Mein Körper ist mein Kapital

Ägypten 2013

Lobotomie pur

NEWSTICKERARCHIV

030109

Kerze Nr. 1: Pola Negri, Filmschauspielerin. Gebürtige Polin und Roma-Angehörige, die als Tänzerin für das Ballett und Schauspielerin debütierte und u.a. durch Filme von Ernst Lubitsch zum Weltstar wurde. Ging nach Hollywood und war da sehr erfolgreich, mußte aber nach wenigen Jahren das Besteck an andere weiterreichen. Erlangte ebenfalls Weltruhm durch ihre Affairen mit Chaplin und Valentino. Sang Peter Kreuders "Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt" und wurde später folgerichtig Grundstücksmaklerin. Gilt als eine der großen Diven Hollywoods, wenngleich Hollywood eigentlich niemals besonders nett zu ihr war. Aber wann ist Hollywood schon nett?

Kerze Nr. 2: Mel Gibson, "Filmschauspieler". Erlangte Weltruhm in dem Film MAD MAX, in dem er den Tod seiner Frau und seines Kindes mit Hilfe von Wummen und PS-starken Autos rächt. Danach ging er nach Hollywood, wo er in LETHAL WEAPON seinen nackten Arsch präsentierte und in BRAVEHEART eine extrem groteske Perücke. Seitdem in Erscheinung getreten durch feierlich wirkende, aber unfreiwillig komödiantische Regiearbeiten im Jesus- und Mayabereich. Mag angeblich keine Juden.

Kerze Nr. 3: Sergio Leone, Filmregisseur mit eindeutig genialen Tendenzen. Begründete den Erfolg des Italowesterngenres und führte es zu einigen seiner größten Triumphe. Stets interessiert an pompösen Bildern, verließ er sich niemals auf seinen eigenen Geschmack, sondern wälzte Historienschmöker, um seinen Werken die größtmögliche Authentizität zu sichern. In dieser Hinsicht übertraf er die meisten seiner amerikanischen Kollegen, die er somit auf ihrem eigenen Terrain schlug. Ein dicker, großer Mann. Ein Meister.

Kerze Nr. 4: Robert Loggia, Charakterdarsteller. Einer meiner Lieblinge. Der hat eine Stimme, die sogar Stahl zum Schmelzen bringt. Ist in unzähligen Kino- und TV-Filmen als Randfigur eingesetzt worden, nicht selten als gebrochener Charakter. In SCARFACE spielt er den korrupten Polizeichef, der Tony Montana Sekunden vor seinem eigenen Ableben als "Rest aus der Pißrinne" beschimpft. Im hübschen Computerspiel, das dem Film nachgebildet wurde, leiht er seine unnachahmliche rauchige Stimme dem Erzähler, der immer die Etablissements ankündigt, bevor man sie kauft. In "Grand Theft Auto: Vice City" spricht er den korrupten Bullen Ray, dem man immer in der Bedürfnisanstalt über den Weg läuft. Familienmitglied. Ich mag den Mann.
 
Kerze Nr. 5: Michael Schumacher, Straßenschreck. Von Wiglaf Droste als das "champagnerspritzende Bananenkinn" bezeichnet, was zwar nicht nett ist, aber sehr lustig. Ich interessiere mich nur leider überhaupt nicht für Formel 1. Jetzt, wo Heath Ledger platt ist, kann er ja den Joker spielen!

Kerze Nr. 5: Steve Reich, Komponist. Einer der namhaftesten Vertreter der Minimalmusik, der in Interviews immer ausgesprochen nett und unprätentiös rüberkommt. Mich interessiert es einen Furz, ob der von Akademikern geadelt wird, aber mir haben seine Kompositionen immer wahnsinnig gefallen, weswegen ich auch einige in meiner Plattensammlung führe. Läßt den bodenlosen Kitsch von Philip Glass vermissen, die jener in seinem Handgepäck führt. Von Glass kann ich mir nur noch die Oper "Einstein On The Beach" anhören und den Soundtrack zu MISHIMA, ansonsten ist da echt Feierabend. Steve Reich hingegen finde ich bescheiden, mutig und toll. Da erklingen gleich wieder Xylophone...

Kerze Nr. 6: Gisela Schneeberger, Kabarettistin. War für Gerhard Polt das, was Evelyn Hamann für Loriot gewesen ist - ein dringend benötigtes Gegengewicht. Kabarettisten finde ich normalerweise unerträglich, aber Polts Brachialsalven gegen den Spät-Wirtschaftswunder-Speckschädel deutscher Abkunft fand ich immer delektabel und sehr treffend. Manchmal waren die Sachen so schmerzhaft, daß sie fast nicht mehr lustig waren, aber genau so stimmt es. Zumindest seinen ersten Kinofilm, KEHRAUS, halte ich für brillant. Frau Schneeberger ist der Engel an seiner Seite und eine hochbegabte Künstlerin.

020109

Kerze Nr. 1: Isaac Asimov, berühmter Ballettttänzer, der mit einer beispiellosen Interpretation von Tschaikowskys "Schwanensee" Weltruhm einheimste: In der berühmten Inszenierung von Stanislaw Lem tanzte er den Schwan mit fünf Füßen. Mit seinen Füßen schrieb er die Ballettgeschichte quasi neu. Schade nur, daß ich mich niemals für Ballett interessiert habe. Strawinskys "Petruschka" führte in seiner Interpretation zu einem mittelschweren Skandal, da er die aufblasbare Gummipuppe, von der das Ballett handelt, als Afroamerikaner darstellte, während er tatsächlich gebürtiger Eskimo ist. Der ethnische Mix war zwar kontrovers, konnte sich aber eines gesunden Rückhalts in der Moskauer "Intelligentsia" erfreuen, die ihm ein symbolisches Frühlingsopfer auf dem Petersplatz darbrachte. Das Bolschoi-Ballett löste sich kurz danach auf.

Kerze Nr. 2: Ingo Anderbrügge, Fußballspieler. Langjähriger Held des FC Schalke 04. Betreibt jetzt eine Fußballschule, meine ich. Der würde Schalke jetzt weiterhelfen...

Kerze Nr. 3: Peter Patzak, Filmregisseur. Freund meines verstorbenen Freundes William Berger, der auch des öfteren in seinen Filmen mitspielte. Arbeitete an der feinen Krimiserie "Kottan ermittelt" mit. Malt auch und theatert. Außerdem bereitet er Pinguine zu für Sachertorten (siehe unten).

Kerze Nr 4: Anna Sacher, Tortenschöpferin und Hotelbesitzerin aus Österreich. Ursprünglich von Eskimos abstammend, arbeitete sie sich durch nimmermüden Fleiß an die Spitze des Wiener Establishments. Sie rauchte gerne Zigarren und hatte eine rätselhafte Vorliebe für kleine Bulldoggen. Wenn die kleinen Bulldoggen zu groß wurden, wurden sie zu den weltberühmten Sachertorten verarbeitet, die eine Kreation ihres Ehemannes Eduard darstellten. Weitere Bestandteile der gewagten Kreation waren mehrere Biskuitböden und eine dicke Lage Pinguinfett mit Lebertran. Obendrauf Schlagsahne mit einer dicken Wurst mittendrin, einem sogenannten Wiener. Die Ehe blieb nicht kinderlos.

Kerze Nr. 5: Thérèse von Lisieux - Karmeliternonne. Führte ein Leben für Gott, von der Wiege bis zur Bahre, die ihr schon mit 24 Jahren zuteil wurde. Wird als Heilige verehrt und ist als solche nicht einmal unsympathisch, da sie sich von dem strengen Gottesbild ihrer Zeit löste und den Himmel auf Erden auch in den kleinen Gesten des Alltags sah, also grundsätzliche Vorlieben für die Siechen und Gebeutelten verriet, was für einen Christenmenschen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, es aber häufig nicht ist. Wird in Frankreich sehr verehrt, und es gab auch mal einen Film von Pialat zu dem Thema, meine ich. Heilige haben mich immer sehr fasziniert, aber es gibt so wenige, die nicht talkshowkompatibel sind. Therese hätte was aus sich machen können, z.B. als Vertreiberin von Sachertorten, aber so wirkt sie eben als Symbol. Und mit Sicherheit nicht als Symbol für schlechte Dinge. Die mit den appen Brüsten war aber eine andere Heilige. (Anmerkung: Heilige sind für mich alle Menschen, die anderen Menschen uneigennützig helfen. Das ist nämlich nicht so leicht. Man muß sich erst einmal selber mögen, und dann etwas von dem Selbermögen anderen opfern. Sich verachten und dann aufopfern im Sinne einer vermeintlich guten Sache klappt da nicht. Das ist in der Regel nur Verschwendung und Eigennutz.)

Kerze Nr. 6: Mahatma Gandhi, Kolonialfeind. War ein rosinenhafter Inder, der von Ben Kingsley gespielt wurde in so einem großen Hollywoodfilm. Sein Konzept des "gewaltfreien Widerstandes" war recht eindrucksvoll und sollte von einigen seiner Nachfolger entschieden verinnerlicht werden. Das Festhalten an der Wahrheit, "Satyagraha", wurde später von Philip Glass zu einer überaus kitschigen Oper umgeformt, die ich früher mal gemocht habe. Mittlerweile höre ich lieber Schwäne schreien, denn die meinen es ehrlich.

