THE MAN IN BLACK GOES NOVEMBER

Lustige Figürchen aus Marzipan

NEWSTICKERARCHIV

301104

Ach, ein zutiefst beseligendes Wochenende war´s, auch wenn ich mir nicht mehr sicher bin, ob´s nach der Rechtschreibedeform nicht eher ein beseeligendes Wochenende war. Aber was sind schon Worte? Die Engelsflügel Amors trieben unsere Seelen empor bis zur Himmelsmitten. Auch redeten wir über ein schlimmes Thema unserer Zeit. Es hieß "Klassentreffen". Wie wir darauf kamen, weiß ich jetzt auch nicht mehr, zumal weder ich noch sie in näherer Zukunft von diesem Urübel erfaßt werden. Mein letztes Klassentreffen zeichnete sich durch eine hohe Bereitschaft der Anwesenden aus, über ihren beruflichen Werdegang zu palavern. Dabei gaben viele an wie ein Sack Mücken. So ähnlich wurde angegeben. Meine Schwester meinte ja, daß das ein typisches Anzeichen für das erste Klassentreffen nach ca. 10 Jahren sei. Wenn man später wieder zusammentrifft, haben die meisten ihre groben Niederlagen in beruflicher oder ehelicher Hinsicht bereits absolviert, und traulich läßt sich´s plauschen. Schön fand ich damals immerhin, daß verschiedene der einstmaligen Revoluzzer mittlerweile ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hatten und jetzt brav am Busen der Gutbürgerlichkeit suckelten. Tja, von Mao zu Maoam, und wer wollte da das Paket mit den Minuspunkten öffnen? Im Grunde genommen kann man solch eine Prahlhanserei nur auf eine Weise in Würde überstehen - sich angemessen vorbereiten mit einem Strauß feister Unwahrheiten! "Und was machst du so?"

a) Ich beseitige die Elefantenscheiße im Safaripark Hodenhagen.
b) Ich arbeite im Kinderwunderland als Zahnfee.
c) Ich mache Elektroschocktherapie in Bremen-Ost.
d) Psst, Verfassungsschutz - ich habe schon zuviel gesagt...
e) Ich bin Faschingsprinz.
f) Ich arbeite als Clown auf Kindergeburtstagen.
g) Ich bin Parlamentarier für die NPD. (Den anderen muß man dann freilich sagen, man sei Parlamentarier für die Grünen - imagine the confusion...)
h) Ich trinke Blut.
i) Ich recherchiere gegen die große Verschwörung.
j) Ich bin Großmeister beim Ku-Klux-Klan.
k) Ich kratze die Toten von der Straße.
l) Ich befreie die Welt vom Elend.
m) Ich schreibe Erlebnisberichte für die "Sonnenfreunde".
n) Ich bin eine Frau im Körper eines Mannes.
o) Ich suche meine Wurzeln im Buddhismus.
p) Ich bin Porno-Darsteller für Magma.
q) Ich bin Verkäufer in einem alternativen Sexshop.
r) Ich höre Stimmen.
s) Ich tue was gegen die Überfremdung.
t) Ich bin Dialyse-Doktor von Osama Bin Laden.
u) Ich bin freier Filmjournalist.
v) Ich lecke Gummierungen für die deutsche Bundespost.
w) Ich bin Dramaturg und arbeite an einem kritischen Singspiel über Andreas Baader.
x) Ich verkaufe Mumien aus Mesopotamien.
y) Ich schneide Sadomaso-Videos aus berühmten Flugzeugkatastrophen zusammen.
z) Ich bin Guido Westerwelle.

...und natürlich der Klassiker:

"Was geht dich das an?"

Dann sollte Ruhe sein.

