FREI SEIN WIE DER FISCH (2. Quartal 2007)
NEWSTICKERARCHIV
311007
Das zwote Quartal dauert heuer aber ziemlich lange, nicht wahr? Nach
langer Zeit habe ich mich dazu entschlossen, meinen Newsticker (hach,
ein groooßes Wooort...) mal wieder zu aktualisieren. Das mag
nicht nach einer großen Sache klingen, aber vielleicht kennt Ihr
dieses drollige Gefühl, daß sich einstellt, wenn man
über längere Zeit etwas verschleppt. Zuerst schiebt man die
Sache nonchalant zur Seite, denkt sich nichts Böses dabei; dann
gesellt sich flugs die Scham hinzu und gebietet, daß jetzt aber
auch ein dickes Versöhnungsgeschenk fällig ist ("Unter einem
Brilli mach´ ich´s nicht!"); und schließlich
verdrängt man den Fixpunkt der Scham mit allen zur Verfügung
stehenden Mitteln. LEUTE, ICH WAR EIN WRACK! Es hat mich seelisch total
fertig gemacht, daß ich nichts Neues geschrieben habe. Vor Scham
bin ich kaum die Treppe hoch gekommen und mußte mich
regelmäßig bei den Leuten im ersten Stockwerk ausweinen.
(Zum Glück ist der Mann Psychotherapeut.) Manchmal schaffte ich es
bis ins zweite Stockwerk. Dort wohnt eine nette Frau mit Klavier, die
das Wehklagen meines geschundenen Herzens mit passender Stummfilmmusik
untermalte. Doch endlich, endlich bin ich wieder in meinem Stockwerk
gelandet und kann den Ticker updaten. Das ist zwar wirklich eine
beknackte Erklärung, aber manchmal sind beknackte Erklärungen
alles, was man hat. Sollte sich irgendwann mal wieder eine gewisse
Regelmäßigkeit in meinen Ergüssen einstellen, hieve ich
den ganzen Schamott in einen eigenen neuen Ticker. Sind ja schon 48 -
wow.
++++
Paris Hilton ist gewesen, auch wenn sich derzeit alle
Hollywood-Prominenten wegen Trunkenheit am Steuer einbuchten lassen.
Falsch verstandene Solidarität, möchte man sagen. Michelle
Rodriguez? Na ja, keine Überraschung, aber Kiefer Sutherland
dauert mich doch. Der Mann ist cool, er ist schließlich Jack
Bauer. Da sollte man ihn schon mal ziehen lassen, so lange er nicht in
eine Traube Klosterschülerinnen brettert. Ich korrigiere mich: So
lange er in eine Traube Klosterschülerinnen brettert, sollte man
ihn ziehen lassen. Jetzt kommt Bauer in den Bau. Schade. Und Paris
Hilton fährt angeblich nach Ruanda, als ob die Leute dort nicht
schon genug Probleme haben. Ein weiteres Stück komplett
uninteressanter Neuigkeiten, das weiterzugeben ich mich nicht scheue.
Leider kann ich mir nur so einen Unfug merken.
++++
Extrablatt: Ein neues Buch ist draußen, das sich mit Jörg
Buttgereits Film NEKROMANTIK befaßt. Verschiedene Autoren haben
ihre Gedanken zu diesem Meilenstein des deutschen Nachkriegskinos
zusammengefaßt, und mir oblag die Aufgabe, einen einleitenden
Text zu verfassen. Das
Buch ist noch nicht ausverkauft. Wer nicht lesen
kann, kann mich und Jörg aber hören, und zwar auf dem
Audiokommentar der just veröffentlichten DVD von FRANKENSTEINS
MONSTER JAGEN GODZILLAS SOHN, einem sehr nachdenklichen Film, der mit
viel Panache und Gusto (bzw. Verve und Sawoawiwre) eine überaus
farbige Geschichte mit Lurchen, Spinnen und so fort erzählt. Die
Bildqualität ist von bestechender Brillanz und tatsächlich so
gut, daß man eine Brille aufsetzen sollte, damit die Augen vom
Glanz nicht
bleibenden Schaden nehmen. Der Audiokommentar ist sehr passabel, womit
ich natürlich meine, daß er verdammt gut ist, ebenso
gedankenvoll wie seiner Zeit voraus, eine Verkettung umwälzender
Ideen, ein Mahlstrom von über den Rand der uns bekannten Welt
führenden Einsichten, nach denen nichts mehr so sein kann wie
vorher. Dabei so unterhaltsam wie ein Tritt in den Arsch am
Heiligabend. Ein Audiokommentar wie ein Axthieb. Und der Film ist auch
gut. Also kaufen.
