Allah Rächer, du Tomperdü! (Proust)

Mai/Juni 2006

Ein Hundeleben

NEWSTICKERARCHIV

100706

Ein kleines Zidane-Spiel

090706

Leider ist am Freitag der Entertainer Rudi Carrell verstorben, der eindeutig zu jenen Showgrößen gehörte, die mich in meiner Kindheit am meisten beeindruckt haben. Jüngere Semester werden kaum nachvollziehen können, was für eine Bedeutung dem Manne zukam. Die meisten werden ihn lediglich von seinen späteren Exkursionen ins Reich des Kabel-TVs her kennen (z.B. "7 Tage - 7 Köpfe), wo er - an der Seite von jüngeren Kollegen - Witze drosch. Während aber heutzutage Comedy-Shows aus der Erde schießen wie Fliegenpilze, war das Fernsehen meiner Kindheit, mit seinen gerade einmal drei Programmen, eine sehr überschaubare Angelegenheit. Daß eine Samstagabendshow wie "Am laufenden Band" ein richtiger Straßenfeger sein konnte, war in Carrells Fall nicht nur auf den Mangel an Alternativen zurückzuführen. Carrell erledigte seine Aufgabe als Stimmungskanone stets mit Charme, Professionalität und einem sympathischen Mangel an Popanzerei. Vergleicht man ihn mit dem inflationären "Humor" der TV-Gegenwart, so fällt überdies seine ausgesprochene Liebenswürdigkeit auf, die von dem harten Akzent eher unterstrichen als kompromittiert wurde. Keine Spur von der Kiebigkeit und der für mein Empfinden unerträglichen Egomanie vieler heutiger Spaßmacher, deren Präsentation häufig eines verwischen soll - man gehört selber zu dem unvollkommenen Haufen, über deren Mißgeschicke man sich lustig macht. Rudi Carrell wußte das und gehört deshalb zu den TV-Profis, deren Ableben ich ehrlich betrauere. Im Alter von 71 Jahren erlag er in Bremen einem Krebsleiden.

Rudi Carrell

R.I.P.

Bereits am 30. Juni verstarb - ebenfalls an einem Krebsleiden - der große Lyriker und Schriftsteller Robert Gernhardt. Auch ihn verbinde ich mit meiner Kindheit, wenn auch nur mittelbar. Als großer Fan des Komikers Otto Waalkes lachte ich über unzählige Gags, die aus der Feder Gernhardts stammten. Als Urgestein der "Frankfurter Schule" und Mitbegründer der Zeitschrift "Titanic" war Gernhardt mitbestimmend für eine sehr literarische Form des Humors, die viele beeinflußte und noch mehr erheiterte. Seine Wortgewandtheit und offensichtliche Freude an der Schönheit der Sprache wurde auch deutlich in seinen Lesungen, in denen er ohne Firlefanz und Getöse trocken und feinsinnig seine Vorstellung von Schönheit verwirklichte. Seine Größe bestand auch in der Zurückhaltung, mit der er sein Fanpublikum in einen Wörtertaumel versetzte. Keine Spur vom Großmannsgetue der heutigen Humormafiosi - ein Gentleman durch und durch. Ich empfehle jedem, den das heutige Witziggetue ähnlich anödet wie mich, eine intensive Lektüre der Bücher Gernhardts. Man findet dort Leichtigkeit, Weisheit und Pracht in konzentrierter Form. Der Mann war wirklich klasse.

Robert Gernhardt

R.I.P.

