IM JULI TOBT DER BÄR!

Waschbärbauch

NEWSTICKERARCHIV

270704

Heute habe ich erfahren, daß ich Haare im Ohr habe. Für gewöhnlich ist das ja keine Information, die einem frank & frei auf´s Butterbrot geschmiert wird. Als der türkische Friseur in meiner Nachbarschaft, bei dem ich mir immer die Frisur schnitzen lasse, eine Art überdimensionalen Q-Tip anzündete, dachte ich mir noch nichts Böses und machte nur milde "Huch". Dann hielt er den lodernden Wattestab an mein Ohr und patschte ihn sachte dagegen. Es zwiebelte etwas. "Huch" erneut. Was wird das jetzt? Als dann der Geruch von Gesengtem den Raum erfüllte, wußte ich, daß gerade auf ungewöhnliche Weise für meine äußere Apartheit gesorgt worden war. Was es nicht alles gibt. Mit meiner neuen Identität als Schilddrüsenbürger habe ich mich bereits abgefunden. In Niederbayern gibt es ja noch einige Traditionsbauern, die sich einen Originalkropf leisten. Ebenso, wie auf gewissen Südseeinseln Dickleibigkeit als Zeichen des persönlichen Wohlstands betrachtet wird, mag auch ein Kropf das Ansehen seines Trägers in ruralen Regionen heben. In meiner zwar provinziellen, aber nichtsdestotrotz städtischen Umgebung hingegen hätte man da mit sozialer Ausgrenzung und anderen furchterregenden Repressalien zu rechnen. Obwohl - ist die soziale Ausgrenzung wirklich so furchterregend? Wilhelm Busch formulierte ja mal: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s gänzlich ungeniert." (Oder war das Oscar Wilde?) Mit so einem dicken Oschi auf der Brust läßt sich aber schwerlich prahlen, und hat man sein Kämmerlein hermetisch abgeriegelt und wie dereinst Marcel Prust mit Kork ausgeschlagen, um den Krawall der rohen Masse auszusperren, dann stört so ein Teil doch bei den wichtigsten Verrichtungen des Alltages. Beim Pinkeln findet man den Dödel nicht mehr, da ihn beim Herabschauen nicht einmal John Holmes erspähen würde. (Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Stünde John Holmes neben mir, würde er meinen Dödel trotz meines Kropfes selbstredend noch sehen. Hätte er hingegen den Kropf, könnte er meinen Dödel natürlich ebenfalls sehen. Das ist alles bezaubernd sinnlos.) Beim Milchen des Morgenkaffees gießt man ständig vorbei, da man die Tasse nicht sehen kann. (Erneut zur Verdeutlichung: John Holmes könnte die Tasse schon sehen, nur nicht meinen Dödel, da ich niemals nackt frühstücke.) Auf dem Bürgersteig tritt man ständig in Hundeköttel. Man sieht schon, das Leben mit Kropf ist ein beschwerliches. Jodzufuhr schafft dem Abhilfe. Das bringt mich auf einen ganz ungewöhnlichen Mann, der mal bei Bekannten ein Video hat erstellen lassen. Dieses Video wollte er dann an das Nobelpreiskomitee schicken, da er eine revolutionäre Evolutionstheorie entworfen hatte. Mit weit ausholenden Gebärden schilderte dieser Privatwissenschaftler die Entstehung der Arten, wobei er eigenwillige Schwerpunkte setzte. So biß er sich fest am Affen mit Schwanz, welcher nach der Überflutung der Welt geringere Überlebenschancen besaß als der Affe ohne Schwanz. Denn: "Wer lauert im Wasser? Wer schwimmt dort unten? Der Hai!" So kam es, daß der heutige Mensch keinen Schwanz mehr besitzt. Daß die Dinosaurier ausgestorben sind, lag im wesentlichen daran, daß ihnen von den Haien die Beine abgeknabbert wurden. Die Entstehung der Erde an sich quoll über vor bizarrer Sexualmetaphorik, an die ich mich aber en detail nicht mehr erinnere. Immerhin soll es so gewesen sein, daß die Erde sich nicht um die eigene Achse drehte, so daß auf der einen Seite ein gigantischer Eiszylinder entstand - "Ich nenne ihn Eispenis!" -, der dann in die glühende Lava von irgendwas drang. Das war wirklich ganz wild. Wir Menschen seien, so der Nobelpreisanwärter, "Jodmist aus Atlantis"! Das war ein tolles Video. Irgendwann hat der Kameramann dann auf die Schuhe des Vortragenden geschwenkt, auf seine Coladose, und so fort... Auch bin ich mal eines tollen Briefes ansichtig geworden, der einem ehemaligen Journalisten einer Bremer Programmzeitung geschickt wurde. Der betreffende Reporter war schon seit etwa drei Jahren nicht mehr für die Zeitschrift tätig, aber er hatte wohl einmal ein Interview mit einer Hellseherin gemacht. Diese Hellseherin schrieb ihm nun auf insgesamt 8 Seiten ein ungeheuerliches Update ihrer Lebensgeschichte. Sie verriet ihm u.a., sie sei für Königin Elizabeth "Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät" gewesen. Jimmy Carter sei in sie verliebt gewesen. Dabei vermischten sich offensichtlich reale Fakten mit Einsprengseln, die sie aus Magazinen oder Filmen aufgeschnappt zu haben schien. Mit ihrem Sohn schien sie nicht gut zurechtzukommen, da er als einer ihrer Erzfeinde beschrieben wurde und sie in ein geheimes Krankenhaus einweisen ließ. Im Keller besagter Klinik habe Helmut Schmidt einen "Menschenverbrennungstrakt" für sie eingerichtet, und die Wärter hätten versucht, sie via Voodoo mit Zauberbohnen ins Jenseits zu befördern, die nachts unter ihr Kopfkissen geschwebt seien... Ich will mich hier gar nicht darüber lustig machen, aber ich fand das sehr faszinierend, da die Vermischung von Realität mit Traumwelt absolut stimmig war und für sie komplett Sinn zu machen schien. Bei einem Bekannten, der für eine namhafte Filmzeitschrift arbeitet, erfuhr ich mal von einem Manuskript, das besagter Zeitschrift zugesendet wurde und ein Musical mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle anpries, das (glaube ich) "Rambo im Wüstensturm" heißen sollte! Es waren bereits Musiknummern ausgearbeitet, komplett mit Partitur, u.a. ein Duett mit Rambo und Major Trautman - alter Schwede! Erneut will ich mich nicht darüber lustig machen. Ich liebe solche Bizarrerien, und hätte ich richtig viel Kohle, wäre ich der erste, der das verfilmen lassen würde. So, sehr nett finde ich folgende Website, die sich mit komplett unnützem Wissen befaßt, das aber teilweise zum Kringeln ist, etwa der Tatsache, daß ein Neffe des Azteken-Herrschers Montezuma einen Namen hatte, der übersetzt etwa "Ein großer Haufen Scheiße" bedeutet... Toll!  Hier eine Yahoo-Meldung, derzufolge auch die Neandertaler bereits gefetet haben wie die Hunde. Einen sehr bizarren Fall von Mäusesterben seht Ihr in diesem Forenbeitrag bildlich dokumentiert. (Vorsicht: Nicht hübsch!) Des weiteren gibt es für die Einsamen unter uns einige Titten zu sehen, die man sogar hübsch drücken kann. (Wie kommt man auf so was?) Und schließlich weise ich noch auf die "Artfuck Files" der sehr netten Ellen hin, von denen ich besonders die Videocaps unter "Herrn KK" wärmstens empfehle - für Kinski-Fans ein Genuß! So, jetzt gehe ich schlafen und träume vermutlich davon, daß mir auch noch die Haare in der Nase ausgekokelt werden...

