WO BLEIBT DER JAHRHUNDERTSOMMER? (JUNI)

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Medialog e.V.

220604

Da ich den gestrigen und den heutigen Tag mit meiner Freundin verbracht habe, ist mir die Fußball-EM etwas entglitten. Vom denkwürdigen Spiel Spanien gegen Portugal habe ich immerhin das meiste mitbekommen und den überraschenden Sieg der Giesen über die Iberer miterlebt. Na, freut mich auch richtig, denn innerlich bin ich noch lange nicht so verschwiemelt, als daß ich den Gastgebern wünschen würde, bereits in der Vorrunde auszuscheiden. Das gehört sich irgendwie nicht, und in diesem Spiel waren sie immerhin wirklich gut. Wie die Griechen gegen die Russen gespielt haben, weiß ich schon gar nicht mehr, aber Hellas ist weiter, so sagt es die Uhr. Am Tag davor focht die deutsche Nationalmannschaft gegen die Lettländer und holte mit Mühe ein 0:0 heraus. Den Letten ("Letts Stick Together", wie Bryan Ferry sang!) wurden zwei astreine Elfmeter aberkannt. Ich und der anerkannte Fußballexperte Robert Z. schissen uns fast in die Hosen. Naja, da ist man mal wieder auf dem Hoden der Tatsachen angelangt. Sooo schlecht, wie das Spiel der Deutschen im Nachhinein von den Defaitisten gemacht wurde, war es nun auch wieder nicht, aber es war eine Arie der vergebenen Chancen, und von dem wieselflinken Neuner der Letten werden die Verteidiger des Teutonensturmes wohl noch eine ganze Zeit lang schlecht träumen... Die Niederländer machten ebenfalls den Bückling vor den Tschechen und ließen sich schmachvoll besiegen, womit mein Tip für das Weiterkommen (GER-NL) schon arg in Frage gestellt wurde. Freut mich für die Tschechen, die wirklich gut gekämpft haben. Heute sind England und Frankreich erwartungsgemäß weitergekommen. Jo mei. Mal schauen, wie das morgen aussieht. Gegen Bulgarien (7:0) dürften die bislang auf ganzer Linie enttäuschenden Italiener wohl gewinnen. Im Grunde würde ich den Skandinaviern das Weiterkommen gönnen, aber ob das drin ist, weiß ich nicht - in Mathematik war ich schon immer lausig. Die Schweden müssen aber weiterkommen, da bestehe ich drauf. In Sachen Computerspiele habe ich mir vorgestern ein Spiel ausgeliehen, das sich "Painkiller" nannte. Da kämpft man im Jenseits gegen PSI-Nonnen, Todesmönche und ähnliche Exzentriker. Ich kann nur sagen, daß ich geplättet war - hätte nicht gedacht, daß man solch eine Farbenwucht auf meinem Rechner zustandebekommt. Langsam habe ich mich an die Bedienungselemente gewöhnt. Schon bald war ich ein Profi im Abschlachten von Dämonen aller Arten. Das Spiel ist sehr fies und ächtenswert, aber es hat mir leider einen Heidenspaß gemacht, und je mehr Dämonenglieder durch die perfekte 3-D-Grafik bröselten, um so mehr erinnerte ich mich meiner Aufgaben als Mann. Ich bin ein Kämpfer, ein Krieger, ein Nahrungslieferant! Ich muß in den Dschungel gehen, um den segenspendenden Nektar herbeizuschaffen. Dabei darf ich keine Gefahren scheuen und kein Mimöschen sein, denn sonst beißen mich die Todesfeen in den Hintern. Auch die Skelettmonster sind ziemlich nastige Bugger und machen nicht groß Federlesens. Bombenspiel, ein echter Kicker. Der Oger am Schluß des Katakomben-Levels ist bislang mein Meister geblieben, wenn ich auch mittlerweile weiß, wie man ihn besiegen kann. Aber das Spiel kostet bei Karstadt leider 44 Öcken, und irgendwo ist Schluß. Ich versuche mal, das auf eBay zu einem zivilen Kurs zu ersteigern. Davon abgesehen ist das graphisch ein ziemlicher Heuler, und der geschwundenen Männlichkeit hilft das auch wieder zu Höchstform - toll! Heute habe ich mir ein paar Spiele "second-hand" gekauft und mußte leider feststellen, daß sie alle ziemlich lutschen. Allerdings habe ich mir auch zwei Spiele ausgeliehen, die wirklich eindrucksvoll waren. Das eine nennt sich "Silent Hills 2" und ist eine Art Noir-Adventure, für das man eine Menge Zeit mitbringen muß. Die Grafik ist auch hier ein echter Hinkucker. Robert Z. (der mit mir Fußball geschaut hat) war auch sehr beeindruckt. Den richtigen Kracher habe ich aber erst danach gestartet: "Grand Theft Auto". Das hat mich wirklich weggeblasen. Man muß da Autos klauen und irgendwo abliefern. Der Wermutstropfen, den mir dieses Spiel lieferte, war leider ein (vermutliches) Versagen meines Computers, denn die Grafik wurde irgendwann sehr surreal und lieferte nur noch bizarre Formen und Farben. Ich habe trotzdem weitergespielt, denn man braust da quer durch Miami und kann all das machen, was man sich im Straßenverkehr schon immer gewünscht hat. All die Impotenzsituationen, die einen echten Mann zu einem Un-Mann machen, können hier ausgebügelt werden. Der beste Fahrsimulator, den ich jemals gespielt habe, untermalt von exzellenter und vielfältiger Musik. Wenn die Polizanten auf einen aufmerksam werden, kann man blitzschnell die Kurve kratzen und Hinweisschilder, harmlose Passanten und Masten umbrezeln, wie es einem rechtens dünkt. Die Umgebung ist extrem realistisch gestaltet, und wenn der Motor Feuer fängt, springt man einfach aus dem Wagen und gibt Fersengeld. In punkto Vielseitigkeit in richtig tolles Spiel. Ob das nur an meiner unzureichenden Grafikkarte liegt, daß ich das nicht richtig spielen kann, weiß ich nicht, aber es hat auch so Spaß gemacht - ein richtiger Kicker! So, und jetzt gibt es noch einen Hinweis auf das Über-Übermorgen anstehende "Besonders wertlos"-Filmfestival in Bochum, zu dem ich hier einiges geschrieben habe...

