DER UNSICHTBARE
OKTEMBER oder DIE ERMORDUNG JEAN-PAUL SPAGATS IN DER BADEWANNE EINER
SITTLICH NICHT GEFESTIGTEN FRÜHFÜNFZIGERIN AUS ÜBEL
BELEUMUNDETEN KREISEN, IN WELCHEN DAS LEID DER MITKREATUR KEINEN HOHEN
WALLUNGSWERT ERREICHT, DENN BISTE NIX, HASTE NIX, WIE DER VOLKSMUND ES
WILL
Dezember
2006 / Jänner 2007
NEWSTICKERARCHIV

Hanuman die Zaubermaus
wünscht Euch ein schönes neues Jahr!
211206
"Ich werde durch Irland fahren,
mein Auto parken, auf das Feld rennen, alle meine Sachen vom Leib
reißen, um dann nackt durch die Weizenfelder zu rennen." So
sprach jüngst Drew Barrymore, Abkömmling eines ehrenwerten
Geschlechts von Film- und Theaterschauspielern. Sich ganz nackt zu
machen, ist nicht jedermanns Sache. Ich habe in den letzten drei Wochen
mehrere Versuche, einen neuen Tickertext zu verfassen, am nächsten
Morgen gekickt, da sie mir zu persönlich und zu weinerlich
klangen. Die Menschen von heute haben alle ihre eigenen Probleme. Die
wollen nicht auch noch in den eigenen vier Wänden mit dem Bruhaha
von Fremden konfrontiert werden. Die Zeit ist arg - da frommt der
Eskapismus! Zur Fahndung nach Zielorten ist das Internet ein denkbar
ungeeigneter Ort, da die Simulation von Menschlichkeit und
Persönlichem, die hier den Ton angibt, schließlich doch nur
die Wahrung des eigenen Vorteils zum Ziel hat, sei es in Form von
finanzieller Absicherung oder einem Gleichgewicht der biochemischen
Prozesse, die das Gehirn immer wieder in Aufruhr versetzen. Ein jeder
möchte doch nur zufrieden in seiner Hängematte schaukeln, die
Blessuren der Kindheit und Jugend kompensieren und einen dicken Klacks
auf dem Erdball hinterlassen. Manche marschieren dazu in fremde
Länder ein, andere versenden Pornofotos von Ex-Freundinnen, von
denen sie sich gedemütigt fühlten. Das Gleichgewicht wohnt
immer auf der anderen Seite des Zaunes, und wenn man Herr über
beide Seiten des Zaunes geworden ist, dann ist man aller Sorgen ledig.
Das kann man entweder durch stumpfe Brutalität erreichen und
Ammoralität, aber auch durch endlose Selbstbespiegelung, die
Mythen nährt, die den Unsinnszug am Zuckeln halten. Ein
schönes Beispiel dafür ist das deutsche Fernsehen, das
mittlerweile zu fast 100 Prozent aus Hochleistungsbullshit besteht und
den geneigten Betrachter mit endlosen Kaskaden nutzlosen Mülls
beharkt. Ich habe den heutigen Abend in der Gesellschaft einiger
Freunde verbracht, in denen u.a. die Sendung "Deutschland sucht den
Superstar" thematisiert wurde. Ich weiß nicht ganz genau, ob der
Titel der richtige ist, da dieses Sendeformat mittlerweile einige
Imitatoren gezeugt hat, aber ich meine den Kram mit Dieter Bohlen und
anderen Kanonen. In der Unterhaltung hatte ich das befremdende
Gefühl, auf einmal völlig allein zu sein, denn die anderen
fanden die Sendung zwar doof, aber irgendwie offensichtlich auch knorke
und unterhaltsam. In der letzten Woche habe ich eine Folge dieses
Abhubs gesehen und finde nichts, aber auch rein gar nichts daran
lustig. Ich halte dieses Format für den letzten Dreck. Und zwar
ganz unten am Laternenpfahl, wo die Asseln tanzen. Kinderfick- oder
Todesstrafe-TV wären für mich eine Steigerung, aber
prinzipiell ist das genau der richtige Weg in den Mulch. In meiner
Runde wurde Befriedigung darüber geäußert, daß
die Nulpen, die dort auftreten, es auch verdient haben. Mag sein. Sie
sollten in der Tat mittlerweile wissen, was sie dort erwartet. Mal
vorausgesetzt, daß die Mehrzahl der dort vorgestellten
Problemfälle echt ist und nicht etwa getürkt. Es kommt auf
die Nulpen aber gar nicht an. Tatsache ist, daß das Format der
Sendung ausschließlich auf die genußvolle
Demütigung - auch die sexuelle (na ja, jede Demütigung ist
immer sexuell!) - der Kinder abzielt, die sich da zum Horst machen. Wie
genußvoll man die *widerwärtige* Vorführung der
Jungsprotten empfindet, hat sehr viel mit dem persönlichen
Neurosenhaushalt zu tun. Mag man keine Bimbos und Kuffnucken, ist man
prinzipiell schon mal den Mitstreitern anderer Hautfarbe gegenüber
latent oder offen aggressiv eingestellt. Wenn man was gegen Türken
hat, macht die Verwurstung Alis oder Mehmets besonders Spaß. Wenn
man schon seit längerer Zeit seinen Schlauch nicht mehr in eine
Öffnung befördert hat, die einem Mitglied des denkbar anderen
Geschlechts sehr gut ansteht, so tut es vermutlich gut, zu sehen, wie
eine Fotze oder Ische bzw. ein blöder Macker es mal so richtig
besorgt bekommen. Alle am Tisch waren sich darin einig, daß
Dieter Bohlen mal so gar nicht geht, aber alle fanden es super, wenn er
offensichtlich untalentierte (und lustvoll präsentierte)
Hanswursten mit einem "Tut mir leid, du bist scheiße!" in den
Orkus beförderte, feistes Grinsen inbegriffen. In der von mir
gesehenen Episode vergingen sich zahlreiche Nachwuchsterroristen an
liebgewonnenem Liedgut, und manchmal wurden sie von der Regie mit ihre