Kerze Nr. 7: Oswalt Kolle, Aufklärer. Ganz netter Kuddel aus Kiel, der zur Gallionsfigur der sexuellen Aufklärung wurde. Bücher wie "Dein Kind, das unbekannte Wesen" lehrten wirtschaftswunderverschwiemelten Deutschen einiges über ihre Natur. Frauen fragten sich immer häufiger, warum sie keine Orgasmen bekamen, und das nicht zu Unrecht. Seine Bücher führten auch zu einigen mittlerweile nostalgisch anmutenden Filmen mit Titten.

Kerzen Nr. 8 & 9: Sting, Xavier Naidoo, Sänger. Sind eigentlich ein und dieselben. Beide wurden in Newcastle geboren als Sohn eines Milchmannes. Die großzügige Zufuhr von Milch schlackte ihre Stimmbänder, mit der sie später die ganze Welt beschallten mit allem, was ihnen gut, schön und verherrlichenswert dünkte. Sting gelangte zu Weltruhm mit der Gruppe "Die Söhne Mannheims", der vielleicht bekanntesten Volksmusikgruppe Deutschlands.

Kerze Nr 10: Paul von Hindenburg. War, glaube ich, ein sehr dicker Mann, der kaum jemals etwas zustande brachte. Legendär sind seine Sangesdarbietungen auf Volksfesten in Westpreußen. Wurde Chef der Obersten Heeresleitung und ernannte Hitler zum Reichskanzler. Das war seine große Leistung als Reichspräsident. Er war damals aber schon sehr alt und hätte nie im Leben mehr einen Wagen steuern dürfen, nicht einmal einen von Pferden gezogenen. Das mit Hitler war ein Fehler. Er selbst nannte Hitler einst den "böhmischen Gefreiten", wurde dann aber zum Umdenken gezwungen, nicht zuletzt durch Einwirkung führender Industrieller. Am 1. Feber 1933 löste er den Reichstag auf. Knapp zwo Monate später gab es den neuen Reichstag. Hurra. Etwa ein Jahr später tatterte er ab.
 
010109

Der 1. Januar wird überall auf der Welt gefeiert im Gedenken an Pierre Abaelard, Schutzpatron der Männer ohne Dödel. Abaelard war ein französischer Gelehrter, der seine Wanderjahre bereits hinter sich hatte, als er Hauslehrer einer jungen Dame aus gutem Hause wurde. Besagte Eloise bekam bald einen dicken Bauch und ihr Onkel einen dicken Hals. Dem lebenslustigen Hauslehrer wurde der Fauxpas verargt - der Schildkrötenhals mußte weichen. Daraufhin wurde Abaelardus Mönch (was sonst?), schaffte es aber trotzdem, sich mit vielen mächtigen Leuten seiner Zeit anzulegen. Seine Schriften führten schließlich dazu, daß er wegen Ketzerei verurteilt und mit Klosterkarzer belegt wurde. Den Karzer sollte er nicht mehr verlassen, denn bald war er hin. Seine Eloise ließ sich neben ihm bestatten. Die sterblichen Überreste der Liebenden liegen heute auf dem Friedhof von Père Lachaise in Paris. Da kann man auch mal hinpilgern, nicht nur immer zum blöden Morrison. Sein Dödel übrigens liegt irgendwo anders. (Der von Abaelard, nicht der von Morrison.) Tja, wäre er mal lieber Bäcker geworden! (Der Abaelard, nicht der Morrison.)

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Das Genre der Rezessionsplauderei wird im neuen Jahr eine Blüte erleben. Ich werde mich der Blüte verweigern und die herannahenden Fährnisse geflissentlich ignorieren. Als erstes habe ich die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin ignoriert, womit ich mich aber in der Tradition der bisherigen Neujahrsansprachen bewege, die von mir auch komplett ignoriert wurden. Die einzige Ansprache, die ich wissentlich miterlebt habe, war jene des Dr. Helmut Kohl, bei der man versehentlich die Ansprache des Vorjahres ausstrahlte. Das fand ich sehr lustig, wenngleich Dr. Kohl "foul play" vermutete. Verschwörungstheoretiker befassen sich noch heute mit der Ausdeutung jenes rätselhaften Vorfalles. (Führt vielleicht eine unsichtbare Linie von der verdaddelten Ansprache zu den Vorkommnissen des 11. September 2001?)

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2009 steht für mich im Zeichen der geistigen Wandlung. Ich bin jetzt 40 und möchte gerne erwachsen werden. Die ganze Menschheit steht vor dem Universum und fragt sich, was sie eigentlich machen soll. Klingeltöne und das Bewußtsein der herannahenden ökologischen Katastrophe regieren die Welt. Ratlosigkeit macht sich breit. Bei der Vierschanzen-Tournee erzielen die meisten Springer bewunderungswürdige Weiten und sehen dabei nicht selten so anmutig aus wie fliegende Eisprinzessinnen. Ich habe mir das Spektakel zum ersten Mal seit meiner Kindheit angesehen und fragte mich, wie ich wohl abschneiden würde. Wahrscheinlich würde ich wie ein Stein zu Boden plumpsen und eine Weite von 5 Meter 30 erzielen. Dabei würde ich eine Lawine auslösen, die die Leiche von Luis Trenker freisetzt, die durch jahrelange Bergramponierungen auf Godzillagröße angewachsen ist. Das wäre ein Theater! Möglicherweise würde ich auch in eine Douglastanne hineinkacheln, von der ich in bester Donald-Duck-Tradition zurückgefedert werde. Die Weite wäre dann vermutlich minus 50. Vielleicht würde ich auch direkt ins Podest hineindonnern. Gleich beim ersten Mal Podest - das wünschen sich viele. Meine Lieblingsvorstellung wäre allerdings, daß ich auf einem Storch lande, der mich dann ohne Zwischenstop nach Spanien fliegt. Bei meinem Glück lande ich aber auf der Leiche von Luis Trenker.

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Ich bin gut ins neue Jahr gekommen und hoffe selbiges auch für meine Leser. Wir haben gestern AMAZONEN AUF DEM MOND gesehen und wichtige politische und kulturelle Grundfragen erörtert. Der Wein war gut und bedurfte nur eines schlappen Aspirins in der Nachbereitung. Ein Weißwein war allerdings klebrig, schmeckte nach süßen, von schwulen Zwergen gekelterten Trauben und ist immer noch in meinem Atem zu riechen. Süffig im Abgang, oder wie man da sagt. Lieblich wie eine Winterlandschaft aus Zuckerwatte. Da kann man sich gleich mit Pflaumenlikör betrinken. Igitt.

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Mein Kopf läßt noch keine wirklichen geistigen Quantensprünge zu, weswegen ich erst einmal über Geburtstage sprechen werde. Ich möchte mich nämlich weiterbilden, und werde nicht davor zurückscheuen, das erworbene Wissen geballt über den Leser auszuschütten. Außerdem möchte ich mich auf diese Weise dazu zwingen, den Ticker regelmäßig zu aktualisieren. Den Anfang macht also Bruder Abaelardus, Schutzpatron der Phantomschmerzen. Wer hat noch heute Geburtstag?

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Kerze Nr. 2: Mieze, Sängerin von Mia. Über die weiß ich leider nicht viel. Sieht aber hübsch aus. Grüße nach Berlin! Die Mieze ist 11 Jahre jünger als ich, aber das ist schon okay.

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Kerze Nr. 3: Alexander der Große. Mazedonischer Tausendsassa, Schutzpatron der latent Homosexuellen, die von der Geschichtsschreibung geradegebogen werden. Glaubt man der Darstellung von Colin Farrell in dem Stone-Film, hatte Alexander auch ausgeprägte Augenbrauen und einen Dackelblick, der etwas an Christoph Lambert erinnert, nur nicht so schlimm. Er wurde irgendwann geboren und starb mit gerade einmal 32 Jahren im weit aufgesperrten Rachen eines Nilpferdes. Im Laufe seines kurzen, aber ereignisreichen Lebens eroberte er viele Länder. Der mit den Elefanten war aber jemand anders.

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Kerze Nr. 4: J. Edgar Hoover, Schutzpatron der Damenwäscheträger. Legendärer Chef des FBI, der vielen Präsidenten ein Dorn im Auge war, aber genügend belastendes Material über seine Vorgesetzten hatte, um unantastbar zu sein. Wird gerne als Homosexueller dargestellt, war aber tatsächlich eher ein Kontrollfreak und Machtmensch reinsten Wassers. Solche Menschen sind für gewöhnlich an Sex eher desinteressiert und befassen sich stattdessen zwanghaft mit dem Privatleben anderer Menschen. So etwas wie der Bundestrojaner wäre für J. Edgar ein Wunschtraum gewesen.

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Kerze Nr. 5: Walter Matthau, Schutzpatron aller Leute, die nach dem verkaterten Aufstehen genauso aussehen wie ich. Matthau wurde garantiert direkt nach einem zünftigen Besäufnis gezeugt und machte daraus eine langanhaltende Filmkarriere. Vornehmlich in Komödien eingesetzt, die er stets durch seine genervt wirkende Miene aufwertete, bestach er auch in ernsthaften Rollen, etwa in Sidney Lumets ANGRIFFSZIEL MOSKAU. Ein reiner Titan, der Mann. Der Prototyp des "Deadpan"-Komikers, der allerdings auch ein breites Grinsen drauf hatte, das zu sagen scheint: "Ja, ja, red´ du nur, du Hansel..." Unnachahmlich.