180604

Der vorgestrige Tag war fußballtechnisch nicht wirklich ein Brüller: Die sympathischen Griechen haben ein Unentschieden gegen die Spanier herausgeholt. Die Portugiesen haben erwartungsgemäß die Russen geputzt und aus dem Wettbewerb geworfen. Das 2:2 der Kroaten gegen die unverständlich mauen Franzosen gestern war da schon etwas knackiger. Der Sieg der Engländer über die Schweizer wurde durch den Umstand getrübt, daß ausgerechnet der liebe Torwart Stiel wieder als das Gegenteil von "Hans im Glück" auftrumpfte und ein Doofie-Tor eingeschenkt bekam. Heute schmissen die Dänen die Bulgaren aus dem Wettbewerb (no surprise there). Am Abend, als ich mich mit Sailor RIP und seiner Monika zum traditionellen Vor-Buio-Omega-Beisammensein traf, traten wesentlich stärkere Italiener auf, die es allerdings mit wirklich guten Schweden zu tun bekamen. Das bislang erinnerungswürdigste Tor der EM schoß zum finalen Unentschieden Ibrahimovic, denn er beförderte den Ball rücklings mit der Hacke ins Tor - unglaublich! Glück war mit dabei... Aber verdient war es allemal. Zur Unterhaltung hier eine großartige Sammlung von tollen Zitaten, die von Spielern und von Moderatoren stammen - da kann man lange stöbern und grinsen! Zu einem Film kamen wir nicht mehr, da Sailor uns mit der ihm eigenen Dominanz dazu nötigte, auch den Rest der Spielberichte bis zur Neige auszukosten. Dabei mißfiel mir besonders das Zusammenspiel der beiden Reizfiguren Steinbrecher und Eugen Strigel. Was für einen Dialekt spricht der Strigel eigentlich? Ist das schlejsisch? Und warum packt ihn der Steinbrecher nicht auf das Knie? Aber man soll ja nicht meckern. Danach führte mich Sailor RIP noch in die große bunte Welt der Computerspiele ein. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was für Veränderungen die Welt in den letzten Jahren so durchlaufen hat. Als Kind hatten ich und meine großen Geschwister eine Atari-Spielkonsole, die ein Ur-Telespiel ablöste, wo es lediglich zwei Striche gab, zwischen den ein piepsender Punkt hin und her befördert wurde. Bei Atari gab es ja schon primitive Versionen solcher Automaten-Standards wie "Space Invaders", "Asteroids" oder "Defender". Toll fand ich auch "Adventure", wo man irgendwelche Schlüssel in irgendwelche Burgen bringen mußte. Zwischendurch wurde man von Drachen angesprungen, die so ähnlich (und so bedrohlich) aussahen wie stilisierte Seepferdchen und elektronische Gröhllaute ausstießen. Wenn man im Bauch der Drachen landete, war man tot. Mir waren die Schlüssel und die Schätze bald egal - ich vertrieb mir die Zeit damit, die Drachen in den Burgen einzusperren. Das ging ganz einfach: Drachen reinlocken, Schlüssel reinschmeißen - kriegt keine Sau mehr auf! Das verschaffte mir immer ein rätselhaftes Gefühl der Befriedigung... Nach der Atari-Konsole bekam ich mit dem berühmten Commodore 64 meinen ersten Computer, den ich aber niemals zur Datenverarbeitung nutzte. Ich daddelte nur dumm mit dem Joystick herum. Da gab es viele Spiele, die mich sehr kickten. Es gab so ein Ding namens "Paperboy", wo man als Zeitungsjunge auf seinem Fahrrad einherschraddelt und seine Ware in Hauseingänge schmeißt. Hunde kläffen herum, wie das so ihre Art, aber der Zeitungsjunge bewährt sich auf dem Schlachtfeld des Alltags. Ich erinnere mich an ein schönes Olympia-Spiel, wo man etwa beim Stabhochsprung seinen Joystick wie ein Bekloppter hin und her wackeln mußte. Von außen muß das hübsch bestußt ausgesehen haben, aber das ist beim Sex ja nicht anders. "Donkey Kong", "Pac Man" und ähnliche Sachen gab es ebenfalls in mannigfaltigen Variationen. Ganz toll fand ich als junger Gore-Bauer natürlich "Infernal Runner", bei dem rote Kaskaden quer durch die Küche schossen, wenn man als Indiana-Jones-Verschnitt auf den Spießen landete. Auch "Castle Wolfenstein" spielte ich mit großer Begeisterung und drang beherzt ins Nazi-Hauptquartier ein. Wann immer ein Wachtposten meinen Weg kreuzte, setzte es ein "Schweinehund". Das fand ich irgendwie niedlich. Keine Ahnung, warum diese Urfassung aller Ego-Shooter solchen Staub aufwirbelte. Als Kind spielte auch ich "Räuber & Gendarm", und es flogen dort die blauen Bohnen bzw. grünen Erbsen. Wenn ich selber Kinder hätte - würde ich denen Erbsenpistolen kaufen? Vermutlich nicht, aber nicht aufgrund der moralischen Bedenken, sondern weil ich nicht möchte, daß mein Ballerbalg als Zyklop sein Dasein fristet, weil ihm eine Göre mit einer getrockneten Hülsenfrucht den Augapfel raubte. Der spielerische Umgang mit dem Tod gewinnt natürlich im Computer-Zeitalter ungesunde Professionalität, aber ernst genommen hat das damals keine Sau. Böse Menschen schicken ihre Kinder in Kriege, wo sie dann echte Familien entbeinen. Das ist dann noch ein annern Schnack, wie man in Bremen sagen würde. Zu einem bestimmten Zeitpunkt verlor ich die Lust am Gedaddel, und mein C-64 verrottete. In der Zwischenzeit erfuhr ich so einiges von sogenannten Ego-Shootern und hielt das dann immer für eine virtuelle Methode, sich selbst zu entleiben. Auch schnappte ich so hier & da Informationen darüber auf, daß die Graphiken sich wohl etwas verbessert und die Komplexität der Spiele in andere Dimensionen vorgestoßen sein sollen. Heute zeigte mir Sailor RIP einen Ego-Shooter namens "Far Cry", und, äh - da hat sich wirklich einiges verändert! Wachsen die Kiddies heute wirklich mit solchen Spielen auf? Wenn ja, dann gewinnt MATRIX in der Tat eine neue Dimension für mich... Es geht da um eine Mission, die man auf einer abgelegenen Insel zu erfüllen hat. Der Bildschirm zeigt das Geschehen aus subjektiver Sicht, aber auf so perfekte Weise, daß man sich fast als Hauptfigur in einem Film wähnt. Das Wasser kräuselt sich anmutig, wenn man Steine hineinschmeißt, und die Schatten bewegen sich absolut authentisch. Jeden Gegenstand kann man anfassen, bewegen, umschmeißen, und was die Bewegungsabläufe angeht, so war das von meinem täglichen Gang zum Bäcker kaum zu unterscheiden. Beim Bäcker warten für gewöhnlich keine Killer auf mich - das passiert nur äußerst selten. Bei diesem Spiel gibt es einigen Ärger, und geballert wird viel. Auch war da ein anderes Spiel namens "XIII", das ein Attentat und die darauffolgenden Querelen zum Thema hat, wenn ich das jetzt richtig mitbekommen habe. Die Graphik war dort eher mangaesk, aber ebenfalls ein echter Kracher. Eine sehr wesentliche Entdeckung, die ich dabei machte, war, daß die Ballerspiele von heute offenbar in eine Handlung eingebettet sind, in eine Narrative, deren Verlauf man teilweise selbst bestimmen kann, der man sich ansonsten aber zu beugen hat. Das finde ich etwas schade. Wäre ich im Besitz eines solchen Spiels, würde ich mit Sicherheit keine klar definierte Mission erfüllen wollen, sondern mich in dieser täuschend echten virtuellen Welt bewegen und Schindluder treiben. In "Far Cry" würde ich z.B. statt mit Kugeln mit den dort ebenfalls ansässigen Schweinen auf die Aggressoren zielen. Kann man die Schweine füttern? Das würde ich sogar noch lieber, denn ich liebe Schweine! Sind solche Spiele gefährlich für Kiddies? Das sind sie bestimmt, zumindest für sozial desorientierte. Mir ist aber wieder einmal zu Bewußtsein gekommen, daß selbst solche täuschend echt nachgebildeten virtuellen Welten nur so gefährlich sind wie der Gipskopf, der sich in ihnen bewegt. Daß der Erfurter Killer Robert S. gerne "Gegenstreich" gespielt hat, glaube ich unbesehen, aber seine pathologische Entwicklung ist mit Sicherheit nicht auf das Spiel zurückzuführen gewesen, sondern auf gesellschaftliche Mißbildungen und eine Überforderung seiner Eltern. Der 16-jährige Killer in Bad Homburg hatte eine riesige Hakenkreuz-Flagge über seinem Bett hängen, und seinen Eltern ist nichts Absonderliches aufgefallen? Na, das ist doch ganz einfach - einfach den Nachfahren des gefräßigen Pac-Man die Schuld geben, und alles ist in Butter! Hat Pac-Man Robert und dem Homburger die Wummen besorgt? Hat "Far Cry" ihnen gezeigt, wie man damit umgeht? Ist ihnen in Schloß Wolfenstein beigebracht worden, wie wenig ein Menschenleben zu respektieren ist, oder ist das eher in der wirklichen Welt passiert? So leid es mir tut, aber auch nach meinen neuen Erfahrungen im Bereich der Computer-Killerei kann ich nicht umhin, die Verantwortung beim generellen Werteverlust und beim generellen Desinteresse der verantwortlichen Instanzen zu suchen. Wir werden mit Krieg und mit zynischer Politik zugekübelt. Da fällt es selbst Erwachsenen schwer, den Überblick zu bewahren. Wer geradeheraus lügt und wer bei der gutgemeinten Vertretung seiner Ideale strauchelt, ist schon gar nicht mehr das Thema. Wenn die Eltern es nicht schaffen, den Kindern ein Gefühl für Liebe und für Respekt einzutrichtern, müßte es eigentlich der Staat. Aber in Form von Uniform und Restriktion wird das kaum gelingen. Da greift man als Heranwachsender eher zu grenzdebilen Gangstarappern, die von "respect" schwafeln und ihre Frauen-Versionen als Kunst-Titt-Nüttchen präsentieren. Das ist so sehr Respekt wie die "Ehre" der Mafia, aber den Kiddies wird´s recht sein. Gewaltverarbeitende Medien sind sicherlich Gift in den Augen und Ohren einiger weniger, aber es ist halt leichter, zu verbieten, als eine grundsätzliche Wertedebatte plausibel zu vermitteln. Wenn ich böse Spielfiguren kille, dann geschieht dies aus demselben Impetus, der auch soliden Staatsbürgern in bestimmten Bereichen der Erde (z.B. Texas) ein Gefühl von Gerechtigkeit gibt, wenn etwa die Todesstrafe ausgeübt wird. Dort werden allerdings echte Menschen gekillt, genau wie im Irak, in Afghanistan oder auf dem Balkan. Das ist ein Unterschied. Ich werde virtuell mit Schweinen beschmeißen, wen ich will. Es ist unsere Sache, den Kindern klarzumachen, daß ihnen Repressalien und Verachtung der Mehrheit drohen, wenn sie in der realen Welt böse Menschen mit Schweinen beschmeißen. Wenn sie nicht in der Lage sind, den Unterschied zwischen der realen und der virtuellen Welt zu erfassen, ist das nicht die Schuld der Medien. Das ist die Schuld der Leute, die uns "saubere" Kriege vorgaukeln, während hierorten hanswurstene Vollspackos zum Volksgaudium Spinnen und anderes Ungeziefer über den Dez gekippt bekommen. Während polnische Frauen ihre künstlichen Brüste kneten, damit Hanseln allerorten denken, sie seien die Stecher der Saison. Da ist ganz woanders das Kind in den Brunnen gefallen. Und es ist nicht mit simplifizierten Vorstellungen wieder herauszuholen.