240704

Heute gibt es ein kleines Hilfegesuch von mir: Seit einiger Zeit bin ich ja großer Fan von Piratenfilmen. Mein Herzblatt befaßt sich derzeit auch mit einem Buchprojekt in dieser Richtung. Heute morgen ist es uns gelungen, den Film DER SCHARLACHROTE PIRAT zu verpassen, der auf Kabel 1 lief und der nicht ganz unwichtig ist. Gibt es jemanden unter den Lesern, der besser aufgepaßt hat und uns aushelfen könnte? Mary Read, Captain Kidd und die gesamte Besatzung der "Bounty" würden es Euch danken... :)

220704

"Wer ist der Mann, den Guido Westerwelle liebt?" überschriftet eine große deutsche Tageszeitung in der ihr üblichen sensiblen Art. Statt (viel naheliegender) zu fragen, wer der Mann ist, der Guido Westerwelle liebt, heuchelt das Blatt Interesse an der Person des politisch wie sexuell mißliebigen Prominenten. Viel besser da die Titel-Schlagzeile: "Wie schwul ist Deutschland?" Ja, leckmichamarsch, das habe ich mich doch schon lange gefragt! Wo lauern die Perversen? Wieviel von Deutschland ist bereits unterwandert von den Hinterladern? Verkauft man damit Zeitungen? You bet your ass, sailor, daß man damit Zeitungen verkauft! Aber warum? Wen interessiert es, mit wem ein wichtiger Politiker kuschelt? Wenn ein berühmter Künstler seinesgleichen bevorzugt, ist mir das nicht nur schnurz, sondern auch schnuppe. Wenn Michelangelo gerne mit Burschen gepoppt hat - mit der Qualität seiner Kunst hat das wirklich nichts zu tun. Ich hätte es jedenfalls lieber, wenn ein homosexueller Freimaurer (oder freiwilliger Feuerwehrmann) dieses Land aus der Jauchegrube herausholte, in die die letzten Regierungen es geschaufelt haben! Die meisten Schwulen, denen ich in meinem Leben über den Weg gelaufen bin, waren verglichen mit den Heten eher überdurchschnittlich humorbegabt und intelligent. Aufdringliche Tucken kann ich auch nicht ab, aber das liegt dann eher an meiner Abneigung gegen laute, penetrante Zeitgenossen. Die kann ich auch bei Heteros nicht ab. Die können dann auch gerne mehr Kerben auf ihrem Schaft haben als drei Kriegsherren freier Wahl zusammengenommen. Imponiert mir null. Wenn sie Dummbatzen sind, kommen die mir nicht auf die Bude. Nette Schwule mit Esprit, Benimm und gesundem Menschenverstand - jederzeit! Wieso wird der sexuellen Orientierung nur ein solches Gewicht beigemessen, daß zahlreiche wichtigere Merkmale darüber völlig ignoriert werden? I don´t get it, man. Als der gute Filmemacher, aber extreme Wichtigtuer Rosa v.P. vor Jahresfrist mehrere Zeitgenossen outete, war das "big news". Boah, Alfred Biolek, schwul? Na, da hol´ mich doch der Storch! Ist ja nicht zu glauben... Dem Kerkeling hat das zwar beruflich nicht geschadet, aber privat schon. Das war, finde ich, eine Sauerei. Das war ein unlauteres Eindringen in die Privatsphäre. Es ist wirklich wurschtegal, mit wem man gerne kuschelt - wenn man es aus Renomméegründen unterläßt, ist man ein Volltrottel, Ende, aus, Apfel. Wenn ich jemanden outen würde, dann nur solche, bei denen es sich praktisch von selbst versteht: "Hey, pst, der Zeltinger - absolutely gay!!!" Oooh... Oder: "Wally Bockmeyer, der ist übrigens... schwuuul!" Alter Schwede, da fällt mir doch der Zeisig vom Zweig! Was, wenn diese Leute NICHT schwul wären? Ja, das würde mich beunruhigen... Was mich übrigens wirklich beunruhigt, ist die Tatsache, daß ich fast noch nie nette Lesben getroffen habe. Ich finde das Worte "Lesbe" ziemlich igitt, außer bei der Goldt´schen "Lesbentaille". Ich sage für gewöhnlich "Fraufrau" oder "Frauen mit gutem Geschmack". Verdient haben es sich die gleichgeschlechtlich orientierten Damen aber eigentlich noch nicht, denn praktisch alle, die ich bisher getroffen habe, waren unsympathische und aggressive Personen, bei denen ich gerne die Straßenseite wechsele. Die wären mir auch als Heten unsympathisch - echt! Und das ist schade, denn die Komikerinnen Ellen DeGeneres, Hella von Sinnen und Maren Kroymann finde ich eigentlich sehr nett. Im wirklichen Leben wurde das bislang noch nicht eingelöst. Das letzte Mal, daß ich eine staatlich verbriefte Fraufrau getroffen habe, kam die zur Tür rein und meinte als erstes: "Alle Männer sind Schweine!" Im Raum waren nur ich und ihre Freundin - hm, grübel, soll man  sich da angegriffen fühlen? Ich denke schon! Max Goldt bezeichnete