Blamage steigernden Computergrafiken veralbert. Da war zum Beispiel
eine moppelige Frau, die nicht wirklich aussah wie Cindy Crawford und
lausig sang. Die Kamera fing ihre unbeholfenen Bewegungen ein, die
gegengeschnitten wurden zu den betont peinlich berührten
Gesichtern der Jury. Den Großteil stellten aber Nahaufnahmen, die
nicht nur ihre vor Anstrengung und Angst rot angelaufene Birne
präsentierten, sondern vor allen Dingen möglichst
unvorteilhafte Grimassen, die die Dame schnitt. Ohne Frage haben sich
zahllose Menschen über die Interpretin beölt. Ob sie nun
"echt" oder nur eine Schauspielerin war, ist komplett egal. Von den
Zuschauern wird erwartet, daß sie es genießen, wenn sich
Zeitgenossen zum Gespött machen. Zeitgleich erleben wir die
unsägliche "Killerspiel"-Debatte, in der ein Urteil über die
Ursprünge der Verrohung unserer Jugend gefällt wird. Wir sind
nicht so weit vom Mittelalter entfernt, als die Leute öffentliche
Hinrichtungen als trügerisches Symbol einer nicht herzustellenden
Gerechtigkeit betrachtet haben. Die technischen Möglichkeiten sind
raffinierter geworden, aber es interessiert trotzdem keine Sau, was aus
der Mitkreatur wird. Ob Deutschlands "meiste" Tageszeitungen Kriege
anfachen und dann mit heuchlerisch vorgetragener humanistischer
Gesinnung verurteilen, erst jubelpersermäßig Stars aufbauen,
um sie dann möglichst sadistisch wieder einzureißen und sich
am entstandenen Leid zu weiden, denn der eigene Lohnscheck heiligt die
Mittel - dem Boten wird immer die Botschaft vergolten werden. Es werden
immer mehr Leute da sein, die es anstößig finden, wenn Bret
Easton Ellis in "American Psycho" schildert, wie Frauen die Augenlider
mit Nagelclippern abgeschnitten werden, wenn gesagt wird, wie es
wirklich ist im Seelenwüstenboden. Den Weg für Kriege zu
ebnen, in denen die Kombatanten in Echtzeit die Sau rauslassen
können - und, sorry, Krieg ist unvermeidlich und immer eine
Abfolge von Verbrechen! -, ist scheinbar sehr viel akzeptabler als auf
Krawall gebürstete Spiele wie "Manhunt", denen es um das Vorzeigen
von Perversitäten geht. Tut mir leid, aber da wird nur dem Boten
die Botschaft vergolten. Das Raffinement moderner Verbrechen ist
wesentlich geschickter als die Morde von Billy The Kid oder Bonnie
& Clyde und stützt sich auf die Verschleierung der
Wirklichkeit, die virtuelle Realität, die uns alle
beeinflußt, auch mich. Statt der Berichterstattung von Vietnam
sehen wir sogenannte Journalisten, die sich im Kabelfernsehen
gegenseitig ankumpeln und lustige Landserstories erzählen. Manche
handeln von den Verbrechen Saddam Husseins, manche von
Jahrhundertstürmen, von entführten und jahrelang
eingesperrten Kindern, von mißhandelten und für Pornozwecke
mißbrauchten Mädchen, von hohen Steuern, von hoher
Arbeitslosigkeit, von Weltmeistergedusel. Alles wird geschickt
miteinander verwoben, bis schließlich eine stimmige und
massenkompatible "Wahrheit" herausspringt, an deren Ende kein Konsument
mehr weiß, wo vorne und wo hinten ist. Die Anderen sind schuld,
Milosevic, Bush, Saddam, die Juden, die Schwatten, die untalentierten
Nachwuchs-Friseusensoul-Interpreten, die italienische Presse (WM!) und
demzufolge die ausgepfiffene und den Deutschen trotzdem eindeutig
überlegene italienische Mannschaft, die Türken, die
Hütchenspieler, die Politiker - für jeden Zeitpunkt gibt es
den passenden Untermenschen-Typus. Wieviel Schuld der jeweilige Typus
auf sich geladen hat, ist komplett egal - es geht um den Spaß am
Knüppeln. Das eigene Elend wird dadurch nicht beseitigt, die
Probleme bleiben ungelöst, aber man hat zumindest für einen
kurzen Moment die Macht und das Gefühl der geschwollenen Eier in
der Hose, wenn man mal ordentlich zuschlagen darf oder zumindest
gedanklichen Unrat in die Umwelt entlassen. Wir sind heute mit sehr
viel gedanklichem Unrat versorgt, und was einst die deutsche Kultur
gewesen ist (und sich eher an dem orientiert hat, was klug und
schützenswert war, egal, woher es kam), ist heute nur noch
konsensträchtige Jauche. Das mit Ironie und Dekonstruktivismuswut
zu relativieren, fällt mir nicht mehr ein. Das ist genauso
verlogen, wie alles mit "Eine Welt"-Kitsch zuzukleistern. Scheiße
bleibt Scheiße, das ist eine Konstante. Wer keinen Anstand in
sich trägt, der wird ihn auch nicht lernen. Wer nicht in der Lage
ist, Mitgefühl gegenüber seinen Mitmenschen zu empfinden, wie
immer auch dessen Abkunft sein mag, ist für mich ein dummes
Arschloch und soll auch so behandelt werden. Egoismus ist ein
notwendiger Wesenszug - alles andere ist geheuchelt oder mal wirklich
abnormal -, aber sich selbst über die anderen Menschen zu stellen,
ist nur ein Ausdruck persönlicher Schwäche und
mitverantwortlich für den Mist, den es heutzutage überall zu
besichtigen gibt. Das ist in Deutschland so - das ist überall so!