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Kerze Nr. 6: Idi Amin Dada, Schutzpatron der geisteskranken Diktatoren. Vorbild für unzählige Gangstarapper. Entstammt der  Haribo-Sippe vom Volke der Kakwa im Südsudan. Begann als Soldat in der britischen Kolonialarmee, wo er u.a. beim Mau-Mau-Aufstand Anfang der 50er in Kenia brillierte. 1971 erlangte er durch einen Putsch die Macht in Uganda. In seiner gerade mal achtjährigen Amtszeit mußten ca. 500000 politische Gegner ihr Leben lassen. Idi Amin galt als großer Exzentriker. Zu seinen Eigenheiten zählten etwa Kannibalismus, das unbeherrschte Köpfen von Mitmenschen und eine überaktive Libido, bei deren Bekämpfung er nicht einmal vor den Zierpflanzen seines Palastes halt machte. Auch soll er einmal aufgrund eines Wutanfalles seinen langjährigen besten Freund, den Kanarienvogel Heinz, roh verspeist haben, als ihm dessen Gesinge auf die Nerven ging. Sein Leben war Vorbild für eine ganze Reihe von Filmen, darunter DER SCHLÄCHTER IDI AMIN, DER LETZTE KÖNIG VON SCHOTTLAND und ICH BIN DER GRÖSSTE.

151208

Weihnachten naht. Weihnachten und nichts auf der Naht. Weihnachten nackt? Den Weihnachtsmann einmal nackt zu sehen, gehört nicht zu meinen persönlichen Wunschträumen. Er gehört in roten Stoff gehüllt, dick und mit Rute. Ihn nackt zu sehen, hieße, Respekt vor einem Idealbild einzubüßen. Klammheimlich stiehlt er sich den Schornstein hinab, um Glück und Segen in den Haushalt eines jeden zu bringen. Sein Wohlwollen kennt dabei schier keine Grenzen. Selbst Wolfgang Schäuble bekommt bestimmt Besuch vom Weihnachtsmann. Auch Osama Bin Laden bekommt (vermutlich) Besuch vom Weihnachtsmann, und die beiden streiten sich dann darum, wer wohl den schöneren Bart trägt. Beim Freudianer gibt es den Penisneid, beim Weihnachtsmann den Bartneid. Der Rauschebart von Santa Claus war das direkte Vorbild für die Gesichtsbehaarungen von Karl Marx und Friedrich Engels. Deswegen ja auch Engels. Auch Harry Rowohlt fällt einem da ein. Mit dem Gedanken, einen Bart zu tragen, trage ich mich schon seit Jahrzehnten. Allein, mir fehlt der Mumm. Es ist auch verflucht schwer, sich einen Bart auszusuchen. Ein Schnurrbart geht ja schon mal gar nicht, weil man damit aussieht wie ein handelsüblicher Rummelplatzstecher. Oder ein homosexueller Mafioso, Don Crisco, der Mann, der einem ein Angebot macht, das man nicht abschlagen kann. Wenn der Schnurrbart zu kurz ist, sieht man aus wie Hitler, und wer möchte das schon? Mit kompetent angelegter Gesichtsmatratze verwandelt man sich in einen überaus bedenkenlosen Opportunisten, der die Gruppe 47 verpaßt hat und

Der Hl. Nikolaus von Myra wurde geboren in Castrop-Rauxel im 3. Jahrhundert. Seine Leistungen auf dem Gebiet der Filzmützenproduktion waren legendär und ließen ihn schon früh eine angesehene Stellung in der Siedlung einnehmen, die Castrop-Rauxel damals darstellte. (Man darf nicht vergessen, daß Castrop-Rauxel zu jener Zeit noch nicht die schillernde Metropole war, als die wir es heute kennen und lieben.) Außerdem war er Fachmann im Entbeinen von Engerlingen. Seine etwas eigentümliche Vorliebe für bunte Hüte brachte ihm den Ruf eines Sonderlings ein. Da er aber Ruhm & Ehren auf die Dorfgemeinschaft häufte, geriet ihm dies nicht zum Nachteil, sondern sicherte ihm volkstümlichen ---------- Rest zensiert

291108


Au weia, schon wieder ein Monat vergangen! In Tickerzeit ist das sehr lang, aber gemessen an meinem momentanen Tagesablauf ist das nur ein Klacks. Die Monate verfliegen. "Eins, zwei, drei, im Sauseschritt/ läuft die Zeit, wir laufen mit", wie das Wilhelm Busch mal formulierte. Am Freitagabend amüsiert sich die Welt, aber ich bin zu gut für diese Welt. Deshalb habe ich den festen Entschluß gefaßt, schon um 22 Uhr schlafen zu gehen. Jetzt ist es 2 und ich sitze immer noch hier herum. Schuld daran ist eine Flasche Spätburgunder, die mir in die Quere gekommen ist, sowie BULLETS OVER BROADWAY, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte und einer erneuten Begutachtung für dringend würdig erachtete. Das Gelächter war laut und dürfte meine Nachbarn erreicht haben, auch jene, die mir immer die schöne Klaviermusik plus Gesang schenken. Ich habe einmal anderthalb Jahre über einem christlichen Klavierspieler gewohnt, dessen Repertoire "Es gibt kein Bier auf Hawaii" ebenso umfaßte wie "Eine feste Burg ist unser Gott", "Hawa Nagila" und "Imagine all the people". Mann, war das eine dumme Sau. Er hat mir eine lange Zeit der Folter beschert, zumal er zu seinen kläglichen Sangesdarbietungen (á la René Kollo für ganz, ganz Arme) ständig ein Sich-freimach-Brunftgeräusch absonderte, das etwa wie "Huääärrch!" klang und dem Geräusch ähnelte, das Jack Lemmon immer in EIN SELTSAMES PAAR macht, wenn er seine Stirnhöhlen freikriegen will. (Was unterscheidet ein Klavier von einer Gitarre? Ein Klavier brennt länger.) Meine Nachbarin ist wenigstens Profi und singt ziemlich gut, aber Spaß macht das trotzdem nicht immer, zumal ich seit meinem neuerworbenen Solosein auch nicht immer zum Tanzen aufgelegt bin. Sei es drum, ist ja nicht dramatisch. Dramatisch ist, daß jetzt auch noch andere Nachbarn ein Klavier haben, das - obwohl weiter entfernt - viel lauter ist und mein Wohn- und mein Arbeitszimmer abdeckt. Schubert und Klezmer decken mein Schlafzimmer und das meiner Ex ab. Wenn ich mich also mit Sicherheit entspannen möchte, kann ich das auf dem Klo oder in der Küche. Eine Badewanne habe ich auch nicht. Würde mich jemand erschießen?