Zusammen mit meiner Trauten kuckte ich ANDY WARHOL´S FRANKENSTEIN, und zwar in der Originalfassung, wo Udo Kier mit schwerem deutschem Akzent so tolle Sachen sagt wie: "To know death, Otto, you have to fuck life into the gall bladder!" Danach setzte es ein altes Devo-Video. Als Stimmungsdämpfer erwies sich eine Sammlung von Live-Auftritten des beliebten Entertainers G.G. Allin, bei dem sich dieser u.a. das Mikro gegen die Stirn bummerte, bis das Blut spritzte, von der Bühne urinierte und kotete und seinen Minipenis stolz in alle Richtungen schwenkte. Dazwischen sang er (ziemlich klasse) und wälzte sich in seinen diversen Körpersäften, von denen ich hier nur die Unproblematischeren erwähnt habe... Wer was richtig Tolles hören möchte, soll sich das Country-Album von G.G. Allin and the Criminal Quartet beschaffen. Auch die Punk-Sachen sind teilweise echt knorke. Das Betrachten der Live-Performances rate ich nur ganz harten Mägen an, und dies nicht so sehr wegen der dargebotenen Drastizitäten. Körperliches finde ich nicht immer appetitlich, aber zumindest normal. Wenn sich der Künstler gerne live verstümmeln tut, so sei ihm auch dies gestattet. Was mich bis an die Tränengrenze verstörte, war allerdings die Besessenheit mit der eigenen Verwurstung, die den Mann antrieb. Sich vor einem zum großen Teil sensationsgeilen Publikum degenerierter Prollmöpse, die sich nur irrtümlicherweise für besser als der typische BILD-Leser zu halten schienen, zum Generalhorst zu machen, kann nicht wirklich Sinn und Zweck des Hierseins sein. Mir hat der Mann unsagbar leid getan. Den Leuten hat´s gefallen, sie haben fröhlich gejohlt zur Freakshow, und nicht lange später war der Meister tot... So, die Bunny-Regisseure haben wieder zugeschlagen: Aus der Reihe "Filmklassiker, nachgestellt in 30 Sekunden von Hasen" gibt es jetzt drei neue, nämlich FREDDY VS. JASON, SCREAM und das TEXAS CHAINSAW MASSACRE - Hut ab und Löffel raus! Durch meine Buddies bei den Filmforen habe ich jetzt auch die spezifisch internette Form des Logbuches kennengelernt ("weblog", kurz: "blog"), in dem man alles vermerken kann, was einem so Erwähnenswertes im weltweiten Gewebe über den Weg geflimmert ist. Auch persönliche Einsichten in den Weltenlauf kann man dort problemlos hinterlegen. Die Blogs der Forenblogger habe ich in meiner Linkliste eingefügt, zumal heute gerade der liebe Rocknrollriot seinen Privatblog eröffnet hat! Hier sei noch gesondert hingewiesen auf ein tolles BILD-Blog, in dem mehrere Journalisten der Wahrheit hinter vielen Schlagzeilen von Deutschlands meister Tageszeitung nachgehen, und dies auf sehr humorvolle Weise...

261104

Elvis Pressler Kesley hat wieder getagt! In einer immergrauen Katakombe wurde ein bunter Strauß musikalischer Aufmerksamkeiten zusammengetragen. Hier ist eines der Blütenblätter, eingedeutscht von Meisterhand:

- "Diana" (nicht von Presley, sondern von Paul Anka)

Besetzung:

Vox: Elvis
Guitar: Torsten
Bass: Kai
Drums: Dirk

241104

Scheiße, ich kann nicht mehr: Schlaflos wälzte ich mich in meinem Bett von der einen auf die andere Seite. Es wollte nicht Morgen werden, die Nacht blieb, und vor meinen Augen flimmerte es. Mein Kopf ließ sich einfach nicht abschalten. Irgendwann empfahl ich mir, einfach nicht auf dem Schlaf zu bestehen. Ich habe morgen keine dringenden Verpflichtungen, also warum in Hektik verfallen? Es wurde später und später. Mein Vorsatz, die Nerven zu schonen und den inneren Motor herunterzufahren, fruchtete nichts. Trotz der geballten Kälte draußen schwitzte ich in mein Laken. Immer wieder wechselte ich die Seite. Selbst meine Plüschtiere schwiegen fast feindselig. Auf einmal hörte ich von draußen ein Geräusch. Ein merkwürdiges Schaben. Dann ein leises Poltern, als wäre etwas umgefallen. Dann wieder das Schaben. Ich überlegte, ob die Geräusche von draußen kommen könnten, von der Straße, und aufgrund eines akustischen Phänomens aus meiner Wohnung zu kommen schienen. Aber nein, es kam vom Flur. Nach etwa drei Minuten hatte ich genug und verließ das Bett. Ein Blick auf die Uhr - es war 4 Uhr 17. Ich drückte den Knauf herunter, öffnete meine Tür und trat auf den Flur. Da erblickte ich direkt vor mir eine Gestalt:

