GEHEIME BOTSCHAFTEN UND FINSTERES GERAUNE

Mai/Juni/Juli 2009


Blut, Mutter, Blut

NEWSTICKERARCHIV

120709

Ich habe heute einer blonden Frau in der Videothek meines Vertrauens eine Abfuhr erteilt. Sie kam herbeigerauscht in einem PKW, den kampfhundkompatiblen Paramour am Steuer. Da der Weg zur Videothek durch eine hohle und überaus enge Gasse führte, mußte ich die beiden zum Verlangsamen zwingen. Es mußte sein, denn mir fiel partout kein Grund ein, warum ich ausgerechnet für diese Flitzpiepen loshetzen sollte. Ihr Hajupei hielt dann auch direkt vor der Videothek, allen anderen motorisierten Besuchern den Weg versperrend. Rauchender Motor, die Ische rausgesetzt zum Videozurückbringen. Blondie setzte mir nach, doch der Gang in der Videothek war sehr eng. Ich verlangsamte meinen Schritt, da ich ihre innere Unrast spürte. Hatte auch keine Lust, sie vorbeizulassen, denn ich verabscheue Drängler. So war ich denn vor ihr an der kleinen Schlange, die sich vorm Tresen gebildet hatte. Unmut, Ungeduld und das berühmte Millipond Energie zuviel brachen sich hinter mir Bahn. Ich blickte mich nicht um, konnte aber erahnen, welche stillosen "Geht´s denn bald weiter"-Verrenkungen Blondschopf ausführte. Schließlich wendete sie sich an mich und fragte, ob ich sie nicht vorlassen könne, denn ihr Freund warte im Auto. Ich lächelte sie strahlend an und meinte: "Nö!"

Erpel 1

So sah ich etwa dabei aus.

Danach sah ich etwa so aus:

Erpel 2

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Ich muß ein sehr schlechter Mensch sein.

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Ergo:



040709

In den Vereinigten Staaten von Amerika gilt der 4. Juli als Nationalfeiertag. Während der Hintergrund der Festlichkeit in den USA jedem Mitbürger bestens vertraut ist, ist diesbezüglich in Deutschland noch Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich möchte mich dem nicht verschließen. Es war nämlich so: Im Jahre 1899 sollte Minnesota offiziell an die Chinesen zurückgegeben werden. Aufgrund eines alten Dekrets aus dem 18. Jahrhundert galt nämlich jeder in Minnesota – egal ob Bürger oder zugereist – als vogelfrei, der nicht chinesischer Abstammung, weiblichen Geschlechts und älter als 29 war. Wer seinen 29. Geburtstag erreichte – was die wenigsten taten, da die Gegend von den Komantschen unsicher gemacht wurde –, mußte sich bei speziell eingerichteten Selbstmordzentralen melden. Der Leichnam wurde dann zu grünem Keks verarbeitet, welchem durch Hinzufügung von Vitaminen und anderen Nährstoffen lebensverlängernde Eigenschaften verliehen wurde. Das war natürlich unter den obwaltenden Umständen bezaubernd sinnlos, aber die Politiker werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Wer sich der verordneten Selbsttötung und der nachfolgenden Weiterverwertung versperrte, wurde erbittert gejagt von der Detektei Pinkerton, deren Männer im ganzen wilden Westen tätig waren und bekannt wurden durch ihre bunten Kostüme, die in allen Farben des Regenbogens schillerten. Einer davon war der Bruder von Wyatt Earp, Walter Earp, der aufgrund seines Namens sein ganzes Leben lang nur gehänselt worden war. Jetzt konnte er sich rächen. Mit den Chinesen und den Komantschen hatte er einen Pakt geschlossen, der mit Blut bzw. Friedenspfeife besiegelt wurde. Auch mit den Ägyptern hatte er einen Pakt, die ihn mit Mumien versorgten, die als billiger Treibstoff in den Kesseln von Eisenbahnen verheizt werden konnten. (Gebaut wurden die Eisenbahntrassen vorwiegend von den Chinesen. So schließt sich der Kreis.) Walter Earp wurde auf diese Weise zu einem schwerreichen Mann und konnte sich bald aus dem aktiven Dienst bei Pinkerton zurückziehen. Er kandidierte für den Gouverneursposten von Minnesota (und, als das nicht klappte, für den von West Virginia), doch leider war er sehr häßlich und hatte auch nur ein Bein. Das andere hatte er beim Mumienstapeln verloren. Bedauerlicherweise war der Stumpf so unförmig, daß sich auch mit den damals neuesten technischen Mitteln keine befriedigende Prothese anbringen ließ. Das Resultat war ein unsäglich alberner Gang, falls man das überhaupt als Gang bezeichnen möchte. Deshalb begegnete man ihm nirgendwo mit Respekt, und so einer konnte natürlich nicht Gouverneur werden! (Oder Häuptling, denn bei den Komantschen versuchte er es auch.) Für den Unabhängigkeitstag ist das schwere Schicksal von Earp aber ohne Belang. Viel wichtiger sind da die Mumien, welche nämlich nach Unabhängigkeit strebten. Als die ägyptischen Mumien nämlich rar wurden, wollten sich auch die Chinesen eine Scheibe vom Mumienkuchen abschneiden. Zu diesem Zweck entsandten sie in einem Jahr, das leider in Vergessenheit geraten ist, einen Emissär namens Long Bum Zen nach Kentucky, um sich mit den Freimaurern zu verständigen, die statt des sonst üblichen Revolvers eine Maurerkelle an ihrer Hüfte führten und mit langen Bärten gesegnet waren. (Die Frauen ausgenommen. Die Kinder trugen falsche Bärte.) Es ging um einen magischen Kiesel, der bereits seit dem Unabhängigkeitskrieg von 1776 im Besitz der Freimaurer war und jedem, der ihn nächtens rieb, drei Wünsche gewährte. Long Bum Zen gelang es durch eine List, den Kiesel in seine Gewalt zu bringen. Hier trat Doc Holliday auf den Plan, der durch seine vorzüglichen Beziehungen zu den Sioux deren Kenntnisse über Waldgeister geerbt hatte. (De facto war Doc Holliday der Vater von fast allen Sioux-und Schuronen-Nachkömmlingen, da eine Naturkatastrophe die Indianer unfruchtbar gemacht hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.) In einem aufsehenerregenden Kampf stellte Doc Holliday (der übrigens kein Doktor war!) den Chinesen und verwandelte ihn in ein riesiges Dreieck.  Den Kiesel fügte er seinem Besitz hinzu, wußte aber zunächst nicht so recht, was er mit ihm anfangen sollte. Bei einem mehrere Jahre später erfolgenden Besuch in Minnesota machten ihn die dort lebenden chinesischen Frauen aber auf das Mumienproblem aufmerksam sowie auf die wichtige Rolle, die eben dieser Kiesel bei seiner Bewältigung spielte. Er verlor den Kiesel bei einem großen Pokermatch und wurde ebenfalls in einen grünen Keks verwandelt. Was nun? Die Sache mit den Mumien erledigte sich wenige Jahre später von selbst, da alternative Treibstoffe entwickelt wurden, die meisten davon auf Zimtbasis, und Zimt gab es weiß Gott genug in Minnesota. Eine Bewohnerin von Minnesota rieb eines Nachts den Kiesel an ihrem Busen, worauf ein Parallel-Minnesota entstand. Nun wurde die Sache wirklich unübersichtlich, und erst nach den Baumwollkriegen von 1887 kehrte wieder Ruhe ein. Das ursprüngliche Minnesota wurde zu Kalifornien, und das Parallel-Minnesota wurde jetzt zum ursprünglichen Minnesota. Man hatte sich also geeinigt. Die Kekse wurden in die Freiheit entlassen und hatten somit ihre Unabhängigkeit. Dieses Ereignis fand zwar nicht am 4. Juli statt, aber man schummelte einfach. Die ganze aufregende Geschichte um den Freiheitskampf wurde mehrfach verfilmt. Die vielleicht berühmteste Version entstand unter Regie von John Ford, der interessanterweise wirklich aus Minnesota kam und chinesische Vorfahren hatte. John Wayne spielte den Chef der Kekse, Barbara Stanwyck (mit Bart) den König der Freimaurer. Noch heute gilt das Essen von Keksen am 4. Juli als charmanter, wenn auch etwas kauziger Brauch, mit dem der aufregenden Geschichte des Staates Minnesota in den ganzen USA gedacht wird. Überall finden Kekseßwettbewerbe statt. Deshalb sind die Amerikaner auch so dick. Ich hoffe, einige offene Fragen geklärt zu haben. Wenn Ihr heute einen Keks eßt, denkt an die Amerikaner!




