NEWSTICKERARCHIV
120709
Ich habe heute einer
blonden Frau in der Videothek meines Vertrauens eine Abfuhr erteilt.
Sie kam herbeigerauscht in einem PKW, den kampfhundkompatiblen Paramour
am Steuer. Da der Weg zur Videothek durch eine hohle und überaus
enge Gasse führte, mußte ich die beiden zum Verlangsamen
zwingen. Es mußte sein, denn mir fiel partout kein Grund ein,
warum ich ausgerechnet für diese Flitzpiepen loshetzen sollte. Ihr
Hajupei hielt dann auch direkt vor der Videothek, allen anderen
motorisierten Besuchern den Weg versperrend. Rauchender Motor, die
Ische rausgesetzt zum Videozurückbringen. Blondie setzte mir nach,
doch der Gang in der Videothek war sehr eng. Ich verlangsamte meinen
Schritt, da ich ihre innere Unrast spürte. Hatte auch keine Lust,
sie vorbeizulassen, denn ich verabscheue Drängler. So war ich denn
vor ihr an der kleinen Schlange, die sich vorm Tresen gebildet hatte.
Unmut, Ungeduld und das berühmte Millipond Energie zuviel brachen
sich hinter mir Bahn. Ich blickte mich nicht um, konnte aber erahnen,
welche stillosen "Geht´s denn bald weiter"-Verrenkungen
Blondschopf ausführte. Schließlich wendete sie sich an mich
und fragte, ob ich sie nicht vorlassen könne, denn ihr Freund
warte im Auto. Ich lächelte sie strahlend an und meinte: "Nö!"

So sah ich etwa dabei aus.
Danach sah ich etwa so aus:

++++
Ich muß ein sehr schlechter Mensch sein.
++++


Ergo:

040709
In den Vereinigten
Staaten von Amerika gilt der 4.
Juli als Nationalfeiertag. Während der Hintergrund der
Festlichkeit in den USA jedem Mitbürger bestens vertraut ist, ist
diesbezüglich in Deutschland noch Aufklärungsarbeit zu
leisten. Ich möchte mich dem nicht verschließen. Es war
nämlich so: Im Jahre 1899 sollte Minnesota offiziell an die
Chinesen zurückgegeben werden. Aufgrund eines alten Dekrets aus
dem 18. Jahrhundert galt nämlich jeder in Minnesota – egal ob
Bürger oder zugereist – als vogelfrei, der nicht chinesischer
Abstammung, weiblichen Geschlechts und älter als 29 war. Wer
seinen 29. Geburtstag erreichte – was die wenigsten taten, da die
Gegend von den Komantschen unsicher gemacht wurde –, mußte sich
bei speziell eingerichteten Selbstmordzentralen melden. Der Leichnam
wurde dann zu grünem Keks verarbeitet, welchem durch
Hinzufügung von Vitaminen und anderen Nährstoffen
lebensverlängernde Eigenschaften verliehen wurde. Das war
natürlich unter den obwaltenden Umständen bezaubernd sinnlos,
aber die Politiker werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Wer
sich der verordneten Selbsttötung und der nachfolgenden
Weiterverwertung versperrte, wurde erbittert gejagt von der Detektei
Pinkerton, deren Männer im ganzen wilden Westen tätig waren
und bekannt wurden durch ihre bunten Kostüme, die in allen Farben
des Regenbogens schillerten. Einer davon war der Bruder von Wyatt Earp,
Walter Earp, der aufgrund seines Namens sein ganzes Leben lang nur
gehänselt worden war. Jetzt konnte er sich rächen. Mit den
Chinesen und den Komantschen hatte er einen Pakt geschlossen, der mit
Blut bzw. Friedenspfeife besiegelt wurde. Auch mit den Ägyptern
hatte er einen Pakt, die ihn mit Mumien versorgten, die als billiger
Treibstoff in den Kesseln von Eisenbahnen verheizt werden konnten.
(Gebaut wurden die Eisenbahntrassen vorwiegend von den Chinesen. So
schließt sich der Kreis.) Walter Earp wurde auf diese Weise zu
einem schwerreichen Mann und konnte sich bald aus dem aktiven Dienst
bei Pinkerton zurückziehen. Er kandidierte für den
Gouverneursposten von Minnesota (und, als das nicht klappte, für
den von West Virginia), doch leider war er sehr häßlich und
hatte auch nur ein Bein. Das andere hatte er beim Mumienstapeln
verloren. Bedauerlicherweise war der Stumpf so unförmig, daß
sich auch mit den damals neuesten technischen Mitteln keine
befriedigende Prothese anbringen ließ. Das Resultat war ein
unsäglich alberner Gang, falls man das überhaupt als Gang
bezeichnen möchte. Deshalb begegnete man ihm nirgendwo mit
Respekt, und so einer konnte natürlich nicht Gouverneur werden!
(Oder Häuptling, denn bei den Komantschen versuchte er es auch.)
Für den Unabhängigkeitstag ist das schwere Schicksal von Earp
aber ohne Belang. Viel wichtiger sind da die Mumien, welche
nämlich nach Unabhängigkeit strebten. Als die
ägyptischen Mumien nämlich rar wurden, wollten sich auch die
Chinesen eine Scheibe vom Mumienkuchen abschneiden. Zu diesem Zweck
entsandten sie in einem Jahr, das leider in Vergessenheit geraten ist,
einen Emissär namens Long Bum Zen nach Kentucky, um sich mit den
Freimaurern zu verständigen, die statt des sonst üblichen
Revolvers eine Maurerkelle an ihrer Hüfte führten und mit
langen Bärten gesegnet waren. (Die Frauen ausgenommen. Die Kinder
trugen falsche Bärte.) Es ging um einen magischen Kiesel, der
bereits seit dem Unabhängigkeitskrieg von 1776 im Besitz der
Freimaurer war und jedem, der ihn nächtens rieb, drei Wünsche
gewährte. Long Bum Zen gelang es durch eine List, den Kiesel in
seine Gewalt zu bringen. Hier trat Doc Holliday auf den Plan, der durch
seine vorzüglichen Beziehungen zu den Sioux deren Kenntnisse
über Waldgeister geerbt hatte. (De facto war Doc Holliday der
Vater von fast allen Sioux-und Schuronen-Nachkömmlingen, da eine
Naturkatastrophe die Indianer unfruchtbar gemacht hatte. Aber das ist
eine andere Geschichte.) In einem aufsehenerregenden Kampf stellte Doc
Holliday (der übrigens kein Doktor war!) den Chinesen und
verwandelte ihn in ein riesiges Dreieck. Den Kiesel fügte er
seinem Besitz hinzu, wußte aber zunächst nicht so recht, was
er mit ihm anfangen sollte. Bei einem mehrere Jahre später
erfolgenden Besuch in Minnesota machten ihn die dort lebenden
chinesischen Frauen aber auf das Mumienproblem aufmerksam sowie auf die
wichtige Rolle, die eben dieser Kiesel bei seiner Bewältigung
spielte. Er verlor den Kiesel bei einem großen Pokermatch und
wurde ebenfalls in einen grünen Keks verwandelt. Was nun? Die
Sache mit den Mumien erledigte sich wenige Jahre später von
selbst, da alternative Treibstoffe entwickelt wurden, die meisten davon
auf Zimtbasis, und Zimt gab es weiß Gott genug in Minnesota. Eine
Bewohnerin von Minnesota rieb eines Nachts den Kiesel an ihrem Busen,
worauf ein Parallel-Minnesota entstand. Nun wurde die Sache wirklich
unübersichtlich, und erst nach den Baumwollkriegen von 1887 kehrte
wieder Ruhe ein. Das ursprüngliche Minnesota wurde zu Kalifornien,
und das Parallel-Minnesota wurde jetzt zum ursprünglichen
Minnesota. Man hatte sich also geeinigt. Die Kekse wurden in die
Freiheit entlassen und hatten somit ihre Unabhängigkeit. Dieses
Ereignis fand zwar nicht am 4. Juli statt, aber man schummelte einfach.