Ich mache jetzt mal ein Versprechen: Ich habe vor einiger Zeit die
zwote Bohlen-Autobiographie in ihrer ungekürzten Form gekauft, um
damit eine schöne Zeit zu haben. Der MIst wandert morgen in den
MÜLL, wo er hingehört. Das ist definitiv nicht die Richtung,
in die ich mich entwickeln will. Superstars echten Geblüts
reißen ihre Schnauze nicht so auf und versuchen vor allen Dingen
nicht, Bohlens professioneller Gesinnung zu gleichen, sondern sie sind
ihren Mitmenschen zum Wohle. Wie sehr ich auch die Hippies ob ihrer
Inkonsequenz und Pillermannhaftigkeit verachtet habe, aber sie hatten
zumindest etwas, woran sie glauben konnten. Die Bohlen-Hansel haben gar
nichts, woran sie glauben können, nur ihr eigenes Fortkommen und
ihre eigene Wichtigkeit innerhalb ihres selbstausgestanzten Universums.
Da kommen so Kiddies raus wie solche, über die in der heutigen
"Superstars"-Verherrlichungsrunde noch richtig abgelästert wurde,
Kiddies, die Behinderte an der Kasse anranzen, weil die
Arschgeweihträgerinnen mal eine Minute warten müssen. Weil
sie keine Sekunde Respekt gelernt haben vor Menschen, die sich trotz
zahlloser Widrigkeiten durch das Leben knechten müssen, das sie
ankotzt, ihnen aber dennoch lebenswert erscheint. Da kommt der Spasti
aus Elmsdetten ebenso raus wie seine Antagonisten an der Schule. Da
kommen auch Kriege raus.
++++
Au Backe, ist doch wieder ernst und pamphletisch geworden - Gott,
gib´ Grusel! Tja, die Welt ist aber andernorten mit Sicherheit
freier geworden. Im "Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega" haben wir
heute einen Film mit Butt Schpenzer gesehen, in dem es vornehmlich um
Football ging, und auch ein Meyer-Film über Frauen mit
großen Brüsten ging sauber über die Rampe. Ich habe auf
der Bühne manches über männliche wie weibliche
Tittenhaftigkeit erzählt, über Eros und Thanatos, wie alles
zusammenhängt. Wie immer eigentlich. Da ich heute zumindest einige
Stunden geschlafen hatte, war ich frohgemut und stand meinen Mann. Ich
stolperte nicht. Meine Süße mußte die Nacht davor
leider jobben und verpaßte so die Vorstellung, aber nächstes
Mal leuchtet der italienische Silberstreif am Horizont und verspricht
Seufzer, Blut und Tränen - da sieht die Sache vielleicht schon
besser aus. Meine Zusammenleb-Premiere gestaltet sich übrigens
sehr angenehm, wenngleich der Umzugsstreß noch nicht ganz
abgeklungen ist. Wir mußten den ganzen Kram aus der alten Wohnung
natürlich rüberschaffen und verstauen, und da gerade jetzt
sowohl Keller als auch Dachboden des Hauses unbenutzbar sind, stapelt
sich der ganze Jupp in der Wohnung an sich, was tägliche
Räum- und Verlagerungsaktionen nach sich zieht. Ist aber okay, und
der Zustand wird ja schon bald ein Ende haben. Ich kann gar nicht
sagen, was für ein intensives Gefühl der Beruhigung es
darstellt, die Herzallerliebste neben sich zu spüren. Man denkt ja
eigentlich, es stelle eine Beschneidung der Souveränität dar,
wenn man im eigenen Bett nicht mehr räkeln und furzen darf, wie
man möchte. Tatsache ist aber, daß man die Übung sehr
bald raus hat. Die Angst vor Freiheitsbeschneidung weicht dem Wissen,
daß da jemand neben einem schnorchelt, dem man ganz viel
bedeutet. Beim ollen Wichlaf habe ich gerade gelesen, daß das
Gegenteil von Liebe nicht der Haß sei sondern Beziehung. Was das
fiese Wort angeht (obwohl, okay, "Partnerschaft" finde ich noch
garstiger!), gebe ich ihm recht, aber Freiheit ist häufig nur ein
euphemistischer Ausdruck für Alleinsein oder sogar Einsamkeit. Ein
Stück Einsamkeit trägt jeder tiefempfindende Mensch in sich
herum, no matter what. Das muß man dann halt eben ertragen. Diese
Einsamkeit kann man aber auch zu seiner Selbstdefinierung verwenden und