260609

Nachdem gestern nacht auch noch Michael Jackson abgetreten ist, rotiert die Medienwelt endgültig merkbefreit am Grabe der lieben Leichen: Heath Ledger, David Carradine, Farrah Fawcett, Jacko - wer wird der Nächste sein??? Unverzüglich kursierten im Internet Gerüchte über das Ableben von Harrison Ford und Jeff Goldblum, die sich aber dem Vernehmen nach bester Gesundheit erfreuen. Jeder will der erste sein, der die frohe Botschaft unter das Volk streut - wieder hat´s einen erwischt! Die merkwürdige Beziehung zwischen Normalmensch/-mansch und Promi treibt schillernde Blüten. Hatte Oscar Wilde recht? Will jeder das, was er liebt, töten? Wann immer ich heute Zeit fand, habe ich mir die volle Schlammpackung gegeben und bevorzugt die Boulevardmedien im Fernsehen abgecheckt. Da gab es Evergreens des Schmierenjournalismus zu besichtigen, unterste Schmiere. Lauter Sekundärpromis hielten ihren Kopf vor die Kamera und stammelten ihr Bekenntnis zu unglaublicher Trauer. Trauer ist nach meinem Empfinden etwas sehr Privates. Macht man sie öffentlich, so beginnt sie zu stinken, ebenso wie der liebe Leichnam, um den herum getanzt wird. Auch im Internet steigerten sich die Forensiker unter den Foristen in einen Betroffenheitsrausch, der mir arg zu denken gab. Die Floskel "Get a life!" erschien recht häufig vor meinem geistigen Auge. Es wurde allerorten so getan, als habe man ein eigenes Familienmitglied eingebüßt. Dieselben Leute, die sich niemals zu Wort gemeldet hätten, als die Kindesmißbrauchsprozesse liefen, ließen denselben (nicht bewiesenen oder völlig entkräfteten) Vorwurf jetzt großzügig unter den Tisch fallen und warfen den Verzerrer an, um den "King Of Pop" zu einem Ausnahmemenschen zu machen, zur größten Leiche des Jahrzehnts. Elvis, John Lennon, und jetzt das! Die Anwaltskanzlei "Kotz, Brech & Würg" bat um Gehör, und sie tat dies in allen Farben des Massenwahns. Was war passiert? Da war ein Musiker gestorben. Ob er nun ein so großartiger Musiker (Freund, kleiner Bruder etc.) war, wie allerorten behauptet wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich fand Prince immer besser, aber jo mei - ich war auch Pelikan, und andere Leute waren Geha. Mit Sicherheit war er ein Phänomen, ein begnadeter Showmann, und Musikvideos hat er auch salonfähig gemacht. Das kann man ihm nicht absprechen. Für mich war er eigentlich immer in erster Linie eine tragische Figur, und während man sich allerorts über ihn belustigte, mochte ich daran nicht so recht teilnehmen, denn ein Opfer von Kindesmißbrauch war auch er. Kindesmißbrauch einer besonders perfiden Art - ihm wurde die Möhre der Vaterliebe vor die Nase gehalten, die nur dann zu etwas Greifbarem werden konnte, wenn die Kasse stimmte und das Volk jauchzte. Er war genau so eine arme Sau wie Buster Keaton, der von seinem trunksüchtigen Vater bereits mit 4 Jahren auf die Bühne geschleift wurde, damit mit ihm (als "Der menschliche Mop"!) der Boden aufgewischt werden konnte. Eine Kindheit hatte Jackson niemals gehabt. Er wurde zu einem Vollprofi herangezüchtet, zu einem Kunstprodukt deformiert. Seine Botschaft war immer liebgemeint und fromm, doch sein zunehmend entstelltes Gesicht wirkte auf mich so herzerwärmend wie das Schreien eines verängstigten Kindes. Daß er jetzt tot ist, empfinde ich als schade und bedauerlich, da er eine Ikone der Zeit meiner Jugend war. Wenn Udo Lindenberg oder Nina Hagen zur Unzeit vor ihren Schöpfer gerufen werden würden, fände ich das auch nicht schön, sondern betrüblich, aber den Verlust auf den Status eines welterschütternden Ereignisses hochzujubeln, empfinde ich als fast obszön. Es gibt in der neuen Zeit ein großes Bedürfnis nach kollektiver Trauer, wie es auch eine Form von Kollektivjauchzerei gibt, siehe Fußball-Großereignisse. Die Medien haben das erkannt und betätigen sich als Negativausprägung des Jubelpersers. Ein Wort hierfür gibt es wohl noch nicht. "Trauermaurer" träfe es da vielleicht ganz gut. Die Trauermaurer mauern sich ihre eigene Wand des Wehklagens herbei. Auf der einen Seite befindet sich der Mensch mit seinen Alltagssorgen, auf der anderen der liebe Leichnam mit all den sehr realen Sorgen und Nöten, die er zu Lebzeiten besessen haben mag. Ein Freimaurer ist nicht in Sicht, der eine sinnvolle Beziehung zwischen beiden Seiten der Mauer herzustellen in der Lage wäre. Jetzt fällt mir auch noch das Wort "Seelenmasturbat" ein - warum fallen mir immer nur so schlimme Worte ein? Die reale oder eingebildete Tragik eines solchen Trauerfalls wird aufgeblasen zur Erbauung eines Publikums, das den Menschen, um den es eigentlich geht, weder erfaßt noch wirklich bedauert, sondern einfach benutzt. Die kanadische Nachtigall Céline Dion äußerte sich wie folgt: "Ich fühle mich wie beim Tod John F. Kennedys." Was für ein Glück, daß die kanadische Nachtigall erst 1968 geboren wurde, sonst müßte man ihre Worte womöglich ernstnehmen. Die meisten Stofflieferanten für die Trauermaurer meinen den Tönjes, den sie da abliefern, vermutlich sogar ganz ernst. Ihre Absichten sind lauter, ihre Interessen sind global. Und sie machen die Medien mit sich voll. Ich finde diesen Pillefatz degoutant, auch wenn es sich um die konsequente Weiterführung der Deformation des mutmaßlich ganz netten, aber offensichtlich kreuzunglücklichen Michael Jackson handelt, der zu einem Erfüllungsgehilfen von Profitinteressen hingebastelt wurde, zu einem traurigen Menschendarsteller. Sehr viel mehr dauert mich das Ableben von Farrah Fawcett, das sich aber schon abgezeichnet hatte. David Carradine war mir ebenfalls ans Herz gewachsen. Daß er unter so denkwürdigen Umständen aus dem Leben trat, verprellte viele, sogar die Familie des Verblichenen. Tatsächlich fand ich diese Sterbemethode (masturbierend im Schrank) ziemlich rock´n´roll und fesch - er ging mit einem Lächeln auf den Lippen, und das ist einem Hinscheiden nach langem Siechtum doch wohl vorzuziehen. Die etwas nekrophile Lust am Tod von Glanzpromis, die nicht nur die Presse zu treiben scheint, wird mich auch weiterhin faszinieren. Wie in jedem Todesfall kann man nur sagen: Es ist so, wie es ist. Man weiß nicht, wie sein Leben weitergegangen wäre. Wer ehrlich bedröppelt ist ob seines Todes, soll nicht öffentlich trauern, sondern lieber eine Platte des Verstorbenen hören und an der Freude teilhaben, die der Mann zu Lebzeiten produziert hat. Damit ehrt man einen Künstler am meisten. Schönheit, nicht Jammer suchen. Und vielleicht denen, die man besonders mag, zu Lebzeiten schön häufig eben dies vertellen. Damit ist ihnen nämlich mehr geholfen als mit Nekro-TV und Trauermaurerei.

