I DISMEMBER SEPTEMBER
280904
Ich finde das ja durchaus bemerkenswert, daß man die
neunkommanochwas Prozent der NPD immer noch für kommentarintensiv
hält. Ehrlich gesagt will sich bei mir keine rechte
Bestürzung einstellen, da die Speerköpfe bzw.
Ankermänner der Partei (wie man auf englisch sagt)
maßgeschneidert sind für die Verhohnepiepelung. Der Apfel
ist einfach spitze! Ich genieße es jedesmal, wenn man ihn
irgendwo zu sehen bekommt. Der sagt häufig ganz schlaue Sachen.
Herr Voigt tut das auch, wie jüngst in der "Neuen Freiheit"
nachzulesen. Man will ihn dafür juristisch belangen. Ist Dummheit
strafbar? Seine Äußerungen
beweisen
mir nur wieder, daß man im Lager der EnnPeeDee offenbar vermutet,
daß demnächst neunkommanochwas Prozent ALLER DEUTSCHEN für die
Todesstrafe sind und ganz versessen darauf, daß Danzig wieder
deutsch wird. (Ich würde in meinem persönlichen
Parteiprogramm eher dafür votieren, daß der Sänger Glenn Danzig endlich zwei
Meter groß wird, wie er es sich immer gewünscht hat!) Der
Umstand, daß es sich zu 90 Prozent um Protestwähler
gehandelt hat, die ihre Arbeitslosigkeit oder sonstigen Unbilden der
rot-grünen Regierung anlasten und sich (nicht zu Unrecht) von
"Hartz IV" verladen wähnen, scheint bei den Verantwortlichen keine
Rolle zu spielen. Mich hat das Ganze schwer erinnert an jene Tage, in
denen meinem lieben Papa ständig unverlangt die Postille der
"Deutschen Wochen-Zeitung" (=DVU) ins Haus flatterte und mir
Sternstunden der unfreiwilligen Komik bescherte. Am besten fand ich die
Buch- und Video-Charts. Bei den Büchern gab es andauernd
Bücher über die Erlebnisse von Fallschirmspringern im
Großen Zweiten und Landserschicksale, während die
Video-TopTen von Werken wie Leni Riefenstahls (zugegebermaßen
tollem) Film über die Olympischen Spiele 1936 angeführt
wurden... Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch eine
Leserbriefseite. Da wurde es dann ganz kunterbunt. Ich habe leider
keine Zeit, Leserbriefe zu schreiben, denn ich habe ja dieses Zahnproblem! Genaugenommen
handelt es sich eher um ein ZahnARZTproblem, da ich einfach davor
zurückgescheut bin, meine Beißerchen einem
möglicherweise sadistisch veranlagten Unbekannten anzuvertrauen.
Heute war der Tag der Wahrheit! Ich bezahlte meine 10 Euro Schweinegeld
(am 27. 9., 3 Tage vor Ablauf des Quartals, höhöhö!),
durchmaß mit stählerner Miene den Korridor und flezte mich
nonchalant auf den Folterstuhl. Dann schiß ich mir in die Hosen
und begann fürchterlich zu weinen. Flugs eilten die weißen
Engel heran und trockneten meine Tränen. Ich schluchzte
verzweifelt, daß ich gerade erneut DER MARATHON-MANN gesehen
habe. Das ist der Film, in dem Dustin Hoffman in eine
Spionageaffäre hineingerät und auf dem Stuhl eines ehemaligen
KZ-Zahnarztes landet. Jener fragt ihn andauernd scheinbar sinnlos "Sind
sie außer Gefahr?" und bohrt Hoffman dann mitten in den Nerv
hinein. Das sind Szenen, die zu den ekligsten der Filmgeschichte
gehören! Die Assistentin kannte den Film nicht und machte sich
frisch auf an´s Werk. Als die Prozedur vorbei war, hatten sich
die leichten Verfärbungen, die mein Zahnschmelz durch Koffein- und
Nikotinabusus erfahren hatte, verflüchtigt, und weh hatte es kaum
getan. Ich umarmte die Bohrerin und hieß sie Schatz. Endlich habe
ich einen Zahnarzt im Ruhrgebiet! Der Arzt selber verriet mir
übrigens, daß ich zwar ein kleines Löchle in einem Zahn
habe, aber ansonsten lauter OBs im Mund. (OB = "Ohne Befund"!) Ach, was
bin ich froh, heute zum Zahnarzt gegangen zu sein!