Geist

Ich habe nicht mehr geschlafen.

231104

Guten Morgen! Der Filmclub am Samstag war ausgesprochen ordentlich besucht, und erfreulicherweise gab es mal einen Film, den ich noch nicht kannte und der mich zu höchsten Flötentönen hinriß: BESTIE DER WOLLUST, ein aufrüttelndes Drama um einen Vietnamveteranen mit zwischenmenschlichen Problemen. Vielleicht werde ich demnächst für das Filmtagebuch eine kleine Review verfassen, zumal der Film ansonsten der Vergessenheit anheimfallen könnte... Am Vorabend war ich bereits in einem asiatischen Restaurant (=Yakuza-Eigentum!) mit dem Clubkomitee zum Schlummertrunk zusammengekommen. Gemeinsam plünderten wie das Büffet, und während es sich die Garnelen-, Huhn- und Entenschnipsel in unseren Mägen so richtig schön bequem machten, erfanden wir in einem kollektiven Brainstorming neue Doppelprogramme für den Club sowie die dazu passenden Werbesprüche. Man darf gespannt sein - es kommt viel auf Euch zu! Im Februar kommen erst einmal zwei Stargäste in die Stadt Gelsenkirchen: Enzo G. Castellari (Regisseur von KEOMA, TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT etc.) und sein guter Freund und Kollaborateur Franco Nero! Mit Nero haben wir zum ersten Mal einen veritablen Weltstar dazu überzeugen können, das Ruhrgebiet aufzusuchen, um mit uns wilde Tage zu verleben. Am ersten Samstag des Monats Februar (müßte der 3. oder 4. sein) stehen Euch die beiden honorigen Herren zur Verfügung. Außerdem werden zwei Filme der beiden zu sehen sein. Die Schlußauswahl ist noch nicht getroffen und orientiert sich an der Verfügbarkeit und dem Zustand der Kopien. Wir sind aber sehr zuversichtlich, Euch ein unvergeßliches Erlebnis präsentieren zu können... Für die "Splatting Image" habe ich den neuen Artikel nunmehr fertig: "Krauts und Rüben". Hier einer der besprochenen Filme:

