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NEWSTICKERARCHIV
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300603
Oh weh, nun ist meine Lieblingsschauspielerin Geschichte! Im Alter von 96 Jahren starb Katherine Hepburn die Große, eine der letzten großen Hollywood-Legenden. Mit ihrem vierten Film, der schönsten Version des Bürgerkriegs-Epos LITTLE WOMEN, landete sie ihren ersten Erfolg, und trotz einer durchaus nicht ungetrübten Karriere (sie war als freidenkerische und gegebenenfalls halsstarrige Frau bekannt) wuchs sie vielen Kinogängern ans Herz. Mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Spencer Tracy (dem sie beistand bis zum Tod) spielte sie in einigen ihrer schönsten Filme, darunter WOMAN OF THE YEAR, EHEKRIEG und PAT UND MIKE. Mit Cary Grant spielte sie in den großartigen Komödien LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT, SCHWESTER DER BRAUT und DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT. (Letztere für mich die wundervollste Filmkomödie überhaupt!) Andere Riesenerfolge waren AFRICAN QUEEN mit Humphrey Bogart und die morbide Tenneessee-Williams-Verfilmung PLÖTZLICH IM LETZTEN SOMMER. Und ich bin sicher nicht der einzige, der von AM GOLDENEN FLUSS zu Tränen gerührt wurde. Sie hat so einigen Hollywood-Leuten die Stirn geboten und machte auch sonst, was sie wollte. Sie war ein ruhiger, spröder Star von Intelligenz und Klasse. Möge die große alte Dame in Frieden ruhen.

R.I.P.
250603
Juchhei, ich bin in den Mikrokosmos vorgedrungen! An einem heißen Sommertag habe ich mir endlich ein eigenes Mikro zugelegt, und es ist nicht etwa ein x-beliebiges Mikro, sondern das vorzügliche Shure SM-58, mit dem schon Immanuel Kant seine aufklärerischen Lieder auf niederen Tonspulen verewigt hat, damals, als es noch keine Digitaltechnik gab. Wer könnte seinen Klassiker vergessen, der da lautete: "Erasmus von Rotterdam kann meinen leuchtenden Hintern im Mondschein bewundern"? Auch erinnerungswürdig ist sein Song "Der heilige Augustinus ist eine blöde Nuß/ Sein Mundgeruch war ein übler Fluch." Das Versmaß ist nicht gerade vorbildlich, aber von einem Philosophen erwartet man halt keine Ebenheit. Er ist als Sänger auch nicht übermäßig bekannt geworden, aber das lag mit Sicherheit nicht am Mikro, denn das ist wirklich klasse. Bei den letzten beiden Proben waren die Ergebnisse vergötterungswürdig, und mein Organ hat da vergleichsweise wenig mit zu tun. Schalmeiengleich drangen die Töne in die Stratosphäre und brachten die tumben Tauben zum Erzittern. Wir haben auch zwei neue Songs eingeübt, deren erste Versionen zuversichtlich stimmen. "Seebär-Lilly" ist ein frommer Rock´n´Irgendwas von unserem Bassisten, den ich mit der Mär um einen Menschen versehen habe, der in eine marine Prachtschnecke verknallt ist. Die mag halt nur Seemänner. Den Text findet man auf der Frosch-Lyrics-Seite. Klingt sehr schmuck. ("Wenn ich einen Hering seh´, denk´ ich an die Beringsee.") Mit dem Song über das Nixtun bin ich hingegen noch nicht zufrieden. Da muß noch gefeilt werden. Morgen ist Werner Enke ("Ich mag es nicht, wenn sich die Dinge am Morgen schon so dynamisch entwickeln!") zu Gast bei den Freunden vom "Besonders wertlos"-Festival, und deshalb muß ich mich beeilen. Das Nichtstun ist eine heilige Pflicht, die den Geist von den Fesseln des selbstzweckhaften Fleißstrebens befreit. Sehr nett war immerhin die Reggae-Version von "Blitzkrieg Bop", welche gar fluppte. Das Titelstück des formidablen Filmes "Spider Baby" groovte auch doppelt schmissig mit einer Extraportion Hall. Vielleicht werden wir demnächst mal ein paar runterladbare MPEGs anbieten, damit sich die Umwelt schon mal auf das kommende Gewitter einstellen kann. Ausgesprochen angetan war ich auch von der Megaphon-Version des alten Undertones-Krachers "Teenage Kicks", besonders von der zweiten, welche ergänzt wurde durch die Zeilen: "Ich habe mich im Text verschaut und hab´ schon den Song versaut." Meine Herzdame hat sich gestern den Magen verdorben, als sie mit einer Freundin ein Dessert namens "Tod durch Schokolade" genossen hat. Außerdem habe ich mir mit der famosen Frau einen japanischen Zeichentrickfilm namens PRINZESSIN MONOKEL angesehen. Darin ging es um ein junges Glattgesicht, das von einem wilden Eber angefallen wird und daraufhin fürchterliche Hautgeschichten bekommt. Um das dermatologische Ungemach zu beseitigen, reist der Held in die finstere Umwelt, wo eine fiese Schnecke namens Prinzessin Ebola ihr Unwesen treibt. Sie läßt sich von leprösen Schergen todbringende Wummen basteln und will dem Gott des Waldes den Kopf abschneiden. Daraufhin melden sich die Kräfte der Natur zu Wort (Wölfe, Keiler und Affen) und streiten nach Leibeskräften. Der Gott des Waldes - Hirsch von Beruf - hat mit diesen Scharmützeln wenig am Hut und hält dagegen. Am Schluß sprießen Klee und Immergrün aus den nackten Felsen. Die kitschigen Anteile in diesem Film halten sich wirklich in Grenzen, und wer am Schluß nicht mit offenem Maul am Boden haftet, hat sein Weltengeschick wirklich fehlinterpretiert. Ich hasse die Disney-Filme schon seit einiger Zeit, da sie den speziellen Zauber des Zeichentricks vernachlässigen und auf eine mechanische Nachäffung des Realfilms setzen, also ein tristes Nachbeten gewohnter Sehmuster. War das toll, als Donald Duck, Tom & Jerry und alle anderen Zeichentrickhelden ihren eigenen Bewegungsmodus hatten? Das war toll und gebar eine Welt jenseits der unsrigen. Vor kurzem habe ich auch