240904
Die früheren Freunde der jüngsten Tochter von Hans Clarin
rochen streng. Das weiß ich aus der heutigen Folge der
JB-Kerner-Show, wo unter anderem über die
Pönker-Vergangenheit der Lendenfrucht dieses beliebten
Schauspielers (Pumuckl, Hui Buh) reflektiert wurde. Auch stellte Kerner
- quasi als Eisbrecher - die erstaunliche Frage, wieviele
Taschentücher der Mime mit sich führe. Da muß wohl im
Vorfeld der Sendung recherchiert worden sein nach Leibeskräften.
Herr Clarin führte vier Taschentücher mit sich, was die Frage
nach sich zog: "Wozu brauchen Sie denn so viele Taschentücher?" An
die genaue Antwort kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hätte
geantwortet: "Die brauche ich für meine vier Nasen." Dazu
hätte ich sehr unfreundlich gekuckt. Schließlich will ich,
wenn ich in eine Talkshow komme, ja auch nicht als erstes nach meinen
Taschentüchern gefragt werden. Immerhin sorgte Herr Clarin
für einen frühen Höhepunkt der Sendung, als er seine
benutzte Rotzfahne genüßlich in die Kamera baumeln
ließ. Das machte selbst die vorherige Zurschaustellung von Boris
Becker vergessen. Falls es mit meinem Kommissar Ernst nichts wird,
werde ich übrigens eine Karriere als Songtexter ansteuern.
Zum Abschluß ein Foto von Vincent (liegend):
220904
Russ
Meyer 18.09.2004 RIP
220904
Passend zur Kommunalwahl in Gelsenkirchen hier ein Foto, auf dem
für die Grünen geworben wird:
200904
War der Wahlkampferfolg der NPD in Sachsen eigentlich ein Publicity-Gag
zum Start von Hirschbiegels DER UNTERGANG? Werde mir den Film über
die Woche mal anschauen - immerhin läuft er direkt vor meiner
Tür. Nächste Woche werde ich sogar selber zur Urne schreiten,
da in Gelsenkirchen-Buer kommunale Bürgerpflicht gefragt ist.
Normalerweise würde ich denen sagen, daß sie in dem Bottich
ihre Großmutter beisetzen können, aber da diesmal mein
lieber Freund Robert Zion auf der Liste steht, werde ich mich nicht
lumpen lassen und dem Sonntagsschlendrian ein Schnippchen schlagen...
Der Filmclub ist wie
üblich gut gelaufen. Ausnahmsweise habe ich sogar beide Filme fast
vollständig angekuckt, während ich ja normalerweise lieber
draußen sitze und plausche. EVILSPEAK hatte ich schon lange nicht
mehr gesehen und erfreute mich an der Dummheit der Story und der
Unterhaltsamkeit des ganzen Restes - eine anmutige Verbindung von
Satanismus, Militär und Computerwesen! Und Louis de Funès
(speziell den gezeigten HASCH MICH, ICH BIN DER MÖRDER!) konnte
ich mir nicht entgehen lassen... Nächsten Monat setzt es einen der
schönsten italienischen Gothic-Grusler, im Verbund mit klassischer
amerikanischer Vigilantenwucht - "Moulin Rouge", ein ausgesprochen gut
gewählter Titel für ein weiteres fulminantes Doppelprogramm!
Neben den üblichen Fußball-Orgien (Werder gut gespielt,
Schalke gut gespielt, München schlecht gespielt, aber dennoch
unentschieden, knirsch!) gab es am Wochenende Boxen satt. Letzte Woche hat
mich ja bereits der Kampf Regina Halmich gegen so eine Kampfpüppi
aus Nevada wachgehalten. Auch wenn ich die Halmich recht niedlich
finde, war die Püppi eindeutig besser. Da der Kampf aber in
Deutschland stattfand, einigte man sich auf ein Unentschieden.