040706

Okay, dit war´s. Tja, das Spiel verlief zum Glück wesentlich friedlicher, als ich das zunächst angenommen hatte. Meine Befürchtung ging eher in Richtung "Wildes Gehäcksel". Bei der Nationalhymne des gegnerischen Teams zu pfeifen, war natürlich nicht vom Feinsten, aber das war wohl nicht anders zu erwarten nach der Vorgeschichte, und das dumme Gepfeife flaute auch schon bald wieder ab. Hilfreich war, daß Italien in der Tat verdammt gut spielte, und das nach einigen durchaus durchwachsenen Leistungen. Heute waren sie schlicht & ergreifend besser. Nichtsdestotrotz haben mir die Auftritte der deutschen Jungspunde großen Spaß bereitet, und ich hoffe, daß der Rest der WM jetzt trotzdem in Feierlaune in den Schlußspurt geht. Meine Hoffnungen ruhen jetzt auf Frankreich, denn mit Spielern wie Zidane oder Henry habe ich eine Liebesbeziehung... Bei den Italienern finde ich ja Gattuso immer wieder sehr pittoresk, und wer erleben möchte, wie er mal wirklich aus der Haut fährt, kann das in diesem Ausschnitt einer italienischen Spieleshow erleben!

030706

Johoho, man kann sich für die Aufnahme eines DVD-Audiokommentars wahrlich einen besseren Termin aussuchen als das Viertelfinale Deutschland - Argentinien! Gekuckt haben wir das Spiel natürlich trotzdem und unsere gesammelten Weisheiten eben danach ins Mikrofon entlassen. Und spannend war´s! War ich vor Beginn des Wettbewerbs noch komplett davon überzeugt, daß die deutsche NM in der Vorrunde ausscheiden würde, hat sie sich meinen Respekt ganzinhaltlich erspielt. Im Spiel gegen die Argentinier zeigte sie erstmals Nerven, was aber möglicherweise damit zu tun hatte, daß man mit den Argentiniern die m.E. bisher beste Mannschaft der WM zum Gegner hatte und nicht den 1. FC Dinkelsbühl. Fakt ist, daß ich nach dem Führungstor der Argentinier ruhig blieb, da ich fest damit rechnete, daß die Deutschen nicht aufstecken würden. Tatsächlich wurden sie dann deutlich besser und erzwangen den Ausgleich. Ich weiß nicht, ob meine Gäste das auf Video haben (Easter Egg!), aber ich befand mich im Moment des Torjubels auf einmal 2 Meter in der Luft! Als die Sache dann ins Elfmeterschießen ging, war ich mir fast sicher, daß es klappen würde, denn während Lehmann vor dem Tor gelegentlich gurkt, ist er auf der Linie ein absoluter Killer. Seine Glanztat war indes eine Parade, die dann doch unnötig war, da der Treffer ein Abseitstor gewesen wäre, doch den Ball hat er heldenhaft herausgezwirbelt... Ich habe im Nachhinein mit einigen Leuten über den Zusammenprall Kloses mit dem gegnerischen Keeper diskutiert, bin aber der Ansicht, daß Klose keine Schuld trifft - das war schlicht ein unglücklicher Zusammenprall im Kampf um den Ball. Das ist deren Job, auch wenn es die Argentinier sicherlich schwächte. Grenzwertig spielte die deutsche Mannschaft nur zu Anfang, als es einige gelbe Karten setzte. Negativer Höhepunkt war für mich die Schwalbe von Ballack. De facto steht der deutsche Auftritt aber in keinem Verhältnis zu unfairen Aktionen aus anderen Spielen, und auch die Argentinier haben, mit Verlaub, Zeit geschunden nach Kräften. Wer meint, der Schiedsrichter hätte das Spiel verpfiffen, kann sich ja die diversen Fouls vom Argentinier Heinze betrachten, die ungeahndet blieben. Er selber quittierte dieses Glück damit, daß er in dem Gerangel nach Spielende als Schläger in Erscheinung trat. Wie man dieses würdelose Gekasper übrigens bewerten soll, ist mir schleierhaft, aber Fakt ist, daß die ersten Schläge von argentinischer Seite kamen. Wenn Frings tatsächlich zugelangt hat - und TV-Bilder belegen dies -, dann bräuchte er sich über eine Sperre nicht zu beschweren. Man sollte aber die vorangegangenen Kleinigkeiten wie den Eierkick gegen Mertesacker dann auch nicht unter den Tisch fallen lassen... Schade, daß so etwas noch passieren mußte. Ansonsten hat für mich die glücklichere Mannschaft gewonnen, denn beide Mannschaften hatten überlegene Phasen, und am Schluß hatten die Deutschen halt Lehmann. Ich fand das Spiel extrem spannend und werde heute auf meinem Trainingsfahrrad strampeln, damit die Pumpe morgen mithält! Daß Brasilien rausgeflogen ist, begrüße ich übrigens mit Nachdruck, da deren Auftritt zwischen Arroganz und Unvermögen changierte. Und die Franzosen gewannen hier in der Tat gegen den Schiedsrichter, der ihnen nicht nur einen Elfer verwehrte, sondern auch weiterhin strikt gegen sie pfoff. Vive la France!