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Und damit wären wir auch schon beim ersten Thema meiner fröhlichen Betrachtungen: Selbstmord! In den letzten Tagen habe ich des öfteren von Leuten gelesen, die sich in sogenannten Selbstmordforen verewigen und sich sogar vor Webcams in die ewigen Jagdgründe befördern. Äußert man vor Zeitgenossen einmal den Gedanken, es möge doch bald der Onkel mit dem Kehrblech kommen und man könne ihm gerne dabei zur Hand gehen, kommt meistens der Satz: "Selbstmord ist doch keine Lösung!" Das ist natürlich totaler Quatsch, denn Selbstmord ist natürlich eine Lösung, sogar eine sehr konkrete und nachhaltige. Es ist nur in den meisten Fällen die falsche. In meinen düstersten Momenten überlege ich, daß es tatsächlich Fälle geben mag, in denen Selbstmord sogar die bessere Lösung sein kann - wenn nämlich nur noch Schmerz, Wahnsinn und Tod zu erwarten sind und man am Schluß derangiert mit einer Pumpgun durch Castrop-Rauxel läuft und lauter Unschuldige mit in den Abgrund reißt, aus lauter Dummheit und/oder Nabelfixiertheit. Der Witz ist aber der, daß die meisten Schwerdepressiven (von denen es laut wissenschaftlicher Studien beständig mehr gibt, auch solche in jüngerem Alter) sich überaus willig in solch eine Kategorie einteilen würden: "Schmerz, Wahnsinn & Tod, Anwaltskanzlei? Hallo, hier!" Wenn man depressiv ist, kann man wohl unterscheiden zwischen solchen, die immer unter einer düsteren Glocke leben, die sich gewöhnt haben an Elend & Gram. Wenn man dort als Außenstehender mit echten oder getürkten Argumenten zu kommen versucht, stößt man meistens auf erbitterte Abwehr, nicht selten in aggressiver Haltung. Natürlich denkt dann jeder Depri, der es gewohnt ist, seinen/ihren Alltag nur noch als eine komplette Zumutung zu betrachten und von sich als "Patient, verkorkst, Opfer, Arschkarte" zu denken, er würde im Ausmaß seines Leidens nicht ernstgenommen. Es gibt auch noch die zweite Gruppe, die noch immer viel Spaß und Schönheit mitnehmen kann, dann aber immer massiv abstürzt, aufgrund unrealistischer Erwartungen an den Rest der Welt. Ich kann beide Gruppen gut verstehen, aber aus irgendeinem Grunde kann ich den U-Bahn-Schaffner noch viel besser verstehen, der zum Psychiater laufen muß, weil sich zum sechsten Mal eine arme Sau vor seinen Zug gestürzt hat und er dann hilflos drübergebrettert ist. Leiden macht immer egozentrisch, es ist leider so. Man nimmt die Umwelt nicht mehr wahr, jedenfalls nicht mehr so, wie sie es verdient. Wenn es mir scheiße geht, denke ich auch, im Ruhrpott laufen nur Homunkuli herum, Laborexperimente, versetzte Gesichter mit Menschen unten dran. Blut, Fleisch und Knochen, wie ich immer zu sagen pflege. Es gehört aber zu den großen Leistungen der menschlichen Persönlichkeitsbildung, zu realisieren, daß alle Menschen, die einen umgeben, tatsächlich genauso Menschen sind wie man selber. Keine bezahlten Schauspieler in dem Theaterstück, in dem man selber aufgrund großen Talents und hervorragender menschlicher Qualitäten die Hauptrolle spielt. Die anderen spielen bei sich genauso die Hauptrolle. Ist verwirrend, aber es ist so. Unter jedem Grabstein ruht eine Weltgeschichte, meinte mal ein toter Mann. (War Heine, glaube ich.) Die Egozentrik des Leidens will es nur, daß man in den infantilen Status des Andere-Leute-Ignorierens hineinrutscht und sich selbst für den Desinfektionsstein in Gottes Pißbecken hält. ("God´s only man", wie es bei Travis Bickle in TAXI DRIVER heißt.) Eine irrige Vorstellung. Weder Bildung noch gutes Benehmen halten einen fern von dieser überaus schädlichen Vorstellung, die immer Asoziales gebiert. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn man sich umbringen möchte. Ich habe auch schon Phasen gehabt, in denen ich Eiter abgesondert habe und nur gedacht habe: Ha, Menschen stinken, sind das Letzte, kill ugly animals, Tiere sind besser, und dergleichen blabla. Ich habe in den letzten 10 Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, die mir jeden Tag meines Lebens Schmerzen bereitet haben, und ich habe sehr häufig geheult und mich gefühlt wie der Trottel vom Arsch seinem Deppen. Die Details erspare ich dem Leser aus jugendschutzrechtlichen Gründen und weil´s mir schlicht peinlich ist und es niemand was angeht. Ich habe einige Male die Grenze kennengelernt, an der man denkt, es ginge nicht weiter und man könne nicht mehr ertragen. Es ist dann nicht wirklich tröstlich (und dem Selbstmitleid mit Sicherheit abträglich), wenn man dann feststellt: Oh ja, es geht noch weiter und man kann noch mehr ertragen, hurra. Was mir bei allem Klöterkram meine 40 Jahre aber mittlerweile beigebogen haben, ist der simple Umstand, daß das Leben eine überaus faszinierende Angelegenheit ist, und es geht mir da wie bei einem guten Film oder einem guten Buch - ich möchte den Schluß nicht versäumen! Wenn man nach einer Botschaft sucht, ist man verratzt, aber der Weg ist gesäumt von allerlei Interessantem. Man verliert manchmal die Lust nach der Suche nach diesen Sachen, und der Spaß ist weg, die Leidenschaft und die Wut. Das alles ist wichtig, aber es kommt wieder. Statt mit einer Pumpgun rumzulaufen und vermeintliche Asis abzuknallen, kann man auch viele andere Dinge machen. Man kann heftig masturbieren; zum zehnten Mal CASABLANCA schauen, weil das ein so toller Film ist; nach Anzeichen von menschlicher Intelligenz Ausschau halten; wenn man sie nicht findet, Enten kucken gehen oder sonstige Tröstung im Tierreich finden, wo graue Wonnebatzen im Schädel nicht soviel Unfug verursachen; oder alles gleichzeitig! Oder man kann einfach auf den Frühling warten, ins Muttental fahren und dort die so ganz und gar nicht rätselhafte Schönheit bestaunen, die in der Natur wohnt. Ich halte das Leben mittlerweile für heilig, und es ist vermessen, egozentrisch und ekelhaft, es im Lokus runterzuspülen. Es ist einfach der Fixpunkt der Egozentrizität, so etwas zu machen. Gibt es so etwas wie einen Leidemeter? Wer mag sein eigenes Ungemach mit dem eines Mitmenschen vergleichen? Ist doch totaler Kohl. Wenn man sich den Hahn abdreht, ist einem alles egal. Die Freunde, die sich niemals gemeldet haben und die es nicht besser verdient haben? Jau, toll, die haben ihre eigenen Probleme. Trotzdem wird sich jeder fragen, ob er nicht doch etwas hätte sagen können, oder anders sagen können. Und das ist ungerecht. Ich hätte mich selber niemals gesnuffed, schon, weil ich das meinen Eltern niemals angetan hätte. Wenn sich irgendein Leser mit dem Gedanken an Suizid beschäftigt, so empfehle ich ihm/ihr, das Buch "Galapagos" von Kurt Vonnegut zu lesen, denn da lernt man alles über die biochemischen Reaktionen in den großen grauen Wonnebatzen in unseren Schädeln, über grausige Mißverhältnisse und über die Evolution. In einer Million Jahre sind wir nämlich alle Delphine, jawoll! Das Buch ist tröstender als jeder Gottesdienst, denn ich glaube ja nicht. Ich glaube allerdings daran, daß Selbstmordforen die letzte Inkarnation des Internets darstellen, die den Verzagten eine bequeme Kuschelecke einrichten, die ihrem egozentrischen Elend einen letzten Bärendienst erweisen. Eine Pornoseite wäre da sinnvoller. Ich habe mir nämlich immer vorgestellt, wenn ich mir über die Relativität des eigenen Leides Gedanken gemacht habe, wie das auf einer Beerdigung wäre. Wenn da Leute rumstehen, die aus Gram über den Verlust eines geliebten Menschen kaum noch bei Sinnen sind, versackt in ihrer eigenen Leidewelt. Wenn man einen der Trauernden mal in den Arsch treten würde, wie in einem alten Slapstick-Film. Der würde nämlich für einen Moment nicht mehr trauern, sondern sich sehr menschlich denken: Hey, was ist das denn für ein Geisteskranker? Da wäre die Relativität vielen Leidens nämlich offen zutage, denn man läßt sich wirklich sehr leicht in solch einen Gemütszustand hineinsacken. Die Wahrheit (meines Erachtens) ist: Stillstand ist Tod. Scham ist für die Katz. Man soll sich niemals schämen. Man soll das zusammenknüllen und über die eigene Schulter schmeißen. Die meisten Spitzenleistungen, die man erbringt, werden niemals von irgendjemandem gewürdigt werden, insofern ist man schön doof, wenn man auf Applaus wartet. Wenn Applaus kommt, ist der nett, aber nur in Maßen. Wenn man Mist baut, gibt es dafür auch keine Buhrufe, die ernstzunehmen wären. Es werden keine Haltungsnoten verteilt in diesem Leben. Man soll nur halt zusehen, daß man es beim nächsten Mal besser macht. Sich Mühe geben - darauf kommt es an. Scham ist für die Katz. Der Lohn ist zwar nicht das Himmelreich, aber viele, viele interessante Sachen. Und ich werde nicht müde, mich daran sattzusehen. Und wenn der große, graue Wonnebatzen mal ziept, lege ich mich halt mal hin, damit das vorbei geht. Es geht nämlich immer vorbei, auch wenn man sich mit Händen und Füßen wehrt.

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Was für Themen habe ich sonst noch? Ich habe heute zum ersten Mal seit Jahren eine Dose Smarties geöffnet - die erste seit etwa einem Jahr. Die Smarties sahen mißgestaltet aus, als ob sie in der Sonne gelegen hätten. Vielleicht hatten sie auch eine gruselige Geschlechtskrankheit. Sie schmeckten aber trotzdem gut. Das versaut mir ja immer das schönste Elend - daß so viele Sachen so gut schmecken. Selbst an einer Geschlechtskrankheit leidende Smarties. Man weiß ja nie, was drinsteckt. Soll man deshalb das Leben ad acta legen, nur weil die Smarties sinister aussehen? In meinem Kühlschrank gibt es viele Sachen, die nicht mehr hasenrein scheinen. Meine abgepackten Käsehäppchen (incl. Zahnstocher) jagen mir zuweilen Angst ein. Sie schmecken trotzdem gut und machen schön dick.

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Mein Pornobuch habe ich mittlerweile abgeschickt. Der prominente Gastschreiber (mittlerweile Papa geworden - maseltov!) hat mir auch noch eine Revision seiner Beigabe geschickt. Das sieht ja aus nach einer perfekten Buchveröffentlichung. Jetzt hoffe ich nur noch, daß mir die Feministinnen bei den Lesungen nicht zu sehr auf den Dutt hauen werden. Wenn die schon beim Wiglaf sauer werden, kriege ich da wohl schweren Seegang. Na ja, wenn die mich für einen bösen Menschen halten wollen, dann werden sie das wohl auch. Ich stehe für Diskussionen gerne bereit. Bei dümmlichen Anfeindungen werde ich halt abwinken bzw. die Leute mal machen lassen. Ist ja nur Werbung. Wenn Annette Schwarz oder Katrina Kraven Hallo sagen, werde ich begeistert sein. Wenn ich nette Feministinnen treffe, die sich tatsächlich unterhalten wollen, nicht minder. Ich bin mal gespannt, was das gibt. Andrea Dworkin wird sich wohl nicht in meinen Fanclub einschreiben, und auch nicht Alice Schwarzer, nachdem ich ihren tollen Text über Leni Riefenstahl gelesen habe... Aber Linda Williams, hoffe ich. Die ist nämlich recht cool.

