abspielt, heißt Mus, was ich irgendwie ganz sinnfällig finde... Im übrigen habe ich einige Zuschriften von Leuten bekommen, die wegen der fiesen Überschwemmungen Ärger bekommen haben - alles Gute von hier aus, der doofe Regen hört auch bald auf!

120802

Doris Wishman ist nicht mehr. Ich habe ihr zu Ehren einen kleinen Nachruf verfaßt, den Ihr hier findet... (Ab morgen geht es wieder normal weiter.)

110802

Hallo Freunde. Jemand Liebes ist gestern verstorben. Ich bin noch zu betrübt und zu verdattert, um jetzt einen normalen Eintrag hinzubekommen. Ihr werdet das morgen bestimmt auf der Buio-Omega-Seite lesen können, und auch ich werde einen Nachruf auf die Person verfassen.

100802

Spinnenfilme erfreuen sich wieder zunehmenden Interesses, was im Mahlstrom der Spinnerfilme, die sonst so zu sehen sind, sehr erfrischend wirkt. Ein neues Elaborat dieser Welle (von einem großen Studio produziert) ist ARAC ATTACK, in dem sich David Arquette mit einer Vielzahl mutierter Springspinnen herumbalgen muß. Wer Blutrunst erwartet, ist komplett fehl am Platz - es handelt sich eher um einen nostalgischen Schleckspaß à la ARACHNOPHOBIA, wo man versucht, den Ton der Klassiker von einst zu imitieren. Das Resultat ist nicht wirklich eigenständig oder innovativ, aber das Popcorn im Schoß wird nicht kalt, und für mich als vergnügungssüchtigen Kinogänger reicht das allemal! Es dauert ungefähr bis zur Hälfte, bis die Spinnen richtig Vollgas geben, aber dann kommt die volle Spinnenpanik auf - noch nie war so viel los in diesem Kaff! Das Besondere an dem Film liegt in der Tatsache, daß es sich nicht um normale Arachnoiden handelt, wie die, die ich gerade mit einem Wasserglas aus meiner Wohnung an die Freiheit befördert habe, sondern um mutierte Springspinnen, die sich auf höchst ungewöhnliche und bedrohliche Art fortbewegen - die jumpen in die Kamera, das es nur so eine Art hat! Der Film übertreibt es etwas in Sachen parodistisches Gekasper, aber Spaß haben kann man bei det Dingen allemal. Die Effekte sind ziemlich gelungen. Die Synchro ist unter aller Sau, aber die werden eh immer schlechter... Der Regisseur heißt Ellory Elkaida (oder so), und es handelt sich um sein Debüt. Viel wichtiger ist aber, daß heute die Fußballsaison begonnen hat, und zwar mit einem durchaus achtbaren Kick: Die Borussen aus Dortmund lieferten sich in der Ersten einen erbarmungslosen Fight mit der Hertha BSE, die achtbar mithielt. In der Zwoten ließen die Herthaner die Zügel schleifen und ermöglichten es meinen Reviernachbarn, in Führung zu gehen. Der sicher geglaubte Vorsprung wurde aber leichtsinnig wieder aus der Hand gegeben, so daß der Fight 2:2 zu Ende ging, unnötigerweise... Morgen wird auch anderswo wieder unschuldiges Gras von ruppigen Füßen getreten werden. Ich werde danach zu einem Paul-Naschy-Abend gehen, bei dem die lieben Veranstalter zu diesem Anlaß original Nashybirnen eingekauft haben, was ich sehr drollig finde! Abschließend möchte ich noch einen Link zur Spiegel-Online-Seite kredenzen, wo man einiges über den Schiffskoch Steven Seagal lesen kann, was man bisher nur zu ahnen wagte...