250606

Hurra

170606

So, habe gerade ein Fußballspiel gesehen, bei dem es nur noch rudimentär um Fußball ging: Italien gegen USA, für das ich schon heute morgen im Filmclub Werbung gemacht hatte. Nach ihrem deprimierenden Einstand überraschten die Amerikaner durch beherztes Auftreten, was die Italiener in einige Verwirrung stürzte. Bedauerlicherweise nahm das Spiel dann eine etwas andere Wendung, als sich de Rossi dazu genötigt sah, das Gesicht seines angelsächsischen Gegenspielers mit dem Ellenbogen zu bearbeiten und danach noch die Stirn hatte, die Klappe aufzureißen. Dunkelrot, raus, am besten für die ganze WM! Die Amis ließen sich nicht die Butter, wohl aber den Gehirnschmalz vom Brot nehmen und setzen der Dummbatzigkeit des streitbaren de Rossi (der privat wahrscheinlich Geldeintreiber ist!) ihre eigene Rote Karte entgegen und gaben somit einen Bombenvorteil ohne Not aus der Hand. Ein mir nicht bekannter Spieler senste sein Gegenüber lässig aus einem 90-Grad-Winkel um und trennte ihm fast den Fuß vom Unterschenkel. Ebenfalls dunkelrot und saudumm. Zum Glück gab es ja noch die zweite Halbzeit, und womit begann die? Mit einer Roten Karte! Der Unglückswurm Cole, vorher bereits gelbverwarnt, segelte von hinten in die Beine des Vordermannes - da waren es nur noch neun. Als das Geknüppele dann vorbei war, gewannen die Amis meinen Respekt zurück und knechteten wie die Irren. Das Endresultat hieß 1:1 und ist eine massive Blamage für die Italiener, die mich auf der ganzen Linie enttäuschten. Normalerweise würde ich den Amis sogar ein Weiterkommen wünschen, wären da nicht die Ghanaer, die mit schönem Fußball und geradezu slapstickartigem Auslassen von hundertprozentigen Torchancen mein Herz eroberten. Sie verwiesen die (allerdings erschreckend schwachen) Tschechen auf die Verliererstraße. Nachdem mein erklärter Favorit Trinidad/Tobago es leider nicht geschafft hat, sich nach dem Achtungserfolg über die Schweden auch gegen die einstmaligen britischen Kolonialherren durchzumauern, sind dies vielleicht die einzigen Schwarzen, die es schaffen könnten, und ich wünsche es ihnen! Entspannte und kontrollierte Spielweise, ein amüsiertes und gänzlich ungestreßtes Lachen, wenn sie mal wieder einige Zentimeter am Tor vorbeischmetterten und sympathische Fans - so sehen Sieger aus! Die Briten - sonst eigentlich mein Favorit im europäischen Fußball, spielweisetechnisch - lieferten ein mittelmäßiges und ein lausiges Spiel ab und kamen ins Achtelfinale. Was die Deutschen angeht, so überraschten sie mich sehr durch zwar hier & da hektisches, aber insgesamt bemerkenswert gutes Spiel, das in den entscheidenden Momenten von Glück gekrönt war. Als beim Spiel gegen die Polen in der Nachspielzeit das 1:0 fiel, schrie ich mehrere Male laut vor dem Fernsehapparat. Das Donnern der Böller dauerte bis tief in die Nacht. War auch absolut verdient, was ich nicht prognostiziert hätte. Die beste Mannschaft des bisherigen Turniers sind für mich die Argentinier, währenddessen Brasilien mit matter Leistung einen Pflichtsieg hervordrosch. Fand ich sehr ernüchternd, aber ich kann dieses ganze Brasilien-Gewese eh nicht nachvollziehen. Ronaldo kam angeblich nach dem Spiel erst einmal wegen Kreislaufbeschwerden ins Krankenhaus, und das nach einer ziemlich schwachen Vorstellung. Ich werde auch bald ins Krankenhaus kommen, wenn ich noch mehr Fußball kucke, aber ein wenig dauert die Geschichte ja noch an. Gröbere Zwischenfälle - die ich eigentlich erwartet hatte - traten nicht ein. Stattdessen ist die allgemeine Laune bisher sehr animierend und erfreulich. Die ausländischen Gäste waren auch zum überwiegenden Teil eine Bereicherung des Straßenbildes, besonders die lieben Ecuadorianer. So, das also erst einmal meine kleine Zusammenfassung der WM, wie sie sich mir darbot. Jetzt geht´s wieder nach Bett, Mike Hammer umarmen und die Sterne küssen.

