APRILSCHERZFREIE ZONE

Vincent Neon

NEWSTICKERARCHIV

200404

Die letzten Tage sind im Kosmos des keßler´schen Langens & Bangens eher unter der Überschrift "Geht so" zu verorten, aber viel langweiliger wäre ja der Weltuntergang o.ä. Das Wochenende fiel mal wieder zusammen mit dem Filmclub, der diesmal von einer relativ unbedeutenden Anzahl von Besuchern heimgesucht wurde. Das hing wohl mit dem verbrecherisch guten Wetter zusammen. Bei uns lief Larry Cohens DIE WIEGE DES BÖSEN und danach GUILA - FRANKENSTEINS TEUFELSEI, während draußen die Leute in der Sonne toasteten... Wer statt der Zelluloidpracht den Schalke-Taumel wählte, wurde bitterlich enttäuscht, da die Knappen abstanken. Auch meine Werderaner entblößten erneut schlotternde Unterhosen ob der zu erwartenden Meisterfeier. Das war ja ganz schön enttäuschend! Heute haben immerhin die "Champion´s League"-Recken vom sympathischen AS Monaco gezeigt, was eine Harke ist, als sie zu zehnt den hochdotierten FC Chelsea bezwangen. Nachdem die Monegassen bereits im Viertelfinale Real Madrid aus dem Rennen boxten, gehört ihnen meine Zuneigung. Ich habe neulich davon geträumt, daß sich Rudi Assauer nebst Gattin im Kino neben mich setzt. Ich weiß nicht mehr genau, was wir gekuckt haben. Das Gefühl, Worte der anbiedernden Bewunderung zu äußern, war aber da, doch ich verkniff sie mir. Nach der Vorstellung klopfte ich Rudi kurz auf die Schulter und sagte nur kurz: "Schalke ist echt spitze!" Das zwang auch Deutschlands Fußball-Edelproll Numero Uno zu einem erfreuten Lächeln. Wie schön, daß ich auch im Traum so schüchtern agieren kann. Ein Promi zu sein, muß auch wirklich immens abnerven. Ständig das Tanderatei, wenn man irgendwo eine Semmel kaufen will oder auch einen Baumkuchen. Das macht keinen Spaß, wenn die arbeitslosen Fußballfreunde vor der Bäckerei ständig um Zusammenhalt buhlen. Man möchte schnell sein Backwarenbedürfnis stillen, und dann ab nach Hause in die Heia. Oder der Angetrauten die Zehen lutschen (oder lackieren). Ich habe meiner Angetrauten in realiter keineswegs die Zehen gelutscht oder lackiert, sondern bin am Wochenende mit ihr am Schloß Berge entlangflaniert. Das ist ein sehr honetter Ort, um dort zu flanieren. Den gewohnten Schlenzer um den gegenüber liegenden See verwehrte uns diesmal allerdings ein von mir bislang noch nie beobachtetes Aufkommen von Gewitterfliegen, die die frisch gemähten Wiesensäume umstoben, daß es nur so eine Art hatte. Die kleinen Racker ballten sich derartig, daß ich mich an diverse Zeichentrickfilme erinnert fühlte, wo sich Insekten zusammentun, um in Gestalt von sinnfälligen Formen auf die Menschheit loszugehen. In FINDET NEMO gab es ja auch so was, als sie die fiesen Makrelenstichlinge formieren, um den armen Papa von Nemo zu demütigen. Wir fühlten uns beim Lustwandeln zutiefst brüskiert, denn die Zahl der in unsere Münder hineinfleuchelnden Insekten war sondernormen. Wir traten den Rückzug an und genossen die langsam erblühende Pracht des Garten Eden, der den See umgibt, der direkt neben