++++
Mein lieber Freund Robert Z. - manch einer wird es mitgekriegt haben -
ist jetzt in den Status eines Fernsehstars übergewechselt. Da
wollte er einfach mal so eine Rede halten, und diese Rede sprengte fast
den Parteitag. Na ja, genaugenommen sprengte er fast die
Führungsspitze der Grünen. Wäre die Führungsspitze
eine Königin, wäre sie "not amused" gewesen. Robert
hätte nicht im Traum daran gedacht, solch eine Resonanz zu ernten,
aber die Basis jubilierte und der Sieg war sein. Er ist trotzdem ganz
der Alte geblieben. Ich und Cora haben uns zwar angeboten,
Purpurschnecken zu zerquetschen, denn auch als Grüner muß
man ja Statussymbole achten. (Wenngleich ich jetzt nicht weiß, ob
zerquetschte Schnecken irgendjemandes Status heben, aber wir
können ja einen Hermelin freundlich fragen, ob er uns sein Fell
freiwillig zur Verfügung stellt; dann können wir ein
Mäntlein schneidern...) Ich fand seinen Auftritt toll, sehr
souverän und Rock pur. Das Presseecho war sondernormen, und es war
schon faszinierend zu beobachten, wie sofort die Medienmühlen
anfingen zu mahlen. Mit welch abgedroschenen Formulierungen da versucht
wurde, eine Heldenfigur zu schnitzen, konnte einem schon Ehrfurcht
einflößen. Hätte Robert Gernhardt das parodiert,
wäre das kaum absurder ausgefallen. Wer Robert Z. persönlich
kennt, weiß, daß es sich bei ihm um einen ebenso klugen wie
uneitlen Menschen handelt, der immer erst nachdenkt, bevor er etwas
sagt. Das sind natürlich nicht die besten Voraussetzungen für
eine TV-Karriere, aber mal abwarten. Sein Auftritt machte ihn für
Freunde wie Gegner der Grünen zu einem vermeintlichen Spaltkeil
zwischen den Realos und den Fundis, was kompletter Blödsinn ist -
wenn einige der "professionell" gewordenen Grünen die Bodenhaftung
verloren haben, sollte das die Mitglieder der Partei, die nicht
verlernt haben, ihren eigenen Kopf zu seiner edelsten Aufgabe zu
verwenden, nicht davon abhalten, ihren Unmut kundzutun. Der Unmut fiel
auf fruchtbaren und offenbar sträflich vernachlässigten
Boden. Da war kein Spaltkeil vonnöten. Eine Kluft zwischen Basis
und Betriebsleitung existiert davon abgesehen in jeder anständigen
Partei, der des Denkens mächtige Zeitgenossen angehören, und
wenn jemand meint, es sei wünschenswert, wenn alle auf eine
Konsenslinie eingeschworen würden, so hakt es bei dem aber
mächtig. Ich bin sehr gespannt, wie lange Robert sein Ding
durchziehen kann. Das Schöne ist, daß er nicht in einer
Situation ist, wo ihn irgendein Depp zurückpfeifen könnte -
er kann einfach das sagen, was sein gesunder Menschenverstand ihm
eingibt. Und da sich das noch mit meinen eigenen Ansichten deckt,
können wir auch weiterhin zu viert Filme glotzen und Spaß
haben, wenn sein Zeitplan das hergibt. Neulich haben wir gerade Zack
Snyders martialischen Kitschkracher 300 gekuckt, und danach meinte
Robert nur: "Okay, welchem Land erklären wir jetzt den Krieg?" Ich
votierte für Luxemburg. Die Diskussion dauert aber noch an. Ich
mag den Mann.
++++
Eva Herman ist jetzt wirklich durchgenudelt worden bis zum Erbrechen.
Da möchte ich nicht zurückstehen. Die Sendung mit Kerner
erinnerte mich an die Uhr, die Christopher Walken in PULP FICTION in
seinem Po hatte, in Vietnam natürlich. Eine kostbare Preziose von
brechreizerregendem Charakter. Ein Erinnerungsstück an alte
Zeiten. Der Frau Herman zu unterstellen, sie habe braunes Gedankengut,
halte ich für Unsinn. Die Zeilen, die sie direkt ans Herz der NPD
geschweißt haben, verraten eigentlich gar kein Gedankengut, waren
grammatisch wie inhaltlich kompletter Nonsens und wirbelten
Begrifflichkeiten durcheinander wie welkes Herbstlaub. Als ich das zum
ersten Mal vernahm, dachte ich noch bei mir: Och, arme Frau, die wollte
jetzt was Profundes sagen und stolperte über ihre Zunge. Unterm
Strich hat sie ja Recht - eine gesunde Familie ist wirklich was Feines.
Starke Männer und starke Frauen. Und starke Kinder. Klar. Nun ja.
Frau Herman möchte also eine heile Familie. Das
wünsche ich ihr auch, wie auch jedem anderen Menschen. Nur... Wenn
man die Nazis ins Spiel bringt, sollte man wissen, was Großpapas
Standuhr geschlagen hat. Jeder Depp, jeder Laie weiß das. Ein
Medienprofi wie die Herman weiß das erst recht. Wem will die Frau
ihre Opfernummer eigentlich andienen? Daß sie sich ins
zuckergußumsämte Trommelfeuer des
Erfurt-Kindermikrovordienasehalters Kerner begeben hat, war ihr eigener
Entschluß. Sie schied von dannen als aufrechte Märtyrerin
für die gute Sache, als zu Unrecht Verfolgte. Wieder einmal gut
gemacht, Herr Kerner! Selbst die gruselige Frau Schreinemakers hatte
ihren hellen Moment, als sie die Herman fragte: "Du machst hier die
Johanna von Orleans - für wen eigentlich?" Die korrekte Antwort
mußte natürlich lauten: für sich selbst. Die Ansichten
der Frau Herman und ihre mühsam herbeigedrechselten
"Entgleisungen" haben an und für sich keine Sau zu interessieren.
Sie sind an Mittelmäßigkeit und an Banalität kaum zu
überbieten, sind ein simpler quotenfixierter Instant-Medienskandal
der ganz abgeschmackten Sorte. Die Frau sollte eigentlich wissen, wovon
sie redet. Weiß sie offenbar nicht. Gut - dann muß man das
aber nicht zu einem fetten Skandal aufblasen. Die ihr offensichtlich
verhaßten 68er (Müslis, Ökos, Feministen) haben damals
Türen aufgestoßen, die vorher verschlossen waren. Wenn das
zu Mißständen geführt hat, liegt das an der Dummheit
der Menschen, nicht aber an den aufgestoßenen Türen.
