Mein Körper ist
mein Kapital
Ägypten 2013
030109
Kerze Nr. 1: Pola Negri,
Filmschauspielerin. Gebürtige Polin und
Roma-Angehörige, die als Tänzerin für das Ballett und
Schauspielerin debütierte und u.a. durch Filme von Ernst Lubitsch
zum Weltstar wurde. Ging nach Hollywood und war da sehr erfolgreich,
mußte aber nach wenigen Jahren das Besteck an andere
weiterreichen. Erlangte ebenfalls Weltruhm durch ihre Affairen mit
Chaplin und Valentino. Sang Peter Kreuders "Wenn die Sonne hinter den
Dächern versinkt" und wurde später folgerichtig
Grundstücksmaklerin. Gilt als eine der großen Diven
Hollywoods, wenngleich Hollywood eigentlich niemals besonders nett zu
ihr war. Aber wann ist Hollywood schon nett?
Kerze Nr. 2: Mel Gibson,
"Filmschauspieler". Erlangte Weltruhm in dem Film MAD MAX, in dem er
den Tod seiner Frau und seines Kindes mit Hilfe von Wummen und
PS-starken Autos rächt. Danach ging er nach Hollywood, wo er in
LETHAL WEAPON seinen nackten Arsch präsentierte und in BRAVEHEART
eine extrem groteske Perücke. Seitdem in Erscheinung getreten
durch feierlich wirkende, aber unfreiwillig komödiantische
Regiearbeiten im Jesus- und Mayabereich. Mag angeblich keine Juden.
Kerze Nr. 3: Sergio Leone,
Filmregisseur mit eindeutig genialen Tendenzen. Begründete den
Erfolg des Italowesterngenres und führte es zu einigen seiner
größten Triumphe. Stets interessiert an pompösen
Bildern, verließ er sich niemals auf seinen eigenen Geschmack,
sondern wälzte Historienschmöker, um seinen Werken die
größtmögliche Authentizität zu sichern. In dieser
Hinsicht übertraf er die meisten seiner amerikanischen Kollegen,
die er somit auf ihrem eigenen Terrain schlug. Ein dicker, großer
Mann. Ein Meister.
Kerze Nr. 4: Robert Loggia,
Charakterdarsteller. Einer meiner Lieblinge. Der hat eine Stimme, die
sogar Stahl zum Schmelzen bringt. Ist in unzähligen Kino- und
TV-Filmen als Randfigur eingesetzt worden, nicht selten als gebrochener
Charakter. In SCARFACE spielt er den korrupten Polizeichef, der Tony
Montana Sekunden vor seinem eigenen Ableben als "Rest aus der
Pißrinne" beschimpft. Im hübschen Computerspiel, das dem
Film nachgebildet wurde, leiht er seine unnachahmliche rauchige Stimme
dem Erzähler, der immer die Etablissements ankündigt, bevor
man sie kauft. In "Grand Theft Auto: Vice City" spricht er den
korrupten Bullen Ray, dem man immer in der Bedürfnisanstalt
über den Weg läuft. Familienmitglied. Ich mag den Mann.
Kerze Nr. 5: Michael Schumacher,
Straßenschreck. Von Wiglaf Droste als das "champagnerspritzende
Bananenkinn" bezeichnet, was zwar nicht nett ist, aber sehr lustig. Ich
interessiere mich nur leider überhaupt nicht für Formel 1.
Jetzt, wo Heath Ledger platt ist, kann er ja den Joker spielen!
Kerze Nr. 5: Steve Reich,
Komponist. Einer der namhaftesten Vertreter der Minimalmusik, der in
Interviews immer ausgesprochen nett und unprätentiös
rüberkommt. Mich interessiert es einen Furz, ob der von
Akademikern geadelt wird, aber mir haben seine Kompositionen immer
wahnsinnig gefallen, weswegen ich auch einige in meiner Plattensammlung
führe. Läßt den bodenlosen Kitsch von Philip Glass
vermissen, die jener in seinem Handgepäck führt. Von Glass
kann ich mir nur noch die Oper "Einstein On The Beach" anhören und
den Soundtrack zu MISHIMA, ansonsten ist da echt Feierabend. Steve
Reich hingegen finde ich bescheiden, mutig und toll. Da erklingen
gleich wieder Xylophone...
Kerze Nr. 6: Gisela Schneeberger,
Kabarettistin. War für Gerhard Polt das, was Evelyn Hamann
für Loriot gewesen ist - ein dringend benötigtes
Gegengewicht. Kabarettisten finde ich normalerweise unerträglich,
aber Polts Brachialsalven gegen den
Spät-Wirtschaftswunder-Speckschädel deutscher Abkunft fand
ich immer delektabel und sehr treffend. Manchmal waren die Sachen so
schmerzhaft, daß sie fast nicht mehr lustig waren, aber genau so
stimmt es. Zumindest seinen ersten Kinofilm, KEHRAUS, halte ich
für brillant. Frau Schneeberger ist der Engel an seiner Seite und
eine hochbegabte Künstlerin.
020109
Kerze Nr. 1: Isaac Asimov,
berühmter Ballettttänzer, der mit einer beispiellosen
Interpretation von Tschaikowskys "Schwanensee" Weltruhm einheimste: In
der berühmten Inszenierung von Stanislaw Lem tanzte er den Schwan
mit fünf Füßen. Mit seinen Füßen schrieb er
die Ballettgeschichte quasi neu. Schade nur, daß ich mich niemals
für Ballett interessiert habe. Strawinskys "Petruschka"
führte in seiner Interpretation zu einem mittelschweren Skandal,
da er die aufblasbare Gummipuppe, von der das Ballett handelt, als
Afroamerikaner darstellte, während er tatsächlich
gebürtiger Eskimo ist. Der ethnische Mix war zwar kontrovers,
konnte sich aber eines gesunden Rückhalts in der Moskauer
"Intelligentsia" erfreuen, die ihm ein symbolisches Frühlingsopfer
auf dem Petersplatz darbrachte. Das Bolschoi-Ballett löste sich
kurz danach auf.
Kerze Nr. 2: Ingo
Anderbrügge, Fußballspieler. Langjähriger Held des FC
Schalke 04. Betreibt jetzt eine Fußballschule, meine ich. Der
würde Schalke jetzt weiterhelfen...
Kerze Nr. 3: Peter Patzak,
Filmregisseur. Freund meines verstorbenen Freundes William Berger, der
auch des öfteren in seinen Filmen mitspielte. Arbeitete an der
feinen Krimiserie "Kottan ermittelt" mit. Malt auch und theatert.
Außerdem bereitet er Pinguine zu für Sachertorten (siehe
unten).
Kerze Nr 4: Anna Sacher,
Tortenschöpferin und Hotelbesitzerin aus Österreich.
Ursprünglich von Eskimos abstammend, arbeitete sie sich durch
nimmermüden Fleiß an die Spitze des Wiener Establishments.
Sie rauchte gerne Zigarren und hatte eine rätselhafte Vorliebe
für kleine Bulldoggen. Wenn die kleinen Bulldoggen zu groß
wurden, wurden sie zu den weltberühmten Sachertorten verarbeitet,
die eine Kreation ihres Ehemannes Eduard darstellten. Weitere
Bestandteile der gewagten Kreation waren mehrere Biskuitböden und
eine dicke Lage Pinguinfett mit Lebertran. Obendrauf Schlagsahne mit
einer dicken Wurst mittendrin, einem sogenannten Wiener. Die Ehe blieb
nicht kinderlos.
Kerze Nr. 5: Thérèse
von Lisieux - Karmeliternonne. Führte ein Leben für Gott, von
der Wiege bis zur Bahre, die ihr schon mit 24 Jahren zuteil wurde. Wird
als Heilige verehrt und ist als solche nicht einmal unsympathisch, da
sie sich von dem strengen Gottesbild ihrer Zeit löste und den
Himmel auf Erden auch in den kleinen Gesten des Alltags sah, also
grundsätzliche Vorlieben für die Siechen und Gebeutelten
verriet, was für einen Christenmenschen eigentlich eine
Selbstverständlichkeit sein sollte, es aber häufig nicht ist.
Wird in Frankreich sehr verehrt, und es gab auch mal einen Film von
Pialat zu dem Thema, meine ich. Heilige haben mich immer sehr
fasziniert, aber es gibt so wenige, die nicht talkshowkompatibel sind.
Therese hätte was aus sich machen können, z.B. als
Vertreiberin von Sachertorten, aber so wirkt sie eben als Symbol. Und
mit Sicherheit nicht als Symbol für schlechte Dinge. Die mit den
appen Brüsten war aber eine andere Heilige. (Anmerkung: Heilige
sind für mich alle Menschen, die anderen Menschen
uneigennützig helfen. Das ist nämlich nicht so leicht. Man
muß sich erst einmal selber mögen, und dann etwas von dem
Selbermögen anderen opfern. Sich verachten und dann aufopfern im
Sinne einer vermeintlich guten Sache klappt da nicht. Das ist in der
Regel nur Verschwendung und Eigennutz.)
Kerze Nr. 6: Mahatma Gandhi,
Kolonialfeind. War ein rosinenhafter Inder, der von Ben Kingsley
gespielt wurde in so einem großen Hollywoodfilm. Sein Konzept des
"gewaltfreien Widerstandes" war recht eindrucksvoll und sollte von
einigen seiner Nachfolger entschieden verinnerlicht werden. Das
Festhalten an der Wahrheit, "Satyagraha", wurde später von Philip
Glass zu einer überaus kitschigen Oper umgeformt, die ich
früher mal gemocht habe. Mittlerweile höre ich lieber
Schwäne schreien, denn die meinen es ehrlich.