Püppi weinte Krokodilstränen, der Universum-Manager
salbaderte wie selbstverständlich etwas von "Heimbonus" (als ob
das sportlich wäre!), und der Titel blieb im Lande. Ich finde den
Boxsport mittlerweile richtig chefig, aber ich kenne auch keine andere
Sportart, wo so unverschämt geschoben wird. Frau Halmich hat ja
auch einige Fotos für den "Playboy" gemacht, was sie besser
hätte bleiben lassen sollen. Die Ästhetik dieser Dinger geht
nämlich richtig bretthart in Richtung Proll-Chic, so mit
"hübschen" Dessous, fingerdick Lippenrot, mondäne Möbel,
flackerndes Kaminfeuer, die Schiene... Boxerinnen muß man
schwitzend im Ring bewundern - anders ist das nicht recht! Die Halmich
ist eine heiße kleine Fighterin, die sich richtig in den Gegner
verbeißt - da ist doch wirklich mehr Sex drin als in solchen
Kuschelrock-Animierbildern! Auch bei der von mir sehr verehrten Meret
Becker sind die Bilder ähnlich in die Hose gegangen, was jetzt
kein Wortspiel sein soll. Ich begrüße jede
Entblößung von von mir geschätzten Frauen, aber dann
bitte nicht so... *stöhn*
Zurück zum Boxen: Wesentlich krasser (und unverschämter) als
die Halmich-Affäre war natürlich der schon zwo Monate
zurückliegende Kampf Oscar de la Hoya vs. Felix Sturm, wo der
Deutsche den hochdotierten Oscar richtig auseinanderschraubte. Drei
amerikanische Ringrichter, ein amerikanischer Sieg - Spinatmaske!
Dafür bleibt man doch gerne auf bis spät in die Nacht...
Vorgestern bekam Sturm den wesentlich leichteren Robert Frazier
vorgesetzt, den er auch solide besiegte - no surprise there. Auch das
später erfolgende Star-Match Oscar de la Hoya vs. Bernard Hopkins
kuckte ich mir an. Hopkins sah besser aus, hatte die netteren
Boxershorts an und klatschte Oscar in der 8. Runde auf die Matte.
Vorher gab es schon einige kleinere Kämpfe, bei denen mir
insbesondere jener zusagte, wo der dicke Schwarze dem weißen
Gegner mit dem ersten Schlag voll einen vor die Glocke gab, woraufhin
dieser einfach nur wie ein gefällter Baum zu Boden donnerte und
glücklich war... Zum Trost für Oscar hier ein kleines Gedicht
aus dem Nachlaß des Lyrikkollektivs "Gruppe Arnfrid Astel":
Ode
an den Sommling
1
Rot
sind
die Ameisen,
welche
tanzen, um das Frühjahr zu verabschieden.
Fruchtbarkeit
in Verkehrung...
-
ein Samenkorn in Ekstase.
2
Blau
sind
die Meisen,
deren
Gezwitscher die Iden des März
weit
hinter sich läßt.
Reflektierende
Bürzelblasen...
-
eine Projektion des Paradieses?
3
Grün
ist
der Bauch des Heilbutts,
scharf
geschwollen in dionysischer Agonie.
Dionysischer
Traumsumpf...
-
der Laich schluckt das blühende Leben!
Coda:
Horch, schönes Kind,
hörst
du den Blasbär singen
auf
jener Lichtung dort?
(Er
singt:) "Ein Füllhorn der Vergänglichkeit?"
Der
Sommling.
150904
Habe vor ein paar Tagen SCHINDLERS LISTE gesehen, den ich für
einen der größten Kackfilme des 20. Jahrhunderts halte.