Die ganze aufregende Geschichte um den Freiheitskampf wurde mehrfach
verfilmt. Die vielleicht berühmteste Version entstand unter Regie
von John Ford, der interessanterweise wirklich aus Minnesota kam und
chinesische Vorfahren hatte. John Wayne spielte den Chef der Kekse,
Barbara Stanwyck (mit Bart) den König der Freimaurer. Noch heute
gilt das Essen von Keksen am 4. Juli als charmanter, wenn auch etwas
kauziger Brauch, mit dem der aufregenden Geschichte des Staates
Minnesota in den ganzen USA gedacht wird. Überall finden
Kekseßwettbewerbe statt. Deshalb sind die Amerikaner auch so
dick. Ich hoffe, einige offene Fragen geklärt zu haben. Wenn Ihr
heute einen Keks eßt, denkt an die Amerikaner!
260609
Nachdem gestern nacht
auch noch Michael Jackson
abgetreten
ist, rotiert die Medienwelt endgültig merkbefreit am Grabe der
lieben Leichen: Heath Ledger, David Carradine, Farrah Fawcett, Jacko -
wer wird der Nächste sein??? Unverzüglich kursierten im
Internet Gerüchte über das Ableben von Harrison Ford und Jeff
Goldblum, die sich aber dem Vernehmen nach bester Gesundheit erfreuen.
Jeder will der erste sein, der die frohe Botschaft unter das Volk
streut - wieder hat´s einen erwischt! Die merkwürdige
Beziehung zwischen Normalmensch/-mansch und Promi treibt schillernde
Blüten. Hatte Oscar Wilde recht? Will jeder das, was er liebt,
töten? Wann immer ich heute Zeit fand, habe ich mir die volle
Schlammpackung gegeben und bevorzugt die Boulevardmedien im Fernsehen
abgecheckt. Da gab es Evergreens des Schmierenjournalismus zu
besichtigen, unterste Schmiere. Lauter Sekundärpromis hielten
ihren Kopf vor die Kamera und stammelten ihr Bekenntnis zu
unglaublicher Trauer. Trauer ist nach meinem Empfinden etwas sehr
Privates. Macht man sie öffentlich, so beginnt sie zu stinken,
ebenso wie der liebe Leichnam, um den herum getanzt wird. Auch im
Internet steigerten sich die Forensiker unter den Foristen in einen
Betroffenheitsrausch, der mir arg zu denken gab. Die Floskel "Get a
life!" erschien recht häufig vor meinem geistigen Auge. Es wurde
allerorten so getan, als habe man ein eigenes Familienmitglied
eingebüßt. Dieselben Leute, die sich niemals zu Wort
gemeldet hätten, als die Kindesmißbrauchsprozesse liefen,
ließen denselben (nicht bewiesenen oder völlig
entkräfteten) Vorwurf jetzt großzügig unter den Tisch
fallen und warfen den Verzerrer an, um den "King Of Pop" zu einem
Ausnahmemenschen zu machen, zur größten Leiche des
Jahrzehnts. Elvis, John Lennon, und jetzt das! Die Anwaltskanzlei
"Kotz, Brech & Würg" bat um Gehör, und sie tat dies in
allen Farben des Massenwahns. Was war passiert? Da war ein Musiker
gestorben. Ob er nun ein so großartiger Musiker (Freund, kleiner
Bruder etc.) war, wie allerorten behauptet wird, vermag ich nicht zu
beurteilen. Ich fand Prince immer besser, aber jo mei - ich war auch
Pelikan, und andere Leute waren Geha. Mit Sicherheit war er ein
Phänomen, ein begnadeter Showmann, und Musikvideos hat er auch
salonfähig gemacht. Das kann man ihm nicht absprechen. Für
mich war er eigentlich immer in erster Linie eine tragische Figur, und
während man sich allerorts über ihn belustigte, mochte ich
daran nicht so recht teilnehmen, denn ein Opfer von
Kindesmißbrauch war auch er. Kindesmißbrauch einer
besonders perfiden Art - ihm wurde die Möhre der Vaterliebe vor
die Nase gehalten, die nur dann zu etwas Greifbarem werden konnte, wenn
die Kasse stimmte und das Volk jauchzte. Er war genau so eine arme Sau
wie Buster Keaton, der von seinem trunksüchtigen Vater bereits mit
4 Jahren auf die Bühne geschleift wurde, damit mit ihm (als "Der
menschliche Mop"!) der Boden aufgewischt werden konnte. Eine Kindheit
hatte Jackson niemals gehabt. Er wurde zu einem Vollprofi
herangezüchtet, zu einem Kunstprodukt deformiert. Seine Botschaft
war immer liebgemeint und fromm, doch sein zunehmend entstelltes
Gesicht wirkte auf mich so herzerwärmend wie das Schreien eines
verängstigten Kindes. Daß er jetzt tot ist, empfinde ich als
schade und bedauerlich, da er eine Ikone der Zeit meiner Jugend war.
Wenn Udo Lindenberg oder Nina Hagen zur Unzeit vor ihren Schöpfer
gerufen werden würden, fände ich das auch nicht schön,
sondern betrüblich, aber den Verlust auf den Status eines
welterschütternden Ereignisses hochzujubeln, empfinde ich als fast
obszön. Es gibt in der neuen Zeit ein großes Bedürfnis
nach kollektiver Trauer, wie es auch eine Form von Kollektivjauchzerei
gibt, siehe Fußball-Großereignisse. Die Medien haben das
erkannt und betätigen sich als Negativausprägung des Jubelpersers. Ein Wort
hierfür gibt es wohl noch nicht. "Trauermaurer" träfe es
da vielleicht ganz gut. Die Trauermaurer mauern sich ihre eigene Wand
des Wehklagens herbei. Auf der einen Seite befindet sich der Mensch mit
seinen Alltagssorgen, auf der anderen der liebe Leichnam mit all den
sehr realen Sorgen und Nöten, die er zu Lebzeiten besessen haben
mag. Ein Freimaurer ist nicht in Sicht, der eine sinnvolle Beziehung
zwischen beiden Seiten der Mauer herzustellen in der Lage wäre.
