DTSCHLND IM HRBST -
HÖLLEMBER 2005
Du
bist Tokio!
NEWSTICKERARCHIV
011205
Oh, ist schon Dezember? Die heutige Bandprobe der Elvis-Combo ist etwas
aus dem Ruder gelaufen. Es passiert ja praktisch immer etwas Neues und
Aufregendes. Man kommt da gar nicht umhin. Wie üblich habe ich mit
der Band den alten Stiefel aufgeschnürt und den üblichen
Reigen aus echoverhallten und gnadenlos übersteuerten Schmonzetten
heruntergebetet. "Elvis Has Just Left The Building" von Zappa habe ich
unter Zuhilfenahme meines Yamaha-Keyboards mit Kirchenorgel
angereichert und am Schluß das "Dies Irae" aus der lateinischen
Totenmesse angefügt, das selbst ich als Dilettant noch gerade
hinbekomme. Als wir durch waren mit den Standards, wollten wir wieder
etwas improvisieren. Torsten schrammelte etwas Punkiges aus seiner
Gitarre, woraufhin ich erst einmal mit 16-Jährigen-Standards
loslegte wie: "Oh, wie ich mich schäm´/ für das System/
Es tut mir so wehm/ Das alte System/ Es ist so überkommen/ und
veraltet/ Wir werfen es um, wir werfen es um, lalala..." Zwischenruf:
"Liebe Punks, ihr sauft euch die Birne blöd, wir verdienen Geld -
so spielt das Leben! Denkt an Bruce Springsteen, es klappt..." Danach
erwachte die Romantik, und ich schametterte: "Dein Haar war wie Flachs/
Es glänzte wie mein Lachs/ Im Mondenschein von Capri." Das
neugewonnene Stück mutierte dann in: "Dein Nasenhaar war so
wunderbar/ es erinnerte mich an Erika/ Dein Nasenhaar, das unsere Liebe
gebar/ Es erinnerte mich an Erika." Und: "Dein Doppelkinn, da
schlag´ ich voll hin/ Es geht mehr nicht mehr aus dem Sinn/ Es
ist ja so ein Gewinn/ Für die Müllerin/ Oh, dein schönes
Doppelkinn." Und: "Das Haar in deinen Ohren/ Das hat dich für mich
erkoren." Als Refrain mendelte sich dann schließlich heraus: "Oh,
die schönen Teile von dir/ Die hätte ich gerne auf Papier."
Da des Unsinns noch nicht genug getan war, erinnerte ich mich an ein
Weihnachtslied von Rolf Zuckowski, der mit lauter Kindern
herumsaß und "Dicke rote Kerzen" trällerte -
möglicherweise mein Lieblingsweihnachtslied aller Zeiten! Daraus
entsponn sich dann folgender Pogo: "Dicke rote Kerzen / Trag´ ich
in meinem Herzen/ Ein Hauch von Heimlichkeit/ Oi, oi,oi!" Der Refrain
lautet dann: "Oh, wie bin ich froh/ Weihnachten im Po." Es ist ein
ziemliches Geschrammel, macht aber sehr viel Spaß. Sollten wir
das jemals herausbringen, müssen wir wohl die Rechte
abklären. Ansonsten war ich trotz vorabendlicher
Sonderbeanspruchung einigermaßen oho in sangestechnischer
Hinsicht. Da bin ich ja man stolz drauf! Habe ich eigentlich schon
erwähnt, daß mein neuer Artikel für die Splatting Image
von weiteren Absonderlichkeiten aus dem Umfeld des alten Videolabels
VMP handeln wird? Da wird es einen schönen Weihnachtsfilm geben,
aber auch einige andere sehr eigentümliche Produktionen aus
Schweden, der Türkei, Großbritannien, Italien...
241105
Wann immer ich dieser Tage an meiner Sparkasse Geld abhebe und auf die
Fußgängerzone der Bueraner Innenstadt einschwenke, erwartet
mich ein zehn Meter großes Porträt des sich mittlerweile in
Schalker Diensten befindlichen Wunderstürmers Kevin Kuranyi, das
an der Fassade des Kaufhauses Karstadt prangt. Nun stehe ich dem Herrn
Kuranyi weiß Gott nicht mißbilligend gegenüber und
bewundere seine Fähigkeiten als Balldrescher. Selbst sein
Hiphopbart hat mir noch nie die Suppe versalzen. Trotzdem finde ich es
- um es milde auszudrücken - übertrieben, sein Ponem in
saftiger Überlebensgröße meinem ohnehin von grimmigen
Gesichtern gesäumten Stadtrundgang aufzupfropfen. Zudem wurde der
süß lispelnde Simpatico obendrein in einer Pose
festgehalten, die so gar nicht zu seinem charmanten und harmlosen Wesen
paßt - Laibach wären stolz auf ihn! Er sieht aus wie ein
türkischer Nazi, so martialisch, wie er da dreinblickt. Paßt
gar nicht zu ihm, meinen alle, die ihn kennen. Ich kenne ihn nicht,
aber eine Kontaktanzeige, die mit diesem Foto geschmückt
wäre, hätte am ehesten Chancen in der amerikanischen
Waffengazette "Söldner des Glücks" (freie Übersetzung!),
und das paßt ja nun mal gar nicht! Selbst wenn das Foto ihn in
der denkbar friedfertigsten Erscheinungsform abgebildet hätte,
wäre mir dieser optische Informations-Supergau zuviel gewesen. Ich
will nicht, daß mir meine Mitmenschen aufgezwungen werden, wenn
ich bei "Nordsee" meinen Aal kaufen möchte! Man stelle sich nur
vor, die neue Bundeskanzlerin würde einem beim Stadtbummel ins
Gesicht grienen wie ein heimwehkranker Godzilla - das wäre doch
nicht schön!