Meinen Eintrag zum Thema findet Ihr hier,
und er wird gefolgt von einem Text zu dem verehrungswürdigen, aber
leicht mißzuverstehenden THE VILLAGE, den ich ebenfalls zu
beachten bitte. In den Film-Internet-Foren tobt derzeit ein sehr
emotionsgeladener Kampf im Hinblick auf das Spoiler-Phänomen. Mit
Spoilern sind nicht die autobezogenen Absonderlichkeiten gemeint,
sondern die Unsitte, anderen Leuten das Ende eines Filmes zu verraten.
In der Regel erfolgen nicht als solche gekennzeichneten Spoiler
(=Spielverderber) in argloser Manier und sind nicht böse gemeint.
Ärgerlich sind sie natürlich trotzdem. Seit einiger Zeit gibt
es dieses Phänomen aber auch zielgerichtet. Zu Anfang hatte das
etwas mit einem Unwillen gegen die oftmals zynischen
Marketing-Strategien der großen Studios zu tun, die ihre Besucher
für dumm verkaufen. Mittlerweile entzieht sich diese Sitte aber
meinem Verständnis. Wenn Werder gegen Inter Mailand spielt, will
ich nicht wissen, daß Werder mit 0:2 verliert. Da kann man noch
so sehr theoretisches Flickwerk bemühen, um das zu rechtfertigen,
aber es bleibt imho (so
sagt man ja wohl) eine Sauerei. Macht man nicht. Da ich selber aber
einen katholischen Troll in meinem Busen führe, habe ich einfach
mal einen Thread
(so sagt man ja wohl) eröffnet, der einige Spoiler auflistet. Wer
sich sein jungfräuliches Kuckerlebnis bewahren möchte,
vermeide den Thread bitte. Schließlich möchte ich noch
darauf hinweisen, daß niemand den "Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega"
am Samstag versäumen sollte, denn unter dem Motto "Mords-Visagen"
wird hier wieder einmal zusammengeführt, was niemals
zusammengehörte, aber trotzdem zusammenpaßt. Im ersten Film
vergnügt sich Frankreichs Starkomiker Nummer Eins mit einer
Leiche, die nicht verschwinden will. Ich habe den Film etwa
einhundertmal gesehen und lache noch immer darüber! Beim zweiten
Beitrag des Doppelprogrammes handelt es sich um einen überaus
blutrünstigen (und auf Video geschnittenen) Horrorfilm, dessen
Titel George Orwell verballhornt. Die Story ist richtig abstrus und hat
mit einem Militärkadetten zu tun, der einen verstorbenen
Satanisten anruft, aber der Kuckspaß ist m.E. sehr
ausgeprägt. Man sollte kommen, sage ich mal.
110904
Eigentlich wollte ich heute eine längere Abhandlung über
Hartz IV (HIV) schreiben, aber dann habe ich mir doch lieber DIE
LETZTEN AMERIKANER angeschaut. Außerdem forderte mir die
Bewältigung des heutigen Tages wieder einiges ab, das besser
ungesagt bleiben soll. Schweißgepeitscht begab ich mich in die
Videothek, um dort etwas Aufmunterndes aufzuspüren. Heraus kam ich
mit SCHINDLERS LISTE. Was mich geritten hat, weiß ich ja auch
nicht, aber ich dachte halt: Das ist so ein Film, den man mal
irgendwann gesehen haben muß. Wenn man noch zur Schule geht, wird
man sicherlich in den Film hineingegangen - ich hingegen bin erwachsen
und muß für mich selbst entscheiden. Das Thema des Filmes
zwingt die Mundwinkel gewissermaßen radikal nach unten. Bestimmt
fange ich da wieder an zu heulen. In bezug auf Filmsachen bin ich
manchmal von flockiger Sentimentalität. Da wässert´s
nach Leibeskräften, wenn Bambi mit der Zunge in den Rührfix
gerät oder Klopfer der Hase von einer Dampfwalze überfahren
wird. Im wahren Leben bin ich alles andere als eine Heulsuse. Eine Suse
ja wohl schon mal sowieso nicht. Bei Büchern kann ich manchmal den
Trennungsschmerz auch kaum verwinden, wenn die letzte Seite
umgeblättert wird. Das Ende von "Watership Down" etwa habe ich als
sehr übel in Erinnerung. Bei SCHINDLERS LISTE habe ich ein
ausgesprochen schlechtes Gefühl. Noch dazu hat der Film
Überlänge, und Spielberg finde ich auch ziemlich doof.