220609

James Bond ist wieder in mein Leben getreten! Nach vielen Jahren habe ich mich zu einer kleinen Retrospektive entschlossen, und siehe da, die Filme gefallen mir noch immer ganz famos, vor allem die älteren. Ob heute 20-Jährige nachvollziehen können, was diese Filme vielen Vetretern meiner Generation einst bedeutet haben? Damals gab es ja noch keine DVDs, und auch Heimvideo kam erst, als ich 12 oder 13 war. Es gab drei Programme, und auf denen liefen meistens Kulturjournale und das "Kleine Fernsehspiel im ZDF". Noch heute erlaube ich mir gelegentlich, Sachen wie"Wetten, daß" zu kucken, da es genau diese Art von Samstagabendunterhaltung war, die damals gereicht wurde. Einen James Bond im Kino zu sehen, war ein Ereignis. Ich ging mindestens zehnmal in jeden einzelnen von ihnen und liebte sie abgöttisch! Schon als Kind war Sean Connery mein Favorit, da ich einfach fand, daß er "es" hatte. Dieses "Es" auch in der Ahnung von sadistischen Neigungen und der Fähigkeit zu grenzenloser Brutalität zu sehen, wäre mir damals natürlich nicht eingefallen, aber ich fand ihn wirklich fesch. Ich kaufte mir James-Bond-Spielzeugautos. In der "Cinema" gab es - glaube ich - die Filme als Fotostories. Die Soundtracks von John Barry waren wohl meine ersten Filmmusikplatten überhaupt. Ich bewunderte an Connery seine Eleganz, seinen Gang, seine lässige Souveranität. Es gab eine Zeit in meiner präpubertären Entwicklung, da versuchte ich immer dann, wenn ich fotografiert wurde, meinem Idol nachzueifern und zog einen Mundwinkel hoch. Dieses Grimassieren macht die Fotos aus dieser Zeit zu einer harten Bewährungsprobe für mich. Vielleicht scanne ich demnächst mal eines ein und präsentiere es hier. Die sind wirklich ganz gruselig. Sei es drum: James Bond war einfach mein Held! Man kann aus solchen Filmen auch eine ganze Menge lernen. Die DVD-Extras belehrten mich darüber, daß Regisseur Terence Young dem werdenden Agentensuperstar eine Menge eigener Vorlieben mit auf den Weg gab. In ähnlicher Weise imitierte ich (meistens unbewußt) den eleganten Gang der Doppelnull, was mich vor Schluri- und Schluffitum bewahrte, in einer Entwicklungsphase, in der Schluri- und Schluffitum für gewöhnlich den Ton angeben. Den charmanten Mörder betrachte ich somit als großes Vorbild auch für die heutige Jugend! Man stelle sich eine Teenie-Disco vor, in der lauter pubertierende Sprotten und Sprottinen statt dieser ekelerregenden Mixgetränke (Rotwein und Red Bull, anyone?) einen Wodka-Martini bestellen, halbtrocken, geschüttelt, nicht gerührt, "with a twist of lemon peel"... Oder wie wäre es mit einer Antifa-Demo, auf der den marodierenden Unholden statt einer Zusammenballung eifernder Zottelphilipps lauter souveräne und elegante Geheimagenten entgegengestellt werden, ein gelassenes Lächeln auf den Lippen, eine offene Demütigung für jeden Barbaren? Das wird freilich niemals passieren, und je älter ich werde, um so mehr bedauere ich das eigentlich.

