IM JULI TOBT DER BÄR!
NEWSTICKERARCHIV
270704
Heute habe ich erfahren, daß ich Haare im Ohr habe. Für
gewöhnlich ist das ja keine Information, die einem frank &
frei auf´s Butterbrot geschmiert wird. Als der türkische
Friseur in meiner Nachbarschaft, bei dem ich mir immer die Frisur
schnitzen lasse, eine Art überdimensionalen Q-Tip anzündete,
dachte ich mir noch nichts Böses und machte nur milde "Huch". Dann
hielt er den lodernden Wattestab an mein Ohr und patschte ihn sachte
dagegen. Es zwiebelte etwas. "Huch" erneut. Was wird das jetzt? Als
dann der Geruch von Gesengtem den Raum erfüllte, wußte ich,
daß gerade auf ungewöhnliche Weise für meine
äußere Apartheit gesorgt worden war. Was es nicht alles
gibt. Mit meiner neuen Identität als Schilddrüsenbürger
habe ich mich bereits abgefunden. In Niederbayern gibt es ja noch
einige Traditionsbauern, die sich einen Originalkropf leisten. Ebenso,
wie auf gewissen Südseeinseln Dickleibigkeit als Zeichen des
persönlichen Wohlstands betrachtet wird, mag auch ein Kropf das
Ansehen seines Trägers in ruralen Regionen heben. In meiner zwar
provinziellen, aber nichtsdestotrotz städtischen Umgebung hingegen
hätte man da mit sozialer Ausgrenzung und anderen furchterregenden
Repressalien zu rechnen. Obwohl - ist die soziale Ausgrenzung wirklich
so furchterregend? Wilhelm Busch formulierte ja mal: "Ist der Ruf erst
ruiniert, lebt sich´s gänzlich ungeniert." (Oder war das
Oscar Wilde?) Mit so einem dicken Oschi auf der Brust läßt
sich aber schwerlich prahlen, und hat man sein Kämmerlein
hermetisch abgeriegelt und wie dereinst Marcel Prust mit Kork
ausgeschlagen, um den Krawall der rohen Masse auszusperren, dann
stört so ein Teil doch bei den wichtigsten Verrichtungen des
Alltages. Beim Pinkeln findet man den Dödel nicht mehr, da ihn
beim Herabschauen nicht einmal John Holmes erspähen würde.
(Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Stünde
John Holmes neben mir,
würde er meinen Dödel trotz meines Kropfes selbstredend noch
sehen. Hätte er
hingegen den Kropf, könnte er meinen Dödel natürlich
ebenfalls sehen. Das ist alles bezaubernd sinnlos.) Beim Milchen des
Morgenkaffees gießt man ständig vorbei, da man die Tasse
nicht sehen kann. (Erneut zur Verdeutlichung: John Holmes könnte
die Tasse schon sehen, nur nicht meinen Dödel, da ich niemals
nackt frühstücke.) Auf dem Bürgersteig tritt man
ständig in Hundeköttel. Man sieht schon, das Leben mit Kropf
ist ein beschwerliches. Jodzufuhr schafft dem Abhilfe. Das bringt mich
auf einen ganz
ungewöhnlichen Mann, der mal bei Bekannten ein Video hat
erstellen lassen. Dieses Video wollte er dann an das Nobelpreiskomitee
schicken, da er eine revolutionäre Evolutionstheorie entworfen
hatte. Mit weit ausholenden Gebärden schilderte dieser
Privatwissenschaftler die Entstehung der Arten, wobei er eigenwillige
Schwerpunkte setzte. So biß er sich fest am Affen mit Schwanz,
welcher nach der Überflutung der Welt geringere
Überlebenschancen besaß als der Affe ohne Schwanz. Denn:
"Wer lauert im Wasser? Wer schwimmt dort unten? Der Hai!" So kam es,
daß der heutige Mensch keinen Schwanz mehr besitzt. Daß die
Dinosaurier ausgestorben sind, lag im wesentlichen daran, daß
ihnen von den Haien die Beine abgeknabbert wurden. Die Entstehung der
Erde an sich quoll über vor bizarrer Sexualmetaphorik, an die ich
mich aber en detail nicht mehr erinnere. Immerhin soll es so gewesen
sein, daß die Erde sich nicht um die eigene Achse drehte, so
daß auf der einen Seite ein gigantischer Eiszylinder entstand -
"Ich nenne ihn Eispenis!" -, der dann in die glühende Lava von
irgendwas drang. Das war wirklich ganz wild. Wir Menschen seien, so der
Nobelpreisanwärter, "Jodmist aus Atlantis"! Das war ein tolles
Video. Irgendwann hat der Kameramann dann auf die Schuhe des
Vortragenden geschwenkt, auf seine Coladose, und so fort... Auch bin
ich mal eines tollen Briefes ansichtig geworden, der einem ehemaligen
Journalisten einer Bremer Programmzeitung geschickt wurde. Der
betreffende Reporter war schon seit etwa drei Jahren nicht mehr
für die Zeitschrift tätig, aber er hatte wohl einmal ein
Interview mit einer Hellseherin gemacht. Diese Hellseherin schrieb ihm
nun auf insgesamt 8 Seiten ein ungeheuerliches Update ihrer
Lebensgeschichte. Sie verriet ihm u.a., sie sei für Königin
Elizabeth "Agent 007 im Geheimdienst Ihrer Majestät" gewesen.
Jimmy Carter sei in sie verliebt gewesen. Dabei vermischten sich
offensichtlich reale Fakten mit Einsprengseln, die sie aus Magazinen
oder Filmen aufgeschnappt zu haben schien. Mit ihrem Sohn schien sie
nicht gut zurechtzukommen, da er als einer ihrer Erzfeinde beschrieben
wurde und sie in ein geheimes Krankenhaus einweisen ließ. Im
Keller besagter Klinik habe Helmut Schmidt einen
"Menschenverbrennungstrakt" für sie eingerichtet, und die
Wärter hätten versucht, sie via Voodoo mit Zauberbohnen ins
Jenseits zu befördern, die nachts unter ihr Kopfkissen geschwebt
seien... Ich will mich hier gar nicht darüber lustig machen, aber
ich fand das sehr faszinierend, da die Vermischung von Realität
mit Traumwelt absolut stimmig war und für sie komplett Sinn zu
machen schien. Bei einem Bekannten, der für eine namhafte
Filmzeitschrift arbeitet, erfuhr ich mal von einem Manuskript, das
besagter Zeitschrift zugesendet wurde und ein Musical mit Sylvester
Stallone in der Hauptrolle anpries, das (glaube ich) "Rambo im
Wüstensturm" heißen sollte! Es waren bereits Musiknummern
ausgearbeitet, komplett mit Partitur, u.a. ein Duett mit Rambo und
Major Trautman - alter Schwede! Erneut will ich mich nicht darüber
lustig machen. Ich liebe solche Bizarrerien, und hätte ich richtig
viel Kohle, wäre ich der erste, der das verfilmen lassen
würde. So, sehr nett finde ich folgende Website, die sich mit komplett
unnützem Wissen befaßt, das aber teilweise zum Kringeln
ist, etwa der Tatsache, daß ein Neffe des Azteken-Herrschers
Montezuma einen Namen hatte, der übersetzt etwa "Ein großer
Haufen Scheiße" bedeutet... Toll! Hier eine
Yahoo-Meldung, derzufolge auch die Neandertaler bereits gefetet haben
wie die Hunde. Einen sehr bizarren Fall von Mäusesterben seht Ihr
in diesem
Forenbeitrag bildlich dokumentiert. (Vorsicht: Nicht hübsch!)
