MUSIK, MILITÄR, MÄDCHEN (AUGUST
2004)
270804
Vor etwa 10 Jahren durchmaß ich mit meinem Freund Peter
Blumenstock die Stadt Nürnberg und förderte in einem Sexshop
ein Pornohörspiel aus den 70er Jahren zutage, in dem ein Dr.
Lumumba (oder so) die Hauptrolle spielte. Die Geisteskranken, die
dieses Hörspiel fabriziert haben, hielten eine
Geschlechtsumwandlung anscheinend für ein geeignetes Thema, um
einsame Männer in erotische Wallungen zu versetzen. Die Sprecher
klingen alle wie die Darsteller in den Filmen von Herbert Achternbusch.
Sie sagen Sätze wie: "Mein ganzes Becken ist voller Schleim!"
Sinnlichkeit kennt keine Grenzen! Das Cover wollte ich meinen Lesern
nicht vorenthalten. (Anm.: Die auf dem Cover angegebene Adresse ist
nicht mehr aktiv.)

"Schrullig-schön bist du,
Jonny! Peter hat rote oder blaue Brüste. Jonny, du Biest -
hängst attraktive Damen in den Keller! Mutter ist in der Kammer
und macht den Mollmund. Oh, Jonny, du weißt, daß die Zeit
dir die Brille in den Koffer gelegt hat..."
(aus: "Guten Morgen, Hose!"
von Holger Hiller und Andreas Dorau)
240804
Ich habe mich gerade mit lecker Käsetoast gedopt! Kaum ein Thema
erhitzt derzeit so sehr die Gemüter wie die Schummeleien und
Pannen in Athen. Wie mein Filmforen-Kollege Groucho es so treffend
ausdrückte: "Aus der
Traum vom Reitergold!" Jedesmal, wenn ich den Satz sage,
muß ich schmunzeln... Man könnte natürlich auch
"Rentnergold" sagen, was sich anböte als Titel für einen
besonders ekligen Geriatrie-Porno. Aber genug von igitt - ich habe heut
schon einiges erlebt! Um 5 Uhr ging´s aus den Federn, denn mein
Liebling und ihre Schwester mußten zum Flieger gebracht werden.
Der Flieger stand unglücklicherweise in Frankfurt, genauer: auf
einem Flughafen irgendwo zwischen Frankfurt und Trier. Mit Hilfe eines
vortrefflichen Routenplaners hatte man dem Internet, dem nicht
unfehlbaren, bereits die Reisestrecke aus den Knochen gerissen, den
virtuellen. Das ging die 43 runter nach Wuppertal, dann auf die 1, an
Kölle vorbei, und dann war die Autobahn auf einmal zu Ende! Tja,
was tun, die Zeit drängte. Ich schlug mich mit meinem in letzter
Zeit immer untreuer werdenden Astra, Maurizio, in die Pampa und erlebte
Deutschland, wie es kaum jemand kennt. Meine erste Erkenntnis war,
daß mein Falkplan, der zerfledderte, ebenfalls nicht
hundertprozentig verläßlich war, was die Länge der
Strecken angeht. Auf der Karte unscheinbar erscheinende Entfernungen
wurden zu aufregenden Herausforderungen, zur Höllenfahrt nach Santa
Fé. Serpentinen schlängelten sich durch
unwirtlichstes Urgestrüpp, und von Grenzdebilen gesteuerte Autos
brachten uns ein ums andere Mal in äußerste
Schwulitäten. Ich fuhr aufgrund des Zeitdrucks ohnehin bereits
fast kontinuierlich mindestens 20 Öcken zuviel, aber nachdem mich
der x-te BMW beim Überholen fast von der Fahrbahn gedrängt
hatte, wurde mir blümerant und ging mir die Muffe. Es galt, einen
Mittelweg zu finden zwischen zwei Übeln - einer