Kerze Nr. 7: Oswalt Kolle,
Aufklärer. Ganz netter Kuddel aus Kiel, der zur Gallionsfigur der
sexuellen Aufklärung wurde. Bücher wie "Dein Kind, das
unbekannte Wesen" lehrten wirtschaftswunderverschwiemelten Deutschen
einiges über ihre Natur. Frauen fragten sich immer häufiger,
warum sie keine Orgasmen bekamen, und das nicht zu Unrecht. Seine
Bücher führten auch zu einigen mittlerweile nostalgisch
anmutenden Filmen mit Titten.
Kerzen Nr. 8 & 9: Sting,
Xavier Naidoo, Sänger. Sind eigentlich ein und dieselben. Beide
wurden in Newcastle geboren als Sohn eines Milchmannes. Die
großzügige Zufuhr von Milch schlackte ihre Stimmbänder,
mit der sie später die ganze Welt beschallten mit allem, was ihnen
gut, schön und verherrlichenswert dünkte. Sting gelangte zu
Weltruhm mit der Gruppe "Die Söhne Mannheims", der vielleicht
bekanntesten Volksmusikgruppe Deutschlands.
Kerze Nr 10: Paul von Hindenburg.
War, glaube ich, ein sehr dicker Mann, der kaum jemals etwas zustande
brachte. Legendär sind seine Sangesdarbietungen auf Volksfesten in
Westpreußen. Wurde Chef der Obersten Heeresleitung und ernannte
Hitler zum Reichskanzler. Das war seine große Leistung als
Reichspräsident. Er war damals aber schon sehr alt und hätte
nie im Leben mehr einen Wagen steuern dürfen, nicht einmal einen
von Pferden gezogenen. Das mit Hitler war ein Fehler. Er selbst nannte
Hitler einst den "böhmischen Gefreiten", wurde dann aber zum
Umdenken gezwungen, nicht zuletzt durch Einwirkung führender
Industrieller. Am 1. Feber 1933 löste er den Reichstag auf. Knapp
zwo Monate später gab es den neuen Reichstag. Hurra. Etwa ein Jahr
später tatterte er ab.
010109
Der 1. Januar wird überall
auf der Welt gefeiert im Gedenken an
Pierre Abaelard, Schutzpatron der Männer ohne Dödel. Abaelard
war ein französischer Gelehrter, der seine Wanderjahre bereits
hinter sich hatte, als er Hauslehrer einer jungen Dame aus gutem Hause
wurde. Besagte Eloise bekam bald einen dicken Bauch und ihr Onkel einen
dicken Hals. Dem lebenslustigen Hauslehrer wurde der Fauxpas verargt -
der Schildkrötenhals mußte weichen. Daraufhin wurde
Abaelardus Mönch (was sonst?), schaffte es aber trotzdem, sich mit
vielen mächtigen Leuten seiner Zeit anzulegen. Seine Schriften
führten schließlich dazu, daß er wegen Ketzerei
verurteilt und mit Klosterkarzer belegt wurde. Den Karzer sollte er
nicht mehr verlassen, denn bald war er hin. Seine Eloise ließ
sich neben ihm bestatten. Die sterblichen Überreste der Liebenden
liegen heute auf dem Friedhof von Père Lachaise in Paris. Da
kann man auch mal hinpilgern, nicht nur immer zum blöden Morrison.
Sein Dödel übrigens liegt irgendwo anders. (Der von Abaelard,
nicht der von Morrison.) Tja, wäre er mal lieber Bäcker
geworden! (Der Abaelard, nicht der Morrison.)
++++
Das Genre der Rezessionsplauderei
wird im neuen Jahr eine Blüte
erleben. Ich werde mich der Blüte verweigern und die herannahenden
Fährnisse geflissentlich ignorieren. Als erstes habe ich die
Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin ignoriert, womit ich mich aber in
der Tradition der bisherigen Neujahrsansprachen bewege, die von mir
auch komplett ignoriert wurden. Die einzige Ansprache, die ich
wissentlich miterlebt habe, war jene des Dr. Helmut Kohl, bei der man
versehentlich die Ansprache des Vorjahres ausstrahlte. Das fand ich
sehr lustig, wenngleich Dr. Kohl "foul play" vermutete.
Verschwörungstheoretiker befassen sich noch heute mit der
Ausdeutung jenes rätselhaften Vorfalles. (Führt vielleicht
eine unsichtbare Linie von der verdaddelten Ansprache zu den
Vorkommnissen des 11. September 2001?)
++++
2009 steht für mich im
Zeichen der geistigen Wandlung. Ich bin
jetzt 40 und möchte gerne erwachsen werden. Die ganze Menschheit
steht vor dem Universum und fragt sich, was sie eigentlich machen soll.
Klingeltöne und das Bewußtsein der herannahenden
ökologischen Katastrophe regieren die Welt. Ratlosigkeit macht
sich breit. Bei der Vierschanzen-Tournee erzielen die meisten Springer
bewunderungswürdige Weiten und sehen dabei nicht selten so anmutig
aus wie fliegende Eisprinzessinnen. Ich habe mir das Spektakel zum
ersten Mal seit meiner Kindheit angesehen und fragte mich, wie ich wohl
abschneiden würde. Wahrscheinlich würde ich wie ein Stein zu
Boden plumpsen und eine Weite von 5 Meter 30 erzielen. Dabei würde
ich eine Lawine auslösen, die die Leiche von Luis Trenker
freisetzt, die durch jahrelange Bergramponierungen auf
Godzillagröße angewachsen ist. Das wäre ein Theater!
Möglicherweise würde ich auch in eine Douglastanne
hineinkacheln, von der ich in bester Donald-Duck-Tradition
zurückgefedert werde. Die Weite wäre dann vermutlich minus
50. Vielleicht würde ich auch direkt ins Podest hineindonnern.
Gleich beim ersten Mal Podest - das wünschen sich viele. Meine
Lieblingsvorstellung wäre allerdings, daß ich auf einem
Storch lande, der mich dann ohne Zwischenstop nach Spanien fliegt. Bei
meinem Glück lande ich aber auf der Leiche von Luis Trenker.
++++
Ich bin gut ins neue Jahr gekommen
und hoffe selbiges auch für
meine Leser. Wir haben gestern AMAZONEN AUF DEM MOND gesehen und
wichtige politische und kulturelle Grundfragen erörtert. Der Wein
war gut und bedurfte nur eines schlappen Aspirins in der Nachbereitung.
Ein Weißwein war allerdings klebrig, schmeckte nach
süßen, von schwulen Zwergen gekelterten Trauben und ist
immer noch in meinem Atem zu riechen. Süffig im Abgang, oder wie
man da sagt. Lieblich wie eine Winterlandschaft aus Zuckerwatte. Da
kann man sich gleich mit Pflaumenlikör betrinken. Igitt.
++++
Mein Kopf läßt noch
keine wirklichen geistigen
Quantensprünge zu, weswegen ich erst einmal über Geburtstage
sprechen werde. Ich möchte mich nämlich weiterbilden, und
werde nicht davor zurückscheuen, das erworbene Wissen geballt
über den Leser auszuschütten. Außerdem möchte ich
mich auf diese Weise dazu zwingen, den Ticker regelmäßig zu
aktualisieren. Den Anfang macht also Bruder Abaelardus, Schutzpatron
der Phantomschmerzen. Wer hat noch heute Geburtstag?
++++
Kerze Nr. 2: Mieze, Sängerin
von Mia. Über die weiß ich
leider nicht viel. Sieht aber hübsch aus. Grüße nach
Berlin! Die Mieze ist 11 Jahre jünger als ich, aber das ist schon
okay.
++++
Kerze Nr. 3: Alexander der
Große. Mazedonischer Tausendsassa,
Schutzpatron der latent Homosexuellen, die von der Geschichtsschreibung
geradegebogen werden. Glaubt man der Darstellung von Colin Farrell in
dem Stone-Film, hatte Alexander auch ausgeprägte Augenbrauen und
einen Dackelblick, der etwas an Christoph Lambert erinnert, nur nicht
so schlimm. Er wurde irgendwann geboren und starb mit gerade einmal 32
Jahren im weit aufgesperrten Rachen eines Nilpferdes. Im Laufe seines
kurzen, aber ereignisreichen Lebens eroberte er viele Länder. Der
mit den Elefanten war aber jemand anders.
++++
Kerze Nr. 4: J. Edgar Hoover,
Schutzpatron der
Damenwäscheträger. Legendärer Chef des FBI, der vielen
Präsidenten ein Dorn im Auge war, aber genügend belastendes
Material über seine Vorgesetzten hatte, um unantastbar zu sein.
Wird gerne als Homosexueller dargestellt, war aber tatsächlich
eher ein Kontrollfreak und Machtmensch reinsten Wassers. Solche
Menschen sind für gewöhnlich an Sex eher desinteressiert und
befassen sich stattdessen zwanghaft mit dem Privatleben anderer
Menschen. So etwas wie der Bundestrojaner wäre für J. Edgar
ein Wunschtraum gewesen.
++++
Kerze Nr. 5: Walter Matthau,
Schutzpatron aller Leute, die nach dem
verkaterten Aufstehen genauso aussehen wie ich. Matthau wurde
garantiert direkt nach einem zünftigen Besäufnis gezeugt und
machte daraus eine langanhaltende Filmkarriere. Vornehmlich in
Komödien eingesetzt, die er stets durch seine genervt wirkende
Miene aufwertete, bestach er auch in ernsthaften Rollen, etwa in Sidney
Lumets ANGRIFFSZIEL MOSKAU. Ein reiner Titan, der Mann. Der Prototyp
des "Deadpan"-Komikers, der allerdings auch ein breites Grinsen drauf
hatte, das zu sagen scheint: "Ja, ja, red´ du nur, du Hansel..."
Unnachahmlich.
++++
Kerze Nr. 6: Idi Amin Dada,
Schutzpatron der geisteskranken Diktatoren.