Homosexualität mal als einen "netten, unterhaltsamen Defekt", was ich als ebenso humorvoll wie dem Umstand angemessen erachte, denn mit wem man sich gerne balgt, ist wirklich völlig unerheblich. Man kommt entweder aus Nettingen oder von jenseits. Und mit Jenseitigen verkehre zumindest ich nicht gerne, weder sexuell noch gesellschaftlich. Mich verwirrt dieses ganze Getratsche. Es gibt genügend Schwule, die ich total mag, und die Homophobie-Front hat echt gehörig einen am Zeiger, und zwar an dem unten. Als Sexist habe ich mich heute im Filmforum ausgetobt, wo beim gemeinsamen Filmkucken online zwei italienische Filme das Thema waren: Antonio Margheritis ASPHALT-KANNIBALEN und Tinto Brass´ neuer SENSO ´45. Das Ergebnis kann man hier besichtigen. Computertechnisch habe ich mich gestern durch THE THING gezockt, zumindest bis dort, wo ich nicht weiterkam. Ich weiß, daß die deutsche Fassung geschnitten ist. Ob meine internetten Bemühungen die Zensierungen aufgehoben haben, woiß i net. Wenn nicht, dann möchte ich nicht wissen, wie das Spiel vorher ausgesehen hat... :) Ich bezahlte meine vorgestrigen Touren durch die norwegische Arktis-Station mit einem mittleren Nervenschock. Unter den Sprechern war auch der werte Manfred Lehmann dabei, der in Carpenters Film Kurt Russell gesprochen hat. Hier ist er sozusagen sein Rächer. Die Aliens sind richtig biestig und haben keinen Bock auf Mucken. Ich habe das Ding für schlanke 10 Euro bei Saturn rausgeholt. Hat sich gelohnt. Mit Cora habe ich gestern DIE ABENTEUER DES RITTERS BRANCALEONE gekuckt, einen tollen Prä-Monty-Python-Ritterfilm mit mildem Splatter, schönen Kulissen und einem unglaublich bizarren Sinn für Humor. Einer meiner persönlichen Lieblingsfilme. Erfreulicherweise hat auch meine Süße sehr gelacht. Brancaleone ist echt der Chef! Toller Film... Ansonsten sind wir wieder einmal über die rekultivierte Halde gelatscht, haben vom schönen Wetter und der Spazierfaulheit des bueranischen Publikums gezehrt und einige lustige Kaulquappen gekuckt, die in Pfützen schwammen. Das andauernde Hin und Her des Wetters geht mir ja mächtig an die Substanz - können die sich nicht mal entscheiden? Seit heute weiß ich immerhin offiziell, daß ich krank bin: Ich habe eine Schildbürger-, äh, Schilddrüsenunterfunktion! Wenn man das nicht behandelt, kann es zum berühmten Kropf führen, der den sprichwörtlichen dicken Hals noch um einiges überragt. Es kann zumindest teilweise für die Beschwerden verantwortlich sein, mit denen ich mich seit Jahr und Tag herumschlagen muß. Es läßt sich leicht medikamentös behandeln. Insofern ist das eher eine gute Nachricht. Zur Feier des Tages - juchhu, ich bin krank! - habe ich mir neue Schuhe und eine Armbanduhr gekauft, damit ich in Zukunft nicht nur frohgemuts, sondern auch rechtzeitig und mit gesunden Füßen am Ort des Geschehens eintrudeln kann. Auf der Sollseite des letzten Tages steht aber die Erkenntnis, daß die Mücken jetzt wahrscheinlich doch noch kommen. Bisher ja angenehmerweise Mückenflaute. Bald aber: Moskitopower! Ich hasse die kleinen Mistkerle und zerpatsche, was da meinen Weg kreuzt. Gerade eben segelte ein tödlich getroffenes Insekt auf meine Tastatur. Zwar gehöre ich zu den Glücklichen, die relativ wenig gebissen werden, aber manchmal erwischt es auch mich, und das juckt wie bescheuert. Ich werde zum Baumarkt fahren und mir ein Moskitonetz kaufen. Damit verkleide ich meine Fenster. Vielleicht bastele ich mir auch ein original Lambarene-Zelt, wie bei Dr. Schweitzer. Schließlich und endlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß Wenzel Storchs neuer Film DIE REISE INS GLÜCK derzeit in ganz Deutschland zu sehen ist. Da ich an diesem Werk ein klein wenig beteiligt bin, weise ich mit imperativem Nachdruck darauf hin, daß es im Rahmen des honorigen "Fantasy-Filmfests" zu sehen sein wird, und zwar in München, Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin. Näheres erfährt man hier (unter Filme A-Z), wenn man dieser bildgewaltigen Mischung aus Jules Verne, Petzi, Harndrang und Splatter beiwohnen will. Mit Wenzel habe ich heute telefoniert. Er kommt gerade aus Kanada zurück, wo der Film überraschenderweise richtig abgeräumt hat. So glücklich habe ich ihn lange nicht mehr gehört. Fein! So, jetzt gehe ich nach Bett!