090606

Drei Links. Link Nr. 1: Der Weg zu Edmund Stoibers Meinung über den gewissen Bären: LINK. Link Nr. 2: Ein Gastkommentator über das morgige Spiel gegen Costa Rica: LINK. Link Nr. 3: Eine Sammlung von Proberaumschnipseln der Band, in der ich singe: LINK. Ziemlich link, und viele Doppelpunkte. Hier noch´n Schwan:

Schwan

"Was willst du?"

060606 (Tag des Antichristians)

Gänse des Teufels

"Und bedenke die Zahl der Gans, denn es ist eines Menschen Zahl..."

Für alle, die es nicht bemerkt haben: Die Apokalypse naht! Für mich begann dieser Tag - der ja sehr schnell mein letzter werden könnte, in media vita morte sumus und so Zeug! - völlig normal und ließ mich aus einem alptraumgepeinigten Schlummer emporjagen. Weder ist mir die Zunge in den Rührfix geraten noch habe ich einen Fötus in meinem Frühstücksei gefunden. A propos Frühstücksei: Nachdem ich mir einen PETA-Werbespot über Massentierhaltung angesehen habe, werde ich beim Erwerb von Eiern fürderhin ein paar Cent mehr auf den Tresen legen und zur Öko-Ware greifen. Die orthodoxen Tierschützer sind mir als Ganzes zwar suspekt, aber wo sie recht haben, haben sie recht. Muß ja nicht sein. Im Falle des sogenannten Problembären bin ich aber nach wie vor auf der Seite des pelzigen Freundes. Butch Cassidy & Sundance Kid, Bonnie & Clyde, und jetzt... ta-dah!... der "Schadbär"! Mag ja sein, daß er allmählich auch für Menschen zur Bedrohung wird, aber erstens mal handelt es sich ja nur um Bayern, und außerdem sollte es doch möglich sein, den kessen Jungen zu fangen und dann halt irgendwo auszustellen. Besser jedenfalls, als ihn einfach über den Haufen zu schießen. Das sehe ich ausdrücklich anders im Falle der marodierenden Fußballfans, die in den nächsten Tagen über unsere Metropole herfallen werden. Ich gehöre nicht zu den verbiesterten Gesellen, die vom Anblick der Deutschlandflagge bereits einen Haschmich bekommen. Das sind ja nur bunte Farben, die allein noch keinen Verdruß bereiten sollten. Daß nun aber Neurotiker aller Formen und Farben durch die Gegend laufen, die ihren sozialen Notstand dadurch veredeln, daß sie den Lappen durch die Gegend schwenken, finde ich unangenehm. Da könnte man ja den Eindruck bekommen, Deutschland sei ein Volk von Sozialhilfeempfängern. Na ja, auf dem besten Wege dorthin sind wir ja, und da die Politiker im Moment gerade Arbeitslose gegen unterbezahlte Malocher ausspielen, statt ihren eigenen Mist zu korrigieren, wird sich daran in absehbarer Zukunft auch nichts ändern. Ich frage mich des öfteren, warum es nicht zu gewalttätigen Eruptionen kommt, denn der Nährboden dafür wird fleißig besorgt. Tolles Wort auch: der "Hartz-IV-Mißbrauch"! Jetzt hat Mißbrauch endlich mal nichts mehr mit vergewaltigten Frauen oder Kindern zu tun, sondern liegt ganz bei den sozial Minderprivilegierten, die sich Sozikohle beschaffen wollen. Und es geht dabei ja nicht nur um direkten Betrug, sondern auch um das optimale Ausnutzen der bestehenden Situation. Wer alles für sich rausholen will, gilt als asozial. War nicht neulich zu hören, daß der Gesamtschaden, den der "Mißbrauch" anrichtet, sich um die 20 Millionen beläuft? Und daß die Steuereinnahmen, die dem Staat durch gewiefte Unternehmensberater entgehen, in den zweistelligen Milliardenbereich hineinlugen? Da ist es natürlich einfacher, den armen Schweinen auf die Pelle zu rücken, und zusammen mit den Medien läuft das ja auch ganz gut. Na ja, jetzt kommt ja erst einmal das "Großereignis", das wieder Unsummen kosten wird. Hier in Gelsenkirchen wird auf jeden Fall ein großes Bohei gemacht, und tatsächlich sind die Autobahn und der Hauptbahnhof gerade noch rechtzeitig fertiggeworden. Das wird sehr lustig werden, wenn sich deutsche Hools und polnische Hools auf dem neuverputzten Bahnhof treffen. Trotz meiner intensiven Abneigung gegen Klinsmann und Bierhoff bin ich übrigens nicht gegen die deutsche Mannschaft, sondern warte erst einmal darauf, wie sie spielt. Wenn es mehr wird als das Viertelfinale, bin ich allerdings bereits überrascht. Wenn Asamoah ein Tor schießt, dann zünde ich eine Kerze an, denn das ist mein Lieblingsschalker! Insgesamt halte ich aber eher zu Trinidad, die ich sehr sympathisch finde. Mein Bruder arbeitet übrigens für die Security, die das Hotel absichert, in dem die Trinidad-Kicker wohnen... Was ist sonst zu berichten? Am letzten Wochenende war ich auf einem Geburtstag, über den hier berichtet wird. Ansonsten muß ich jetzt schon wieder auf Piste, werde mich aber bemühen, den Ticker wieder häufiger zu aktualisieren, da ich so nette Post erhalten habe... :)

