
200404
Die letzten Tage sind im Kosmos des
keßler´schen Langens & Bangens eher unter der
Überschrift "Geht so" zu verorten, aber viel langweiliger
wäre ja der Weltuntergang o.ä. Das Wochenende fiel mal wieder
zusammen mit dem Filmclub, der diesmal von einer relativ unbedeutenden
Anzahl von Besuchern heimgesucht wurde. Das hing wohl mit dem
verbrecherisch guten Wetter zusammen. Bei uns lief Larry Cohens DIE
WIEGE DES BÖSEN und danach GUILA - FRANKENSTEINS TEUFELSEI,
während draußen die Leute in der Sonne toasteten... Wer
statt der Zelluloidpracht den Schalke-Taumel wählte, wurde
bitterlich enttäuscht, da die Knappen abstanken. Auch meine
Werderaner entblößten erneut schlotternde Unterhosen ob der
zu erwartenden Meisterfeier. Das war ja ganz schön
enttäuschend! Heute haben immerhin die "Champion´s
League"-Recken vom sympathischen AS Monaco gezeigt, was eine Harke ist,
als sie zu zehnt den hochdotierten FC Chelsea bezwangen. Nachdem die
Monegassen bereits im Viertelfinale Real Madrid aus dem Rennen boxten,
gehört ihnen meine Zuneigung. Ich habe neulich davon
geträumt, daß sich Rudi Assauer nebst Gattin im Kino neben
mich setzt. Ich weiß nicht mehr genau, was wir gekuckt haben. Das
Gefühl, Worte der anbiedernden Bewunderung zu äußern,
war aber da, doch ich verkniff sie mir. Nach der Vorstellung klopfte
ich Rudi kurz auf die Schulter und sagte nur kurz: "Schalke ist echt
spitze!" Das zwang auch Deutschlands Fußball-Edelproll Numero Uno
zu einem erfreuten Lächeln. Wie schön, daß ich auch im
Traum so schüchtern agieren kann. Ein Promi zu sein, muß
auch wirklich immens abnerven. Ständig das Tanderatei, wenn man
irgendwo eine Semmel kaufen will oder auch einen Baumkuchen. Das macht
keinen Spaß, wenn die arbeitslosen Fußballfreunde vor der
Bäckerei ständig um Zusammenhalt buhlen. Man möchte
schnell sein Backwarenbedürfnis stillen, und dann ab nach Hause in
die Heia. Oder der Angetrauten die Zehen lutschen (oder lackieren). Ich
habe meiner Angetrauten in realiter keineswegs die Zehen gelutscht oder
lackiert, sondern bin am Wochenende mit ihr am Schloß Berge
entlangflaniert. Das ist ein sehr honetter Ort, um dort zu flanieren.
Den gewohnten Schlenzer um den gegenüber liegenden See verwehrte
uns diesmal allerdings ein von mir bislang noch nie beobachtetes
Aufkommen von Gewitterfliegen, die die frisch gemähten
Wiesensäume umstoben, daß es nur so eine Art hatte. Die
kleinen Racker ballten sich derartig, daß ich mich an diverse
Zeichentrickfilme erinnert fühlte, wo sich Insekten zusammentun,
um in Gestalt von sinnfälligen Formen auf die Menschheit
loszugehen. In FINDET NEMO gab es ja auch so was, als sie die fiesen
Makrelenstichlinge formieren, um den armen Papa von Nemo zu
demütigen. Wir fühlten uns beim Lustwandeln zutiefst
brüskiert, denn die Zahl der in unsere Münder
hineinfleuchelnden Insekten war sondernormen. Wir traten den
Rückzug an und genossen die langsam erblühende Pracht des
Garten Eden, der den See umgibt, der direkt neben Schloß Berge
liegt. Da gibt es auch eine tolle Stelle, wo man sich auf eine Bank
setzen und die Füße auf einer Steinbalustrade ablagern kann.