Daß Selbstverwirklichung und somit Selbstachtung schädlich
seien, ist so ziemlich der blödeste Scheißdreck, den man in
den Äther blasen kann. Da hat der gute Vorsatz abgekackt, und da
hätte es der Nazis nicht bedurft. Das war einfach dämlich.
Frau Herman hat sich mit ihren Vorstellungen für visionär und
avantgarde gehalten, aber es war einfach eine Binsenweisheit, die sie
unter Rückgriff auf gängige Vorurteile hat aufblasen wollen,
die
Mißverständnisse billigend in Kauf nehmend. Jetzt ist sie
eine Ikone der Faschos. Ob ihr das zu denken gibt?
++++
Genug Banalitäten. Kommen wir zu den wichtigen Dingen: Ich habe
endlich MONKEY ISLAND 2 geschafft! Von den immer steigenden
Anforderungen neuer Ballershooter und ihrer Inkompatibilität mit
meinem vorsintflutlichen Rechner abgenervt, habe ich jetzt die Flucht
in die Vergangenheit angetreten. George Lucas und seine aufgemoppelten
Sternenkrieger gehen mir ja mittlerweile am Po vorbei, aber - gibt es
Computerspiele, die noch charmanter sind als die alten Lucasart-Sachen?
Guybrush Threepwood ist zwar ein Pirat bzw. will Pirat werden, aber er
ist ein Held unserer Zeit. Und ein echtes Vorbild, denn was für
Fährnisse auch immer seinen Weg kreuzen, er bleibt humorvoll und
menschlich im Angesicht natürlicher und übernatürlicher
Gefahren. Whadda guy! Ich bin völlig geplättet gewesen, mit
welch simplen narrativen Mitteln ein fesselndes Abenteuer geschaffen
wurde, in dem dreiköpfige Affen ebensowenig fehlen wie ehemalige
Gebrauchtschiffverkäufer, die man hinterlistig in Särgen
einnageln muß, Helden in Frauenkleidern, Spuckwettbewerbe, dicke
Voodoozauberinnen, krugzerfressender Grog, menschliche Kanonenkugeln
und und und... Das ist zu toll für Worte! Die geschichtlichen
Einzelheiten kann man einmal mehr in der Wikipedia nachlesen. Ron
Gilbert gebührt ein fettes Lob. Ich habe gleich im Anschluß
den früheren Klassiker MANIAC MANSION durchgezockt, der noch
niedlich unlogisch war und ungeschliffen im Umgang mit dem Gameplay
(man kann da gut steckenbleiben!), aber halt charmant. Noch toller
freilich war SAM & MAX HIT THE ROAD von 1993, eine Art
Noir-Persiflage, die ich in der Sprachversion durchgedaddelt habe. Vor
kurzem ist ja endlich die Fortsetzung rausgekommen, die zwar optisch
aufgemotzt worden ist, aber noch denselben Charme zu besitzen scheint
wie das alte Spiel. Ein alter Favorit von mir ist das exzellent
eingedeutschte BAPHOMETS FLUCH, dessen vierten Teil ich gerade zusammen
mit meiner Süßen durchgezockt habe. Hier hat man jetzt
leider versucht, eine 3D-Grafik in die Vorgänge einzuflechten, was
ein Fehler war und zu einer lausigen Steuerung führte, aber auch
so sind die Rätsel teilweise richtig lustig. So muß der Held
an einer Stelle in einen Raum gelangen, vor dem ein Mafioso postiert
ist. Der Mafioso ist Elvis-Fan und sieht vollkommen lächerlich
aus. Gelegentlich probt er Elvis-Hüftschwünge. Ich verrate
jetzt mal was: Man muß einen trockenen Blumenstrauch neben dem
Asi anzünden, um die Sprinkleranlage auszulösen, damit der
eitle Tropf wegen seiner Haarfrisur das Weite sucht. Um das zu
erreichen, muß man erst einmal ein Fenster öffnen, damit Zug
entsteht, der den Typen nervt. Der pfeift einen aber immer wieder
zurück. Der Kniff ist nun, daß der Typ, wenn er seinen
lächerlichen Schwung macht, mit dem RÜCKEN zum Fenster steht
- dann kann man det Dingen öffnen... Sehr, sehr lustig, das Spiel.
++++
Ansonsten ballere ich nach wie vor bei GRAND THEFT AUTO alles um, was
sich bewegt. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Die Story ist hier.
++++
Im Moment arbeite ich gerade an einem Hörspiel, daß ich dem
WDR andienen möchte. Es handelt sich um eine Art Krimi. Es kommen
Tote darin vor, und es kommen Mörder darin vor. Musik spielt auch
eine Rolle. Der Anfangsmonolog geht ungefähr so:
Die
Augen des Mannes sind auf mich gerichtet, starr und kalt. Wie er so
dasitzt, könnte man meinen, er versuche sich ein Urteil über
meinen Charakter zu bilden. Seine Stirn ist in Falten gelegt. Man kann
das gerade noch erkennen, obwohl er sich im Halbdunkel befindet. Sehr
im Gegensatz zur nachdenklichen Miene verrät seine
Körperhaltung äußerste Erregung. Der linke Arm ist in
die Sessellehne gekrallt, die Rechte liegt merkwürdig
verkrümmt auf seinem Schoß. Er ist ganz still. Ich mag
ruhige Menschen. Auch dieser Mann ist mir sympathisch. Was ich von
seinem Gesicht sehen konnte und jetzt nur noch erahnen kann, verriet
Intelligenz und Einfühlsamkeit. Nicht die kaltschnäuzige
Abgebrühtheit, die man mit seinem Beruf für gewöhnlich
verbindet. Er ist Plattenproduzent, müssen Sie wissen. Ich
hätte mir sehr gut vorstellen können, bekannt mit ihm zu
werden und nette Gespräche mit ihm zu führen. Doch ein
gewichtiger Umstand spricht dagegen: Dieser Mann ist -
unmißverständlich und unwiderruflich - mausetot. Daran
besteht kein Zweifel. Die Hälfte seines Gesichtes, die ich jetzt
nicht sehen kann, da sie im Dunkeln liegt, besteht nur noch in der
Erinnerung. Genaugenommen befindet sich die Hälfte seines Gesichts
auf dem Fußboden. Ich kann es zwar nicht sehen, aber ich habe mir
jede Einzelheit genau eingeprägt. Wie er so dasitzt, könnte
man meinen, er warte. Ich muß es wissen. Schließlich habe
ich ihn umgebracht.