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Im Fernsehen gab es gerade eine Sendung, in der ein Arzt über Schönheits-OPs referierte. Mir ist bewußt, daß ich in einer Zeit lebe, in der 16-jährigen Mädchen (und vermutlich auch Jungen) von ihren reichen Eltern neue Nasen geschenkt werden, da sie sich für die alten Nasen schämen. Geschämt haben sich die Menschen ja schon immer, und wenn sich irgendwelche Nafties mit ihren neuen Nasen ins Fernsehen begeben und dort erzählen, daß sie sich nun nicht mehr schämen, so denke ich mir immer, daß sie sich gerade dafür schämen sollten. Das Bedürfnis des Menschen nach Scham halte ich im übrigen für ein evolutionäres Handicap, denn es hemmt ihn in seinem freien Tun & Machen, spornt ihn nicht an zu größerer Vorsicht (wie etwa Angst dies tut), sondern sorgt lediglich für die Verwandlung eines an sich gewinnenden Menschenwesens in einen seelischen Napfkuchen. Ohne Scham wären die Psychologen arbeitslos. Allein die Bezeichnung der Vulvabewucherung als "Schamdreieck" (klingt ´n büschen wie "Bermuda-Dreieck"!) finde ich ziemlich deplaziert. Für seine Körperteile sollte sich nun wirklich niemand schämen, das Gehirn vielleicht mal ausgenommen. Es gehört wohl nicht hierher, aber die Beurteilung von Frauenkörpern als "Erstklassiges Fahrgestell" habe ich meistens aus den Mündern anderer Frauen gehört. Der prüfende Blick von Frauen, was die Spezialausstattung von Geschlechtsgenossinnen angeht, scheint mir sehr ausgeprägt zu sein. Auch habe ich aus zartem Mund des öfteren verwirrende Einschätzungen von Fremdbrüsten mitbekommen, in denen manchmal Bewunderung, manchmal aber auch Stutenbissigkeit das Zepter schwang. Mir persönlich bedeuten Brüste gerade so viel wie ihre Trägerinnen. Wenn man Dutteln aufmöppelt, kommt selten etwas dabei raus, was einen durch den Tag bringt. Die perfekte Brust funkelt nur matt an einen schamgepeinigten Menschen. An originellen, sinnlichen und lebenskämpferischen Menschinnen hingegen verwandelt sich jede Brust zu einem strahlenden Schatz. Das sollte eigentlich jedem klar sein, aber das ist es wohl nicht. Die Menschheit fahndet nach leichten Lösungen.

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Was gab es in den Nachrichten? Es soll diese Woche über eine EU-Verordnung diskutiert werden, die das Anbieten von Clownfleisch entweder billigt oder unter Strafe stellt. Landwirte meldeten Bedenken an, aber ich finde den Einfall an sich gut. Da wären Clowns endlich mal zu was nütze! Die Grünen sind momentan noch strikt dagegen, aber warum eigentlich? Im Interview war Cem Özdemir zu sehen, der sich um Himmels Willen diese scheußlichen Koteletten abrasieren sollte. Damit sieht er aus wie ein 70er-Jahre-Pornostecher, Pseudonym "Jacques Kolbén" oder so... Oder Wedelin Wendeking. Aber was soll´s - Politiker, die wie Pornodarsteller aussehen, sind mir immer noch lieber als solche, die wie Serienmörder aussehen. Also fast alle anderen.

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Ich habe vor einigen Tagen übrigens auf meiner Blog-Seite einen ganzen Schwung an "Splatting Image"-Artikeln von meinereiner online gestellt. Interessenten finden nun sämtliche Artikel von Ausgabe 18 an bis Ausgabe 67. Die letzten 10 Ausgaben (also ca. 3 Jahre) der SI lasse ich unangetastet, da es eine gewisse Exklusivität schon geben sollte. Ältere Texte habe ich noch auf der klackernden Schreibmaschine verfaßt und müßte sie komplett neu eintippen, was ich auch irgendwann machen werde, aber eben nicht heute.

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Ansonsten verweise ich auf meine neue Myspace-Domain. Habe schon über 100 Freunde - Mann, geht das fix! :)

300509

Heute beginnt der Tag sehr schön, denn an meiner Tagebuch-Wirkungsstätte, den Filmforen, hat man mich zum Filmforen-Meister 2009 gewählt, wie ich nicht ganz ohne Stolz verkünden darf. Mir winken wertvolle Sachpreise, ein Mittagessen bei "Kochlöffel" und ein Besuch in einem Autobahnraststättenpuff meiner Wahl. Nein, im Ernst, hat mich wirklich sehr gefreut! Das muß ich jetzt erst einmal verdauen...

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Auch verdauen muß ich eine Filmvorführung, die mir gestern bei einem Freund zuteil wurde, der mich unbedingt von der Notwendigkeit überzeugen wollte, einen Bericht über psychotronische Kinderfilme zu verfassen. Als Beleg zeigte er mir eine alte "Silwa"-Videokassette, die irgendwas mit "Gumby" hieß, "Gumby der Tausendsassa" oder so. Mein lieber Schwan... Den Anfang machte wie üblich ein grotesk unlustiger Werbefilm mit Klaus Dahlen und Elisabeth Volkmann, in dem das Heimprogramm von Silwa hervorgehoben wurde. Dann kam Sascha Hehn, der sich in unvergleichlich schmieriger Manier an "unsere kleinen Zuschauer" wendete und ihnen für den Schluß des Films "ein kleines Bonbon" versprach. Die Gumby-Filme waren unglaublich billige Knetgummimännchenfilme aus England oder den USA, die von der Videohülle als "von den führenden Künstlern gezeichnet" angepriesen wurden. Gumby selbst war ein grünes formloses Etwas, das am ehesten noch aussah wie eine unglückliche Eins mit großen Kulleraugen. Begleitet wurde es von einem offensichtlich mongoloiden Pferd mit dejustierten Augen, die ständig in der Gegend herumirrlichterten und an den Film CHRISTIANE F. erinnerten. Beide erlebten sehr unlustige Abenteuer, von denen die meisten überhaupt keinen Sinn ergaben. In einem "Abenteuer" z.B. basteln Gumby und sein debiler Gehilfe eine Maiserzeugungsmaschine für ein überfordertes Erdhörnchen, das ständig von Hunderten anderer Erdhörnchen umlagert ist, die "Hunger! Hunger! Hunger!" schreien. Mein Favorit war allerdings eine Episode, die Gumby dabei zeigt, wie es 5 Minuten lang fast überhaupt nichts macht, dabei aber ständig von einem elektronisch fiependen Vogel und einem Küken, das aussieht wie eine asiatische Lustkugel, unterbrochen wird. Im Hintergrund steht ein Kran. In einer Einstellung sieht man - völlig zusammenhanglos -, wie das Küken in einem Miniaturkran an Gumby vorbeifährt, die Mutterhenne kopfüber am Lastzug baumelnd. Wer möchte, daß seine Kinder "besonders" werden, sollte ihnen Gumbys Abenteuer nicht vorenthalten! Die kleinen Vignetten demonstrieren eindringlich, wieso man dementen 70-jährigen Kindergärtnern kein LSD geben sollte. Nachdem das letzte unlustige und häßlich designte Spektakel vorüber ist, kommt noch einmal Sascha Hehn, der erneut das versprochene Bonbon anspricht. Dieses besteht aus einem Trailer für einen japanischen Kinderfilm, welcher "Taro der Drachenjunge" heißt. Taro der Drachenjunge wird von allen Kindern des Dorfes gehänselt, weil er dick und häßlich ist. Sein Glück findet er nur bei seinen Freunden, den Tieren des Waldes. Er sagt ihnen: "Jetzt zeig´ ich euch mal was!" Das tut er auch tatsächlich, denn er macht einen Kopfstand, wobei sein Lendenschurz über die Hüfte rutscht, den blanken Unterkörper entblößend. Es folgt eine Nahaufnahme seines präpubertären Pimmelchens. Er fängt dann an, im Kopfstand zu tanzen, mit lustig wippendem Dödel. Ich weiß nicht, wie die Tiere das fanden, denn der Trailer (und die Videokassette) endeten hier, aber ich saß nur fassungslos vor dem Fernseher und dachte: "Was zum Geier hat die Leute denn da geritten?" Die Japaner sind schon ein merkwürdiges Völkchen.