Unschuld ohne Reue

161104

Gerade noch vom Papst seliggesprochen - heute schon in heiliger Mission unterwegs: Mel Gibson, der Jesus von Falkirk in BRAVEHEART, der für DIE PASSION CHRISTI den Chefsessel in gratiam Jeff Catweazles räumte, macht mobil gegen Stammzellenforschung: Wie meine gutinformierten und gewöhnlichen Kreise (= der "National Enquirer") wissen, spricht sich der aufrechte Katholik Gibson - wie es auch sein gutes Recht ist - gegen die Subvention von Organisationen aus, die sich mit diesem speziellen Forschungszweig befassen, um etwa Behinderten einen Hoffnungsschimmer zu gewährleisten. Damit tritt er in frommen Wettstreit mit Kollegen wie Brad Pitt, dem parkinsonkranken Michael J. Fox und dem kürzlich hingeschiedenen Christopher Reeve. Wie Mel Gibson und die fackelschwingenden Dörfler um Schloß Frankenstein bin auch ich der Ansicht, daß es Dinge gibt, die der Mensch besser unangetastet lassen sollte. Das gilt natürlich nicht für das Angreifen fremder Länder, das Massakrieren von deren Zivilbevölkerung oder das Ignorieren der Meinung der Vereinten Nationen. Bush - nach endlosen Irrfahrten, auch in betrunkenem Zustand - ist von Jesus auf die Schulter gefaßt worden, und während ein Politiker, der so eine Story in Deutschland erzählen würde, sich glücklich schätzen könnte, nicht mit Tatütata in die nächste Klapsmühle verfrachtet zu werden, sichert solch eine Wiedererweckungsstory in den Staaten eine Wiederwahl als Präsident - hooray! Daß die Regierung um den standfesten Berufssohn ganz offensichtlich ihr eigenes Volk belogen hat, scheint niemanden zu interessieren. Schade eigentlich: Wenn es um einen Fellatio im Oral Office geht, voluptuiert die amerikanische Öffentlichkeit zu Höchstform und zeigt den moralgeschwollenen Prengel. Das Führen eines Krieges, bei dem bereits etwa 1000 GIs gestorben sind, scheint nicht ganz so sehr ins Gewicht zu fallen. Bei Clinton habe ich damals - Moralist, der ich selber bin - gesagt: Okay, der dumme Junge hat sein Volk angelogen, hätte er man nicht tun sollen - tschüß, du Dummerjan! Daß der offizielle Beweggrund des Irakkonflikts viel weniger gilt als präsidiales Sperma im Rachenraum einer Praktikantin, finde ich nicht wirklich einleuchtend. Daß immer noch über 70 Prozent der Amerikaner davon überzeugt sind, daß der Irak Massenvernichtungswaffen hortet, obwohl selbst die Regierung mittlerweile Farbe bekennen mußte, stimmt sicherlich nicht nur mich nachdenklich. Fakt scheint zu sein: Es interessiert einfach keine Sau! Damit man mich nicht mißversteht: Ich war von der Rolle Michael Moores im Wahlkampf auch einigermaßen angepißt, wobei ihm die Realität in gewisser Weise rechtgibt: Ohne eine so platte Wahlkampfpropaganda für die ihm höchst suspekten Demokraten wäre das Wahlergebnis noch viel ernüchternderer ausgefallen! Selbst der mir durchaus sympathische Nader hat wohl letztlich nur dazu beigetragen, daß wir jetzt immer noch Bush an der Spitze der Welt haben... Mir hat FAHRENHEIT 9/11 nur sehr bedingt gefallen, da die dort vorgebrachte Propaganda einen sehr durchschaubaren Kurs ritt, der sich von jener der Demokraten nur oberflächlich unterscheidet. In den USA ist solch eine missionarische Tätigkeit aber scheinbar tatsächlich notwendig. Vor der Wahl ist den Bush-Hassern in den Diskussionsforen häufig vorgeworfen worden, antiamerikanisch eingestellt zu sein. (Bitte sagt nicht "Antiamerikanisten"!) Ich bin glühender Verehrer des Landes. Seit der Wahl beschleichen mich aber tatsächlich antiamerikanische Gefühle, denn sie haben ihn gewählt, ohne Schmuh und Wenn und Aber! Alle Amerikaner, mit denen ich in Kontakt stehe, waren Gegner von Bush, und das Alter jener Leute geht von 20 bis 80. Aber er ist trotzdem gewählt worden. In unserer eigenen Geschichte gab es eine Zeit, wo gewisse schnäuzerbewehrte Frustknödel an die Spitze des Staates gewählt worden sind, weil ihr Gekeife und ihr Haß den Gefühlen der unglücklichen Bevölkerung entsprach. Das war trotzdem nicht richtig, no fucking-sir! Ich bin großer Amerika-Fan - nicht umsonst habe ich Amerikanistik studiert. Aber die gegenwärtigen Entwicklungen finde ich urst unappetitlich. Heute ist gerade Colin Powell ausgeschieden, der zwar politisch denkbar von meiner Meinung abwich, aber zumindest der Simpatico der Bande war. Seine Nachfolge soll u.U. die gruselige Condoleeza Rice (nomen est fucking-omen!) antreten - na yippie-yay! Hier mein visueller Kommentar:

Igitt!