Schloß Berge liegt. Da gibt es auch eine tolle Stelle, wo man sich auf eine Bank setzen und die Füße auf einer Steinbalustrade ablagern kann. Ich fühlte mich toll und dachte mir, wenn wir jetzt noch ein paar Bierbuddeln in petto hätten, würden wir auf die herumstromernden Rentner wirken wie böse Punker. Meine Cora, obzwar lieb, verfügt ja über diese mörderischen Tattoos, und da hat mit Sicherheit schon manche Rentnerin ihren Zahnersatz verschluckt. Statt bös zu punkern, saßen wir aber nur nett da und betrachteten den See. Da gab es ein wild balzendes Bläßhuhn zu betrachten, daß seinen Artgenossen keine Ruhe ließ und das Gefieder aufplusterte. Schließlich versuchte es ungelenk, auf eine Bläßhenne zu steigen, aber die hatte offenbar keine Lust auf praktizierte Mannespracht. Sie warf den Gockel vom Bürzel. Eine Stockentenmama schwomm mit ihrer Nachhut daher, die so amorph herumwibbelte, daß man ihre Vielzahl gar nicht ausloten konnte. Toll: Die Kleinen vermochten ihre Geschwindigkeit gar nicht zu steuern und verharrten immer wieder, nur um dann pfeilschnell Richtung Mama zu sausen. Ein müder Reiher torkelte am Himmel, aber der schnappt sich ja höchstens Fische, und so brauchten sich die Küken nicht zu gruseln. Diverse Revierkämpfe fanden auch statt. Die finde ich immer sehr lustig, die Revierkämpfe, wie im wirklichen Leben. Abends kuckten wir Jean Rollins ersten Film und das erste Live-Video von Korsakow & Gonorrhoe. Das ist die Band, wo Freund Fabse rumturnt. K & G haben ja gerade ihre erste Demo-CD zusammengestückelt, welche da heißt: "The KKK took Dr. Brinkmann away". Gemeinsam sind K & G vorgestern im Radio aufgetreten, als Verstärkung eines Regionalsenders. Im Laufe der Sendung wurde ein unentschuldbar rüdes Wort für das primäre weibliche Geschlechtsorgan mindestens einhundertmal in den Mund genommen. Fabse war auch neulich mit mir im Wicked-Chat, wo u.a. folgendes freundliche Bild verlinkt wurde: XXX. Und jenes hier: YYY. Außerdem möchte ich mit durchaus imperativem Unterton auf ein KILL BILL-Spielchen hinweisen, daß Ihr hier findet. Das ist wohl gedacht für all jene, die die Schwarzweiß-Sektion noch nicht in der farbigen Japan-Fassung erleben durften. Zu Anfang erscheint das ganz simpel, aber um alle Gegner zu besiegen, muß man schon einige Male durchprobieren... Tja, und am Wochenende werde wohl auch ich in den zweiten Teil dieses großartigen Filmes gehen. Ich freue mich bereits maßlos! Zum Schluß weise ich noch darauf hin, daß ich in meinem Filmtagebuch einen Verriß zum neuen DAWN OF THE DEAD hinterlegt habe. Früher habe ich ja niemals Verrisse geschrieben, aber ich fürchte, ich komme im Alter allmählich auf den Geschmack. Das neue Tagebuch-Format unterstützt diese Neigung, denn es geht ja nicht um Äußerungen, die in irgendeiner Weise der Objektivität verpflichtet sind, sondern nur meiner Tagesform. Also eigentlich wie immer. Im selben Sinne findet man etwas später noch eine Huldigung der neuen DVD von DELTA FORCE... :) Ich force mich jetzt nach Bett - gute Nacht!