Des weiteren gibt es für die Einsamen unter uns einige Titten zu sehen,
die man sogar hübsch drücken kann. (Wie kommt man auf so was?) Und
schließlich weise ich noch auf die "Artfuck Files" der sehr netten
Ellen hin, von denen ich besonders die Videocaps unter "Herrn KK"
wärmstens empfehle - für Kinski-Fans ein Genuß! So,
jetzt gehe ich schlafen und träume vermutlich davon, daß mir
auch noch die Haare in der Nase ausgekokelt werden...
240704
Heute gibt es ein kleines Hilfegesuch
von mir: Seit einiger Zeit bin ich ja großer Fan von
Piratenfilmen. Mein Herzblatt befaßt sich derzeit auch mit einem
Buchprojekt in dieser Richtung. Heute morgen ist es uns gelungen, den
Film DER SCHARLACHROTE PIRAT zu verpassen, der auf Kabel 1 lief und der
nicht ganz unwichtig ist. Gibt es jemanden unter den Lesern, der besser
aufgepaßt hat und uns aushelfen könnte? Mary Read, Captain
Kidd und die gesamte Besatzung der "Bounty" würden es Euch
danken... :)
220704
"Wer ist der Mann, den Guido Westerwelle liebt?" überschriftet
eine große deutsche Tageszeitung in der ihr üblichen
sensiblen Art. Statt (viel naheliegender) zu fragen, wer der Mann ist,
der Guido Westerwelle liebt, heuchelt das Blatt Interesse an der Person
des politisch wie sexuell mißliebigen Prominenten. Viel besser da
die Titel-Schlagzeile: "Wie schwul ist Deutschland?" Ja,
leckmichamarsch, das habe ich mich doch schon lange gefragt! Wo lauern
die Perversen? Wieviel von Deutschland ist bereits unterwandert von den
Hinterladern? Verkauft man damit Zeitungen? You bet your ass, sailor,
daß man damit Zeitungen verkauft! Aber warum? Wen interessiert
es, mit wem ein wichtiger Politiker kuschelt? Wenn ein berühmter
Künstler seinesgleichen bevorzugt, ist mir das nicht nur schnurz,
sondern auch schnuppe. Wenn Michelangelo gerne mit Burschen gepoppt hat
- mit der Qualität seiner Kunst hat das wirklich nichts zu tun.
Ich hätte es jedenfalls lieber, wenn ein homosexueller Freimaurer
(oder freiwilliger Feuerwehrmann) dieses Land aus der Jauchegrube
herausholte, in die die letzten Regierungen es geschaufelt haben! Die
meisten Schwulen, denen ich in meinem Leben über den Weg gelaufen
bin, waren verglichen mit den Heten eher überdurchschnittlich
humorbegabt und intelligent. Aufdringliche Tucken kann ich auch nicht
ab, aber das liegt dann eher an meiner Abneigung gegen laute,
penetrante Zeitgenossen. Die kann ich auch bei Heteros nicht ab. Die
können dann auch gerne mehr Kerben auf ihrem Schaft haben als drei
Kriegsherren freier Wahl zusammengenommen. Imponiert mir null. Wenn sie
Dummbatzen sind, kommen die mir nicht auf die Bude. Nette Schwule mit
Esprit, Benimm und gesundem Menschenverstand - jederzeit! Wieso wird
der sexuellen Orientierung nur ein solches Gewicht beigemessen,
daß zahlreiche wichtigere Merkmale darüber völlig
ignoriert werden? I don´t get it, man. Als der gute Filmemacher,
aber extreme Wichtigtuer Rosa v.P. vor Jahresfrist mehrere Zeitgenossen
outete, war das "big news". Boah, Alfred Biolek, schwul? Na, da
hol´ mich doch der Storch! Ist ja nicht zu glauben... Dem
Kerkeling hat das zwar beruflich nicht geschadet, aber privat schon.
Das war, finde ich, eine Sauerei. Das war ein unlauteres Eindringen in
die Privatsphäre. Es ist wirklich wurschtegal, mit wem man gerne
kuschelt - wenn man es aus Renomméegründen
unterläßt, ist man ein Volltrottel, Ende, aus, Apfel. Wenn
ich jemanden outen würde, dann nur solche, bei denen es sich
praktisch von selbst versteht: "Hey, pst, der Zeltinger - absolutely
gay!!!" Oooh... Oder: "Wally Bockmeyer, der ist übrigens...
schwuuul!" Alter Schwede, da fällt mir doch der Zeisig vom Zweig!