Das alles habe ich aber nicht gedacht, als mir "Far Cry" vorgeführt wurde. Da habe ich nur gedacht: "Boah, geile Graphics! Ob man auch mit Schweinen schmeißen kann? Ob man sie zum Spaß in Kisten einsperren und sie dann wieder rauslassen kann? Ob man sie an den Borsten kitzeln kann?" Mir wurde dann noch ein Spiel vorgeführt, das mir als das Nonplusultra an Autofahr-Simulation vorkam, aber vermutlich schon wieder veraltet ist. Ich bekam einen Eishockey-Simulator zu sehen, der so perfekt war, daß ich mich fast für den Sport zu interessieren begann. Um Euer aller Desorientierung voranzutreiben, möchte ich ein Spiel verlinken namens "Asshunter", in dem ein frommer Jägersmann durch den Dschungel pilgert. Dabei wird er immer wieder von nackten Männern angegriffen, die ihm, wenn er sie nicht umballert, die Rosette versilbern. Ich fand diese Bebilderung homophober Angstfantasien schockierend und zutiefst verstörend. Man sollte darauf achtgeben, daß man die herumliegenden Patronengurte aufhebt und per "Strg"-Taste zum gegebenen Zeitpunkt nachlädt, sonst ist man im wahrsten Sinne des Wortes gefickt. Ebenfalls ganz schlimm ist das Spiel "Disorderly", in dem es darum geht, Senioren im Altersheim zu bekämpfen. Das kann es nicht sein, was Schirrmacher in seinem neuen Buch gemeint hat mit der Alterspyramide - ein falscher Ausweg aus einem dräuenden Engpaß! "Pico´s School" erzählt als Action-Adventure die Abenteuer eines kleinen Buben, dessen Schule von satanistisch orientierten Grufties zerstört wird. Er muß die Miesnike besiegen. Mir ist das sogar gelungen, aber es dauerte ein wenig. Ganz toll finde ich das Spiel "Alien Hominid", bei dem sich ein Alien gegen FBI-Männer zur Wehr setzen muß. Das Spiel besticht durch seine psychedelische Vielfalt an Formen & Farben. Durch irrwitzig schnelles Betätigen der Cursor-Tasten und der Tasten A, S und D kann man lernen, was das Alien alles vermag, um sich zu wehren. Ein Kracher! Ganz drollig ist auch "Mad Shark", in dem es darum geht, Taucher zu verzuppeln, die das ökologische Gleichgewicht des Ozeans bedrohen. Für Fans des von mir sehr geliebten FINDET NEMO (eines der besten Enden der Filmgeschichte!) ein Muß. In "The Hulk: Smash Up" kann man als grünhäutiger Tausendsassa große Gebäude vernichten. Dem wohnt ein gewisser kathartischer Effekt inne. Und - damit jetzt nicht nur Brutalo-Spiele den Weg dieser Seite säumen - ein Spiel, in dem es darum geht, eitrige Pickel zu zerdrücken: "Acne Be Gone". Gibt es eigentlich eine Porno-Variante von FINDING NEMO mit dem Titel FISTING NEMO? Das möchte ich gar nicht wissen! Morgen ist Club, wir haben jetzt fast vier Uhr morgens, ich muß in sieben Stunden auf der Bühne stehen - Nächtle, meine Lieben...