nicht als eine Bedrohung betrachten. Alle Menschen sind verschieden,
und Glücklichsein gibt es nur sporadisch. Das wahrhaft
erstrebenswerte Ziel ist für mich das Zufriedensein, und
während ich dereinst mein Ideal in der autarken Lebensführung
und nachfolgenden Bettruhe sah, so empfinde ich jetzt ein unendlich
süßes Gefühl, wenn ich meine Freundin neben mir
spüre. Ich höre sie atmen und sehe, so mir das Licht es
gewährt, ihren Körper neben mir. Wenn sie schläft,
träumt sie. Das ist manchmal schön, manchmal unwirsch, aber
immer ist sie da. In jungen Jahren stand mir der Sinn nach
unkomplizierten Beziehungen, die ich sehr nach meinem eigenen Bilde
definierte. Mittlerweile bin ich schlauer und freue mich über all
das Fremde, was da mit hineinspielt und mein Leben bereichert.
Wesensselbes bereichert niemandes Leben. Ich spüre diese coole
Frau, wie sie neben mir liegt, kenne so viel von ihrer
Persönlichkeit, und wie reizvoll ich sie auch finde, aber das A
und O unseres Zusammenlebens sind all die Erlebnisse, die wir in den
Jahren gesammelt haben. Ich finde Frauen allgemein sehr toll und yahoo,
aber tatsächlich könnte mir selbst die makelloseste und
sexieste Frau nicht einmal ansatzweise das geben, was in meiner
Süßen wohnt. Niemand kann mir die Erfahrungen geben, die wir
zusammen gemacht haben. Da ist viel Streß dabei gewesen, viele
persönliche Kabbeleien, viele Verletzungen, aber was nach all der
Zeit im Vordergrund steht, ist einfach nur die blanke Freude am
Privileg, eine Hauptrolle im Leben dieser wundervollen und wertvollen
Person einzunehmen. Es sind Spaziergänge durch prachtvolle Natur,
gemeinsam empfundene Schönheit und gemeinsam durchlittene
Drangsal, tausend Impressionen, die ich mit niemand anderem verbinde
als mit meiner Cora. Da ist kein Punktekonto, das mit Minussen oder
Plussen angefüllt werden müßte. Ich liebe die Frau
einfach so, wie sie ist. Mit dem Zusammenwohnen habe ich mir das so
vorgestellt, daß viele Dinge, die ich im Vorfeld befürchtet
hätte, nicht so harsch kommen werden. Andere Sachen, mit denen ich
nicht gerechnet hätte, werden auf einmal Hallo sagen und nerven.
Das ist wohl recht realistisch. Da werden wir aber mit fertigwerden,
denn nach vier Jahren sieht es wohl so aus, daß die Liebe nicht
abkühlt, sondern trotz - oder auch wegen - der Fährnisse, die
da lauern, Tag um Tag zunimmt und an Qualität gewinnt. Ich
vermisse gar nichts. Hätte ich früher nicht gedacht. Ist aber
so. Andere Frauen sind toll und reizend und sexy, aber sie sind nicht
meine Cora. Sie sind nicht die Frau, mit der ich seit meinem 35.
Lebensjahr herumtolle und die Welt neu entdecke. Sie haben dasselbe
Equipment, aber nicht dieselbe Geschichte, dieselbe Klugheit, dieselbe
Anmut im Meistern von Lebenslagen. Um Wenzel Storch zu paraphrasieren:
Sie sind nicht verflochten mit mir wie eine Brezel. Ich liebe die Frau,
und wenn die nächsten Jahre mit Glück ebenso gepflastert sind
wie mit Schwierigkeiten, so möchte ich ersteres mit ihr zusammen
genießen wie letzteres mit ihr zusammen durchleben. Ich habe
niemals davor Angst gehabt, allein zu sein, aber das beruhigende
Gefühl, meinen Schatz neben mir zu spüren und gleichzeitig zu
wissen, daß sie ihre Historie mit mir teilt, ist durch nichts zu
ersetzen. Wir wohnen jetzt zusammen, und ich möchte, daß das
anhält, bis Freund Heiner mich mit seiner Sense holt. Ich werde
ihr niemals Fesseln auferlegen, sondern auf ihre Ehrlichkeit vertrauen,
auf ihren Mut und auf ihre Lebenslust. Ich liebe diese Frau.
++++
Und damit jetzt mal genug. Ich liebe diese Frau. Sie wird irgendwann
diese Nacht noch nach Hause kommen und sich neben mich legen.