Jetzt fällt mir auch noch das Wort "Seelenmasturbat" ein - warum
fallen mir immer nur so schlimme Worte ein? Die reale oder eingebildete
Tragik eines solchen Trauerfalls wird aufgeblasen zur Erbauung eines
Publikums, das den Menschen, um den es eigentlich geht, weder
erfaßt noch wirklich bedauert, sondern einfach benutzt. Die
kanadische Nachtigall Céline
Dion äußerte sich wie folgt: "Ich fühle
mich wie beim Tod John F. Kennedys." Was für ein
Glück, daß die kanadische Nachtigall erst 1968 geboren
wurde, sonst müßte man ihre Worte womöglich
ernstnehmen. Die meisten Stofflieferanten für die Trauermaurer
meinen den Tönjes, den sie da abliefern, vermutlich sogar ganz
ernst. Ihre Absichten sind lauter, ihre Interessen sind global. Und sie
machen die Medien mit sich voll. Ich finde diesen Pillefatz degoutant,
auch wenn es sich um die konsequente Weiterführung der Deformation
des mutmaßlich ganz netten, aber offensichtlich
kreuzunglücklichen Michael Jackson handelt, der zu einem
Erfüllungsgehilfen von Profitinteressen hingebastelt wurde, zu
einem traurigen Menschendarsteller. Sehr viel mehr dauert mich das
Ableben von Farrah Fawcett,
das sich aber schon abgezeichnet hatte. David Carradine war mir
ebenfalls ans Herz gewachsen. Daß er unter so denkwürdigen
Umständen aus dem Leben trat, verprellte viele, sogar die Familie
des Verblichenen. Tatsächlich fand ich diese Sterbemethode
(masturbierend im Schrank) ziemlich rock´n´roll und fesch -
er ging mit einem Lächeln auf den Lippen, und das ist einem
Hinscheiden nach langem Siechtum doch wohl vorzuziehen. Die etwas
nekrophile Lust am Tod von Glanzpromis, die nicht nur die Presse zu
treiben scheint, wird mich auch weiterhin faszinieren. Wie in jedem
Todesfall kann man nur sagen: Es ist so, wie es ist. Man weiß
nicht, wie sein Leben weitergegangen wäre. Wer ehrlich
bedröppelt ist ob seines Todes, soll nicht öffentlich
trauern, sondern lieber eine Platte des Verstorbenen hören und an
der Freude teilhaben, die der Mann zu Lebzeiten produziert hat. Damit
ehrt man einen Künstler am meisten. Schönheit, nicht Jammer
suchen. Und vielleicht denen, die man besonders mag, zu Lebzeiten
schön häufig eben dies vertellen. Damit ist ihnen
nämlich mehr geholfen als mit Nekro-TV und Trauermaurerei.
220609
James Bond ist wieder
in mein Leben getreten! Nach vielen Jahren habe
ich mich zu einer kleinen Retrospektive entschlossen, und siehe da, die
Filme gefallen mir noch immer ganz famos, vor allem die älteren.
Ob heute 20-Jährige nachvollziehen können, was diese Filme
vielen Vetretern meiner Generation einst bedeutet haben? Damals gab es
ja noch keine DVDs, und auch Heimvideo kam erst, als ich 12 oder 13
war. Es gab drei Programme, und auf denen liefen meistens
Kulturjournale und das "Kleine Fernsehspiel im ZDF". Noch heute erlaube
ich mir gelegentlich, Sachen wie"Wetten, daß" zu kucken, da es
genau diese Art von Samstagabendunterhaltung war, die damals gereicht
wurde. Einen James Bond im Kino zu sehen, war ein Ereignis. Ich ging
mindestens zehnmal in jeden einzelnen von ihnen und liebte sie
abgöttisch! Schon als Kind war Sean Connery mein Favorit, da ich
einfach fand, daß er "es" hatte. Dieses "Es" auch in der Ahnung
von sadistischen Neigungen und der Fähigkeit zu grenzenloser
Brutalität zu sehen, wäre mir damals natürlich nicht
eingefallen, aber ich fand ihn wirklich fesch. Ich kaufte mir
James-Bond-Spielzeugautos. In der "Cinema" gab es - glaube ich - die
Filme als Fotostories. Die Soundtracks von John Barry waren wohl meine
ersten Filmmusikplatten überhaupt. Ich bewunderte an Connery seine
Eleganz, seinen Gang, seine lässige Souveranität. Es gab eine
Zeit in meiner präpubertären Entwicklung, da versuchte ich
immer dann, wenn ich fotografiert wurde, meinem Idol nachzueifern und
zog einen Mundwinkel hoch. Dieses Grimassieren macht die Fotos aus
dieser Zeit zu einer harten Bewährungsprobe für mich.
Vielleicht scanne ich demnächst mal eines ein und präsentiere
es hier. Die sind wirklich ganz gruselig. Sei es drum: James Bond war
einfach mein Held! Man kann aus solchen Filmen auch eine ganze Menge
lernen. Die DVD-Extras belehrten mich darüber, daß Regisseur
Terence Young dem werdenden Agentensuperstar eine Menge eigener
Vorlieben mit auf den Weg gab. In ähnlicher Weise imitierte ich
(meistens unbewußt) den eleganten Gang der Doppelnull, was mich
vor Schluri- und Schluffitum bewahrte, in einer Entwicklungsphase, in
der Schluri- und Schluffitum für gewöhnlich den Ton angeben.
Den charmanten Mörder betrachte ich somit als großes Vorbild
auch für die heutige Jugend! Man stelle sich eine Teenie-Disco
vor, in der lauter pubertierende Sprotten und Sprottinen statt dieser
ekelerregenden Mixgetränke (Rotwein und Red Bull, anyone?) einen
Wodka-Martini bestellen, halbtrocken, geschüttelt, nicht
gerührt, "with a twist of lemon peel"... Oder wie wäre es mit
einer Antifa-Demo, auf der den marodierenden Unholden statt einer
Zusammenballung eifernder Zottelphilipps lauter souveräne und
elegante Geheimagenten entgegengestellt werden, ein gelassenes
Lächeln auf den Lippen, eine offene Demütigung für jeden
Barbaren? Das wird freilich niemals passieren, und je älter ich
werde, um so mehr bedauere ich das eigentlich.