Entenklein

260506


Der Vorsommer zeigte sich bislang in sehr wankelmütiger Manier, enthüllte Aufgestautes, bot Antiklimaxe, goß Naß auf frustrierte Stengel und schuf Linderung nur, um sie daraufhin grausam zu foppen. Sonnensüchtige sahen sich bislang urst getriezt, wenn sie ihre geheimen Sehnsüchte erfüllt wähnten. Der Winter war lang, und das galt auch für mich. Wann immer ich meinen Ticker zu aktualisieren trachtete, hielt mir ein grimmiger Schneemann die Möhre vor die Nase und hieß mich schweigen. Zu meiner Entschuldigung möchte ich anmelden, daß die Möhre allgegenwärtig war - das Jahr 2006 hat leider die hohen Erwartungen, die ich in es setzte, in keinster Weise erfüllt. Wir haben eine Regierung, die die Fehler der vorangegangenen nicht korrigiert hat, da die nulpigen Tendenzen offenbar parteienübergeifend walten. Die Arbeitslosigkeit ist immer noch galoppierend, der menschenverachtende "Hartz IV"-Schwachsinn erfährt immer noch Bejahung in einflußreichen Quartieren, und der herannahenden WM wissen manche Elemente nur damit zu begegnen, daß sie Leute, die zufällig eine andere Hautfarbe tragen als sie, vor den Bregen kloppen und damit Ehefrauen ins Unglück stürzen und Kinder zu Waisen in spe machen. Na ja, waren die Potsdamer Asis halt keine organisierten Rechtsextremen - wen kümmert´s? In meinem Buch ist es trotzdem nicht statthaft, Menschen ins Koma zu treten. Wer so etwas macht, ist ein Dreckskerl! Kanonen wie Schönbohm versuchen, das Geschehene schönzureden, und allein dafür gebührt ihnen die Schmach der kollektiven Vergessenheit. Natürlich haben die Übeltäter "Nigger" gesagt, aber rechtsextrem geht es hier trotzdem nicht zu - geht es noch? Es ist trotzdem eine verdammte Schande! In ein paar Tagen stehen hier ein paar Nationen vor der Tür, und Deutschland wirbt mit dem Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden". Ich wünsche mir ja von Herzen, daß die WM friedlich vonstatten geht. Allein mir fehlt der Glaube, daß Dumpfmeister aller Arten ihre jeweiligen Frustrationen mal in ihrem Bauchbeutel verstecken können. NPD & Co. haben ja schon kundgetan, daß sie den Iran mit Solidaritätsbekundungen versehen werden, nur weil deren geisteskranker Präsident etwas gegen die Juden gesagt hat. Na prima. Cool. Wird die Welt sofort in Ordnung bringen. Mir als Außenstehendem ist es putzigerweise komplett egal, ob ich von wildgewordenen Glatzen oder von islamistischen Fundamentalisten plattgemacht werde. Mir beide gleichermaßen