150604

Ich habe bislang noch gar nichts zur Fußball-EM geschrieben! Also, Fußball-EM: Heute abend bin ich nach oben gegangen, um mit einem bekannten Filmbuchautor (und seit neuestem auch Grünen-Beisitzer!) die deutsche Schmach zu bezeugen. Seit dem 1:5 gegen Vlad Dracul wartete ich ja mit einem gewissen perversen Kitzel auf das Großereignis, denn ich mutmaßte, der deutschen Nationalmannschaft würde es in etwa so ergehen wie diesem Männchen. Als ich nach oben kam, stöhnte Robert gerade: "Völler hat einen Sockenschuß - EINE Spitze!" In der Tat - psychologisch gesehen hielt ich das für eine Wahnsinnstat, und die ersten 10 Minuten schienen uns Recht zu geben. Dann aber passierte etwas, mit dem ich eingestandenermaßen nicht gerechnet hätte: Die Deutschen spielten richtig gut! Und zwar gegen Niederländer, die mit dieser defensiven Taktik augenscheinlich ganz & gar nicht zurechtkamen und herumstolperten, als würde da ein neuer Gesellschafttanz eingeübt. Frings erzielte dann das 1:0 (und zwar verdient!), wonach unsere sympathischen Nachbarn endgültig zusammensackten - das war nicht schön mitanzusehen. In der zweiten Halbzeit hatten sich die Spieler des Mannes, den sie Dick Advocaat nannten, hinreichend regeneriert, um hier und da für kleine Furörchen zu sorgen. Das 1:1 kam dann doch als ziemliche Überraschung und wurde zumindest für mich dem Spielverlauf in keinster Weise gerecht. Danach gaben die Niederländer allerdings Vollgas und spielten so gefährlich, wie ich das eigentlich von Anfang an erwartet hätte. Da hätte durchaus auch noch das Siegtor fallen können. Insgesamt bin ich mit dem Unentschieden vollauf zufrieden, wenngleich ich den TV-Leuten, die danach versuchten, das Ergebnis harmonischer zu gestalten, absolut wiederspreche: Das 1:1 war für die Niederländer überaus schmeichelhaft! In jedem Fall muß ich Völler & Skibbe Abbitte leisten - sie hatten scheinbar recht mit ihrer taktischen Maßnahme. Die Mannschaft spielte sehr zufriedenstellend, passagenweise sogar souverän. Das war eine schöne Vorstellung, und da die Tschechen heute nur sehr glücklich gegen die Letten gewonnen haben, rechne ich Alemania jetzt gute Chancen aus, in die nächste Runde einzuziehen... Was gab´s sonst noch? Das Auftaktspiel mit dem Sieg von Otto Rehhagels Griechen über die Gastgeber war natürlich eine saftige Überraschung, der bisherige Humor-Preis geht an den Schweizer Torwart Stiel für seine stilvolle Parade eines von ihm unterschätzten Balles, und der absolute Kracher war natürlich England gegen Frankreich - so ein Spielende sieht man nur alle Jubeljahre mal. Fußballerisch gefallen mir persönlich ja die Briten am besten, weswegen ich auch etwas mit ihnen mitlitt, aber Frankreich ist sicherlich auch okay. Italien schaffte nur ein trostloses 0:0 gegen knackfrische Dänen, die eigentlich den Sieg verdient gehabt hätten. Und den Auftakt für die Bulgaren kann man mit Fug & Recht als mißlungen bezeichnen - siehe auch den Link zu Beginn dieses Eintrages! Schließen möchte ich mit einem zutiefst asozialen Link, in dem einer Katze übelst mitgespielt wird - schlimm! Außerdem gibt es aus der "Filmklassiker in 30 Sekunden, nachgestellt von Hasen"-Reihe einen dritten Teil. Und damit es auch etwas Kultur gibt, hier noch ein Link zu meinem Tagebucheintrag zu Tim Burtons neuestem Opus, BIG FISH. Ist er so schlecht geworden wie PLANET DER AFFEN? Na? Auch nachzulesen sind meine Impressionen zu Filmen wie Michael Bays BAD BOYS oder dem Sleaze-Klassiker DAS SÖLDNER-KOMMANDO. P.S.: Am nächsten Samstag lacht wieder die Sonne über Gelsenkirchen-Buer: Der "Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega" öffnet seine Pforten und präsentiert das Doppelprogramm "Lichtschutzfaktor 69". Zu sehen sein wird diesmal ein schöner SF-Horror-Film von 1977, in dem ein amerikanischer Schmelzmann fröhlich herumsplattert. Außerdem gibt es einen seltenen Italowestern, der von Maestro Sergio Corbucci stammt. Die Tatsache, daß es sich dabei um eine Komödie handelt, sollte nicht überbewertet werden, denn an Zynismus und Grobheit ist der Film nicht zu überbieten. Tomas Milian und der Filmgelehrte warten auf Euch! P.P.S.: In der Woche darauf setzt es das "Besonders wertlos"-Filmfestival in Bochum, auf das ich noch gesondert hinweisen werde.