Baum plus Christian plus See

140404

So, die Ostertage sind vorbei, und sie sind ausgesprochen nett verlaufen! Ich bin mit meinem Schatzerl durch die Landschaft gelaufen, habe Fotos geknipst, Vincent-Price-Filme gekuckt und ein wenig am Buch weitergeschrieben. Außerdem habe ich mit einem drolligen Online-Spielchen herumgedaddelt, bei dem es darum geht, Hasen mit Ostereiern plattzumachen - das findet man hier! Mein DVD-Player hat jetzt seinen Geist aufgegeben, aber es gibt Schlimmeres... Zum Beispiel den nächsten "Geheimnisvollenvollen Filmclub Buio Omega" zu verpassen, welcher am Samstag unter dem Motto "Momelette" startet - da geht es um die verhängnisvolle Verknüpfung von Müttern mit Eiern. Film 1 befaßt sich mit einem japanischen Spielzeugmonster der ganz bizarren Art, das in gewohnt debiler Manier alles niederwalzt, was sich ihm in den Weg stellt. Eine aufrüttelnde Mahnung vor den Gefahren der Erforschung des Weltenraumes! Film 2 erzählt von den Gefahren der Schwangerschaft und schildert die Abenteuer eines mutierten Kannibalen-Babys im amerikanischen Großstadtdschungel. Wie üblich eine stabile Doppelpackung, bei der man die durch die vielen Ostereier hinzugewonnenen Pfunde wieder abzittern kann... Heute abend gehe ich endlich mal wieder auf ein Psychobilly-Konzert: Im "Matrix" in Bochum-Langendreer spielen nämlich diverse Bands, darunter die tollen Demented Are Go und die Bones, die ich mir schon immer mal anschauen wollte. Außerdem arbeite ich bereits an einer drolligen Page mit vielen Romanheft-Werbungen (für Röntgenbrillen, Muskelpulver und so Zeugs), aber das Scannen braucht halt seine Zeit...