++++
Der Herr Ratzinger, welcher jüngst zum Papst erhoben wurde, hat
vorgestern einiges klargestellt im Hinblick auf die Erwartungen, die
die Jugend beim jüngst erfolgten "Weltirgendwastag" in Köln
an ihn gerichtet wurden. Er entbot per Sekret, daß Homosexuelle
künftig auf eine Priesterweihe verzichten müßten, es
sei denn, sie hätten bereits seit zwei Jahren nicht mehr gepoppt
(Nachweis erbeten) und ihrer sündigen Leidenschaft entsagt. Na ja,
da stelle ich mir mal so einen leidenschaftlichen Schwulen mit
Gottglauben vor, der sich seine Libido per Sekret mal ebenso
abschwatzen läßt von einem Herrn, der objektiv betrachtet
aussieht wie ein grinsender Zombie. "Das muß ein schlechter
Schwuler sein", um ein altes deutsches Volkslied zu zitieren. Was soll
denn bitteschön passieren, wenn man geschlechtsreifen Männern
den Umgang mit Frauen verbietet? Welcher geschlechtsreife Mann
würde sich so etwas überhaupt antun lassen? Vielleicht sollte
man dem Benefiz-Ratzi mal ein Poster von Gary Glitter zuschicken, etwa
dieses hier:
Der Heros des Seventies-Glitterpops ist jetzt leider hoppgenommen
worden, da ihm der Schniedel scheinbar nach zu Frischem schwoll. Vor
etwa einem Jahr hatte man den Herrn bereits inhaftiert, da er seinen
Computer in die Werkstatt brachte. Auf der Festplatte fand man
Kinderpornomaterial. Nicht nur pervers, sondern auch doof, mag da
mancher sagen. Nicht zu unrecht. Jetzt scheint es ihm richtig an den
Kragen zu gehen - die "Welt"
berichtet. "Hey, Rock´n´Roll" kann man auch zu weit
treiben. Ich glaube, das darf man wohl mit Fug und Recht als Tiefpunkt
einer Karriere bezeichnen.
++++
Metal-Musiker haben in dieser Hinsicht bedeutend weniger Probleme.
Jüngst habe ich mir von einer Freundin erzählen lassen,
daß der Gruftrock-Schwarm vieler Freundinnen von ihr - Peter
Steele von Type-0-Negative - sich für eine Publikation hat
ablichten lassen, "Playgirl" oder so. Ich erwartete jetzt peinliche
Fotos mit halberigiertem Penis, wie man das aus Damenwichsblättern
so gewohnt ist, aber nichts da - Peter rockt ab, von hier bis nach
Stockholm! Mir trumpfte die Kinnlade am Boden auf, als ich die Bilder
sah. Also, Softcore so direkt war das nicht! Wenn man als Mann seinen
wippenden und im geschlechterrummelspezifisch einsatzbereiten
Lümmel präsentiert, sollte man wenigstens eine entsprechende
Macho-Pose einnehmen, die entweder von geschlechterrummelspezifisch
interessierten MenschInnen dankend zur Kenntnis genommen wird oder aber
fröhlich belacht werden kann. Herr Steele ließ es sich aber
leider nicht nehmen, "ästhetisch" zu posieren, und das geht
wahrlich fürchterlich in die Buxen: Seinen Freudenspender in der
Hand zu halten wie einen Fahrbahnbegrenzungspöller um Mitternacht,
dabei aber waidwund-weltschmerzig zur Seite zu schmachten wie Jean
Genet auf dem Abtritt - das geht nun wirklich gar nicht! Der Peter
Steele ist gut gebaut, keine Frage, aber ästhetisch ist das die
Lachnummer hoch zehn. Ich habe das Bild einer Freundin in Darmstadt
zugeschickt, die den Parvenü früher mal gut fand. Hier ihre
Replik:
"iiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhhhhhh...............ist das
eeeeeeeklig...............ich werd auf der stelle prüde, frigide
und wassonstnoch...............bäh (doppelter wodka). der typ ist
ein absoluter schwachmat - was an dem begehrenswert ist, muss mir
mal jemand erklären. danke fürs foto auch - der schniedel als
solcher ist ja ganz nett; vielleicht kann man den rest operativ
entfernen?!"
Das Bild darf ich aus urheberschmutzlichen Bedenken heraus leider nicht
onleinen, aber immerhin auf eine
Website verweisen, auf der ein offensichtlich hochbelahrtes Groupie
von ihren Erlebnissen mit Metallmusikern und ihren Geschlechtsteilen
berichtet. Das fand ich sehr erhellend und amüsant.