Was, wenn diese Leute NICHT schwul wären? Ja, das würde mich
beunruhigen... Was mich übrigens wirklich beunruhigt, ist die
Tatsache, daß ich fast noch nie nette Lesben getroffen habe. Ich
finde das Worte "Lesbe" ziemlich igitt, außer bei der
Goldt´schen "Lesbentaille". Ich sage für gewöhnlich
"Fraufrau" oder "Frauen mit gutem Geschmack". Verdient haben es sich
die gleichgeschlechtlich orientierten Damen aber eigentlich noch nicht,
denn praktisch alle, die ich bisher getroffen habe, waren
unsympathische und aggressive Personen, bei denen ich gerne die
Straßenseite wechsele. Die wären mir auch als Heten
unsympathisch - echt! Und das ist schade, denn die Komikerinnen Ellen
DeGeneres, Hella von Sinnen und Maren Kroymann finde ich eigentlich
sehr nett. Im wirklichen Leben wurde das bislang noch nicht
eingelöst. Das letzte Mal, daß ich eine staatlich verbriefte
Fraufrau getroffen habe, kam die zur Tür rein und meinte als
erstes: "Alle Männer sind Schweine!" Im Raum waren nur ich und
ihre Freundin - hm, grübel, soll man sich da angegriffen
fühlen? Ich denke schon! Max Goldt bezeichnete Homosexualität
mal als einen "netten, unterhaltsamen Defekt", was ich als ebenso
humorvoll wie dem Umstand angemessen erachte, denn mit wem man sich
gerne balgt, ist wirklich völlig unerheblich. Man kommt entweder
aus Nettingen oder von jenseits. Und mit Jenseitigen verkehre zumindest
ich nicht gerne, weder sexuell noch gesellschaftlich. Mich verwirrt
dieses ganze Getratsche. Es gibt genügend Schwule, die ich total
mag, und die Homophobie-Front hat echt gehörig einen am Zeiger,
und zwar an dem unten. Als Sexist habe ich mich heute im Filmforum
ausgetobt, wo beim gemeinsamen Filmkucken online zwei italienische
Filme das Thema waren: Antonio Margheritis ASPHALT-KANNIBALEN und Tinto
Brass´ neuer SENSO ´45. Das Ergebnis kann man hier
besichtigen. Computertechnisch habe ich mich gestern durch THE THING
gezockt, zumindest bis dort, wo ich nicht weiterkam. Ich weiß,
daß die deutsche Fassung geschnitten ist. Ob meine internetten
Bemühungen die Zensierungen aufgehoben haben, woiß i net.
Wenn nicht, dann möchte ich nicht wissen, wie das Spiel vorher
ausgesehen hat... :) Ich bezahlte meine vorgestrigen Touren durch die
norwegische Arktis-Station mit einem mittleren Nervenschock. Unter den
Sprechern war auch der werte Manfred Lehmann dabei, der in Carpenters
Film Kurt Russell gesprochen hat. Hier ist er sozusagen sein
Rächer. Die Aliens sind richtig biestig und haben keinen Bock auf
Mucken. Ich habe das Ding für schlanke 10 Euro bei Saturn
rausgeholt. Hat sich gelohnt. Mit Cora habe ich gestern DIE ABENTEUER
DES RITTERS BRANCALEONE gekuckt, einen tollen
Prä-Monty-Python-Ritterfilm mit mildem Splatter, schönen
Kulissen und einem unglaublich bizarren Sinn für Humor. Einer
meiner persönlichen Lieblingsfilme. Erfreulicherweise hat auch
meine Süße sehr gelacht. Brancaleone ist echt der Chef!
Toller Film... Ansonsten sind wir wieder einmal über die
rekultivierte Halde gelatscht, haben vom schönen Wetter und der
Spazierfaulheit des bueranischen Publikums gezehrt und einige lustige
Kaulquappen gekuckt, die in Pfützen schwammen. Das andauernde Hin
und Her des Wetters geht mir ja mächtig an die Substanz -
können die sich nicht mal entscheiden? Seit heute weiß ich
immerhin offiziell, daß ich krank bin: Ich habe eine
Schildbürger-, äh, Schilddrüsenunterfunktion! Wenn man
das nicht behandelt, kann es zum berühmten Kropf führen, der
den sprichwörtlichen dicken Hals noch um einiges überragt. Es
kann zumindest teilweise für die Beschwerden verantwortlich sein,
mit denen ich mich seit Jahr und Tag herumschlagen muß. Es
läßt sich leicht medikamentös behandeln. Insofern ist
das eher eine gute Nachricht. Zur Feier des Tages - juchhu, ich bin
krank! - habe ich mir neue Schuhe und eine Armbanduhr gekauft, damit
ich in Zukunft nicht nur frohgemuts, sondern auch rechtzeitig und mit
gesunden Füßen am Ort des Geschehens eintrudeln kann. Auf
der Sollseite des letzten Tages steht aber die Erkenntnis, daß
die Mücken jetzt wahrscheinlich doch noch kommen. Bisher ja
angenehmerweise Mückenflaute. Bald aber: Moskitopower! Ich hasse
die kleinen Mistkerle und zerpatsche, was da meinen Weg kreuzt. Gerade
eben segelte ein tödlich getroffenes Insekt auf meine Tastatur.
Zwar gehöre ich zu den Glücklichen, die relativ wenig
gebissen werden, aber manchmal erwischt es auch mich, und das juckt wie
bescheuert. Ich werde zum Baumarkt fahren und mir ein Moskitonetz
kaufen. Damit verkleide ich meine Fenster. Vielleicht bastele ich mir
auch ein original Lambarene-Zelt, wie bei Dr. Schweitzer.
Schließlich und endlich möchte ich noch darauf hinweisen,
daß Wenzel Storchs neuer Film DIE
REISE INS GLÜCK derzeit in ganz Deutschland zu sehen ist. Da
ich an diesem Werk ein klein wenig beteiligt bin, weise ich mit
imperativem Nachdruck darauf hin, daß es im Rahmen des honorigen
"Fantasy-Filmfests" zu sehen sein wird, und zwar in München,
Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin.
Näheres erfährt man hier
(unter Filme A-Z), wenn man dieser bildgewaltigen Mischung aus Jules
Verne, Petzi, Harndrang und Splatter beiwohnen will. Mit Wenzel habe
ich heute telefoniert. Er kommt gerade aus Kanada zurück, wo der
Film überraschenderweise richtig abgeräumt hat. So
glücklich habe ich ihn lange nicht mehr gehört. Fein! So,
jetzt gehe ich nach Bett!