090404

Ich bin jetzt quer mit chilenischem Rotwein zugeplempert! Gemeinheit... Die Tatsache, daß mir gerade eine halbe Flasche entglitten ist und meinen ansonsten unschuldigen Rechner neu getauft hat, ändert nichts an der Würde meines Amtes, die mittlerweile von einem Strauß grauer Haare gesäumt ist. Beachtlich häufig werde ich auf diesen Strauß angesprochen. Scheinbar meinen einige, die grauen Haare würden mich der Verzweiflung in die hageren Arme treiben. Das ist mitnichten der Fall! Die grauen Haare erfreuen mein Herz. Wäre es nach den Haaren meines geliebten Herrn Papas gegangen, herrschte jetzt schon Kahlschlag auf meinem Haupt. Aber meine Mama hat obsiegt, und so ziert jetzt eine streitlustige, aber immer noch nicht dem Weichen verpflichtete Front buschiger Bewaldung meine Schädelkapsel! Den Haarspliss habe ich noch nicht überprüft, aber das ewige Gesumsel tummelt sich da immer. Also: Keine Glatze, aber einen frühen Schopf silberwolfgrauer Haare - das läßt sich einfach romantisieren... Danke, Mama! Die letzte Nacht habe ich mit meiner geliebten Lebensgefährtin verbracht. Die ist aber auch so eine. Da habe ich lecker Rührei gespachtelt. Danach setzte es RAUMPATROUILLE. Ich dachte immer, daß ich die Abenteuer der Raumschiffs Orion schon als Kind mitbekommen hatte. Zu meiner grenzenlosen Überraschung erwies sich: Ich kannte gar nichts von ihnen. Ich hörte die wohlbekannten Klänge von Peter Thomas´ berühmtem Thema. Dann versackte ich in der Retro-SF von Commander McClane und seiner Crew. Zum ersten Mal merkte ich, daß ich in meiner Kindheit nur RAUMSCHIFF ENTERPRISE mitbekommen hatte, mit all seinen rosanen Himmeln und Pappmachéfelsen, die die extraterrestrischen Gefilde säumten, nicht RAUMPATROUILLE. Doch heute bekam ich die zweite große Kulturrevolution zu spüren, die mir anderthalb Jahre Beziehung zu meinem Herzblatt gebracht haben: Nach dem Boxsport jetzt die Erforschung des Weltenraumes. Liebe Gesichter wie der Thomas Reiner oder der Friedrich Joloff kamen da wieder hervor, und die Abenteuer, die die Space-Crew gegen die bösen Frogs durchleben mußte, wirkten bei all den Neuerungen, die die Spezialeffektekunst bis zum heutigen Tag erfahren durfte, wie ein frischer Windhauch, denn Charme gab es da mannigfaltig. Wir haben auch sattsam geschmunzelt - über das tolle Osterei, das da lauerte, über die feschen Fliegenpilze, mit denen sich die Helden in Sicherheit brachten. Besonders riesig waren die Tänze des Starlight-Cafés, die die dort stattfindenden Gespräche in den Hintergrund rückten, in den doppelten, wenn man die vergrößerten Fische bedenkt, die am Fenster herumschwommen... Cora ist ja im Gastronomiegewerbe tätig und erzählte mir einiges von ihrem Broterwerb. Besonders lustig waren die Einzelheiten von den sogenannten Goa-Parties. Da kann man die männlichen Bestandteile manchmal von den Toiletten aufschrecken, wie sie die durch chemische Rauschdrogen gewonnene Energie dadurch abreagieren, indem sie sich einen von der Palme wedeln. Lauter wixende Jungmänner als Resultat künstlich erwirkten Kraftstrebens. Ich habe das selber schon einmal gesehen, aber könnt Ihr Euch vorstellen, das regelmäßig mitzuerleben, wenn es um die wochenendliche Kür geht? Sich richtig vorzubereiten, um die