170704

Meine Süße hat neulich die Gläser poliert bei einem Stelldichein der Rockgruppe "Rose Tattoo". Der Sänger trägt ja einen Kahlkopf. Als ehemaliger Insasse einer Herrenlachanstalt sollen ihm von den Elektroschocks die Haare ausgefallen sein, so will es die Legende. Wäre es nicht schön, wenn man von Turbonegros Hank behaupten könnte, er sei bei seinem Gastspiel in der Klapse stromgeprügelt zum Hetero geworden? Wahrscheinlich nicht. Die Turboneger machen aber nach wie vor feine Musik, was mich dazu bringt, daß ich schon seit längerem keine gute neue Platte mehr gehört habe. Anregungen erbeten. Nomeansno habe ich natürlich verpaßt, und Alice Donut sind gar nicht erst erschienen, da in Antwerpen versackt. Naja, die sind halt auch nicht mehr frisch aus Mutters Larve gepickt. Die müssen auch auf die versteckten Falten hinter den Ohren aufpassen, die eines Tages aufhören, sich zu verstecken und zu unansehnlichen Hauttaschen anwachsen. Auch der Konsum von Alkohol wird da zum Problem und schmälert nicht nur die Verläßlichkeit bei der sozialen Interaktion, sondern schwemmt auch auf bis zum Stadium der kompletten Unansehnlichkeit. Da wahren die Backfische schon mal Distanz. Da nehmen die Groupies die Pausbacken nicht mehr ganz so voll. Kein Rockstar oder Rockstarrer kann das auf sich sitzen lassen, oder würde es gerne auf sich sitzen lassen, kommt aber nicht mehr dazu. Heute war wieder Filmclub, und gemessen am knalleheißen Morgenwetter war der Besuch von insgesamt 75 zahlenden Kunden schon sehr erfreulich. Sie alle durften teilnehmen an einer Huldigung an die verstorbene Volksschauspielerin Inge Meysel, die nicht nur aus einem Trailer ihres Filmes DER ROTE STRUMPF bestand (der übrigens auf Ernst von Theumers Heimatfilm-Sleazer DER IRRE VOM ZOMBIEHOF folgte!), sondern auch aus einer Verlosung, die einen roten Strumpf voller Süßigkeiten an einen glücklichen Omega-Gast brachte... Ferner hieß es, für strikte Disziplin zu sorgen. Das geliebte Mitglied Harald Blixen verriet in einem Internet-Forum, dessen Namen nicht genannt werden darf, den Titel eines der geheimnisvollen Filme, die heute auf dem Programm standen. Als Strafe mußte er für den Rest der Veranstaltung ein Schild um den Hals tragen, das ein Lebensmotto der beliebten Volksschauspielerin verkündete. Das Motto habe ich bereits vergessen, aber es war sehr erbaulich. Harald - lieber Mensch, der er ist - trug die ihm aufgebürdete SM-Fron mit Würde und Spielmannsgeist. DIE JUNGEN TIGER VON HONGKONG demonstrierten anschaulich, daß man Jochen Busse sehr wohl blutig foltern kann - eine Abneigung gegen Kabarett ist da gar nicht vonnöten! Lustig fand ich, daß der Fabse von Wicked mir danach erzählte, daß er mal mit Jochen Busse und einigen Punker-Freunden (also, dem Fabse seine, nicht dem Jochen seine!) im Zugabteil gesessen habe. Jochen hörte Klassik per Walkman. Fabse ritt gerade der Schalk, weshalb er einen Tonerzeuger mit "Toy Dolls" etc. auf ganz laut stellte. Herr Busse beschwerte sich daraufhin beim Schaffner. In Gelsenkirchen folgte die Vergeltung für die Spießigkeit, die Jochen zu Zeiten von Hofbauers aufrüttelnder Warnung vor den Gefahren einer irregeleiteten Jugend noch abhold war. Es hagelte Schlußapplaus. Wen das noch nicht zufriedenstellte, der durfte sich mit Albert Pyuns billigem CONAN-Rip-Off TARAN IM KAMPF GEGEN DEN ZAUBERKESSEL (oder so) befassen, der archaische Männlichkeitsriten mit bunten Farben mixte. Wie dieser Film ankam, habe ich leider nicht mehr mitbekommen, denn ich war vorher geschieden, aufgrund von genereller Müdigkeit. Man wird alt im Alter. Computerspieltechnisch habe ich lediglich XIII mitbekommen, ein superlatives Action-Adventure, das im Comic-Strip-Stil gehalten ist und die Erlebnisse eines Zeitgenossen nachvollzieht, der nach der Ermordung eines kennedyesken Präsidenten um seine Rehabilitierung und sein nacktes Überleben kämpft. Ganz großes Tennis, das Spiel! Ansonsten sollte ich mich nebenbei auch mal mit einem Thema für meinen neuen SI-Artikel befassen. Wie wäre es mit Türkploitation? Leider hat mein Freund Peter B. bereits einen guten Artikel zu dem Thema abgeliefert. Hmm. Was tun? Frankreich, Italien und Deutschland habe ich jetzt eigentlich auch durch. Da bleibt eigentlich nur noch schwedischer Naturalismus à la Bergman oder Tierporno. Wohin dreht sich diese Welt? Das frage ich mich täglich, und angesichts der Ereignisse um die Flüchtlingsladung der "Cap Anamur"-Fregatte stellt sich die Frage umso doller. Haftengeblieben ist da lediglich die nicht ganz neue Erkenntnis, daß Silvio Berlusconi wohl kein ganz so netter Mensch ist, und die Hoffnung, daß doch mal jemand in diesem Humanismus-Sumpf an jene denkt, denen der Arsch veritabel auf Grundeis geht. Man weiß das ja, daß dann gerne an balkanische Hütchenspieler oder die organisierten Bettler in unseren Fußgängerzonen gedacht wird. Das ist alles abgefeimter Betrug, das sind alles ausgesuchte Schlemihls und Hallodris. Die spekulieren auf unser aller Gemeingeist. Menschenliebe? Altruismus? You´re fucking kidding, man... Das sind alles überholte Konzepte. Den Niggern auf der Flüchtlingsfregatte geht´s echt zu gut! Die feiern nur blau und lassen sich den Arsch nachtragen. Und die Anamouristen sind lediglich geltungsbedürftige Deppen, die sich prae mortem heiligsprechen lassen möchten. Ist das so? Nö - die Leute  dieser Organisation SIND Heilige, die wirklich dort Gas geben, wo Gas erforderlich. Wenn sie von unserer Regierung alleingelassen werden, dann liegt das an den Verhältnissen, nicht an jener Engagement. Ich bewundere diese Lebensschützer, denn sie tun ihr Bestes im Angesicht drohender Repressalien. Unmenschen wie Berlusconi und ihre unsichtbaren Stiefelputzer adeln diese Menschen. Ich finde es schade, daß die Grünen, denen ich in ihrer Oppositionszeit gerne meine Stimme geliehen habe, sich so wenig für sie stark machen. Mein Nachbar Robert hat gerade heute Flugblätter verteilt gegen eine steuerflüchtende Telefongesellschaft, die uns allen schadet, aber heftig frequentiert wird. Da wurden flugs die Polizanten gerufen. Solches Engagement wünsche ich mir nicht nur auf Regionalbasis. Menschenrechte - und in unserem Land: Bürgerrechte! - sollten fettgedruckt werden. Wenn man sich nicht dafür interessiert, sollte man sich nicht beklagen, wenn einem demnächst im Namen der Demokratie der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Der einzige gangbare Weg bleibt der Widerstand, denn die Dummheit obsiegt immer, wenn der einfachste gemeinsame Nenner angesprochen wird. Wirklich wegweisende Entscheidungen wurden in der Menschheitsgeschichte nur dann getroffen, wenn der Schmerzdruck zu gewaltig war. Das hat sich negativ ausgewirkt, wie im Falle von Adolf und seinen Hanswursten. Das hat sich aber auch schon positiv ausgewirkt, wie im Falle der Beseitigung des Drecksregimes im Osten. Wie sehr ich Leute wie Borbel Bähley (Droste) und Konsorten auch mißschätze, aber die DDR war nicht einmal durch die Nazis zu rechtfertigen. Diese Leute haben sich dafür eingesetzt, daß sie verschwand. Das stärkt meinen Glauben in die Möglichkeit der Besserung im Menschengeflecht. Nächster Tage: Neues über die Paarungsmöglichkeiten von Paris Hilton nach ihrem extrem ungeilen Sexvideo und Chancen, solche peinlichen Zurschaustellungen zu umschiffen. (Nie mehr ficken?) Außerdem: Das Nonplusultra an deutschsprachiger Rapmusik. Nicht zu übertreffen. Geriatrische Nacktfotos beliebter deutscher Volksschauspielerinnen, so ich sie finde. Dicke Eier jenseits des Osterhasen. Treueschwüre unter dem Pappelwipfel. Veitstanztaumel im dichten Tann. Begattungsrituale bei Schloß Berge, wenn meine Süße einwilligt. Enthüllende Fotos von Balzritualen im Nuttental nahe Bochum, wenn die entsprechenden Debütantinnen konvenieren. Deflorationen im Herrenklo von Bremen-Hbf, wenn der Schaffner sein Okay gibt. Demnächst in diesem Theater!