170704
Meine Süße hat neulich die Gläser poliert bei einem
Stelldichein der Rockgruppe "Rose Tattoo". Der Sänger trägt
ja einen Kahlkopf. Als ehemaliger Insasse einer Herrenlachanstalt
sollen ihm von den Elektroschocks die Haare ausgefallen sein, so will
es die Legende. Wäre es nicht schön, wenn man von Turbonegros
Hank behaupten könnte, er sei bei seinem Gastspiel in der Klapse
stromgeprügelt zum Hetero geworden? Wahrscheinlich nicht. Die
Turboneger machen aber nach wie vor feine Musik, was mich dazu bringt,
daß ich schon seit längerem keine gute neue Platte mehr
gehört habe. Anregungen erbeten. Nomeansno habe ich natürlich
verpaßt, und Alice Donut sind gar nicht erst erschienen, da in
Antwerpen versackt. Naja, die sind halt auch nicht mehr frisch aus
Mutters Larve gepickt. Die müssen auch auf die versteckten Falten
hinter den Ohren aufpassen, die eines Tages aufhören, sich zu
verstecken und zu unansehnlichen Hauttaschen anwachsen. Auch der Konsum
von Alkohol wird da zum Problem und schmälert nicht nur die
Verläßlichkeit bei der sozialen Interaktion, sondern
schwemmt auch auf bis zum Stadium der kompletten Unansehnlichkeit. Da
wahren die Backfische schon mal Distanz. Da nehmen die Groupies die
Pausbacken nicht mehr ganz so voll. Kein Rockstar oder Rockstarrer kann
das auf sich sitzen lassen, oder würde es gerne auf sich sitzen
lassen, kommt aber nicht mehr dazu. Heute war wieder Filmclub, und gemessen am
knalleheißen Morgenwetter war der Besuch von insgesamt 75
zahlenden Kunden schon sehr erfreulich. Sie alle durften teilnehmen an
einer Huldigung an die verstorbene Volksschauspielerin Inge Meysel, die
nicht nur aus einem Trailer ihres Filmes DER ROTE STRUMPF bestand (der
übrigens auf Ernst von Theumers Heimatfilm-Sleazer DER IRRE VOM
ZOMBIEHOF folgte!), sondern auch aus einer Verlosung, die einen roten
Strumpf voller Süßigkeiten an einen glücklichen
Omega-Gast brachte... Ferner hieß es, für strikte Disziplin
zu sorgen. Das geliebte Mitglied Harald Blixen verriet in einem
Internet-Forum, dessen Namen nicht genannt werden darf, den Titel eines
der geheimnisvollen Filme, die heute auf dem Programm standen. Als
Strafe mußte er für den Rest der Veranstaltung ein Schild um
den Hals tragen, das ein Lebensmotto der beliebten Volksschauspielerin
verkündete. Das Motto habe ich bereits vergessen, aber es war sehr
erbaulich. Harald - lieber Mensch, der er ist - trug die ihm
aufgebürdete SM-Fron mit Würde und Spielmannsgeist. DIE
JUNGEN TIGER VON HONGKONG demonstrierten anschaulich, daß man
Jochen Busse sehr wohl blutig foltern kann - eine Abneigung gegen
Kabarett ist da gar nicht vonnöten! Lustig fand ich, daß der
Fabse von Wicked mir danach erzählte, daß er mal mit Jochen
Busse und einigen Punker-Freunden (also, dem Fabse seine, nicht dem
Jochen seine!) im Zugabteil gesessen habe. Jochen hörte Klassik
per Walkman. Fabse ritt gerade der Schalk, weshalb er einen Tonerzeuger
mit "Toy Dolls" etc. auf ganz laut stellte. Herr Busse beschwerte sich
daraufhin beim Schaffner. In Gelsenkirchen folgte die Vergeltung
für die Spießigkeit, die Jochen zu Zeiten von Hofbauers
aufrüttelnder Warnung vor den Gefahren einer irregeleiteten Jugend
noch abhold war. Es hagelte Schlußapplaus. Wen das noch nicht
zufriedenstellte, der durfte sich mit Albert Pyuns billigem
CONAN-Rip-Off TARAN IM KAMPF GEGEN DEN ZAUBERKESSEL (oder so) befassen,
der archaische Männlichkeitsriten mit bunten Farben mixte. Wie
dieser Film ankam, habe ich leider nicht mehr mitbekommen, denn ich war
vorher geschieden, aufgrund von genereller Müdigkeit. Man wird alt
im Alter. Computerspieltechnisch habe ich lediglich XIII mitbekommen, ein
superlatives Action-Adventure, das im Comic-Strip-Stil gehalten ist und
die Erlebnisse eines Zeitgenossen nachvollzieht, der nach der Ermordung
eines kennedyesken Präsidenten um seine Rehabilitierung und sein
nacktes Überleben kämpft. Ganz großes Tennis, das
Spiel! Ansonsten sollte ich mich nebenbei auch mal mit einem Thema
für meinen neuen SI-Artikel befassen. Wie wäre es mit
Türkploitation? Leider hat mein Freund Peter B. bereits einen
guten Artikel zu dem Thema abgeliefert. Hmm. Was tun? Frankreich,
Italien und Deutschland habe ich jetzt eigentlich auch durch. Da bleibt
eigentlich nur noch schwedischer Naturalismus à la Bergman oder
Tierporno. Wohin dreht sich diese Welt? Das frage ich mich
täglich, und angesichts der Ereignisse um die
Flüchtlingsladung der "Cap
Anamur"-Fregatte stellt sich die Frage umso doller.
Haftengeblieben ist da lediglich die nicht ganz neue Erkenntnis,
daß Silvio Berlusconi wohl kein ganz so netter Mensch ist, und
die Hoffnung, daß doch mal jemand in diesem Humanismus-Sumpf an
jene denkt, denen der Arsch veritabel auf Grundeis geht. Man weiß
das ja, daß dann gerne an balkanische Hütchenspieler oder
die organisierten Bettler in unseren Fußgängerzonen gedacht
wird. Das ist alles abgefeimter Betrug, das sind alles ausgesuchte
Schlemihls und Hallodris. Die spekulieren auf unser aller Gemeingeist.
Menschenliebe? Altruismus? You´re fucking kidding, man... Das
sind alles überholte Konzepte. Den Niggern auf der
Flüchtlingsfregatte geht´s echt zu gut! Die feiern nur blau
und lassen sich den Arsch nachtragen. Und die Anamouristen sind
lediglich geltungsbedürftige Deppen, die sich prae mortem
heiligsprechen lassen möchten. Ist das so? Nö - die
Leute dieser Organisation SIND Heilige, die wirklich dort Gas
geben, wo Gas erforderlich. Wenn sie von unserer Regierung
alleingelassen werden, dann liegt das an den Verhältnissen, nicht
an jener Engagement. Ich bewundere diese Lebensschützer, denn sie
tun ihr Bestes im Angesicht drohender Repressalien. Unmenschen wie
Berlusconi und ihre unsichtbaren Stiefelputzer adeln diese Menschen.
Ich finde es schade, daß die Grünen, denen ich in ihrer
Oppositionszeit gerne meine Stimme geliehen habe, sich so wenig
für sie stark machen. Mein Nachbar Robert hat gerade heute
Flugblätter verteilt gegen eine steuerflüchtende
Telefongesellschaft, die uns allen schadet, aber heftig frequentiert
wird. Da wurden flugs die Polizanten gerufen. Solches Engagement
wünsche ich mir nicht nur auf Regionalbasis. Menschenrechte - und
in unserem Land: Bürgerrechte! - sollten fettgedruckt werden. Wenn
man sich nicht dafür interessiert, sollte man sich nicht beklagen,
wenn einem demnächst im Namen der Demokratie der Boden unter den
Füßen weggezogen wird. Der einzige gangbare Weg bleibt der
Widerstand, denn die Dummheit obsiegt immer, wenn der einfachste
gemeinsame Nenner angesprochen wird. Wirklich wegweisende
Entscheidungen wurden in der Menschheitsgeschichte nur dann getroffen,
wenn der Schmerzdruck zu gewaltig war. Das hat sich negativ ausgewirkt,
wie im Falle von Adolf und seinen Hanswursten. Das hat sich aber auch
schon positiv ausgewirkt, wie im Falle der Beseitigung des
Drecksregimes im Osten. Wie sehr ich Leute wie Borbel Bähley
(Droste) und Konsorten auch mißschätze, aber die DDR war
nicht einmal durch die Nazis zu rechtfertigen. Diese Leute haben sich
dafür eingesetzt, daß sie verschwand. Das stärkt meinen
Glauben in die Möglichkeit der Besserung im Menschengeflecht.