Theoretisch könnte ich den Film morgen hineinquetschen, zwischen
Fußball und Boxen, aber das wäre ja nun auch nicht okay.
Heute hatte ich mir eine Flasche Rotwein gekauft, aber - Kerze an, Wein
auf und dann Shoah pur? Keine gute Idee, no sir. Am Sonntag kommt Cora
vorbei, und ob wir den Film in unsere romantische Feierabendgestaltung
integrieren können, ist auch noch die Frage. Wenn ich Pech habe,
werde ich den Film ungesehen zurückgeben müssen. In den
Vereinigten Staaten gibt es übrigens einen Schwulenporno mit dem
Titel SCHINDLER´S FIST. Das dürfte er dann wohl mal
endgültig sein, der geschmackloseste Pornotitel aller Zeiten... In
einer amerikanischen Quizshow wurde unlängst einem der Kandidaten
die Frage gestellt, wie Hitler mit Vornamen geheißen habe. An
sich schon eine sehr merkwürdige Frage für eine Quizshow,
aber noch merkwürdiger war die Antwort: Heil! Die Allgemeinbildung
der Amis weist eben doch Lücken auf. Das merkt man nicht erst
daran, daß in Spielbergs drittem Indiana-Jones-Film die
Bücherverbrennung 1938
stattfindet... In Erinnerung sein dürfte aber der 11. September 2001, der sich heute zum
dritten Male jährt. Ich gehöre ja zu den vielen Leuten, die
das zweite Flugzeug live miterlebt haben. Arglos den Fernseher
eingeschaltet, um Fliege oder einen ähnlich nichtigen Tand zu
sehen, und auf einmal rauscht der Flieger in das Hochhaus. Ich denke
nur: WAS ist los??? Bin danach völlig verwirrt auf die
Straße gegangen, da ich nicht allein in der Wohnung bleiben
wollte. Dort bin ich ausgerechnet auf den Verkäufer des
Möbelhauses gegenüber getroffen, das mir meine Küche
eingerichtet hat. Der war ähnlich verwirrt und wußte nicht
genau, was er sagen sollte. Die Verwirrung hat sich mittlerweile gelegt
- die Ekelhaftigkeiten des Irakkrieges (von beiden Seiten) waren da
sehr hilfreich. Man weiß manchmal gar nicht, wohin mit dieser
Welt. Eine so große Mülltonne gibt es ja gar nicht. Die
Schulkinder von Beslan neulich waren wieder ein echter Hinkucker. Putin
kündigt Präventivschläge an. Man kommt um die
berühmte selektive Wahrnehmung manchmal kaum herum, sonst kann man
sein Herz gleich rausschrauben.
060904
So, eigentlich hatte ich ja schon vor vier Tagen einen Eintrag, in dem
ich auf zwei drollige Bilder aufmerksam machte. Wie mir heute
zugetragen wurde, kommt aber auf manchen Browsern nur ein Bild heraus,
daß die Schönheiten des Ortes Fucking preist, verbunden mit
der Botschaft "Cross-Linken macht nicht glücklich." Immerhin bin
ich jetzt mit dem Tatbestand des Cross-Linkens bekannt gemacht worden,
wenngleich ich ja brav einen Quell-Link eingeführt hatte. Aber jo
mei, in die Tonne mit dem Kram... Das Internet treibt auch ansonsten
Blüten, die einem medialen Jungspund wie mir ein launiges
Kopfschütteln aufzwingen: DANIEL DER ZAUBERER schaffte es binnen
kürzester Zeit auf den untersten, ja den alleruntersten Rang in
der "Internet Movie Database". Dies ist zurückzuführen auf
ein hemmungsloses "Power-Voting" (noch so ein Wort!), zu dem in
verschiedenen Internet-Foren aufgerufen worden war. Daniel
Küblböck ist ja ein Zeitgenosse, der polarisiert. Da ich
gelungene Streiche immer schätze, fand ich das auch ganz lustig.