Wahrscheinlich werde ich schon schlafen. Vielleicht werde ich wach. Ich
grunze im Halbschlaf und fühle ihre Anwesenheit. Dann sinken wir
beide in Morpheus´ Arme. Wir liegen beide im Bett und spüren
einander. Wir schnorcheln durch unsere Traumwelt. Und haben dann einen
neuen Tag miteinander. Früher konnte ich mich rumräkeln und
ins Bett furzen. Ich hatte viel mehr Platz. Jetzt ist da jemand anders.
Sie schläft und sie träumt. Ich freue mich schon auf den
Moment, wenn ich morgens ihre Silhouette erkennen kann. Ich sehe sie
schlafen und fühle mich wohl. Ich fühle mich wohl.
311206
"Wir müssen uns 2007 doppelt
anstrengen!" verkündete heute abend die Bundeskanzlerin in
ihrer Neujahrsansprache. Ich habe mir diese klugen Worte zu Herzen
genommen und die schicke Silvesterparty, zu der ich eingeladen war,
Silvesterparty sein lassen, und das nur, um endlich mal wieder einen
Eintrag in meinem Ticker verfassen zu können. Na? Ist das was?
Genaugenommen sitze ich sogar doppelt vor dem Rechner. Ein Ich hat
einen lustigen Partyhut auf, genaugenommen den Nikolaushut mit den
blinkenden Lichtern, der mir beim letzten Filmclub aufgenötigt
worden ist, um von der Bühne Weihnachtsstimmung auf unsere
Gäste herabrieseln zu lassen, Puderzucker, Pulverschnee oder
Trockengips gleich, der die Sünden des vergangenen Jahres
zudeckt und Trost spendet. Für mich wird der Jahreswechsel zu
einer Zäsur (Mensur? Tonsur?), da ich mit meiner Liebsten
zusammenziehe, womit ich Neuland betrete. Angst habe ich keine, denn
die Wohnung ist groß genug. Einige Dinge, die ich befürchtet
habe, werden bedeutend glatter laufen als geplant. Dafür werden
dann wieder Probleme auftauchen, mit denen ich nie gerechnet
hätte. Das ganze Leben ist so. Nehmen wir gestern abend. Nach
einigen Wochen aufreibender Umzugstätigkeiten bin ich zu meinem
Herzblatt gefahren, um die letzten Reste von Coras Hausstand
herüberzuretten. Ich vergleiche das immer ein wenig mit einer
Rettungsaktion, bei der es z.B. darum geht, die kleinen Mementos der
bisherigen Lebensgeschichte aus einem brennenden Haus zu retten. Jede
Fuhre, die man sicher an den Zielort befördert hat, ist "in
Sicherheit". So gewinnt man praktisch immer und wird für seine
Mühen belohnt, wie das ja auch sein sollte. Gestern also kam der
letzte Kram dran, und als ich fast alles in meinem Astra verstaut
hatte, ging ich noch mal rein, um noch eine Armvoll mitzunehmen. Wieder
am Wagen, zückte ich meinen Autoschlüssel und führte ihn
an mein Schloß. Der Schlüssel brach ab und segelte in
Zeitlupe zu Boden. Klink.
Ich stand einige Sekunden lang wie erstarrt da und dachte nur: Das darf
jetzt nicht wahr sein. Zum Glück erreichte ich unseren Bassisten
Kai, zum Glück hatte dieser gerade Zeit, mich nach Gelsenkirchen
und zurück zu fahren, den Ersatzschlüssel holen. Aber das ist
mir wirklich noch nie passiert! Das Leben zwingt einen manchmal in die
Bückstellung, und da hilft nur Vaseline oder eine schön
große Portion Honig vom Imker. Zaudern und Klagen
fällt da flach. Dafür sind andere Dinge überraschend gut
gelaufen. Ich bin beispielsweise nicht mit dem Lastwagen
verunglückt, den ich anderntags für die richtig sperrigen
Teile gemietet hatte. Da hätte dann auch keine Vaseline mehr
geholfen - das wäre eine Feiertagsüberraschung geworden, die
ich lange nicht vergessen hätte...
++++
Nun sitze ich hier mit meinem
anderen Ich und warte auf den Jahreswechsel. Noch 25 Minuten.
Kann´s kaum erwarten. Wird etwas Besonderes passieren? Werde ich
einen Anruf bekommen, daß Bernd Eichinger meinen Kommissar Ernst
verfilmen möchte, mit Bruno Ganz in der Hauptrolle? Vermutlich
nein, aber es wird vermutlich ein großes Geknalle geben.
Vielleicht liegen ja morgen die Überreste eines besonders dicken
China-Böllers auf meiner Kühlerhaube. Wenn nicht, ist das
schon wieder ein Grund, sich diebisch zu freuen und die Vaseline im
Schrank zu lassen. Auf dem Weg zurück ins Haus könnte ich,
immer noch freudig grinsend, in einen Hundehaufen treten, den ich dann
durch das ganze Treppenhaus verteile und nachher wegschrubben darf.