290509

Über meinem Arbeitsplatz hängen keine Pferdebilder, keine Pin-Ups und keine satirischen Ölgemälde von Förstern, die Hirschkühe küssen. Stattdessen hängt dort ein Bild aus dem Film UNHEIMLICHE GESCHICHTEN , den der jüdische Regisseur Richard Oswald im Jahre 1919 gedreht hat. Richard Oswald war jemand, den die arrivierte Gesellschaft der Weimarer Republik vermutlich als einen Schmutzfinken betrachtet hat, da er sich mit der filmischen Bearbeitung sensationeller Themen verdingte. Die meisten seiner "Sittenfilme" sind schon lange verschollen oder modern in abgelegenen Filmarchiven vor sich hin, traurig ihrer Wiederentdeckung entgegenfiebernd. Oder vielleicht nicht -fiebernd. Das Fieber wird wohl schon lange abgeklungen sein und einer mildtätigen Leere Platz gemacht haben. Zu den wenigen noch erhaltenen Oswaldiaden gehört der Schwulenfilm ANDERS ALS DIE ANDEREN, der in Form eines grellen Melodrams von den Problemen berichtet, die es mit sich bringt, anders als die anderen zu sein, vor allem, wenn der Rest der Menschen stabil, lebenstüchtig und ignorant zu sein scheint. Andere Titel des Regisseurs lesen sich sehr aufregend: DÄMON UND MENSCH, NÄCHTE DES GRAUENS, FREITAG DER 13. - DAS UNHEIMLICHE HAUS, ZIRKUSBLUT, DAS KAINSZEICHEN, DAS TAGEBUCH EINER VERLORENEN, SÜNDIGE MÜTTER, DIE PROSTITUTION - DAS GELBE HAUS, NACHTGESTALTEN, DÜRFEN WIR SCHWEIGEN?, GEHETZTE FRAUEN aka LEBENDE WARE, FEME und EHEN ZU DRITT. Alle, alle dem Zeitenlauf anheimgefallen! Sein Gruselfilm UNHEIMLICHE GESCHICHTEN war eine vergleichsweise üppige Produktion. Auf dem Foto sitzen drei Schauspieler nebeneinander: Conrad Veidt, Anita Berber und Reinhold Schünzel. Die Berber war ein Paradebeispiel für einen Menschen, der für kurze Zeit sehr hell brannte und dann viel zu rasch erlosch. Sie wurde gerade einmal 29 Jahre alt und starb an Auszehrung des Körpers und des Geistes. Ein trauriges Kind, dessen Lebensgeschichte man relativ rasch ergoogeln kann, wenn man will. Auch Veidt und Schünzel - zwei erstklassige Mimen - werden sensible Naturen gewesen sein. In der harten Nachkriegszeit und den festgefügten Moralbegriffen und durch Frust und Überlebenswillen gezeugten Aggressionen, die da kursierten, wurde viel nach oben gebuckelt und nach unten getreten, als spätes Erbe der Wilhelminischen Zeit. (Heinrich Manns "Der Untertan", anyone?) Für sensible Naturen wird es damals kein Zuckerschlecken gewesen sein. Der fromme Christenmensch rät dazu, den anderen Menschen zu helfen und sich ihnen aufzuopfern, so wie das gute Monster Mutter Teresa es tat. Wenn ich Mutter Teresa als "gutes Monster" bezeichne, so tue ich dies übrigens nicht in diffamierender Absicht. Ich stehe in Ehrfurcht vor Menschen, die ihr Leben so vollständig in den Dienst von anderen stellen, deren Armut und Beladenheit keinen Lohn im Diesseits versprechen. Aber anzunehmen, dies sei jedem Menschen angemessen, ist ein törichter und schädlicher Irrtum. Es steht hektoliterweise saure Milch im Kühlschrank, die dies bezeugt. Wenn man sich selbst der Verpflichtung enthebt, sich zuallererst einmal um sich selbst zu kümmern, so schadet das auf längere Sicht allen Beteiligten. Das Glück wohnt nicht in der Mildtat, wenn die Mildtat im Widerspruch steht zum eigenen Interesse. Das ist traurig, aber so funktioniert Leben nun einmal. Je älter ich werde, umso mehr beurteile ich die Dinge nach dem Augenschein, nach den gezeigten Taten, nicht nach der mutmaßlichen Motivation. Man könnte auch über Mutter Teresens Motivation nachgrübeln, ob da vielleicht ein schuldbelasteter Samariter-Komplex eine Rolle gespielt hat. Hatte sie vielleicht als Kind eine Katzenkopfsammlung, für die eine erkleckliche Anzahl süßer Kätzchen schreiend ihr Leben lassen mußte? Man will es nicht annehmen, aber am Ende des Tages steht der Umstand, daß sie einer großen Zahl von Menschen das Leben auf diesem Planeten einfacher, nicht schwerer gemacht hat, und das ist schon die Kaiserlösung. Doch für den gewöhnlichen Menschen ist das nichts, aus Gründen jedwelcher Art mitzuleiden und aufzuopfern. Das führt zu Katarrh und Verkarstung, und schließlich steht man ausgemergelt am Wegesrand und bettelt um ein Lätzchen, doch die Schafe, sie sind weg. Das kann es nicht sein. Nein, das Ziel liegt eher darin, sich selbst ein Stadium der Zufriedenheit herbeizualchemisieren. Wenn das erreicht ist, kann man abgeben, und zwar ohne Neurose und die Gefahr des Backlashs. Früher war ich ein begeisterter Anhänger der Wahrheit um jeden Preis und der Hoheit des Wissens. Heute weiß ich vor allem, daß die Kur manchmal schlimmer ist als die Krankheit, und daß zuviel Wahrheit schlecht für die Hygiene ist. Wenn man morgens aufwacht und weiß, daß man Mundgeruch hat und aussieht wie ein Kartoffelsack, stärkt das nicht den Drang zum guten Tun. Wissen macht nicht glücklich. Will man glücklich sein, so muß man dem Gedanken anhängen, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, und man selber sei ein Paradeexemplar der Spezies. Dann wird man glücklich. Konstanten machen glücklich, und wenn man an Konstanten glauben will, so muß man die Fähigkeit zur Ignoranz besitzen, um sich gegen alle Anfechtungen des Lebens abzusichern. Das macht lebensfähig. Die meisten Menschen besitzen diese Fähigkeit leider nicht. Viele versuchen, sie sich anzutrainieren, doch wenn man Ignoranz nur trainiert, dann ist das ein frommer Selbstbetrug, der eines Tages aufgedeckt werden wird oder zu Magengeschwüren führt. Wenn man meint, ohne selektive Wahrnehmung durch den Tag kommen zu können, so liegt man falsch. Ohne selektive Wahrnehmung käme man nicht einmal über die Straße. Die Kunst liegt darin, die selektive Wahrnehmung so zu internalisieren, daß man sie nicht mehr wahrnimmt, und zwar ohne dem anderen Extrem - dem Zynismus - in die weit ausgebreiteten Arme zu laufen. Heilige sind für mich nicht die guten Monster, vor denen ich in Ehrfurcht stehe, sondern all jene, die sensibel sind und dem Weltenlauf tagtäglich trotzen. So wie die drei Leute auf dem Foto. Ich finde Leute toll, die kämpfen und nicht aufgeben. Die sich täglich selber aus dem Zylinder zaubern. Die nicht zynisch und ausbeuterisch werden und zur Chefsorte Mensch gerinnen. Die den Blick nach oben halten, nach Erhaltung und Verbesserung fahnden. Dabei fällt man manchmal auch auf die Schnauze. Das darf man. Der Funken Mut ist es, auf den es ankommt. Der versteckt sich manchmal richtig gut, aber er bleibt trotzdem da. Die Herren Veidt und Schünzel sind - als die Barbaren kamen - Richtung Hollywood abgedüst. Frau Berber blieb schon vorher auf der Strecke. Die Perfekten, die Abgesicherten haben mich niemals interessiert. Die sind sich selbst Lohn genug. Doch für die sensiblen Kämpfer habe ich immer eine schwache Seite gehabt. Deshalb hängt wohl auch das Bild über meinem PC.