Fertig ist es noch nicht, aber ich wünsche mir gute Sprecher. Wenn
ich David Nathan bekomme, falle ich in Ohnmacht. Immerhin sind
Sätze aus meiner Feder schon mal von Friedrich Schoenfelder
gesprochen worden. Das war ein innerer Vorbeimarsch von einigen Gnaden.
Na, mal kuck´n. Vielleicht landet´s im Müll.
++++
Was kann ich sonst noch so aus meinem Leben erzählen? Ich
könnte viel jammern. Der Mensch jammert gern, das liegt in seiner
Natur. Anderswo brennen Familienhäuser ab, Kinder sterben, Kredite
werden gecancelt, wie das auf Neudeutsch heißt. Da sitzt man
ratzfatz auf der Straße, auch als sterbendes Kind, dessen
Familienhaus gerade abgebrannt ist. Ein Unglück kommt selten
allein. Und der frühe Vogel fängt den Wurm. Habe ich mir
gerade aus Versehen mit dem Hammer auf den Zeh gehauen? Dauert mich
gerade meine Existenz? Au ja, Existenzekel, nicht zu verwechseln mit
dem Existenzegel, einem Viech, das zum Glück nur in den dunkelsten
Bereichen der Everglade-Sümpfe vorkommt. Ein entsetzlich
impertinentes Viech, das mit Vorliebe Börsenmakler in ihre Eichel
kneift. Womit ich die Glans Penis meine, nicht die Baumfrucht. Das
wäre ja nicht so schlimm. Eine furchtbare Welt ist das, oh je.
Also, um es kurz zu machen: Ich habe mich nicht mit dem Hammer auf
meinen Zeh gehauen. In der Regel krache ich wie jeder normale Mensch
mit meinen mittleren Zehen gegen Türen oder andere
Möbelstücke, die für den braven Deutschen den
Existenzegel ersetzen. Wenn man mit den Zehen gegen
Möbelstücke donnert, kann das sehr schnell zu
ernstzunehmenden Verletzungen führen, die man aber oftmals nicht
wahrnimmt. Man bricht sich beispielsweise den kleinen Zeh und kriegt
das erst fünf Jahre später mit, WENN ÜBERHAUPT! Eine
Infamie.
++++
Wo bleibt eigentlich der Heinz-Strunk-Film?
++++
Meine Elvis-Band ist seit einiger Zeit wieder Geschichte. Es wäre
mir sehr angenehm gewesen, wenn sich der Geist von Mr. Presley
über unserem Mischpult materialisiert und uns Einhalt geboten
hätte, aber es war banaler. Kein Bock mehr. Ausgelaugt. Marode und
dem Aussterben geweiht wie der Dodo. Nach einigen Monaten hatte ich
aber schon mal wieder Lust, ins Mikro zu blöken. Beim ersten Mal
hatten Ralf und Cora einen sehr netten jungen Mann dabei, dem Stevie
Ray Vaughan etwas sagte. Der konnte auch verdammt gut spielen. Problem
nur, er war nicht wirklich Punk. Er wollte brillieren, er wollte
virtuos sein. Das war er auch, nur paßte das halt nicht ins
Konzept. Wenn jemand einen verdammt guten Bluesrockgitarristen
kennenlernen
möchte, vermittele ich ihn gerne. Für gerade knapp über
20 riß der gut was. Es paßte nur halt nicht in unsere
fröhliche Haudrauf-Combo, die munter improvisiert, aber nicht
eine ZZ-Top-Gedächtnis-Combo sein möchte, sondern nur ein
Klüngel von Leuten, der aus Jux drauflos quoddelt. Der junge Mann
wäre ein Fang für jede ernsthafte Bluesrock-Kapelle mit
harten Ambitionen. Metal mochte er auch gerne. Wir aber nicht. Jetzt
sitzen wir in unserem Proberaum und pumpern gemütsvoll, aber
schaumgebremst an unseren Kompositionen herum, die von Detektiven,
Gesichtsdeformationen und ähnlichen Dingen handeln. Die Musik wird
irgendwas zwischen Punk, Funk und New Wave. Einfacher Rhythmus,
fröhliches Geböllere halt. Mal schau´n.
180907
Neuer Text über Laurel & Hardy.
300607
In Peru wurden gerade
prähistorische Skelette von Riesenpinguinen
entdeckt. Pinguine sind an und für sich überaus sympathische
und knuddeltierkompatible Zeitgenossen, die auch DIE REISE DER PINGUINE
überstanden haben und auch weiterhin am Herzen der
Weltbevölkerung entlangwatscheln dürfen. Da sollen sie auch.