110604

Tadel

(Gefunden auf www.mehrzweckbeutel.de)

Ich habe auch gerade einen Toaster ausgepackt und gepicknickt, wenn auch in meinem vom unermüdlichen Sonnenbeschuß unbillig aufgeheizten Wohnzimmer! Heute war der erste Tag, an dem ich den Ventilator exhumiert habe, der mir schon die letzten 5 Jahre über treue Dienste geleistet hat. Auf richtig krachige Gewitter - die ich ja sehr liebe - warte ich bislang noch vergeblich. Stattdessen wimmelt die Gegend vor bauchfreien Prollinen und Prolletten zumeist minderjährigen Alters. Man verstehe mich nicht falsch: Der Staatsanwalt braucht bei mir nicht den Daumen draufzuhalten, denn wenngleich ich Frauenbäuche im allgemeinen durchaus schätze, so geben mir die solariumsverkokelten Speckhügel, die hier herumgereicht werden, schwerlich Material zum Meditieren. Außerdem finde ich, daß die flanierenden Pipimädchen davon absehen sollten, sich den Bauchnabel piercen zu lassen. Alles klar, das sieht schon volle Kanne gefährlich aus, vor allem, wenn hinten ein Arschgeweihtattoo aus der hellblauen Jeans herausragt und an den Oberarmen diese merkwürdigen Ringmuster zu sehen sind, die schon Michelle Hunziker nicht aus der transzendentalen Obdachlosigkeit herausgeholfen haben. Die "blaue Banane" (=Delphintattoo) auf der Pobacke gibt es dann zum 18. Geburtstag dazu - schudder! Warum wollen die Pipimädchen nur, daß man sie für "natural born killers" hält? Das beißt sich doch mit den Zahnspangen, den Piepsestimmchen und dem durchdringenden Nivea-Geruch... Außerdem finde ich die Neigung der hiesigen Frauen zur pubertären Dickleibigkeit lamentabel. Zellulitis schon mit 15? Ist daran die Zuckerbrause schuld, oder sind es die wilden Drogenexzesse? Schwabbelnde Oberarme sind auch nicht fescher, wenn zünftige "tribals" darauf herumwabbeln. Wenn man schon früh verfettet, dann sollte man wenigstens zufrieden und selbstbewußt damit aussehen, nicht gefallsüchtig und anbiedernd. Wenn schon Tattoos, dann doch was Ordentliches. Dieses Minnelied z.B., das der Lastwagenfahrer in dem einen Comic von Walter Moers auf dem Arm hat. Das rockt! ("Ist jemals ergreifender um die Gunst einer Frau gebuhlt worden?") Ich hatte heute Gelegenheit, so manche Lastwagenfahrertattoos zu bestaunen, denn als ich zu meim Schönliebchen fuhr, um mit ihr einen Abend in trauter Eintracht zu verbringen, motzte mein Wagen. Die Temperaturanzeigenadel wanderte nach oben, überquerte die 100er-Grenze und drang in den roten Bereich ganz rechts ein, wo sie schließlich am Ende der Anzeige ausharrte. Ich fuhr dann mal rechts ran, denn nach einem putten Kühler stand mir nun doch nicht der Sinn. Ich fand einen schönen Parkplatz kurz vor der A 43 und rief per Münztelefon beim ADAC an. Und während ich bisher nur Loblieder über diese segenspendende Organisation zu singen vermochte - heute ließ sie mich leider im Stich: The Dark Side of the ADAC... Die Mamsell, die mein panisches Gedruckse aufnahm, wußte nicht so recht, was sie mit meinen Ausführungen anfangen sollte, trotz ihrer kristallklaren, unmißverständlichen Natur. Es war 21.50 Uhr. So langsam begannen sich die Schatten der Nacht auf mich niederzusenken. Ich wartete und wartete. Bald latschte ich erneut zur Telefonzelle und rief bei meiner Freundin an, daß ich wohl nicht rechtzeitig erscheinen würde. Ein Blick in meinen Geldbeutel: Nur noch 1- und 2-Euro-Stücke. Ein Blick in meine Zigarettenschachtel: Nur noch zwei Fluppen. Ich trödelte also etwas neben meinem Automobil herum. Dann fing es auf einmal an, wie aus Kübeln zu gießen. Ich stand gerade etwas abseits und war pitschnaß, als ich den Schutz meines Opels erreichte. Zitter, bibber. Als gegen 23 Uhr noch niemand da war, rief ich erneut bei Onkel Adac an. Eine Nachfrage beim für meinen Fall eingeteilten Fachmann ergab, daß er auf dem Wege sei und in maximal 15 Minuten bei mir. Ein paar glatzköpfige, muskelbepackte Brummifahrer hatten ihre mit russischen Kennzeichen ausgestatteten 7,5-Tonner neben mich geparkt. Direkt vor mir stand ein ebenfalls glatzköpfiger Brummifahrer, der aber eher hiphoppig aussah und mich nur mit griesgrämigem Desinteresse musterte. Ich wartete weiter. Gegen 23.50 Uhr rief ich erneut beim ADAC an. Diesmal bekam ich eine Frau, die mir beschied, daß die Techniker angeblich bereits vor Ort gewesen seien, nur halt ganz woanders. Ich jaulte innerlich und gab erneut meine Position kund. Die Telefondame versuchte nun, mich davon zu überzeugen, daß da gemäß den ihr vorliegenden Karten in meiner Umgebung keine A 43 existierte. Hier wurde es surreal. Es kam zu ersten Realitätsverlusten bei mir. Ich bestand ehern darauf, daß ich diese Strecke andauernd zu meiner Freundin fahre, und sollte die A 43 auf einmal verschwunden sein, so stecke bestimmt Al Kaida dahinter. Die Telefonmamsell hatte keinen Humor, wühlte aber mutig weiter in ihren Unterlagen. Es regnete ohne Unterlaß. In einer Pladderpause vertrieb ich mir ein wenig die Zeit und schoß mit Selbstauslöser ein paar Fotos von mir, wie ich vollkommen abgetörnt an besagter Raststelle warte. Um ca. 1 Uhr kam dann endlich der ADAC-Mann und schleppte mich ab, zurück nach Hause. Wie sich herausstellte, war er nicht richtig vorangekommen, weil ausgerechnet heute natürlich das fette Metallica-Konzert in der Schalke-Arena war, wo auch Robert und Bettina hingefahren sind. Kein Durchkommen. Ich gratulierte mir zu dem brillanten Timing. Morgen gehe ich wieder zu der Werkstatt, wo ich bereits viele neue Freunde gewonnen habe. Der Chef dort sieht exakt so aus wie Trainer Finke von SC Freiburg. Jetzt gehe ich nach Bett - Nächtle!