Ich fühlte mich toll und dachte mir, wenn wir jetzt noch ein paar
Bierbuddeln in petto hätten, würden wir auf die
herumstromernden Rentner wirken wie böse Punker. Meine Cora,
obzwar lieb, verfügt ja über diese mörderischen Tattoos,
und da hat mit Sicherheit schon manche Rentnerin ihren Zahnersatz
verschluckt. Statt bös zu punkern, saßen wir aber nur nett
da und betrachteten den See. Da gab es ein wild balzendes
Bläßhuhn zu betrachten, daß seinen Artgenossen keine
Ruhe ließ und das Gefieder aufplusterte. Schließlich
versuchte es ungelenk, auf eine Bläßhenne zu steigen, aber
die hatte offenbar keine Lust auf praktizierte Mannespracht. Sie warf
den Gockel vom Bürzel. Eine Stockentenmama schwomm mit ihrer
Nachhut daher, die so amorph herumwibbelte, daß man ihre Vielzahl
gar nicht ausloten konnte. Toll: Die Kleinen vermochten ihre
Geschwindigkeit gar nicht zu steuern und verharrten immer wieder, nur
um dann pfeilschnell Richtung Mama zu sausen. Ein müder Reiher
torkelte am Himmel, aber der schnappt sich ja höchstens Fische,
und so brauchten sich die Küken nicht zu gruseln. Diverse
Revierkämpfe fanden auch statt. Die finde ich immer sehr lustig,
die Revierkämpfe, wie im wirklichen Leben. Abends kuckten wir Jean
Rollins ersten Film und das erste Live-Video von Korsakow &
Gonorrhoe. Das ist die Band, wo Freund Fabse rumturnt. K & G haben
ja gerade ihre erste Demo-CD zusammengestückelt, welche da
heißt: "The KKK took Dr. Brinkmann away". Gemeinsam sind K &
G vorgestern im Radio aufgetreten, als Verstärkung eines
Regionalsenders. Im Laufe der Sendung wurde ein unentschuldbar
rüdes Wort für das primäre weibliche Geschlechtsorgan
mindestens einhundertmal in den Mund genommen. Fabse war auch neulich
mit mir im Wicked-Chat, wo u.a. folgendes freundliche Bild verlinkt
wurde: XXX. Und
jenes hier: YYY.
Außerdem möchte ich mit durchaus imperativem Unterton auf
ein KILL BILL-Spielchen hinweisen, daß Ihr hier findet. Das ist
wohl gedacht für all jene, die die Schwarzweiß-Sektion noch
nicht in der farbigen Japan-Fassung erleben durften. Zu Anfang
erscheint das ganz simpel, aber um alle Gegner zu besiegen, muß
man schon einige Male durchprobieren... Tja, und am Wochenende werde
wohl auch ich in den zweiten Teil dieses großartigen Filmes
gehen. Ich freue mich bereits maßlos! Zum Schluß weise ich
noch darauf hin, daß ich in meinem Filmtagebuch
einen Verriß zum neuen DAWN OF THE DEAD hinterlegt habe.
Früher habe ich ja niemals Verrisse geschrieben, aber ich
fürchte, ich komme im Alter allmählich auf den Geschmack. Das
neue Tagebuch-Format unterstützt diese Neigung, denn es geht ja
nicht um Äußerungen, die in irgendeiner Weise der
Objektivität verpflichtet sind, sondern nur meiner Tagesform. Also
eigentlich wie immer. Im selben Sinne findet man etwas später noch
eine Huldigung der neuen DVD von DELTA FORCE... :) Ich force mich jetzt
nach Bett - gute Nacht!

140404
So, die Ostertage sind vorbei, und sie
sind ausgesprochen nett verlaufen! Ich bin mit meinem Schatzerl durch
die Landschaft gelaufen, habe Fotos geknipst, Vincent-Price-Filme
gekuckt und ein wenig am Buch weitergeschrieben. Außerdem habe
ich mit einem drolligen Online-Spielchen herumgedaddelt, bei dem es
darum geht, Hasen mit Ostereiern plattzumachen - das findet man hier!