280509

So, jetzt habe ich mal einen kleinen Erlebnisbericht vom Catriona-Event erstellt, inklusive einiger Bilderkes. Findet Ihr hier. War wirklich toll!

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Ein jüngst erfolgter Arztbesuch ließ es mir angeraten erscheinen, einer Vorsorgeuntersuchung zuzustimmen. Für diese Maßnahme ist nicht nur der übliche Aderlaß erforderlich, sondern auch eine Stuhlprobe. Ich muß gestehen, daß ich mich mit dieser Materie noch nie eingehend befaßt habe. Also, mit Stuhlproben. Mit Stuhl befasse ich mich jeden Tag, sonst würde ja auch was nicht stimmen. Das Problem, das mich angähnt mit seinem offenem Schlund, ist folgendes: Muß man da jetzt ein kleines Phiölchen vollmachen? Es werden ja so tolle Spatel mitgeliefert, und damit soll man dann angeblich etwas abschaben vom Unaussprechlichen, das man auf einem Zeitungspapier hinterlassen hat. Zeitungspapier wird explizit erwähnt. Es wird mir also befohlen, auf eine Zeitung zu kacken. Glücklicherweise darf ich das zu Hause tun und muß mich nicht noch mit der Schande herumquälen, daß mir eine Sprechstundenhilfe dabei zukuckt. Was die wohl täten, wenn ich denen ein großes Hundetütchen voll mit A-A bringen würde? "Hier, bitte, reicht das?" Oder eine Popcornbox voll? An guten Tagen müßte mir das gelingen. Ich finde, daß das wirklich ein blödes Thema ist. Was haben wir denn noch?

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Meine Kaffeemaschine ist renitent. Es handelt sich um ein ungewöhnlich billiges Exemplar, meinen Einkommensverhältnissen angemessen. Seit neuestem spuckt sie mir den braunen Sud direkt vor die Füße, des Lebens in meinem Haushalt offenbar überdrüssig. Da ich ja nicht so ein Technischer bin, erwog ich zunächst, mir einfach eine neue Maschine zu kaufen und die alte vielleicht in der Fußgängerzone zu verschenken. Das wäre mir dann aber doch zu peinlich gewesen. Die Arbeitsmoral meiner Kaffeemaschine mißfiel mir schon seit längerem. Die Geräusche, die sie auch im Idealfall hervorstieß, wären auch heutzutage von kaum jemandem als vornehm bezeichnet worden. Die jetzigen Zustände aber spotten jeder Beschreibung. Ich habe mit verschieden großen Filtertüten experimentiert, aber immer wieder kommt eine ekle Bröselsuppe aus dem Schlitz. Dazu pumpert es furchterregend und strullt mir den Küchenfußboden voll. Das ist nicht schön und keinesfalls ein Verhalten, wie ich es von meiner Kaffeemaschine dulde. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen. Als nächstes werde ich mir mal die zweitbilligste kaufen. Vielleicht weiß die ja, wie man sich benimmt.

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Das war eigentlich auch ein sehr uninteressantes Thema. Hoffen wir, daß das Leben am Samstag wieder auf die Siegergerade gerät, wenn Werder Bremen nämlich den Pokal gewinnt, und eine sehr durchwachsene Saison zu einem doch noch erfreulichen Ende findet. Freuen wird sich der Leverkusener Spieler Helmes dann natürlich nicht, aber immerhin wurde ihm von Trainerlegende Udo Lattek gestern auf DSF bescheinigt, er besitze "Potenz nach oben". Da habe ich kurz schmunzeln müssen. Schmunzelt auch!

130509

Buio

Ganz Gelsenkirchen wird zur Geisterstadt, wenn am Samstagmorgen die umwerfende Schauspielerin Catriona MacColl bei Buio zu Gast ist. Zu sehen sein wird einer ihrer berühmtesten Filme, der zartbesaiteten Gemütern das Blut in den Adern wird erstarren lassen. In einem ausführlichen Interview wird sie einiges berichten über ihre Karriere, die sie u.a. dreimal in die Fänge des Dr. Fulci führte. Ich werde an den Tagen ihrer Anwesenheit selbstredend die Knipse mitnehmen und hier einige der erlesensten Schnappschüsse deponieren, nebst einem erschöpfenden Reisebericht... Kommet zuhauf am Samstagmorgen!