möglicherweise verpaßten Maschine von "Ryan Air" und dem Tod
im Straßengraben, dem dräuenden. Wir arbeiteten uns
unermüdlich voran, wie einst Dr. Livingstone im Dschungel, als er
Dr. Schweitzer finden wollte. Blutegel machten uns zu schaffen, und
ewig peitschten die Lianen. Schließlich hörte der Quatsch
mit den Gebirgsserpentinen auf (selten meinen dritten Gang so
hochgejubelt!), und der Mosel-Kampf begann. Auf den ersten Blick
erschien die Aufgabe leichter lösbar als der vorangegangene
Gebirgsjäger-Einsatz. Flaches Gelände, lange Straßen
mit vielen Gelegenheiten zum Überholen. Aber uns, die wir
kampftechnisch mittlerweile keine heurigen Hasen mehr waren,
ging schon bald die trügerische Sänfte des neuen Terrains
auf: den Feind in Sicherheit lullen, und dann zuschlagen wie die
ungehemmte Wildsau! An prallgeschwollenen Weinstöcken fährt
man vorbei, kein Trecker bremst den Fluß, der Nebel hängt in
den Hängen. Sofort sitzt man wieder in einer kleinen Ortschaft
fest, nimmt den Fuß vom Gaspedal, Fußwege gibt es auf den
Durchgehungsstraßen kaum, Bauarbeiten, Blick auf die Uhr, schwitz
- man ist im Nu nackter als nackt! Als wir vom Flughafen nicht mehr
weit entfernt waren, ging es auf einmal steil bergauf, immer weiter. In
Erwartung der Himmelspforte schloß ich mit meinem Leben ab. Es
ging aber wieder runter, und am Flughafen troffen wir 10 Minuten vor
Abschluß des Check-Ins ein... Jetzt bin ich alt geworden, sitze
matt, aber weise auf meinem neuen Sitzball und tippe dies. Ja, Ihr habt
richtig gelesen, ich habe jetzt einen Sitzball namens Alex, den
ich mir aus rückentechnischen Gründen zugelegt habe. Na ja,
um ganz ehrlich zu sein - ebenso spielte meine geheime Freude mit, mich
auf so einen lustigen Bullerball draufzusetzen. Alex ist senfgelb und erträgt
stumm ein Lebendgewicht von mindestens 300 kg, was ich trotz aller
Ausschweifungen bislang noch nicht auf die Waage gebracht habe. Ich
hoffe nur, daß Alex nicht platzt. Dann nämlich könnte
es sein, daß diese Seite ganz
lang nicht mehr geupdated wird. Daß ich übrigens so
lange abwesend war, lag an diversen privaten Veranstaltungen und an dem
neuen SI-Artikel, der das Werk des italienischen Genrefilmers Sergio
Bergonzelli unter die Lupe nehmen wird. Da ich zwar noch mehr zu
erzählen hätte, aber elendiglich müde bin, hier noch ein
mir freundlicherweise zugesandter Link zu einem Ennio-Morricone-Interview
in der "taz". Außerdem gibt es wieder einen tollen neuen Film aus
der Reihe "Berühmte Werke der Filmgeschichte in 30 Sekunden,
gespielt von Hasen". Diesmal hat es JAWS
erwischt... :) Ein weiterer toller Cartoon ist hier zu finden, aus der
sehr morbiden Reihe "Salad Fingers" - Vorsicht, ist seeehr ungesund...
Hingewiesen sei ferner auf eine hübsche Seite, die dem
verstorbenen Genrefilmer Antonio
Margheriti gewidmet ist. Und wer wissen will, was aus dem
Schauspieler John Steiner (CALIGULA, JÄGER DER APOKALYPSE etc.)
geworden ist, sollte hier
mal draufklicken... Gute Nacht!