Richtig bizarr wurde es aber erst vor kurzem, als sich die
amerikanische Voter-Front unamüsiert zeigte über diese
Einflußnahme teutonischer Geschmackspäpste. Sie favorisierte
einen neuen amerikanischen Film namens SUPER BABIES, der wohl auch eine
ziemliche Graupe vor dem Herrn sein muß. Es entsponn sich ein
hektisches Kraft-Voten von beiden Seiten: Dem eigenen Film wurde eine
1.0 (=niedrigste Bewertung), dem gegnerischen Film eine 10.0 zugedacht!
Gestern bin ich mit meiner unlängst aus Languedoc
heimgekehrten Liebsten ins Blaue gefahren, oder vielmehr ins Graue,
denn eine neue Halde wartete darauf, inspiziert zu werden. Dazu
mußten wir nach Bottrop-Boy, und das ist ja endlich mal wieder
ein schöner Stadtteilname: Sollte ich jemals einen Schwulenporno
drehen, ist der Titel bereits gesichert! Die Sonne tat ihr gewaltiges
Bestes, als ich - gemäß des internetten Rutenplaners - durch
die Heide schraddelte. Dabei pfoff ich fröhlich Billy Joels
"Uptown Girl" vor mich hin: "Bottrop Boy, alle lieben ihn, den Bottrop
Boy..." Tatsächlich trafen wir auch sehr viele original
Bottrop-Boys in der unmittelbaren Haldenumgebung: um den
Müll-Container geschart, mit Bierdosen in der Hand, Trainingsanzug
- so lieben wir unser Ruhrgebiet! Die Halde selbst gestaltete sich als
eine eher mühselige Angelegenheit, da die stufenförmige
Anlage auf herkömmlichem Wege nur mittels einer silbernen
Designer-Treppe zu erklimmen war, auf der man sich so in etwa
fühlte wie auf einer Gurkenraspel, da überall Löcher in
die Metallstufen eingelassen waren... Wir benutzten die Treppe nur
zweimal und wichen ansonsten auf die Kletterpfade aus. Hier offenbarte
sich aber auch das lebensgefährliche Problem der diabolischen
Radfahrer, die da immer das 140-oder-so-Grad-Gefälle
herunterbrettern, als gäbe es kein Morgen. Das muß so eine
neue Extremsportart sein, keine Ahnung, aber wie man freiwillig diese
Steilhänge herunterbrettern kann, ist mir ein Mysterium. Die Sonne
knallte auf unsere Köpfe, und wir fühlten uns schon bald wie
Clint Eastwood in ZWEI GLORREICHE HALUNKEN. Oben angekommen wurde die
Halde aber noch richtig fesch, denn da lauerte ein riesiger Tetraeder,
den man sogar besteigen konnte! Die geometrischste Wiedervereinigung
mit meiner Freundin, die ich jemals begangen habe, wurde gesäumt
von unzähligen Wespen, die ihre Taillen eng an das stählerne
Geländer schmiegten. Da ich nicht schwindelfrei bin, war es
für mich eine gewisse Leistung, bis ganz nach oben zu klettern.
Das oberste Plateau unterstand sich, sich bei mir anzuwanzen und machte
meinen Magen schaukeln mit immensem Geschwanke, sobald sich jemand
bewegte. Es ging sehr weit nach unten. Hier ein kleines Bild, auf dem
ich in ca. 100 Meter Höhe gerade mit dem Brechreiz kämpfe:
Auf einem Treppengeländer erhosch ich folgende kleine Widmung,
deren innewohnende Förmlichkeit mein Herz erreichte:
Wir kamen dann recht bald wieder auf den Boden der Tatsachen
zurück, kehrten Bottrop-Boy den Rücken zu (was man bei dem
tunlichst vermeiden sollte!) und taten uns gütlich an leckeren
Eisbatzen aus dem Café Florenz. Viele Grüße Gute an
Lars und seine Selma!
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