den vielgelobten SHREK gesehen, und der war zwar zweifellos besser als der KÖNIG DER LÖWEN und seine Kinder, aber viel mehr als ein beherzter und intelligenter Anti-Disney kam dabei nicht heraus. Bei PRINZESSIN MONOKOKEL schaut an verschiedenen Stellen das wahre Märchen hervor, und es treibt einem die Tränen in die Augen, so schön und ermutigend ist das. Für Kinder ist das vielleicht etwas zu blutdürstig und zu grimmig - wenn der dämonisierte Oberkeiler vom Elchgott gefällt wird, ist wirklich ganz Feierabend -, aber das Herz pocht am rechten Fleck und schafft Platz für lichte Gedanken. Wenn der Gott des Waldes sternglitzernd durch die Flur schreitet, hat sich mir wirklich die Kehle zugeschnürt, so schön war das. Und die klickernden Waldgeister haben es mir natürlich besonders angetan. Mit Sicherheit gibt es die Kollegen als Action-Figur. Wenn ja, dann werden Cora & ich bestimmt zwei davon erwerben. Die Waldgeister sind der Wahnsinn auf Stelzen. Mal schauen, wie der neue Film von Hayao Mizayaki ist - wir werden ihn demnächst alle im Kino schauen können! (Habe den Titel vergessen, ups...) Mit Cora habe ich vor kurzem schon den neuen Ellroy-Film sehen können, DARK BLUE. Genaugenommen basiert er nur auf einem Treatment von James Ellroy, aber es hat sich neben einiger MTV-Gewieftheit doch einiges von der Qualität des Werkes des bedeutendsten gegenwärtigen US-Krimiautors ins Endresultat retten können. Kurt Russell (in seiner mit Abstand besten Rolle - der Mann ist wirklich super!) spielt einen widerlichen rassistischen Bullen, der mit einem jungen Idealisten zusammengewürfelt wird. Im Gefolge der Rodney-King-Sauerei (Wir erinnern uns: Ein junger Schwarzer wird von weißen Bullen fast zum Krüppel getreten, was unglücklicherweise von einer Videokamera mitgeschnitten wird!) kommt es zu einem Initiationsritus in Sachen Realität. Leider kann der junge Polizist den zynischen Dreckskram seines abgehärteten Kollegen nicht mitmachen, weshalb es zu dramatischen Störungen im Polizeiapparat kommt. Am Schluß setzt es ein wohlwollendes Finale, das Ellroy etwas schönbürstet, aber ansonsten handelt es sich um bemerkenswert deftiges Gewaltgewitter, in dem der Mensch sehr von seiner unmittelbaren Umgebung bestimmt wird. Das geht hin bis zum vorsätzlichen Mord, der von der Exekutive gutgeheißen werden soll. Der idealistische Polizist kann damit nicht leben, und so hagelt dann im Schlußteil - der während der Post-King-Krawalle stattfindet - ein blutiges Erlösungs-Showdown, das die verirrten Wege der Polizisten dann letztendlich doch in die richtigen Wege lenkt. In der Wirklichkeit haben die Cops, die Mr. King plattgetreten haben, lächerlich geringe Strafen bekommen, und das auch nur wegen der Krawalle. Der Film besticht durch eine exzellente Darstellung von dem von mir fälschlicherweise geringgeschätzten Kurt Russell und der beiden fiesen Killer (Poor White Trash und Crack-Nigga), und er unterläßt beachtlicherweise eine moralische Bewertung, zumindest an der Oberfläche. Die Charaktere erscheinen trieb- oder giergesteuert und kegeln sich durch das Dickicht, das wir Leben nennen. Mit dem brennenden L.A. (remember Watts?) wird sogar eine religiöse Komponente angeschnitten, die dem Ellroy-Universum durchaus nicht fremd ist. Die Synchro haut einige unnötig vergröbernde Klopfer hinein, die den Ansatz zur schwarzen Komödie noch verstärken. Aber wenn auch der Film den Kassenerfolg mit Sicherheit verfehlen wird, so sollte man ihm dennoch seine Aufmerksamkeit leihen. So schwarz wird die Welt nicht mehr - in den Nachrichten bleibt sie nur grau. Die Leute haben keine Arbeit, die Politiker lügen nach Leibeskräften, und die Justiz kümmert sich um die Problemfälle. Danach kommt der Werbeblock. Bei Ellroy kommt eben nicht der Werbeblock. Das ist nicht versöhnlich, das ist nicht stramm agitatorisch - das orientiert sich streng an der wesensmäßigen Orientierung der Charaktere an ihrer persönlichen Historie. Die wohnt bei McDonald´s, die wohnt im kommerziellen Fernsehen, und dazwischen verbleibt Ficken und das Hoffen auf einen Erlöser. Die Sinnsuche als Knochenarbeit für den strauchelnden Moralisten - bei Ellroy nimmt sie Form an, blutig und beherzt. Der Film ist vielleicht umgedichtet und mehr an das Hollywood-Format angepaßt, aber er gibt Ellroys Geist trotzdem noch adäquat wieder. Man mag manchmal kaum hinkucken, und kommerziell wird der Film mit Sicherheit gefloppt sein, aber Ellroy habe ich da satt gefunden. Teilweise hat mir der Unterkiefer an der Popcornschachtel geklebt. Aber wenn Watts Lloyd Hopkins geformt hat, so bietet uns Rodney King einen Einblick in das moderne Amerika vor Afghanistan und dem Irak, wie es kaum ein anderer amerikanischer Film gewähren wird. Beim ersten Ansehen fand ich den Film so lala, aber mittlerweile ist er richtig gewachsen. Das ist der Weltklang, wie er von den meisten Medien ignoriert wird. Er ist böse, er ist eklig und er hinterläßt den berühmten Nachgeschmack, der die meisten gesunden Sachen kennzeichnet. Ein würdiger Appendix zum Thema Polizeifilm. Ich möchte nicht verschweigen, daß ab heute die Sons of Tarantula eine neue CD im Hafen haben: "Obenrum am Heulen - untenrum am Keulen". Wer Papst Kasper eine sehr eigenwillige Version von "Let It Be" singen hören will, wer den Friseur kennenlernen will, der nur Facon zuläßt und wer gemeinhin hören will: "Wir schießen, um zu töten", der melde sich entweder bei der Polizeidienststelle seines Vertrauens oder beim Sittenstrolch.