   Mit meiner Süßen habe ich ein wunderschönes Wochenende verlebt. Neben dem ganzen ehespezifischen Kleinklein (das mit Andacht und Genuß durchmessen werden will) kuckten wir die neue (gute) DVD von TANZ DER VAMPIRE, Rollins LE FRISSON DES VAMPIRES und Helges JAZZCLUB. War ein feines Wochenende! Mein neuer Artikel für die SI nimmt allmählich Form & Gestalt an - das wird ein richtiger Weihnachtsartikel! *freu* Am Samstag werde ich nicht nur mit meiner Herzdame ein Racquelette aufsuchen (das - nicht überraschenderweise - von den über mir Wohnenden geschmissen wird!) -, sondern habe ich die übliche ungewöhnliche Ehre, einer Sitzung des "Geheimnisvollen Filmclubs Buio Omega" beizuwohnen. Unter dem Monicker "Nitro-Laus" findet eine Einstimmung auf die nicht mehr gar so ferne Christzeit statt, die sich gewaschen hat: Es gibt diesmal nicht nur einen Martial-Arts-Klassiker der 70er zu bestaunen, in denen der Kampfexperte Lo Lieh seine Achillesfersen streckt, sondern auch einen überaus kranken US-Action-Heuler, in dem einmal mehr ein geisteskranker Vietnam-Veteran das Zepter des grimmigen Hinscheidens schwenkt. Der Film ist niemals auf Video erschienen, erfreut sich dem Vernehmen nach einer *unglaublichen* Synchro und wird definitiv niemals mehr von Euch hungrigen Teufeln auf der Leinwand erblickt werden. Charles Nizet, der den Film inszeniert hat, wurde 2002 in Brasilien das Opfer eines Gewaltverbrechens. Ich habe persönlichen Einblick in die Polizeiakten gehabt und mir einige Zitate vom Online-Übersetzungsservice übersetzen lassen: "Nizet kam in das Land von 8 von Juli von 2000 herein, für Sao Paulo, wenn Sie in den Blumen des Keils als Pensionär verewigt werden. Das Visum wurde aufgrund von Auflösung normative 6 von bewilligt. Assistenten der zwei Darstellungen, in Brasilia und in Sao Paulo, sie hatten gesagt, daß es nicht was haben würde, zu erklären, zumindest gestern. Nizet schrieb und produzierte Filme der zweiten Linie, mesclando Abenteuer, Gewalttätigkeit und Frauen." Na, klingt mysteriös und interessant? Am Samstag im Club!

Doppelfuß

111104

Mir träumte gestern nacht von einem Bären. Es handelte sich nicht um irgendeinen Bären, sondern den Bären von der Bärenmarke. Wo ist er nur hin, der gute alte Bärenmarke-Bär? Jener braune Souverän, der torkelnd die Alm durchmaß, stets eine freudianisch vergrößerte Milchkanne im Anschlag? Wer ihn sich genau ansah, konnte bei aller werbewirksamen Zotteligkeit auch einen dezenten Hauch von Untiefe an ihm ausmachen. War er womöglich manchmal verkatert und floh die Folgen der letzten durchzechten Nacht? Ich habe ihn mir immer als einen in die Jahre gekommenen Mafia-Don vorgestellt (die verkitschte Sorte, die einem manchmal in Filmen gereicht wird): Nach einem Leben der Unrast und des erzwungenen Respektes bündelt er nun die lange unterdrückte Menschlichkeit, um an den Menschen gutzumachen, was er ihnen einst antat. Nie wieder wird er Zeitgenossen Betonschuhe verpassen oder sie in Hochhausfundamente einmauern lassen. Stattdessen bringt er uns die Milch. Das ist tröstlich.
Die Werbefiguren von heute erreichen nur selten die Klasse dieser emblematischen Klassiker von einst. Selbst verquasselte Zeitgenossen wie die ehrenwerte Klementine waren irgendwo liebenswert und schufen Sonne im Herzen wie Mut auf mehr. Wir sind umzingelt von den Erben des Ültje-Mannes: Grimassierende, aufdringliche Gestalten, denen man im wirklichen Leben per Faustschlag Einhalt gebieten wollen würde. Keine Souveräns der stillen Gesten und der stummen Würde wie der Bär! Heutzutage muß Werbung nerven, sonst ist sie nicht richtig. Die Ware wird in die Leute hineingequält. Das würde Sinn machen, wenn sie dann aufhören würde, die Werbung. Aber das tut sie nicht. Sie geht immer weiter, und aus den Spielgefährten von einst wurden die Plagegeister von morgen... Nein, der Bär hatte den Bogen raus – da gibt es nichts! Mein neuer Artikel für die SI nimmt schon Formen an: Heute gerade habe ich den Film DAS TEUFELSCAMP DER VERLORENEN FRAUEN gesehen, und tatsächlich: Die Frauen, die da verloren sind, sind wirklich restlos übergesiedelt in den Orkus des schnöden Trübsals, Treibgut im Strom des immerwährenden Vergessens, gefangen im Schraubstock der Lust und im Inferno ungezügelter Sinnlichkeit. Es ist eigentlich ein ganz guter Film, und der Artikel wird sogar noch besser! Wenn mir heute irgendein Faschingsclown dumm kommt, kriegt der sofort bitteren Reis in die Schnauze...