++++
In computerspieltechnischer Hinsicht entsage ich derzeit den
sogenannten Ich-Schießern, da mich deren Fantasielosigkeit
zunehmend nervt und die Grafikkartenanforderungen meinen Geldbeutel
sprengen. Man muß da wohl jedes Jahr zweimal die Grafikkarte
auswechseln, um einigermaßen auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Das ist mir zu blöd. Stattdessen habe ich in einer
Computerzeitschrift ein schönes Adventure namens "Runaway" aufgetrieben, das
rockt und rollt. Zwar rockt und rollt es nicht ganz so sehr wie die
späteren Flüche vom Baphomet, aber es ist sympathisch
erdacht, schont den Adrenalinpegel und amüsiert durch lustige
Späße. Die Eindeutschung war wieder einmal sehr ansprechend
und brachte mich einige Male zum Lachen. Ein Studentenschnösel
will da nach Berkeley, um ein Stipendium anzunehmen, bekommt aber eine
scharfe Tanzschnalle ab, die ihm vor den Autokühler stolpert. Das
führt zu einem wilden Abenteuer, in dem in Geisterstädten
wohnende Grunge-Mädels mit Vorliebe für Woody Allen ebenso
einen Platz haben wie grenzdebile UFO-Freaks und abgetrennte Finger in
Formalin. Ich habe bei dem Spiel einige Male geschummelt
("walkthrough"), da mir die Zeit doch etwas knapp wurde, aber es hat
großen Spaß gemacht. Am liebsten würde ich gleich
"Monkey Island" spielen, aber sämtliche Teile dieses Klassikers
werden ja leider zu Unsummen auf eBay verschachert, und das ist mir
dann doch zu happig. Wer nicht andauernd rumballern muß, darf
sich auch bei Saturn oder Karstadt das Spiel "Black & White" besorgen,
dessen Fortsetzung dieser Tage erschienen ist. Die Fortsetzung kostet
40 Euro plus, aber der erste Teil ist jetzt überall für
´nen schlappen Zehner erhältlich und lohnt sich gewaltig. Da
darf man ein richtiger Gott sein! Man rettet ein Balg vor den Haien,
und auf einmal hat man eine solide Gefolgschaft, die sich immer mehr
erweitert. Die bauen einem zunächst einen Tempel, und dann beginnt
es schon mit den Pflichten, die ein solider Gott nun mal zu
erfüllen hat. Man muß den Anhängern beim Häuserbau
helfen, bei der Ernährung und bei der geistigen Erbauung. Ein
böser Gott kann man auch werden und strafen, bis die Mütze
qualmt. Ich wollte ja zu Anfang der ultimative Arschgott werden und
Bäume und Felsen auf meine Jünger werfen. Leider erwies ich
mich als zu gut. Das hat mich dann doch schockiert. Als ein Einsiedler
mich auf einmal anmachte ("Ey du, was du da machst, imponiert mir keine
Handbreit, du kannst mich mal!"), zertrümmerte ich sein Haus, was
ihn erst einmal zum Heulen brachte. Da ich diese Lektion nicht
ausreichend fand, schmiß ich ihn ins Meer mit meiner
göttlichen Kralle. Da mich das Gewinsel des Irregeleiteten denn
doch dauerte, fischte ich ihn wieder heraus. Die dumme Sau vergolt es
mir, indem sie die Lebensmittelvorräte meiner Anhängerschaft
in Flammen steckte! Ich habe den Strolch nie wieder getroffen, aber
meine Lektion gelernt: "Gott des Zorns" rockt kurzfristig wie die
Hölle, aber danach muß man leider Federn lassen! Naja, ich
habe dann meinen Jüngern geholfen, Hütten, Werkstätten
und so fort so errichten, und je mehr mich die Tröpfe anbeteten,
umso mehr stieg auch meine Kraft, kräftig herumzuwundern, und die
Menschen - wie das Spiel es ausdrückt - sind ja so leicht zu
beeindrucken! Missionieren - ein Kinderspiel, wenn man die passende
Wunderwucht in Händen hält. Da wachsen Wälder, da
wächst das Korn auf den Feldern - cool ist das! Da man so als Gott
ja auch sehr gestaltlos ist, darf man sich auch eine Kreatur
auswählen. Es gibt eine Kuh, einen Affen und einen Tiger. Ich habe
die Kuh gewählt, die denn auch triumphierend die Arme reckte und
happy muhte. Die anderen beiden schauten traurig nach unten und
weinten, aber ich habe sie getröstet - beim nächsten Mal! Die
Kuh war auch wirklich super, wenngleich man sie andauernd kraulen und
gassiführen muß, sonst erlahmt irgendwann ihr
Gehorsamkeitswille. Die wird richtig renitent. Wenn man sie krault
("Guter Junge!"), dann wuschelt sie sich behaglich. Besonders gern wird
sie am Hals und hinter den Lefzen gekrault. Da muht sie geradezu
ekstatisch. Später im Spiel bekommt man es mit schlimmen Fingern
zu tun, aber deren Klientel muß man dann eben auch missionieren.
Es sei denn, man zieht die Fürchtegott-Variante vor und
läßt es Pech und Schwefel regnen... Ein richtig tolles und
vielseitiges Spiel, mit einer Menge Humor. Bin begeistert.
181105
Heute habe ich einem Freund von einer Szene in dem deutschen Film
LAMMBOCK erzählt, in der ein männlicher Zeitgenosse
unfreiwilliger Nutznießer einer Überraschungsparty wird und
bei einem Akt der Selbstbefleckung aufgeschreckt wird, der mit Hilfe
eines Staubsaugerrüssels ausgeführt wird. Das ist dann
ziemlich peinlich. Der Freund, dem ich dies erzählte, toppte diese
fiktive Story mit Leichtigkeit mit einer Geschichte von wonniglichstem
Realitätsbezug: Ein ehemaliger Internatsfreund von ihm ertappte
seinen Zimmerkollegen bei einem unzüchtigen Akt mit einem
Wurstbrot, das der liebestolle Patron zwischen die Lamellen einer
Heizung geklemmt hatte. Die Wurst hatte sich erhitzt und weckte somit
angenehme Assoziationen. Das war dann wohl auch ziemlich peinlich,
nehme ich an. Besagter Freund (der, dem ich dies erzählte, wir
erinnern uns!) hatte dann auch noch eine andere peinliche Story parat,
die in die Abgründe der Sexualpathologie führen: Ein
Deutschlehrer frönte geheimen Lüsten, die dann von seinen
Schülern entdeckt wurden. Jenen Schülern nämlich, die es
sich zur Gewohnheit gemacht hatten, die Fachzeitschrift "Happy Weekend"
zum persönlichen Gaudium zu klauen. Das ist eine Zeitschrift, in
der einsame Menschen (oder Menschen, die sich einsam fühlen, was
eigentlich ein Unterschied ist, im Resultat aber auf dasselbe
herausläuft) inserieren, um sogenannte Gleichgesinnte
aufzuspüren. Ich erinnere mich, während meiner Studentenzeit
des öfteren solch eine Zeitschrift erstanden zu haben. Ich und
mein Studienkumpel fuhren von Bremen nach Göttingen, und der
jeweils nicht am Steuer Sitzende las dem jeweils am Steuer Sitzenden
dann die Anzeigen vor und war auch dafür verantwortlich, ins
Steuer zu greifen, wenn Lachsalven den Steuernden von seiner für
das Gemeinwohl sehr wichtigen Pflicht abzulenken drohten. Die Anzeigen
waren häufig auch mit Fotos illustriert, die keinen Zweifel an der
Gesinnung des Inserierenden zuließen. Da waren Penisse zu sehen,
die unter den unvorteilhaftesten Umständen abgelichtet wurden.
Manchmal befanden sich die Penisse in media eiaculationis und
entließen schlodderige Lustflatschen, die aussahen wie Fangarme
einer besonders irritierenden außerirdischen Kreatur. Da waren
Vulven zu sehen, die an die Folgen des Luftangriffes von Dresden
gemahnten. Das war nicht immer schön. Über die Menschen zu
lachen, die auf diesem Wege Streicheleinheiten einforderten, war
eigentlich nicht sehr nett von uns, aber wir waren jung, und wir
brauchten das Geld! Außerdem fanden wir es lustig, und moralische
Feinheiten entgingen uns völlig. Wir waren ein Saupack und
sozialethisch desorientiert. Einst erhaschte ich auf einem
Göttinger McDonald´s-Klo eine 70er-Jahre-Ausgabe besagten
Magazins, das besonders schöne Fotos enthielt, z.B. folgenden
Seemann auf Landgang:

Das Heft war schon etwas befleckt, aber nachfolgende Tests haben
ergeben, daß unser Spaziergang auf der wilden Seite (Lou Reed)
ohne gesundheitsschädigende Folgen blieb. Wir waren coole Boys!
Der Deutschlehrer war auch ein cooler Boy, denn er hatte posiert auf
einem dieser Bilder, breitbeinig mit Ständer. Das sorgte, wie man
unschwer erraten können wird, für einiges Hallo bei den
Eingeweihten. Einem unsympathischen Lehrer hätte diese Spritztour
das Genick gebrochen - der hätte nie wieder ohne Tüte
über dem Kopf in die Schule kommen können. Leider handelte es
sich um einen der wenigen sympathischen Lehrer am Internat, und so
schlug die Indiskretion nur überschaubare Kreise. Ich hoffe, er
hat die Dame seines Lebens gefunden. Immerhin hat er ja nicht in dem
Kontaktmagazin "Notdurft" inseriert, das es ja auch gibt. Ich
möchte da nicht den Richter spielen und "das Paket mit den
Minuspunkten öffnen" (Max Goldt). ("Das ist ja ein richtiger
Sprühgeist!" - Mutter Keßler über Max Goldt)
++++
Heute fand außerdem eine weitere Episode in der Existenz der
Aron-Pressler-Kesley-Band statt. Ich habe mittlerweile schon einige
neue CDs erstellt, die wundersam verschranzelte Dokumente des
frühen Schaffens dieser anbetungswürdigen Band beinhalten. Es
passiert fast jedesmal etwas Neues! Das ist so aufregend! Wie neulich,
als ein beunruhigendes Pfeifen im Heizkessel des Nachbarraumes uns
für den Großteil der Probe im Glauben ließ, wir
würden jeden Moment in die Luft fliegen. Das geschah leider nicht.
Stattdessen erschienen irgendwann sehr nette Büttel und nahmen die
Personalien des Heizkessels auf. Ein ausgesprochenes Lob erhielten wir
nicht, was ich der Polizei Wittens persönlich übelnehme! Die
hören doch nur Schnäuzersound! Wir haben schon seit einigen
Wochen eine sehr ungewöhnliche Version von Elvis Presleys "Blue
Moon of Kentucky" einstudiert, die sich etwa zur Hälfte in "Child
in Time" von Deep Purple verwandelt. Das hohe Kieksen klingt bei mir
etwas wie Deutschlands einziger Eunuchensänger, aber da kann ich
halt nichts dran ändern. Die Bild-Zeitung muß ja auch was zu
schreiben haben. Dafür wird unsere Version von Zappas "My Guitar
Wants To Kill Yo Mama" allmählich, sie wird, sie wird. Torsten
fiedelt an der Gitarre anbetungswürdig. Stevie Ray Vaughan ist da
gar nicht so weit weg. Das rockt, daß man gar nicht mehr
weiß, wohin mit den Nachkommen. Bei der heutigen Videoaufnahme
habe ich bemerkt, daß ich langsam eine kahlende Stelle hinten auf
dem Kopf entwickele. Ich werde zu Richard Harrison! Früher als
besagter Grandseigneur des Italokinos bekomme auch ich
schlohweiße Haare, und zwar an den Seiten. Das immerhin finde ich
ganz schmückend - es gibt mir etwas Distinguiertes. Der
Adelsschlag, dessen ich immer entsagt habe. Und der Harrison ist
garantiert auch nur gefärbt, die Lusche. Ich trage in meinen
Haaren die Flecken eines intensiv gelebten Lebens. Eines anständig
gelebten Lebens! Heute habe ich erstmals mein Yamaha-Keyboard
mitgenommen, da wir ja immer noch keinen Drummer haben. Das war ein
intensives und aufrüttelndes Erlebnis. Ich habe mich selten so
häufig wie heute versungen, das persönliche Versagen aber -
wie ich wohl behaupten darf - sehr anmutig kaschiert. Da uns "Devil In
Disguise" langweilig geworden war, hat sich schon vor zwo Wochen eine
No-Wave-Version entfaltet, die Glenn Branca mit Doom Metal
verschweißt. (Rolling Stone, merket auf!) Das Resultat hält
keine Sau aus, ist aber schrecklich innovativ und wagemutig. Ich gulpe
und gluckse, wie es meine Stimmbänder gerade mal zulassen, auch
gerne mit Diamanda-Galas-Kieksern drin. Heute zum ersten Mal mit
manischen Orchesterschüben, getürkten Timpani und gesampeltem
Hubschrauber. Das Gekreische ist teilweise nicht zu ertragen und
spricht der Menschen Zivilisierung Hohn, aber es macht halt Spaß,
auch wenn die Stimme danach weg ist.
++++
Vorgestern haben die Schweizer
in der Türkei gespielt, um die Fußball-WM in unserem
schönen Heimatlande zu erreichen. Als sie in unserem
EU-Anwärter-Nachbarland ankamen wurden sie freundlich
begrüßt:

Das Bild könnte für mich Bild des Monats werden! Immerhin
finde ich schön, daß die Repräsentanten unseres
friedlichen Nachbarlandes gesiezt werden. Es ging dann auf dem
Fußballplatz auch freundlich weiter - die Schweizer bekamen jede
Menge Willkommensgeschenke zugeschmissen. Manche mißverstanden
dies als Aggression, aber es war bestimmt nur lieb gemeint. Nachdem das
Spiel dann aus war, waren die Türken ausgeschieden. Sie zeigten
sich aber nicht als schlechte Verlierer, sondern herzten und
küßten die Sieger, was sie sehr ehrt. Ein Platzwart (oder
so) suchte seiner Zuneigung leider Ausdruck zu verleihen, indem er
seinen Fuß zärtlich in Richtung der Sitzfläche eines
vorbeieilenden Schweizer Spielers bewegte. Diese eigentlich als Geste
der Verbrüderung gemeinte Aktion führte zu einer grauenhaften
Entgleisung einer typischen Schweizer Bestie, die ihn zurücktrat.
Das führte zu einer verständlichen Überreaktion der
türkischen Spieler und Ordnungskräfte, die daraufhin die
halbe Schweizer Mannschaft zusammendroschen. Auch das war eigentlich
nur lieb gemeint. Der Schweizer Spieler, der dermaßen in die Eier
getreten wurde, daß er mit inneren Verletzungen in die Klinik
geschafft werden mußte, war leider nicht einsichtig, und so kam
es zu Verstimmungen. Auch die übrigen Schweizer Spieler, die es
nicht so recht einsehen mochten, daß sie wegen eines gewonnenen
Spieles zusammengeschlagen und -getreten wurden, erwiesen sich als
renitent und unverbesserlich. Dem ARD-Kameramann, der eins in die
Fresse bekam, geschah bestimmt auch nur recht...
++++
Unter den obwaltenden Umständen ist es hoffentlich
verständlich, wenn die Jungs von Buio Omega am heutigen
Sonntag nur Auszüge aus dem Tom-Sizemore-Pornovideo zeigen werden.
MA BUSEN heißt das Doppelprogramm, und neben Tom Sizemore spielen
Koryphäen wie Senta Berger und Wolfgang Preiss in dem
schwarzweißen Begleitfilm unseres Programmes mit: Gangster und
edle Menschen im Widerstreit - wer gewinnt? Für den Hauptfilm
schnallt sich Sizemore die Titten um und wird zu Chesty Morgan, der
großen Prachtfrau des Eutertaumels. Große Pracht und kleine
Nichtigkeiten von großem Belang in diesem wahrhaft
unwiderbringlichen Meisterwerk. Wer das verpaßt, wird das ewig
bedauern! Chesty Morgan muß man mal gesehen haben, wie sie
gefangen im Mikrokosmos der Doris Wishman um Anmut ringt. Ein zutiefst
aufrüttelndes und begeisterndes Spektakel. Und dicke Titten. Das
muß man sehen. Viele liebe Freunde von mir kommen auch. Hier am
Samstag. Don´t dream it - be it!
091105
Komisch - da sieht man seit Tagen nur Pariser Gewaltsamkeiten im TV,
aber was mich richtig zum Rauchen bringt, ist ein Bericht aus der
Tierwelt: In irgendeinem relativ bekannten Zoo in Österreich
werden Tiere gequält. Auf RTL war ein Überwachungsvideo zu
sehen, auf dem Wärter gerade dabei sind, ein Elefantenbaby
"abzurichten", d.h., sie schmeißen es um und verletzen es mit
langen Haken. Der zu diesem Vorfall interviewte Zoodirektor meinte, es
handele sich um eine anerkannte Trainingsmethode. Tja, wenn ich es auch
grundsätzlich für sehr instruktiv halte, wenn Kinder in Zoos
mal mit den ganzen schicken Lebewesen auf dieser Welt live konfrontiert
werden, aber meine grundsätzliche Abneigung gegen das Einsperren
von Tieren erhält mit diesem Bericht neue Nahrung. Wenn sich
selbst als Tierfreunde empfindende Zeitgenossen durch Zoos schlendern
und den Sielmann in sich entdecken, ist das ein bißchen so, als
würde man als Autofahrer an einem strahlenden Sonnentag auf der
Autobahn gut Gummi geben und denken: "Hach, ich liebe die Natur!" Das
Einsperren von Tieren ist aber noch eine Kleinigkeit verglichen mit
solchen widerwärtigen Methoden. Für mich müßte man
diesen Fettsack ebenfalls mit Haken bearbeiten! Von Zoos habe ich
fürs erste die Nase gestrichen voll. Ich kühle mich jetzt
erst einmal ab...
011105
So, jetzt bin ich zurück aus meinem einmonatigen Urlaub! Um mich
so richtig zu erholen, habe ich die Sommerferien nachgeholt. Da es
für mich pottmohnähmäßig nicht für die Adria
reichte, habe ich in Gelsenkirchen-Horst residiert. Das ist ein
Stadtteil, der nicht nur so heißt wie mein Papa, sondern auch
mindestens fünf Kilometer von meinem Domizil entfernt ist. Dort
habe ich in der aufgebrochenen Wohnung eines entfernten Bekannten
Nüsse geknackt, Mickey-Spillane-Romane gelesen und auf dem Balkon
Bilder der Olsen-Zwillinge eingeäschert. Nun bin ich erholt und
habe meinen Kopf freiblasen lassen von allen griesgrämigen
Abscheulichkeiten, die einem den Alltag vergällen können. Wie
zum Beispiel Halloween.
++++
Halloween war für
mich früher nur ein netter Horrorfilm. Der glatzköpfige
Junior Charlie Brown erzählte immer etwas von einem
"Großen Kürbis", doch ich war schon damals immer auf der
Seite von Snoopy und Woodstock gewesen. Dann nahm ich wahr, daß
die Goths
(=Grufties) immer ein großes Gewese um diesen Termin machten.
Jetzt ist es so, daß am 31. Oktober unzählige Blagen durch
die Stadt laufen, an Türen klingeln und Süßigkeiten
einfordern. Das finde ich nicht honett. Früher hatte der 31.
Oktober nur mit einem protestantischen Sachsen zu tun, der in
Wittgenstein Thesen an eine Tür nagelte. Heute begleiten
trendhörige Eltern ihre Nachhut bei einem raubritterischen
heidnischen Brauch, der keinerlei didaktischen Wert besitzt und den
Bratzen nur eines zeigt: Wenn ihr laut genug schreiet, sollet ihr
erhöret werden! Das ist komplett unwahr: Wer laut schreiet,
bekommet schwer einen an die Backen! Es ist nicht in Ordnung und sozial
unverträglich, laut zu schreien, vor allen Dingen, wenn die Eltern
gedacht haben, es genüge, einen Stapel Bettelheim-Bücher nach
Hause zu schleppen, um zu verhindern, daß aus den rosa
Knödeln kleine Monster werden. Wenn die dereinst mit "Mein Kampf"
unterm Arm nach Hause schlendern, werden die Eltern große Augen
machen... In meiner Heimatstadt Bremen gab es solcherlei Schangel
nicht. Dort gab es das altehrwürdige Nikolauslaufen, zu dem sich
die Kinder als Engel, Erzbischof oder so verkleiden mußten. Das
hatte durchaus erzieherischen Wert, denn auf dem Arbeitsamt muß
man sich später auch demütigen lassen, um dann mit Tinnef
abgespiesen zu werden. In den Monsterklamotten kommen sich die heutigen
Summerhill-Monster aber so richtig cool und knorke vor und begreifen es
als ihr allein durch ihre bloße Anwesenheit auf diesem Planeten
gegebenes Recht, Süßes von Fremden zu erhalten. So entsteht
die Russenmafia! Das Leben ist nicht so - es ist hart, kompliziert und
sogar verwinkelt. Es braucht mehr, als sich im Scheine elterlichen
"Sind sie nicht süß?"-Gehabes kohlehydrathaltigen
Zuckersegen
zu erpressen. Das geht in die ganz falsche Richtung. Wahrer Lohn will
wahre Anstrengung, oder wenigstens wahre Demütigung. So will es
das Gesetz, so wollen es die Propheten. Den Haribo-Blödsinn kaufe
ich nicht noch mal ein! Alles bloß, um geliebt zu werden, und
nicht wie der alte grimmige Mann in dem als Spukhaus verschrieenen
Gemäuer zu enden, wo nachts die Ratten tuscheln und die Asseln
tanzen... Oder wie Dagobert Duck in seiner ersten Comic-Geschichte, die
mit den Bären und der Hütte! Das nächste Mal kriegen die
frechen Biester nur Grießbrei, denn den habe ich als Kind
gehaßt! "Wollt ihr lecker Brei? Habt ihr ein Behältnis, wo
ich ihn reinschütten kann? Du, mit deinem lustigen Hut - empfange
die segnende Pampe!" Oder Erbsensuppe! Und eine Videokopie von DER
EXORZIST als Dreingabe! Grießbrei habe ich als Kind gehaßt,
genauso wie Spinat. Spinat - gerade Blattspinat - finde ich heute
köstlich und hochwohllöblich. Grießbrei ist immer noch
widerwärtig, tut aber dem Magen gut. Wenn´s im Bauch zwickt,
wird der ekle Sud mannhaft reingezwungen. Das ist wie der Besuch bei
der Domina oder das schnelle Abreißen des ABC-Pflasters, tut aber
wohler. Die Goldbären fresse ich nächstes Jahr selber - so!
++++
Ich habe mir neulich, um mich dem örtlichen Brauchtum anzuwanzen,
einen Stutenknilch
gekauft. Das ist so ein Gebäck, das einen leicht debil
angehauchten Kollegen mit Flöte darstellt. Der Stutenknilch hat
mit dem Martinstag zu tun, das habe ich jetzt schon begriffen. Da
laufen auch andauernd Kinder mit Laternen herum. Die laufen wohl
andauernd mit Laternen herum. Warum machen die das? Also, im Fall des
Heiligen Martin hat das sehr viel mit Fahrrädern zu tun. Der Hl.
Martin - geboren im Jahre 316 im ungarischen Szombì - gilt
nämlich als einer der ersten, der sich auf zwei Rädern
fortbewegt hat. Er wurde in Pavia christlich erzogen und mußte
mit 15 Jahren auf den Wunsch des Vaters in den Soldatendienst bei einer
römischen Reiterabteilung in Gallien eintreten. Da er immer vom
Pferd fiel, verlor er schon sehr bald seinen Job und wurde Stallknecht
beim zu jener Zeit gerade zugegenen Maharadscha von Singapur. Dort
verlebte er seine Lehrjahre, bis ihn schließlich der Wehrdienst
ins heimatliche Gallien zurückbefahl. Dort trumpfte er auf mit
einer neuen Erfindung: Zwei Räder unter dem Po bewegen einen
schnell von A nach O. Gemeinsam bezwangen sie die Donkosaken.
Irgendwann inmitten der Kampfeswirren erschien ihm der Jesus und zeigte
ihm ein Rad. Martin meinte "Jau, kenn´ ich schon!" und kassierte
dafür eine Kopfnuß. Sein Team gewann trotzdem, und so wurde
er der Bischof von Tours. Noch heute wird ihm zu Ehren die Tours de
France abgehalten. Na ja, wenigstens mußte er nicht mit Drachen
kämpfen, und die Brüste wurden ihm auch nicht abgeschnitten,
wie einer anderen Heiligen. Was der Stutenknilch mit dem Hl. Martin zu
tun hat, weiß ich leider nicht. Vielleicht ist der ihm mal auf
seinen Irrfahrten begegnet. Ich habe ihn dann gegessen (das
Gebäck!), und es schmeckte ganz passabel, wenngleich man die
Flöte leider nicht essen konnte, wie ich zu spät feststellte.
++++
Der Martin. Wußtet Ihr schon, daß es in den USA viele
Menschen gibt, die nicht an die Abstammung des Menschen vom Affen
glauben? Lest Ihr hier.
Noch viel schlimmer finde ich, daß Delphine - die ja gemeinhin
als so superschlau gehyped werden - als die großen Vergewaltiger
des Meerreiches gelten. Die poppen ob ihres exorbitanten
Trieblebens alles, was sich bewegt. Das wollen wir ihnen niemals
verzeihen. Mehr über diese maritimen Unholde hier, unter "Hybrid
Dolphins". (Wie Cora so schön meinte: "Wir kriegen euch alle, ihr
Vergewaltiger-Delphine!") Auch wurden sie während des
Vietnamkrieges zur Dezimierung des Feindes abgerichtet...
Ameisenbären sind da netter.
++++
Muah, gerade bin ich beim Supermarkt gewesen, um lecker Käse zu
kaufen. Als ich wieder herauskam, schwer beladen mit Käse und
Käseähnlichem, wurde eine Traube herumstehender
Freitagabendkinder auf mich aufmerksam. Es handelte sich um
fortgeschrittene Kinder, die ihre neuerworbene Schambehaarung dadurch
feierten, daß sie schwer einen auf Gangstarapper machten und mit
Bierdosen an der Ecke lungerten. Sich über mich alten Sack
lautstark lustig zu machen, war für diese jungen Damen und Herren
eine Selbstverständlichkeit. Es passiert ja nicht häufig,
daß ich mal spontan und konfrontationsfreudig genug bin, so etwas
mit einer Antwort zu würdigen, aber heute war ich ohnehin
reichlich aggressiv, und so schritt ich quer über die
Straße, direkt auf den Leitwolf zu, kuckte ihm grimmig in die
Augen und meinte: "Und was
wird das hier? Jugend trainiert für die Gosse? Juckt euch die
Fresse?" Schlimm, aber so war´s! Die jungen Leute
schwiegen eingeschüchtert, und ich fühlte mich wohl...
++++
Ich habe mich dazu entschlossen, den gegenwärtig stattfindenden
Affenzirkus in Berlin nicht zu erwähnen.
Der Müntefee, der
Müntefee
Der tat bei Wahl A. Nahles weh
Und ihre Epigonen
Gar sauer waren die Genossen
Die Müntefee durch Brust
geschossen
Jetzt zählen sie die
Bohnen
Ich habe neulich ein gar nicht so übles Arbeiterkampflied
geschrieben, das von einer Liebe im Schatten der roten Fahne handelt.
Das beginnt schon mit dem ersten Treffen vor dem Werktor, wo sich die
Wolken ballen "wie die Faust in unseren Herzen", und es endet auch ganz
traurig. Ich fand sozialistische Liedermacherei immer ganz besonders
gruselig. Leute, die älter sind als ich, mußten das
vermutlich sogar live mitmachen - Degenhardt ("Spiel´ nicht mit
der Schmuddeloma..."), Frau Meinecke oder diese Person, die "Sind so
kleine Titten" oder so sang - schlimm! (H. Schneider: "Schlecker,
Schlecker, der al-te Mo-nopoLIST!")
++++
Auf meinem Computer lief neulich ein vermutlich bereits indiziertes Spiel,
das ein Add-On zu einem von mir bereits besungenen
Geschmacklosigkeitsknüller darstellte. Ein "poor white
trash"-Ex-Postbote muß da weitere Jobs erledigen und gerät
erneut mit Taliban-Kämpfern, Rednecks und Zombies aneinander. Die
Fortsetzung ist leider gar nicht so toll und verschwendet zu viel Zeit
mit Übungen, die dann doch nur an handelsübliche Ego-Shooter
erinnern. Nett ist immerhin, daß man jetzt auch eine Machete zur
Hand hat, mit der man unglaubliche Schweinereien anstellen kann. Was
man dann mit den armen Kühen und Elefanten machen muß, finde
ich aber weniger prickelnd, da ich diese Tiere sehr mag und die
Herstellung von Mülleimern aus Elefantenfüßen zutiefst
verurteile. Einzelne Ideen sind sehr witzig, aber kein Vergleich zum
Original. Da sollen sich die RWS-Leute mal wieder etwas Besseres
einfallen lassen. Ansprechender fand ich da schon das mit Action
garnierte Adventure "Silent
Hill 4: The Room", das eine teilweise wirklich kreuzunheimliche
Geschichte (die Geister!!!)
erzählt, in der man in seinem Zimmer eingeschlossen ist. Durch ein
Loch in der Wand entkommt man aber immer in eine Traumwelt, in der sich
ganz ungeheuerliche Sachen zutragen. Ich bin ja durchaus beeindruckt
von der fast schon literarischen Qualität, die manche dieser neuen
Adventures besitzen. Auch "Still
Life", das ich kurz angespielt habe, scheint sehr zu
überzeugen. Da geht es um einen Frauenmörder, den man als
rührige Kriminalbeamtin dingfest machen soll. Einziges Manko bei
diesem Spiel ist die lausige Eindeutschung, die mit der liebevollen
Synchronisation von den "Baphomets Fluch"-Teilen überhaupt nichts
mehr zu tun hat. Aber die stellten auch die absolute Schaumkrone dar,
die ich in dieser Beziehung bisher bei Adventures erleben durfte.
++++
Von der Bücherfront
gibt es vielleicht demnächst Neues. Ich werde keine konkreten
Neuigkeiten vermelden, solange die Sache noch nicht in trockenen
Tüchern ist. Nur soviel - vielleicht bald mehr! :)
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