Die samstägliche Sitzung des Filmclubs B.O. war leider wieder sehr angenehm. Ich würde gerne einmal zur Abwechslung vermelden können, daß das nicht der Fall gewesen wäre - daß etwa die Leute vom Komitee mich gebissen hätten oder so -, aber es gab nur die gewohnte Harmonie. (Nächstes Mal bestelle ich ein paar schwere Jungs mit Eisenstangen, hähä...) Abends habe ich mich in mein Töfftöff gesetzt und bin nach Köln-Deutz gefahren. Dort lockte nämlich einer der seltenen Auftritte der Radierer, die als Punkverwandte begannen und sich beständig in Richtung Popmusik weiterentwickelten. (Siehe auch meinen Text über Limburgs Bands in der Musik-Sektion.) Als 13-Jähriger hätte ich mir nicht träumen lassen, die Herrschaften noch einmal live zu erleben. Mit Sänger C.B. (der mittlerweile Romane von durchaus zwielichtigem Charakter verfaßt) habe ich mich im letzten Jahr zwar nicht im Mehl, aber in Mails gewälzt, die bestätigten, daß er halbseidener und übel beleumundeter Filmware durchaus nicht abhold ist. Im sogenannten "KunstWerk" fand dann das Treffen statt, und ich war sehr angetan von dem forschen und dynamischen Herrn. Neben seinem gleichfalls netten Kollegen aus alten Kampftagen, Jürgen Beuth (Ex-"The Wirtschaftswunder"), erschien auch eine komplett neue Bandbesetzung mit insgesamt drei (!) Gitarristen, die einen entsprechend massiven Sound produzierten. Beuth klampfte in dezenter Position linksaußen, während ganz rechts ein versponnen psychedelisch wirkender Mensch wüste Soli produzierte. Rechts neben dem mit einem etwas bizarren Hemd bewamsten C.B. rumste eine sehr junge und sehr hübsche Leadgitarristin, daß es nur so eine Art hatte. Eine nicht minder hübsche Bassistin verrichtete links hinten cool ihr Handwerk und lächelte gelegentlich schelmisch. Der Schlagzeuger machte seine Sache nicht minder prächtig. Gemeinsam hauchte man einigen alten Nummern (darunter der "mikroskopische Mini-Hit" "Angriff aufs Schlaraffenland") neues Leben ein und brachte auch einige neue Weisen, darunter "Der schnellste Leichenwagen der Welt" und "Dafür brennst du in der Hölle" - jau, hat Spaß gemacht! Nach den Radierern spielten noch die Bit´s, aber ich war schon etwas ausgebombt und habe recht wenig mitbekommen, abgesehen vom Umstand, daß es sich um kompetente Krautrock-Frickeleien interessanter Art handelte, die von Damo (Can) Suzuki veredelt wurden. Vor kurzem ist eine "Best Of"-Platte der Radierer herausgekommen, "Cowboys auf Zebras", für deren Erwerb man sich am besten direkt an die Radierer wendet, auf deren Webpage man auch viele schöne Fotos und andere Leckereien erhaschen kann. Erwähnen möchte ich auch den Umstand, daß ich auf einen Schlag alle Leute kennengelernt habe, mit denen ich NDW/Punk-bezogenen Mailwechsel betrieben hatte - schöne Grüße an Gaukeli, Jörg und Franck! Ein ereignisreicher Samstag... Ich möchte nicht versäumen, Euch alle darauf hinzuweisen, daß von Donnerstag bis Samstag im "Endstation"-Kino in Bochum-Langendreer das "Besonders wertlos"-Festival tobt, auf dem wie üblich viele tolle Filme aus der Giftküche deutscher Psychotronik zu sehen sein werden - für Freunde des leicht abseitigen Filmes ein Muß! Das Programm und die Adresse erfahrt Ihr hier...

Schöne Grüße von einem netten Mann aus Kalifornien.