Wieder in der Bückstellung. Die Plagen werden nicht alle. Soll man
deswegen verzweifeln? Ich meine, nein. Man darf zwischendurch mal ganz
kurz verzweifeln, so für zehn Minuten oder so, denn das macht ja
manchmal Spaß. Doch im Großen und Ganzen sollte man auf all
die schönen Dinge schauen, die im abgelaufenen Jahr passiert sind
- das macht erst recht Spaß. Wenn einem partout keine
schönen Dinge einfallen, kann man sich alternativ ja all die
häßlichen Dinge vorstellen, die einem im vergangenen Jahr
nicht passiert sind. Mir ist z.B. nicht die Zunge in den Rührfix
geraten. Auch hat mir kein Pygmäe eine Handvoll Würmer
angeboten, weil sie die traditionelle Mahlzeit seines Stammes
darstellen, und hat dann ob meiner Ablehnung verschnupft reagiert und
mich z.B. gegessen. Eingeborene vom Stamm der Massai sollen sich ja
beispielsweise zur Begrüßung ins Gesicht spucken, ein
verwirrendes Brauchtum, das heutzutage nur noch von einigen Punks
gepflegt wird. Besonders früher war das wohl punktypisches
Verhalten, wie ich gerade gelesen habe. A propos Seiber: Pawlow, der
Erfinder des berühmten Hundes, hat neben seiner Reflexforschung
zeitweise versucht, Patte damit zu verdienen, daß er Hundespeichel in Dosen
abgefüllt hat. Wollte aber niemand haben, was mich nicht im
geringsten überrascht. Da ging es wohl wieder zurück zu den
Reflexen. 13 Minuten noch.
++++
Warum ich hier allein sitze? Meine
Teuerste ist gerade Jobben und kredenzt Tanzwütigen deftigste
Spirituosen. Viele Guppys trinken ja richtig wilde Sachen, wie Rotwein mit Red Bull,
wofür man sie mit Pawlowschen Hundespeichel übergießen
sollte. Geschändeter Wein, keine schöne Vorstellung. Das ist
häßlich, und auch hierfür danke ich meinem Geschick,
daß ich im letzten Jahr keinen durch Red Bull versauten Rotwein
habe trinken müssen. Diese Alkopopse finde ich meistenteils auch
brrr. Es gibt doch so viele schönere Möglichkeiten, um
drogensüchtig zu werden. Johnny Depp gießt sich in FROM
HELL, wenn ich mich nicht irre, Absinth mit Laudanum hinter die Binde
bzw. den Knorpel, und da ist ja schon die Zubereitung eine echte Schau.
Das Tequila-Ritual ist dagegen regelrecht banal, einem Alkopop
(alkoholsüchtiger Vater?) aber bei weitem vorzuziehen. Manche
Tequilasorten sind ja sehr lecker. 9 Minuten.
++++
Vorgestern sind wir zum "Punk im
Pott"-Festival gegangen, was eine gute Idee war. Eigentlich wollten wir
in erster Linie die Duisburger Band Eisenpimmel bewundern, deren
unbekehrte Verherrlichung archaischer Ruhrpott-Stammesriten bisher nur
unsere Ohren erreicht und verzaubert hatte. Hier gab es auch einmal was
aufs Auge, und unsere hohen Erwartungen wurden noch übertroffen.
Danach hatten wir zudem das außerordentliche Vergnügen,
Sängerin Bärbel und einige ihrer Mitmusiker - allesamt famose
Menschen - kennenzulernen und etwas mit ihnen zu schnacken. Vermutlich
setzt es demnächst mal ein Interview. Diese Begegnung adelte den
Abend und ließ den Streß der Packerei und Renoviererei
abperlen wie Hundespeichel von einer heißen Herdplatte. Ein
blöder Vergleich, aber wir haben gleich Neujahr, und ich habe
schon eine Flasche Weißwein im Bauch. 4 Minuten.
++++
Heute abend habe ich mich quer
durch das Anwesen von Alfred Woden gemetzelt, einem der Bösewichte
in dem famosen Noir-Videospiel "Max Payne 2". Sogenannte "Killerspiele"
sind ja in letzter Zeit in aller Munde gewesen. Toll - da dreht
irgendein seelischer Napfkuchen am Rad, weil ihm die Verhältnisse
in unserem Lande nicht passen, und schuld sind einmal mehr die
bösen Videospiele. Zur Verdeutlichung der Maläse hier ein
kleiner Videosketch
von Dave Chapelle, einem der wenigen wirklich lustigen TV-Comedians der
Gegenwart. Der Sketch ist allerdings nur lustig für solche, die
mit der "Grand Theft Auto"-Computerspielserie vertraut sind. Für
die allerdings mal so richtig. Für die anderen... So, Mitternacht,
bin gleich wieder da...
++++
Jepp, Anrufe getätigt, wieder
im Rennen. Draußen knallen sie wie die Bekloppten. Als Kind habe
ich das auch gerne gemacht, empfinde das aber mittlerweile als viehisch
und unelegant, was mich zu einem "party pooper" macht, einem
Spaßverderber. Ist es falsch, Menschen für Bestien zu
halten, die harmlosen Passanten explodierende Brezeln in den
Schritt werfen und sich an den Entsetzensschreien ihrer Opfer
delektieren? Nein, ist es nicht. Es ist honett, wenn nicht gar kommod.