Sich nun anderthalb Meter große Pinguine vorzustellen, erinnert
nicht nur an H.P. Lovecraft ("In den Bergen des Wahnsinns", anyone?),
sondern offenbart auch tolle Jobchancen: So könnte man die
flauschigen Riesen wunderbar als Hausmeister einsetzen. Das fände
ich einfach toll, mal was anderes als die üblichen
Schnäuzerasis mit Adidas-Turnhosen. Sie würden die Klappe
halten und könnten auch wunderbar den Boden putzen, wenn man sie
in Wasser tunkt. Dann würden sie hin und her swutschen auf dem
Sudelgrund und für mildtätige Entspannung im Vermieterantlitz
sorgen. Ich behaupte mal: Das würde denen sogar Spaß machen!
Man müßte dann freilich noch einen zweiten Riesenpinguin
engagieren, der nach erfolgter Schrubbung den Boden wieder
trockenfeudelt mit seinem seidenen Pelz. Als Lohn gäbe es dann
lecker Kabeljau. Haben die alten Peruaner es so gemacht? Das ist leider
nicht überliefert, und doch gibt es einen warmen Fleck in meinem
Busen, der wünschte, es wäre so gewesen. "Ich wollte, man
büke mir einen Klöben." (Max Goldt)
++++
Noch was passiert? Oh ja, es ist jetzt wieder eine DVD herausgekommen,
auf der ich zu sehen sein werde, nämlich FRIEDHOF OHNE KREUZE, ein
ganz famoser Eurowestern von dem Franzosen Robert "Hossa" Hossein. Zu
kaufen sein wird das wertvolle Sammlerstück aber erst ab dem
nächsten Filmclub, aber es lohnt sich, denn der Film erstrahlte
selten in ähnlich schillernder Farbenpracht. Etwas getrübt
wird der Gesamteindruck durch meinen Auftritt. Ich habe da eine
zeitgenössische Kritik vorzutragen, nicht von mir, das geht ja
nicht, da ich im Entstehungsjahr gerade erst gezeugt wurde, vielleicht
sogar während des Filmes, man weiß das ja nicht, hihi.
Für die Aufnahme wurde ich nach einem Filmclub beiseite gezerrt
und hatte gerade einmal drei Stunden oder so geschlafen. Entsprechend
verwittert, verlebt und verhudelt sehe ich auch aus, aber meine Diktion
ist immerhin von bestechender Anmut. Ich habe ja immer ein gewisses
Problem damit, wenn ich im TV erscheine wie so´n Geschpenst. Beim
Naschy-Interview auf der DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN sehe ich zum
Beispiel aus wie Jabba The Hutt, weil mich der Kameramann von
schräg unten fotografiert hat. Selbst wenn man Idealgewicht hat,
geht das in die Hose, und ich war zu jenem Zeitpunkt mindestens 1 Kilo
drüber. Das sieht man auch. Verdammt. Wesentlich angenehmer war da
schon jener Kurzfilm über den "Geheimnisvollen Filmclub Buio
Omega", den der freundliche Filmemacher Michael Wolf gedreht hat. Er
war über eine lange Zeit hinweg unser Wegbegleiter und formte
seine Impressionen schließlich zu einem 35 Minuten langen Werk,
das es irgendwie fertigbringt, uns alle mit einer ungeahnten Würde
auszustatten. Ich erinnere mich noch an das zugrundeliegende Interview,
bei dem ich mir in die Hosen machte wegen einiger mir sehr ungelenk
erscheinender Sachen, die ich da gesagt hatte. Im fertigen Film wirke
ich unverdient souverän und könnte mich auf der Grundlage der
ausgewählten Zitate fast als Bundespräsident bewerben.
130407
Kurt Vonnegut jr. ist tot,
und mit ihm sicherlich der Schriftsteller, der mich seit meiner
Teenagerzeit am meisten begeistert und geprägt hat. Als sein
bekanntestes Buch gilt wohl "Schlachthof 5", in dem er seine Erlebnisse
als junger amerikanischer Soldat verarbeitete. Statt die Bombardierung
von Dresden und ihre horrenden Auswirkungen in einem
tränendrüsenaktivierenden Melodram zu schildern, nutzte er
sie für einen Science-Fiction-Roman, in der die Hauptfigur Billy
Pilgrim unwillkürlich von einem Moment seines Lebens zum anderen
gewirbelt wird. Die absichtliche Untergrabung von literarischen
Konventionen wurde auch stilprägend für sein nachfolgendes
Werk. Wirkliche Protagonisten oder gar Helden sucht man in seinen
Romanen und Erzählungen vergebens, da die herkömmlichen
Erzähltechniken Vonnegut dem realen Leben und seinen Katastrophen
nicht angemessen erschienen. Stattdessen vermischen sich viele
Geschichten in ihnen - Lebenslinien, die einander kreuzen und dann
wieder auseinanderlaufen. In gewisser Hinsicht war er damit auch
Vorläufer einer ganzen Flut von Filmen, die besonders in den 90er
Jahren populär waren und nach demselben Stilprinzip funktionieren,
SHORT CUTS etwa, MAGNOLIA oder viele andere. Wie es in einem Krieg
keine Helden gibt (geschweige denn Sieger und Verlierer), so erscheint
der Alltag in Vonneguts Romanen als eine verwirrende Flut von
Ereignissen, der man am besten mit stoischem Gleichmut
gegenübertritt, denn auf die Nase fällt man sowieso. Tragik
und Komik liefen bei ihm immer Hand in Hand und waren kaum voneinander
zu trennen. Seine komischsten Romane handeln z.B. vom Weltuntergang,
individuellem Wahnsinn oder eben Massakern. Die historische Perspektive
ist ihm unwichtig, mißt man sie an den Einzelschicksalen, aus
denen sie besteht. Die schrecklichsten Dinge erscheinen bei ihm als
bittere Komödie, während ihm Spaßgetue stets
ferngelegen hat. Vor einiger Zeit wäre der Mann fast bei einem
Wohnhausbrand ums Leben gekommen. Durch das beherzte Eingreifen eines
Admirals a.d. (der ihn in voller Uniform aus dem Apartment rettete!)
konnte er Freund Heiner noch einmal von der Schippe hüpfen. Ein
Sturz und die damit verbundene Kopfverletzung haben seinem Leben nun
ein Ende bereitet. Billy Pilgrim, Elliot Rosewater, Dwayne Hoover und
natürlich der vorzügliche Kilgore Trout werden aber
weiterleben und hoffentlich noch vielen Lesern etwas auf den Weg geben.