Vorbild für unzählige Gangstarapper. Entstammt der
Haribo-Sippe vom Volke der Kakwa im Südsudan. Begann als Soldat in
der britischen Kolonialarmee, wo er u.a. beim Mau-Mau-Aufstand Anfang
der 50er in Kenia brillierte. 1971 erlangte er durch einen Putsch die
Macht in Uganda. In seiner gerade mal achtjährigen Amtszeit
mußten ca. 500000 politische Gegner ihr Leben lassen. Idi Amin
galt als großer Exzentriker. Zu seinen Eigenheiten zählten
etwa Kannibalismus, das unbeherrschte Köpfen von Mitmenschen und
eine überaktive Libido, bei deren Bekämpfung er nicht einmal
vor den Zierpflanzen seines Palastes halt machte. Auch soll er einmal
aufgrund eines Wutanfalles seinen langjährigen besten Freund, den
Kanarienvogel Heinz, roh verspeist haben, als ihm dessen Gesinge auf
die Nerven ging. Sein Leben war Vorbild für eine ganze Reihe von
Filmen, darunter DER SCHLÄCHTER IDI AMIN, DER LETZTE KÖNIG
VON SCHOTTLAND und ICH BIN DER GRÖSSTE.
151208
Weihnachten naht. Weihnachten und
nichts auf der Naht. Weihnachten
nackt? Den Weihnachtsmann einmal nackt zu sehen, gehört nicht zu
meinen persönlichen Wunschträumen. Er gehört in roten
Stoff gehüllt, dick und mit Rute. Ihn nackt zu sehen, hieße,
Respekt vor einem Idealbild einzubüßen. Klammheimlich
stiehlt er sich den Schornstein hinab, um Glück und Segen in den
Haushalt eines jeden zu bringen. Sein Wohlwollen kennt dabei schier
keine Grenzen. Selbst Wolfgang Schäuble bekommt bestimmt Besuch
vom Weihnachtsmann. Auch Osama Bin Laden bekommt (vermutlich) Besuch
vom Weihnachtsmann, und die beiden streiten sich dann darum, wer wohl
den schöneren Bart trägt. Beim Freudianer gibt es den
Penisneid, beim Weihnachtsmann den Bartneid. Der Rauschebart von Santa
Claus war das direkte Vorbild für die Gesichtsbehaarungen von Karl
Marx und Friedrich Engels. Deswegen ja auch Engels. Auch Harry Rowohlt
fällt einem da ein. Mit dem Gedanken, einen Bart zu tragen, trage
ich mich schon seit Jahrzehnten. Allein, mir fehlt der Mumm. Es ist
auch verflucht schwer, sich einen Bart auszusuchen. Ein Schnurrbart
geht ja schon mal gar nicht, weil man damit aussieht wie ein
handelsüblicher Rummelplatzstecher. Oder ein homosexueller
Mafioso, Don Crisco, der Mann, der einem ein Angebot macht, das man
nicht abschlagen kann. Wenn der Schnurrbart zu kurz ist, sieht man aus
wie Hitler, und wer möchte das schon? Mit kompetent angelegter
Gesichtsmatratze verwandelt man sich in einen überaus
bedenkenlosen Opportunisten, der die Gruppe 47 verpaßt hat und
Der Hl. Nikolaus von Myra wurde
geboren in Castrop-Rauxel im 3.
Jahrhundert. Seine Leistungen auf dem Gebiet der
Filzmützenproduktion waren legendär und ließen ihn
schon früh eine angesehene Stellung in der Siedlung einnehmen, die
Castrop-Rauxel damals darstellte. (Man darf nicht vergessen, daß
Castrop-Rauxel zu jener Zeit noch nicht die schillernde Metropole war,
als die wir es heute kennen und lieben.) Außerdem war er Fachmann
im Entbeinen von Engerlingen. Seine etwas eigentümliche Vorliebe
für bunte Hüte brachte ihm den Ruf eines Sonderlings ein. Da
er aber Ruhm & Ehren auf die Dorfgemeinschaft häufte, geriet
ihm dies nicht zum Nachteil, sondern sicherte ihm volkstümlichen ---------- Rest zensiert
291108
Au weia, schon wieder ein Monat vergangen! In Tickerzeit ist das sehr
lang, aber gemessen an meinem momentanen Tagesablauf ist das nur ein
Klacks. Die Monate verfliegen. "Eins, zwei, drei, im Sauseschritt/
läuft die Zeit, wir laufen mit", wie das Wilhelm Busch mal
formulierte. Am Freitagabend amüsiert sich die Welt, aber ich bin
zu gut für diese Welt. Deshalb habe ich den festen Entschluß
gefaßt, schon um 22 Uhr schlafen zu gehen. Jetzt ist es 2 und ich
sitze immer noch hier herum. Schuld daran ist eine Flasche
Spätburgunder, die mir in die Quere gekommen ist, sowie BULLETS
OVER BROADWAY, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte und einer
erneuten Begutachtung für dringend würdig erachtete. Das
Gelächter war laut und dürfte meine Nachbarn erreicht haben,
auch jene, die mir immer die schöne Klaviermusik plus Gesang
schenken. Ich habe einmal anderthalb Jahre über einem christlichen
Klavierspieler gewohnt, dessen Repertoire "Es gibt kein Bier auf
Hawaii" ebenso umfaßte wie "Eine feste Burg ist unser Gott",
"Hawa Nagila" und "Imagine all the people". Mann, war das eine dumme
Sau. Er hat mir eine lange Zeit der Folter beschert, zumal er zu seinen
kläglichen Sangesdarbietungen (á la René Kollo
für ganz, ganz Arme) ständig ein
Sich-freimach-Brunftgeräusch absonderte, das etwa wie
"Huääärrch!" klang und dem Geräusch ähnelte,
das Jack Lemmon immer in EIN SELTSAMES PAAR macht, wenn er seine
Stirnhöhlen freikriegen will. (Was unterscheidet ein Klavier von
einer Gitarre? Ein Klavier brennt länger.) Meine Nachbarin ist
wenigstens Profi und singt ziemlich gut, aber Spaß macht das
trotzdem nicht immer, zumal ich seit meinem neuerworbenen Solosein auch
nicht immer zum Tanzen aufgelegt bin. Sei es drum, ist ja nicht
dramatisch. Dramatisch ist, daß jetzt auch noch andere Nachbarn
ein Klavier haben, das - obwohl weiter entfernt - viel lauter ist und
mein Wohn- und mein Arbeitszimmer abdeckt. Schubert und Klezmer decken
mein Schlafzimmer und das meiner Ex ab. Wenn ich mich also mit
Sicherheit entspannen möchte, kann ich das auf dem Klo oder in der
Küche. Eine Badewanne habe ich auch nicht. Würde mich jemand
erschießen?
++++
Und damit wären wir auch schon beim ersten Thema meiner
fröhlichen Betrachtungen: Selbstmord! In den letzten Tagen habe
ich des öfteren von Leuten gelesen, die sich in sogenannten
Selbstmordforen verewigen und sich sogar vor Webcams in die ewigen
Jagdgründe befördern. Äußert man vor Zeitgenossen
einmal den Gedanken, es möge doch bald der Onkel mit dem Kehrblech
kommen und man könne ihm gerne dabei zur Hand gehen, kommt
meistens der Satz: "Selbstmord ist doch keine Lösung!" Das ist
natürlich totaler Quatsch, denn Selbstmord ist natürlich eine
Lösung, sogar eine sehr konkrete und nachhaltige. Es ist nur in
den meisten Fällen die falsche. In meinen düstersten Momenten
überlege ich, daß es tatsächlich Fälle geben mag,
in denen Selbstmord sogar die bessere Lösung sein kann - wenn
nämlich nur noch Schmerz, Wahnsinn und Tod zu erwarten sind und
man am Schluß derangiert mit einer Pumpgun durch Castrop-Rauxel
läuft und lauter Unschuldige mit in den Abgrund reißt, aus
lauter Dummheit und/oder Nabelfixiertheit. Der Witz ist aber der,
daß die meisten Schwerdepressiven (von denen es laut
wissenschaftlicher Studien beständig mehr gibt, auch solche in
jüngerem Alter) sich überaus willig in solch eine Kategorie
einteilen würden: "Schmerz, Wahnsinn & Tod, Anwaltskanzlei?