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300409


Düstere Dinge tragen sich zu in meiner Küche. Sie sind rätselhaft, entbehren aber doch jedweden Charmes. Sie kommen als Bote von den Sternen, zu künden von Mysterien, die nicht einmal Mysterien-Tausendsassa H.P. Lovecraft seinen frühzeitlichen Wesen in die Kapuze geschoben hätte. Wenn ich davon berichte, schnürt es mir die Kehle zu. Also: Neulich wollte ich mir eine abendliche Stulle schmieren. Bis hierhin noch alles okidoki und normal. Auf dem weißen Kachelmusterboden meiner Küche entdeckte ich eine braune Pfütze. Ich stupste einen Finger in die Tunke, roch daran und identifizierte den unmißverständlichen Geruch kalten Kakaos. Merkwürdig - dabei trinke ich gar keinen Kakao. Milchprodukte haben generell schweren Seegang in meiner Kämenade. Nichts Böses ahnend nahm ich einen Feudel, und tat damit, was man mit Feudeln so zu tun pflegt - ich feudelte. Dann nahm ich einen Schlummertrunk zu mir und träumte von Vorzeitkrebsen. Am nächsten Morgen schlurfte ich in die Küche. Wieder eine Pfütze. Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt wurde mir die Sache unheimlich. An der Decke - die mit Holz oder Holzimitat vertäfelt ist - waren keine Spuren zu bemerken. Trotzdem, ich rief oben an und berichtete von meinem Problem. Es gab nur zwei Möglichkeiten für die Misere. Entweder hatte ich es mit einem Fall von original Geisterkakao zu tun. Zweifellos einer der weniger brisanten Fälle übernatürlichen Wirkens. Oder aber der Nachbarkaba war durchgesuppt. Eine dritte Möglichkeit - daß nämlich die Nachbarn unter mir ihre Wohnung mit Kakao geflutet hatten - durfte man getrost ausklammern. Doch über mir verabscheute man ebenfalls die braune Brühe. Was war los? Befand ich mich im Mahlstrom einer unheilvollen Macht? Sollte mir etwas mitgeteilt werden? Ich stellte Nachforschungen an und suchte zu diesem Behufe die Stadtbibliothek auf. Meine Recherchen waren fruchtlos. Keine geheimnisvolle Häufung von Selbstmorden oder unerklärlichen Begebenheiten, die sich in meinem Wohnhaus zugetragen hatten. Auch in fernerer Vergangenheit war da nichts. Kein Sklavenaufstand, der blutig niedergeschlagen worden war. Kein Schokoladenweihnachtsmannfabrikant, der von seiner Frau in der Küche erschlagen worden war, weil er seine Freizeit lieber mit den Weihnachtsmännern verbrachte als mit seinem angetrauten Weib. Keine dunkle Episode in der deutschen Vergangenheit. Nur braune Suppe auf meinem Kachelboden. Das wollte mir nicht in den Kopf. Mit diesem Rätsel werde ich wohl noch einige Zeit leben müssen. Bestimmt ist morgen wieder ein Fleck da, und übermorgen wieder. Bald wird es mich nicht mehr grausen, wenn ich den stummen Gast in meiner Küche vorfinde. Ich werde mir nur gespielt teilnahmslos die Brötchen buttern. Und irgendwann werde ich meine Teilnahmslosigkeit nicht einmal mehr spielen müssen. Dann ist der Fleck Alltag, seine Beseitigung Alltagsgeschäft. Und - hol´ mich der Teufel - dann fange ich vielleicht selber an, Kakao zu trinken! Die sittliche und moralische Verwahrlosung beginnt häufig in der Küche, wie der Mensch die fehlende Wärme - so schlimm dies auch klingen mag - nicht selten aus einer Tütensuppe bezieht. Nur zur Verdeutlichung: Ich meine nicht die teuren Dosensuppen von Lacroix, die manchmal mehr kosten als ein leckerer Schmorbraten im Feinschmeckerrestaurant. Ich meine die billigen, die schnöden Tütensuppen, wo man eklige Brösel in unschuldiges Wasser rieseln läßt, das nach kurzem Aufkochen viel schlechter schmeckt als vorher - gedemütigtes Wasser. Solche Suppen werde ich mir kochen, jeden Tag! Und Kakao trinken. Die Mysterien meiner Küche werden mich kalt lassen, sie werden unbeachtet in der Spüle ausgewrungen werden und in den Abfluß sickern.

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Ansonsten war die Woche so mittel. Nachdem ich vor kurzem eigentlich beschlossen hatte, meinen Newsticker ein für allemal zu beerdigen, habe ich mir nun ein Konzept ausgedacht, auf das ich mich einigen konnte: Ich werde ihn nur dann erneuern, wenn mir danach ist, ohne Leistungsdruck und Orgasmuszwang. Ganz locker und unter Brüdern. Wenn mir etwas Berichtenswertes passiert, werde ich das festhalten. Tauben, die durch mein Fenster krachen, verdienen mediale Beachtung. Soviel Einsicht in die Natur der Dinge muß sein. Ich entschuldige mich aber schon im Voraus für die Flut an Banalitäten, die hier auch weiterhin ein Forum finden wird. Genauso, wie man seinen Leib formen sollte - mit Sport, Kosmetika oder Bierexzessen, je nach Pläsir -, so muß man der Seele Hygiene angedeihen lassen. Hier sollte nicht das Prinzip der Rute, der Knute und der Bullenpeitsche vorherrschen, sondern die Lässeh-Fähr-Gesinnung der Summerhill-Schule. Kinder, die man machen läßt, schießen nämlich mitnichten ins Kraut, sondern lernen Winkel wie Rundungen des Geschicks gleichsam schätzen. Und wenn sie mal Mist bauen, kriegen sie halt aufs Maul. So ist das Leben. Alle Kunst ist gänzlich unnütz, wie Oscar Wilde einmal sagte. Oscar Wilde ist natürlich schon tot, aber auch Tote können gelegentlich Recht haben. In jedem Fall sind sie herzlich willkommen in meiner Wohnung. Wenn Oscar Wilde bei mir zu Hause vorbeischauen würde, täte ich ihn fragen, wie er das denn gemeint habe mit dem Verfall der Kunst des Lügens. Der Künstler sollte sich niemals in seinem Werk spiegeln, jedoch das Leben, wie er es sieht. Wer Lüge und Wahrheit auseinanderhalten zu können vermeint, der hat den wahren Sinn und Zweck der menschlichen Existenz nicht erfaßt. Darum jehtet nämlich gar nicht. Ich würde mit Oscar Wilde einen Cadinot-Schwulenporno kucken, den ich mir allerdings erst aus dem Netz herunterladen müßte. Enttäuschenderweise würde der ihm gut gefallen. Den Heteroporno "Brummi, sein Kolben läuft auch ohne Diesel" müßten wir vermutlich abbrechen. Dann würde ich Oscar Wildes hübsche Gamaschen bestaunen und einen Zombiefilm anschmeißen. Wider Erwarten würde der Oscar Wilde auch gut gefallen, denn schließlich wäre er ein lebender Toter, und gleich zu gleich gesellt sich gern. (Und Ende gut, alles gut bzw. Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln.)