unsympathisch. Gehören in die Wurst. "Die Welt zu Gast bei Freunden..." Mir hat neulich jemand gesagt, ein Puff im Ruhrgebiet habe mit Plakaten für sich geworben, auf denen stand: "Die Welt zu Gast bei Freundinnen". Anbei die Flaggen aller teilnehmender Nationen. Daraufhin seien diverse grimmige Individuen bei dem Puffbetreiber aufgetaucht und hätten Zoff gemacht, die islamischen Länder sollen vom Plakat entfernt werden. Der Betreiber besagten Etablissements habe daraufhin entgegnet, er denke gar nicht daran, seine Poster zu verändern. Die Kritiker hätten ihm daraufhin ihre Wummen gezeigt, was Eindruck schund und eine sofortige Tilgung der islamischen Flaggen zur Folge hatte. Abgesehen davon, daß ich mich frage, woher die Gotteskrieger Kenntnis erlangten über Plakate im Puff, finde ich die Maßnahme in bewährter Manier ebenso blöd wie abstoßend. Wen kümmert Allah, wenn es um Prostitution geht? Ich bin der Letzte, der einen Stein auf Frauen wirft, die als letzte Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sehen, die Beine breit zu machen. Das ist halt Kapitalismus. Das ist widerlich, aber das ist Kapitalismus. Interessiert irgendjemanden außer den Feministinnen, wieviele osteuropäische Frauen schon jetzt eingeschleust worden sind, damit der Samenstau von hiesigen Fußballfans in die sogenannten korrekten Bahnen geleitet wird? BAH!!! Wer immer seinen Schlauch in vermeintlich leichtlebige Litauerinnen versenkt, ist mein Feind! Das ist widerlich! Wenn eine Frau aufgrund ihrer finanziellen Situation so verzweifelt ist, daß sie alle Träume auf Liebe, Zuneigung und ein einigermaßen lebenswertes Leben drangeben muß, um sich über Wasser zu halten und einigen asozialen Mistkerlen die Taschen zu füllen, dann ist sie ein verdammtes Opfer, und wer gerne Filme mit Dickmuckis wie Chuck Norris, Steven Seagal und Sylvester Stallone kuckt, sollte sich davon erst recht fernhalten. Leuten, die damit Geld verdienen, verdienen Prügel und nichts sonst... Was Leute wie Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff verdienen, wird sich dann während des Wettbewerbs herausstellen. Ich habe mich schon dazu entschlossen, nicht automatisch für die Deutschen zu sein, da diese so unsympathisch sind wie nie zuvor. Wenn sie gut spielen - fein, da bin ich dann gerne dabei. Ansonsten hoffe ich, daß an sich geniale Mannschaften wie die Engländer oder die Franzacken mal wieder richtig den Läufer ausrollen. Ich möchte richtig guten Fußball sehen!