Hallo, hier!" Wenn man depressiv ist, kann man wohl unterscheiden
zwischen solchen, die immer unter einer düsteren Glocke leben, die
sich gewöhnt haben an Elend & Gram. Wenn man dort als
Außenstehender mit echten oder getürkten Argumenten zu
kommen versucht, stößt man meistens auf erbitterte Abwehr,
nicht selten in aggressiver Haltung. Natürlich denkt dann jeder
Depri, der es gewohnt ist, seinen/ihren Alltag nur noch als eine
komplette Zumutung zu betrachten und von sich als "Patient, verkorkst,
Opfer, Arschkarte" zu denken, er würde im Ausmaß seines
Leidens nicht ernstgenommen. Es gibt auch noch die zweite Gruppe, die
noch immer viel Spaß und Schönheit mitnehmen kann, dann aber
immer massiv abstürzt, aufgrund unrealistischer Erwartungen an den
Rest der Welt. Ich kann beide Gruppen gut verstehen, aber aus
irgendeinem Grunde kann ich den U-Bahn-Schaffner noch viel besser
verstehen, der zum Psychiater laufen muß, weil sich zum sechsten
Mal eine arme Sau vor seinen Zug gestürzt hat und er dann hilflos
drübergebrettert ist. Leiden macht immer egozentrisch, es ist
leider so. Man nimmt die Umwelt nicht mehr wahr, jedenfalls nicht mehr
so, wie sie es verdient. Wenn es mir scheiße geht, denke ich
auch, im Ruhrpott laufen nur Homunkuli herum, Laborexperimente,
versetzte Gesichter mit Menschen unten dran. Blut, Fleisch und Knochen,
wie ich immer zu sagen pflege. Es gehört aber zu den großen
Leistungen der menschlichen Persönlichkeitsbildung, zu
realisieren, daß alle Menschen, die einen umgeben,
tatsächlich genauso Menschen sind wie man selber. Keine bezahlten
Schauspieler in dem Theaterstück, in dem man selber aufgrund
großen Talents und hervorragender menschlicher Qualitäten
die Hauptrolle spielt. Die anderen spielen bei sich genauso die
Hauptrolle. Ist verwirrend, aber es ist so. Unter jedem Grabstein ruht
eine Weltgeschichte, meinte mal ein toter Mann. (War Heine, glaube
ich.) Die Egozentrik des Leidens will es nur, daß man in den
infantilen Status des Andere-Leute-Ignorierens hineinrutscht und sich
selbst für den Desinfektionsstein in Gottes Pißbecken
hält. ("God´s only man", wie es bei Travis Bickle in TAXI
DRIVER heißt.) Eine irrige Vorstellung. Weder Bildung noch gutes
Benehmen halten einen fern von dieser überaus schädlichen
Vorstellung, die immer Asoziales gebiert. Ich habe volles
Verständnis dafür, wenn man sich umbringen möchte. Ich
habe auch schon Phasen gehabt, in denen ich Eiter abgesondert habe und
nur gedacht habe: Ha, Menschen stinken, sind das Letzte, kill ugly
animals, Tiere sind besser, und dergleichen blabla. Ich habe in den
letzten 10 Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen
gehabt, die mir jeden Tag meines Lebens Schmerzen bereitet haben, und
ich habe sehr häufig geheult und mich gefühlt wie der Trottel
vom Arsch seinem Deppen. Die Details erspare ich dem Leser aus
jugendschutzrechtlichen Gründen und weil´s mir schlicht
peinlich ist und es niemand was angeht. Ich habe einige Male die Grenze
kennengelernt, an der man denkt, es ginge nicht weiter und man
könne nicht mehr ertragen. Es ist dann nicht wirklich
tröstlich (und dem Selbstmitleid mit Sicherheit abträglich),
wenn man dann feststellt: Oh ja, es geht noch weiter und man kann noch
mehr ertragen, hurra. Was mir bei allem Klöterkram meine 40 Jahre
aber mittlerweile beigebogen haben, ist der simple Umstand, daß
das Leben eine überaus faszinierende Angelegenheit ist, und es
geht mir da wie bei einem guten Film oder einem guten Buch - ich
möchte den Schluß nicht versäumen! Wenn man nach einer
Botschaft sucht, ist man verratzt, aber der Weg ist gesäumt von
allerlei Interessantem. Man verliert manchmal die Lust nach der Suche
nach diesen Sachen, und der Spaß ist weg, die Leidenschaft und
die Wut. Das alles ist wichtig, aber es kommt wieder. Statt mit einer
Pumpgun rumzulaufen und vermeintliche Asis abzuknallen, kann man auch
viele andere Dinge machen. Man kann heftig masturbieren; zum zehnten
Mal CASABLANCA schauen, weil das ein so toller Film ist; nach Anzeichen
von menschlicher Intelligenz Ausschau halten; wenn man sie nicht
findet, Enten kucken gehen oder sonstige Tröstung im Tierreich
finden, wo graue Wonnebatzen im Schädel nicht soviel Unfug
verursachen; oder alles gleichzeitig! Oder man kann einfach auf den
Frühling warten, ins Muttental fahren und dort die so ganz und gar
nicht rätselhafte Schönheit bestaunen, die in der Natur
wohnt. Ich halte das Leben mittlerweile für heilig, und es ist
vermessen, egozentrisch und ekelhaft, es im Lokus runterzuspülen.
Es ist einfach der Fixpunkt der Egozentrizität, so etwas zu
machen. Gibt es so etwas wie einen Leidemeter? Wer mag sein eigenes
Ungemach mit dem eines Mitmenschen vergleichen? Ist doch totaler Kohl.
Wenn man sich den Hahn abdreht, ist einem alles egal. Die Freunde, die
sich niemals gemeldet haben und die es nicht besser verdient haben?
Jau, toll, die haben ihre eigenen Probleme. Trotzdem wird sich jeder
fragen, ob er nicht doch etwas hätte sagen können, oder
anders sagen können. Und das ist ungerecht. Ich hätte mich
selber niemals gesnuffed, schon, weil ich das meinen Eltern niemals
angetan hätte. Wenn sich irgendein Leser mit dem Gedanken an
Suizid beschäftigt, so empfehle ich ihm/ihr, das Buch "Galapagos"
von Kurt Vonnegut zu lesen, denn da lernt man alles über die
biochemischen Reaktionen in den großen grauen Wonnebatzen in
unseren Schädeln, über grausige Mißverhältnisse
und über die Evolution. In einer Million Jahre sind wir
nämlich alle Delphine, jawoll! Das Buch ist tröstender als
jeder Gottesdienst, denn ich glaube ja nicht. Ich glaube allerdings
daran, daß Selbstmordforen die letzte Inkarnation des Internets
darstellen, die den Verzagten eine bequeme Kuschelecke einrichten, die
ihrem egozentrischen Elend einen letzten Bärendienst erweisen.
Eine Pornoseite wäre da sinnvoller. Ich habe mir nämlich
immer vorgestellt, wenn ich mir über die Relativität des
eigenen Leides Gedanken gemacht habe, wie das auf einer Beerdigung
wäre. Wenn da Leute rumstehen, die aus Gram über den Verlust
eines geliebten Menschen kaum noch bei Sinnen sind, versackt in ihrer
eigenen Leidewelt. Wenn man einen der Trauernden mal in den Arsch
treten würde, wie in einem alten Slapstick-Film. Der würde
nämlich für einen Moment nicht mehr trauern, sondern sich
sehr menschlich denken: Hey, was ist das denn für ein
Geisteskranker? Da wäre die Relativität vielen Leidens
nämlich offen zutage, denn man läßt sich wirklich sehr
leicht in solch einen Gemütszustand hineinsacken. Die Wahrheit
(meines Erachtens) ist: Stillstand ist Tod. Scham ist für die
Katz. Man soll sich niemals schämen. Man soll das
zusammenknüllen und über die eigene Schulter schmeißen.
Die meisten Spitzenleistungen, die man erbringt, werden niemals von
irgendjemandem gewürdigt werden, insofern ist man schön doof,
wenn man auf Applaus wartet. Wenn Applaus kommt, ist der nett, aber nur
in Maßen. Wenn man Mist baut, gibt es dafür auch keine
Buhrufe, die ernstzunehmen wären. Es werden keine Haltungsnoten
verteilt in diesem Leben. Man soll nur halt zusehen, daß man es
beim nächsten Mal besser macht. Sich Mühe geben - darauf
kommt es an. Scham ist für die Katz. Der Lohn ist zwar nicht das
Himmelreich, aber viele, viele interessante Sachen. Und ich werde nicht
müde, mich daran sattzusehen. Und wenn der große, graue
Wonnebatzen mal ziept, lege ich mich halt mal hin, damit das vorbei
geht. Es geht nämlich immer vorbei, auch wenn man sich mit
Händen und Füßen wehrt.
++++
Was für Themen habe ich sonst noch? Ich habe heute zum ersten Mal
seit Jahren eine Dose Smarties geöffnet - die erste seit etwa
einem Jahr. Die Smarties sahen mißgestaltet aus, als ob sie in
der Sonne gelegen hätten. Vielleicht hatten sie auch eine
gruselige Geschlechtskrankheit. Sie schmeckten aber trotzdem gut. Das
versaut mir ja immer das schönste Elend - daß so viele
Sachen so gut schmecken. Selbst an einer Geschlechtskrankheit leidende
Smarties. Man weiß ja nie, was drinsteckt. Soll man deshalb das
Leben ad acta legen, nur weil die Smarties sinister aussehen? In meinem
Kühlschrank gibt es viele Sachen, die nicht mehr hasenrein
scheinen. Meine abgepackten Käsehäppchen (incl. Zahnstocher)
jagen mir zuweilen Angst ein. Sie schmecken trotzdem gut und machen
schön dick.
++++
Mein Pornobuch habe ich mittlerweile abgeschickt. Der prominente
Gastschreiber (mittlerweile Papa geworden - maseltov!) hat mir auch
noch eine Revision seiner Beigabe geschickt. Das sieht ja aus nach
einer perfekten Buchveröffentlichung. Jetzt hoffe ich nur noch,
daß mir die Feministinnen bei den Lesungen nicht zu sehr auf den
Dutt hauen werden. Wenn die schon beim Wiglaf sauer werden, kriege ich
da wohl schweren Seegang. Na ja, wenn die mich für einen
bösen Menschen halten wollen, dann werden sie das wohl auch. Ich
stehe für Diskussionen gerne bereit. Bei dümmlichen
Anfeindungen werde ich halt abwinken bzw. die Leute mal machen lassen.
Ist ja nur Werbung. Wenn Annette Schwarz oder Katrina Kraven Hallo
sagen, werde ich begeistert sein. Wenn ich nette Feministinnen treffe,
die sich tatsächlich unterhalten wollen, nicht minder. Ich bin mal
gespannt, was das gibt. Andrea Dworkin wird sich wohl nicht in meinen
Fanclub einschreiben, und auch nicht Alice Schwarzer, nachdem ich ihren
tollen Text über Leni Riefenstahl gelesen habe... Aber Linda
Williams, hoffe ich. Die ist nämlich recht cool.