190603
Ach, es ist so viel passiert in letzter Zeit, und so wenig lohnt eine Erwähnung außerhalb meines privaten Mikrokosmos. Möllemann ist immer noch platt, Friedman kaut derweil an seinen "Paolo Pinkel"-Eskapaden (Super-Pseudonym! Cora meinte nur: "Der Mann hat Stil!"), und was sich die BILD-Zeitung ansonsten aus den Fingern saugt, hat weder erzieherischen Nährwert noch dichterische Verve. Dieter Bohlen soll demnächst den Bundesverdienstkeks am Bande erhalten, und einige Dumpfbacken regen sich pflichtschuldigst darüber auf. Wen interessiert das? Was mich angeht, so würde ich Herrn Bohlen auch den Friedensnobelpreis gönnen - eher verdient als George Bush der Zweite hätte er ihn allemal, allein aufgrund des Unterhaltungswertes. Ich hätte ihn allerdings auch verdient, und das auch wegen meiner Verdienste um hiesige Eiscafés. Ich kann mir nicht helfen, aber Eis rockt! Meine persönliche Präferenz ist ja fruchtiger Natur: Wenn das Orangeneis stimmt, werden ich und der Besitzer sofort Freunde fürs Leben! Im "Café Florenz" hier um die Ecke gibt es im Moment extrem leckeres Heidelbeereis, und kaum ein Tag sieht mich ohne einen lilanen Speiseeisbatzen in der Waffel, der flugs weggeschleckt ist. Wann kommt wieder das wunderbare Blutorangeneis? Das war Weltklasse, und ich habe italienisches Eis auch in seinem Heimatland geschleckt. Das beste Heidelbeereis bekam ich etwa 1 km von der "Spanischen Treppe" in Rom entfernt: Wenn man da von den auf der Treppe tätigen Pappagalli aus der 90-Grad-wegführenden Straße folgt, erwartet einen in gemessener Entfernung das Delirium auf Stelzen - so ein Heidelbeereis gibt es nirgendwo auf Erden! Und serviert wird es nicht in einem Vier-Sterne-Restaurant - die haben meist nur falbes Eis -, sondern in einer kleinen furunkeligen Kaschemme. Wenn ich da wohnen würde, würde ich nicht nur jeden Tag dort essen, sondern den Wirt gleich heiraten! Wer in den "Geheimnisvollen undsofort Filmclub" kommt, darf sich etwa 50 Meter zu linken (vor dem Kino stehend) orientieren - da gibt es kein überragendes Eis, aber Eis, das sich rechterdingens "Eis" schimpfen darf. Leckeres Eis halt. Ehrliches Eis, so wie es ehrliches Bier gibt, das bekanntlich bei Fußballspielen ausgeschenkt wird, in diesen billigen Plastikbechern. Die Authentizität des Bierverzehrs ist in Insiderkreisen ja noch immer sehr umstritten. Umstritten ist sie allerdings nur in den Deppenkreisen innerhalb des Insiderkreises, denn Bier ist überall authentisch, ob aus Flasche oder aus Dose. Bier ist ein Proletariergetränk, das den schwammichten Talg des unerfreulichen Tages tötet, und dient dem Durchwaschen des Gemütes. Anders als Wein. Wein hat das Odium des Feierns in sich. Sich mit Wein depressiverweise zuzuschütten ist meines Erachtens schändlich, denn die guten Trauben lohnen das Fest des Besonderen, und das hat der gemeine Mensch nur dann und wann. Wann gibt es schon mal was zu feiern? Wenn man in einer Absackschwemme abhängt und den Hergott einen guten Mann sein läßt, ist Bier ein ebenso unverzichtbarer wie wohlgelittener Nottropfen. Wenn höhere Geselligkeit an die Tür pocht und um Einlaß bittet, dann ist man mit Bier ebenfalls gut beraten, wenn auch der Pinkelfaktor sehr hoch. Wein hingegen verkündet den Sieg des elevierten Geistes über die Materie, der dem schnöden Alltag trotzen will und den Einzug der Erhabenheit verkünden will. Wein geziemt sich für Feiern höherer Weihekraft, wenn mal das Persönliche Schönheit aus dem kruden Einerlei heraustrotzt. Wenn der erste eigene Erbkriegsroman veröffentlicht wird, gehört ein strammer Burgunder zur adäquaten Besäuselung. Wenn man sein Abitur oder seinen Uniabschluß hinbekommt, feiert man mit der Genossenschaft in exzessiver Biergeselligkeit, aber den persönlichen Triumph begeht man mit Wein. Harte Spirituosen benutzt man gefälligst nur in Ausnahmefällen, wenn die große Liebe abhanden kommt oder der Zinshahn am Lebensnerv nagt. Meine persönlichen Erfahrungen mit Whiskey besagen, daß man seine Finger davon läßt, wenn man am nächsten Tag noch was werden will. Ich habe da immer einen dicken Kopf bis zum übernächsten Tag, und das kann es nicht wirklich sein. Ein Gläschen bei einer Geselligkeit macht noch Sinn, aber mehr gibt man sich gefälligst nur bei Selbstmitleidsanfällen, für die man sich später schämt. Wie für jede Sünde gilt für Alkokol das Gesetz des Genusses, das dann die Höchststrafe verhängt, wenn es die Wunder des nächsten Tages erheblich schmälert. Ganz ohne Spirituösien habe ich die letzten Tage verbracht, die gezeichnet waren von Wunder und Wohlsein. Ich habe den Umstand genossen, daß ich eine Freundin habe, mit der ich auch Horrorfilme kucken kann. Mit meinem Herzblatt habe ich etwa "Blutiger Valentinstag" geschaut, was ihrer eigenen Idee entsprang, einen Zombiefilm zu erschaffen, der von Kohlenkumpels handelt, die wieder zum Leben erwachen und ihr Tagewerk verrichten, wie das schon