090802

So, meinen Geburtstag habe ich jetzt bewältigt. Er war ganz erträglich und wurde entschieden versüßt von Ralf und Hagen, die hier zur Abendstunde vorbeilugten. Eigentlich wollten sie nur den Regen abwarten, aber ich zwang sie dazu, noch einige Filme zu kucken. Dabei kippten wir uns die Kapuze zu! Der erste Film war Doris Wishmans Slasher A NIGHT TO DISMEMBER, der bekanntlich über 20 Jahre hinweg zusammenklabüstert wurde. Beide Gäste waren weggeblasen von der Eigenartigkeit des Endresultats. Hagen: "Das sieht aus wie mindestens fünf Filme!" - Ralf: "Das sieht aus wie gar kein Film!" Doris spricht fast alle weiblichen Darsteller selber, darunter auch einige jugendliche Sexbomben. Sehr schön die Stellen, an denen Geräusche von den Sprechern onomatopoetisch nachvollzogen wurden, etwa der aus dem Off kläffende Hund: "Wuff, wuff, a-huuuh..." Die Boys wollten aber noch mehr haben und bekamen BLACKENSTEIN, einen extrem langweiligen, recht splatterigen Blaxploitationfilm, in dem man erneut fragen muß: War Frankenstein der Arzt oder das Monster? Als Langzeitpatient weiß ich: Beide sind das Monster, und sie schreiben gerne Rezepte aus! Bei BLACKENSTEIN griffen die Rezepte nicht wirklich, und wenn Liz Renay die Eingeweide um die Ohren geschlackert werden, weiß man einfach - der Hackethal hätte das besser gemacht! Ich verlor irgendwann die Besinnung und erwachte auf der Reeperbahn. Das war nur ein Traum, und ich traf alle meine früheren Lebensabschnittspartnerinnen wieder! Sie sahen blöderweise alle aus wie der Blackenstein und waren somit nicht einmal für einen Lusttraum gut. Am Morgen kitzelte mich Brandgeruch in der Nase. Nachdem ich mein Bewußtsein wiedererlangt hatte, dachte ich nur daran, daß wohl einige Nachbarn den Mittag für Grillexperimente auf ihren Balkonen mißbrauchten. Ich war schon bereit, Odins Blitze auf die Nachbarn zu schleudern, da merkte ich, daß es sich um einen Häuserbrand handelte! Glücklicherweise nicht um mein Haus, sondern einen Kindergarten, der 100 Meter entfernt war, im Schatten einer Kirche. Verletzt wurde zum Glück keiner, aber ich dachte schon mal darüber nach, was ich wohl als erstes aus dem Haus retten würde, sollten mich die Umstände dazu zwingen, hurtigst das Gebäude zu verlassen. (Das wäre wohl JÄGER DER APOKALYPSE in der Glasbox gewesen...) Ich überlebte die lodernden Flammen. Die werde ich wohl auch weiterhin überleben. Heute habe ich mehr nette Geburtstagswünsche erhalten als jemals zuvor - vielen Dank dafür! Jetzt nattere ich mich erst einmal in die Falle und träume von meinem 35. Geburtstag, der wahrscheinlich in meinem Feriendomizil auf Hawaii stattfinden wird, gekränzt von anmutigen Tänzerinnen und meiner Lebensgefährtin, deren Augen leuchten wie das Bernsteinzimmer in meinem Herzen...

070802

Heute erzähle ich mal von zwei schönen Werbefilmen, die ich jüngst gesehen habe. Der erste beginnt damit, daß der Zuschauer in ein rotes Gezatter hineingeleitet wird, während im Hintergrund waberndes Gebubber zu hören ist. Was das darstellen soll, wird zunächst nicht klar; es wirkt aber nicht unangenehm, eher gemütlich. Dann verkündet eine kalte Frauenstimme lapidar: "Willkommen im Unterleib von Sophia, 8 Jahre!" Dann kommt nur noch das Logo von Dunkelziffer e.v. - ein Verein, der sich um mißhandelte Kinder kümmert... Vollkommen brillante Werbung - mir ist es eiskalt über den Rücken gelaufen, und das sollte bei solch einem Thema auch der Fall sein. Die andere Werbung gibt es schon etwas länger und wurde, glaube ich, von Unicef gesponsert: Man sieht lauter Toreros durch die Luft wirbeln, wie sie gerade von Stieren auf die Hörner genommen werden. Dann kommt der Text: "Jeder tote Torero ist ein freier Arbeitsplatz!" Das drückt meine Empfindungen in bezug auf Stierkämpfe recht angemessen aus. Ich freue mich jedesmal höchst unhumanistisch, wenn wieder ein heldenhafter Toreador plattgetrampelt wird - Rache für die Hornträger! Die Stiere werden danach unverzüglich füsiliert, wahrscheinlich einfach totgeschlagen, denn die Stierkämpfer haben ja diesen ausgeprägten Ehrbegriff. Ein Stier, der so wenig Sportsgeist besitzt, sich nicht einfach langsam von den Picadores zu Tode foltern zu lassen, verdient es nicht, daß man ihm auch noch die Ohren und den Schwanz abschneidet! Rätselhaftes Südeuropa... Immerhin hat mir Ingojira vom Club heute den zweiten Teil des eben erwähnten Klassikers RING vorbeigebracht, und er schließt auch direkt an die schauderhafte Story des ersten Teils an. (RING 2, nicht Ingo.) Die Geschichte des Donnerbalgs Sadako wird mit einigen einfallsreichen Neuigkeiten angereichert, und während der Film ähnlich zurückhaltend ist wie der Vorläufer, gelingen auch ihm genügend eindrucksvoll unheimliche Momente, um die Fortsetzung zu rechtfertigen. (Von dem später entstandenen "Prequel" RING 0 wird nur Entmutigendes berichtet.) Auch mitgebracht wurde mir ein anderer neuer Geistergrusler, KAIRO (PULSE), und den schaue ich mir wohl morgen an. Am Abend kommt Ralf vorbei, damit man gemütlich in den Geburtstag hineinsacken kann... Verdammt, jetzt klingelt wieder das Telefon! Wer ist dran? Vater Kelly - aaaaarghhhh... Für Interessierte hier ein Interview mit Meisterregisseur Nakata!