+++++
Im Fernsehen gab es
gerade eine Sendung, in der ein Arzt über
Schönheits-OPs
referierte. Mir ist bewußt, daß ich in
einer Zeit lebe, in der 16-jährigen Mädchen (und vermutlich
auch Jungen) von ihren reichen Eltern neue Nasen geschenkt werden, da
sie sich für die alten Nasen schämen. Geschämt haben
sich die Menschen ja schon immer, und wenn sich irgendwelche Nafties
mit ihren neuen Nasen ins Fernsehen begeben und dort erzählen,
daß sie sich nun nicht mehr schämen, so denke ich mir immer,
daß sie sich gerade dafür schämen sollten. Das
Bedürfnis des Menschen nach Scham halte ich im übrigen
für ein evolutionäres Handicap, denn es hemmt ihn in seinem
freien Tun & Machen, spornt ihn nicht an zu größerer
Vorsicht (wie etwa Angst dies tut), sondern sorgt lediglich für
die Verwandlung eines an sich gewinnenden Menschenwesens in einen
seelischen Napfkuchen. Ohne Scham wären die Psychologen
arbeitslos. Allein die Bezeichnung der Vulvabewucherung als
"Schamdreieck" (klingt ´n büschen wie "Bermuda-Dreieck"!)
finde ich ziemlich deplaziert. Für seine Körperteile sollte
sich nun wirklich niemand schämen, das Gehirn vielleicht mal
ausgenommen. Es gehört wohl nicht hierher, aber die Beurteilung
von Frauenkörpern als "Erstklassiges Fahrgestell" habe ich
meistens aus den Mündern anderer Frauen gehört. Der
prüfende Blick von Frauen, was die Spezialausstattung von
Geschlechtsgenossinnen angeht, scheint mir sehr ausgeprägt zu
sein. Auch habe ich aus zartem Mund des öfteren verwirrende
Einschätzungen von Fremdbrüsten mitbekommen, in denen
manchmal Bewunderung, manchmal aber auch Stutenbissigkeit das Zepter
schwang. Mir persönlich bedeuten Brüste gerade so viel wie
ihre Trägerinnen. Wenn man Dutteln aufmöppelt, kommt selten
etwas dabei raus, was einen durch den Tag bringt. Die perfekte Brust
funkelt nur matt an einen schamgepeinigten Menschen. An originellen,
sinnlichen und lebenskämpferischen Menschinnen hingegen verwandelt
sich jede Brust zu einem strahlenden Schatz. Das sollte eigentlich
jedem klar sein, aber das ist es wohl nicht. Die Menschheit fahndet
nach leichten Lösungen.
+++++
Was gab es in den
Nachrichten? Es soll diese Woche über eine
EU-Verordnung diskutiert werden, die das Anbieten von Clownfleisch entweder
billigt oder unter Strafe stellt. Landwirte meldeten Bedenken an, aber
ich finde den Einfall an sich gut. Da wären Clowns endlich mal zu
was nütze! Die Grünen sind momentan noch strikt dagegen, aber
warum eigentlich? Im Interview war Cem Özdemir zu sehen, der sich
um Himmels Willen diese scheußlichen Koteletten abrasieren
sollte. Damit sieht er aus wie ein 70er-Jahre-Pornostecher, Pseudonym
"Jacques Kolbén" oder so... Oder Wedelin Wendeking. Aber was
soll´s - Politiker, die wie Pornodarsteller aussehen, sind mir
immer noch lieber als solche, die wie Serienmörder aussehen. Also
fast alle anderen.
+++++
Ich habe vor einigen
Tagen übrigens auf meiner Blog-Seite einen ganzen
Schwung an "Splatting Image"-Artikeln von meinereiner online gestellt.
Interessenten finden nun sämtliche Artikel von Ausgabe 18 an bis
Ausgabe 67. Die letzten 10 Ausgaben (also ca. 3 Jahre) der SI lasse ich
unangetastet, da es eine gewisse Exklusivität schon geben sollte.
Ältere Texte habe ich noch auf der klackernden Schreibmaschine
verfaßt und müßte sie komplett neu eintippen, was ich
auch irgendwann machen werde, aber eben nicht heute.
+++++
Ansonsten verweise ich auf meine neue Myspace-Domain. Habe schon
über 100 Freunde - Mann, geht das fix! :)
300509
Heute beginnt der Tag
sehr schön, denn an meiner
Tagebuch-Wirkungsstätte, den Filmforen,
hat man mich zum Filmforen-Meister 2009 gewählt, wie ich nicht
ganz ohne Stolz verkünden darf. Mir winken wertvolle Sachpreise,
ein Mittagessen bei "Kochlöffel" und ein Besuch in einem
Autobahnraststättenpuff meiner Wahl. Nein, im Ernst, hat mich
wirklich sehr gefreut! Das muß ich jetzt erst einmal verdauen...
+++++
Auch verdauen muß
ich eine Filmvorführung, die mir gestern
bei einem Freund zuteil wurde, der mich unbedingt von der Notwendigkeit
überzeugen wollte, einen Bericht über psychotronische
Kinderfilme zu verfassen. Als Beleg zeigte er mir eine alte
"Silwa"-Videokassette, die irgendwas mit "Gumby" hieß, "Gumby der
Tausendsassa" oder so. Mein lieber Schwan... Den Anfang machte wie
üblich ein grotesk unlustiger Werbefilm mit Klaus Dahlen und
Elisabeth Volkmann, in dem das Heimprogramm von Silwa hervorgehoben
wurde. Dann kam Sascha Hehn, der sich in unvergleichlich schmieriger
Manier an "unsere kleinen Zuschauer" wendete und ihnen für den
Schluß des Films "ein kleines Bonbon" versprach. Die Gumby-Filme
waren unglaublich billige Knetgummimännchenfilme aus England oder
den USA, die von der Videohülle als "von den führenden
Künstlern gezeichnet" angepriesen wurden. Gumby selbst war ein
grünes formloses Etwas, das am ehesten noch aussah wie eine
unglückliche Eins mit großen Kulleraugen. Begleitet wurde es
von einem offensichtlich mongoloiden Pferd mit dejustierten Augen, die
ständig in der Gegend herumirrlichterten und an den Film
CHRISTIANE F. erinnerten. Beide erlebten sehr unlustige Abenteuer, von
denen die meisten überhaupt keinen Sinn ergaben. In einem
"Abenteuer" z.B. basteln Gumby und sein debiler Gehilfe eine
Maiserzeugungsmaschine für ein überfordertes
Erdhörnchen, das ständig von Hunderten anderer
Erdhörnchen umlagert ist, die "Hunger! Hunger! Hunger!" schreien.
Mein Favorit war allerdings eine Episode, die Gumby dabei zeigt, wie es
5 Minuten lang fast überhaupt nichts macht, dabei aber
ständig von einem elektronisch fiependen Vogel und einem
Küken, das aussieht wie eine asiatische Lustkugel, unterbrochen
wird. Im Hintergrund steht ein Kran. In einer Einstellung sieht man -
völlig zusammenhanglos -, wie das Küken in einem Miniaturkran
an Gumby vorbeifährt, die Mutterhenne kopfüber am Lastzug
baumelnd. Wer möchte, daß seine Kinder "besonders" werden,
sollte ihnen Gumbys Abenteuer nicht vorenthalten! Die kleinen Vignetten
demonstrieren eindringlich, wieso man dementen 70-jährigen
Kindergärtnern kein LSD geben sollte. Nachdem das letzte unlustige
und häßlich designte Spektakel vorüber ist, kommt noch
einmal Sascha Hehn, der erneut das versprochene Bonbon anspricht.