Schneefickchen

Die Geburtstagsfeier des "Geheimnisvollen Filmclubs Buio Omega" ist sehr würdevoll vonstatten gegangen, wenngleich die Torte in eine andere Richtung wies. Mit ihren fürchterlichen Exzessen schien die Torte ein Zeitalter einzuläuten, wie nur Torten es einläuten können. Qualvoll masturbierende Zwerge und ein gefistetes Schneewittchen ("Ach, der sucht doch nur einen Ring!") schienen die äußerst mangelhafte sittliche Gewandung der Clubberer und vor allem deren Tortenschöpfer anzuprangern. Das zu sichtende Programm widersprach dem auch nicht, sondern gab dem Affen reichlich Zuckerguß. Schon bald nach dem Geburtstag wonk der erste Stargast: Muskelmann Brad Harris flog ein aus den USA und gab dem Affen Zucker. Daß nur drei Wochen danach der nächste Stargast ums Eck lugte, war sehr schön, da es sich um Jörg Buttgereit handelte, einen sehr lieben Berliner. Jörg präsentierte nicht nur sein neues Buch (an dem ich einen klitzekleinen Anteil haben durfte), sondern auch eine Trailershow, die er überaus charmant kommentierte. Ich habe einige für gewöhnlich sehr kritische Zeitgenossen neben mir gehabt, und die waren sehr angetan von seinem Vortrag. Danach gab es noch den originalen GODZILLA von 1955 als bemerkenswert gut erhaltene 35mm-Kopie. Am Vorabend waren wir bereits in einem sehr feinen Lokal in Essen essen gegangen. Den Viktoriabarsch lehnten wir unisono ab, da wir ja DARWINS ALPTRAUM gesehen hatten. Andere Fischsorten fanden kein Pardon. Die Lachskroketten waren absolut genial, wenngleich ich von der Vorspeise "Gebeizter Schwertfisch" meine Finger gelassen habe. Was "Spitzkohl" ist, muß ich wohl ein andermal herausfinden. Wir haben uns alle nett unterhalten, Sailor Ripley hat mir ein paar neue Parks zum Spazierengehen gezeigt, und der Verleger von Jörg, Martin, war auch supernett. Das war mal ein gelungenes Event!

++++

In eigener Sache möchte ich darauf hinweisen, daß Robert und ich demnächst einen weiteren Audiokommentar machen werden, zu einem frühen Polizeifilm-/Giallo-Mix von Sergio Martino, der noch niemals englischsprachig erschienen ist. Auch wurde mir ein Audiokommentar zusammen mit einem berühmten deutschen Schlagersänger angeboten, der auch mal in italienischen Filmen mitgespielt hat. Das würde mich mal richtig interessieren... Der neue Artikel für die "Splatting Image" ist bereits abgeschickt und wird von Kannibalen handeln. Genaugenommen handelt es sich um einen Zweiteiler, da mir doch mehr erstrebenswerte Titel aufdämmerten, als dies zunächst der Fall war. Den Anreiz für den Artikel gab übrigens nicht der doofe Herr Meiwes, sondern ein leckeres Essen mit Freunden von mir. Am Wochenende werden Cora & ich nach Hagen fahren, um einem Doppelgeburtstag beizuwohnen, vom Rinderschädel und vom Sittenstrolch. Ich habe neulich bereits einem schmissigen "Sons Of Tarantula"-Konzert beigewohnt, das das bisher erste Mal markierte, wo ich mit einem nackten Mann Bier getrunken habe. Das Leben wird immer reicher mit den Jahren! Dem nackten Mann und seiner tollen Frau von hier aus ein lieber Gruß...

***
Ich habe noch verschiedene Tünseleien aus den letzten drei Monaten aufzuarbeiten. Wird demnächst geschehen, näch. Genaugenommen habe ich schon ausführliche Soundbits von den Elvis-Proben hochgeladen, warte aber erst einmal, was meine Mitverschwörer dazu sagen. Demnächst hier, sage ich mal. Von meinem neuen Blog erzähle ich dann auch. Hier erst einmal eine Tafel vom Haus für psychische Störungen, in dem wir proben:

Schild

So geht das.


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