Amok-Bastis Abschiedsbrief habe ich gelesen, da die Zeitungen ja wieder
einmal Pawlowschen Betroffenheitsseiber versprühten, als
würden sie dafür bezahlt. Ah, ich vergaß, sie werden ja
dafür bezahlt, Scherz, Scherz... Nun, die Argumentation des
Abschiedsbriefes konnte ich teilweise gut nachvollziehen. Der Basti
schien mir weder ein dummer noch ein unsensibler Mensch gewesen zu
sein. Schade nur, daß er die denkbar falschesten Konsequenzen
daraus gezogen hat. Falsche Konsequenzen zu ziehen, ist jedoch auch
für sogenannte "normale" Menschen eine einfache Übung, wie
man an der unsinnigen Killervideo-Debatte ersehen konnte. Anstatt nach
den Gründen zu fahnden, warum Kinder zu verzweifelten Soziopathen
heranwachsen und kein Licht mehr im Tunnel sehen, werden wieder einmal
Ursache und Wirkung miteinander verwechselt. Es hätte mich sehr
gewundert, wenn ein isolierter, frustrierter und aggressiver Jungspund
von, sagen wir mal, den Glücksbärchis
angesprochen worden wäre statt von Spielen, in denen wie blöd
herumgeballert wird. Zu behaupten, diese Spiele seien nun der
Hauptgrund dafür, daß Mimosen zu blutdürstigen
Bestien werden, ist ebenso kurzsichtig wie kontraproduktiv, denn
das verschüttet mögliche Lösungswege. Der Ego-Shooter
ist nämlich eigentlich das
Spiel unserer Zeit! Ein Mann allein kämpft sich durch ein
zumeist technologisches Dickicht und räumt Gegner beiseite, die
ihm alle ans Leben wollen bzw. ihn mobben wollen bzw. ihm seine
Killerspiel-Sammlung zu einem Dumping-Preis abluchsen wollen. Böse
Menschen allerorten. Um nicht der völligen Orientierungslosigkeit
anheimzufallen, legt man sich Strategien zurecht, Taktiken, denn: Haste nix, biste nix. In den
meisten Spielen liegen Medikits oder Gesundheitspäckchen parat,
die den stumpfen Lauf von der Gefahr in die Sicherheit lindern, nur um
der nächsten Gefahr direkt in die ausgebreiteten Arme zu laufen.
Wer wissen will, wie sich pubertierende Jünglinge fühlen,
kann sich ja mal Gus van Sants hervorragenden Film über das
Columbine-Massaker anschauen, ELEPHANT, in dem der Protagonist in einem
Szenenkomplex (eine Einstellung!) seine Schule durchquert, die Kamera
stets im Rücken, die anderen Schüler an ihm vorbeihuschend
wie gegnerische Pixelmonster in einem Shooter, kein Medipack in Sicht.
Dem Basti hat´s halt gereicht, und er hatte den wenig weisen
Einfall, noch ein paar andere Menschen mit in den Tod zu reißen
bzw. sie zumindest für das Leben zu schädigen. Was für
ein Idiot. Leidende Menschen sind immer egozentrisch, und irgendwann
erreicht die Egozentrizität halt ein Stadium, in dem einem das
Wohl & Wehe der Mitkreatur völlig egal ist. Hat aber nix mit
Videospielen zu tun. Ist überall so. Viel bedenklicher als der
Gewaltaspekt ist für mich die zusätzliche Isolierung, die
solche Spiele für Jungspunde bedeuten, denn Probleme werden damit
natürlich genausowenig gelöst wie mit Ekstasekapseln oder
Weinflaschen. Zu dem nachfolgenden Geblähe in den Medien will ich
nicht viel sagen, außer, daß Beckstein sich mit seiner
Gleichstellung von "Killerspielen" und Kinderpornographie wirklich
selbst übertroffen hat - man denkt ja immer, er schafft es nicht,
aber dann klappt es doch. Und Niedersachsens Innenmini, dessen Namen
ich mir aus Protest nicht gemerkt habe, fügte sich mit seinem
sinnlosen Gebelfere nahtlos ein in die Phalanx der zielgerichtet Un-
und Halbwahrheiten verbreitenden Medien, die Spiele wie die GTA-Reihe
darstellten als rein auf die Gewaltakte ausgerichtet, untermalt von
Szenenbildern, die in den deutschen Fasssungen gar nicht mehr enthalten
sind, da diese in der Regel entschärft wurden. Ein Popanz zum
Niederknüppeln halt. Der USK vorzuwerfen, sie würde Spiele
nur kurz antesten und deren potentiellen Korrumpierungscharakter gar
nicht wahrnehmen, obwohl überall einzulesen ist, daß die USK
von den Herstellern Cheats und Savegames zwingend verlangt, um genau
das auszuschließen - da steckt Kalkül dahinter, das ist
keine Dummheit. Da wollen sich Leute ihre Jobs sichern. Ganz ohne
Medikit. Die mobben, was das Zeug hält. Merkt Ihr was? Diese
Medienhengste sind exakt jene Leute, die Hachos wie den Amokläufer
in die Verzweiflung treiben, nicht die "Killerspiele"! Soll
Niedersachsens Innenmini mal schön in seinem Schützenverein
weiterballern und gegen die Spielemafia wettern - ich wünsche ihm
und den seinen, daß ihnen der verdiente Hohn gewiß sein
möge! Zu Basti fällt mir nur noch ein, daß ich es als
hochnotpeinlich empfinde, daß sich in den Internet-Foren lobende
Worte für sein Verhalten finden lassen. Das erinnert mich an den
Selbstmord von Kurt Cobain, der ebenfalls dummdreist mythisiert wurde.