Dieses besteht aus einem Trailer für einen japanischen Kinderfilm,
welcher "Taro der Drachenjunge" heißt. Taro der Drachenjunge wird
von allen Kindern des Dorfes gehänselt, weil er dick und
häßlich ist. Sein Glück findet er nur bei seinen
Freunden, den Tieren des Waldes. Er sagt ihnen: "Jetzt zeig´ ich
euch mal was!" Das tut er auch tatsächlich, denn er macht einen
Kopfstand, wobei sein Lendenschurz über die Hüfte rutscht,
den blanken Unterkörper entblößend. Es folgt eine
Nahaufnahme seines präpubertären Pimmelchens. Er fängt
dann an, im Kopfstand zu tanzen, mit lustig wippendem Dödel. Ich
weiß nicht, wie die Tiere das fanden, denn der Trailer (und die
Videokassette) endeten hier, aber ich saß nur fassungslos vor dem
Fernseher und dachte: "Was zum Geier hat die Leute denn da geritten?"
Die Japaner sind schon ein merkwürdiges Völkchen.
290509
Über meinem
Arbeitsplatz hängen keine Pferdebilder, keine
Pin-Ups und keine satirischen Ölgemälde von Förstern,
die Hirschkühe küssen. Stattdessen hängt dort ein Bild
aus dem Film UNHEIMLICHE GESCHICHTEN , den der jüdische Regisseur
Richard Oswald im Jahre 1919 gedreht hat. Richard Oswald war jemand,
den die arrivierte Gesellschaft der Weimarer Republik vermutlich als
einen Schmutzfinken betrachtet hat, da er sich mit der filmischen
Bearbeitung sensationeller Themen verdingte. Die meisten seiner
"Sittenfilme" sind schon lange verschollen oder modern in abgelegenen
Filmarchiven vor sich hin, traurig ihrer Wiederentdeckung
entgegenfiebernd. Oder vielleicht nicht -fiebernd. Das Fieber wird wohl
schon lange abgeklungen sein und einer mildtätigen Leere Platz
gemacht haben. Zu den wenigen noch erhaltenen Oswaldiaden gehört
der Schwulenfilm ANDERS ALS DIE ANDEREN, der in Form eines grellen
Melodrams von den Problemen berichtet, die es mit sich bringt, anders
als die anderen zu sein, vor allem, wenn der Rest der Menschen stabil,
lebenstüchtig und ignorant zu sein scheint. Andere Titel des
Regisseurs lesen sich sehr aufregend: DÄMON UND MENSCH,
NÄCHTE DES GRAUENS, FREITAG DER 13. - DAS UNHEIMLICHE HAUS,
ZIRKUSBLUT, DAS KAINSZEICHEN, DAS TAGEBUCH EINER VERLORENEN,
SÜNDIGE MÜTTER, DIE PROSTITUTION - DAS GELBE HAUS,
NACHTGESTALTEN, DÜRFEN WIR SCHWEIGEN?, GEHETZTE FRAUEN aka LEBENDE
WARE, FEME und EHEN ZU DRITT. Alle, alle dem Zeitenlauf anheimgefallen!
Sein Gruselfilm UNHEIMLICHE GESCHICHTEN war eine vergleichsweise
üppige Produktion. Auf dem Foto sitzen drei Schauspieler
nebeneinander: Conrad Veidt, Anita Berber und Reinhold Schünzel.
Die Berber war ein Paradebeispiel für einen Menschen, der für
kurze Zeit sehr hell brannte und dann viel zu rasch erlosch. Sie wurde
gerade einmal 29 Jahre alt und starb an Auszehrung des Körpers und
des Geistes. Ein trauriges Kind, dessen Lebensgeschichte man relativ
rasch ergoogeln kann, wenn man will. Auch Veidt und Schünzel -
zwei erstklassige Mimen - werden sensible Naturen gewesen sein. In der
harten Nachkriegszeit und den festgefügten Moralbegriffen und
durch Frust und
Überlebenswillen gezeugten Aggressionen, die da kursierten, wurde
viel nach oben gebuckelt und nach unten getreten, als spätes Erbe
der Wilhelminischen Zeit. (Heinrich Manns "Der Untertan", anyone?)
Für sensible Naturen wird es damals kein Zuckerschlecken gewesen
sein. Der fromme Christenmensch rät dazu, den anderen Menschen zu
helfen und sich ihnen aufzuopfern, so wie das gute Monster Mutter
Teresa es tat. Wenn ich Mutter Teresa als "gutes Monster" bezeichne, so
tue ich dies übrigens nicht in diffamierender Absicht. Ich stehe
in Ehrfurcht vor Menschen, die ihr Leben so vollständig in den
Dienst von anderen stellen, deren Armut und Beladenheit keinen Lohn im
Diesseits versprechen. Aber anzunehmen, dies sei jedem Menschen
angemessen, ist ein törichter und schädlicher Irrtum. Es
steht hektoliterweise saure Milch im Kühlschrank, die dies
bezeugt. Wenn man sich selbst der Verpflichtung enthebt, sich
zuallererst einmal um sich selbst zu kümmern, so schadet das auf
längere Sicht allen Beteiligten. Das Glück wohnt nicht in der
Mildtat, wenn die Mildtat im Widerspruch steht zum eigenen Interesse.
Das ist traurig, aber so funktioniert Leben nun einmal. Je älter
ich werde, umso mehr beurteile ich die Dinge nach dem Augenschein, nach
den gezeigten Taten, nicht nach der mutmaßlichen Motivation. Man
könnte auch über Mutter Teresens Motivation nachgrübeln,
ob da vielleicht ein schuldbelasteter Samariter-Komplex eine Rolle
gespielt hat. Hatte sie vielleicht als Kind eine Katzenkopfsammlung,
für die eine erkleckliche Anzahl süßer Kätzchen
schreiend ihr Leben lassen mußte? Man will es nicht annehmen,
aber am Ende des Tages steht der Umstand, daß sie einer
großen Zahl von Menschen das Leben auf diesem Planeten einfacher,
nicht schwerer gemacht hat, und das ist schon die Kaiserlösung.
Doch für den gewöhnlichen Menschen ist das nichts, aus
Gründen jedwelcher Art mitzuleiden und aufzuopfern. Das führt
zu Katarrh und Verkarstung, und schließlich steht man
ausgemergelt am Wegesrand und bettelt um ein Lätzchen, doch die
Schafe, sie sind weg. Das kann es nicht sein. Nein, das Ziel liegt eher
darin, sich selbst ein Stadium der Zufriedenheit herbeizualchemisieren.
Wenn das erreicht ist, kann man abgeben, und zwar ohne Neurose und die
Gefahr des Backlashs. Früher war ich ein begeisterter
Anhänger der Wahrheit um jeden Preis und der Hoheit des Wissens.
Heute weiß ich vor allem, daß die Kur manchmal schlimmer
ist als die Krankheit, und daß zuviel Wahrheit schlecht für
die Hygiene ist. Wenn man morgens aufwacht und weiß, daß
man Mundgeruch hat und aussieht wie ein Kartoffelsack, stärkt das
nicht den Drang zum guten Tun. Wissen macht nicht glücklich. Will
man glücklich sein, so muß man dem Gedanken anhängen,
der Mensch sei die Krone der Schöpfung, und man selber sei ein
Paradeexemplar der Spezies. Dann wird man glücklich. Konstanten
machen glücklich, und wenn man an Konstanten glauben will, so
muß man die Fähigkeit zur Ignoranz besitzen, um sich gegen
alle Anfechtungen des Lebens abzusichern. Das macht lebensfähig.