Reifenzeugnis

Gewinner sehen anders aus.

060604

Jetzt, wo ich dies schreibe, läuft auf dem von mir selten frequentierten Sender "Super RTL" eine Sendung, die so unglaublich stulle ist, daß ich sie unbedingt erwähnen möchte! Da sitzen zwei merkwürdige computergenerierte Pannekoken, die etwas an Terrance & Phillip aus SOUTH PARK erinnern, auf Sofas herum und plappern mit Computerstimme alles nach, was man ihnen per SMS hereindiktiert. Da sich kein Redakteur freiwillig die Nacht um die Ohren schlägt, um diesen Unfug zu beaufsichtigen, herrscht da scheinbar völlige Narrenfreiheit. Trotzdem besteht der Großteil der Nachrichten aus Sachen wie "Moni, ich liebe dich, dein Bärchen" oder "Keule, Schalke ist der beste Club der Welt, Attacke!" Dazu muß man sich vermutlich tausend mal tausend Techno-Kiddies vorstellen, die bedrogt vorm Fernseher sitzen und kichern. Warum schreiben da nicht Leute mal Dinge, die sich wirklich anbieten, z.B. Obszönes oder Wirres. "Plumpsackman aus Funky Castrop-Rauxel leckt an seinem Speiseeis und sinniert über den Vaginalsulz von seiner vor zehn Jahren verstorbenen Großmutter." Funky Plumpsackman kommt aber leider nicht zu Wort, nur langweilige Nulpen. Auch schön wäre: "Satan, ich bin deine Brut. Dein Max Schautzer." Oh, jetzt hat die Computerstimme "Arsch" gesagt - hui! Phat & gewagt, würde ich mal meinen... Wenn mir jemand auf so einem Wege eine Liebeserklärung übermitteln würde, würde ich dem voll in die Schnauze hauen! Die "Air"-artige Hintergrundmusik ist aber hinreichend larifari, daß ich sie gut im Hintergrund vertragen kann, bis der Sturm von dem de la Hoya die Luke vollbekommt... Gestern habe ich eine kulinarische Revolution bewerkstelligt und mir ein Omelette gemacht! Da ich bislang des Kochens völlig unkundig war, kommt das einer mittelschweren Sensation gleich. Cora hat mir neulich gezeigt, wie das geht. Da blieb dann natürlich noch abzuwarten, ob ich das jemals selber nachmachen würde, aber gestern war´s soweit, und was soll ich sagen - es hat Spaß gemacht und erwies sich als sättigend! Die Hühnerembryonen wurden von mir mit ausgesuchten Kräutern der Provence beworfen und ferner abgeschreckt durch fetten Pfefferterror. Als kostenlose Zugabe gab´s noch ein dickes Spiegelei obendrauf. Heute mußten die nächsten Freilandeier dran glauben. Mal schauen, ob ich mir in den nächsten Wochen den Reichtum der Hautkusine meines Heimatlandes erschließe. Ist ja schon irgendwo doof, wenn man eine riesige Küche zu seinen Besitztümern zählt und dann nichts damit anzufangen weiß... Als kleinen Webtip (die neue Rechtschreibung kann mich an die Klöten lutschen!) möchte ich ein Anti-Bush-Spiel anbieten, das mich sehr amüsiert hat. Es handelt sich um dezidiertes Propagandamaterial, das am Schluß einen Link zu John Kerrys Website bereithält und offensichtlich von Demokraten gesponsert wurde. Dafür ist es allerdings bemerkenswert lustig und asozial. Hulk Hogan, Mr. T und He-Man treten gegen das Bush-Imperium und seine reichen Freunde (dargestellt von grunzenden Schweinen) an und durchlaufen eine wirklich eindrucksvolle Vielzahl von Schauplätzen, wo Infos über "Dubyas" diverse Schwachmatismen geliefert werden. Zwischendurch muß auch geballert werden, u.a. gegen Geldgöre Paris Hilton und die neuesten Manga-Killmaschinen von Rumsfeld, Cheney & Co. Der Weg führt durch das Haushaltsdefizit und die ihrer Infrastruktur beraubten Industriestädte bis in den Irak. Schön auch der Abstecher zu den Bermudas, wo sich  bekanntermaßen Möglichkeiten zu Steuerschmuh ergeben. Nebenbei kann man einige Mitstreiter aufnehmen, u.a. Michael Moore, Jesus und (etwas überraschend) Parade-Soldatin Jessica Lynch! (Wie schon gesagt, die Jungs, die das Spiel gebastelt haben, hatten Humor...) Da es sich in erster Linie um Info-/Propaganda-Material handelt, kann man sich, wenn man möchte, jederzeit wiederbeleben und weitermachen. Ich habe das Ding ganz durchgespielt und fand´s nett.

So, abschließend möchte ich noch einen traurigen Umstand festhalten: Am gestrigen Tag ist der aus unzähligen Exploitationfilmen bekannte Anthony Steffen (bürgerlich: Antonio de Teffè) in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Der Sohn eines brasilianischen Diplomaten italienischer Herkunft begann seine Karriere als Schauspieler Mitte der fünfziger Jahre in Filmen prestigelastiger Regisseure wie Francesco Maselli, Gianni Puccini und Leopoldo Trieste. Gleichzeitig zeigte er sich als dem Unterhaltungskino durchaus nicht abgeneigt und arbeitete mit Riccardo Freda, Lucio Fulci und Renato Polselli zusammen. In den Sechzigern machte er sich einen Namen als Schauspieler in Italowestern, wo seinen leidensbereiten Helden nicht selten übel mitgespielt wurde. Wenn er seine schmalen Lippen zusammenkniff und die Funken aus seinen Augen sprühten, dann wußte man einfach, daß seinen jeweiligen Gegnern kein übermäßig langes Leben beschieden sein würde! Zu den wirklich großen Regisseuren konnte er nie ganz vorstoßen - seine Filme blieben meistens im Bereich der B-Ware. Trotzdem ist er den Fans dieser Filme fest ans Herz geschweißt und gehört zu den großen Ikonen des Genres! Als der Siegeszug des Westerns abebbte, tauchte er besonders häufig in Giallo-Thrillern auf, unter denen speziell der horrorlastige DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN hervorsticht. Manche Leichen mag man vergessen - Anthony Steffen hingegen hat seinen wohlverdienten Platz in der Herzgrotte von Italoploitation-Liebhabern in der ganzen Welt.