strammen Teenie-Mädels zu beeindrucken, eine flotte Sohle auf das Parkett legen, die angestammten Muster abwirbeln, den lieben Gott einen netten Mann sein lassen,  gegen Mama und Papa rebellieren, mal richtig den dicken Maxe raushängen lassen. Und dann mündet das nur darin, sich an einem öffentlichen Ort den Lachs aus der Hose zu holen und zu wienern, bis der Saft spritzt... Stellt Euch vor, was für ein Erlebnis das ist, wenn es eine der Bediensteten mitbekommt. Die nur denkt: "Au Schande, wie aaarmselig!" Das muß dann wieder jemand wegwischen. Gott sei Dank nicht meine Freundin, aber irgendein vermutlich netter Mensch. Der Deppenlaich ist alles, was bleibt von der juvenilen Lendenpracht. Man hat auch schon für weniger einen Rechtsbrecher geteert und gefedert. Ich habe genug Drogendeppen kennengelernt, um diese selbstgenügsamen Hanseln richtig hassen zu lernen. Gabba? Jau, dann wischt Eure Wixe gefälligst selber wieder weg! Was für ein stilloser Wochenendvertreib! Drogen können einem - in gemessenem Umfang genossen - einige Zusatzfarben zum persönlichen Spektrum hinzugewinnen - den Ersatz für Stil und Persönlichkeit können sie einen
nicht lehren. Boah, was habe ich da schon für armselige Beispiele getroffen! Ich habe weiche Rauschdrogen mal für eine tolle Sache gehalten, aber wenn ich mitbekomme, was für armselige Ergebnisse sie bei den Volldeppen erzielen, winke ich müde ab. Eigenes Selbstbewußtsein mündet niemals in der Selbstabwertung, da gibt es nix! Ich habe Leute beim Wixen erlebt, die danach unglaublich selbstbezogenen Schmonzes von sich gegeben haben. Denkt an die Fachkräfte, die danach den Spermatozoen-Mix vom Porzellan klauben dürfen, dann wißt Ihr, was von dieser Verschwendung an Kreativität zu halten ist. Die meisten Disco-Kaschpern kochen auch nur mit heißer Luft. Ich weiß noch, wie ich selbst zum ersten Mal solch einer Ritualhandlung beiwohnte. Ich wollte damals eine Frau treffen, die ich toll fand. Im Lichterglanz der Laserkanone wogten sich die Leiber. Ich selber hottete zu Ministry. Alles war sehr independent und sehr punkig. Ich kam mir vor wie zwei Öltanks. Ich dachte: Heute nacht, wenn niemals. Ich war drei Meter groß, und alles war mehr als wichtig. Dann ging ich auf den Abtritt. Ich strullerte, wie mir der Herrgott das befohlen. Dann merkte ich, daß der kurzhaarige Newwavebatzen männlichen Geschlechts neben mir gut Gas gab. Der rubbelte seinen Lachs, als ob es kein Morgen gäbe. Ich zog mich schnell zurück. Auch heute denke ich nur: Au Mann! Sich einen von der Palme zu wedeln, macht Spaß. Aber das unter so jämmerlichen Umständen zu tun - never ever! Aber das bleibt häufig unterm Strich zurück - ein Abstrich original Froschlaiches! Ein Mitglied der "Sons" hat neulich an die Theke einer Kneipe gepullert, weil die nur schlechte Musik genudelt haben. Das ist noch recht verständlich. Aber ich habe echt vielzuviele drogenbedingt frühverdummte Deppen kennengelernt, als das ich diese hedonistische Masturbiererei gutheißen würde. Die Leute sind im Gespräch meist so amüsant wie die Kelly-Family auf Tollkirsche. Das kann man nicht einmal mehr mit Jugend entschuldigen. Das verdient echt nur eine Schelle. Ahem - Euch allen einen herzhaften Karfreitag! Frohe Ostern und so fort. :)

070404

Hier geht es zu einer Liste mit besonders bizarren Romanheft-Titeln! Demnächst gibt es vermutlich noch ein Interview mit Dan Shocker zu bestaunen, wenn alles klappt...

050404

Heute bin ich an einem Kaugummiautomaten vorbeigekommen. Darin befanden sich zahlreiche appetitlich anzuschauende Kugeln, die mich in meiner Adoleszenz noch wohlig aufgewühlt hätten, da ich auf diese farbstoffummäntelten Zuckerbatzen stand. Doch nun - oh weh! - stecken die Kugeln in diesen hygienischen Plastikumhüllungen, die aufzudräuseln einige Übung erfordert und nicht selten im kompletten nervlichen Zusammenbruch des Kauwilligen resultiert. Ich finde: Die Bazillen sind mir wurscht - wenn Kugeln, dann für jedermann zugänglich! Eine Freundin erzählte mir heute, daß die Kugeln so ganz und gar nicht ihr Fall waren, wohl aber die Lutschpuppen, die inmitten der Kugeln wohnten. Normalerweise gibt es ja nur diese langweiligen Plastikringe oder anderen Ramschnippes, die als besondere Belohnung angeboten, nicht aber zwingend so empfunden werden. So war das zumindest in meiner Kinderzeit: Man steckte damals einen Groschen in diese Rumdrehvorrichtung, drehte dann rum, und mit einem sympathischen Klackern machten sich zwei oder drei Kugeln auf die Reise. Wenn ein blöder Ring im Fach lag, gab das immer die Spinatmaske. Bei meiner Freundin waren es eben diese Lutschpuppen von Monchichi (oder so), die sie auf dem Wege zu ihrem Ballettunterricht an dem Automaten innehalten ließen. Sie hat Mark um Mark auf diese Weise verjuxt, aber eine Lutschpuppe bekam sie nie! Toll auch die Geschichte, die sie mir über Glückskekse berichtete. In der Regel sind die horoskoptauglichen Botschaften, die diese süßlichen Waffelprodukte enthalten, ja auf uncharmante Weise abgedroschen, im Stile von Poesiealbum-Sprüchen wie "In allen vier Ecken/ Glück soll drin stecken." Einmal scheint aber einen der Keksspruch-Dichter der Schalk geritten zu haben, denn einer ihrer Freunde erwischte mal einen, in dem sich der folgende Spruch befand: "Hilfe! Ich bin in einer Glückskeks-Fabrik gefangen! Bitte holt mich raus!" Ansonsten im Westen nix Neues. Ich habe endlich THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE gesehen (neue Fassung) und Takeshi Kitanos DOLLS, sowie einige andere Filme.