Mir hat Kurt Vonnegut sehr viel bedeutet und aus mancher existentiellen
Schieflage herausgeholfen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Whadda
guy. Laurel & Hardy waren Helden von ihm, denn sie taten immer ihr
Bestes, wenn es auch meistens in die Hose ging. In "Cat´s Cradle"
rafft eine wissenschaftliche Innovation unzählige Menschen dahin.
In einem Kapitel steht der Protagonist mit seinem Vater vor einer
Landschaft, die von unzähligen Leichen bedeckt ist. Sein Vater
legt ihm den Arm um die Schulter und sagt: "Sohn - eines Tages wird das
alles dir gehören!" Wer ein bißchen was über Vonnegut
nachlesen will, kann das hier im Anfang
meiner Magisterarbeit über ihn erledigen. Ich werde dieser Tage
die gesamte Arbeit online stellen. So it goes.

Hi ho.
100407
Der Kollege auf dem Bild ist dem Heinz sein Kumpel, aber dazu gleich.
Was ist passiert in letzter Zeit? Zuerst einmal war ich eingeladen beim
8. Landshuter Kurzfilmfestival,
wo ich die Ehre hatte, Jurymitglied zu
sein. Endlich sollte es sich also lohnen, seit 15 Jahren plus als
Vehikel der Szene tätig zu sein: Macht sollte mir
überantwortet werden, Macht über Leben und Tod! Ich
schnürte meiner Knickerbocker, packte mein Ränzlein und begab
mich auf den Weg ins heimelige Niederbayern. Da mich das Schicksal
bislang niemals dorthin verschlagen und ich gerade HOSTEL gekuckt
hatte, war ich mir nicht ganz sicher, was für Zeitgenossen dort
meiner harren würden. Gedankenvoll wog ich den handgeschnitzten
Eichenknüppel auf meinem Schoß, den ich mir noch rechtzeitig
zugelegt hatte, um allen Eventualitäten trotzen zu können.
"Jagdszenen aus Niederbayern", das berühmte Stück von Martin
Sperr - ich als Hauptdarsteller? Die Erfahrung langer Jahre hatte mich
vorsichtig gemacht. Schon auf der Hinfahrt geriet ich fast in einen
Stau, der sich trotz intensiver Ankündigungen auf den Schautafeln
und einer ausfahrtbezogenen Nachlässigkeit meinerseits nicht
einstellen wollte, und auch die Polizisten, die mich in der Nähe
von Köln von der Autobahn wunken, sahen dankenswerterweise davon
ab, mich zum Rhythmus von "Preußens Gloria" mit den
Gummiknüppeln zu bearbeiten. Sie waren eigentlich sehr freundlich.
Freundlich war auch ich - so ist das nicht. Als ich an München
vorbeigetünselt war, leuchtete rot das Öllämpchen und
hieß mich vorsichtig sein auf den verbleibenden Kilometern. Ich
kam aber an und fand mich in einem opulenten, ich möchte sogar
sagen: viscontiesken Vier-Sterne-Hotel wieder, in dem ich meine von
sieben Stunden schon recht müde gewordenen alten Knochen zur Ruhe
bettete. Aber ich hatte kaum Zeit, mich in den Inhalt der Minibar zu
vertiefen, als der erste (und wichtigste) Programmpunkt mich zu einem
Italiener beförderte, dessen kulinarische Kompetenz das
Jurygehäcksel gaumenmäßig begleiten sollte. Meine
Kojuroren waren drei Frauen, die alle sehr nett waren und, wenn sie
nicht Jurydienst schieben, als Regisseurin, Produzentin und
Schauspielerin ihre Brötchen erwerben. Zu leckerem Mampf stritten
wir wie die Berserker. Wir machten es uns nicht leicht. Es wurde
miteinander gerungen bis zum Letzten. Ich weinte, schrie und zerbrach
Stühle. Das Lokal hinterließen wir als rauchende Ruine. Das
fünfte Jurymitglied, ein Kameramann, glänzte wegen
Arbeitseinsatzes durch Abwesenheit, wurde aber mittels modernster
Handytechnik hinzugeschaltet. Was den ersten Platz anging, waren wir
uns alle (!) einig: Michael Drehers "Fair Trade" machte das Rennen. Ich
werde demnächst mal einen Text machen, in dem ich über alle
anderen Filme referiere, die mir als besonders lohnend aufgefallen
waren. Als der Chef des Festivals - ein sehr netter Mensch namens
Michael Orth - mir das Angebot unterbreitete, bei der Jury
mitzumischen, erwartete ich insgeheim, daß es sich bei den zu
beurteilenden Filmen zu 80 Prozent um kompletten Ausschuß handeln
würde - Leute, die mit dem Handy ihren Pömpel filmen und dazu
Rilke zitieren, sowas. Tatsächlich aber bekamen wir nur eine
Auswahl der eingesendeten Arbeiten zu schauen, und die meisten waren
zumindest kuckbar, einige davon richtig gut, und zwei oder drei Kracher
waren auch dabei. Die einzelnen Filmblöcke waren nach meinem
Dafürhalten geschickt kompiliert, und so war meine Teilnahme an
dem Event ein einziges großes Vergnügen. Meinen herzlichen
Dank an Michael, und demnächst vielleicht mehr...