041104

So, heute haben ich, Torsten und Kai es wahrgemacht und sind in den Probebunker gegangen, zwecks Lärmens im Geiste des Kings (E. Presley). Da uns unser Schlagzeuger arbeitsbedingt abging, blieb das Schlagwerk verwaist, so daß eine Art "Unplugged"-Variante des Kraches zustandekam. Das war, eingestandenermaßen, auch ganz lustig, und dafür, daß wir in dieser Besetzung seit etwa anderthalb Jahren nicht mehr geklampft haben, klangen die Ergebnisse auch ganz manierlich. "Viva Las Vegas" war noch nicht der wahre Jakob, und auch "Are You Lonesome Tonight" (für mich ein Höhepunkt der vorangegangenen Prüfungen der Dulderfähigkeit unserer Publikumse!) war noch nicht auf der Habenseite zu verbuchen. Frank Zappas "Elvis Has Just Left The Building" kam auch noch nicht wieder aus dem Stand in Greifweite. Der Rest ging für das erste Mal. Für Splatting-Image-Leser sei angemerkt, daß der nächste Artikel sich mit Krautsleaze befassen wird, und zwar von Leuten wie den beiden Rolfs (Olsen und Thiele) bis zu Eckhard Schmidt und PENETRATION ANGST. Für Weihnachtstalmi ist somit gesorgt...

011104

So, Halloween ist mal wieder bewältigt! Den Kindern von ganz unten im Haus habe ich diesmal bereitwillig eine milde Gabe vorbeigebracht, die schokoladene Feromone satt im Fahrwasser führte. Die "trick or treat"-Narreteien habe ich somit elegant umschifft. Was bei uns in Bremen das sogenannte Nikolauslaufen ist, wird in Gelsenkirchen seit einigen Jahren am 31. November durchgezogen, aus unbegreiflicher Keltenhörigkeit. Wo einstmals Druidenpriester ihren Schangel abfuhren, verwüsten heutzutage Minderjährige das Gemüt Erwachsener, doch im Herzen Junggebliebener. Ich hoffe mal, daß die kleinen Racker das Vollmilch-Nuß-Inferno, das ich auf ihre Häupter kommen ließ, mit ihren Milchzähnen bewältigen können! An und für sich gehen mir Kinder am Anus vorbei, aber irgendwie mißbillige ich die Aussicht herabgezogener Kindermundwinkel. Die werden schon früh genug den Sporn des Lebens in ihre Seiten gerammt bekommen - da soll man sie vorher nach Kräften schonen. Ich bin am Halloweenstag ohnehin erst zur Abendstunde eingetroffen, da vorher ein gesellschaftliches Miteinander lockte. Gesellschaftlichen Miteinandern bin ich normalerweise notorisch abhold, aber da meine Herzensfreunde Torsten und Sandra das Siegel auf die Einladung pappten, war es eine Pflicht und eine Freude, zu obliegen und willfährig zu sein. Ich hatte an diesem Abend eigentlich überhaupt keinen Bock, aber die schlichte Herzlichkeit der Gastgeber verzauberte mich stante pede, stehenden Fußes sozusagen. Der reich gedeckte Eßtisch (siehe oben: die tollen Marzipan-Vampire von Sven!) verzauberte erst das Auge, dann den Gaumen. Wein wurde gereicht, wie es frommer Völker Sitte, und im Nu zerstoben feige Vorbehalte im Dunkel der Nacht. Spaß kam auf! Auch Ausgelassenheit regte sich. Neckisch bot mir ein Gast sein Bein dar, das von einem tollen Johnny-Cash-Tattoo geziert wurde:


Abgehacktes Bein Cash geweiht

Wir hörten andächtig die Weisen des großen Mannes, und bei der Anhörung seines Vermächtnisses "Unearthed" fing ich ungelogen fast an zu heulen, so schön war der Legendentaumel. Da waren Coverversionen drauf, die die Welt verändern könnten, wäre sie nicht so unsagbar schlicht im Geiste. Magie pur. Der Olli, der gerade anwesend war, ließ es sich nicht nehmen, ein paar schöne Schrammeleien auf einer von Torstens vielen Gitarren erklingen zu lassen. Und Torsten fing bald Feuer und holte einen Verstärker raus. Um zwei Uhr morgens dröhnten wilde Akkorde durch jene Wohnung in Bochum-Langendreer. Und wer wurde herbeizitiert, um sängerisch aufzutrumpfen? Elvis Pressler Kesley tat es, obwohl er fast keinen Liedtext mehr präsent hatte. Die Anwesenden waren glücklicherweise schon breit genug, um Milde walten zu lassen. Aber nächste Woche geht es wieder in den Proberaum! Ich habe Feuer gefangen und möchte wieder singen... Demnächst in einem Theater in Ihrer Umgebung! Habe total Bock drauf... *freu* Ich und Cora verließen den Ort des Geschehens als Letzte, um halb sechs Uhr morgens. Und da wurde ja die Sommerzeit umgestellt, also war es eigentlich halb sieben! Wir schwappten nach Hause und schlummerten inbrünstig.