130804
In Athen sind heute die Olympischen
Spiele eröffnet worden. Ich weiß das, denn ich sehe
ja fern! Vor ca. 740 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft
gab es einen Riesenfestakt, in dessen Verlauf nackte Jünglinge in
Tsaziki badeten und sich dann mit griechischem Döner bewarfen. Da
mir die Olympischen Spiele am Po vorbeigehen, lenkte ich mein Augenmerk
lediglich auf das Spektakel, dem ich aber auch nicht viel Erbauliches
abtrotzen konnte. In Erinnerung haften geblieben ist mir lediglich,
daß ein Surfer mit einer Fackel eine gigantische Showtreppe
emporkadenzte und ein Feuerwerk in Gang setzte. Mein erster Gedanke
war: "So soll das bei meiner Beerdigung auch aussehen!" Die
diesjährigen Olympischen Spiele weisen übrigens diverse
Neuerungen auf. Es gibt vier neue Sportarten: Extrem-Curling,
Power-Rimming, Heckenpissen und Recklinghausen. Noch nie sind so viele
Würstchenbuden im Einsatz gewesen - eine Olympiade der
Superlative! Einen einsamen Höhepunkt setzte bei der
Eröffnungsfeier eine Seance, bei der der Geist des Pythagoras
beschworen werden sollte. Es schaute aber nur Dionysos vorbei, der
verlangte, daß sich die anwesende Vicky Leandros nackt
präsentieren sollte. Das ließ sich dann einrichten und wurde
vom begeisterten Gejohle der anwesenden Gäste quittiert. Es wurde
auch sonst noch ein schöner Abend. Der Bürgermeister von
Athen, Nikos Popokakerlakis, überraschte seine Mitbürger
nebst Welt durch eine farbenfrohe Krawatte, mit der er nach eigenen
Aussagen ein Fanal setzen wollte. Wofür oder warum, blieb sein
Geheimnis, aber er tat sich hervor durch große Trinkfreude und
leerte auf offener Bühne einen Zweiliterhumpen Ouzo. Danach
entkleidete er sich und tanzte mit der beliebten Sängerin einen
Sirtaki. Moderator Poschmann erlitt einen Herzinfarkt. Gastkommentator
Otto Rehhagel bewies Souveränität. Hier der
Bürgermeister von Athen nach seinem zweiten Humpen:

Themenwechsel: Mein Geburtstag ist reibungslos verlaufen und ging ohne
größere Blessuren vonstatten. Hineingefeiert habe ich mit
meinen Nachbarn Robert und Bettina. Wir schauten einen guten Horrorfilm
(ECHOES), gingen dann über zu SONNENALLEE und landeten
schließlich bei WAS IST MIT BOB, den ich für einen der
besten Filme von Frank Oz halte. Als Präsent überreichte man
mir zwei Flaschen Grappa. Zu den beiden Katzen meiner lieben Nachbarn
ist zu sagen, daß Mia - vormals die Forsche - jetzt immer mehr
ihrem Brüderlein Vincent nacheifert und um Streichelkunst buhlend
ihren Bauch darbietet. Allerdings verbindet sie das gerne mit einem
ungeduldigen Fauchen, wenn man sich nicht sofort willfährig zeigt.
Auf erwiesene Liebesfron reagiert sie gerne mit ausgefahrenen Krallen,
aber Ratscher muß man als Katzenfan schon in Kauf nehmen. Das
heilt schnell wieder ab und ist nichts im Vergleich zur gattilen
Zuwendung, die man erfährt. (Oh - auch Kaninchen
können richtig unleidig werden, hihi...) Am nächsten Tag
ging´s dann weiter mit meiner Cora, mit der ich zuerst Polanskis
DER MIETER schaute, dann einen lustigen Piratenfilm und
schließlich erneut WAS IST MIT BOB. ("Babyschritte zur
Tür...") Der Grappa ging drauf. Die Woche zeigte nichts
Ergiebiges, wenngleich ich eine weitere Ablehnung für mein P-Buch
erhielt - diesmal allerdings nett, wohlbegründet und absolut
nachvollziehbar. Gestern stürzte ich unentschuldbar vor meinem
Computer ab, da ich mit dem Spiel MAFIA Bekanntschaft
schloß. Normalerweise muß man sich ja jeden einzelnen Level
mühsam erarbeiten - vom Laufburschen bis zum knallharten
Mafia-Kingpin. Dank eines aus dem I-Net heruntergeladenen Trainers
konnte ich aber jeden Level freischalten, hatte Zugang auf jeden
Autotyp, der vom Spiel angeboten wird (etwa dero 30, darunter ein
Leichenwagen!), und was Bloodpatches sind, ist mir ja schon seit
längerem ein Begriff... 10 Euro bei Saturn, die mich keine Sekunde
reuen - tolles Spiel! Heute fuhrwerkte ich mit alten Max-Goldt-CDs herum. Bei
dieser Gelegenheit mußte ich leider feststellen, daß meine
BASF-CD-Rs zu etwa 80 Prozent im Eimer sind. Die TDKs aus der selben
Zeit sind alle perfekt in Schuß. Zieht Eure eigenen Schlüsse
aus dem Umstand, aber mein Max-Goldt-Radiointerview, bei dem er den
Moderator unter anderem als "mein Hoppelhase" bezeichnete, ist jetzt
Geschichte... Immerhin existiert noch die großartige
Radiosendung, bei der Asmus
Tietchens "zu Recht vergessene" Synthie-Musik aus den
Anfängen dieser Musikgattung vorstellte. In der namentlichen
Sendung läßt er ca. 15 Minuten einer absoluten "Elendsmusik"
über den Äther laufen, die auf Pablo Neruda basiert und
grauenerregende kakophonische Impressionen kombiniert mit einer
Sopranistin namens Alrun Zahoransky - ein Name, den der hervorragende
Sprecher Tietchens süffisant über seine Lippen fließen
läßt. Ich habe mir bei der Aufzeichnung erneut fast in die
Hosen gemacht vor Fröhlichkeit. Toll, daß die Toningenieure
immerhin 15 Minuten dieser Musik goutiert haben, bevor sie brutal den
atonalen Reigen abwürgten, da sie es einfach nicht mehr
ertrugen... P.S.:
Durch Zufall bin ich über eine englischsprachige Webseite mit
ungewöhnlichen Pornotiteln
gestolpert. Mein persönlicher Favorit ist "Backdoor Lambada"! P.P.S.: Hier kann man Plüsch-Mikroben bestellen...