++++
Osama ist mittlerweile Kanzler. Was daraus wird, muß man halt
sehen. Ich halte den Mann für sehr integer, aber er hat
Erwartungen gerecht zu werden, die wohl kaum jemand einlösen kann.
Let´s face the music - mal schauen. Den Schmusekurs für die
deutsche Regierung wird das kaum geben, und ich hoffe, daß sie
(=Frau Merkel) ein gesundes Mittelmaß halten können wird. Um
jeden Preis sollte man dem zu erwartenden Kurs der USA nämlich
nicht erliegen, wie sehr ich die Wahl auch begrüße. Denn in
jedem Falle wird Obama sich denselben machterhaltenden
ökonomischen und außenpolitischen Faktoren beugen
müssen wie jeder andere gewählte Präsident. Wenn was
besser wird, wäre ich hocherfreut. Und jede Besserung innerhalb
der USA ist auch besser für den Rest der Welt.
++++
Zu Hoffenheim wollte ich auch etwas schreiben, aber das mache ich
einfach demnächst mal. Werder und Schalke mittelmäßigen
sich derzeit um Kopf und Kragen. Oh je.
++++
Der Spätburgunder geht allmählich zur Neige. Der große,
graue Wonnebatzen hat zu einem gemäßigten Equilibrium
geführt, das von gefährdeten Grenzbefestigungen umrandet
wird. Vielleicht sollte ich einfach weiter "Scarface" auf meinem
Computer
spielen, um meine Sinne zu betäuben und meine Offenheit für
neue Impulse abzutöten. Neue Abschlagplätze für Drogen
eröffnen und der Konkurrenz die Tür weisen, indem ich sie mit
meinem Brahma-Panzerwagen plattwalze. Vielleicht sollte ich auch dem
Leben eine Chance geben. Warten, bis die Kaulquappen demnächst
wieder in den Pfützen auf der Halde herumstrolchen und den
einzigen richtigen Weg weisen. Der ist amphibiesk und ungestalt, aber
er wühlt das Wasser auf, ist fern von Stillstand und
verheißt Nachwuchs. Da wuselt es im Unterholz. Da gräbt es
den Boden um. Und da kommt auch - fern vom Wonnebatzen - einiges bei
rum. Da lernt man mehr als im Fernsehen oder im Kopfleben.
++++
Die Kaulquappen wuseln, egal, ob´s mich graust oder nicht. Die
interessiert das gar nicht. Die ziehen ihre Kreise, und die sind
unberechenbar und wundervoll. Die kann man mathematisch einkreisen,
aber niemals ganz erfassen. Ihre Bahnen kann man wahrscheinlich
berechnen und mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung
vorausbestimmen, aber was tatsächlich passiert, weiß
niemand. Und da sind sie einfach nur meine Vorstellung von Leben. Die
Delphine werden siegen. Es ist recht so.
251008
Um den berühmten Dichter Novalis zu zitieren: Ich wollte meinen
Newsticker ja mal wieder etwas häufiger aktualisieren. Geschehen
ist nicht viel, sieht man einmal davon ab, daß ich nackt um die
Stadt gelaufen bin 000000und trotzdem zwei Pfund zugelegt habe.
Vielleicht
sollte ich demnächst wieder einmal meinen Trimm-dich-Trainer
reaktivieren und durch elysische Felder strampeln. (Das war jetzt das
Novalis-Zitat!) Möglicherweise hilft mir auch das
Massagegerät, das mir neulich geschenkt worden ist. Es sieht ein
wenig aus wie eine Spinne aus Metall, nur daß die Beine ungemein
filigran gestaltete Drahtfinger sind, die einem bei
sachgemäßer Behandlung die Kopfhaut kribbeln lassen. Ob es
tatsächlich - wie die Verpackung behauptet - gegen Depressionen,
Verspannungen, Kopfschmerzen, Haarausfall und vermutlich auch
Darmträgheit hilft, bleibt abzuwarten. Immerhin fühlt es sich
gut an. Man darf sich nur nicht bei der Anwendung beobachten lassen,
sonst landet man auf dem Titelblatt irgendeines Revolverblattes. Und
wer will das schon?
++++
Hätte Robert Koch einen solchen Kopfmasseur gehabt, hätte er
garantiert keine Jahrzehnte benötigt, um seine bahnbrechenden
Entdeckungen auf dem Gebiet der Medizin zu machen. Nach meinem schon
seit längerem fertiggestellten Kriminalhörspiel "Totenwache" habe ich jetzt
ein weiteres Werk begonnen, das sich aber mit der oben genannten
historischen Persönlichkeit befaßt. Schon der Anfang macht
klar, daß ich darum bemüht sein werde, mich an die Fakten zu
halten, soweit sie überliefert sind. Im Zentrum meines
Hörspiels steht der geradezu unermüdliche Forscherdrang
Kochs, der nicht davor zurückscheute, bestehende Tabus und
Vorurteile zu überwinden. Dem Fortschritt des Menschen auf seinem
Weg in das Universum nutzbar zu sein und die Fackel der Weisheit lodern
zu lassen, ist des Wissenschaftlers schönste Zier. Ich werde
versuchen, dem vielschichtigen Charakter Robert Kochs Rechnung zu
tragen, dem gewidmeten Wissenschaftler, dem großen Humanisten,
aber auch dem leidenschaftlichen Liebhaber. Ich werde nichts
verschweigen. Auch der bucklige Gehilfe Gonzales wird
berücksichtigt werden, der in der ja nun doch recht staubigen
Verfilmung mit Emil Jannings leider unter den Tisch gefallen ist. Man
soll Bucklige nicht unter den Tisch fallen lassen. Bei der Entdeckung
des Tuberkels habe ich mich ein klein wenig von ALIEN beatmen lassen,
aber es soll ja auch spannend sein. Wie diese neuartigen
Historiensendungen, wo immer ein Laienspieltrupp vom
Mittelalterspektakel um Karl den Großen herumtanzt. Die laufen
mittlerweile ja sogar im ZDF, was ich ziemlich doof finde. Wenn ich
Geschichts- oder Natursendungen sehe, will ich es mit staubigen
Folianten und Bildern von glücklichen Pinguinen zu tun haben.
Meinetwegen auch unglücklichen - ich bin kein Pedant. Aber um
Himmelswillen keine Computeranimationen von blöden Sauriern. Die
sind ausgestorben, und da taten sie recht dran. Was mir Gelegenheit
gibt, darauf hinzuweisen, daß der mittlerweile vierte Band von "nichtlustig"
herausgekommen ist und mit neuen Stories zu Yetis, Sauriern und dem
vortrefflichen Mann in der Wand aufwartet. Auch gibt es eine neue
Figur, die mir sehr gefallen hat: der Zauberkünstler und Klempner
Fäkalini! Wie immer sind die Geschichten nicht lustig und deshalb
unbedingt kaufenswert. Auf der oben verlinkten Webseite vermeldet der
Zeichner übrigens, daß er gerne bei Leuten übernachten
möchte.
++++
Zwei weitere Hörspiele sind angedacht, aber noch nicht angefangen
worden. Eines um einen einsamen Cowboy, das "Django & Dada - die
tödlichen Drei" heißen soll. Der Held trägt die
Bezeichnung "Die rechte Hand des Teufels" mal wirklich zu recht, denn
es wird sehr einsam in der Prärie. Und dann noch eine Geschichte
um ein furzendes Gespenst. Ein Wunder, daß noch niemand vor mir
auf diese sehr naheliegende Idee gekommen ist - ein Gespenst, das man
riechen kann. Die Welt darf gespannt sein...
++++
Wenn das mit den Hörspielen nicht klappt, kann ich immer noch an
den Flughafen gehen und Nacktscanner kontrollieren. Ich täte das
sehr gerne. Bei meinem momentanen Glück kämen da aber
garantiert nur Leute von der Groteskpassantenvermittlung, um sich von
mir gierig begaffen zu lassen. Schäbige Wurzelsepps halt, so wie
man´s kennt.
161008
THE BRAIN FROM PLANET AROUS (USA 1958)
Inhaltsangabe: Der bekannte Filmjournalist Christian K. (John Agar)
muß sich aus nicht näher bezeichneten gesundheitlichen
Gründen einer Computertomographie unterziehen. Im Vorfeld plagen
ihn Ängste: Habe ich das Gas abgestellt? Habe ich allen Freunden
gesagt, wie sehr ich sie liebe und wertschätze? Werde ich jemals
wieder zur Erde zurückkehren? Mit dem festen Vorsatz, einen klaren
Kopf zu bewahren und erstklassige Haltung an den Tag zu legen, begibt
er sich zum Radiologen. Im Wartezimmer trifft er viele liebenswerte
Menschen, u.a. die dicke Dame, die sich dezibelstark darüber
beschwert, daß man sie trotz Termins über den grünen
Klee warten läßt. Sie kriegt sich gar nicht wieder ein,
gehört sie doch zu den Leuten, die sich kein X für ein U
vormachen lassen, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die
Sprechstundenhilfe bewies Charakterstärke und ließ die laute
Dame in ein totes Gesicht sülzen. Nach einer angedrohten
Beschwerde beim Gesundheitsamt (ha ha!) hievte sich die
Beschwerdeführerin auf die Stühle im Wartezimmer - einen oder
zwei, ich weiß es nicht mehr genau! - und machte die Umsitzenden
zu Ohrengeiseln. Ich - äh, Filmjournalist Christian K. (John Agar)
saß und wartete. Und wartete. Stundenlang. Der fromme Vorsatz zur
guten Haltung fiel in sich zusammen wie ein Hefeteig um Mitternacht.