Halloween à la Chucky

Jetzt eine kleine Geschichte von meinem Freund Fabse! Vor kurzem waltete ein Unheil über seiner Wohnung und zwang Wasser aus dem Porzellan des Klosetts. Voller Panik rief er den Klempner, den sein Vermieter ihm geheißen. Klempner blieb aus und hüllte sich in Schweigen, mehrere Tage lang. Der Kot floß hoch. Dann endlich erschien der Klempner und prüfte fachmännisch den Stand der Dinge. Er betätigte die Spülung, und wildes Wasser floß über die Fliesen. Der wilde Punker Fabse furchte sorgenvoll die Stirn. "Tja", meinte der Klempner, "das Problem steckt wohl irgendwo tief drinnen. Da kann nur jemand Professionelles helfen!" Jemand Professionelles kam dann auch und schob seinen Arm tief in den Abgrund aus Scheiße und anderen Sedimenten. Zuerst versuchte er sein Glück mit einer Art Spirale, die das Unsagbare aufquellen ließ. Kot satt verunzierte die kleinbürgerliche Kemenade. Der Handwerker besaß eine rheinische Frohnatur und verkündete: "Wir haben die Lizenz zum Rumsauen - keine Angst!" Das muß der Zeitpunkt gewesen sein, wo Fabse richtig Panik bekommen haben muß. Und zu Recht, denn der Handwerker ging jetzt ans Eingemachte und vergrub einen sechs Meter langen Schlauch im Klosett. Er begann mit niedrigem Druck und schraubte sich hoch zu 300 Ampere/Atü/Bar oder wie sonst das heißt und versuchte, den Pfropf aus Ehemaligenfäkalien zu sprengen. Klappte nicht. Wo Wasser reingeht, geht auch Wasser raus, und eine Flut aus Hah-Zwei-Oh, Kot und anderen Ingredienzien ergoß sich nicht nur über den gesamten Badezimmerboden Fabses, sondern auch den angrenzenden Flur. Die Nachbarn unten hatten bereits vor einiger Zeit schmerzlichst mitbekommen, daß ein finsteres Geschick waltete. "Da müssen wir unbedingt die Versicherung einschalten!" Na ja, schließlich fruchteten die Bemühungen, und der Pfropf wich. Wäre schön gewesen, wenn auch das sanitäre Ungemach des lieben Fabse gewichen wäre, aber ewig flossen die Wälder, und auch das Klo spielte den Verstockten. "Da müssen Sie Silikon reinspritzen!" lautete heuer der Befund. Fabse spritzte, doch immer noch entließ das Porzellan ungeläutertes Wasser. Eine Woche bereits vorbei. Au Mann. Die Schweißperlen stehen mir auf der Stirne, wenn ich mir vorstelle, daß meine Scheiße meinen lieben Nachbarn Peter und Ute durch die Decke quillt. Das sind eigentlich ganz lockere Menschen, aber irgendwann ist auch Schluß. Fabse hat mittlerweile ganz andere Probleme mit MR. BLOWUP (dem legendären Fetischporno, dessen ganze Devianz darin besteht, daß die Glieder des Protagonisten gummiös aufgeblasen werden!), aber das Erlebnis mit dem Klo des Grauens wird mit Sicherheit sein Gemüt vernarbt haben. Hier noch ein Foto von mir, wie ich gerade diesen Text schreibe:
 

Der Erblasser höchstselbsten

Das Glas zur Linken ist selbstverständlich nicht mit Weißwein gefüllt, sondern mit hundertprozentig abbaubarem Eigenurin (Mittelstrahl). Die Zigaretten im angrenzenden Aschenbecher sind nur Attrappen und dienen der Erzielung eines lang angelegten Entwöhnungsvorganges. Das verkrumpelte Rot oben auf meinem Rechner ist eine Packung "Frit-Sticks" von Funny-Frisch, die saulecker sind, aber keinen Nährwert besitzen, weswegen ich sie dort schon vor einigen Monaten deponiert habe, um Gäste zu beeindrucken. Rechts neben dem Monitor erblickt man eine Packung leckeren "Earl Grey"-Tees. Tee trinke ich erst, seitdem ich Cora kennengelernt habe. Daneben befindet sich ein DVD-Stapel, auf dem ganz oben die "Anchor Bay"-Version von Dario Argentos CAT O´ NINE TAILS thront. Unter der Deckplatte des Schreibtisches befindet sich neben einem Block DIN-A-4-Druckpapiers eine Dose echter Sylter Brisen-Klömbjes, die immer brav abgelehnt werden, wann immer ich sie jemandem anbiete. Tatsächlich sind die Burschen aber recht lecker und schmecken ein wenig nach Pullmoll. Weiter rechts (vor meinem Bauch) befindet sich das Gremese-Lexikon der italienischen Regisseure. Der Stuhl rechts hinter mir ist ein Ikea-Fabrikat der Marke "Poeng" (oder so). Links über meinem Rechner ist ein Doris-Wishman-Foto (von derselben gegengezeichnet). Daneben sind italienische Plakate von Filmen wie FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN, TORSO, DIE ROTE DAME, DON´T TORTURE THE DUCKING, AUGE UM AUGE, IL COMMISSARIO DI FERRO und so fort. Die helle Stelle am Hintergrund meines Kopfes ist übrigens kein Kahlschlag, sondern wurde vom Blitzlicht so reflektiert. Auf meiner Schädelkapsel habe ich ganz oben eine leicht kahlende Stelle, aber das ist auch mehr ein besserer Wirbel. Ich muß wirklich einmal wieder zum Friseur.

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