immer ihre Art war. Ich möchte auch liebe Zombies haben, die einfach nur das machen, was ihre Natur ihnen vorgibt. Vielleicht müßte ich dann nicht mehr die netten Enten und Erpel auf dem See kucken gehen oder den forschen Welsen in den Tiersendungen mein Auge leihen. Dann wäre vielleicht der Natur mehr genüge getan als bei dem gegenwärtigen Massenwahnsinn, der kaum Fulminanteres gezeitigt als die Tittenelse, die wir gestern im TV gekuckt haben. Die hat ihre silikonbewehrten Hängebrüste entblößt und dazu von Muskelkrämpfen, Zwerchfell und anderen biologischen Fakten berichtet, während sie einen Striptease aufführte. Manchmal überrascht einen doch noch etwas - Striptease plus Schulfernsehen. Die Macher mögen das ironisch gefunden haben, aber ich fand das auf tragische Weise treffend. Man möchte da nur noch seine Ironie im Abfallbehälter deponieren und an den Uemminger See gehen. Dort kann man dann die Enten kucken, die solch einem Unfug gänzlich abhold sind. Die kucken dann zurück und sind ähnlich schimmerlos wie man selber, nur irgendwie selbstzufriedener. Die machen einfach Natur. Die Schwanenkinder waren diesmal schon etwas größer. Ich finde diese grauen flodderigen Gesellen irgendwie richtig super und noch schöner als ihre schmucken Eltern. Die sehen zerwuselt aus, ungeordnet und sehr vollwirsch. Sie hängen ihren Eltern immer an den Fersen, aber man weiß halt, daß sie schon bald selbstbestimmt den See umkrempeln werden, wie ihr Wesen ihnen das halt gebietet. Das geht dann solange, bis wieder ein gefiederter Weißhals kieloben im Wasser treibt. Manchen treibt das das Wasser in die Augen, aber ich finde es immer tröstend, denn das Spiel hat immer ein Ende, wenn es denn passiert. Und wenn die dummichten Spaziergänger denn nicht Weißbrot verfüttern, bis es den See zum Umkippen bringt, dann geht das auch immer so weiter. Das graue Schwanenkind legt los, schwimmt durch die Gegend, bettelt sich das Essen zusammen, wird stark und famos, brüstet sich mit dem Schwanenweiß, verliert im Kampf mit den anderen Schwimmvögeln seine Federn und bleiert ab. Dann fällt der Schnabel ab und das Wasser fordert sein Recht. Überleben tut der See, aber was die Enten, Gänse und Schwäne schon mit mir angerichtet haben, wird auch an vielen anderen nicht verlorengegangen sein. Der See lebt weiter, und wenn die fucking Touristen ihn nicht mit gutgemeinten Brotkrumen zupflastern, wird das wohl auch so weitergehen, bis ans Ende der Tage. Wie mag das wohl aussehen, wenn der letzte Schwan auf der Wasseroberfläche treibt? Es wird so aussehen wie immer - nett, grau, stimmungsvoll, die Bäume werden pittoreskes Beiwerk abgeben, alles wird so sein wie immer. So ist es schon immer gewesen - so wird es auch immer sein. Der Schwan wird dann halt in den Untergrund absegeln, und sein Schnabel wird Moos oder ein Juwel. Eine meiner Lieblingsfiguren in dem James-Ellroy-Roman, den ich gerade lese, hat gerade einen Herzinfarkt bekommen. Vielleicht wird er sterben. Mal schauen, was da so passiert. Ob mein Schnabel Moos oder ein Juwel wird, weiß ich im Moment auch nicht so recht. Aber mir haben gerade die zerfledderten Noch-nicht-Schwäne gut gefallen. Und vielleicht treffen sie im Jenseits ja die Kanarienvögel, die die Kohlenkumpel immer mitgenommen haben, um austretendes Erdgas zu orten. Die blöden Vögel merken das immer als erstes, und die Bergarbeiter bringen sich dann in Sicherheit. Es sei denn, der Flöz explodiert, bevor die Proletarier Land gewinnen können. Dann ist guter Rat teuer, und die Kanarienvögel sind auch nicht glücklicher darum. Ich bin sicher, daß diese Welt eine Menge Trost bereithält. Er steckt in einer kleinen Dose in einem Erdloch nahe Husum. Wer da nie hinkommt, muß halt weiterhin weiterplanschen im Dorfteich. Manchmal werfen wohlmeinende Menschen ein paar Brotkrumen hinein, aber man weiß gar nicht, was man davon halten soll. Was habe ich gerade früher am Abend gehört? Eine Neonazi-Combo, die da verkündete: "Wir sind dreckig, kahl und hundsgemein." Dreckig macht gar nichts aus im Tümpel. Kahl ist auch okay, denn man kann sich so manchen Algengriepsch aufsetzen, wenn man nur mag - da wird einem schön warm. Hundsgemein - hmmh, ich bin kein Hundefan, aber Hunde sind nicht gemein. Hunde wedeln mit dem Schwanz und suchen nach dem Fressi. Hunde sind sehr zweckgerichtet und lieben ihren Meister. Sie lassen ihren Kot und markieren ihr Revier, wen immer es schert. Sie sind herzlich menschlich, genau wie die stolzen Schwäne im Teich, die manchmal promenieren und manchmal struppicht sind. Sie beißen selten nach der Hand des Meisters, und wenn sie es tun, sind sie selber am ärmsten dran. Ich und meine Herzfrau haben neulich am See gelegen und uns den ganzen Quatsch angesehen. Wir haben ein paar Hippies getroffen, die mit merkwürdigen Musikinstrumenten in die Gegend geblasen haben. Wir haben Fotos geschossen von uns selbst. Wir haben uns in die