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Bevor ich allerdings den Dandy-Tausendsassa bei mir begrüßen kann, muß ich mir erst einmal ein neues Sofa kaufen. Meine einzige Wohnzimmer-Sitzgelegenheit hat es nämlich meinem Lattenrost nachgetan und ist unter meinem Körpergewicht zusammengekracht. Wenn man tote Würdenträger bei sich beherbergt, kann man die ja schlecht auf dem Fußboden hocken lassen. Vor allem dann nicht, wenn sie älter sind, z.B. Ernst Jünger. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob man sich als Toter aussuchen kann, in welchem Alter man erscheint. Wäre ja schon putzig, wenn irgendsoein Balg bei mir auf der Matte steht, das dann behauptet, es wäre Inge Meysel. Da könnte ja jeder kommen. Aber auch Inge Meysel - ob alt oder jung - braucht bei mir nicht auf dem Boden zu sitzen. Das wäre ein Faustschlag ins Gesicht des Benimms. Da könnte ich Inge Meysel ja gleich dazu auffordern, den Kakao von meinem Küchenboden zu lecken! Undenkbar.

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Heute ist´s endlich passiert: Ich habe in der Innenstadt einen alten Mann gesehen, der sich seine Hose bis zu den Nippeln hochgezogen hat!

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Präsident Obama hat sich nachdrücklich gegen das sogenannte Waterboarding ausgesprochen. Ich finde dieses Extremsportartengetue auch ziemlich dämlich! Erwachsene Menschen stürzen sich von Wolkenkratzern in Mülltonnen, paddeln in Schlauchbooten über Wasserfälle oder koten bei Neonazikonzerten in die Baßtrommel des Schlagzeugers - geht´s denn noch? Wenn man wenigstens einem Backfisch imponieren wollen würde. Das könnte man ja verstehen, denn die quietschen immer so niedlich, wenn man sie haut. Aber nein, es geht nur um das "Höher, schneller, weiter", die Crux des männlichen Geschlechts. Der Mann hat diesem Planeten nur Unheil gebracht. Er wollte ihn sich zum Untertan machen, wollte ihn knechten und ausbeuten nach Herzenslust, und wozu hat´s geführt? Nur Armut und Zerstörung, wohin man blickt! In der Innenstadt habe ich nämlich nicht nur den Mann gesehen, der sich die Hose bis zu den Nippeln hochgezogen hat, sondern auch noch einen Bettler, und zwar einen der Demutsbettler, die immer auf dem nackten Boden knien, obwohl das so ungemütlich ist. Möge mich der Blitz erschlagen, aber gerade solchen Bettlern gebe ich keinen Pfennig, weil ich ein schlechter Mensch bin. Obendrein habe ich den Eindruck, daß gerade bei diesen Bettlern davon auszugehen ist, daß sie organisiert sind, denn wer so aggressiv das wabernde Schuldbewußtsein des Fußgängerzonenpassanten anzapft, der kennt seine Pappenheimer ganz genau. Vor kurzem hatten wir hier ein indisch aussehendes Pärchen, das im Abstand von etwa 100 Metern diagonal versetzt auf dem Boden kniete, die Hände gefaltet in Demutsgeste. Ich verliere bei solchen Gelegenheiten immer mehrere Liter Körperflüssigkeit. Die beiden Inder waren auch schon in den Jahren davor zugegen. Aus irgendeinem Grund glaube ich, daß ein Großteil ihrer Einnahmen einem windig aussehenden Junggeschäftsmann zugutekommt, der in einem Inkassobüro, das demnächst von "Panorama" besucht wird, an seinem Schreibtisch sitzt und über die Anschaffung eines Porsche nachgrübelt. Wem ich gerne etwas gebe, sind freundliche Bettler, die zottelig, aber unaufdringlich irgendwo sitzen und keine Show abziehen. Selbst musizierende Kollegen finde ich gegenüber den Demutsbettlern vergleichsweise okay, da sie wenigstens den festen Willen bekunden, ihr Publikum nicht abzuziehen, sondern ihnen etwas zu bieten, wie schrecklich das dann auch immer klingt. Neulich habe ich einem jungen Punkerpärchen ein paar Euro zugesteckt, das mir freundlich zugelacht hat dafür. Da fühlte ich mich richtig wohl. Kommen wir aber zum Demutsbettler des Anfangs zurück. Der saß direkt neben einem Ballonfalter, der im besten Ruhrpottdeutsch gröhlend seinem Handwerk nachging und jeden verbissen ankumpelte, während neben ihm der Kollege im Dreck saß. Fast hätte ich die beiden fotografiert, aber das habe ich dann doch nicht übers Herz gebracht.

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Mir fallen jetzt keine wichtigen Themen mehr ein, weshalb ich den Schreibfluß jetzt erst einmal einfriere. Das Buch jibtet Ende des Jahres, vielleicht schon im Spätherbst. Der neue Artikel wird von japanischen Geisterfilmen handeln, und zwar den seltenen, den alten. Danach plane ich einen Artikel über Gehirnfilme. Die DVD von DER VAMPIR VON NOTRE-DAME ist jetzt herausgekommen und enthält einen ungewöhnlich brauchbaren Audiokommentar von mir und dem immens netten Marcus Stiglegger. Das war ein reines Vergnügen, zumal ich während des Kommentareinsprechens dank meines Kollegen noch einiges über den Film dazugelernt habe. Das war sehr spannend, und vielleicht hört man das ja heraus. Drei oder vier weitere Audiokommentare harren übrigens noch ihrer Veröffentlichung...

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Als kleines Bonbon zum 1. Mai habe ich einige Sounddateien hochgeladen, die Schnipsel aus vergnüglich mißlungenen oder einfach amüsanten Filmeindeutschungen darstellen. Ich hoffe, daß Euch das gefällt und werde bei Bedarf diese Rubrik ständig ergänzen, denn das macht mir ziemlich Spaß! Findet Ihr hier.

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Demnächst im Kino:

SAU 5 - Director´s Cut

Bild

Ungeschnitten, ungewaschen und schweinebrutal! Jetzt schon in 30 Ländern verboten! Der Islam kocht! Die Sau ist wieder da, und sie macht keine Gefangenen! Schlimmer als THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, schmutziger als DEEP THROAT, notgeiler als FLIPPER - der Horrorschocker dieser Saison! Der grunzende Tod! Dieser Film macht jeden Vegetarier zur blutdürstigen Bestie! Kontrovers und heiß diskutiert, aber endlich freigegeben - ein furchtbarer Spiegel der Welt, in der wir leben! Schockierend, aufrüttelnd, obszön! Versäumen Sie nicht das Ereignis des Jahres! Und vergessen Sie niemals: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!

"Warum bist du undankbar, am Leben zu sein?"

Meine Güte, ist das unlustig...Tschuldigung. :)


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