Nächster Tage: Neues über die Paarungsmöglichkeiten von
Paris Hilton nach ihrem extrem ungeilen Sexvideo und Chancen, solche
peinlichen Zurschaustellungen zu umschiffen. (Nie mehr ficken?)
Außerdem: Das Nonplusultra an deutschsprachiger Rapmusik. Nicht
zu übertreffen. Geriatrische Nacktfotos beliebter deutscher
Volksschauspielerinnen, so ich sie finde. Dicke Eier jenseits des
Osterhasen. Treueschwüre unter dem Pappelwipfel. Veitstanztaumel
im dichten Tann. Begattungsrituale bei Schloß Berge, wenn meine
Süße einwilligt. Enthüllende Fotos von Balzritualen im
Nuttental nahe Bochum, wenn die entsprechenden Debütantinnen
konvenieren. Deflorationen im Herrenklo von Bremen-Hbf, wenn der
Schaffner sein Okay gibt. Demnächst in diesem Theater!
140704
Von meiner Schlafzimmerwand:

130704

Hier seht Ihr Generalmajor
a.D. Thomforde, der nach seiner
unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst sein kärglich
Einkommen mit der Zucht welscher Welpen verdiente. Thomforde war einst
ein
richtiger Haudegen von altem Schrot & Korn gewesen, der u.a. unter
Feldmarschall Rommel diente. Bereits im Afrikakorps verspürte er
aber eine Hinwendung zur kaninen Spezies. Als er etwa 1941 in einem
genialen Handstreich zwölf reinrassige Schäferhundrüden
aus den Händen von Tuaregs befreite, brachte ihm dies die deutsche
Nahkampfspange ein. Außerdem verlieh ihm der Tierschutzverein
Sindelfingen die goldene Rute am Bande. Zu seinen Auszeichnungen
gehören ferner das silberne Flohhalsband der
Hundezüchtergewerkschaft und der bronzene Maulkorb des Deutschen
Reiches. Nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn wurde es dann
ruhig um den Generalmajor. Erst 1965 machte er wieder von sich reden,
als er sein Buch über die artgerechte Haltung von
Dobermannpinschern ("Mit ruhigem festem Tritt") veröffentlichte.
Dabei kam es zu einem handfesten Skandal, da er den Einsatz der Knute
ausdrücklich billigte, und auch die Standard-Diät, die er
seinen Pinschern angedeihen ließ (in Quark eingerührte
Dackelbröckchen), stieß einigen Hundeliebhabern übel
auf. Als im Gefolge der 68er-Bewegung auch seine militärische
Vergangenheit wieder hervorgekramt wurde, war er alsbald in aller
Munde. Seine neu aufgeflammte Popularität nutzte er zu einer
Vortragsreise, in der er von seinen Versuchen berichtete, Rottweiler zu
klonen. Dabei wurde auch ruchbar, daß er mit seinen Experimenten
die Bahnen des ethisch Verantwortbaren verließ. So soll er etwa
versucht haben, seine eigenen Erbanlagen mit denen eines
Rottweilerweibchens zu kombinieren. Obwohl sich seine Versuche als
wegweisend für die moderne Klonforschung erweisen sollten,
brachten ihn die Skandale ins gesellschaftliche Abseits. Auch seine
langjährige Lebensgefährtin Liesel reichte die Scheidung ein.
Die späten Jahre des rüstigen Rentners waren von Einsamkeit
geprägt, die nur von seinen 129 Hunden aufgelockert wurde. 1982
starb seine Lieblingshündin Eva, was dem Generalmajor das Herz
brach. Man fand ihn nur wenige Monate später in seinem Bett, wo
ihn eine schwere Darmkolik dahingerafft hatte. Die Hunde
überlebten ihn fast vollzählig, auch weil sie sich tagelang
von seinen Überresten ernährt hatten. Ein trauriges Ende
für ein trauriges Leben. Wer sich für seine Erlebnisse mit
den drolligen Vierbeinern interessiert, sollte auf seine Biographie "Oh
du schöner Westerwaldi" zurückgreifen, die im Frolic-Verlag
zu Bellheim erschienen ist. Das obige Foto zeigt den Generalmajor bei
einem gemütlichen Beisammensein mit seiner Eva. Tja, was ist in
den letzten Wochen
passiert? Kaum etwas Berichtenswertes. Mein Leben stagniert, man kann
es nicht verhehlen. Ich lese sehr viel in letzter Zeit. Auf meinem
Schlafzimmertisch liegen Werke von Dan Shocker ("Im Würgegriff des
Nachtmahrs"), Friedrich Nietzsche ("Die Musik der Tragödie aus dem
Geist der Geburt" oder so) und Clever & Smart. Meine Armwunde ist
zum Glück verheilt, und auch die Erkältung hat das
Sommerwetter davongeregnet. Überhaupt, was ist eigentlich mit dem
versprochenen Jahrhundertsommer? Ticken die Metoroleogen noch sauber?
Was machen die eigentlich in ihrer Freizeit? Ich will endlich wieder
Sonne, damit ich mit meinem Schatzerl gen Teufelsmoor fahren kann. Ich
bastele nämlich parallel zum Kommissär an einem Horrorroman,
der dort spielt und sich an authentischen Erlebnissen aus meiner
Kindheit orientiert. Wenn mich die Prosa zwackt, gibt´s die
Knute, und ich forme das völlig
schmerzfrei zu einem Drehbuch um... Daß die Griechen
Europameister geworden sind, finde ich in Ordnung, aber leider konnte
ich danach nicht von Gratis-Ouzi und anderen kostenfreien Leckereien
profitieren, denn der einzige Freßgrieche in meiner näheren
Umgebung serviert das fettigste Gyros und die schlabbrigsten Salate,
die die Welt je gesehen hat! Am Wochenende war ich oben bei Bettina, da
ihr Robert mit seinen
Grünen in Hagen war - ja-ha-ha, wie das Verbrechen, so die
Strafe! Wenn man sich schon in die aktive Politik stürzt, hat man
auch mit den Folgen zu leben... Während Herr Z. in Hagau-City
weilte, kuckten seine Betty und ich jedenfalls UND EWIG GRÜSST DAS
MURMELTIER, fanden Bill Murray sehr dufte und Andie MacDowell extrem
fad und unsexy. Dieses gutmütige Dauergrinsen fordert einen ja
geradewegs zum Blutrausch auf. Danach gab´s NUR ÜBER MEINE
LEICHE, den ich gar nicht so schlecht fand. Im Moment bilde ich mich ja
weiter im Hinblick auf das junge deutsche Kino. (Mit
ausdrücklicher Ausnahme von Doris Dörrie - aaargh!) Den
Christoph Orth fand ich auf jeden Fall schön schleimig. Kein
Vergleich natürlich mit WIR KÖNNEN AUCH ANDERS, der von allen
deutschen Komödien jüngeren Datums mit Leichtigkeit Platz 1
belegt. Der ist richtig lustig. Danach gab es noch diverse
Loriot-Sketche zum Abbleiern, etwa den Klassiker mit der Weinprobe
("Dieser Wein hat die Sonne eingefangen!"), das Kleinod mit der
Hosenprobe ("Mein Mann ist etwas voll in den Hüften, mit ziemlich
kurzen Armen!") und der Geniestreich mit der Benimmschule ("Wenn meine
Frau Klöße macht, sind sie leicht und bekömmlich!") Wir
diskutierten auch das Hinscheiden von Marlon Brando und von Inge
Meysel. Was wäre wohl gewesen, wenn statt Marlon Brando Inge
Meysel in DER LETZTE TANGO VON PARIS mitgespielt hätte? Das
wäre dann vielleicht sogar ein richtig guter Film geworden! Aber
nichts war´s, und Bertolucci schloß mit seinen richtig
guten Filmen ab... Gedankensprung von Inge Meysel über Lotti Huber
zu Rosa von Praunheim: Der will jetzt einen Film über den
Kannibalen von Rothenburg drehen. Obwohl der avisierte Titel - "Dein
Herz in meinem Hirn" - wirklich schauderhaft ist, läßt sich
das davon losgetretene Partei-Bruhaha von Roland Koch & Konsorten
kaum nachvollziehen. Genaugenommen kann ich nur wenig von dem
nachvollziehen, was Koch sonst so auf die Menschheit
losläßt, aber hier hätte das Hirn in seinem Herzen ihm
wirklich sagen sollen, daß die Grenze zwischen Populismus und
Peinlichkeit eine ausgesprochen dünne ist. Mal schauen, was der
Praunheim da so produziert. Peinlicher als das Mediengeröchel zum
Thema kann es wohl kaum sein. Da mir die anschlagrelevanten Themen
ausgehen, greife ich auf DVD-Inside zurück, die im Fun Forum wieder einige
schöne Sachen zugetragen bekommen haben. Auf der Website eines
gewissen DJ Fryky gibt es eine kleine audiophone Kostbarkeit,
in der sich ein mir nicht näher bekannter Künstler vor einer
Webcam produziert zu den Klängen eines Sommerhits, dessen Refrain
etwa "Meyer-hi, Meyer-ho" lautet. Bei "Wetten, daß" habe ich das
Lied neulich auch gehört. Die Web-Interpretation gefällt mir
wesentlich besser, da ihr doch eine gewisse Unbedingtheit anhaftet -
Frohsinn bis zum Exzeß! Die Hasen haben wieder zugeschlagen:
Weiß nicht, ob ich die TITANIC-Interpretation
der Bunnies (in 30 Sekunden) schon verlinkt habe, aber ganz neu ist auf
jeden Fall die ALIEN-Episode
- toll, gigantisch! Auch sehr nett finde ich die Klinik für mißhandelte
Kuscheltiere, bei der ein Mensch mit gutem Humor gewaltet hat...
Wer einfach nur netten Klängen lauschen möchte, dem empfehle
ich "Schnappi,
das kleine Krokodil". P.S.: Hingewiesen sei einmal mehr auf die
nächste Sitzung des "Geheimnisvollen
Filmclubs Buio Omega", welche am Samstag erfolgt und unter dem
Motto "Barbarpapa" Keile treibt in die Kluft zwischen den Generationen.
Da wird es einige junge Menschen zu sehen geben, die trotz ihrer
wohlhabenden Abkunft nichts anderes mit ihrer Zeit anzufangen wissen,
als Sex & Gewalt zu säen. Zu den Zaungästen gehören
Werner Pochath, Jochen Busse und der aus Italowestern bekannte
Amerikaner Robert Woods. Schulmädchenfreund Ernst Hofbauer
führte Regie bei diesem aufrüttelnden Einblick in die
Umtriebe einer irregleiteten Jugend. Außerdem gibt es einen der
unterhaltsamsten Barbarenfilme im Gefolge von CONAN zu bestaunen, der
beträchtlich weniger Geld gekostet hat als sein berühmtes
Vorbild, aber umso mehr ranklotzt in punkto Unterhaltsamkeit und
Kölle Alaaf. Richard Lynch spielt den Bösewicht. Verpassen
darf man das - wie stets - um gar keinen Preis!
040704

290604
Da auf Wicked
derzeit der Waschbär tobt, habe ich dieses rundum sympathische
Tier zum Monatsbild erkoren. Für gewöhnlich hat es eine
ausgeglichene und gemütsruhige Ausstrahlung, und die kann ich im
Moment gut gebrauchen, denn derzeit haben sie mal wieder einen
Spezialkobold auf mich angesetzt! Es begann damit, daß ich mich
letzte Woche so richtig satt auf die Fresse legte. Die Direktive war
ganz einfach: Bringe den Müll raus und lasse ihn verschwinden.
Ganz simpel, schnörkellos. Doch der Untergrund war glitschig, und
so vollführte ich in der Kurve, die die Steine unseres Hinterhofes
beschreiben, eine sehr demütigende Bruchlandung. Daß es
nicht zu einer Bruchlandung auch im doppelten Sinne kam, ist wohl
reiner Zufall. Immerhin habe ich jetzt ein schönes Loch im linken
Arm. Das Blut floß in Strömen. Man kann von Fontänen
sprechen. Meinen Schrei, als ich Desinfektionsmittel darauf
sprühte, hörte man wohl noch bis nach Darmstadt-Wixhausen.
(Auch ein toller Stadtteilname: Bottrop-Boy! Wer kennt ihn nicht, den
schönen Song "The Bottrop Boys Are Back In Town"? Wäre auch
ein lustiger Schwulenpornotitel...) Mit meiner klaffenden Wunde lief
ich natürlich sofort in meinen Rekreationsraum und lauschte den
majestätischen Klängen von Sibelius´ "Finlandia". Oder
auch nicht. Na ja, die Wunde ist mittlerweile fast verheilt, und auch
der befürchtete Wundbrand (feat. Gliedabnahme) blieb aus. Damit
ich nicht aus der Übung komme, schickte mir der Allverwalter aber
eine Erkältung, und so sitze ich, da ich dies schreibe, in einer
Lache aus Schnodder und Unwohlsein. Wie sagte schon Rainer Brandt?
"Hauptsache, die Vorderzähne halten´s aus!" Im Moment ficht
mich das eh nicht an, da ich ja wie ein Blöder am Computerspielen
bin. Dabei ist mir aufgefallen, daß es eine bemerkenswerte Zahl
von Spielen gibt, die ich entweder auf meinem Rechner gar nicht spielen
kann oder die mir einfach nicht viel geben. Am längsten hat mich
jetzt das tolle Spiel MAX
PAYNE 2 beschäftigt, das ich wirklich uneingeschränkt
empfehlen kann! Max ist ein harter Großstadtbulle mit üblem
Ruf und vielen Feinden, auch in der eigenen Belegschaft. Eines Tages
wacht er in einem Krankenhaus auf und weiß nichts mehr von dem,
was sich vorher zugetragen hat. Im weiteren Verlauf des Spieles
kommen in Gestalt von glänzend integrierten
Animationssequenzen immer wieder Erinnerungsfetzen durch.
Überhaupt ist die Narrative dieses Spiels ganz ausgezeichnet und
wirklich sehr spannend, und da ich für Neo-Noir-Krimis eh eine
schwache Seite habe, kommt das meinem Naturell auch sehr entgegen. Die
diversen Comic-Bildpanels, die die Rahmenhandlung erzählen, kann
man auf Wunsch wegklicken und sich der reinen Ballerhandlung widmen.
Die visuelle (und akustische) Gestaltung des Rahmens ist aber so
stimmungsvoll, daß man auch ruhig zuschauen kann. Die
Ego-Shooter-Anteile sind teilweise sehr ruhig und teilweise von
berstender Hektik. Zu Anfang habe ich Stunden damit verbracht, Spiegel
kaputtzukicken, auf Toiletten zu steigen, Saltos vor ergriffen
staunendenen Polizisten zu schlagen und sonstigen Kokolores... Ich gebe
zu, daß ich bei der Bewältigung des immens umfangreichen
Spieles drei- oder viermal gemogelt und im Internet abgedruckte
"Cheats" bemüht habe, aber sonst hätte ich wirklich geballte
Probleme bekommen. Auch so ist es ohne die praktische
"Quicksave"-Einrichtung fast unmöglich, durch die Handlung zu
kommen: Am Schluß, wenn man einen russischen "Master Criminal"
von einem Gerüst herunterholen muß, während um einen
herum die Granaten niedergehen, die so nebenbei auch den Boden
zersetzen, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Ich habe
ungefähr einhundert Anläufe gebraucht, mußte immer
wieder meine Taktik umstellen und rief immer wieder: "So ein Dreck, das
geht doch gar nicht!" Doch, doch, es geht, man braucht nur Geduld...
Auch nach Vollendung des ersten Schwierigskeitsgrades werde ich das
Spiel noch viele Male spielen können, denn die
Aktionsmöglichkeiten sind so mannigfaltig und realistisch,
daß es nicht langweilig werden kann. Von den 20 Öcken, die
ich für den Spaß ausgegeben habe, reut mich auf jeden Fall
kein Cent! Ein anderer Favorit, an dem ich derzeit arg am Knacken bin,
ist das gerade erschienene Slasher-Game OBSCURE: In einer
amerikanischen Highschool geht das Grauen um. Immer mehr Jugendliche
verschwinden auf geheimnisvolle Weise. Nach einem Prolog, den man
(glaube ich) nicht gewinnen kann, ist man einer von vier Teenies, die
in der ansonsten verlassenen Schule kauern, eingesperrt und
höllischen Mächten schutzlos ausgeliefert... Als ich das
Spiel begann, habe ich es gleich wieder weggelegt, denn die Steuerung
behagte mir nicht: Statt wie in MAX PAYNE, wo man aufgrund der
subjektiven Sicht wirklich mitten im Geschehen drinsteckt, kann man die
handelnden Figuren in OBSCURE nur per Tastatur in verschiedene
Richtungen steuern, was manchmal nervt. Ich habe das Spiel dann aber
noch einmal angefangen und bin gnadenlos darin versackt. Man
durchstreift die ganze Schule, bekommt mehr und mehr von den
merkwürdigen Ereignissen spitz, erfährt anhand raffiniert
ausgestreuter Randdetails (Zeitungen, Karten an den Wänden) von
der Rolle, die die Vergangenheit spielt - es ist ziemlich
schweinespannend! Auch nett die sehr neoslashereske Musik, die im
Hintergrund mitdudelt. Im wesentlichen ist das ein Action-Adventure, in
dem es darum geht, Fundstücke ihren korrekten Funktionen
zuzuführen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Wenn die Monster
angreifen, hilft manchmal beherztes Zupacken, manchmal aber auch nur
die eilige Flucht. Die Grafik ist verblüffend gut. Man kann
zwischen den Hauptfiguren hin und her wechseln, worum man nicht
herumkommt, denn später geht es den Leuten fast unweigerlich an
den Kragen. Da gibt es zwei Männer, einer davon ein angegrungter
Schluffi, der andere ein Footballtyp. Die Frauen sind eine burschikose
Brünette mit Mumm und ein blondierter Bimbo. (Anmerkung: Wenn ich
in meinen Texten das Wort "Bimbo" verwende, meine ich das nicht in
seiner rassistischen deutschen Bedeutung, sondern in der
amerikanischen, die natürlich kellybundyeske Dumpfbacken
zärtlich umfaßt.) Anders als der streckenweise sehr blutige
MAX PAYNE geht es in OBSCURE eher suspenselastig zu, wenn auch manche
Vorfälle dem Spiel ein "Ab 18" beschert haben, aber von
Gewaltverherrlichung kann man da nicht sprechen. Beeindruckt bin ich
aber von der hervorragenden Narrative der gegenwärtigen Spiele.