++++
Eine andere Nettigkeit, die mir in den letzten Wochen widerfahren ist,
war die Aufnahme eines Audiokommentars
für die Firma Anolis. Dabei ging es um einen Film mit dem dicken
japanischen Lurch Godzilla, der hier sogar seinen Sohn mitgebracht
hatte. Als Ko-Kommentator hatte man mir zum Glück keinen Mann im
Gummikostüm zur Seite gestellt, sondern den ehrenwerten Jörg
Buttgereit. Im Unterschied zu mir hat er von der Materie richtig
Ahnung, so daß der Informationshunger der DVD-Käufer mit
Sicherheit gestillt werden wird. Ich war bei der Aufnahme so was wie
ein unbescholtener Betrachter (kicher!), der eher Vergleiche mit
amerikanischen SF-Filmen beisteuern konnte sowie hoffentlich einigen
Frohsinn. Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß, und das
Lampenfieber, das ich bei jedem öffentlichen Auftritt nach wie vor
habe, verflog im Nu, nachdem wir die ersten Sätze gesprochen
hatten. Ich habe auch meine Freundin eingebaut, die mir das Motiv des
"Debilen Kindmannes" geschenkt hat, das auch im kommentierten Film
seine Entsprechung hatte. Da die Anolis-Leute sehr nett sind,
gestaltete sich auch der Rest der Veranstaltung als überaus
angenehm, und beim anschließenden Grillen verschlang ich zwei
Riesenstücke Fleisch, was für meine Verhältnisse
sondernormen ist. Außerdem genoß ich die Landschaft rund um
Neu-Anspach, die man wirklich als Kurort deklarieren sollte. Als
Jugendlicher ohne Auto möchte ich da nicht begraben sein, aber
wenn man motorisiert ist und den Krach der Großstadt fliehen
will, ist das wirklich ein sehr hübsches Fleckchen Erde.
Außerdem hatte mein Gastgeber einen improvisierten Fischteich im
Garten, in den fortwährend Wasser hineinsprudelte, was ein
ungemein beruhigendes Geräusch erzeugte, das ich mir am liebsten
auf CD pressen würde. Die Fische, so beschied er mir, waren Nasen.
Da ich nicht wußte, daß es Fische mit einem so eigenartigen
Namen gibt, war ich etwas irritiert - der hat Nasen im Teich. Warum? Um
die Fische zu füttern? Die Zweifel an der moralischen
Integrität unserer Gastgeber und die Sorge um meine
körperliche Unversehrtheit verflogen aber wieder ob der
Herzlichkeit unserer Gastgeber, und das soll es jetzt auch mit dem
Honigeimer gewesen sein. Demnächst also Lurch-Power auf DVD. Mit
Butti und mich.
++++
Da meine Herzallerliebste und ich zu Ostern was Besonderes machen
wollten, sind wir kurzentschlossen zum Aquazoo nach Düsseldorf
gedüst. Das ist so ein Gebäude, in dem Hunderte und
Aberhunderte von Fischen und Reptilien zu besichtigen sind, nebst
anderem Viehzeugs mit Maritimbezug. Für nur 6 Euro bekommt man
gleich am Eingang echte Pinguine zu sehen, die Zentimeter neben einem
durch das Wasser des Beckens gleiten und den Betrachter mit ihrer Anmut
entzücken. Auch ein Kracher waren die Seebären, die einige
Meter weiter in einem Riesenbecken ihre Kreise zogen. Die Welt schaut
gleich ganz anders aus, wenn einen Meter über dir ein riesiger
Seebär durch das Wasser schwebt! In den kleinen Terrarien gab es
vieles Interessante zu besichtigen, darunter Vogelspinnen, Axolotl,
Katzenhaibabys, Seeanemonen, Klapperschlangen, und und und. Der Zoo
lohnt sich! Ganz toll waren die Haie. Neben dem Becken
(Wasseroberfläche etwa in einem Meter Höhe) konnte man sich
hinsetzen und die stolzen Tiere neben sich spüren. Ich kam mir vor
wie Blofeld oder irgendein anderer Bond-Oberschurke, der ein Bassin mit
wilden Tieren hat - sehr dominant! Auch die Muränen, die in dem
Becken waren, vermochten zu begeistern. Einziges Manko waren die vielen
Kinder, welche nervten, und die vielen Blitzlichtfotografen, welche
ebenfalls nervten. Ich habe auf Blitz weitestgehend verzichtet, zum
einen, um die Tiere nicht über Gebühr zu traumatisieren, zum
anderen, weil ich ein schlechter Fotograf bin und andere Menschen nur
ungern nerve. Aber was soll´s - für das seltene
Vergnügen, solche tollen Tiere in Aktion zu sehen, nimmt man die
Zumutung Mitmensch gerne in Kauf. Das Foto oben zeigt übrigens
einen Karpfen, der der Kumpel des Karpfens Heinz ist, des ältesten
Tieres im gesamten Zoo. Von Heinz´ Kumpel habe ich insgesamt drei
Fotos gemacht, und auf allen schaut er gut aus! Hier ist noch eins:

Und hier sind die Haie:

++++
Apropos Haie, zum Schluß möchte ich noch anmerken, daß
mich gestern eine Mail folgenden Inhaltes erreichte:
Anwaltskanzlei Soundso
Osnabrück
Aktenzeichen: 077xxxx86
Osnabrück, den 31.04.2007
Bitte geben Sie Ihr Aktenzeichen bei jeglichem Schriftverkehr und
Zahlungen immer an.