140704

Von meiner Schlafzimmerwand:

Der Kasper kommt

130704

Zoophilie extrem

Hier seht Ihr Generalmajor a.D. Thomforde, der nach seiner unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst sein kärglich Einkommen mit der Zucht welscher Welpen verdiente. Thomforde war einst ein richtiger Haudegen von altem Schrot & Korn gewesen, der u.a. unter Feldmarschall Rommel diente. Bereits im Afrikakorps verspürte er aber eine Hinwendung zur kaninen Spezies. Als er etwa 1941 in einem genialen Handstreich zwölf reinrassige Schäferhundrüden aus den Händen von Tuaregs befreite, brachte ihm dies die deutsche Nahkampfspange ein. Außerdem verlieh ihm der Tierschutzverein Sindelfingen die goldene Rute am Bande. Zu seinen Auszeichnungen gehören ferner das silberne Flohhalsband der Hundezüchtergewerkschaft und der bronzene Maulkorb des Deutschen Reiches. Nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn wurde es dann ruhig um den Generalmajor. Erst 1965 machte er wieder von sich reden, als er sein Buch über die artgerechte Haltung von Dobermannpinschern ("Mit ruhigem festem Tritt") veröffentlichte. Dabei kam es zu einem handfesten Skandal, da er den Einsatz der Knute ausdrücklich billigte, und auch die Standard-Diät, die er seinen Pinschern angedeihen ließ (in Quark eingerührte Dackelbröckchen), stieß einigen Hundeliebhabern übel auf. Als im Gefolge der 68er-Bewegung auch seine militärische Vergangenheit wieder hervorgekramt wurde, war er alsbald in aller Munde. Seine neu aufgeflammte Popularität nutzte er zu einer Vortragsreise, in der er von seinen Versuchen berichtete, Rottweiler zu klonen. Dabei wurde auch ruchbar, daß er mit seinen Experimenten die Bahnen des ethisch Verantwortbaren verließ. So soll er etwa versucht haben, seine eigenen Erbanlagen mit denen eines Rottweilerweibchens zu kombinieren. Obwohl sich seine Versuche als wegweisend  für die moderne Klonforschung erweisen sollten, brachten ihn die Skandale ins gesellschaftliche Abseits. Auch seine langjährige Lebensgefährtin Liesel reichte die Scheidung ein. Die späten Jahre des rüstigen Rentners waren von Einsamkeit geprägt, die nur von seinen 129 Hunden aufgelockert wurde. 1982 starb seine Lieblingshündin Eva, was dem Generalmajor das Herz brach. Man fand ihn nur wenige Monate später in seinem Bett, wo ihn eine schwere Darmkolik dahingerafft hatte. Die Hunde überlebten ihn fast vollzählig, auch weil sie sich tagelang von seinen Überresten ernährt hatten. Ein trauriges Ende für ein trauriges Leben. Wer sich für seine Erlebnisse mit den drolligen Vierbeinern interessiert, sollte auf seine Biographie "Oh du schöner Westerwaldi" zurückgreifen, die im Frolic-Verlag zu Bellheim erschienen ist. Das obige Foto zeigt den Generalmajor bei einem gemütlichen Beisammensein mit seiner Eva. Tja, was ist in den letzten Wochen passiert? Kaum etwas Berichtenswertes. Mein Leben stagniert, man kann es nicht verhehlen. Ich lese sehr viel in letzter Zeit. Auf meinem Schlafzimmertisch liegen Werke von Dan Shocker ("Im Würgegriff des Nachtmahrs"), Friedrich Nietzsche ("Die Musik der Tragödie aus dem Geist der Geburt" oder so) und Clever & Smart. Meine Armwunde ist zum Glück verheilt, und auch die Erkältung hat das Sommerwetter davongeregnet. Überhaupt, was ist eigentlich mit dem versprochenen Jahrhundertsommer? Ticken die Metoroleogen noch sauber? Was machen die eigentlich in ihrer Freizeit? Ich will endlich wieder Sonne, damit ich mit meinem Schatzerl gen Teufelsmoor fahren kann. Ich bastele nämlich parallel zum Kommissär an einem Horrorroman, der dort spielt und sich an authentischen Erlebnissen aus meiner Kindheit orientiert. Wenn mich die Prosa zwackt, gibt´s die Knute, und ich forme das völlig schmerzfrei zu einem Drehbuch um... Daß die Griechen Europameister geworden sind, finde ich in Ordnung, aber leider konnte ich danach nicht von Gratis-Ouzi und anderen kostenfreien Leckereien profitieren, denn der einzige Freßgrieche in meiner näheren Umgebung serviert das fettigste Gyros und die schlabbrigsten Salate, die die Welt je gesehen hat! Am Wochenende war ich oben bei Bettina, da ihr Robert mit seinen Grünen in Hagen war - ja-ha-ha, wie das Verbrechen, so die Strafe! Wenn man sich schon in die aktive Politik stürzt, hat man auch mit den Folgen zu leben... Während Herr Z. in Hagau-City weilte, kuckten seine Betty und ich jedenfalls UND EWIG GRÜSST DAS MURMELTIER, fanden Bill Murray sehr dufte und Andie MacDowell extrem fad und unsexy. Dieses gutmütige Dauergrinsen fordert einen ja geradewegs zum Blutrausch auf. Danach gab´s NUR ÜBER MEINE LEICHE, den ich gar nicht so schlecht fand. Im Moment bilde ich mich ja weiter im Hinblick auf das junge deutsche Kino. (Mit ausdrücklicher Ausnahme von Doris Dörrie - aaargh!) Den Christoph Orth fand ich auf jeden Fall schön schleimig. Kein Vergleich natürlich mit WIR KÖNNEN AUCH ANDERS, der von allen deutschen Komödien jüngeren Datums mit Leichtigkeit Platz 1 belegt. Der ist richtig lustig. Danach gab es noch diverse Loriot-Sketche zum Abbleiern, etwa den Klassiker mit der Weinprobe ("Dieser Wein hat die Sonne eingefangen!"), das Kleinod mit der Hosenprobe ("Mein Mann ist etwas voll in den Hüften, mit ziemlich kurzen Armen!") und der Geniestreich mit der Benimmschule ("Wenn meine Frau Klöße macht, sind sie leicht und bekömmlich!") Wir diskutierten auch das Hinscheiden von Marlon Brando und von Inge Meysel. Was wäre wohl gewesen, wenn statt Marlon Brando Inge Meysel in DER LETZTE TANGO VON PARIS mitgespielt hätte? Das wäre dann vielleicht sogar ein richtig guter Film geworden! Aber nichts war´s, und Bertolucci schloß mit seinen richtig guten Filmen ab... Gedankensprung von Inge Meysel über Lotti Huber zu Rosa von Praunheim: Der will jetzt einen Film über den Kannibalen von Rothenburg drehen. Obwohl der avisierte Titel - "Dein Herz in meinem Hirn" - wirklich schauderhaft ist, läßt sich das davon losgetretene Partei-Bruhaha von Roland Koch & Konsorten kaum nachvollziehen. Genaugenommen kann ich nur wenig von dem nachvollziehen, was Koch sonst so auf die Menschheit losläßt, aber hier hätte das Hirn in seinem Herzen ihm wirklich sagen sollen, daß die Grenze zwischen Populismus und Peinlichkeit eine ausgesprochen dünne ist. Mal schauen, was der Praunheim da so produziert. Peinlicher als das Mediengeröchel zum Thema kann es wohl kaum sein. Da mir die anschlagrelevanten Themen ausgehen, greife ich auf DVD-Inside zurück, die im Fun Forum wieder einige schöne Sachen zugetragen bekommen haben. Auf der Website eines gewissen DJ Fryky gibt es eine kleine audiophone Kostbarkeit, in der sich ein mir nicht näher bekannter Künstler vor einer Webcam produziert zu den Klängen eines Sommerhits, dessen Refrain etwa "Meyer-hi, Meyer-ho" lautet. Bei "Wetten, daß" habe ich das Lied neulich auch gehört. Die Web-Interpretation gefällt mir wesentlich besser, da ihr doch eine gewisse Unbedingtheit anhaftet - Frohsinn bis zum Exzeß! Die Hasen haben wieder zugeschlagen: Weiß nicht, ob ich die TITANIC-Interpretation der Bunnies (in 30 Sekunden) schon verlinkt habe, aber ganz neu ist auf jeden Fall die ALIEN-Episode - toll, gigantisch! Auch sehr nett finde ich die Klinik für mißhandelte Kuscheltiere, bei der ein Mensch mit gutem Humor gewaltet hat... Wer einfach nur netten Klängen lauschen möchte, dem empfehle ich "Schnappi, das kleine Krokodil". P.S.: Hingewiesen sei einmal mehr auf die nächste Sitzung des "Geheimnisvollen Filmclubs Buio Omega", welche am Samstag erfolgt und unter dem Motto "Barbarpapa" Keile treibt in die Kluft zwischen den Generationen. Da wird es einige junge Menschen zu sehen geben, die trotz ihrer wohlhabenden Abkunft nichts anderes mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als Sex & Gewalt zu säen. Zu den Zaungästen gehören Werner Pochath, Jochen Busse und der aus Italowestern bekannte Amerikaner Robert Woods. Schulmädchenfreund Ernst Hofbauer führte Regie bei diesem aufrüttelnden Einblick in die Umtriebe einer irregleiteten Jugend. Außerdem gibt es einen der unterhaltsamsten Barbarenfilme im Gefolge von CONAN zu bestaunen, der beträchtlich weniger Geld gekostet hat als sein berühmtes Vorbild, aber umso mehr ranklotzt in punkto Unterhaltsamkeit und Kölle Alaaf. Richard Lynch spielt den Bösewicht. Verpassen darf man das - wie stets - um gar keinen Preis!