Die meisten Menschen besitzen diese Fähigkeit leider nicht. Viele
versuchen, sie sich anzutrainieren, doch wenn man Ignoranz nur
trainiert, dann ist das ein frommer Selbstbetrug, der eines Tages
aufgedeckt werden wird oder zu Magengeschwüren führt. Wenn
man meint, ohne selektive Wahrnehmung durch den Tag kommen zu
können, so liegt man falsch. Ohne selektive Wahrnehmung käme
man nicht einmal über die Straße. Die Kunst liegt darin, die
selektive Wahrnehmung so zu internalisieren, daß man sie nicht
mehr wahrnimmt, und zwar ohne dem anderen Extrem - dem Zynismus - in
die weit ausgebreiteten Arme zu laufen. Heilige sind für mich
nicht die guten Monster, vor denen ich in Ehrfurcht stehe, sondern all
jene, die sensibel sind und dem Weltenlauf tagtäglich trotzen. So
wie die drei Leute auf dem Foto. Ich finde Leute toll, die kämpfen
und nicht aufgeben. Die sich täglich selber aus dem Zylinder
zaubern. Die nicht zynisch und ausbeuterisch werden und zur Chefsorte
Mensch gerinnen. Die den Blick nach oben halten, nach Erhaltung und
Verbesserung fahnden. Dabei fällt man manchmal auch auf die
Schnauze. Das darf man. Der Funken Mut ist es, auf den es ankommt. Der
versteckt sich manchmal richtig gut, aber er bleibt trotzdem da. Die
Herren Veidt und Schünzel sind - als die Barbaren kamen - Richtung
Hollywood abgedüst. Frau Berber blieb schon vorher auf der
Strecke. Die Perfekten, die Abgesicherten haben mich niemals
interessiert. Die sind sich selbst Lohn genug. Doch für die
sensiblen Kämpfer habe ich immer eine schwache Seite gehabt.
Deshalb hängt wohl auch das Bild über meinem PC.
280509
So, jetzt habe ich mal einen kleinen Erlebnisbericht vom Catriona-Event
erstellt, inklusive einiger Bilderkes. Findet Ihr hier. War
wirklich toll!
++++
Ein jüngst
erfolgter Arztbesuch ließ es mir angeraten
erscheinen, einer Vorsorgeuntersuchung zuzustimmen. Für diese
Maßnahme ist nicht nur der übliche Aderlaß
erforderlich, sondern auch eine Stuhlprobe. Ich muß gestehen,
daß ich mich mit dieser Materie noch nie eingehend befaßt
habe. Also, mit Stuhlproben. Mit Stuhl befasse ich mich jeden Tag,
sonst würde ja auch was nicht stimmen. Das Problem, das mich
angähnt mit seinem offenem Schlund, ist folgendes: Muß man
da jetzt ein kleines Phiölchen vollmachen? Es werden ja so tolle
Spatel mitgeliefert, und damit soll man dann angeblich etwas abschaben
vom Unaussprechlichen, das man auf einem Zeitungspapier hinterlassen
hat. Zeitungspapier wird explizit erwähnt. Es wird mir also
befohlen, auf eine Zeitung zu kacken. Glücklicherweise darf ich
das zu Hause tun und muß mich nicht noch mit der Schande
herumquälen, daß mir eine Sprechstundenhilfe dabei zukuckt.
Was die wohl täten, wenn ich denen ein großes
Hundetütchen voll mit A-A bringen würde? "Hier, bitte, reicht
das?" Oder eine Popcornbox voll? An guten Tagen müßte mir
das gelingen. Ich finde, daß das wirklich ein blödes Thema
ist. Was haben wir denn noch?
++++
Meine Kaffeemaschine
ist renitent. Es handelt sich um ein
ungewöhnlich billiges Exemplar, meinen
Einkommensverhältnissen angemessen. Seit neuestem spuckt sie mir
den braunen Sud direkt vor die Füße, des Lebens in meinem
Haushalt offenbar überdrüssig. Da ich ja nicht so ein
Technischer bin, erwog ich zunächst, mir einfach eine neue
Maschine zu kaufen und die alte vielleicht in der
Fußgängerzone zu verschenken. Das wäre mir dann aber
doch zu peinlich gewesen. Die Arbeitsmoral meiner Kaffeemaschine
mißfiel mir schon seit längerem. Die Geräusche, die sie
auch im Idealfall hervorstieß, wären auch heutzutage von
kaum jemandem als vornehm bezeichnet worden. Die jetzigen Zustände
aber spotten jeder Beschreibung. Ich habe mit verschieden großen
Filtertüten experimentiert, aber immer wieder kommt eine ekle
Bröselsuppe aus dem Schlitz. Dazu pumpert es furchterregend und
strullt mir den Küchenfußboden voll. Das ist nicht
schön und keinesfalls ein Verhalten, wie ich es von meiner
Kaffeemaschine dulde. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen. Als
nächstes werde ich mir mal die zweitbilligste kaufen. Vielleicht
weiß die ja, wie man sich benimmt.
++++
Das war eigentlich auch
ein sehr uninteressantes Thema. Hoffen wir,
daß das Leben am Samstag wieder auf die Siegergerade gerät,
wenn Werder Bremen nämlich den Pokal gewinnt, und eine sehr
durchwachsene Saison zu einem doch noch erfreulichen Ende findet.
Freuen wird sich der Leverkusener Spieler Helmes dann natürlich
nicht, aber immerhin wurde ihm von Trainerlegende Udo Lattek gestern
auf DSF bescheinigt, er besitze "Potenz nach oben". Da habe ich kurz
schmunzeln müssen. Schmunzelt auch!
130509

Ganz Gelsenkirchen wird
zur Geisterstadt, wenn am Samstagmorgen die
umwerfende Schauspielerin Catriona MacColl bei Buio zu Gast ist. Zu
sehen sein wird einer ihrer berühmtesten Filme, der zartbesaiteten
Gemütern das Blut in den Adern wird erstarren lassen. In einem
ausführlichen Interview wird sie einiges berichten über ihre
Karriere, die sie u.a. dreimal in die Fänge des Dr. Fulci
führte. Ich werde an den Tagen ihrer Anwesenheit selbstredend die
Knipse mitnehmen und hier einige der erlesensten Schnappschüsse
deponieren, nebst einem erschöpfenden Reisebericht... Kommet
zuhauf am Samstagmorgen!
++++
300409
Düstere Dinge
tragen sich zu in meiner Küche. Sie sind rätselhaft,
entbehren aber doch jedweden Charmes. Sie kommen als Bote von den
Sternen, zu künden von Mysterien, die nicht einmal
Mysterien-Tausendsassa H.P. Lovecraft seinen frühzeitlichen Wesen
in die Kapuze geschoben hätte. Wenn ich davon berichte,
schnürt es mir die Kehle zu. Also: Neulich wollte ich mir eine
abendliche Stulle schmieren. Bis hierhin noch alles okidoki und normal.