Gegend gelegt, wo keine Menschen waren, nur herumbaumelndes Gestrüpp. Ich habe mein T-Shirt ausgezogen und meine griese Wampe da gelüftet, wo es mir am peinlichsten ist. Es hat mir gar nichts ausgemacht. Es war ein wunderschöner Tag. Die verdammten Insekten sind mir über die Haut gekrochen und haben meinen Schweiß gefressen. Die Baumwipfel bogen sich über uns. Gelegentlich rauschten Passanten vorbei auf Fahrrädern oder zu Fuß. Wir haben sie kaum wahrgenommen. Wir sahen uns selbst und kümmerten uns einen Kehricht über unsere Umgebung. Der Wind jubelte durch die Gegend, und was da an belastender Witterung war, entlud sich bald in einem Gewitter. Der ganze Rest der Welt war mir scheißegal. Ich war einfach froh, am Leben zu sein. Die Schwäne suchten Zuflucht auf der Schwaneninsel. Die Enten tauchten unter im Algengriepsch. Wir beide schafften es gerade bis zum Auto. Dann goß der Himmel los. Da kam eine Pisse herunter - man soll es kaum für möglich halten! Wir sind nach Hause gebrettert, so schnell es die Reifen zuließen. Dann haben wir uns einen leckeren Tee gemacht. Das Leben ist manchmal eine fürchterlich komplizierte Angelegenheit. Aber es macht alles irgendwo Sinn. Diese zerfledderten Jungschwäne kommen mir immer wieder in den Sinn, aber mit etwas muß man wohl fertigwerden. 170603
Leider habe ich im Moment nicht so viel Zeit. Ich möchte aber nicht versäumen, auf den kommenden Samstag hinzuweisen, wenn der "Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega" wieder seine Pforten öffnet. Beim diesmaligen Doppelprogramm, "Pinocchios Mutter", geht es im Hauptfilm um eine dominante Frau und ihre äußerst schlechten Angewohnheiten. Obwohl es sich um einen kanadischen Film handelt, trägt sich die erste Hälfte des Filmes in einem russischen Gefangenenlager zu, einem sogenannten Gulasch, und wer da hineingewürfelt wird, kann sich wirklich gratulieren! Ein sibirischer Tiger ist nichts gegen diese grause Übermutter, deren Brüste ebenso überragend sind wie ihr Einfallsreichtum in Folterdingen. Ein aufrüttelndes Plädoyer gegen jede Art von autoritärer Gewaltherrschaft! Als erster Film läuft ein europäischer Agentenfilm aus den 60er Jahren, den die Clubberer und ich beim vorletzten Silvesterfest genossen haben. Trotz zahlreicher Gäste (etwa Christopher Lee oder George Raft) steht und fällt der Film mit dem Hauptdarsteller Bob Cummings, der so eine Art unfreiwillige nackte Kanone darstellt - vielleicht der tuckigste Agent im Bond-Fahrwasser bzw. auf der Bond-Bremsspur. Zweimal hölzerne Mienenschneider im Kampf gegen das Patriarchat - das darf man sich eigentlich nicht entgehenlassen!
120603
Mit viel Gottvertrauen, aber ohne hundertprozentige Sicht, hänge ich an dem Laternenpfahl, der heute abend in meinem Arbeitszimmer gewachsen ist! Er steht ungefähr da, wo meine Godzilla-Socken gelegen haben, als ich sie vor zwei Tagen in einem Aufwallen von Ausgelassenheit ausgezogen habe. Zur Rechten befindet sich mein Computer, zur Linken meine Hifi-Anlage. An die Mitte des Laternenpfahles hat ein Schiffskapitän eine Golddublone geheftet, die jenem überantwortet werden soll, der den weißen Wal als erster sichtet. Bisher hat sich noch niemand gemeldet, und so stehe ich an den Mast geschmiegt und halte Maulaffen feil. Das mit dem "am Mast hängen" war möglicherweise etwas undeutlich formuliert. Mein Rückgrat ist mitnichten gebrochen, mein Körper verrenkt und meine Schließmuskelfunktionen kompromittiert. Ich döse nur leicht bedrömelt an dem neuentstandenen Weggefährten, genieße die ungewohnte Festigkeit in der Körpermitte, die sich rücklings dem ehernen Pfahl anbiedert. Es gibt so wenige Konstanten in dieser Welt, daß man manchmal schon mit Nettigkeitsgesten zufrieden ist. Ganz oben auf der Mastspitze befindet sich ein launiges Donald-Duck-Konterfei, das ich noch anheften konnte, bevor der Mast meinem Einzugsbereich entschwand. Das ist schon einige Tage her, und jetzt lächelt Donald aus etwa 5 Meter Höhe. Ich hätte nie geahnt, daß meine Wohnung so verdammt hoch ist! Aber mit solchen Überraschungen müssen viele von uns leben, denke ich. Eine Wohnung besteht ja nicht nur aus vier Wänden und einem Dach, sondern auch einem gerüttelt Maß an Geschichte. Die Geschichte ist dann nicht immer so bedeutsam wie der in der Schule erlernte Jahrestagsreigen, aber sie weist einem den Weg in die persönliche Entwicklung. Mein Donald hängt im Moment ganz oben, und Krähen machen sich am Schnabel zu schaffen. Donald weiß sich da einigermaßen zu behelfen und schnappt nach Leibeskräften, aber das kriege ich hier unten kaum mit... Ich fechte mit den gewöhnlichen Alltagsgespenstern, etwa dem Ku Klux Klan. Angelernt von der James-Ellroy-Story, die ich heute gelesen habe, habe ich mich mal auf diverse Klan-Seiten verirrt. Die sind ganz wild und erzählen von interessanten Verschwörungstheorien. Die offizielle Klan-Seite ist noch relativ artikuliert und erzählt ihren