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Osama ist mittlerweile Kanzler. Was daraus wird, muß man halt sehen. Ich halte den Mann für sehr integer, aber er hat Erwartungen gerecht zu werden, die wohl kaum jemand einlösen kann. Let´s face the music - mal schauen. Den Schmusekurs für die deutsche Regierung wird das kaum geben, und ich hoffe, daß sie (=Frau Merkel) ein gesundes Mittelmaß halten können wird. Um jeden Preis sollte man dem zu erwartenden Kurs der USA nämlich nicht erliegen, wie sehr ich die Wahl auch begrüße. Denn in jedem Falle wird Obama sich denselben machterhaltenden ökonomischen und außenpolitischen Faktoren beugen müssen wie jeder andere gewählte Präsident. Wenn was besser wird, wäre ich hocherfreut. Und jede Besserung innerhalb der USA ist auch besser für den Rest der Welt.

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Zu Hoffenheim wollte ich auch etwas schreiben, aber das mache ich einfach demnächst mal. Werder und Schalke mittelmäßigen sich derzeit um Kopf und Kragen. Oh je.

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Der Spätburgunder geht allmählich zur Neige. Der große, graue Wonnebatzen hat zu einem gemäßigten Equilibrium geführt, das von gefährdeten Grenzbefestigungen umrandet wird. Vielleicht sollte ich einfach weiter "Scarface" auf meinem Computer spielen, um meine Sinne zu betäuben und meine Offenheit für neue Impulse abzutöten. Neue Abschlagplätze für Drogen eröffnen und der Konkurrenz die Tür weisen, indem ich sie mit meinem Brahma-Panzerwagen plattwalze. Vielleicht sollte ich auch dem Leben eine Chance geben. Warten, bis die Kaulquappen demnächst wieder in den Pfützen auf der Halde herumstrolchen und den einzigen richtigen Weg weisen. Der ist amphibiesk und ungestalt, aber er wühlt das Wasser auf, ist fern von Stillstand und verheißt Nachwuchs. Da wuselt es im Unterholz. Da gräbt es den Boden um. Und da kommt auch - fern vom Wonnebatzen - einiges bei rum. Da lernt man mehr als im Fernsehen oder im Kopfleben.

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Die Kaulquappen wuseln, egal, ob´s mich graust oder nicht. Die interessiert das gar nicht. Die ziehen ihre Kreise, und die sind unberechenbar und wundervoll. Die kann man mathematisch einkreisen, aber niemals ganz erfassen. Ihre Bahnen kann man wahrscheinlich berechnen und mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung vorausbestimmen, aber was tatsächlich passiert, weiß niemand. Und da sind sie einfach nur meine Vorstellung von Leben. Die Delphine werden siegen. Es ist recht so.

251008

Um den berühmten Dichter Novalis zu zitieren: Ich wollte meinen Newsticker ja mal wieder etwas häufiger aktualisieren. Geschehen ist nicht viel, sieht man einmal davon ab, daß ich nackt um die Stadt gelaufen bin 000000und trotzdem zwei Pfund zugelegt habe. Vielleicht sollte ich demnächst wieder einmal meinen Trimm-dich-Trainer reaktivieren und durch elysische Felder strampeln. (Das war jetzt das Novalis-Zitat!) Möglicherweise hilft mir auch das Massagegerät, das mir neulich geschenkt worden ist. Es sieht ein wenig aus wie eine Spinne aus Metall, nur daß die Beine ungemein filigran gestaltete Drahtfinger sind, die einem bei sachgemäßer Behandlung die Kopfhaut kribbeln lassen. Ob es tatsächlich - wie die Verpackung behauptet - gegen Depressionen, Verspannungen, Kopfschmerzen, Haarausfall und vermutlich auch Darmträgheit hilft, bleibt abzuwarten. Immerhin fühlt es sich gut an. Man darf sich nur nicht bei der Anwendung beobachten lassen, sonst landet man auf dem Titelblatt irgendeines Revolverblattes. Und wer will das schon?

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Hätte Robert Koch einen solchen Kopfmasseur gehabt, hätte er garantiert keine Jahrzehnte benötigt, um seine bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Medizin zu machen. Nach meinem schon seit längerem fertiggestellten Kriminalhörspiel "Totenwache" habe ich jetzt ein weiteres Werk begonnen, das sich aber mit der oben genannten historischen Persönlichkeit befaßt. Schon der Anfang macht klar, daß ich darum bemüht sein werde, mich an die Fakten zu halten, soweit sie überliefert sind. Im Zentrum meines Hörspiels steht der geradezu unermüdliche Forscherdrang Kochs, der nicht davor zurückscheute, bestehende Tabus und Vorurteile zu überwinden. Dem Fortschritt des Menschen auf seinem Weg in das Universum nutzbar zu sein und die Fackel der Weisheit lodern zu lassen, ist des Wissenschaftlers schönste Zier. Ich werde versuchen, dem vielschichtigen Charakter Robert Kochs Rechnung zu tragen, dem gewidmeten Wissenschaftler, dem großen Humanisten, aber auch dem leidenschaftlichen Liebhaber. Ich werde nichts verschweigen. Auch der bucklige Gehilfe Gonzales wird berücksichtigt werden, der in der ja nun doch recht staubigen Verfilmung mit Emil Jannings leider unter den Tisch gefallen ist. Man soll Bucklige nicht unter den Tisch fallen lassen. Bei der Entdeckung des Tuberkels habe ich mich ein klein wenig von ALIEN beatmen lassen, aber es soll ja auch spannend sein. Wie diese neuartigen Historiensendungen, wo immer ein Laienspieltrupp vom Mittelalterspektakel um Karl den Großen herumtanzt. Die laufen mittlerweile ja sogar im ZDF, was ich ziemlich doof finde. Wenn ich Geschichts- oder Natursendungen sehe, will ich es mit staubigen Folianten und Bildern von glücklichen Pinguinen zu tun haben. Meinetwegen auch unglücklichen - ich bin kein Pedant. Aber um Himmelswillen keine Computeranimationen von blöden Sauriern. Die sind ausgestorben, und da taten sie recht dran. Was mir Gelegenheit gibt, darauf hinzuweisen, daß der mittlerweile vierte Band von "nichtlustig" herausgekommen ist und mit neuen Stories zu Yetis, Sauriern und dem vortrefflichen Mann in der Wand aufwartet. Auch gibt es eine neue Figur, die mir sehr gefallen hat: der Zauberkünstler und Klempner Fäkalini! Wie immer sind die Geschichten nicht lustig und deshalb unbedingt kaufenswert. Auf der oben verlinkten Webseite vermeldet der Zeichner übrigens, daß er gerne bei Leuten übernachten möchte.

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Zwei weitere Hörspiele sind angedacht, aber noch nicht angefangen worden. Eines um einen einsamen Cowboy, das "Django & Dada - die tödlichen Drei" heißen soll. Der Held trägt die Bezeichnung "Die rechte Hand des Teufels" mal wirklich zu recht, denn es wird sehr einsam in der Prärie. Und dann noch eine Geschichte um ein furzendes Gespenst. Ein Wunder, daß noch niemand vor mir auf diese sehr naheliegende Idee gekommen ist - ein Gespenst, das man riechen kann. Die Welt darf gespannt sein...

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Wenn das mit den Hörspielen nicht klappt, kann ich immer noch an den Flughafen gehen und Nacktscanner kontrollieren. Ich täte das sehr gerne. Bei meinem momentanen Glück kämen da aber garantiert nur Leute von der Groteskpassantenvermittlung, um sich von mir gierig begaffen zu lassen. Schäbige Wurzelsepps halt, so wie man´s kennt.

161008

THE BRAIN FROM PLANET AROUS (USA 1958)

Inhaltsangabe: Der bekannte Filmjournalist Christian K. (John Agar) muß sich aus nicht näher bezeichneten gesundheitlichen Gründen einer Computertomographie unterziehen. Im Vorfeld plagen ihn Ängste: Habe ich das Gas abgestellt? Habe ich allen Freunden gesagt, wie sehr ich sie liebe und wertschätze? Werde ich jemals wieder zur Erde zurückkehren? Mit dem festen Vorsatz, einen klaren Kopf zu bewahren und erstklassige Haltung an den Tag zu legen, begibt er sich zum Radiologen. Im Wartezimmer trifft er viele liebenswerte Menschen, u.a. die dicke Dame, die sich dezibelstark darüber beschwert, daß man sie trotz Termins über den grünen Klee warten läßt. Sie kriegt sich gar nicht wieder ein, gehört sie doch zu den Leuten, die sich kein X für ein U vormachen lassen, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Die Sprechstundenhilfe bewies Charakterstärke und ließ die laute Dame in ein totes Gesicht sülzen. Nach einer angedrohten Beschwerde beim Gesundheitsamt (ha ha!) hievte sich die Beschwerdeführerin auf die Stühle im Wartezimmer - einen oder zwei, ich weiß es nicht mehr genau! - und machte die Umsitzenden zu Ohrengeiseln. Ich - äh, Filmjournalist Christian K. (John Agar) saß und wartete. Und wartete. Stundenlang. Der fromme Vorsatz zur guten Haltung fiel in sich zusammen wie ein Hefeteig um Mitternacht. Würden die Ärzte vielleicht doch irreparable Schäden in seinem Schädel feststellen? Komplette Verwurmung der Hirnnebenrinde? Dummheit? Die nächsten Stunden mochten sein Leben total umkrempeln. Nach etwa anderthalb Stunden hielt er es nicht mehr aus und ging zur Sprechstundenhilfe. Siehe da, sein Zettel war verschlampt worden. "Sie sind als nächster dran, Herr K.!" Herr K. ist gleich dran - schön. Christian K. wurde aufgerufen und begab sich in ein Kabäuschen. Dort wurde er aufgefordert, sich sämtlicher Kleider zu entledigen bis auf seinen Lendenschurz und ein Lätzchen, das er um den angeschwollenen Hals trug. Er legte sich auf einen Tisch, der dann in eine Röhre gefahren wurde. In der Hand hielt er eine Blase, die durch sanften Druck einen Bimmelton auslösen würde, der dem Personal signalisieren würde, daß er gleich einen Ausraster hat. Dann begann der Spaß: Lustige Soundkaskaden droschen auf ihn ein, eine Mischung aus frühem Industrial und sehr reduziertem Techno. Insgesamt waren es zwei Stücke à 15 Minuten Länge, während derer er nicht schlucken sollte. Tatsächlich war es schwierig, nicht mit dem ganzen Körper mitzuswingen, denn der Lobotomieblues ging in die Beine. Besonders Teil 2 war sehr cool und begann mit schmissigen Dancefloorrhythmen mit verzerrten Bassfrequenzen, abgelöst von einem überführenden Fiepen, das in den nächsten All-Rock-Assault geleitete. Daß das von der Krankenkasse bezahlt wird, finde ich super! (Es wird ja viel zu viel über die Krankenkassen gemeckert...) Die Prozedur war völlig schmerzfrei, und die einzige Angst, die Christian K. quälte, war die Sorge um die Reaktionen seines Körpers, namentlich einer möglichen Monsterlatte im Angesicht der Krankenschwester. Es ging dann aber alles gut. Nur bei einer speziellen Frequenz begann sein Bauchfell zu zucken. Das war schon etwas kurios.

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Tja, die Wunder der modernen Medizin! Ich werde also vermutlich noch meinen 40. Geburtstag feiern, aber das ist nicht immer ein Trost. Die Schauspielerin Pier Angeli brachte sich bekanntlich einst mit 39 um, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, 40 zu werden. Das ist nun mal wirklich eine ganz bekloppte Begründung für einen Suizid. Sollte ich dereinst meinen eigenen Stecker ziehen, so wird meine Abschiedsnachricht eher den Spuren von George Eastman folgen - dem Erfinder des Kodak-Films, nicht dem "Man Eater"! -, der lapidar bemerkte: "My work is done." Das ist Stil, das hat Klasse! Umbringen werde ich mich aber voraussichtlich nicht, denn ich habe ja vor, ewig zu leben. Nicht im christlichen Sinne, sondern ganz konkret: Wenn ich die 100 überschreite, werde ich meine Altersweisheit bündeln und dem Sensenmann den fälligen Kotau verweigern. Werde ihm den Fehdehandschuh ins bleiche Antlitz schmeißen. Wie die dicke Dame, die sich kein X für ein U vormachen läßt. So haben wir nicht gewettet!

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Die war wirklich sehr dick. Mein Pornobuch wird voraussichtlich später im Jahr erscheinen. Damit der Umfang keine kommerziell unsensiblen Dimensionen erreicht, habe ich den vorhandenen Klöben etwas einschmelzen müssen. Das hat dann aber den Vorteil, daß man zum gegebenen Zeitpunkt die herausgepurzelten Sachen (und einige Nachträge) auf dieser Seite kostenlos einlesen können wird. Da lohnt es sich ja fast, 40 zu werden!

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Den Anfang dieses Eintrags habe ich vor vier Monaten geschrieben, also Anfang Juni. Mittlerweile haben sich in meinem Leben zahlreiche Turbulenzen ereignet, die ich in ihrem ganzen Umfang hier nicht niederlegen möchte. Ich bin wieder solo, sprich: allein. Außerdem bin ich mittlerweile 40 geworden und kann dem Umstand so rein gar nichts abgewinnen. Würde des Alters ist - wie andere Würde auch - ein Konjunktiv, und sogar ein Konjunktiv mit einem aufschneiderischen Genitiv hintendran. Würde des Alters ist etwas für Inge Meysel. Die Mutter Courage der Nation möchte ich niemals werden. Da ist mein Stolz vor. Das geht ja nun mal gar nicht, genausowenig wie Autobahn. (Ein Kerner-Zitat!) 40, das klingt nach "Ali Baba und die 40 Räuber", und wie sehr ich Sheherazade an einer lauen Sommernacht das Kinn kraulen möchte, aber die 40 Räuber waren dick und dreckig, und Ali Baba war ein ineffizienter Hanswurst, der in einem Hollywood-Film gerade mal den debilen Kindmann abgegeben hätte. George Clooney hätte den niemals gespielt. Der hat Besseres zu tun. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, blickt mir aber nicht George Clooney entgegen, sondern Ali Baba und alle 40 Räuber auf einmal. Deshalb habe ich beschlossen, meinen Ticker wiederauferstehen zu lassen, wie Phoenix aus dem Aschenbecher.

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Das Dumme ist, daß ich so rein gar nichts zu erzählen habe. Die Kerben auf der Seele haben mich rein gar nichts gelehrt. Ich ärgere mich immer noch wie Bolle, wenn ich mich im Supermarkt an die falsche Schlange stelle, d.h., intuitiv die kürzere wähle, die sich dann aber als die längere entpuppt, weil Frau Lehmann sich die eine Lachskonserve ohne Etikett ausgesucht hat und erst einmal erbittert nachgeforscht werden muß, wie teuer der Lachs denn nun wirklich ist. Mich interessiert das einen Scheiß, wie teuer der Lachs ist, da ich dieses überschätzte Mistvieh ohnehin verabscheue, aber Frau Lehmann hält den Verkehr auf. Sie macht das auch nicht von ungefähr, sondern nur, um mich zu ärgern. Das ist das Gefühl, das sie in mir erzeugt. Frau Lehmann ist schuld an allen Unbilden, die den Weltenlauf hemmen und meinen Sud zum Brodeln bringen. Frau Lehmann soll sich ihren Lachs selber fangen, wie jeder anständige Mensch! (Der schwimmt immer flußaufwärts ---> Tip!) Frau Lehmann sollte man so behandeln, wie die Hexen in dem beliebten Leinwandspektakel HEXEN GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT behandelt worden sind. Frau Lehmann ist der Erzfeind. Das ist natürlich nur eine paranoide Reflektion von/auf irgendwas, aber sie treibt den Blutdruck nach oben und läßt die Lebensqualität in Rekordgeschwindigkeit nach unten schnellen. Nicht alle Frauen sind so, aber Frau Lehmann ist so. Würde ich diese egozentrische Detailfixiertheit noch weiter treiben, müßte ich auch von Herrn Klabuster berichten, der in der Schlange direkt hinter mir steht und seine kleine Tochter mitgebracht hat, Lina heißt sie. Lina ist ein typisches kreuzniedliches Mistblag, die von der Neugier getrieben wird, die allen werdenden Menschen halt so anhaftet. Was Lina nicht wissen kann, ist, daß ich mich nicht geduscht habe und mir nicht einmal die Haare gewaschen habe von wegen nur Zigaretten holen wollen, also aussehe und rieche wie ein handelsüblicher Serienmörder. Ich will jetzt nicht gerochen werden! Abstand rulez! Lina wanzt sich mir in kindgerechter Zutraulichkeit aber an wie ein Egel, durchbricht die natürliche Scham- und vor allen Dingen Ekelschwelle und läßt mich meinen Po in immer absonderliche Ersatzrichtungen schwenken, um nur das Kaugummiregal mit meinen eingebildeten oder realen Mißgerüchen zu drangsalieren. Linas Vater schaut derweil zur Seite, als wäre er gerade in New York gewesen. Er hat zwo Flaschen Racke Rauchzart in seinem Einkaufswagen und einen Bart wie der Tünnes vom Hauptbahnhof.

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Die Schlange ist zu lang. Es ist immer dasselbe. Der gemeine Weltenlauf serviert einem nur Talmi. Dieses Wochenende war das nur Haider, Reich-Ranicki und Kevin Kuranyi. Geht es noch banaler? Die Wirtschaft bricht zusammen, vor der Citibank formen sich Schlangen (Vertraut da irgendjemand nicht unserer Kanzlerin? Höhö!), und immer mehr kreuzunsympathische Börsenfuzzis bekommen Gelegenheit, das Fernsehen mit sich vollzumachen. Wer nicht schon lange gesehen hat, daß ernsthafter Ärger droht, gehört mit einer nassen Badekappe geknechtet. Ich habe meine Millionen in einer alternativen Bank in Swasiland. Jetzt geht das richtig in die Vollen. Ich bin nicht gespannt auf die täglichen Hiobsbotschaften, die von den Nuttensendern übermittelt werden, die sich lange am Busen genährt haben, der jetzt schwach und ausgezehrt wird, da das Bindegewebe schlappmacht. Mit Chirurgie läßt sich mangelnde Substanz niemals übertünchen. Zweifel am System werden genährt? Ha - Zweifel am menschlichen Wesen sollten genährt werden! Ist doch klar, daß die Leute alle glauben, was sie glauben wollen und sollen, solange die Rendite fließt. Wenn der Rhein über die Ufer tritt, hat das Schlaraffenland Schicht. Wenn man die Sicherheit seines Lebens Börsenfuzzies anvertraut, verdient man, was man bekommt. Das ist so, als beträte man ein McDonald´s-Restaurant und erwarte eine akzeptable Bedienung und nicht nur Frondienst von ungeschulten und unterbezahlten Knechten. Essen geht anders, und daß das internationale Finanzwesen nichts anderes dargestellt hat als medial aufgeblasenes Gottvertrauen, bekommen wir jetzt zu spüren. Man darf gerne bei Rot über die Ampel gehen, aber jammern, wenn man geschnappt wird, ist unzulässig, finde ich. Ich habe meine Knete auf der Bank gelassen, weil ja auch dem Dümmsten einleuchten muß, daß wenn jeder sein Geld von der Bank nimmt... Aber wollen wir das Buch der Offenbarungen mal geschlossen lassen. Vielleicht geht das ja noch einmal glimpflich aus, aber mehr als unwissend hoffen, kann ich auch nicht.