Anthony Steffen

R.I.P.

020604

Im Alter von ungefähr 20 Jahren hielt ich mich in Südamerika auf. An diesen Umstand erinnerte ich mich, als ich heute meinen Text zu COLLATERAL DAMAGE verfaßte. Ich hatte damals Gelegenheit, die alte Inka-Stadt Machu Picchu zu betreten, fischte einen Piranha auf dem Amazonas und bot meinen Körper feil in Rio de Janeiro. (Naja - genaugenommen latschte ich da nur dumm rum!) Ich schraddelte in einem Hubschrauber über die breitesten Wasserfälle der Welt (in Iguacu, ohne eine Seitentür, fast in Schräglage!) und fuhr in einem TUI-Reisebus quer durch eine religiöse Prozession in Cuzco. Da ich neulich über ein paar Fotos aus jenen Tagen gestolpert bin, will ich hier mal drei davon zeigen. Neben dem obigen (am Amazonas, nahe Iquitos) sind das die hier:

Machu Picchu

Hier seht Ihr eine 20-jährige Inkarnation von mir dumm grinsen an einem der sogenannten Pillersteine ("piedras de pimel"), auf denen die alten Inkas die jungen Inkas dem fürchterlichen Gott Huitziloplotzli geopfert haben. Das gab immer ein Riesenbohei.

Die Rache der Kannibalen

Hier seht Ihr mich am Drehort von "Die Rache der Kannibalen". Ich bin der in dem gelben T-Shirt links. Mein Vater kann von Lesern mit guten Augen im Gewimmel vor der Hütte ausgemacht werden. Die drei nackten Bälger wurden in der Hütte später gut zubereitet - ein Sonderservice der Reisefirma. Außerdem huldigten wir dem Gott Quetzalcoatimundi, der für den Nahverkehr und den Angelsport zuständig ist.

Neben diesen ethnologischen Leckerbissen kann ich nur vermelden, daß in der nächsten "Splatting Image" ausnahmsweise mal kein Text von mir enthalten sein wird, da ich derzeit wieder an meinem Kriminalroman feile. Stattdessen wird aber ein Interview zu lesen sein, und zwar mit der ebenso rothaarigen wie bezaubernden Dagmar Lassander. Die bekommt in DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER einen spitzen Stock in den Hals, aber wahren Italo-Aficionados wird sie auch aus weniger akut lebensbedrohenden Rollen bekannt sein. Was gibt es sonst noch zu sagen? Die Nachrichtenpresse gibt ja recht wenig her. Zu der Posse um Kaplan ("Der Kaplan klebt Papp-Plakate an") habe ich neulich ja schon mal Worte verloren, die so weise und wohlbemessen waren, daß ich sie prompt wieder gelöscht habe. Ich möchte meine Leser auch nicht mit jedem Privat-Gebelfer behelligen, das mir die Bierlaune vorgibt. Es kann auch sehr leicht passieren, daß man in die falsche Richtung verstanden wird. An der Tanke habe ich neulich einer Diskussion beigewohnt, die die Kassiermamsell mit einem unrasierten Proletarier führte, der mit einem fleckigen Trainingsanzug bewamst war. Es ging um die neuesten Kinderschänder-Schlagzeilen in der BILD. Ich wollte ja eigentlich nur Zigaretten und ein Cornetto Erdbeer. Der Trainingsanzug meinte daraufhin: "Jaja, unter Adolf hätte es das nicht gegeben!" Das war irgendwie niedlich - ich dachte, solche Leute gäbe es nur in der Polit-Polemik. Ich hätte daraufhin natürlich sagen können, daß es unter Adolf auch solche Leute wie ihn nicht gegeben hätte, aber meine Schlagfertigkeit schwieg, und eigentlich wollte ich ja auch nur Lullen und ein Eis. Meine Schlagfertigkeit war - soweit ich mich zurückerinnern kann - überhaupt nur einmal zur rechten Zeit am rechten Ort. Damals latschte ich in einem Zugabteil herum und wollte durch die Tür. Ein herumkaspernder Teenager hieb mir dabei mit weitausholender Geste mitten auf den Schwanz. Große Verdatterung seinerthalben war die Folge. Da es nicht wehgetan hatte, meinte ich nur: "Macht nichts, ich habe zwei davon!" und ging weiter, was zu einem meiner seltenen Lacherfolge führte. Normalerweise fällt einem so was ja nur ca. 1 Stunde später ein. Ebenfalls brenzlig war jene Situation bei einem befreundeten Videothekar. Mit dem geriet ich ins Quatschen über den Bremer Flohmarkt und beklagte mich darüber, daß dort immer soviele Polen ihre Waren verticken. Damit meinte ich eigentlich nur, daß für mich als der polnischen Sprache nicht Mächtigen die dort zu erstehenden Videokassetten weniger zum Jubel anregen als etwa alte Toppics oder Greenwoods. Ein schnauzbärtiger Zeitgenosse mit maulkorbbewehrtem Hund meinte daraufhin: "Find´ ich auch echt toll, was die hier so alles bei uns reinlassen!" Auch dort habe ich geschwiegen. Mangel an Zivilcourage? Einsicht in die Notwendigkeiten? Ich weiß es nicht, aber Applaus von der falschen Seite zu bekommen, ist echt superleicht. In Internet-Foren habe ich jüngst noch einmal vorgeführt bekommen, was das effektiv bedeutet: Was Martin Walser unlängst in rhetorisch gewandter Form vorbrachte, wird allerorten gerne nachzelebriert. "Man darf das ja nicht sagen, ohne in die rechte Ecke gestellt zu werden!" lautet das Lieblingsargument. "To say what´s what" sagt der Engländer dazu. Man muß halt mal richtig Tacheles reden. Man muß alles rauslassen. Aus dem Herzen keine Mördergrube machen. Ich finde das super, wenn Mitmenschen so genau wissen, wo Thors Hammer hängt. Man darf sich von den blöden Kuffnucken auch nicht alles bieten lassen. Ich bin auch einmal von einem türkischen Mitbürger blöd angemacht worden. Der hat mich sogar gehauen. Allerdings kümmern sich die Türken auch um meine Haarfrisur, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar! Für weitere positive Belegbeispiele möchte ich einen freundlichen Videothekar namens Ümit anmerken (heißt das nicht "Hoffnung" auf türkisch?), der mal in meinem Beisein einige Kiddies zusammengeschissen hat, die mich blöd angequatscht hatten. Das war einfach super: "Ey, ihr da, kommt mal her!" Die kamen tatsächlich angewatschelt. Dann wurden die Kiddies von ihm zusammengefaltet, bis der Arzt kam. Zwischendurch hat er mich immer schelmisch angegrinst, um zu zeigen, wieviel Spaß ihm das macht. Am Schluß meinte er nur: "So, und jetzt haut ab!" Zum Thema Ruhrgebiet verriet er mir nur: "Och, eigentlich ist es hier okay, gibt nur zuviele Türken hier!" Und grinste. Tja, soviel Humor wünsche ich auch meinen reindeutschen Mitbürgern... :) Ansonsten habe ich mir bislang noch keine neue Geschlechtskrankheit eingefangen seit damals, als meine Nase sich grün verfärbte. Von Daniel Küblböck oder Dieter Bohlen gibt es auch noch nichts Neues. Die Sons of Tarantula geben ein Konzert in Wermelskirchen (Nähe Wuppertal), und zwar am 5. Juni im AJZ Bahndamm. Weiß noch nicht genau, ob ich da kann. Wird aber bestimmt wieder eminent seelenbedrohend. Wenn alles klappt, kommt ja auch noch der Bochumer Gig zustande. In Bochum habe ich gerade neulich ein Konzert der mächtigen Kassierer versäumt, wo fistenderweise die Folterfotos aus dem Irak nachgestellt wurden, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Der Kai hat mitgefilmt. Die Kassierer sind echt wunderbar. Im Bahnhof Bochum-Langendreer werden sehr bald auch die tollen Kanadier von Nomeansno zu sehen sein. Da werde ich definitiv dabei sein! Und meine Lieblingsband Alice Donut gibt sich auch die Ehre, im Zwischenfall, Ende Juni. Konzerttechnisch ist also alles im Lot. Der Rest fällt auch schon noch an die dafür vorgesehene Stelle.

010604 (Wiederholung)

Da ich in den letzten Tagen einige nette Links eingefügt habe, will ich die nicht so ohne weiteres verkommen lassen. Ebenso verweise ich noch einmal auf meinen Text zum neuen Wenzel-Storch-Film, an dem ich ein wenig mitgewirkt habe und der Ende Juni im Bochumer "Endstation-Kino" läuft...

- Tag der Arbeit: Ein richtig liebes Spiel, bei dem man als Punker durch Berlin laufen, mit Ziegelsteinen Scheiben zertöppern und Autos anzünden darf. Dabei flitzt man andauernd vor den Petermännern. Aufgrund seines kompletten Gewaltverzichts und seiner Akkordion-Dreivierteltakt-Untermalung ein echter Gewinner!

- War on Iraq: Sehr fies. Das blutrünstigste Online-Spiel, das ich überhaupt kenne, aber von entwaffnender Realitätsnähe. Man kann auf fromme Pilger ballern, auf Frauen und auf Kinder. Selbst die Leichen explodieren. Am Schluß setzt es Kommentare wie: "Du hast viel zu wenige unschuldige Zivilisten umgelegt! Was bist Du denn für ein Amerikaner?"

- Ant City: Perfekt zum Streßabbau für Misanthropen! Man ist ein Riese, der mit einem Vergrößerungsglas Leute abfackelt, die auf der Straße herumspazieren. Autos und Helikopter brennen ebenfalls gut, aber vor den Tanklastern sollte man sich hüten... Toll, da es überhaupt keinen Sinn macht und auf Punktezählung verzichtet wird.

- Murphy´s Law: Vertrackt! Man befindet sich in einer TV-Sitcom, wo man dem Familienvater in einer Küche soviele Unglücksfälle wie möglich in den Weg legen muß. Tip: Kaktus auf Stuhl, und Katzen brennen gut!

- Yeti Sports: Hier ist man ein Yeti, der diversen Schwachfug mit Pinguinen anstellt. Mit Abstand am besten gefällt mir Teil 3, wo man einen Pingo auf geschickte Weise in die Höhe feuern muß. Das rockt! Das Pinguin-Weitkloppen des ersten Teils hat auch eine Splattervariante. Außerdem sind auch die Happy Tree Friends mit ihrer eigenen Asi-Version am Start...

- Kindergarten Killer: Das ist nun wieder ein politisch höchst unkorrektes Spiel, bei dem man als geisteskranker Hausmeister zu wummernder Speed-Metal-Mucke reninente Killer-Kinder beseitigen muß. Schlimm...

- Michael Jackson Baby Drop: Hier schmeißt der beliebte Entertainer Säuglinge vom Dach eines Hochhauses. Man muß versuchen, sie aufzufangen...

- Pogo: Pogo ist kein Spiel, sondern eine Lebenseinstellung! Getreu dieses Mottos gibt es bei der Sache keinen Wettbewerb, aber man kann die ganze Möbeleinrichtung kaputtkloppen...

- Barb Jump: Hier muß man Seilspringen, und zwar mit Stacheldraht! Der Kindergesang ist echt psycho, und was da passiert, ist auch nicht direkt nett... Hoher Igitt-Faktor.

- Tobaggan Jump: Ein schönes Skischanzenspiel, bei dem man seinen Schlitten quer durch einen Reifen steuern muß. Sehr nette Soundeffekte, vor allem der Schwarzenegger-Sprecher!

- Crab Ball: Was ganz Harmloses zum Schluß: Zwei Krabben spielen Volleyball! Die kucken so lieb...

So, und noch ein paar Flash-Absonderlichkeiten:

- Das Tourettaphone: Ein Soundboard, mit dem man unanständige Worte zu Songs mixen kann.

- Das Vin-Diesel-Soundboard: Kein Kommentar.

- Laibach-Musik, zu der kommunistische Katzen tanzen.

- Pavarottis Liebe zu Elefanten.

- Ein wirklich ganz absonderliches Ding mit James Bond und japanischem Bubble-Gum-Punk!

- Bei Bukkake-Videos handelt es sich um Videos, in denen Frauen unabläßlich ins Gesicht onaniert wird. Hier ist das Musik-Video! Absonderlich...

- Counter-Strike vs. South Park: Mir gefällt vor allem "Massaker auf Italien"...

- Und zum Schluß noch ein paar harte obszöne Katzen...

P.S.: Ich habe den ersten Teil meiner Romanheft-Werbung-Scans aus den siebziger Jahren online gestellt. Das Resultat ist teilweise sehr ulkig und kann hier betrachtet werden.

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