rassistischen Unfug in fast liberaler Gewandung. Bei "freieren" Ableitungen in den Südstaaten erblickt man das ehrlichere Klan-Gesicht, wo Volkes Stimme spricht, und zwar mit Macht. Man möchte da Charley Darwin richtig Goodbye sagen und mit seinen Galapagosfinken happyenden, auf einem kargen Eiland, der simplen Natur ergeben, die da nur vom Überleben handelt. Die Klan-Kasper backen aus ihrem Haß Brote ganz verschiedener Zutaten, die manchmal literarische Qualität besitzen, manchmal nur das durchschnittliche Gesalbadere frustrierter Arbeitspferde. Bei Ellroy haben diese Leute die Anwesenspflicht und verschießen ihre Mischung aus Galle & Gläubischsein, doch der Gott solcher Mißgeburten hat mit meinem nix zu tun. Meiner hat Humor, einen Dicken wie ein brünftiger Otterrüde und vor allen Dingen ein Herz im Leibe. Bürokratie gibt es bei meinem Gott nicht. Wenn da mal wer in der Schlange steht, dann wird der quer durcheinander gemixt! Wenn wer an seinem Dasein darbt, dann wird der saftig in den Hintern getreten, und nicht allein gelassen. Wenn wer auf Klan-Seiten kuckt, dann wird er mit einem Vorrat an Humor und Iggy-Pop-Musik gesegnet, der die Dummblagen so dastehen läßt, wie sie dahingehören - nackte Männer, Frauen und Kinder mit albernen Laken, auf denen nicht einmal irgendwelche sinnspendenden Werbeträger vermerkt sind. Die stehen da einfach so rum. Michel Friedman - passend zum jüngst erfolgten Möllemann-Absturz - steht jetzt unter dringendem Drogenverdacht. Im Zweifel für das Reh, will es das Strafgesetz, und bevor ich mich darüber beöle, warte ich erst einmal ab, was daraus wird. Sollte er sein Näschen unlauter mit Koks bestäubt haben, werde ich recht herzlich darüber lachen, aber auch nicht wirklich antisemitisch, denn den Spiegel finde ich eigentlich sehr nett und gänzlich koksunverdächtig. Ich selber bin gerade gestern abend von der Bullerei angehalten worden und war begeistert von der netten Abwicklung. Ich hatte zwar gerade den Hintern voll und überhaupt keinen Bock auf behördliche Drangsal um 1 Uhr morgens, aber der vollziehende Uniformant war jung, bestrickend fesch rasiert und sehr bürgernah. Ich blies in so einen Plastikstumpen, der sich nicht verfärbte und somit meine quasi jesuhafte Unschuld dokumentierte, und so wurde mir denn eine gute Fahrt gewünscht. Wenn mir häufiger jemand eine gute Fahrt wünschen würde, wären mir auch solche autoritären Machtspielchen recht. Manchmal kommen aber auch Suppenkasper, die mir statt dessen bedeuten, daß ihnen mein Wagen zu unaufgeräumt ist: "Naja, muß jeder selber wissen!" Auch super der Grenzbulle, der mir einmal sagte: "Sie riechen aber nach Knoblauch!" Treibgut im Strudel der Gezeiten, egal sowas. Ein apper Arm oder ein Magengeschwür sind vermutlich viel garstiger. Ich war gestern bei einer Freundin, bei der mir vor allen Dingen der Ausblick auf die Fleischerei Haarmann imponiert hat. Sie meinte, da sei einmal eine Freundin von ihr reingegangen. Ich hoffe, daß sie auch wieder rausgekommen ist! Kai (unser Bassist) erzählte von einer Begebenheit, wo er mit seiner Liebsten an den Kemnader See gefahren war. Er besuchte mit ihr ein Zechen-Restaurant, um dort Waffeln zu verspeisen. Am Eingang verkündete ein Schild, daß hier von 1933-1945 Unschuldige gefoltert und mißhandelt worden seien. Abgesehen davon, daß ich das für eine ausgesprochen ungünstige und wenig appetitanregende Offenbarung halte an der Eingangspforte eines Restaurants, frage ich mich ernsthaft, wie man da Waffeln mit Puderzucker und Kirschen drauf servieren kann, wenn man nur einigermaßen sensibel ist. Direkt daneben wurden dann Tretboote und Sonnenschirme angeboten. Ach ja, Gregory Peck ist gestorben. Ein weiterer Hollywood-Titan biß ins matte Gras der ewigen Jagdgründe. R.I.P. Ich freue mich, daß ich noch am Leben bin, und das sollte man jeden verdammten Tag seines Lebens tun, statt sich selbstmitleidigem Bullshit zu überantworten. Wer nicht kämpfen will, sondern Selbstmitleid zelebrieren, dem empfehle ich den Kuckucksklan - der kommt komplett mit Meisenringen und Jod-S11-Körnchen! Allen anderen empfehle ich die gezuckerten Waffeln am Kemnader See, und danach ab in die Fleischerei Haarmann zur leckeren Pasteten-Asung. Der Donald von oben meint "Quak-Quak" und hat keinen Bock auf eine geregelte Arbeit. Seine Neffen bringt er trotzdem durch. Seine Daisy hält er trotzdem bei der Stange. Und wer den weißen Wal fängt, hat Lebertran bis ans Lebensende und muß sich das langweilige Gelaber von Ishmael nicht mehr ziehen. Um es mit nicht genannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu halten: Man muß die Linie irgendwo ziehen. Ich mache lieber Schnippschnapp mit der Schere und sinke jetzt in die Falle. Wohlsein. 080603
Hier ein kleiner Text über den italienischen "Shockumentary"-Filmemacher Gualtiero Jacopetti, den ich anläßlich einer Bühnenpräsentation verfaßt habe, die vorgestern stattfand.