Mein DVD-Player hat jetzt seinen Geist aufgegeben, aber es gibt
Schlimmeres... Zum Beispiel den nächsten "Geheimnisvollenvollen Filmclub
Buio Omega" zu verpassen, welcher am Samstag unter dem Motto
"Momelette" startet - da geht es um die verhängnisvolle
Verknüpfung von Müttern mit Eiern. Film 1 befaßt sich
mit einem japanischen Spielzeugmonster der ganz bizarren Art, das in
gewohnt debiler Manier alles niederwalzt, was sich ihm in den Weg
stellt. Eine aufrüttelnde Mahnung vor den Gefahren der Erforschung
des Weltenraumes! Film 2 erzählt von den Gefahren der
Schwangerschaft und schildert die Abenteuer eines mutierten
Kannibalen-Babys im amerikanischen Großstadtdschungel. Wie
üblich eine stabile Doppelpackung, bei der man die durch die
vielen Ostereier hinzugewonnenen Pfunde wieder abzittern kann... Heute
abend gehe ich endlich mal wieder auf ein Psychobilly-Konzert: Im
"Matrix" in Bochum-Langendreer spielen nämlich diverse Bands,
darunter die tollen Demented
Are Go und die Bones,
die ich mir schon immer mal anschauen wollte. Außerdem arbeite
ich bereits an einer drolligen Page mit vielen Romanheft-Werbungen
(für Röntgenbrillen, Muskelpulver und so Zeugs), aber das
Scannen braucht halt seine Zeit...
090404
Ich bin jetzt quer mit chilenischem
Rotwein zugeplempert! Gemeinheit... Die Tatsache, daß mir gerade
eine halbe Flasche entglitten ist und meinen ansonsten unschuldigen
Rechner neu getauft hat, ändert nichts an der Würde meines
Amtes, die mittlerweile von einem Strauß grauer Haare
gesäumt ist. Beachtlich häufig werde ich auf diesen
Strauß angesprochen. Scheinbar meinen einige, die grauen Haare
würden mich der Verzweiflung in die hageren Arme treiben. Das ist
mitnichten der Fall! Die grauen Haare erfreuen mein Herz. Wäre es
nach den Haaren meines geliebten Herrn Papas gegangen, herrschte jetzt
schon Kahlschlag auf meinem Haupt. Aber meine Mama hat obsiegt, und so
ziert jetzt eine streitlustige, aber immer noch nicht dem Weichen
verpflichtete Front buschiger Bewaldung meine Schädelkapsel! Den
Haarspliss habe ich noch nicht überprüft, aber das ewige
Gesumsel tummelt sich da immer. Also: Keine Glatze, aber einen
frühen Schopf silberwolfgrauer Haare - das läßt sich
einfach romantisieren... Danke, Mama! Die letzte Nacht habe ich mit
meiner geliebten Lebensgefährtin verbracht. Die ist aber auch so
eine. Da habe ich lecker Rührei gespachtelt. Danach setzte es
RAUMPATROUILLE. Ich dachte immer, daß ich die Abenteuer der
Raumschiffs Orion schon als Kind mitbekommen hatte. Zu meiner
grenzenlosen Überraschung erwies sich: Ich kannte gar nichts von
ihnen. Ich hörte die wohlbekannten Klänge von Peter
Thomas´ berühmtem Thema. Dann versackte ich in der Retro-SF
von Commander McClane und seiner Crew. Zum ersten Mal merkte ich,
daß ich in meiner Kindheit nur RAUMSCHIFF ENTERPRISE mitbekommen
hatte, mit all seinen rosanen Himmeln und Pappmachéfelsen, die
die extraterrestrischen Gefilde säumten, nicht RAUMPATROUILLE.
Doch heute bekam ich die zweite große Kulturrevolution zu
spüren, die mir anderthalb Jahre Beziehung zu meinem Herzblatt
gebracht haben: Nach dem Boxsport jetzt die Erforschung des
Weltenraumes. Liebe Gesichter wie der Thomas Reiner oder der Friedrich
Joloff kamen da wieder hervor, und die Abenteuer, die die Space-Crew
gegen die bösen Frogs durchleben mußte, wirkten bei all den
Neuerungen, die die Spezialeffektekunst bis zum heutigen Tag erfahren
durfte, wie ein frischer Windhauch, denn Charme gab es da mannigfaltig.
Wir haben auch sattsam geschmunzelt - über das tolle Osterei, das
da lauerte, über die feschen Fliegenpilze, mit denen sich die
Helden in Sicherheit brachten. Besonders riesig waren die Tänze
des Starlight-Cafés, die die dort stattfindenden Gespräche
in den Hintergrund rückten, in den doppelten, wenn man die
vergrößerten Fische bedenkt, die am Fenster
herumschwommen... Cora ist ja im Gastronomiegewerbe tätig und
erzählte mir einiges von ihrem Broterwerb. Besonders lustig waren
die Einzelheiten von den sogenannten Goa-Parties. Da kann man die
männlichen Bestandteile manchmal von den Toiletten aufschrecken,
wie sie die durch chemische Rauschdrogen gewonnene Energie dadurch
abreagieren, indem sie sich einen von der Palme wedeln. Lauter wixende
Jungmänner als Resultat künstlich erwirkten Kraftstrebens.