Würden die Ärzte vielleicht doch irreparable Schäden in
seinem Schädel feststellen? Komplette Verwurmung der
Hirnnebenrinde? Dummheit? Die nächsten Stunden mochten sein Leben
total umkrempeln. Nach etwa anderthalb Stunden hielt er es nicht mehr
aus und ging zur Sprechstundenhilfe. Siehe da, sein Zettel war
verschlampt worden. "Sie sind als nächster dran, Herr K.!" Herr K.
ist gleich dran - schön. Christian K. wurde aufgerufen und begab
sich in ein Kabäuschen. Dort wurde er aufgefordert, sich
sämtlicher Kleider zu entledigen bis auf seinen Lendenschurz und
ein Lätzchen, das er um den angeschwollenen Hals trug. Er legte
sich auf einen Tisch, der dann in eine Röhre gefahren wurde. In
der Hand hielt er eine Blase, die durch sanften Druck einen Bimmelton
auslösen würde, der dem Personal signalisieren würde,
daß er gleich einen Ausraster hat. Dann begann der Spaß:
Lustige Soundkaskaden droschen auf ihn ein, eine Mischung aus
frühem Industrial und sehr reduziertem Techno. Insgesamt waren
es zwei Stücke à 15 Minuten Länge, während
derer er nicht schlucken sollte. Tatsächlich war es schwierig,
nicht mit dem ganzen Körper mitzuswingen, denn der Lobotomieblues
ging in die Beine. Besonders Teil 2 war sehr cool und begann mit
schmissigen Dancefloorrhythmen mit verzerrten Bassfrequenzen,
abgelöst von einem überführenden Fiepen, das in den
nächsten All-Rock-Assault geleitete. Daß das von der
Krankenkasse bezahlt wird, finde ich super! (Es wird ja viel zu viel
über die Krankenkassen gemeckert...) Die Prozedur war völlig
schmerzfrei, und die einzige Angst, die Christian K. quälte, war
die Sorge um die Reaktionen seines Körpers, namentlich einer
möglichen
Monsterlatte im Angesicht der Krankenschwester. Es ging dann aber alles
gut. Nur bei einer speziellen Frequenz begann sein Bauchfell zu zucken.
Das war schon etwas kurios.
++++
Tja, die Wunder der modernen Medizin! Ich werde also vermutlich noch
meinen 40. Geburtstag feiern, aber das ist nicht immer ein Trost. Die
Schauspielerin Pier Angeli brachte sich bekanntlich einst mit 39 um,
weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, 40 zu werden. Das ist nun
mal wirklich eine ganz bekloppte Begründung für einen Suizid.
Sollte ich dereinst meinen eigenen Stecker ziehen, so wird meine
Abschiedsnachricht eher den Spuren von George Eastman folgen - dem
Erfinder des Kodak-Films, nicht dem "Man Eater"! -, der lapidar
bemerkte: "My work is done." Das ist Stil, das hat Klasse! Umbringen
werde ich mich aber voraussichtlich nicht, denn ich habe ja vor, ewig
zu leben. Nicht im christlichen Sinne, sondern ganz konkret: Wenn ich
die 100 überschreite, werde ich meine Altersweisheit bündeln
und dem Sensenmann den fälligen Kotau verweigern. Werde ihm den
Fehdehandschuh ins bleiche Antlitz schmeißen. Wie die dicke Dame,
die sich kein X für ein U vormachen läßt. So haben wir
nicht gewettet!
++++
Die war wirklich sehr dick. Mein Pornobuch wird voraussichtlich
später im Jahr erscheinen. Damit der Umfang keine kommerziell
unsensiblen Dimensionen erreicht, habe ich den vorhandenen Klöben
etwas einschmelzen müssen. Das hat dann aber den Vorteil,
daß man zum gegebenen Zeitpunkt die herausgepurzelten Sachen (und
einige Nachträge) auf dieser Seite kostenlos einlesen können
wird. Da lohnt es sich ja fast, 40 zu werden!
++++
Den Anfang dieses Eintrags habe ich vor vier Monaten geschrieben, also
Anfang Juni. Mittlerweile haben sich in meinem Leben zahlreiche
Turbulenzen ereignet, die ich in ihrem ganzen Umfang hier nicht
niederlegen möchte. Ich bin wieder solo, sprich: allein.
Außerdem bin ich mittlerweile 40 geworden und kann dem Umstand so
rein gar nichts abgewinnen. Würde des Alters ist - wie andere
Würde auch - ein Konjunktiv, und sogar ein Konjunktiv mit einem
aufschneiderischen Genitiv hintendran. Würde des Alters ist etwas
für Inge Meysel. Die Mutter Courage der Nation möchte ich
niemals werden. Da ist mein Stolz vor. Das geht ja nun mal gar nicht,
genausowenig wie Autobahn. (Ein Kerner-Zitat!) 40, das klingt nach "Ali
Baba und die 40 Räuber", und wie sehr ich Sheherazade an einer
lauen Sommernacht das Kinn kraulen möchte, aber die 40 Räuber
waren dick und dreckig, und Ali Baba war ein ineffizienter Hanswurst,
der in einem Hollywood-Film gerade mal den debilen Kindmann abgegeben
hätte. George Clooney hätte den niemals gespielt. Der hat
Besseres zu tun. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, blickt mir aber
nicht George Clooney entgegen, sondern Ali Baba und alle 40 Räuber
auf einmal. Deshalb habe ich beschlossen, meinen Ticker
wiederauferstehen zu lassen, wie Phoenix aus dem Aschenbecher.
++++
Das Dumme ist, daß ich so rein gar nichts zu erzählen habe.
Die Kerben auf der Seele haben mich rein gar nichts gelehrt. Ich
ärgere mich immer noch wie Bolle, wenn ich mich im Supermarkt an
die falsche Schlange stelle, d.h., intuitiv die kürzere
wähle, die sich dann aber als die längere entpuppt, weil Frau
Lehmann sich die eine Lachskonserve ohne Etikett ausgesucht hat und
erst einmal erbittert nachgeforscht werden muß, wie teuer der
Lachs denn nun wirklich ist. Mich interessiert das einen Scheiß,
wie teuer der Lachs ist, da ich dieses überschätzte Mistvieh
ohnehin verabscheue, aber Frau Lehmann hält den Verkehr auf. Sie
macht das auch nicht von ungefähr, sondern nur, um mich zu
ärgern. Das ist das Gefühl, das sie in mir erzeugt. Frau
Lehmann ist schuld an allen Unbilden, die den Weltenlauf hemmen und
meinen Sud zum Brodeln bringen. Frau Lehmann soll sich ihren Lachs
selber fangen, wie jeder anständige Mensch! (Der schwimmt immer
flußaufwärts ---> Tip!) Frau Lehmann sollte man so
behandeln, wie die Hexen in dem beliebten Leinwandspektakel HEXEN
GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT behandelt worden sind. Frau
Lehmann ist der Erzfeind. Das ist natürlich nur eine paranoide
Reflektion von/auf irgendwas, aber sie treibt den Blutdruck nach oben
und läßt die Lebensqualität in Rekordgeschwindigkeit
nach unten schnellen. Nicht alle Frauen sind so, aber Frau Lehmann ist
so. Würde ich diese egozentrische Detailfixiertheit noch weiter
treiben, müßte ich auch von Herrn Klabuster berichten, der
in der Schlange direkt hinter mir steht und seine kleine Tochter
mitgebracht hat, Lina heißt sie. Lina ist ein typisches
kreuzniedliches Mistblag, die von der Neugier getrieben wird, die allen
werdenden Menschen halt so anhaftet. Was Lina nicht wissen kann, ist,
daß ich mich nicht geduscht habe und mir nicht einmal die Haare
gewaschen habe von wegen nur Zigaretten holen wollen, also aussehe und
rieche wie ein handelsüblicher Serienmörder. Ich will jetzt
nicht gerochen werden! Abstand rulez! Lina wanzt sich mir in
kindgerechter Zutraulichkeit aber an wie ein Egel, durchbricht die
natürliche Scham- und vor allen Dingen Ekelschwelle und
läßt mich meinen Po in immer absonderliche Ersatzrichtungen
schwenken, um nur das Kaugummiregal mit meinen eingebildeten oder
realen Mißgerüchen zu drangsalieren. Linas Vater schaut
derweil zur Seite, als wäre er gerade in New York gewesen. Er hat
zwo Flaschen Racke Rauchzart in seinem Einkaufswagen und einen Bart wie
der Tünnes vom Hauptbahnhof.
++++
Die Schlange ist zu lang. Es ist immer dasselbe. Der gemeine Weltenlauf
serviert einem nur Talmi. Dieses Wochenende war das nur Haider,
Reich-Ranicki und Kevin Kuranyi. Geht es noch banaler? Die Wirtschaft
bricht zusammen, vor der Citibank formen sich Schlangen (Vertraut da
irgendjemand nicht unserer Kanzlerin? Höhö!), und immer mehr
kreuzunsympathische Börsenfuzzis bekommen Gelegenheit, das
Fernsehen mit sich vollzumachen. Wer nicht schon lange gesehen hat,
daß ernsthafter Ärger droht, gehört mit einer nassen
Badekappe geknechtet. Ich habe meine Millionen in einer alternativen
Bank in Swasiland. Jetzt geht das richtig in die Vollen. Ich bin nicht
gespannt auf die täglichen Hiobsbotschaften, die von den
Nuttensendern übermittelt werden, die sich lange am Busen
genährt haben, der jetzt schwach und ausgezehrt wird, da das
Bindegewebe schlappmacht. Mit Chirurgie läßt sich mangelnde
Substanz niemals übertünchen. Zweifel am System werden
genährt? Ha - Zweifel am menschlichen Wesen sollten genährt
werden! Ist doch klar, daß die Leute alle glauben, was sie
glauben wollen und sollen, solange die Rendite fließt. Wenn der
Rhein über die Ufer tritt, hat das Schlaraffenland Schicht. Wenn
man die Sicherheit seines Lebens Börsenfuzzies anvertraut,
verdient man, was man bekommt. Das ist so, als beträte man ein
McDonald´s-Restaurant und erwarte eine akzeptable Bedienung und
nicht nur Frondienst von ungeschulten und unterbezahlten Knechten.