Sehr geehrte Kunde,
hiermit zeige ich die Interessenvertretung der Firma XXXX an.
Ordnungsgemäße Bevollmächtigung wird anwaltlich
versichert. Meine
Mandantschaft macht gegen Sie folgende Forderung geltend:
Rechnung vom 15,08,2006 aus Dienstleistungsvertrag mit der
Rechnungsnummer R760750 für die Anmeldung vom 29,07,2006 um 14:33
Uhr
auf der Internetseite P2Ppipi.com mit folgender Anmelde-IP:
217.908.749.70.
Sie schulden meiner Mandantschaft daher 783,00 EUR. Da Sie sich in
Verzug befinden, sind Sie gegenüber meiner Mandantschaft
verpflichtet,
die durch meine Tätigkeit entstandenen Gebühren zu erstatten.
Das Originalrechnung finden Sie im Anhang als signierte PDF Datei.
Bitte behalten Sie das Original Rechnung unbedingt für Ihre
Unterlagen.
Liquidation:
1,3 Geschäftsgebühr, Nr. 2300 VV 980,50 EUR
Auslagenpauschale, Nr. 7002 VV 9,50 EUR
Gesamtsumme 088,00 EUR
Der von Ihnen zu zahlende Gesamtbetrag beläuft sich somit auf
157,00 EUR.
Ich fordere Sie auf, den Gesamtbetrag, innerhalb einer Frist von 10
Tagen, also bis zum
09.04.2007 (hier eingehend)
auszugleichen. Bitte überweisen Sie diesen Betrag auf das unten
angegebene Konto. Sollte der Gesamtbetrag nicht fristgerecht eingehen,
werde ich meiner Mandantschaft empfehlen, die Forderung ohne weitere
außergerichtliche Ankündigung, gerichtlich geltend zu
machen, wodurch
weitere Kosten zu Ihren Lasten entstehen.
Wir möchten in diesem Zusammenhang auf die bereits ergangenen
Urteile verweisen, welche Sie auf der Internetseite www.dumichauch.de
einsehen können.
Bei der Anmeldung auf oben genannter Internetseite wurde die zu diesem
Zeitpunkt übermittelte IP-Adresse gespeichert. Die IP-Adresse
ermöglicht den Strafverfolgungsbehörden, im Falle einer
strafrechtlichen Ermittlung, die Identifikation des PC's, der zum
Zeitpunkt der Anmeldung genutzt wurde.
Als weitere Sicherheitsinstanz ist auf oben genannter Internetseite das
Geburtsdatum des Users eingegeben worden. Sollte sich bei einer
weiteren überprüfung der Daten herausstellen, dass ein
falsches
Geburtsdatum eingegeben wurde, ist von einem Betrugsdelikt auszugehen.
In diesem Fall hätte sich eine gegebenenfalls minderjährige
Person eine
Leistung erschlichen, die ihr nicht hätte bereitgestellt werden
dürfen.
Hier behalte ich mir im Namen meiner Mandantschaft die Erstattung einer
Strafanzeige vor. Die dabei anfallenden Kosten und Auslagen sind
gegebenenfalls gegen Sie geltend zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
Hägar Zwackelmann
Rechtsanwalt
Wie immer, wenn ich spamverdächtige Mail erhalte, bei der ich mir
aber nicht ganz sicher bin, googelte ich erst einmal nach eventuellen
Virenwarnungen. Dies erbrachte kein Ergebnis, während mir der Name
des Anwalts (hier nur entstellt wiedergegeben) an zahlreichen Orten
begegnete, meistens unter wenig vertrauenerweckenden Umständen. Da
ich die betreffende Seite selbstredend niemals besucht hatte,
wähnte ich mich im Zentrum eines Internet-Neppes, kurz Internepp.
Daß die Ablauffrist bereits abgelaufen war, schob ich auf
unseriöse Praktiken, das sehr seltene Datum der Mail (31. April)
auf einen Tippfehler. Panik schwappte durch meinen Busen! Sehr bald
rieselten mir aber zwei weitere Forderungen ins Haus, die ebenfalls
verschleppte Abo-Zahlungen für die betreffende Seite zum Inhalt
hatten. Demnach hätte ich mich also mit drei unterschiedlichen
IP-Nummern an genau demselben Tag zur selben Zeit angemeldet - das soll
mir mal einer nachmachen! Die "Originalrechnung" war allen Mails als
pdf beigefügt. Bei genauerer Betrachtung handelte es sich um
ZIP-Dateien, und wer schlau genug war, draufzuklicken, fand heraus,
daß es sich in Wirklichkeit um EXE-Dateien handelte und somit
einen Virus. Gegen Mitternacht war der Kasus dann offiziell, und mein
Anruf beim Verbraucherschutz (Nummer bereits rausgesucht!) und meine
Strafanzeige gegen Hägar Zwackelmann erübrigten sich somit.
Trotzdem, beim Googeln habe ich einige interessante Infos
herausgefunden über die Praktiken im Internet (trau, schau, wem!)
und werde in Zukunft vorsichtiger sein. Wann immer ich mich auf einer
kommerziellen Seite herumtreibe, werde ich nichts anklicken, was
verdächtig ausschaut, denn ansonsten hat man ratzfatz ein
Jahresabo für das Sexmagazin "Notdurft" o.ä. am Hacken und
darf das dann ein Jahr später mit einer Fantastillion Euro
bezahlen, wenn Zwackelmanns Erben anklopfen. Da liegt kein Segen drauf.
Soweit erst mal.

"Ich bin nicht mehr ganz
unten, doch bis oben ist´s noch weit..." (Kermits Robin)
BACK