Cobain hatte in seinem kurzen Leben vieles Schöne geschaffen,
für das man ihn preisen sollte. Sein Selbstmord war der tragische
Lapsus am Schluß, der vielleicht weltschmerzenden Pennälern
zum Identifikationsangebot für die eigenen Verzagtheiten gereichen
mag, aber das war eine persönliche Entscheidung, keine
Errungenschaft. Im Falle von Basti war das schlicht ein pathologisches
Umkippen ins Asoziale, das von denselben Mitschülern jetzt
kleinlaut beklatscht wird, die ihn früher nicht mit dem Arsch
angekuckt hätten. Wer hätte das ahnen können? Tja, der
Mann hatte ja nur eine Website und war auch ansonsten im Internet
hochgradig aktiv und offenherzig. Es hat nur keine Sau gekümmert,
am wenigsten Onkel Beckstein und Niedersachsens Innenmini. Und die
Jungsprotten, die schon heute versuchen, es ihnen gleichzutun.
++++
Was ist sonst noch passiert?
Ich bin weder reich noch schön noch beliebt geworden. Gerade
letzterer Umstand ist mir neulich wieder schmerzlichst an die
Bewußtseinsschwelle gepöllert, als ich meine antikenen
Miranda-Flaschen (leer) zu einer Filiale der Ladenkette "Plus" (von mir
halbschwul "Plüh"
ausgesprochen) getragen habe, wo man mir schon
vorher den leeren PET-Plastiktand nur ausgesprochen ungern
abgeknöpft hatte. Bei meiner jüngsten Pilgerfahrt in die
Abgründe des Pfanddschungels erreichte die Verachtung des Kunden
aber neue Dimensionen: Die dort beschäftigte Otze giftete mich in
ungeahnt ehrlicher Verachtung an und beschied mir, daß sie in
Zukunft keine 1,5-Liter-Flaschen mit Beulen mehr annehmen dürfe,
das habe ihr der Abteilungsleiter verklickert. Wer jemals den Fehler
begangen hat, bei fraglichem Discounter Mirandas erstanden zu haben,
weiß, daß man die Mistdinger nicht in Plastiktüten
aufbewahren kann, ohne daß die Flaschen unansehnliche Beulen
davontragen. Die limonadeninternen Gärungsprozesse führen
halt dazu. Was ich aber nicht wußte, was die von mir vormals als
"Otze" diffamierte Fachkraft nicht wußte, was man aber
spätestens vom Abteilungsleiter zu wissen erwarten sollte: Ich
könnte die albernen Plastikbatzen auch zu Kugeln
zusammenknüllen und ihr überreichen - laut
Verpackungsverordnung
muß mir die Kassiererin den Pfand
zurückgeben, solange eine Pfandberechtigung offensichtlich ist. Da
kann die heulen und zürnen. Alles andere nennt sich
"Unterschlagung" und wird bei einem Druck auf die Tasten 1, 1 und 0
sehr rasch geklärt. Wieder was gelernt - leider zu spät. Wenn
mir die überforderte Verkaufskraft noch einmal dumm kommt, kriegt
sie die volle Klugscheiß-Kanonade geliefert, denn ich gehe ja
nicht in den Supermarkt, um mir eine straffe Führung in
Domina-Manier angedeihen zu lassen, sondern lechze nach Nahrung und
Seelenheil. Ich hatte dann aber noch eine Menge Spaß, als ich mir
vorgestellt habe, wie besagte Giftnatter mit ihrem Lebensgefährten
schläft, der seinerseits Seelenheil wünscht und den Status
einer alten Pfandflasche zugebilligt bekommt. Das Leben ist so grausam.
Meines nicht. Haha. Kreuzweise.
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Zum Schluß noch
ein paar Links.
Wer sich für H.P. Lovecraft interessiert, bekommt hier die angemessene Entlohnung in
einem Lovecraft´schen Google-Service. Ob die "Elder Ones" das
gewollt haben? Stanley Kubrick - so großartig er auch war - hat
bei den Dreharbeiten auch mal Scheiße gebaut. Hier der Beweis.
Wem Silbermond, Juli und der ganze andere Kram auf den Sack gehen,
kriegt die Alternative bei 2 Live Jews und ihrem Video. Allen
Ungläubigen die Erleuchtung mit dem fliegenden
Spaghettimonster. Hier wohnt der wahre Glaube... Und zum
Schluß noch ein tolles Video, das eine
irritierende Zusammenarbeit von Adolf Hitler und Gerhard Polt
dokumentiert. Hätte leicht in die Hose gehen können, ist aber
wirklich ganz vorzüglich gelungen. Wohlsein!
"Wir müssen uns 2007 doppelt
anstrengen!"
Counterstrike ist was für Luschen -
2007 rulez!
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