Bei MAX PAYNE ist das gutgetexteter Noir in passender Fragmentform,
während sich OBSCURE an der dullen Linearität entsprechender
Filmware orientiert - das aber auf sehr spaßige Weise. Das erste
Spiel wendet sich an jene, die schon einmal an den Ballermomenten einer
Ellroy-Novelle mitwirken wollten; das zweite an jene, die SCREAM
gesehen haben und sich gewiß waren, es besser machen zu
können... Ansonsten habe ich noch einige Adventures ausprobiert,
darunter den Noir POST MORTEM und das gotische Mystery BLACK MIRROR,
die beide auf ihre Weise klasse sind, in ihrer rein adventuresken
Gewandung aber mehr Muße verlangten, als mir im Moment zur
Verfügung steht. FAR CRY soll noch ein sehr superlativer
Action-Shooter sein, lief bei mir aber leider nicht - schnief. Genug
von Videospielen, kommen wir zum zweituninteressantesten Thema: Fußball! Die Deutschen
sind ausgeschieden, und kaum jemand wird bestreiten, daß sie das
zu Recht getan haben. Mann, was für ein lusches Gekicke! Der
Standardbegriff dafür lautet wohl "Standfußball". Ich war
entsetzt, wie wenig die Jungs auf dem Rasen zustande gebracht haben.
Das war jar nüscht. Daß der nette Rudi Völler am
nächsten Morgen zurückgetreten ist, war schade, aber
irgendwie die logische Konsequenz. Trotzdem, das Geschrei der Millionen
von Fußball-Lehrern am nächsten Tag war nichts, wo ich
einstimmen mochte. Mir tut er leid. Unsympathisch geworden sind mir
hingegen einige der Kicker. Die ersten beiden Viertelfinalspiele
zeigten dann, wie es richtig geht: Portugal besiegte England in einem
der spannendsten Spiele, das ich seit langem gesehen habe - das war
leckmichamarsch großartig! Beide Teams waren wirklich klasse.
Nach einem 2:0 der Engländer glichen die Giesen in der 85. Minute
aus und gewannen dann das Elfmeterscheißen. Am nächsten Tag
bügelten stark defensiv orientierte Griechen (!) den Europameister
Frankreich weg, und was jener da hinlegte, war meines Erachtens
deutlich peinlicher als das deutsche Gebolze, zumal die gallischen
Kicker eigentlich zur Elite gehören - ganz lausig.
Glückwunsch an Otto! Die von mir eigentlich favorisierten
Skandinavier fielen dann in den darauffolgenden Spielen, die ich beide
nicht so dolle fand. Tschechien und die Niederlande dürfen sich
jetzt mit den Übriggebliebenen messen, und ich bin da voll auf der
Seite der Giesen und vor allem der Griechen... Bevor mich meine
Erkältungsfron heimsuchte, konnte ich noch am "Besonders wertlos"-Festival
teilnehmen, das erwartungsgemäß erfreulich ausfiel. Die
Zuschauerzahlen waren trotz der EM (Super-Timing, Freunde!) die besten
ever. Roland Klick erwies sich als ein freundlicher Intellektueller mit
sehr idiosynkratischer Lache, dessen Abendmahlzeit ich zur Hälfte
verzehren durfte. DEADLOCK kam beim Publikum riesig an. Zu Anfang hatte
ich noch meine Bedenken, ob Klick der Kick gefallen würde, da wir
ja eher ein Provinz-Festival sind, aber er unterhielt sich nonstop mit
Gästen, und als ich ihn am Schluß fragte, meinte er, er habe
sich sehr amüsiert. Ein weiterer Held meinerseits, der sich als
angenehmer Mensch erwies. Jörg Buttgereit kannte ich ja noch nicht
persönlich, und die Umstände wollten es, daß wir nicht
wirklich ins Gespräch kamen, aber er wurde natürlich auch
sehr umschwärmt von seinen Bewunderern. Am meisten berührt
war ich von seinem Kurzfilm "Mein Vati". Den hatte ich zuvor nur auf
der Kollektion "Hot Love" gesehen, in der alten Fassung, wo er wirkte
wie einer jener sanft spöttischen Filme, die viele angehenden
Filmemacher von ihren Eltern machen. Ich dachte schon beim ersten
Ankucken, daß der Vati mittlerweile wohl tot sein wird. Als
Abschluß lief auf dem Festival die neue Fassung, die dem Andenken
seines verstorbenen Vaters gewidmet ist und die Filmschnipsel in einen
neuen Zusammenhang stellt. Jörg saß auf der anderen Seite
der Bühne und taxierte die Leinwand sehr ernst, und was vorher
jugendlich-spöttisch erschien, war nun auf einmal anrührend
und liebevoll. Ich empfand das als einen weiteren Beleg dafür,
daß Jörg alles andere als ein Trash-Filmemacher ist, sondern
in erster Linie ein netter Mensch. EXZESSE IM FÜHRERBUNKER finde
ich auch sehr lustig und treffend, aber das, was den Menschen
preisgibt, ist mir da doch wichtiger. Danach kam Wenzel Storch hinzu
und präsentierte seinen neuesten Film. Mit Wenzel konnte ich -
erneut umständehalber - kaum sprechen, was sehr schade war, aber
ein andermal bestimmt nachgeholt werden wird. Der Mann ist mir sehr ans
Herz gewachsen, und das nicht nur durch den Umstand, daß er mir
allen Ernstes einen Drehbuchcredit gegeben hat, was mich ziemlich
umgehauen hat. Äh - dankeschön von hier aus! Das Publikum
stöhnte etwas in der Szene, in der die Kapitänskinder
angepißt werden, aber so wird man eben mit allen Wassern
gewaschen. (Der Satz dazu im Film stammt von mir...) In der
strahlenden 35mm-Kopie sah man natürlich wesentlich mehr vom Film,
als mir das bisher zuteil geworden war, und daß Friedrich
Schoenfelder den Erzählertext gesprochen hat, erfüllte mein
Herz mit Wonne. Im nachfolgenden Interview erörterten Wenzel, Ralf
und meinereiner noch etwas die Umstände, unter denen der Film
entstand. Ich war zu jenem Zeitpunkt bereits bräsig in der Birne,
habe aber hoffentlich noch ein paar nette Schleimereien vom Stapel
gelassen. Wenzel ist an sich eher maulfaul, weiß aber mehr
großartige Geschichten über den Dreh, als das dem Baron
Münchhausen anstehen würde, und diese hier sind alle wahr!
Immerhin hat er die Schoenfelder-Anekdote erzählt, und die anderen
muß er dann auf den anstehenden DVD-Veröffentlichungen
seiner Filme zum Besten geben... So, ich mache jetzt allmählich
schlapp. Ich fresse noch ein paar Salzstangen und rieche dann an der
Koje - ahoi, Seemänner und Seefrauen, und Klüwerbaum hart
backbord!
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