010404
Heute haben Überraschungen bei mir nichts zu suchen! Ab einem gewissen Alter muß Schluß sein mit dem zwanghaften Verhohnepiepeln, Verkackeiern und Fürdummverkaufen. Wenn man zu einem recht beliebig ausgewählten Zeitpunkt des Jahres das nachäffen soll, was die Bundesregierung (und andere vermeintlich ehrwürdige Institutionen) das ganze Jahr über treiben, dann ziemt sich die Narrenpause. Heute soll mal strammer Ernst gepflegt werden. Aus meinem eigenen Leben läßt sich heute nur vermelden, daß ich einige Video-8-Aufnahmen von dereinst wiederentdeckt habe. Da waren Erinnerungen drauf an meine diversen Interviews, und entzückenderweise waren da auch einige Dinge, die ich in den bereits veröffentlichten Texten außen vorgelassen habe oder die in Schriftform einfach nicht mehr wiederzugeben waren. Das war einfach geil und machte mir wieder Mut, etwas nachzuhaken. Wie war das damals, als ich diesen italienischen Exploitation-Zaren aus DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM interviewt habe? Nicht Vassili Karis - der andere, der sich mit ihm prügelte. Der hat mit Claude Chabrol und anderen Leuten gefilmt und sehr intelligente Vorstellungen von der Filmkunst gehabt. Der verkündete mir vor gleißendem Gegenlicht eine Apokalypse Italiens, die sich gewaschen hatte! Der erzählte Geschichten von den Umtrieben, die kleine Maler einst in die Fänge von Italiens Filmindustrie führten. Da war auch diese Frau aus deutschen Landen, die über MISS STILETTO einst in den Gräben des dort tobenden Kommerzbetriebes landete und schließlich bei Mario Bava (in seinem einzigen bei uns beschlagnahmten Film) brutal ermordet wurde. Auch jene Frau, die im Fulci-Haus, das an der Friedhofsmauer lag, die richtige Breitseite bekam, sollte endlich mal im Interview gewürdigt werden. (Das Interview brach ab, als ich ihr verkündete, daß ihr Freund Raimund Harmstorf durch Suizid aus dem Leben geschieden war.) Nach meiner letzten Romfahrt ereilte mich meine Krankheit, und da mich danach andere Sachen wesentlich mehr beschäftigten als die Interviews, stehen Smalltalks mit Freunden wie Venantino Venantini, Brigitte Skay, Dagmar Lassander, Richard Harrison und anderen noch immer im Dunkeln. Auch bei den bereits publik gemachten Heroengesängen gab es ein flottes Wiedersehen, das ich jetzt einige Jahre hinweg verdrängt habe. Erika Blanc - der ich einen Heiratsantrag gemacht habe - macht in der Videoversion Anthony Steffen nach, daß einem die Augen quellen. Ihre Katzen belagern den Bildschirm, daß es eine Wonne hat, und die Detailaufnahmen beim Autogrammgeben belegen, daß sie für ihre Jahre sehr schlank geblieben ist. Barbara Bouchet hockt vorm knisternden Kaminfeuer und erzählt von damals. Jenny Tamburi (jüngst Zelluloid-Gast im Filmclub) gibt die alltäglichen Tätigkeiten ihrer Künstleragentur preis. Susan Scott und ihr immernochiger Ehemann Luciano Ercoli präsentieren Eleganz bis zum heutigen Tag. Andere Heroen sind nicht so glücklich, können aber sicher sein, von mir ebenso wohlwollend repräsentiert zu werden. Mann, was war das nur für eine seltsame Welt damals! Sergio Bergonzelli habe ich leider nicht dabei gefilmt, wie er mich volltrunken in der verkehrten Richtung durch eine Einbahnstraße gefahren hat. Der Mann ist in der Originalfassung explosiver als Helmut Berger! Mit Sicherheit steht da noch ein "Splatting Image"-Coming-Out an... Ich habe einige Unkentöne vernommen im Hinblick auf diese Publikation, aber es ist ja kein Zufall, daß ich bis zum heutigen Tage unentgeltlich für diese Publikation tätig bin. Nicht nur hätte keine andere Zeitschrift auf Gottes Erdboden meine Ergüsse nahezu unzensiert gedruckt bis zum heutigen Tag - es hätten auch viele Lichtgestalten nicht den Weg zu meinen Zeilen gefunden. Ich habe einige Male das Vergnügen gehabt, daß Leute, von denen ich Fan gewesen bin, auf einmal liebe Worte in meine Richtung vermeldet haben, was mir durchaus andeutete, daß der ganze Quatsch doch einen Sinn gehabt hat. Darüber hinaus haben mir viele liebe Mitmenschen schon kundgegeben, daß meine verquaste Prosa ihnen Lust gemacht hat auf mehr vom selben. Nichts macht mich stolzer als das. Da stehe ich auf dem Gipfelpunkt der Halde:

Christian über der Stadt

Da war zur Linken das Parkstadion und zur Rechten die Schalke-Arena. Und da, wo es zählte, war meine Cora. (U.a. hinter dem Fotoapparat, sonst hätte das mit dem Foto nicht geklappt!) Und gleich noch´n Foto:

Warme Gesellen

Was sind das denn für Tucken?

300304

Da ich gerade Helge Schneider gehört habe, kann ich zum Filmclub nur sagen: Er ist wie immer sehr gut gewesen! Diesmal gab es MÄDCHEN HINTER GITTERN, ein schneuzkompatibles Knast-Melodram mit dicken Titten und sizilianischen Zupfinstrumenten. Auch schön das schmalzige Flügelhorn auf dem Soundtrack, das klang wie das berühmte Hörzu-präsentiert-Album "Richard Clayderman bläst Ricky King". Die Mafiosi werden auch immer bösbatziger - Respekt! Der zweite Film präsentierte dann das fehlende Glied der Menschheitskette, das von Christopher Lee an Bord des Transsibirien-Expresses gebracht wird in Eugenio Martins hübschem HORROR EXPRESS. Einen unglaublich grotesken Plot hatte der Film (die Saurier in der Augenflüssigkeit des Monsters erfreuten mein Herz!), aber handwerklich war er ausgesprochen ansehnlich, glänzend besetzt und von hohem Unterhaltungswert. Das Publikum schien ähnlich zu empfinden und machte einen zufriedenen Eindruck. Ob das bei unserem nächsten Doppel-Programm - "Momelette" - genauso verläuft, bleibt abzuwarten... Vor ein paar Tagen führte mich ein Doppel-Geburtstag zurück an den Ort der omegesken Untaten: Ingojira und mein Nachbar Robert Z. feierten dort den an und für sich bedauernswerten Umstand ihres Älterwerdens. Dem Ingo schenkte ich eine CD mit original Bergmannsliedern (z.B. "Glückauf, der Ruhrkumpel spricht"), während Robert eine Schalke-CD mit extrem greuslichen Cover-Versionen von etwa Marianne Rosenberg bekam. Beide Jubilare wurden noch mit einer Extra-CD des Aufklärungs-Klassikers "Liebe und Ehe - Zeugung und Geburt" verwöhnt, die sie hoffentlich zu schätzen wissen. Zur Feier des Tages wurde dann ALIENS gezeigt, der erste richtig fett budgetierte Streifen von Hollywoods Krypto-Semiotiker Numero Uno, James Cameron. Ich konnte leider nicht bis zum Schluß des Phallo-Horrors dableiben, da meine geliebte Schwester mit ihrem Ehemann auf der Matte stand, welcher bekanntlich Hauptkommissar ist. Wir sahen gemeinsam Schalkes zugegebenermaßen glücklichen Sieg über die guten Bochumer und gingen danach in die Pizzeria meines Vertrauens. Heiner bewies erneut, daß der Polizeidienst Männerkörper stählt - wie man bei solch einem Pizzaverdrücken so dünn bleiben kann, ist mir schleierhaft! Er verriet mir einige intime Einzelheiten über den Kriminalistenberuf, die in meinen famous forthcoming Kriminalroman einzubauen ich nicht die geringste Scheu haben werde. Danach zeigte ich den beiden die Schönheiten von Schloß Berge, wobei der Hauptkommissar ziemlich aufschnitt und einen über das Gewässer ragenden Baum erklomm, was zu hervorragenden Fotos führte. Ich war zu feige (glatte Sohle!) und schob Frust... Danach begaben wir uns in ein mexikanisches Restaurant namens "Trujillo" und kippten uns ein paar Biere hinter die Binde. So macht man das hier im Ruhrgebiet! Am Sonntag kam dann gleich meine Cora vorbei. Gemeinsam kuckten wir Italowestern, wobei sie sich sehr beeindruckt von Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN zeigte. Bei DJANGO war sie dann schon etwas müde. Am nächsten Tag (heute) begingen wir das strahlende Frühlingswetter mit einem erneuten Besuch bei Schloß Berge, wo ein Entenpärchen sich direkt vor unseren müden Beinen das Gefieder putzte. Die Tage bieten viel Trost. Nun zu Helge Schneider: Eine seiner letzten Platten hatte mich beim Anhören so kalt gelassen, daß ich sie für´s Erste in den Styx meiner CD-Sammlung verbannte. Jetzt kramte ich sie wieder hervor und entdeckte ein Juwel - das Lied von der Katzen-Oma! Das ist nun wirklich einer der Höhepunkte im Schneider´schen Schaffen -da gibt es gar nix! Ich hasse ja sozialistische Liedermacherkunst inbrünstig. Franz Josef Degenhardt, Wolf Biermann, Reinhard Mey und wie sie alle heißen mögen - nicht mein Ding, mag man sagen. "Katzen-Oma" nun ist eine 13-minütige Reminiszenz an eben diese Werke und kopiert den balladesken Stil perfekt. Allerdings wird da natürlich nur totaler Tönjes erzählt. Eine Oma will Katzenfutter kaufen und begibt sich zu Schlecker ("dääär aaalte Mooonopolist!"), wo sie das an der Tür versprochene Sonderangebot leider nicht entdecken kann. Herr Schlecker ist nämlich nicht nur Monopolist, sondern auch schlau: Unten stehen nur die ganz teuren Katzenfutter, während das Sonderangebot ganz oben im Regal steht, wo die 110 cm hohe Großmutter nicht rankommt. Um Helge zu zitieren: "Flieg´, flieg´, kleine Oma, flieg´..." Ich wäre vor Lachen fast abgekratzt! Das Publikum (das häufig ja nicht ganz auf Schneiders Wellenlänge ist) zeigte Sportsgeist, lauschte ergriffen und gackerte wissend bei Zeilen wie: "Spiel´ nicht mit der Schmuddel-Oma/ trag´ nicht ihren Mantel auf..." Dann mutiert die Katze noch zu so einem Monsterwesen, aber darauf kommt es schon gar nicht mehr an. Ein sehr extremes Stück, bei dem man die Dauer von 13 Minuten richtig kennenlernt... Tja, und da wären wir beim Unvermeidlichen: Der neue Schneider-Film steht direkt vor unserer Tür! Viele Leute können es nicht erwarten, bis das DAWN OF THE DEAD-Remake ins Kino kommt. Andere erwarten den neuen Argento-Film (der übrigens in Hamburg gerade von der Bühne gelacht wurde und u.a. als schlechtester Film des Jahres tituliert wurde!) mit ebensolcher Inbrunst. Ich hingegen freue mich auf JAZZCLUB, und hier ist die Webpage zum neuen Film...

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