Auf dem weißen Kachelmusterboden meiner Küche entdeckte ich
eine braune Pfütze. Ich stupste einen Finger in die Tunke, roch
daran und identifizierte den unmißverständlichen Geruch
kalten Kakaos. Merkwürdig - dabei trinke ich gar keinen Kakao.
Milchprodukte haben generell schweren Seegang in meiner Kämenade.
Nichts Böses ahnend nahm ich einen Feudel, und tat damit, was man
mit Feudeln so zu tun pflegt - ich feudelte. Dann nahm ich einen
Schlummertrunk zu mir und träumte von Vorzeitkrebsen. Am
nächsten Morgen schlurfte ich in die Küche. Wieder eine
Pfütze. Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt wurde mir die Sache
unheimlich. An der Decke - die mit Holz oder Holzimitat vertäfelt
ist - waren keine Spuren zu bemerken. Trotzdem, ich rief oben an und
berichtete von meinem Problem. Es gab nur zwei Möglichkeiten
für die Misere. Entweder hatte ich es mit einem Fall von original
Geisterkakao zu tun. Zweifellos einer der weniger brisanten Fälle
übernatürlichen Wirkens. Oder aber der Nachbarkaba war
durchgesuppt. Eine dritte Möglichkeit - daß nämlich die
Nachbarn unter mir ihre Wohnung mit Kakao geflutet hatten - durfte man
getrost ausklammern. Doch über mir verabscheute man ebenfalls die
braune Brühe. Was war los? Befand ich mich im Mahlstrom einer
unheilvollen Macht? Sollte mir etwas mitgeteilt werden? Ich stellte
Nachforschungen an und suchte zu diesem Behufe die Stadtbibliothek auf.
Meine Recherchen waren fruchtlos. Keine geheimnisvolle Häufung von
Selbstmorden oder unerklärlichen Begebenheiten, die sich in meinem
Wohnhaus zugetragen hatten. Auch in fernerer Vergangenheit war da
nichts. Kein Sklavenaufstand, der blutig niedergeschlagen worden war.
Kein Schokoladenweihnachtsmannfabrikant, der von seiner Frau in der
Küche erschlagen worden war, weil er seine Freizeit lieber mit den
Weihnachtsmännern verbrachte als mit seinem angetrauten Weib.
Keine dunkle Episode in der deutschen Vergangenheit. Nur braune Suppe
auf meinem Kachelboden. Das wollte mir nicht in den Kopf. Mit diesem
Rätsel werde ich wohl noch einige Zeit leben müssen. Bestimmt
ist morgen wieder ein Fleck da, und übermorgen wieder. Bald wird
es mich nicht mehr grausen, wenn ich den stummen Gast in meiner
Küche vorfinde. Ich werde mir nur gespielt teilnahmslos die
Brötchen buttern. Und irgendwann werde ich meine
Teilnahmslosigkeit nicht einmal mehr spielen müssen. Dann ist der
Fleck Alltag, seine Beseitigung Alltagsgeschäft. Und - hol´
mich der Teufel - dann fange ich vielleicht selber an, Kakao zu
trinken! Die sittliche und moralische Verwahrlosung beginnt häufig
in der Küche, wie der Mensch die fehlende Wärme - so schlimm
dies auch klingen mag - nicht selten aus einer Tütensuppe bezieht.
Nur zur Verdeutlichung: Ich meine nicht die teuren Dosensuppen von
Lacroix, die manchmal mehr kosten als ein leckerer Schmorbraten im
Feinschmeckerrestaurant. Ich meine die billigen, die schnöden
Tütensuppen, wo man eklige Brösel in unschuldiges Wasser
rieseln läßt, das nach kurzem Aufkochen viel schlechter
schmeckt als vorher - gedemütigtes Wasser. Solche Suppen werde ich
mir kochen, jeden Tag! Und Kakao trinken. Die Mysterien meiner
Küche werden mich kalt lassen, sie werden unbeachtet in der
Spüle ausgewrungen werden und in den Abfluß sickern.
++++
Ansonsten war die
Woche so mittel. Nachdem ich vor kurzem eigentlich beschlossen hatte,
meinen Newsticker ein für allemal zu beerdigen, habe ich mir nun
ein Konzept ausgedacht, auf das ich mich einigen konnte: Ich werde ihn
nur dann erneuern, wenn mir danach ist, ohne Leistungsdruck und
Orgasmuszwang. Ganz locker und unter Brüdern. Wenn mir etwas
Berichtenswertes passiert, werde ich das festhalten. Tauben, die durch
mein Fenster krachen, verdienen mediale Beachtung. Soviel Einsicht in
die Natur der Dinge muß sein. Ich entschuldige mich aber schon im
Voraus für die Flut an Banalitäten, die hier auch weiterhin
ein Forum finden wird. Genauso, wie man seinen Leib formen sollte - mit
Sport, Kosmetika oder Bierexzessen, je nach Pläsir -, so muß
man der Seele Hygiene angedeihen lassen. Hier sollte nicht das Prinzip
der Rute, der Knute und der Bullenpeitsche vorherrschen, sondern die
Lässeh-Fähr-Gesinnung der Summerhill-Schule. Kinder, die man
machen läßt, schießen nämlich mitnichten ins
Kraut, sondern lernen Winkel wie Rundungen des Geschicks gleichsam
schätzen. Und wenn sie mal Mist bauen, kriegen sie halt aufs Maul.
So ist das Leben. Alle Kunst ist gänzlich unnütz, wie Oscar
Wilde einmal sagte. Oscar Wilde ist natürlich schon tot, aber auch
Tote können gelegentlich Recht haben. In jedem Fall sind sie
herzlich willkommen in meiner Wohnung. Wenn Oscar Wilde bei mir zu
Hause vorbeischauen würde, täte ich ihn fragen, wie er das
denn gemeint habe mit dem Verfall der Kunst des Lügens. Der
Künstler sollte sich niemals in seinem Werk spiegeln, jedoch das
Leben, wie er es sieht. Wer Lüge und Wahrheit auseinanderhalten zu
können vermeint, der hat den wahren Sinn und Zweck der
menschlichen Existenz nicht erfaßt. Darum jehtet nämlich gar
nicht. Ich würde mit Oscar Wilde einen Cadinot-Schwulenporno
kucken, den ich mir allerdings erst aus dem Netz herunterladen
müßte. Enttäuschenderweise würde der ihm gut
gefallen. Den Heteroporno "Brummi, sein Kolben läuft auch ohne
Diesel" müßten wir vermutlich abbrechen. Dann würde ich
Oscar Wildes hübsche Gamaschen bestaunen und einen Zombiefilm
anschmeißen. Wider Erwarten würde der Oscar Wilde auch gut
gefallen, denn schließlich wäre er ein lebender Toter, und
gleich zu gleich gesellt sich gern. (Und Ende gut, alles gut bzw. Die
dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln.)