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Haider ist mir komplett wurscht. Ich glaube an Dinge, die sakrosankt sind und unangetastet bleiben sollten. Daß man Toten nur Gutes nachsagen sollte, glaube ich hingegen nicht. De mortuis sehr wohl nihil bene, wenn sie vor Waffen-SS-Veteranen gekatzbuckelt haben und von "anständigen Menschen" gesprochen haben. Haider hat exakt das Ende ereilt, was einem massiv begabten Medienpolitiker ohne Herz ansteht - betrunken mit Irrsinnsgeschwindigkeit zersetzt. Seine Frau und seine Kinder tun mir von Herzen leid, aber was ihn angeht, so sterben tagtäglich unzählige Menschen, um die sich genau niemand schert und deren Ableben mich ungleich mehr dauert.

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Reich-Ranicki ist und bleibt ein Suppenkasper - Würde des Alters, my ass. Ich habe mir die Sendung angesehen, nur wegen seinereiner, und der Beginn der Ansprache war brillant. Ich war erregt, erstaunt, bestürzt. Da lauerte Adel im Angesicht der totalen Gülle, die die Restsendung darstellte. Das hatte für einen Moment Klasse. Dann knickte er ein, biederte sich dem Menschendarsteller Gottschalk an, der ihm bei der Anmoderation noch den Arsch zugekehrt hatte, damit alle schön im Bild sind, bot ihm sogar das Du an. Das Dumme ist nur, daß Gottschalk und so mancher der Anwesenden die personifizierte Bild-Zeitung sind. Also: Gebildete, hochprofessionelle Kanonen, die ganz genau wissen, was sie da anstellen. Denen es offensichtlich scheißegal ist, daß sie denunziatorische und höchst asoziale Formate wie DSDS hochleben lassen und keinen Funken von Gespür (oder Interesse) dafür haben, daß sie jemanden, der den Holocaust überlebt hat und sein Leben - abgesehen von seiner chronischen Eitelkeit - dem Geschmack und dem Intellekt gewidmet hat, solch eine gequirlte Scheiße zumuten. Das ist eine unglaubliche Frechheit. Ich stimme mit MRRs Stellung im Literaturbetrieb und vielen seiner Äußerungen nicht überein, aber einen Schwallkörper wie Gottschalk und ihn trennen Welten. Leider ist MRR eingeknickt. Die Anekdote klang wie das um Höflichkeit bemühte Getattere eines angeknusperten Greises. Er hätte das durchziehen sollen. So hat er nur um ein weiteres demonstriert, wie das Fernsehen Kritik einfach umbiegt und eingemeindet. Wer sich ins Fernsehen begibt, kommt darin um. Es ist wohl leider so.

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Kevin Kuranyi? Ach Gott. Überhaupt nicht kommentarbedürftig. Er war gefrustet, er war sensibel. Darf man nicht sein als männlicher Fußballer. Das verzeihen weder Medien noch Fans. Löw hatte keine andere Möglichkeit, als ihn rauszuschmeißen. War einfach total bekloppt. Aber was will man von jungen Männern erwarten, die unter einem grotesken Druck stehen, von denen erwartet wird, daß sie nicht nur einen Ball kompetent behandeln, sondern obendrein neunmalklug in Mikros labern, die ihnen von naßforschen Medienhachos ins Gesicht gesteckt werden? Da würde ich auch nur Kraut von mir geben. Kevin hat Mist gebaut, muß mit den Folgen leben, wird aber trotzdem ein gutes und finanzträchtiges Leben haben. Er sollte sich seiner Süßen widmen und einen Film in der Videothek ausleihen. Spaß haben. Und für Schalke ein paar Tore schießen. War genausowenig ein Eklat wie der mißlungene Aufstand von MRR. War menschlich, und deshalb finde ich das etwas netter.

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Okay, Haider hat mit seinem Statement zur Weltlage also am meisten Konsequenz bewiesen. Gab es noch etwas? Na klar - mein Ferkelbuch. Wenn alles glattgeht, läuten da im kommenden Frühjahr die Himmelsglocken. In den letzten Monaten war ich zu im Eimer, um das Buch fertigzuredigieren. Wenn es fertig ist und in den Regalen steht, wird es sich in der erlauchten Gesellschaft von der Tödlichen Doris, Freund Butti, Francoise Cactus und Klaus Beyer befinden, was eine sehr nette Gesellschaft ist. Außerdem wird es Lesungen im ganzen Bundesgebiet geben, für die ich Ausschnitte aus allen möglichen seltenen Filmen aus diesem übel beleumundeten Genre zusammenstellen werde. Das wird eine Freude und ein Vergnügen werden. Angebote für Go-Go-Tanz-Darbietungen habe ich schon bekommen. Und ein überaus freundlicher Prominenter wird vermutlich auch noch ein Geleitwort zur Verfügung stellen, was mich persönlich sehr freut. Knete wird das kaum geben, aber nach all den Jahren freut es mich einfach, daß das Projekt wohl doch noch im angemessenen Rahmen stattfinden wird. Und ich habe ja doch noch die romantische Überzeugung, daß man angesichts all des halbsteifen Mülls, mit dem die sehr feine Sache, die Sex nun mal darstellt, von den Medien zugeöttert und herabgewürdigt wird, noch etwas Spaß an der Freude erzeugen kann. Mal schau´n, näch.

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Für die "Splatting Image" schreibe ich immer noch, Interessenten werden das verfolgt haben. In der nächsten Ausgabe werde ich etwas zu türkischen Exploitern machen, also Superhelden in Gummistiefeln, Exorzisten mit eingegrauten Haaren und Christenhunden, denen von Cüneyt Arkin stundenlang auf die Omme gekloppt wird. Einemal Dönner mir scharf. Am Schluß kommt TAL DER WÖLFE, hähä! Amis, freßt Blei...

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A propos Amis: Osama wird ja nun vermutlich der neue Präsident der Vereinigten Staaten werden. Anders als mein großes Idol James Ellroy heiße ich das gut, auch wenn ich den Verlauf des Wahlkampfes sehr bedauere. Die Dummerhaftigkeiten, die McCain ("McCain war ihr Schicksal") und seine Spießgenossin Palin sich geliefert haben, waren nicht gut für die Demokratie. Ich bin alles andere als ein hundertprozentiger Fan von Osama, auch wenn ich der Meinung bin, daß er außenpolitisch wie innenpolitisch die bessere Wahl darstellt und ein verdammt gutes Signal setzt. Aber in den letzten Wochen haben sich beide republikanischen Kandidaten so unmöglich gemacht, daß mir dazu kein anderes Beispiel einfällt. Die Palin war die beste Wahlkampfhelferin, die sich die Demokraten erhoffen konnten. So viel Blödheit muß erst einmal gezüchtet werden. Und McCain besitzt weder das Charisma noch die Substanz, um in solch einem Unterfangen zu siegen. Mir wäre sehr viel wohler gewesen, wenn sich Osamas Kompetenz im gegenseitigen Wettstreit erwiesen hätte, denn Dr. King isser nich. (Deshalb wird er vielleicht auch nicht abgeschossen werden.) Aber vielleicht erweisen sich meine Zweifel auch als unberechtigt, denn schlimmer als Junior wird er nicht regieren. Da bin ich mir ziemlich sicher. Was die USA jetzt innenpolitisch aufzufangen haben, ist Stoff für Dantes Inferno. Da beneide ich den neuen Präsidenten - wie immer er auch heißen mag - nicht drum. Ich bin großer Amerika-Fan, deshalb bewegt mich auch alles, was dort politisch passiert, immens. Den Rest der Welt sollte das auch interessieren, wie man gerade erst unter Junior gelernt haben sollte. ("Die Vereinten Nationen? Don´t be ridiculous!")

Wohlsein.