(Danke an Arno - toller Link!) P.P.P.S.:
Hier noch ein Bild des Bürgermeisters von Athen vom
Debütalbum seiner Heavy-Metal-Formation "Satans Zahnweh":

050804
Uffa, am Sonntag werde ich wieder mal älter... Diesmal sind es 36
Kerzen, die sich auf meiner imaginären Geburtstagstorte ein
Stelldichein gäben, würde ich dieses Brauchtum pflegen. Doch
tatsächlich wird es ein Tag wie jeder andere, ein weiteres
Dreihundertfünfundsechzigstel der Reise in den Glamour, die meinen
Alltag ausmacht. Am Sonntagmorgen werde ich wie immer aufstehen, werde
mich von meiner Zahnpastatube anfurzen lassen, genieße den milden
Schock der kalten Klobrille an dem Körperteil, das mich zum
Superstar des Duschtraktes des Hochsicherheitsgefängnisses machen
würde, hätte man die Grille, mich eines Tages dorthin zu
verfrachten. Warum sollte man mich in den Knast stecken? Weil ich so
alt bin? Ich bin doch ein so netter Purzel. Habe mir kaum jemals etwas
zuschuldenkommen lassen. Naja, die paar Banküberfälle halt,
aber es ist niemals jemand in seiner Gesundheit beeinträchtigt
worden. Ausgenommen natürlich jenes eine Mal, als wir alle
Gerhard-Schröder-Masken trugen, und auf einmal keiner mehr
wußte, wer wer ist. Wer hätte schon damit rechnen
können, daß auf einmal der echte Gerhard Schröder
auftauchen würde! Als ich ihm den Sack mit dem großen
Dollarzeichen drauf gab, schaute er ziemlich blöd aus der
Wäsche und vergaß selbst sein kameragestähltes
Schraubgrinsen. Er ließ den Sack fallen, und zwar auf seinen
Fuß. Das war damals, als der Bundeskanzler einen schlimmen
Fuß hatte. Noch Wochen überschlugen sich die
Nachrichten-Tausendsasse in Mutmaßungen, woher das
unmißverständliche Hinken kam, das er auf einmal zur Schau
trug. Unser Kanzler - Grandseigneur, der er ist - überspielte das
Hinken mit Finesse, und sondernormen war die Zahl der Liebesbriefe, die
ihm in dieser Zeit zuteil wurde. Seine Doris wurde schon ganz kraus und
griesig, wuchs die Zahl der potentiellen Nebenbuhlerinnen jetzt doch
ins Astronomische. Ein kleiner Makel vermag ja zu verzaubern. Wie bei
Julia Roberts, als sie noch ihr Holzbein trug. Lyle Lovett war ja ganz
hin und weg, und auch Bruce Willis hätte seiner damals
hochschwangeren Ex-Gattin (also, jetzt Ex-Gattin, damals
natürlich nicht!) fast Lebewohl gesagt, auf amerikanisch, versteht
sich... Damals begann das auch mit den Stalker-Problemen von der
Roberts - sie wurde monatelang von einem Fan aus North Carolina
verfolgt und gepiesackt, bis sie ihn schließlich mit dem Holzbein
k.o. schlug. Dann wurde ihr das zuviel mit der Prothese, und sie legte
sie, Lyle Lovett und Bruce Willis samt Gattin einfach zu den Akten. Was
für ein Bumshuhn. Oh Gott, sagte ich Bumshuhn? Das meinte ich
natürlich nicht, ich meinte vielmehr: Was für eine
überaus gescheite Frau. Ein Holzbein entzückt den einen,
vergrellt den anderen. Kann man sich unseren Kanzler mit einem Holzbein
vorstellen? Ich finde, das sollte geschulten Seebären mit
Freibeuter-Diplom vorbehalten bleiben. Mit Haken im Stumpf und
Papagallo auf der Schulter. Erneut ein Versprecher: Ich meinte Papagei.
36 ist ein fast schon methusalemisches Alter. In früheren Zeiten
wurde man dafür schon geköpft. Natürlich ist das ein
matter Pups, verglichen mit den dreistelligen Lotterjahren, die den
biblischen Würdenträgern angedacht wurden. Aber wer
möchte schön fünfhundert Jahre alt werden? Möchtet
Ihr einen fünfhundertjährigen Kanzler haben? Mit einer
sechshundertjährigen Frau? Das möchten wohl nur die
wenigsten. Die sähen ja aus wie Lots Frau, die sich umdrehte, als
jemand mal wollte, daß sie sich umdreht, als diese Sodomisten
ihre Neugier erregten, was man ja schon verstehen kann. Die wurde zu
Salz. Einfach so. Finanzinteressenlos. Mann, was stehen da für
tolle Schoten in der Bibel! 36 ist schon ein harter Happen. Gemessen an
der geschätzten Lebenserwartung des rauchenden Mannes habe ich
somit schon fast die Hälfte meines Lebensweges hinter mich
gebracht. Da muß man kein Prophet sein, um in meinem Busen
nagende Zweifel ob der Richtigkeit vieler Entscheidungen zu vermuten.
Tatsächlich bin ich aber ganz stolz auf meinen Lebensweg, die
Propheten sollen schweigen, gleich dem Papagei auf der Schulter von
Captain Ahab. Ich habe die deutsche Wiedervereinigung nicht
eingeläutet, das kann ich nicht von mir behaupten. Ich habe weder
den Wankelmotor erfunden, noch die Autobahnen gebaut. Nicht einmal ein
brisantes neues Speiseeis geht auf meine Kappe. Aber ich war immer
höflich zu Videothekarinnen! Ich war immer reizend zu
Verkäuferinnen im Supermarkt! Ich habe - soweit ich mich erinnern
kann - niemals jemanden angeschrien in meinem ganzen Leben, abgesehen
von der Dozentin, die ich laut "Fotze" schalt, aber das hatte die dumme
Nuß schon verdient. Was für ein Unwetterhobel! Wenn mich die
Flut dereinst ins Meer des Vergessens tragen sollte, dann kann mit
Sicherheit mehr auf meinem Marmor stehen als: "Er hatte es gut
gemeint." Das wäre auch eine feiste Lüge, denn ich habe es
mitnichten immer gut gemeint. Ich war manchmal ein richtiger Arsch vor
dem Herrn, und sein Hinterteil - so wohlbeschaffen es auch sein mag -
sollte man niemals himmlischen Regionen entgegenrecken. Das sieht
wirklich ganz blöd aus. Vielmehr entlockte ich so manchem Grashalm
Schönheit und genoß sie sattsam. Aber das klingt alles
schwer nach Nekrolog, nach Obituarium, nach Honig auf dem Mund des
grimmigen Schnitters. Mit Vollgas will ich mich ins neue Lebensjahr
schmeißen. Die Quersumme ergibt 9, und das war schon immer meine
Glückszahl! Genug vom Trivialen. Jetzt kommt die Kunst: Wenzel
Storchs neuer Film DIE REISE INS GLÜCK ist in Kanada auf dem
"Fantasia"-Filmfestival ausgezeichnet worden mit dem silbernen
Publikumspreis in der Sparte "Most Groundbreaking Film"! Das freut mich
für den lieben Wenzel und macht mich auch etwas stolz, da ich ja
ein klein wenig Anteil an dem Film hatte. Es ist von beeindruckten
Zeitgenossen sogar ein Comic-Strip gezeichnet worden, wie staunende
Augen hier
erhaschen können - wow! In Köln läuft er auf dem
"Fantasy Filmfest" heute nachmittag, und außerdem noch in
Frankfurt, Hamburg und Berlin. Wer interessiert ist, findet den Link
zur Filmfest-Seite im vorangegangenen Ticker. So, jetzt werde ich
müde und neige mein greises Haupt gen Bettstatt.
010804
Als ersten Eintrag des
Monats gibt es einen Link zu meiner kleinen Fotosammlung
des gestrigen Jahrestreffens der Wicked-Vision-Gemeinde...
270704
Heute habe ich
erfahren, daß ich Haare
im Ohr habe. Für
gewöhnlich ist das ja keine Information, die einem frank &
frei auf´s Butterbrot geschmiert wird. Als der türkische
Friseur in meiner Nachbarschaft, bei dem ich mir immer die Frisur
schnitzen lasse, eine Art überdimensionalen Q-Tip anzündete,
dachte ich mir noch nichts Böses und machte nur milde "Huch". Dann
hielt er den lodernden Wattestab an mein Ohr und patschte ihn sachte
dagegen. Es zwiebelte etwas. "Huch" erneut. Was wird das jetzt? Als
dann der Geruch von Gesengtem den Raum erfüllte, wußte ich,
daß gerade auf ungewöhnliche Weise für meine
äußere Apartheit gesorgt worden war. Was es nicht alles
gibt. Mit meiner neuen Identität als Schilddrüsenbürger
habe ich mich bereits abgefunden. In Niederbayern gibt es ja noch
einige Traditionsbauern, die sich einen Originalkropf leisten. Ebenso,
wie auf gewissen Südseeinseln Dickleibigkeit als Zeichen des
persönlichen Wohlstands betrachtet wird, mag auch ein Kropf das
Ansehen seines Trägers in ruralen Regionen heben. In meiner zwar
provinziellen, aber nichtsdestotrotz städtischen Umgebung hingegen
hätte man da mit sozialer Ausgrenzung und anderen furchterregenden
Repressalien zu rechnen. Obwohl - ist die soziale Ausgrenzung wirklich
so furchterregend? Wilhelm Busch formulierte ja mal: "Ist der Ruf erst
ruiniert, lebt sich´s gänzlich ungeniert." (Oder war das
Oscar Wilde?) Mit so einem dicken Oschi auf der Brust läßt
sich aber schwerlich prahlen, und hat man sein Kämmerlein
hermetisch abgeriegelt und wie dereinst Marcel Prust mit Kork
ausgeschlagen, um den Krawall der rohen Masse auszusperren, dann
stört so ein Teil doch bei den wichtigsten Verrichtungen des
Alltages. Beim Pinkeln findet man den Dödel nicht mehr, da ihn
beim Herabschauen nicht einmal John Holmes erspähen würde.
(Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Stünde
John Holmes neben mir,
würde er meinen Dödel trotz meines Kropfes selbstredend noch
sehen. Hätte er
hingegen den Kropf, könnte er meinen Dödel natürlich
ebenfalls sehen. Das ist alles bezaubernd sinnlos.) Beim Milchen des
Morgenkaffees gießt man ständig vorbei, da man die Tasse
nicht sehen kann. (Erneut zur Verdeutlichung: John Holmes könnte
die Tasse schon sehen, nur nicht meinen Dödel, da ich niemals
nackt frühstücke.) Auf dem Bürgersteig tritt man
ständig in Hundeköttel. Man sieht schon, das Leben mit Kropf
ist ein beschwerliches. Jodzufuhr schafft dem Abhilfe. Das bringt mich
auf einen ganz
ungewöhnlichen Mann, der mal bei Bekannten ein Video hat
erstellen lassen. Dieses Video wollte er dann an das Nobelpreiskomitee
schicken, da er eine revolutionäre Evolutionstheorie entworfen
hatte. Mit weit ausholenden Gebärden schilderte dieser
Privatwissenschaftler die Entstehung der Arten, wobei er eigenwillige
Schwerpunkte setzte. So biß er sich fest am Affen mit Schwanz,
welcher nach der Überflutung der Welt geringere
Überlebenschancen besaß als der Affe ohne Schwanz. Denn:
"Wer lauert im Wasser? Wer schwimmt dort unten? Der Hai!" So kam es,
daß der heutige Mensch keinen Schwanz mehr besitzt. Daß die
Dinosaurier ausgestorben sind, lag im wesentlichen daran, daß
ihnen von den Haien die Beine abgeknabbert wurden. Die Entstehung der
Erde an sich quoll über vor bizarrer Sexualmetaphorik, an die ich
mich aber en detail nicht mehr erinnere. Immerhin soll es so gewesen
sein, daß die Erde sich nicht um die eigene Achse drehte, so
daß auf der einen Seite ein gigantischer Eiszylinder entstand -
"Ich nenne ihn Eispenis!" -, der dann in die glühende Lava von
irgendwas drang. Das war wirklich ganz wild. Wir Menschen seien, so der
Nobelpreisanwärter, "Jodmist aus Atlantis"! Das war ein tolles
Video. Irgendwann hat der Kameramann dann auf die Schuhe des
Vortragenden geschwenkt, auf seine Coladose, und so fort... Auch bin
ich mal eines tollen Briefes ansichtig geworden, der einem ehemaligen
Journalisten einer Bremer Programmzeitung geschickt wurde. Der
betreffende Reporter war schon seit etwa drei Jahren nicht mehr
für die Zeitschrift tätig, aber er hatte wohl einmal ein
Interview mit einer Hellseherin gemacht. Diese Hellseherin schrieb ihm
nun auf insgesamt 8 Seiten ein ungeheuerliches Update ihrer
Lebensgeschichte. Sie verriet ihm u.a., sie sei für Königin
Elizabeth "Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät" gewesen.
Jimmy Carter sei in sie verliebt gewesen. Dabei vermischten sich
offensichtlich reale Fakten mit Einsprengseln, die sie aus Magazinen
oder Filmen aufgeschnappt zu haben schien. Mit ihrem Sohn schien sie
nicht gut zurechtzukommen, da er als einer ihrer Erzfeinde beschrieben
wurde und sie in ein geheimes Krankenhaus einweisen ließ. Im
Keller besagter Klinik habe Helmut Schmidt einen
"Menschenverbrennungstrakt" für sie eingerichtet, und die
Wärter hätten versucht, sie via Voodoo mit Zauberbohnen ins
Jenseits zu befördern, die nachts unter ihr Kopfkissen geschwebt
seien... Ich will mich hier gar nicht darüber lustig machen, aber
ich fand das sehr faszinierend, da die Vermischung von Realität
mit Traumwelt absolut stimmig war und für sie komplett Sinn zu
machen schien. Bei einem Bekannten, der für eine namhafte
Filmzeitschrift arbeitet, erfuhr ich mal von einem Manuskript, das
besagter Zeitschrift zugesendet wurde und ein Musical mit Sylvester
Stallone in der Hauptrolle anpries, das (glaube ich) "Rambo im
Wüstensturm" heißen sollte! Es waren bereits Musiknummern
ausgearbeitet, komplett mit Partitur, u.a. ein Duett mit Rambo und
Major Trautman - alter Schwede! Erneut will ich mich nicht darüber
lustig machen. Ich liebe solche Bizarrerien, und hätte ich richtig
viel Kohle, wäre ich der erste, der das verfilmen lassen
würde. So, sehr nett finde ich folgende Website, die sich mit komplett
unnützem Wissen befaßt, das aber teilweise zum Kringeln
ist, etwa der Tatsache, daß ein Neffe des Azteken-Herrschers
Montezuma einen Namen hatte, der übersetzt etwa "Ein großer
Haufen Scheiße" bedeutet... Toll! Hier eine
Yahoo-Meldung, derzufolge auch die Neandertaler bereits gefetet haben
wie die Hunde. Einen sehr bizarren Fall von Mäusesterben seht Ihr
in diesem
Forenbeitrag bildlich dokumentiert. (Vorsicht: Nicht hübsch!)
Des weiteren gibt es für die Einsamen unter uns einige Titten zu sehen,
die man sogar hübsch drücken kann. (Wie kommt man auf so was?) Und
schließlich weise ich noch auf die "Artfuck Files" der sehr netten
Ellen hin, von denen ich besonders die Videocaps unter "Herrn KK"
wärmstens empfehle - für Kinski-Fans ein Genuß! So,
jetzt gehe ich schlafen und träume vermutlich davon, daß mir
auch noch die Haare in der Nase ausgekokelt werden...
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