Essen geht anders, und daß das internationale Finanzwesen nichts
anderes dargestellt hat als medial aufgeblasenes Gottvertrauen,
bekommen wir jetzt zu spüren. Man darf gerne bei Rot über die
Ampel gehen, aber jammern, wenn man geschnappt wird, ist
unzulässig, finde ich. Ich habe meine Knete auf der Bank gelassen,
weil ja auch dem Dümmsten einleuchten muß, daß wenn
jeder sein Geld von der Bank nimmt... Aber wollen wir das Buch der
Offenbarungen mal geschlossen lassen. Vielleicht geht das ja noch
einmal glimpflich aus, aber mehr als unwissend hoffen, kann ich auch
nicht.
++++
Haider ist mir komplett wurscht. Ich glaube an Dinge, die sakrosankt
sind und unangetastet bleiben sollten. Daß man Toten nur Gutes
nachsagen sollte, glaube ich hingegen nicht. De mortuis sehr wohl nihil
bene, wenn sie vor Waffen-SS-Veteranen gekatzbuckelt haben und von
"anständigen Menschen" gesprochen haben. Haider hat exakt das Ende
ereilt, was einem massiv begabten Medienpolitiker ohne Herz ansteht -
betrunken mit Irrsinnsgeschwindigkeit zersetzt. Seine Frau und seine
Kinder tun mir von Herzen leid, aber was ihn angeht, so sterben
tagtäglich unzählige Menschen, um die sich genau niemand
schert und deren Ableben mich ungleich mehr dauert.
++++
Reich-Ranicki ist und bleibt ein Suppenkasper - Würde des Alters,
my ass. Ich habe mir die Sendung angesehen, nur wegen seinereiner, und
der Beginn der Ansprache war brillant. Ich war erregt, erstaunt,
bestürzt. Da lauerte Adel im Angesicht der totalen Gülle, die
die Restsendung darstellte. Das hatte für einen Moment Klasse.
Dann knickte er ein, biederte sich dem Menschendarsteller Gottschalk
an, der ihm bei der Anmoderation noch den Arsch zugekehrt hatte, damit
alle schön im Bild sind, bot ihm sogar das Du an. Das Dumme ist
nur, daß Gottschalk und so mancher der Anwesenden die
personifizierte Bild-Zeitung sind. Also: Gebildete, hochprofessionelle
Kanonen, die ganz genau wissen, was sie da anstellen. Denen es
offensichtlich scheißegal ist, daß sie denunziatorische und
höchst asoziale Formate wie DSDS hochleben lassen und keinen
Funken von Gespür (oder Interesse) dafür haben, daß sie
jemanden, der den Holocaust überlebt hat und sein Leben -
abgesehen von seiner chronischen Eitelkeit - dem Geschmack und dem
Intellekt gewidmet hat, solch eine gequirlte Scheiße zumuten. Das
ist eine unglaubliche Frechheit. Ich stimme mit MRRs Stellung im
Literaturbetrieb und vielen seiner Äußerungen nicht
überein, aber einen Schwallkörper wie Gottschalk und ihn
trennen Welten. Leider ist MRR eingeknickt. Die Anekdote klang wie das
um Höflichkeit bemühte Getattere eines angeknusperten
Greises. Er
hätte das durchziehen sollen. So hat er nur um ein weiteres
demonstriert, wie das Fernsehen Kritik einfach umbiegt und
eingemeindet. Wer sich ins Fernsehen begibt, kommt darin um. Es ist
wohl leider so.
++++
Kevin Kuranyi? Ach Gott. Überhaupt nicht kommentarbedürftig.
Er war gefrustet, er war sensibel. Darf man nicht sein als
männlicher Fußballer. Das verzeihen weder Medien noch Fans.
Löw hatte keine andere Möglichkeit, als ihn
rauszuschmeißen. War einfach total bekloppt. Aber was will man
von jungen Männern erwarten, die unter einem grotesken Druck
stehen, von denen erwartet wird, daß sie nicht nur einen Ball
kompetent behandeln, sondern obendrein neunmalklug in Mikros labern,
die ihnen von naßforschen Medienhachos ins Gesicht gesteckt
werden? Da würde ich auch nur Kraut von mir geben. Kevin hat Mist
gebaut, muß mit den Folgen leben, wird aber trotzdem ein gutes
und finanzträchtiges Leben haben. Er sollte sich seiner
Süßen widmen und einen Film in der Videothek ausleihen.
Spaß haben. Und für Schalke ein paar Tore schießen.
War genausowenig ein Eklat wie der mißlungene Aufstand von MRR.
War menschlich, und deshalb finde ich das etwas netter.
++++
Okay, Haider hat mit seinem Statement zur Weltlage also am meisten
Konsequenz bewiesen. Gab es noch etwas? Na klar - mein Ferkelbuch. Wenn
alles glattgeht, läuten da im kommenden Frühjahr die
Himmelsglocken. In den letzten Monaten war ich zu im Eimer, um das Buch
fertigzuredigieren. Wenn es fertig ist und in den Regalen steht, wird
es sich in der erlauchten Gesellschaft von der Tödlichen Doris,
Freund Butti, Francoise Cactus und Klaus Beyer befinden, was eine sehr
nette Gesellschaft ist. Außerdem wird es Lesungen im ganzen
Bundesgebiet geben, für die ich Ausschnitte aus allen
möglichen seltenen Filmen aus diesem übel beleumundeten Genre
zusammenstellen werde. Das wird eine Freude und ein Vergnügen
werden. Angebote für Go-Go-Tanz-Darbietungen habe ich schon
bekommen. Und ein überaus freundlicher Prominenter wird vermutlich
auch noch ein Geleitwort zur Verfügung stellen, was mich
persönlich sehr freut. Knete wird das kaum geben, aber nach all
den Jahren freut es mich einfach, daß das Projekt wohl doch noch
im angemessenen Rahmen stattfinden wird. Und ich habe ja doch noch die
romantische Überzeugung, daß man angesichts all des
halbsteifen Mülls, mit dem die sehr feine Sache, die Sex nun mal
darstellt, von den Medien zugeöttert und herabgewürdigt wird,
noch etwas Spaß an der Freude erzeugen kann. Mal schau´n,
näch.
++++
Für die "Splatting Image" schreibe ich immer noch, Interessenten
werden das verfolgt haben. In der nächsten Ausgabe werde ich etwas
zu türkischen Exploitern machen, also Superhelden in
Gummistiefeln, Exorzisten mit eingegrauten Haaren und Christenhunden,
denen von Cüneyt Arkin stundenlang auf die Omme gekloppt wird.
Einemal Dönner mir scharf. Am Schluß kommt TAL DER
WÖLFE, hähä! Amis, freßt Blei...
++++
A propos Amis: Osama wird ja nun vermutlich der neue Präsident der
Vereinigten Staaten werden. Anders als mein großes Idol James
Ellroy heiße ich das gut, auch wenn ich den Verlauf des
Wahlkampfes sehr bedauere. Die Dummerhaftigkeiten, die McCain ("McCain
war ihr Schicksal") und seine Spießgenossin Palin sich geliefert
haben, waren nicht gut für die Demokratie. Ich bin alles andere
als ein hundertprozentiger Fan von Osama, auch wenn ich der Meinung
bin, daß er außenpolitisch wie innenpolitisch die bessere
Wahl darstellt und ein verdammt gutes Signal setzt. Aber in den letzten
Wochen haben sich beide republikanischen Kandidaten so unmöglich
gemacht, daß mir dazu kein anderes Beispiel einfällt. Die
Palin war die beste Wahlkampfhelferin, die sich die Demokraten erhoffen
konnten. So viel Blödheit muß erst einmal gezüchtet
werden. Und McCain besitzt weder das Charisma noch die Substanz, um in
solch einem Unterfangen zu siegen. Mir wäre sehr viel wohler
gewesen, wenn sich Osamas Kompetenz im gegenseitigen Wettstreit
erwiesen hätte, denn Dr. King isser nich. (Deshalb wird er
vielleicht auch nicht abgeschossen werden.) Aber
vielleicht erweisen sich meine Zweifel auch als unberechtigt, denn
schlimmer als Junior wird er nicht regieren. Da bin ich mir ziemlich
sicher. Was die USA jetzt innenpolitisch aufzufangen haben, ist Stoff
für Dantes Inferno. Da beneide ich den neuen Präsidenten -
wie immer er auch heißen mag - nicht drum. Ich bin großer
Amerika-Fan, deshalb bewegt mich auch alles, was dort politisch
passiert, immens. Den Rest der Welt sollte das auch interessieren, wie
man gerade erst unter Junior gelernt haben sollte. ("Die Vereinten
Nationen? Don´t be ridiculous!")
Wohlsein.
311207
Wir schreiben (noch) das Jahr 2007. Die ganze Erde wird von Gothic
Lolitas
dominiert, welche im Oktober die Herrschaft erlangt haben. Seitdem ist
vieles besser, denn törichten Teenagern kann man vieles verzeihen,
was "gestandenen" Herren und Damen nicht gut zu Gesichte stünde.