Ich habe das selber schon einmal gesehen, aber könnt Ihr Euch
vorstellen, das regelmäßig mitzuerleben, wenn es um die
wochenendliche Kür geht? Sich richtig vorzubereiten, um die
strammen Teenie-Mädels zu beeindrucken, eine flotte Sohle auf das
Parkett legen, die angestammten Muster abwirbeln, den lieben Gott einen
netten Mann sein lassen, gegen Mama und Papa rebellieren, mal
richtig den dicken Maxe raushängen lassen. Und dann mündet
das nur darin, sich an einem öffentlichen Ort den Lachs aus der
Hose zu holen und zu wienern, bis der Saft spritzt... Stellt Euch vor,
was für ein Erlebnis das ist, wenn es eine der Bediensteten
mitbekommt. Die nur denkt: "Au Schande, wie aaarmselig!" Das muß
dann wieder jemand wegwischen. Gott sei Dank nicht meine Freundin, aber
irgendein vermutlich netter Mensch. Der Deppenlaich ist alles, was
bleibt von der juvenilen Lendenpracht. Man hat auch schon für
weniger einen Rechtsbrecher geteert und gefedert. Ich habe genug
Drogendeppen kennengelernt, um diese selbstgenügsamen Hanseln
richtig hassen zu lernen. Gabba? Jau, dann wischt Eure Wixe
gefälligst selber wieder weg! Was für ein stilloser
Wochenendvertreib! Drogen können einem - in gemessenem Umfang
genossen - einige Zusatzfarben zum persönlichen Spektrum
hinzugewinnen - den Ersatz für Stil und Persönlichkeit
können sie einen
nicht lehren. Boah, was habe ich da schon für armselige Beispiele
getroffen! Ich habe weiche Rauschdrogen mal für eine tolle Sache
gehalten, aber wenn ich mitbekomme, was für armselige Ergebnisse
sie bei den Volldeppen erzielen, winke ich müde ab. Eigenes
Selbstbewußtsein mündet niemals in der Selbstabwertung, da
gibt es nix! Ich habe Leute beim Wixen erlebt, die danach unglaublich
selbstbezogenen Schmonzes von sich gegeben haben. Denkt an die
Fachkräfte, die danach den Spermatozoen-Mix vom Porzellan klauben
dürfen, dann wißt Ihr, was von dieser Verschwendung an
Kreativität zu halten ist. Die meisten Disco-Kaschpern kochen auch
nur mit heißer Luft. Ich weiß noch, wie ich selbst zum
ersten Mal solch einer Ritualhandlung beiwohnte. Ich wollte damals eine
Frau treffen, die ich toll fand. Im Lichterglanz der Laserkanone wogten
sich die Leiber. Ich selber hottete zu Ministry. Alles war sehr
independent und sehr punkig. Ich kam mir vor wie zwei Öltanks. Ich
dachte: Heute nacht, wenn niemals. Ich war drei Meter groß, und
alles war mehr als wichtig. Dann ging ich auf den Abtritt. Ich
strullerte, wie mir der Herrgott das befohlen. Dann merkte ich,
daß der kurzhaarige Newwavebatzen männlichen Geschlechts
neben mir gut Gas gab. Der rubbelte seinen Lachs, als ob es kein Morgen
gäbe. Ich zog mich schnell zurück. Auch heute denke ich nur:
Au Mann! Sich einen von der Palme zu wedeln, macht Spaß. Aber das
unter so jämmerlichen Umständen zu tun - never ever! Aber das
bleibt häufig unterm Strich zurück - ein Abstrich original
Froschlaiches! Ein Mitglied der "Sons" hat neulich an die Theke einer
Kneipe gepullert, weil die nur schlechte Musik genudelt haben. Das ist
noch recht verständlich. Aber ich habe echt vielzuviele
drogenbedingt frühverdummte Deppen kennengelernt, als das ich
diese hedonistische Masturbiererei gutheißen würde. Die
Leute sind im Gespräch meist so amüsant wie die Kelly-Family
auf Tollkirsche. Das kann man nicht einmal mehr mit Jugend
entschuldigen. Das verdient echt nur eine Schelle. Ahem - Euch allen
einen herzhaften Karfreitag! Frohe Ostern und so fort. :)
070404
Hier
geht es zu einer Liste mit besonders bizarren Romanheft-Titeln!