060802

Da ich ja ganz gerne mal bis spät in die Puppen am Computer sitze und Unsinn schreibe, bekomme ich einiges vom Nachtfernsehen zu sehen. Das meiste davon ist nicht wesentlich besser als das Fernsehen tagsüber, mit Ausnahme allerdings der Füllprogramme, die die Zeit bis zum Morgenfernsehen ausfüllen sollen. Früher gab es ja das tolle Kaminfeuer auf Super-RTL und anderswo, und auf VOX waren stundenlang amerikanische Strände zu sehen, begleitet von Meeresrauschen. Das war so angenehm einschläfernd und gemütlich, daß ich dazu des öfteren in einen milden Schlummer abgeglitten bin. (Die doofen Drogenkiddies und ihre Rave-Parties, die man derzeit auf VOX sieht, sind gar nicht einschläfernd und gemütlich, sondern dienen höchstens als Darmlaxativ bzw. Digestivum.) Dann kam eine Zeit, wo man nur noch eine halbe Stunde Kaminfeuer (sozusagen als Anheizer) vorgesetzt bekam, und danach eine Telefonnummer, wo man sich eine Videokassette mit dem vollständigen Geprassel bestellen konnte. Lange Flappe von Keßler, der natürlich nicht daran gedacht hätte, diesen Kram jetzt auch noch per TV-Shop zu ordern... Freies Feuer für freie Menschen! Das einzige, was jetzt noch einen matten Abglanz spätnächtlicher Dämmerherrlichkeit offeriert, sind die Zugstrecken in der ARD, die nett sind, aber eben nicht der wahre Jakob. In wenigen Wochen ist Wahl - wählen wir diejenigen, die uns das Kaminfeuer wiedergeben, und in Anbetracht des derzeitigen Ranzprogrammes am besten RUND UM DIE UHR!!! Wählt mich - ich mache Euch einen Kabelsender, der nur zwei Sendungen bringt: "Freies Feuer" und "Feuer frei"! Die anderen Sender können ja ihren bewährten Mix aus Volksverdummung, Titten und Kommerzschmonzes bringen - bei mir gibt es fesches Geprassel rund um die Uhr, und gelegentlich werde ich noch einen strammen Hasen über dem Feuer rösten lassen, und für die Vegetarier Tofu-Wurst! Einigkeit, Freiheit, Brotzeit! Hier ein lecker Link für die sündhaft teure Soilent-Grün-Single. Soilent Grün waren Die Ärzte, bevor sie Die Ärzte hießen, und während die Seven-Inch früher wie Blei in den Regalen lag (wurde bei einem Versand den Bestellungen sogar immer als Gratisbeilage hinzugefügt), kriegt man für das Ding jetzt 200 - 300 Mark! Hier problemlos runterzuladen... :) "FDJ-Punx - okay!" - eine der besten Punksingles ever. Freies Feuer für freie Bürger!