Ich bin dem Berliner Zeichner Fil sehr dankbar dafür, daß er
in einem seiner famosen "Didi & Stulle"-Comics meine Augen
geöffnet hat für diesen überaus eigentümlichen
Jugendtrend, der ja so viel unterhaltsamer ist, als dies Jugendtrends
für gewöhnlich zu sein pflegen. Dead Can Dance
waren ja noch sehr nett, aber wenn ich das Ethno-Frauengejammer auf
mittlerweile jedem zweiten Hollywoodfilm-Soundtrack bedenke, hat Lisa
Gerrards Tätigkeit üble Frucht getragen. Schlimm ist das,
selbst vor dem Hintergrund von Hartz IV. So etwas darf man einfach
nicht mehr machen. Wenn eine junge Menschwerdenswillige oder ihr
männliches Pendant also von dem Gedanken besessen ist, sich in
eine Wichsvorlage à la "Suicide Girls" zu verwandeln, sollte sie
oder er vielleicht einmal darüber nachgrübeln, woran es denn
liegt, daß die Welt so schrecklich scheiße ist. Kann man
etwas daran ändern? Das Lustige ist, daß ja. Man kann etwas
daran ändern. Man kann nämlich vermeiden, genauso ein
schrecklicher ignoranter Spießer zu werden wie all die Leute, von
denen sich elitäre Jugendgruppen schon immer losgesagt haben.
Braucht jemand Punks, die Frauen behandeln wie Nutzvieh? Das kann
Wolfgang Schäuble auch, auch wenn er es nicht tut. Nehme ich
zumindest mal an. Schäuble
kann man ja eine Menge Schlechtes nachsagen, aber daß er Frauen
wie Nutzvieh behandelt, gehört eigentlich eher nicht dazu. Das
wäre mir zumindest neu. Von Punks habe ich das zumindest schon
gehört, daß die häufig Frauen behandeln wie den letzten
Kehricht. Die avancierten Kader haben manchmal sehr genormte
Vorstellungen von den Dingen, und der Unterschied zum postulierten
Intimfeind ist zuweilen marginal. Ob Wolfgang Schäuble Gothic
Lolitas poppen möchte, weiß ich nicht, aber von vielen
Independent-Apologeten nehme ich das stark an, und die Lolitas
müssen dann auch gut kochen können. Jugendliche Rebellen, die
Frauen nur als billigen Fluchtweg aus einer Ego-Krise betrachten -
braucht man das? Ich glaube nicht. Wenn Wolfgang Schäuble eine
echte Gothic Lolita aus Japan treffen würde, wäre er
vermutlich nur
irritiert und wüßte mit der Situation nichts Sinnreiches
anzufangen. Womöglich würde er sogar schwäbeln. Wir
wissen das nicht. Stattdessen müssen wir uns alle an den
Händen fassen, dem Grafen von Lotrehamong zugestehen, daß er
mit 22 Jahren eine schöne Leiche abgab, aber für uns
Sterblichen muß der Trubel weitergehen! Und wenn er weitergeht,
dann doch bitte so sinnvoll und erklecklich wie möglich! Wir
müssen das Gold des Lebens in unser Herz lassen und dürfen um
Himmels Willen den düsteren Fantasien nicht gestatten, die
Oberhand zu gewinnen. Was Sinn das wäre in? Es braucht Vorbilder,
die einem den Mut zum Leben geben, den Mut zum Weitermachen. Das
Schnöde und zersetzend Banale ignorieren, dem feinen Geist
Vorschub leisten. Da gibt es doch so viele Optionen.
Wie zum Beispiel Rockbitch. Rockbitch ist eine niederländische
Band, die fast nur aus Frauen besteht und neben durchaus ordentlicher
Krachmachermusik auch eine Bühnenshow pflegt, die u.a. darin
besteht, daß eine der Musikerinnen einem Crewmitglied die gesamte
Faust in die Vagina einführt. Das Bestechende an dem Act ist,
daß - selbst wenn die Drastizität des Gezeigten einen
kurzzeitig verwildern lassen mag - die Frauen daran richtig Spaß
zu haben scheinen. Mit der weiblichen Anatomie bin ich ja nun
bestenfalls aus zweiter Hand vertraut, aber ich nehme an, daß
solcherlei Tun eben nur dann ertragbar ist, wenn man sich mit den
Kolleginnen wirklich gut versteht, und das schien mir da der Fall zu
sein. Ich war beeindruckt, nicht aber schockiert. Vor ein paar Tagen
habe ich mir die Live-DVD einer Sideshow-Combo namens Mundus Absurdus
zu Gemüte geführt, deren Mitglieder die Tradition der
Freakshow (inklusive der üblichen Zirkusstandards wie
Feuerschlucken und anderer Geschicklichkeitsspielchen) mit anderen
künstlerischen Disziplinen wie Musik und Schauspielerei verbanden.
Ich war trotz der dargebotenen Extremsituationen keine Sekunde
angeekelt, auch wenn die Beteiligten auf Glasscherben herumtanzten
(Fakirkunst!), sich Nadeln durch Körperteile stachen und andere
Dinge trieben, die man im normalen Leben aufgrund von Angst eher
vermeiden würde. Die Herrschaften waren alle sehr tätowiert
und im Gespräch ebenso eloquent wie sympathisch. Nun ja, wenn sich
jemand Haken durch seine Rückenhaut treiben läßt und
von einem Kran 100 Meter in die Luft levitieren läßt bzw.
einen ganzen PKW mehrere Meter weit durch die Gegend ziehen kann, dann
gewinnt man nicht nur einen neuen Respekt vor der enormen
Leistungsfähigkeit unseres Bindegewebes, sondern staunt einfach
mal. Die durch solcherlei Tun geschlagenen Wunden haben übrigens
lediglich zu Schwellungen geführt, die bald abklongen. Ich
schätze einfach mal, daß die Schmerzen, die solche Praktiken
hervorrufen, im Rahmen von Show und Entertainment eine andere
Wertigkeit haben, als wenn das etwa jemand im trauten Eigenheim
versuchen würde. Das Gezeigte fand ich auf jeden Fall sehr
faszinierend!
Heute ist Silvester, also jener Tag, an dem die Vor-Silvester-Zeit ein
Ende findet. Das sind jene düsteren Tage, an denen der Knallkram
bereits verhökert wird, auf daß pubertierende Monster mit
ihnen harmlose Fußgänger und (Reizwort, Reizwort!) RENTNER
erschrecken oder sogar dem finalen Herzkasper in die Arme treiben
können. Das finde ich schändlich und meine, daß man
solche juvenilen Unholde nicht, wie Bösbach, Huber und andere
Unverständige fordern, mit immer längeren Jugendstrafen
belegen sollte. Vielmehr sollte man ihnen Haken durch die Arschhaut
ziehen und sie zum Gaudium der Menge an einem Kran etwa hundert Meter
weit über einem Eros-Center ihrer Wahl kreisen lassen. Vielleicht
gibt es auch einen gnädigen Gott, der ihnen die China-Böller
in der Hand explodieren läßt. Dummheit schadet, so will es
das erbarmungslose Gesetz des Lebens, und der Verlust eines Fingers
oder einer Fingerkuppe ist ja nun wirklich kein zu hoher Preis
dafür, daß man mit der gebeutelten Mitkreatur keinen
gewalttätigen Schabernack treibt. Wenn man typische
Feuerwerksknallkörper in z.B. ein altes Brötchen packt, kann
man eine Sprengkraft entfachen, die jener von charakterlich
ähnlich gelagertem Militärwummpäng oder den
Püsterichen islamischer Fundamentalisten zumindest nahekommt. Als
ich jung und unerfahren war, habe ich einmal einen ganzen Kasten mit
Böllern, Crackern, Raketen und so fort versehentlich im Haus
meiner Eltern gezündet. Das war eine schlechte Idee. Unser Haus
steht noch, aber fast wäre es dahin gewesen, und das nur, weil der
Kleine Material zur Verfügung hatte, dessen
unsachgemäße Anwendung so unerfreuliche Folgen zeitigen kann
wie ein Bad in Schwefelsäure. Ich hoffe also, daß - wenn man
schon nicht vom Erzlaster des Knallens lassen mag - man wenigstens
vorsichtig und andere Leute verschonend zu Werke geht - dann soll man
lebend und unversehrt aus der Partynacht hervorgehen. Monster, die
anderen Leuten Böller unter das Auto schmeißen, wünsche
ich wenigstens einen appen kleinen Finger wg. erwiesener Blödheit
und asozialer Gesinnung. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten
ins Kröpfchen - so ist das im Happy Jammertal!
Ich habe neulich übrigens von jemandem gesteckt bekommen,
daß es eine Seite für Homosexuelle gibt, die mit Nacktfotos
von mir wirbt. Nun ja, genaugenommen stellte sich das als Luftnummer
heraus, da die betreffende Seite lediglich mit der Aussicht auf
Nacktfotos von mir prahlen konnte, da ich keine entsprechenden
Aufnahmen
von mir im Internet habe. Glaube ich zumindest. Obwohl es die
persönliche Vita schon etwas aromatisieren würde. Vielleicht
schmuggele ich ja mal ein, zwei indiskrete Schnappschüsse auf die
Seite, damit ich später mal, wenn sich ganz Deutschland
darüber empört, mit Phrasen hausieren gehen kann wie: "Ich
war jung und brauchte das Geld" oder "Ich habe einen schönen
Körper, da hat man eine besondere Verantwortung". Aber nein,
Deutschland wäre nicht empört; nicht einmal
Gelsenkirchen-Buer wäre empört. Irgendwo würde sich ein
Vizeersatzhausmeister mit meinen Schnappschüssen einen flotten
Lenz machen, und damit hätte es sich. Das würde sich nicht
lohnen. Was sehe ich auf der betreffenden Seite? Zwei Leute haben mich
bereits bewertet! Ich bekomme 5.0 von 10 Punkten. Na prima! Ich bin
also exakt mittelmäßig! Herzlichen Dank, als ob ich das
nicht schon längst gewußt hätte! Also bitte, wenn den
Leuten meine Nacktfotos nicht gefallen, dann sollen die doch woanders
hingehen! Bin doch nicht auf die angewiesen! Hrrrgngnggn....
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