Demnächst gibt es vermutlich noch ein Interview mit Dan Shocker zu
bestaunen, wenn alles klappt...
050404
Heute bin ich an einem
Kaugummiautomaten vorbeigekommen. Darin befanden sich zahlreiche
appetitlich anzuschauende Kugeln, die mich in meiner Adoleszenz noch
wohlig aufgewühlt hätten, da ich auf diese
farbstoffummäntelten Zuckerbatzen stand. Doch nun - oh weh! -
stecken die Kugeln in diesen hygienischen Plastikumhüllungen, die
aufzudräuseln einige Übung erfordert und nicht selten im
kompletten nervlichen Zusammenbruch des Kauwilligen resultiert. Ich
finde: Die Bazillen sind mir wurscht - wenn Kugeln, dann für
jedermann zugänglich! Eine Freundin erzählte mir heute,
daß die Kugeln so ganz und gar nicht ihr Fall waren, wohl aber
die Lutschpuppen, die
inmitten der Kugeln wohnten. Normalerweise gibt es ja nur diese
langweiligen Plastikringe oder anderen Ramschnippes, die als besondere
Belohnung angeboten, nicht aber zwingend so empfunden werden. So war
das zumindest in meiner Kinderzeit: Man steckte damals einen Groschen
in diese Rumdrehvorrichtung, drehte dann rum, und mit einem
sympathischen Klackern machten sich zwei oder drei Kugeln auf die
Reise. Wenn ein blöder Ring im Fach lag, gab das immer die
Spinatmaske. Bei meiner Freundin waren es eben diese Lutschpuppen von
Monchichi (oder so), die sie auf dem Wege zu ihrem Ballettunterricht an
dem Automaten innehalten ließen. Sie hat Mark um Mark auf diese
Weise verjuxt, aber eine Lutschpuppe bekam sie nie! Toll auch die
Geschichte, die sie mir über Glückskekse berichtete. In der
Regel sind die horoskoptauglichen Botschaften, die diese
süßlichen Waffelprodukte enthalten, ja auf uncharmante Weise
abgedroschen, im Stile von Poesiealbum-Sprüchen wie "In allen vier
Ecken/ Glück soll drin stecken." Einmal scheint aber einen der
Keksspruch-Dichter der Schalk geritten zu haben, denn einer ihrer
Freunde erwischte mal einen, in dem sich der folgende Spruch befand:
"Hilfe! Ich bin in einer Glückskeks-Fabrik gefangen! Bitte holt
mich raus!" Ansonsten im Westen nix Neues. Ich habe endlich THE
TEXAS CHAINSAW MASSACRE gesehen (neue Fassung) und Takeshi Kitanos DOLLS,
sowie einige andere Filme.
010404
Heute haben Überraschungen bei mir nichts zu suchen! Ab einem
gewissen Alter muß Schluß sein mit dem zwanghaften
Verhohnepiepeln, Verkackeiern und Fürdummverkaufen. Wenn man zu
einem recht beliebig ausgewählten Zeitpunkt des Jahres das
nachäffen soll, was die Bundesregierung (und andere vermeintlich
ehrwürdige Institutionen) das ganze Jahr über treiben, dann
ziemt sich die Narrenpause. Heute soll mal strammer Ernst gepflegt
werden. Aus meinem eigenen Leben läßt sich heute nur
vermelden, daß ich einige Video-8-Aufnahmen von dereinst
wiederentdeckt habe. Da waren Erinnerungen drauf an meine diversen
Interviews, und entzückenderweise waren da auch einige Dinge, die
ich in den bereits veröffentlichten Texten außen vorgelassen
habe oder die in Schriftform einfach nicht mehr wiederzugeben waren.