050603
Jürgen W. Möllemann ist heute mit seinem Fallschirm in den Tod gestürzt. Es herrscht noch keine Klarheit über den genauen Hergang, aber die Staatsanwaltschaft geht von einem Suizid aus. Obwohl ich gewissermaßen kein Freund des Verstorbenen war, hat mich die Botschaft (die im Moment die Fernsehschirme beherrscht) doch schockiert. An einen Unfall kann ich nicht so recht glauben, aber auch die Suizidtheorie irritiert mich sehr, zumal der Beschluß zur Aufhebung von Möllemanns Immunität gerade einmal 15 Minuten vor dem Absturz gefällt wurde. Nichtsdestotrotz ist es natürlich ungewöhnlich, daß jemand, dem das Wasser derartig bis zum Halse steht, erst einmal locker Fallschirmspringen geht... Meine Gefühle sind sehr widersprüchlich: Einerseits sagt mir mein Verstand, daß jeden Tag Tausende von Menschen sterben, viele davon mit Sicherheit unter wesentlich unglücklicheren Umständen, und mein Freund war JWM natürlich nicht; andererseits nimmt man eben doch Anteil an solchen tragischen Entwicklungen. Die Medien werden in den nächsten Tagen viel zu berichten haben, und mein Zeigefinger wird schmerzen beim Versuch, allen heuchlerischen Betroffenheitsbekundungen gegnerischer Politiker aus dem Wege zu gehen. Verschwörungsjunkies ("Ein neuer Barschel?") werden wieder gut Gas geben. Ich habe sogar schon den ersten antisemitischen Schmonzes zum Thema gelesen. Unterm Strich bleibt Möllemann ein immens begabter Politiker mit starker Öffentlichkeitswirkung, der seine eigenen Möglichkeiten gegen Ende seiner Karriere überschätzt hat. Er hat gerade hier in NRW viel geleistet und stellte immerhin einen Politiker mit Profil dar, von denen es im Zeitalter der gelackten Buchhaltertypen zu wenige gibt. Wenn man - wie ich - sein Gegner war, so bedauere ich sein Ableben doch als Ausscheiden einer Reizfigur aus der politischen Szene, an der sich zahlreiche Diskussionen entfacht haben. Deswegen auch von meiner Seite ein R.I.P.
030603
Ich habe heute abend etwas Zeit gehabt und einen Text bearbeitet, den ich mal für eine Live-Performance über einen meiner privaten Helden verfaßt habe - den Kriminalschriftsteller James Ellroy. Das Ergebnis findet Ihr hier!
010603
Gestern hat der überaus liebenswerte Gitarrist meines Elvis-Attentats, Mannesmann, sein Wittener Tätowierstudio neu eröffnet. Zur entsprechenden Feier wollte ich eigentlich nicht erscheinen, da die letzten Tage zu einem großen Teil einem anderen Freund galten, der seine Magisterarbeit über Gualtiero Jacopetti abliefern wird - da muß man Schützenhilfe leisten und der "Mondo Cane" die Zähne zeigen! Die Hundewelt war auch vollzählig angetreten in Witten-Innenstadt, wo gerade eine Kirmes tobte, und ich, der ich ein klein wenig klaustrophobisch veranlagt bin, fand mich auf einmal wieder in einer Flut der besinnungslosen Dumpfbacken. Mühsam kämpfte ich mich zur Tattoo-Werkstatt vor und schüttelte Mannesmann und seiner Fürstin die Hand. Beide waren schon gut abgeschlafft, denn seit dem Morgen dauerte die Eröffnung bereits an, und wie immer war der Streß massiv. Trotzdem fand ich die Ausstattung des neuen Studios sehr vorbildlich - ein paar verspielte Kälbereien, das Paul-Naschy-Plakat auch in Sichtweite, aber ansonsten kein überflüssiger Schnickschnack. Beim Tätowieren sollten Qualität und Hygiene den Ton angeben - gesundheitsschädliche Dilettanten gibt es auch in diesem Gewerbe weiß Gott zuhauf. Wenn die Web von "Strangeland Tatouage" hochgefahren ist, erfolgt hier ein fetter Link. Auch so empfand ich die dort verbrachte Stunde aber als sehr lohnend: Einige Bekannte vertrieben sich die Zeit mit Kinderspielen und deponierten einige Stinkbomben im Massengemengsel, das sich zwischen den Losbuden und den Asien-Snack-Terrinen umtat. Das stank wohl ziemlich! Mannesmann erzählte mir noch von den Hippie-Damen, die eine Zeit lang ausgelassen und leichtbeschürzt um die Losbude tanzten und ihre welken Reize feilboten - da scheine ich doch glatt was verpaßt zu haben! Da mein Herzblatt derweil grippig zu Hause darniederliegt, bekam ich einen Mundschutz und einen Luftballon der Stadt Witten, begleitet von den besten Genesungswünschen... Das fand ich nicht schlecht! Zu Ralfs Magisterarbeit paßt wunderbar der am kommenden Freitag erfolgende Überfall auf die Stadt Dortmund, denn im Rahmen eines Festivals wird dort vom immer noch Geheimnisvollen Filmclubs Buio O. der ebenso schockierende wie vielschichtige ADDIO ONKEL TOM von Gualtiero Jacopetti gezeigt werden. Das ist einer dieser Filme, die man einmal schaut und dann nie wieder vergißt. Eine sehr einzigartige Äußerung zum Thema Sklaverei, die von der amerikanischen Historie bis zu unserer Zeit reicht. Als wir vor 2 Jahren den Film bei "Buio" zeigten, versagte ich bei der Einführung kläglich - das letzte Mal, daß ich mit Sailor am Abend zuvor Wein pichelte. