GRIFF NACH DEN STERNEN (JANUAR 2005)

Baum

NEWSTICKERARCHIV

310105

Aus verschiedenen Gründen gab es jetzt etwas länger kein Update. Morgen müßte ich eigentlich dazu kommen, mal wieder etwas zu schreiben. Bis dahin ein kleiner Werbefilm für den neuen VW Polo. Daß diese Werbung scheinbar getürkt ist und nicht auf dem Mist der Volkswagen-Werbestrategen gewachsen, stärkt den Glauben an die Menschheit... ;)

190105

Ursprünglich plante ich ja, einen längeren Text über das Phänomen "Die Welt trauert um Moshammer" zu verfassen! All jene Leute, die ihn noch vor einer Woche als weibischen Fatzken verunglimpft hätten, wiegen sich jetzt in trauter Eintracht und säuseln verschämt: "Er hatte zwar ´ne Schraube locker, aber das ist wirklich tragisch." Ganz toll fand ich auch Äußerungen à la "Diesen Tod hat er nicht verdient!" Ja, welchen denn dann? Er war eitel, angeblich homosexuell (nicht belegt!) und verehrte seine Mama und seinen Hund. Ernstgenommen hat ihn zu Lebzeiten wohl kaum jemand - meine Wenigkeit eingeschlossen -, aber jetzt quoddelt alles vor lauter Mosi-Gutfinderitis. Für mich war Moshammer ein freundlicher Sonderling, der außerhalb seiner selbstgeschaffenen Welt kaum lebensfähig gewesen wäre. Aber wenn Exzentriker so freundlich sind, sollte man sie in jedem Fall verteidigen. Aggressive Dummbatzen gibt es wahrlich genug. Am Tag des Mosi-Mordes gab es eine eindrucksvolle Pressekonferenz, wo gelöste Stimmung vorherrschte. Am Schluß lachten alle fröhlich. Zeitgleich wurde in einem Forum über die Schlagzeilen spekuliert, die am nächsten Tag in Deutschlands meister Tageszeitung erscheinen würden. Hand auf´s Herz: Die Spekulationen wurden übertroffen! Auf der Titelseite prangte als Sub-Head: "Er ist Asylant aus dem Irak! Sie guckten 3 Stunden lang Porno-Filme! Er verlangte 2000 Euro für Sex! Dann strangulierte er Mosi von hinten!" Auf Seite 12 kommt dann mein absoluter Favorit: "Auf diesem Sofa hat er mit seinem Mörder masturbiert!" Ich finde es schön, daß die Wogen des Mitgefühls so elegant schwappen, wenn es um aufrichtig empfundene Trauerarbeit geht... Auch schön, daß man sich Begrifflichkeiten wie "perverse Sau" verkniffen hat. "Pervers" ist der (nach deutschem Recht bis zur Urteilsverkündung ja immer noch mutmaßliche) Mörder allein, auch wenn alles dafür getan wird, die anrüchigen Elemente dieses schmierpublizistischen Selbstläufers auszuschlachten, inklusive eines Textes zum Thema "Straßenstrich"... Da muß man schon sehr tief buddeln - dem Erziehungsauftrag am deutschen Volk wieder einmal nachgekommen! Nein, da muß man wohl nicht noch einen Text zu schreiben. In zwei Wochen interessiert das eh keine Sau mehr.

Sweety in die Wurst

140105

Morgen Buio Omega. Alle kommen. Weitersagen.

Moosie

R.I.P. Heul

100105

"Wenn das Leben einen nicht umzubringen vermag, dann schafft das der Tod", schrieb einst ein bekannter westfälischer Heimatdichter. Ein wenig Melancholie sollte einem jeden vergönnt sein, denn dieses ewige Zähnezusammenbeißen und Gleichgültiggetue hält ja auf die Dauer keine Sau aus. Der Weltenlauf fordert einen dazu auf, die innere Stimme zu leugnen, und was dabei herauskommt, ist oft nicht viel mehr als Tragikomödie. Man muß die Tränen bislang quellen lassen, sonst schadet das dem Teint. Das Wochenende war bei mir hingegen einigermaßen frohgemut. Ich segelte mit meiner Freundin auf der "Bounty" und meuterte fleißig mit. Was mein Namensvetter Fletcher Christian da anrichtete, hat er selber gar nicht mehr mitbekommen. Im Anschluß an den Film (der Clark Gable gegen den vorzüglichen Charles Laughton stellte) internetteten wir uns bis zu der offiziellen Seite der Pitcairn-Insel durch, wo die überlebenden Meuterer der "Bounty" schließlich strandeten. Die Meuterer brachten sich zum überwiegenden Teil gegenseitig um, zumeist im Kampf um Frauen, die das wilde Sperma der wettergegerbten Seeleute in ihren Uteri spazierentragen sollten. Der letzte Überlebende, John Adams, bereute seine "Untaten" von einst und ergab sich dem Glauben, den er den Bewohnern der Pitcairn-Insel zum Geschenk machte. Heute leben dort etwa 40 Menschen (!), von denen die meisten von Christian oder Adams abstammen. Die Insel war damals schwer zugänglich aufgrund einer verhängnisvollen Strömung, die alles in den Orkus peitschte, was anzulegen trachtete. Vor kurzem nun gab es einen eminent spannenden Kindesmißbrauchs-Prozeß, der insgesamt 14 der Bewohner mit dem Frevel des Inzests belastete. Wenn man nun die Dunkelziffer hinzurechnet und die beteiligten (vermutlich weiblichen) Adressaten der widernatürlichen Gunstbezeugungen, kommt man als Außenstehender leicht zu dem Schluß, daß da eigentlich alles über Generationen hinweg wild durcheinandergebumst hat! Na ja, Pitcairn ist nun auch aufgrund der bereits erwähnten Teufelsströmung nicht ganz dasselbe wie Helgoland, und wenn man niemanden zum so richtig Liebhaben hat, liegt es nahe, daß so etwas wie die Waltons dabei herauskommt... Für Soziologen eine spannende Geschichte, möchte ich mal meinen. Ich weise mit durchaus imperativem Unterton auf das Foto hin, das den neuesten Pitcairn-Zuwuchs zeigt: Emily Rose, eine unter wenigen. Man darf gar nicht daran denken. Ich habe gerade neulich DELIVERANCE gesehen. Junge Sprotten kennen da wohl eher WRONG TURN, der das Thema aber auch schon hinreichend beleuchtet. Die Sünden des sadistischen Captain Bligh führten zu Argem, das ist mal sicher. Die Haie, die den Überlebenden der Meuterei in den Rettungsbooten der "Pandora" dräuten, sind nichts gegen die Haie im Genpool... Vielleicht stammen auch die Gartenarchitekten von Schloß Berge von der Pitcairn-Insel, denn sie hinterließen Hecken in zutiefst profaner Form:

Wursthecken

Die müssen ja auch immer nachgeschnitten werden! Ein Faustschlag ins Gesicht des Ruhrpott-Touri-Treibens. Ich und Cora gewärtigten auch ansonsten vielerlei Befremdliches, u.a. lauter immens häßliche Statuen, die aus Bäumen geschnitzt wurden. Da gab es einen Mann, der von unten durch eine Klobrille hindurchschaute. Auch gab es eine dicke Frau, die allerlei Kladderadatsch auf ihren Schultern trug. Die Frauen müssen es halt immer ausbaden. Ich hatte heute zum ersten Mal seit einigen Monaten wieder Lust, Computer zu spielen, und lieh mir zu diesem Behufe das wahrscheinlich ekligste Spiel aus, daß ich jemals gezockt habe: SHELLSHOCK VIETNAM 67. Ich habe bereits einige hinterhältige Fallen entschärft und einen amerikanischen Journalisten befreit, aber was ich alles an ethnischen Minderheiten eliminiert habe, geht auf keine Kuhhaut. Shellvester Stallone und Shellchuck Norris sind  nichts gegen mich, wenn es darum geht, die Welt von bösen Schlitzaugen zu befreien. Meinem chinesischen Lieblingskoch werde ich von diesen Entartungen niemals berichten. Es ist wirklich schändlich. Unglaublich, daß man sogar sein eigenes My Lai anrichten kann, denn die Bewohner des Dorfes in Stufe 2 geben zwar keine Punkte, sind aber hinfälliger als Krabbe-Rukola-Salat aus dem Supermarkt. Schlimm, das. Ich werde davon absehen, mir INVASION USA mit Chuck Norris zu kaufen, wenn er im Januar rauskommt. Ein bißchen Sühne muß sein. Ansonsten habe ich mir ein paar Lieder einer rätselhaften Punk-Combo namens "Die ar***gef****** Gummizofen" besorgt, deren Mitglieder angeblich noch heute von der Staatsanwaltschaft gesucht werden. Das wohl  hauptsächlich aufgrund der Spottlieder, die sie über Mooshammer und Hans Meiser gesungen haben. Die beiden Herren haben nämlich geklagt, was ich zwar nachvollziehbar, aber auch etwas wurstig finde. Natürlich möchte niemand als Hermaphrodit verunglimpft werden, der im öffentlichen Leben steht. Aber abgesehen von der unwiderlegbar vorliegenden Verletzung von Persönlichkeitsrechten sind die Lieder einfach nur drall-dumm und obszön und erinnern in ihren geradezu kindlichen Freude an Pipi-Kaka an die legendären Pornoplatten von "Schlüsseloch" aus den 70er Jahren. In illegalen Tauschbörsen werden diese (garantiert nicht GEMA-geschützten) Lieder gelegentlich den Kassierern oder Eisenpimmel zugeschrieben. Die waren viel schlauer und besser. Trotzdem: Spermadin, der Geist aus dem Wunderpimmel, hat sich den Weg in mein Herz ergossen. Darauf muß man erst einmal kommen. Finden die Jugendschützer es sinnvoller, wenn sich die Jungsprotten an dicktittigen Schwarzen erfreuen, die von ihren auf Pimp gestylten Gangstarapper-Loddeln behandelt werden wie der letzte Dreck und sich sogar noch darüber freuen? Oder prolligem Dickmax-Getue von Rammstein, Onkelz und Konsorten? Ich habe mich vor einiger Zeit noch mit einem lieben Freund darüber gestritten, der allen Ernstes behauptete, die Onkelz seien Pioniere des deutschen Punkrock. Ja, genau. Auch wenn ich den Onkelz ihre drecksrassistischen Ausfälle von einst nicht mehr anrechnen möchte (warum eigentlich? "Türkenfotze unrasiert" ist ja eigentlich ziemlich widerlich!), so erinnern sie mich trotzdem mit ihrer "Ehrlicher Straßenrock"-Attitüde mehr an Westernhagen als an Punk. Die haben einst Skin- und Punkmusik gemacht (mit gutem Willen), dann eher Metal. Pioniere sind sie mitnichten. Und Rammstein machen das, was Laibach meines Erachtens wirklich knorke vorexerziert hat, nämlich mit Naziästhetik herumkasperndes Künstlertum. Den Laibach-Interessierten empfehle ich von ganzem Herzen die schöne Kollektion ihrer Videos, die gerade auf DVD erschienen ist. "Life Is Life" und "Geburt einer Nation" sind echte Kracher, und "Drzawa" (="Staat" auf slowenisch) sogar ohne ironische Brechung... Mit den Videos hätte ich Betty von oben neulich fast den Videoabend versaut, aber zum Glück kam danach noch HIGH TENSION und jagte allen Anwesenden Angst ein. (Toller Horrorfilm!) Ansonsten wird es einigen schon aufgefallen sein, daß ich diese Woche zum ersten Mal meine TV-Übersicht habe ruhen lassen. Ich vertraue mal, daß das nicht für allzuviel Unruhe in Fernsehdeutschland gesorgt hat, aber - im Stile einer echten, akademisch gebenedeiten Wiederaufnahme im literarischen Sinne -, es hatte mit einer generellen Verzagtheit von meinereiner zu Jahresbeginn zu tun. Ich hatte einige lebensanschauliche Kotkrümel zu verdauen, die darum kreisten, daß ich möglicherweise demnächst aus meiner Wohnung fliege, und vielen anderen schillernden Randdetails der Reise in den Glamour, die mein Leben ist. Es ist schon wirklich sehr beruhigend, wenn man über ca. 15 Jahre hinweg der Filmszene gedient hat, aber manchmal fehlt es denn doch an den kleinen Sahnebatzen, die den Weg in den Alltag schmieren. Man hat da möglicherweise nicht immer Lust, zum hundertsten Mal zu schreiben, daß DIAMANTENFIEBER wiederholt wird. Mir ging neulich der Arsch auf Grundeis, und da erschien mir das wie ein bizarrer Witz auf meine Kosten. Es kommt auch nichts Weltbewegendes in dieser Woche im TV. Mein Gewissen ist deshalb rein. Nächste Woche geht´s weiter. Trotzdem, ich habe immer viel auf Ehrlichkeit vor Pflichterfüllung gehalten. Ich bekomme ja keine Knete für mein Tun. Es ist ein Egotrip mit (im wünschenswertesten Falle) Fremderbauung. Der Mensch ist trotzdem nicht viel mehr als Blut, Fleisch und Knochen. Was da mehr ist, ist wert, daß man um es kämpft, aber es ist weiß Gott überschaubar. Manchmal gerät es außer Sichtweite. Da braucht man mal eine kurze Pause, um sich zu reorientieren. Das eigene Leben mit dem generellen Irrsinn in Einklang zu bringen. Das Zerklatschen der Knochen von Joe Pesci im letzten Drittel von CASINO dröhnt mir immer im Hinterkopf, aber man darf halt nicht klein beigeben. "Guter Wein wird aus Trauben gemacht." bzw. "Wer sich unter die Kleie mischt, den fressen die Säue." Das war immer so und wird immer so sein. Wer den Bösen den Paradeplatz überläßt, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann der Globus in Fetzen liegt. Man kann immer nur schauen, was da ist, und das Beste daraus machen. Das ist mitunter sehr preisenswert. Manchmal tadelnswert. Mit Sicherheit erhaltenswert. So erklärt sich das Phänomen Mensch.

F-Pfahl

Das Leid der russischen Einwanderer ist unbeschreiblich. Ich mag das Bild.

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