050802

Heute hatte ich einen Spitzentag! Ich griff nach einer DVD mit dem japanischen Horrorfilm RING, um ihn mir endlich mal anzuschauen. Auf einmal lag ich auf dem Boden, mich krümmend mit einer Art Hexenschuß... Wer jemals so etwas Drolliges gehabt hat, der weiß, daß man sich dann keinen Millimeter bewegen kann, ohne daß einem sofort höllische Schmerzen durch den Körper wuppen. Nach etwa zwei Stunden war ich so weit, daß ich bei jeder unvorsichtigen Bewegung zuerst schreien und dann schallend lachen mußte! Dem Ganzen wohnt ja auch irgendwo eine komische Komponente inne... Der Film war dann übrigens ein ziemlicher Kracher. Ein sehr schöner, ungewöhnlich ruhiger Geisterfilm, der seine Klauenfinger nach dem klassischen japanischen Kino dieser Art ("spuko eiga" oder so) ausstreckt und nichts gemein hat mit dem hektischen Gehampel, das einen meist in den neueren Hi-Tech-Produktionen dieses sehr sympathischen Landes erwartet. Und uuunheimlich ist det Dingen - wenn Sadako am Schluß aus dem Fernseher krabbelt, gefrieren die Tautropfen auf der Stirn zu Speiseeis! Bester Geisterfilm mindestens seit den 70ern und mit meiner momentanen Situation vollauf vereinbar, denn bei mir ist das Kind auch in den Brunnen gefallen... *lol*  Schreiend und lachend begebe ich mich jetzt nach Bett und träume von der dünnen weißen Hand, die aus dem modrigen Wasser greift...

040802

Au Schande, noch vier Tage, dann werde ich 34! *grusel* Es wäre einer zyklischen Gestaltung des Tickers durchaus bekömmlich gewesen, wenn ich hätte vermelden können, daß auch dem Grünen-Abgeordneten Rezzo Schlauch das Haupt eingenäßt worden wäre. ("Nimm´ meinen Rezzo-Mix!" bzw. "Aus dem Schlauch auf den Schlauch, mit Liebe!") Aber nichts in dieser Art ist passiert. Stattdessen hat sich auch dieses grüne Bollwerk in der gegenwärtigen tobenden Pornomeilen-Affäre geoutet: Auch er ist auf Staatskosten vereist. Der Bund der Steuerzahler bibbert vor Bürgernähe, und mich kümmert das leider einen feuchten Kehricht. Viel wichtiger ist da schon die Musik, die ich mir gerade eintrichtere! Ich habe nämlich ein paar alte Sachen von Goblin gefunden, genauer gesagt, die LP von Cherry Five (1974), die für Dario Argentos PROFONDO ROSSO zu Goblin wurden... Die LP ist wohl auf CD wiederveröffentlicht worden und bietet sehr saftigen Italo-Progressivrock mit nölenden Orgeln und hämmerndem Schlagzeug - durchaus sensationeller als die Goblin-LP "Roller", die in Japan digital neuveröffentlicht worden ist... Ansonsten habe ich heute nur den Ami-Mainstreamer AMERICAN HISTORY X gesehen, der zeigt, wie amerikanische Skinheads garantiert nicht reden und handeln. Ästhetisch ein exzellenter Film, aber so eingespannt in die typischen Hollywood-Schemata, daß es nicht verwundert, daß der britische Werbefilmemacher Tony Kaye seinen Regiecredit mit "Humpty Dumpty" ersetzen wollte. Auch so zumindest ein immens effektiver Film, aufgrund der Brutalitäten nicht wirklich für zarte Gemüter, aber halt nicht authentisch. Edward Norton (FIGHT CLUB) spielt trotzdem unglaublich. Was für ein Schauspieler! Da ist Rezzo Schlauch nicht annähernd so gut oder seine anderen Kollegen, sowohl jene mit Dreck Light und jene ohne Dreck Light am Stecken... Noch 48 Tage bis zur Wahl. Was ich in 4 Tagen an meinem Geburtstag mache, weiß ich noch gar nicht, denn gefeiert wird diesmal nicht - das Jahr war zu durchwachsen. Vielleicht schlachte ich ein goldenes Kalb... Mal schau´n. Jesus ist mit 33 an seinen Kreuzschmerzen verreckt, ich muß mit meinen Rückgratsachen weiterleben. "A bum deal", wie die Amerikaner das nennen. Da kann man nur die Augen aufsperren und auf die Schönheiten warten, die da lauern. Und sie lauern immer, das ist das Angenehme an diesem albernen Spiel! Rezzo und die Vagabunden, Franzi und die Goldmedaillen, Leverkusen und die Steuer - das hört nicht auf, und wer das Karussell verläßt, der verpaßt das Beste... Ich höre jetzt noch etwas Goblinesken und kobolde mich dann ab in die Heia. Ach ja: Der nächste SI-Artikel wird von französischen Verfehlungen auf dem Gebiet des Exploitationfilmes handeln, und da sind einige Schellen und Schinellen drin... Fanfaren, Trommelwirbel, Tusch!!!

030802

"Da war dieser Gestank, und dann merkte ich, daß mein Haar triefnass war - da urinierte ein Landstreicher auf meinen Kopf." Dieses funkelnde Zitat stammt aus dem Mund von Paul McCartneys junger Ehefrau, und ich habe bei mir im stillen Kämmerlein gedacht: Wenn jemals ein Betrunkener auf meinen Kopf uriniert, so werde ich diesen Umstand in eine Dose, aus der ich alle dänischen Butterkekse herausgefressen habe, hineinsperren und in irgendeinem Baggersee versenken. Mitnichten werde ich ihn aber einem Journalisten der Regenbogenpresse preisgeben, ihn sozusagen wie Griebenschmalz auf sein Butterbrot schmieren... Möglicherweise hat der Journalist sich dieses pikante (und m.E. recht unappetitliche) Detail einfach aus den Fingern gesogen. Eventuell war es sogar der Journalist, dem der Kopf benetzt wurde von subproletarischem Harn! Vielleicht beschäftigte er sich gerade mit einer Untergrundrecherche, um die Geheimnisse des "Lebens auf der Straße" auszukundschaften. Solche Berichte lesen die Leute dann ja gerne, wohlig schaudernd über dem Morgenkaffee, denn das Leid der Kreatur erträgt sich bekanntlich besser mit einem dampfenden Bohnensud, der der Menschheit ja so häufig die fehlende Wärme ersetzt... Noch pikanter wäre es allerdings gewesen, wenn ein Subproletarier auf den Kopf von Angelina Jolie ("Lara Croft") sein Wasser abgeschlagen hätte. Das ist aber nicht passiert. Allerdings meidet sie nach den neuesten Meldungen den Kontakt zu ihrem Vater, dem Schauspieler Jon Voight. Außerdem hat sie sich jetzt von ihrem Männe, dem wesentlich älteren Schauspieler Billy Bob Thornton, getrennt, da dieser das Grapschen bei Groupies nicht lassen wollte. Um sich dieses Laster abzugewöhnen, begab er sich sogar in eine Therapie, verführte dabei aber leider die Therapeutin! Das war dann der Gnadenstoß für das junge Glück... Ich schlage jetzt mein Wasser ab (auf niemandes Haupt!) und träume dann vermutlich von Vagabunden mit Kontinenzproblemen... (Passend zum Thema das Cover eines Vinylproduktes einer Ruhrpott-Punkcombo!)

020802

Heute sind mehrere Hefte des Splatter-Heftes X-RATED beschlagnahmt worden. Ich bin kein besonderer Fan dieser Publikation, hätte auch jederzeit mit einer Indizierung gerechnet und wundere mich nun über die krasse Maßnahme! Kraß deshalb, weil sie die durchaus berechtigte Frage aufwirft, wo der Filmjournalismus aufhört und die Werbung für vermeintlich gewaltverrlichende Filme beginnt. Das ist eine Frage, die viele Leute angeht, auch solche, die sich möglicherweise nicht um Splatterfilme scheren. Soll man sich in Zukunft genau mit den obwaltenden Kräften absprechen, worüber man schreiben darf und worüber nicht? Das wäre wohl ein sehr merkwürdiges Verständnis von Journalismus und Aufklärung... Ich hoffe, daß diese Entscheidung der Staatsanwaltschaft nicht ohne Widerspruch bleiben und zu einer regen Kontroverse führen wird, denn ansonsten könnte hier ein entzückender Präzedenzfall entstanden sein, der bei allen möglichen Gelegenheiten in Zukunft aus dem Ärmel gezaubert wird, wenn es darum geht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit auszuhöhlen. Nicht unbedenklich... Um eine bessere Laune zu bekommen, habe ich der Cora eine geile Punk-CD aufgenommen, auf der sich ein Querschnitt der von mir jüngst gesaugten Ludwig-von-88-Sachen aus La Belle France zu finden ist, wie auch Stücke von den trefflichen Norwegern Turbonegro, den Boxhamsters, dem Durstigen Mann, den Leverkusenern OHL, den Münchener FKK Strandwixern und Marionetz und den ruhrpöttischen Eisenpimmeln. Die gute Frau weiß noch gar nicht, was für eine feine Sache sie morgen geschenkt bekommt! :) Ansonsten ist mir heute gesagt worden, ich hätte eine Draufdrücknase, d.h., eine solche, die sich mit einem sanften Druck auf die Nasenspitze plattdrücken läßt. Das finde ich irgendwie total super! Ich drücke mich jetzt noch ein paar Mal drauf und träume von Frauen mit leuchtenden Augen... So Gott will, der olle Prittstift!

010802

Verdammt, sie sind mir auf die Schliche gekommen! Meine Bonusflugmeilen sind aufgedeckt... Ich hätte halt nicht zum Safaripark Hodenhagen fliegen sollen. Der Flug war obendrein reichlich ranzig: Es gab nur Tricatel-Gummihühnchen im Schlafrock, mit Frühstücksfleisch und Computersalat als Beilage. Außerdem habe ich meiner Sitznachbarin (über 80 und redselig) die übriggelassenen Reste über den Schoß geschüttet, wofür sie mir eine schallerte! Das war kein schöner Flug, und der Safaripark Hodenhagen wußte auch nicht zu entzücken. Ich traf mich dort mit meiner Schwester, und mit ihrem alten Mitsubishi fuhren wir durch die Grünanlagen und sagten Hallo zu den dort ansässigen Tieren. Bei der Pavianherde war allerdings aus: Die trampelten auf einmal auf der Kühlerhaube des Importautos herum, als würden sie dafür bezahlt! Danach sah die Karosserie aus, als hätten die Feinde von Al Capone einen Kugelhagel auf sie niedergehen lassen... Verschwendetes Eintrittsgeld - meine Schwester ist heute noch sauer! Und für dieses überaus zweifelhafte Vergnügen soll ich nun Federn lassen, soll ich büßen? Ich räume ja gerne den Stuhl im Bundestag und überlasse mein Mandat im Bürgermeisteramt von Benediktbeuren zur weiteren Verwendung. Da bin ich ja kein Pedant. Aber die Pönalisierung? Die gemeine Schmach + Schande, die auf meine kleine Verfehlung gehäuft wird? Wir Politiker sind schließlich auch nur Menschen, und auch wir müssen mal in den Safaripark Hodenhagen! Wo die Paviane tanzen, da ist unser Zuhaus, und wer möchte da den Richter spielen und das Paket mit den Minuspunkten öffnen? Okay, ich habe meiner Partei (=der APPD) damit einigen Schaden zugefügt, aber ich hoffe doch, daß die Wähler vergessen können! Wenn die Leute den Stoiber ertragen können, wie er fremde kleine Kinder auf seinen Armen schaukelt, dann wohnt in der Gemeinseele doch noch ein Herz... Ansonsten ist zu vermelden, daß ich heute großes Geschick im Saugen von Internetmusik bewiesen habe: Ich habe versucht, eine bessere Fassung eines ziemlich angeranzten Tracks downzuloaden. Als es mir gelungen war, klatschte ich vor Vergnügen in die Hände. Das Klatschen verhallte allerdings, als ich feststellte, daß ich den betreffenden Track von mir selbst gesaugt hatte! (Bei KaZaA bin ich Sittenstrolch, bei WinMX Dicke Taube!) Da lobe ich mir die deutschen Filmemacher, die bei der diesjährigen Biennale in Venedig (Ende des nächsten Monats) gleich viermal vertreten sind. Zwei der vier sind ausländische Regisseure, z.B. die begabte Agnieszka Holland. Doris Dörrié kennt man ja aus Talkshows, und zu ihren Werken bin ich durchaus gespalten, aber auf den neuen Film von Winfried Bonengel (Regisseur des idiotischerweise inkriminierten, hervorragenden Dokumentarfilmes BERUF: NEONAZI) bin ich sehr gespannt. Der Monat August läßt hoffen!

BaCk