311207


Wir schreiben (noch) das Jahr 2007. Die ganze Erde wird von Gothic Lolitas dominiert, welche im Oktober die Herrschaft erlangt haben. Seitdem ist vieles besser, denn törichten Teenagern kann man vieles verzeihen, was "gestandenen" Herren und Damen nicht gut zu Gesichte stünde. Ich bin dem Berliner Zeichner Fil sehr dankbar dafür, daß er in einem seiner famosen "Didi & Stulle"-Comics meine Augen geöffnet hat für diesen überaus eigentümlichen Jugendtrend, der ja so viel unterhaltsamer ist, als dies Jugendtrends für gewöhnlich zu sein pflegen. Dead Can Dance waren ja noch sehr nett, aber wenn ich das Ethno-Frauengejammer auf mittlerweile jedem zweiten Hollywoodfilm-Soundtrack bedenke, hat Lisa Gerrards Tätigkeit üble Frucht getragen. Schlimm ist das, selbst vor dem Hintergrund von Hartz IV. So etwas darf man einfach nicht mehr machen. Wenn eine junge Menschwerdenswillige oder ihr männliches Pendant also von dem Gedanken besessen ist, sich in eine Wichsvorlage à la "Suicide Girls" zu verwandeln, sollte sie oder er vielleicht einmal darüber nachgrübeln, woran es denn liegt, daß die Welt so schrecklich scheiße ist. Kann man etwas daran ändern? Das Lustige ist, daß ja. Man kann etwas daran ändern. Man kann nämlich vermeiden, genauso ein schrecklicher ignoranter Spießer zu werden wie all die Leute, von denen sich elitäre Jugendgruppen schon immer losgesagt haben. Braucht jemand Punks, die Frauen behandeln wie Nutzvieh? Das kann Wolfgang Schäuble auch, auch wenn er es nicht tut. Nehme ich zumindest mal an. Schäuble kann man ja eine Menge Schlechtes nachsagen, aber daß er Frauen wie Nutzvieh behandelt, gehört eigentlich eher nicht dazu. Das wäre mir zumindest neu. Von Punks habe ich das zumindest schon gehört, daß die häufig Frauen behandeln wie den letzten Kehricht. Die avancierten Kader haben manchmal sehr genormte Vorstellungen von den Dingen, und der Unterschied zum postulierten Intimfeind ist zuweilen marginal. Ob Wolfgang Schäuble Gothic Lolitas poppen möchte, weiß ich nicht, aber von vielen Independent-Apologeten nehme ich das stark an, und die Lolitas müssen dann auch gut kochen können. Jugendliche Rebellen, die Frauen nur als billigen Fluchtweg aus einer Ego-Krise betrachten - braucht man das? Ich glaube nicht. Wenn Wolfgang Schäuble eine echte Gothic Lolita aus Japan treffen würde, wäre er vermutlich nur irritiert und wüßte mit der Situation nichts Sinnreiches anzufangen. Womöglich würde er sogar schwäbeln. Wir wissen das nicht. Stattdessen müssen wir uns alle an den Händen fassen, dem Grafen von Lotrehamong zugestehen, daß er mit 22 Jahren eine schöne Leiche abgab, aber für uns Sterblichen muß der Trubel weitergehen! Und wenn er weitergeht, dann doch bitte so sinnvoll und erklecklich wie möglich! Wir müssen das Gold des Lebens in unser Herz lassen und dürfen um Himmels Willen den düsteren Fantasien nicht gestatten, die Oberhand zu gewinnen. Was Sinn das wäre in? Es braucht Vorbilder, die einem den Mut zum Leben geben, den Mut zum Weitermachen. Das Schnöde und zersetzend Banale ignorieren, dem feinen Geist Vorschub leisten. Da gibt es doch so viele Optionen.

Wie zum Beispiel Rockbitch. Rockbitch ist eine niederländische Band, die fast nur aus Frauen besteht und neben durchaus ordentlicher Krachmachermusik auch eine Bühnenshow pflegt, die u.a. darin besteht, daß eine der Musikerinnen einem Crewmitglied die gesamte Faust in die Vagina einführt. Das Bestechende an dem Act ist, daß - selbst wenn die Drastizität des Gezeigten einen kurzzeitig verwildern lassen mag - die Frauen daran richtig Spaß zu haben scheinen. Mit der weiblichen Anatomie bin ich ja nun bestenfalls aus zweiter Hand vertraut, aber ich nehme an, daß solcherlei Tun eben nur dann ertragbar ist, wenn man sich mit den Kolleginnen wirklich gut versteht, und das schien mir da der Fall zu sein. Ich war beeindruckt, nicht aber schockiert. Vor ein paar Tagen habe ich mir die Live-DVD einer Sideshow-Combo namens Mundus Absurdus zu Gemüte geführt, deren Mitglieder die Tradition der Freakshow (inklusive der üblichen Zirkusstandards wie Feuerschlucken und anderer Geschicklichkeitsspielchen) mit anderen künstlerischen Disziplinen wie Musik und Schauspielerei verbanden. Ich war trotz der dargebotenen Extremsituationen keine Sekunde angeekelt, auch wenn die Beteiligten auf Glasscherben herumtanzten (Fakirkunst!), sich Nadeln durch Körperteile stachen und andere Dinge trieben, die man im normalen Leben aufgrund von Angst eher vermeiden würde. Die Herrschaften waren alle sehr tätowiert und im Gespräch ebenso eloquent wie sympathisch. Nun ja, wenn sich jemand Haken durch seine Rückenhaut treiben läßt und von einem Kran 100 Meter in die Luft levitieren läßt bzw. einen ganzen PKW mehrere Meter weit durch die Gegend ziehen kann, dann gewinnt man nicht nur einen neuen Respekt vor der enormen Leistungsfähigkeit unseres Bindegewebes, sondern staunt einfach mal. Die durch solcherlei Tun geschlagenen Wunden haben übrigens lediglich zu Schwellungen geführt, die bald abklongen. Ich schätze einfach mal, daß die Schmerzen, die solche Praktiken hervorrufen, im Rahmen von Show und Entertainment eine andere Wertigkeit haben, als wenn das etwa jemand im trauten Eigenheim versuchen würde. Das Gezeigte fand ich auf jeden Fall sehr faszinierend!

Heute ist Silvester, also jener Tag, an dem die Vor-Silvester-Zeit ein Ende findet. Das sind jene düsteren Tage, an denen der Knallkram bereits verhökert wird, auf daß pubertierende Monster mit ihnen harmlose Fußgänger und (Reizwort, Reizwort!) RENTNER erschrecken oder sogar dem finalen Herzkasper in die Arme treiben können. Das finde ich schändlich und meine, daß man solche juvenilen Unholde nicht, wie Bösbach, Huber und andere Unverständige fordern, mit immer längeren Jugendstrafen belegen sollte. Vielmehr sollte man ihnen Haken durch die Arschhaut ziehen und sie zum Gaudium der Menge an einem Kran etwa hundert Meter weit über einem Eros-Center ihrer Wahl kreisen lassen. Vielleicht gibt es auch einen gnädigen Gott, der ihnen die China-Böller in der Hand explodieren läßt. Dummheit schadet, so will es das erbarmungslose Gesetz des Lebens, und der Verlust eines Fingers oder einer Fingerkuppe ist ja nun wirklich kein zu hoher Preis dafür, daß man mit der gebeutelten Mitkreatur keinen gewalttätigen Schabernack treibt. Wenn man typische Feuerwerksknallkörper in z.B. ein altes Brötchen packt, kann man eine Sprengkraft entfachen, die jener von charakterlich ähnlich gelagertem Militärwummpäng oder den Püsterichen islamischer Fundamentalisten zumindest nahekommt. Als ich jung und unerfahren war, habe ich einmal einen ganzen Kasten mit Böllern, Crackern, Raketen und so fort versehentlich im Haus meiner Eltern gezündet. Das war eine schlechte Idee. Unser Haus steht noch, aber fast wäre es dahin gewesen, und das nur, weil der Kleine Material zur Verfügung hatte, dessen unsachgemäße Anwendung so unerfreuliche Folgen zeitigen kann wie ein Bad in Schwefelsäure. Ich hoffe also, daß - wenn man schon nicht vom Erzlaster des Knallens lassen mag - man wenigstens vorsichtig und andere Leute verschonend zu Werke geht - dann soll man lebend und unversehrt aus der Partynacht hervorgehen. Monster, die anderen Leuten Böller unter das Auto schmeißen, wünsche ich wenigstens einen appen kleinen Finger wg. erwiesener Blödheit und asozialer Gesinnung. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen - so ist das im Happy Jammertal!

Ich habe neulich übrigens von jemandem gesteckt bekommen, daß es eine Seite für Homosexuelle gibt, die mit Nacktfotos von mir wirbt. Nun ja, genaugenommen stellte sich das als Luftnummer heraus, da die betreffende Seite lediglich mit der Aussicht auf Nacktfotos von mir prahlen konnte, da ich keine entsprechenden Aufnahmen von mir im Internet habe. Glaube ich zumindest. Obwohl es die persönliche Vita schon etwas aromatisieren würde. Vielleicht schmuggele ich ja mal ein, zwei indiskrete Schnappschüsse auf die Seite, damit ich später mal, wenn sich ganz Deutschland darüber empört, mit Phrasen hausieren gehen kann wie: "Ich war jung und brauchte das Geld" oder "Ich habe einen schönen Körper, da hat man eine besondere Verantwortung". Aber nein, Deutschland wäre nicht empört; nicht einmal Gelsenkirchen-Buer wäre empört. Irgendwo würde sich ein Vizeersatzhausmeister mit meinen Schnappschüssen einen flotten Lenz machen, und damit hätte es sich. Das würde sich nicht lohnen. Was sehe ich auf der betreffenden Seite? Zwei Leute haben mich bereits bewertet! Ich bekomme 5.0 von 10 Punkten. Na prima! Ich bin also exakt mittelmäßig! Herzlichen Dank, als ob ich das nicht schon längst gewußt hätte! Also bitte, wenn den Leuten meine Nacktfotos nicht gefallen, dann sollen die doch woanders hingehen! Bin doch nicht auf die angewiesen! Hrrrgngnggn....

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