Das war einfach geil und machte mir wieder Mut, etwas nachzuhaken. Wie
war das damals, als ich diesen italienischen Exploitation-Zaren aus DIE
BESTIE AUS DEM WELTRAUM interviewt habe? Nicht Vassili Karis - der
andere, der sich mit ihm prügelte. Der hat mit Claude Chabrol und
anderen Leuten gefilmt und sehr intelligente Vorstellungen von der
Filmkunst gehabt. Der verkündete mir vor gleißendem
Gegenlicht eine Apokalypse Italiens, die sich gewaschen hatte! Der
erzählte Geschichten von den Umtrieben, die kleine Maler einst in
die Fänge von Italiens Filmindustrie führten. Da war auch
diese Frau aus deutschen Landen, die über MISS STILETTO einst in
den Gräben des dort tobenden Kommerzbetriebes landete und
schließlich bei Mario Bava (in seinem einzigen bei uns
beschlagnahmten Film) brutal ermordet wurde. Auch jene Frau, die im
Fulci-Haus, das an der Friedhofsmauer lag, die richtige Breitseite
bekam, sollte endlich mal im Interview gewürdigt werden. (Das
Interview brach ab, als ich ihr verkündete, daß ihr Freund
Raimund Harmstorf durch Suizid aus dem Leben geschieden war.) Nach
meiner letzten Romfahrt ereilte mich meine Krankheit, und da mich
danach andere Sachen wesentlich mehr beschäftigten als die
Interviews, stehen Smalltalks mit Freunden wie Venantino Venantini,
Brigitte Skay, Dagmar Lassander, Richard Harrison und anderen noch
immer im Dunkeln. Auch bei den bereits publik gemachten
Heroengesängen gab es ein flottes Wiedersehen, das ich jetzt
einige Jahre hinweg verdrängt habe. Erika Blanc - der ich einen
Heiratsantrag gemacht habe - macht in der Videoversion Anthony Steffen
nach, daß einem die Augen quellen. Ihre Katzen belagern den
Bildschirm, daß es eine Wonne hat, und die Detailaufnahmen beim
Autogrammgeben belegen, daß sie für ihre Jahre sehr schlank
geblieben ist. Barbara Bouchet hockt vorm knisternden Kaminfeuer und
erzählt von damals. Jenny Tamburi (jüngst Zelluloid-Gast im
Filmclub) gibt die alltäglichen Tätigkeiten ihrer
Künstleragentur preis. Susan Scott und ihr immernochiger Ehemann
Luciano Ercoli präsentieren Eleganz bis zum heutigen Tag. Andere
Heroen sind nicht so glücklich, können aber sicher sein, von
mir ebenso wohlwollend repräsentiert zu werden. Mann, was war das
nur für eine seltsame Welt damals! Sergio Bergonzelli habe ich
leider nicht dabei gefilmt, wie er mich volltrunken in der verkehrten
Richtung durch eine Einbahnstraße gefahren hat. Der Mann ist in
der Originalfassung explosiver als Helmut Berger! Mit Sicherheit steht
da noch ein "Splatting Image"-Coming-Out an... Ich habe einige
Unkentöne vernommen im Hinblick auf diese Publikation, aber es ist
ja kein Zufall, daß ich bis zum heutigen Tage unentgeltlich
für diese Publikation tätig bin. Nicht nur hätte keine
andere Zeitschrift auf Gottes Erdboden meine Ergüsse nahezu
unzensiert gedruckt bis zum heutigen Tag - es hätten auch viele
Lichtgestalten nicht den Weg zu meinen Zeilen gefunden. Ich habe einige
Male das Vergnügen gehabt, daß Leute, von denen ich Fan
gewesen bin, auf einmal liebe Worte in meine Richtung vermeldet haben,
was mir durchaus andeutete, daß der ganze Quatsch doch einen Sinn
gehabt hat. Darüber hinaus haben mir viele liebe Mitmenschen schon
kundgegeben, daß meine verquaste Prosa ihnen Lust gemacht hat auf
mehr vom selben. Nichts macht mich stolzer als das. Da stehe ich auf
dem Gipfelpunkt der Halde:

Da war zur Linken das Parkstadion und
zur Rechten die Schalke-Arena. Und da, wo es zählte, war meine
Cora. (U.a. hinter dem Fotoapparat, sonst hätte das mit dem Foto
nicht geklappt!) Und gleich noch´n Foto:

Was
sind das denn für Tucken?
300304