040704

Hellas

290604


Da auf Wicked derzeit der Waschbär tobt, habe ich dieses rundum sympathische Tier zum Monatsbild erkoren. Für gewöhnlich hat es eine ausgeglichene und gemütsruhige Ausstrahlung, und die kann ich im Moment gut gebrauchen, denn derzeit haben sie mal wieder einen Spezialkobold auf mich angesetzt! Es begann damit, daß ich mich letzte Woche so richtig satt auf die Fresse legte. Die Direktive war ganz einfach: Bringe den Müll raus und lasse ihn verschwinden. Ganz simpel, schnörkellos. Doch der Untergrund war glitschig, und so vollführte ich in der Kurve, die die Steine unseres Hinterhofes beschreiben, eine sehr demütigende Bruchlandung. Daß es nicht zu einer Bruchlandung auch im doppelten Sinne kam, ist wohl reiner Zufall. Immerhin habe ich jetzt ein schönes Loch im linken Arm. Das Blut floß in Strömen. Man kann von Fontänen sprechen. Meinen Schrei, als ich Desinfektionsmittel darauf sprühte, hörte man wohl noch bis nach Darmstadt-Wixhausen. (Auch ein toller Stadtteilname: Bottrop-Boy! Wer kennt ihn nicht, den schönen Song "The Bottrop Boys Are Back In Town"? Wäre auch ein lustiger Schwulenpornotitel...) Mit meiner klaffenden Wunde lief ich natürlich sofort in meinen Rekreationsraum und lauschte den majestätischen Klängen von Sibelius´ "Finlandia". Oder auch nicht. Na ja, die Wunde ist mittlerweile fast verheilt, und auch der befürchtete Wundbrand (feat. Gliedabnahme) blieb aus. Damit ich nicht aus der Übung komme, schickte mir der Allverwalter aber eine Erkältung, und so sitze ich, da ich dies schreibe, in einer Lache aus Schnodder und Unwohlsein. Wie sagte schon Rainer Brandt? "Hauptsache, die Vorderzähne halten´s aus!" Im Moment ficht mich das eh nicht an, da ich ja wie ein Blöder am Computerspielen bin. Dabei ist mir aufgefallen, daß es eine bemerkenswerte Zahl von Spielen gibt, die ich entweder auf meinem Rechner gar nicht spielen kann oder die mir einfach nicht viel geben. Am längsten hat mich jetzt das tolle Spiel MAX PAYNE 2 beschäftigt, das ich wirklich uneingeschränkt empfehlen kann! Max ist ein harter Großstadtbulle mit üblem Ruf und vielen Feinden, auch in der eigenen Belegschaft. Eines Tages wacht er in einem Krankenhaus auf und weiß nichts mehr von dem, was sich vorher zugetragen hat. Im weiteren Verlauf des Spieles kommen  in Gestalt von glänzend integrierten Animationssequenzen immer wieder Erinnerungsfetzen durch. Überhaupt ist die Narrative dieses Spiels ganz ausgezeichnet und wirklich sehr spannend, und da ich für Neo-Noir-Krimis eh eine schwache Seite habe, kommt das meinem Naturell auch sehr entgegen. Die diversen Comic-Bildpanels, die die Rahmenhandlung erzählen, kann man auf Wunsch wegklicken und sich der reinen Ballerhandlung widmen. Die visuelle (und akustische) Gestaltung des Rahmens ist aber so stimmungsvoll, daß man auch ruhig zuschauen kann. Die Ego-Shooter-Anteile sind teilweise sehr ruhig und teilweise von berstender Hektik. Zu Anfang habe ich Stunden damit verbracht, Spiegel kaputtzukicken, auf Toiletten zu steigen, Saltos vor ergriffen staunendenen Polizisten zu schlagen und sonstigen Kokolores... Ich gebe zu, daß ich bei der Bewältigung des immens umfangreichen Spieles drei- oder viermal gemogelt und im Internet abgedruckte "Cheats" bemüht habe, aber sonst hätte ich wirklich geballte Probleme bekommen. Auch so ist es ohne die praktische "Quicksave"-Einrichtung fast unmöglich, durch die Handlung zu kommen: Am Schluß, wenn man einen russischen "Master Criminal" von einem Gerüst herunterholen muß, während um einen herum die Granaten niedergehen, die so nebenbei auch den Boden zersetzen, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Ich habe ungefähr einhundert Anläufe gebraucht, mußte immer wieder meine Taktik umstellen und rief immer wieder: "So ein Dreck, das geht doch gar nicht!" Doch, doch, es geht, man braucht nur Geduld... Auch nach Vollendung des ersten Schwierigskeitsgrades werde ich das Spiel noch viele Male spielen können, denn die Aktionsmöglichkeiten sind so mannigfaltig und realistisch, daß es nicht langweilig werden kann. Von den 20 Öcken, die ich für den Spaß ausgegeben habe, reut mich auf jeden Fall kein Cent! Ein anderer Favorit, an dem ich derzeit arg am Knacken bin, ist das gerade erschienene Slasher-Game OBSCURE: In einer amerikanischen Highschool geht das Grauen um. Immer mehr Jugendliche verschwinden auf geheimnisvolle Weise. Nach einem Prolog, den man (glaube ich) nicht gewinnen kann, ist man einer von vier Teenies, die in der ansonsten verlassenen Schule kauern, eingesperrt und höllischen Mächten schutzlos ausgeliefert... Als ich das Spiel begann, habe ich es gleich wieder weggelegt, denn die Steuerung behagte mir nicht: Statt wie in MAX PAYNE, wo man aufgrund der subjektiven Sicht wirklich mitten im Geschehen drinsteckt, kann man die handelnden Figuren in OBSCURE nur per Tastatur in verschiedene Richtungen steuern, was manchmal nervt. Ich habe das Spiel dann aber noch einmal angefangen und bin gnadenlos darin versackt. Man durchstreift die ganze Schule, bekommt mehr und mehr von den merkwürdigen Ereignissen spitz, erfährt anhand raffiniert ausgestreuter Randdetails (Zeitungen, Karten an den Wänden) von der Rolle, die die Vergangenheit spielt - es ist ziemlich schweinespannend! Auch nett die sehr neoslashereske Musik, die im Hintergrund mitdudelt. Im wesentlichen ist das ein Action-Adventure, in dem es darum geht, Fundstücke ihren korrekten Funktionen zuzuführen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Wenn die Monster angreifen, hilft manchmal beherztes Zupacken, manchmal aber auch nur die eilige Flucht. Die Grafik ist verblüffend gut. Man kann zwischen den Hauptfiguren hin und her wechseln, worum man nicht herumkommt, denn später geht es den Leuten fast unweigerlich an den Kragen. Da gibt es zwei Männer, einer davon ein angegrungter Schluffi, der andere ein Footballtyp. Die Frauen sind eine burschikose Brünette mit Mumm und ein blondierter Bimbo. (Anmerkung: Wenn ich in meinen Texten das Wort "Bimbo" verwende, meine ich das nicht in seiner rassistischen deutschen Bedeutung, sondern in der amerikanischen, die natürlich kellybundyeske Dumpfbacken