++++
Bevor ich allerdings
den Dandy-Tausendsassa bei mir begrüßen
kann, muß ich mir erst einmal ein neues Sofa kaufen. Meine
einzige Wohnzimmer-Sitzgelegenheit hat es nämlich meinem
Lattenrost nachgetan und ist unter meinem Körpergewicht
zusammengekracht. Wenn man tote Würdenträger bei sich
beherbergt, kann man die ja schlecht auf dem Fußboden hocken
lassen. Vor allem dann nicht, wenn sie älter sind, z.B. Ernst
Jünger. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob man sich als
Toter aussuchen kann, in welchem Alter man erscheint. Wäre ja
schon putzig, wenn irgendsoein Balg bei mir auf der Matte steht, das
dann behauptet, es wäre Inge Meysel. Da könnte ja jeder
kommen. Aber auch Inge Meysel - ob alt oder jung - braucht bei mir
nicht auf dem Boden zu sitzen. Das wäre ein Faustschlag ins
Gesicht des Benimms. Da könnte ich Inge Meysel ja gleich dazu
auffordern, den Kakao von meinem Küchenboden zu lecken! Undenkbar.
++++
Heute ist´s endlich passiert: Ich habe in der Innenstadt einen
alten Mann gesehen, der sich seine Hose bis zu den Nippeln hochgezogen
hat!
++++
Präsident Obama
hat sich nachdrücklich gegen das sogenannte
Waterboarding ausgesprochen. Ich finde dieses Extremsportartengetue
auch ziemlich dämlich! Erwachsene Menschen stürzen sich von
Wolkenkratzern in Mülltonnen, paddeln in Schlauchbooten über
Wasserfälle oder koten bei Neonazikonzerten in die
Baßtrommel des Schlagzeugers - geht´s denn noch? Wenn man
wenigstens einem Backfisch imponieren wollen würde. Das
könnte man ja verstehen, denn die quietschen immer so niedlich,
wenn man sie haut. Aber nein, es geht nur um das "Höher,
schneller, weiter", die Crux des männlichen Geschlechts. Der Mann
hat diesem Planeten nur Unheil gebracht. Er wollte ihn sich zum
Untertan machen, wollte ihn knechten und ausbeuten nach Herzenslust,
und wozu hat´s geführt? Nur Armut und Zerstörung, wohin
man blickt! In der Innenstadt habe ich nämlich nicht nur den Mann
gesehen, der sich die Hose bis zu den Nippeln hochgezogen hat, sondern
auch noch einen Bettler, und zwar einen der Demutsbettler, die immer
auf dem nackten Boden knien, obwohl das so ungemütlich ist.
Möge mich der Blitz erschlagen, aber gerade solchen Bettlern gebe
ich keinen Pfennig, weil ich ein schlechter Mensch bin. Obendrein habe
ich den Eindruck, daß gerade bei diesen Bettlern davon auszugehen
ist, daß sie organisiert sind, denn wer so aggressiv das wabernde
Schuldbewußtsein des Fußgängerzonenpassanten anzapft,
der kennt seine Pappenheimer ganz genau. Vor kurzem hatten wir hier ein
indisch aussehendes Pärchen, das im Abstand von etwa 100 Metern
diagonal versetzt auf dem Boden kniete, die Hände gefaltet in
Demutsgeste. Ich verliere bei solchen Gelegenheiten immer mehrere Liter
Körperflüssigkeit. Die beiden Inder waren auch schon in den
Jahren davor zugegen. Aus irgendeinem Grund glaube ich, daß ein
Großteil ihrer Einnahmen einem windig aussehenden
Junggeschäftsmann zugutekommt, der in einem Inkassobüro, das
demnächst von "Panorama" besucht wird, an seinem Schreibtisch
sitzt und über die Anschaffung eines Porsche nachgrübelt. Wem
ich gerne etwas gebe, sind freundliche Bettler, die zottelig, aber
unaufdringlich irgendwo sitzen und keine Show abziehen. Selbst
musizierende Kollegen finde ich gegenüber den Demutsbettlern
vergleichsweise okay, da sie wenigstens den festen Willen bekunden, ihr
Publikum nicht abzuziehen, sondern ihnen etwas zu bieten, wie
schrecklich das dann auch immer klingt. Neulich habe ich einem jungen
Punkerpärchen ein paar Euro zugesteckt, das mir freundlich
zugelacht hat dafür. Da fühlte ich mich richtig wohl. Kommen
wir aber zum Demutsbettler des Anfangs zurück. Der saß
direkt neben einem Ballonfalter, der im besten Ruhrpottdeutsch
gröhlend seinem Handwerk nachging und jeden verbissen ankumpelte,
während neben ihm der Kollege im Dreck saß. Fast hätte
ich die beiden fotografiert, aber das habe ich dann doch nicht
übers Herz gebracht.
++++
Mir fallen jetzt keine
wichtigen Themen mehr ein, weshalb ich den
Schreibfluß jetzt erst einmal einfriere. Das Buch jibtet Ende des
Jahres, vielleicht schon im Spätherbst. Der neue Artikel wird von
japanischen Geisterfilmen handeln, und zwar den seltenen, den alten.
Danach plane ich einen Artikel über Gehirnfilme. Die DVD von DER
VAMPIR VON NOTRE-DAME ist jetzt herausgekommen und enthält einen
ungewöhnlich brauchbaren Audiokommentar von mir und dem immens
netten Marcus Stiglegger. Das war ein reines Vergnügen, zumal ich
während des Kommentareinsprechens dank meines Kollegen noch
einiges über den Film dazugelernt habe. Das war sehr spannend, und
vielleicht hört man das ja heraus. Drei oder vier weitere
Audiokommentare harren übrigens noch ihrer Veröffentlichung...
++++
Als kleines Bonbon zum
1. Mai habe ich einige Sounddateien hochgeladen,
die Schnipsel aus vergnüglich mißlungenen oder einfach
amüsanten Filmeindeutschungen darstellen. Ich hoffe, daß
Euch das gefällt und werde bei Bedarf diese Rubrik ständig
ergänzen, denn das macht mir ziemlich Spaß! Findet Ihr hier.
Anzeige
Demnächst im Kino:
SAU 5 - Director´s Cut

Ungeschnitten, ungewaschen und
schweinebrutal! Jetzt schon in 30 Ländern verboten! Der Islam
kocht! Die Sau ist wieder da, und sie macht keine Gefangenen! Schlimmer
als THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, schmutziger als DEEP THROAT, notgeiler
als FLIPPER - der Horrorschocker dieser Saison! Der grunzende Tod!
Dieser Film macht jeden Vegetarier zur blutdürstigen Bestie!
Kontrovers und heiß diskutiert, aber endlich freigegeben - ein
furchtbarer Spiegel der Welt, in der wir leben! Schockierend,
aufrüttelnd, obszön! Versäumen Sie nicht das Ereignis
des Jahres! Und vergessen Sie niemals: Alles hat ein Ende, nur die
Wurst hat zwei!
"Warum bist du undankbar, am
Leben zu sein?"
Meine Güte, ist das unlustig...Tschuldigung. :)
BACK