zärtlich umfaßt.) Anders als der streckenweise sehr blutige MAX PAYNE geht es in OBSCURE eher suspenselastig zu, wenn auch manche Vorfälle dem Spiel ein "Ab 18" beschert haben, aber von Gewaltverherrlichung kann man da nicht sprechen. Beeindruckt bin ich aber von der hervorragenden Narrative der gegenwärtigen Spiele. Bei MAX PAYNE ist das gutgetexteter Noir in passender Fragmentform, während sich OBSCURE an der dullen Linearität entsprechender Filmware orientiert - das aber auf sehr spaßige Weise. Das erste Spiel wendet sich an jene, die schon einmal an den Ballermomenten einer Ellroy-Novelle mitwirken wollten; das zweite an jene, die SCREAM gesehen haben und sich gewiß waren, es besser machen zu können... Ansonsten habe ich noch einige Adventures ausprobiert, darunter den Noir POST MORTEM und das gotische Mystery BLACK MIRROR, die beide auf ihre Weise klasse sind, in ihrer rein adventuresken Gewandung aber mehr Muße verlangten, als mir im Moment zur Verfügung steht. FAR CRY soll noch ein sehr superlativer Action-Shooter sein, lief bei mir aber leider nicht - schnief. Genug von Videospielen, kommen wir zum zweituninteressantesten Thema: Fußball! Die Deutschen sind ausgeschieden, und kaum jemand wird bestreiten, daß sie das zu Recht getan haben. Mann, was für ein lusches Gekicke! Der Standardbegriff dafür lautet wohl "Standfußball". Ich war entsetzt, wie wenig die Jungs auf dem Rasen zustande gebracht haben. Das war jar nüscht. Daß der nette Rudi Völler am nächsten Morgen zurückgetreten ist, war schade, aber irgendwie die logische Konsequenz. Trotzdem, das Geschrei der Millionen von Fußball-Lehrern am nächsten Tag war nichts, wo ich einstimmen mochte. Mir tut er leid. Unsympathisch geworden sind mir hingegen einige der Kicker. Die ersten beiden Viertelfinalspiele zeigten dann, wie es richtig geht: Portugal besiegte England in einem der spannendsten Spiele, das ich seit langem gesehen habe - das war leckmichamarsch großartig! Beide Teams waren wirklich klasse. Nach einem 2:0 der Engländer glichen die Giesen in der 85. Minute aus und gewannen dann das Elfmeterscheißen. Am nächsten Tag bügelten stark defensiv orientierte Griechen (!) den Europameister Frankreich weg, und was jener da hinlegte, war meines Erachtens deutlich peinlicher als das deutsche Gebolze, zumal die gallischen Kicker eigentlich zur Elite gehören - ganz lausig. Glückwunsch an Otto! Die von mir eigentlich favorisierten Skandinavier fielen dann in den darauffolgenden Spielen, die ich beide nicht so dolle fand. Tschechien und die Niederlande dürfen sich jetzt mit den Übriggebliebenen messen, und ich bin da voll auf der Seite der Giesen und vor allem der Griechen... Bevor mich meine Erkältungsfron heimsuchte, konnte ich noch am "Besonders wertlos"-Festival teilnehmen, das erwartungsgemäß erfreulich ausfiel. Die Zuschauerzahlen waren trotz der EM (Super-Timing, Freunde!) die besten ever. Roland Klick erwies sich als ein freundlicher Intellektueller mit sehr idiosynkratischer Lache, dessen Abendmahlzeit ich zur Hälfte verzehren durfte. DEADLOCK kam beim Publikum riesig an. Zu Anfang hatte ich noch meine Bedenken, ob Klick der Kick gefallen würde, da wir ja eher ein Provinz-Festival sind, aber er unterhielt sich nonstop mit Gästen, und als ich ihn am Schluß fragte, meinte er, er habe sich sehr amüsiert. Ein weiterer Held meinerseits, der sich als angenehmer Mensch erwies. Jörg Buttgereit kannte ich ja noch nicht persönlich, und die Umstände wollten es, daß wir nicht wirklich ins Gespräch kamen, aber er wurde natürlich auch sehr umschwärmt von seinen Bewunderern. Am meisten berührt war ich von seinem Kurzfilm "Mein Vati". Den hatte ich zuvor nur auf der Kollektion "Hot Love" gesehen, in der alten Fassung, wo er wirkte wie einer jener sanft spöttischen Filme, die viele angehenden Filmemacher von ihren Eltern machen.  Ich dachte schon beim ersten Ankucken, daß der Vati mittlerweile wohl tot sein wird. Als Abschluß lief auf dem Festival die neue Fassung, die dem Andenken seines verstorbenen Vaters gewidmet ist und die Filmschnipsel in einen neuen Zusammenhang stellt. Jörg saß auf der anderen Seite der Bühne und taxierte die Leinwand sehr ernst, und was vorher jugendlich-spöttisch erschien, war nun auf einmal anrührend und liebevoll. Ich empfand das als einen weiteren Beleg dafür, daß Jörg alles andere als ein Trash-Filmemacher ist, sondern in erster Linie ein netter Mensch. EXZESSE IM FÜHRERBUNKER finde ich auch sehr lustig und treffend, aber das, was den Menschen preisgibt, ist mir da doch wichtiger. Danach kam Wenzel Storch hinzu und präsentierte seinen neuesten Film. Mit Wenzel konnte ich - erneut umständehalber - kaum sprechen, was sehr schade war, aber ein andermal bestimmt nachgeholt werden wird. Der Mann ist mir sehr ans Herz gewachsen, und das nicht nur durch den Umstand, daß er mir allen Ernstes einen Drehbuchcredit gegeben hat, was mich ziemlich umgehauen hat. Äh - dankeschön von hier aus! Das Publikum stöhnte etwas in der Szene, in der die Kapitänskinder angepißt werden, aber so wird man eben mit allen Wassern gewaschen. (Der Satz dazu im Film stammt von mir...) In  der strahlenden 35mm-Kopie sah man natürlich wesentlich mehr vom Film, als mir das bisher zuteil geworden war, und daß Friedrich Schoenfelder den Erzählertext gesprochen hat, erfüllte mein Herz mit Wonne. Im nachfolgenden Interview erörterten Wenzel, Ralf und meinereiner noch etwas die Umstände, unter denen der Film entstand. Ich war zu jenem Zeitpunkt bereits bräsig in der Birne, habe aber hoffentlich noch ein paar nette Schleimereien vom Stapel gelassen. Wenzel ist an sich eher maulfaul, weiß aber mehr großartige Geschichten über den Dreh, als das dem Baron Münchhausen anstehen würde, und diese hier sind alle wahr! Immerhin hat er die Schoenfelder-Anekdote erzählt, und die anderen muß er dann auf den anstehenden DVD-Veröffentlichungen seiner Filme zum Besten geben... So, ich mache jetzt allmählich schlapp. Ich fresse noch ein paar Salzstangen und rieche dann an der Koje - ahoi, Seemänner und Seefrauen, und Klüwerbaum hart backbord!              
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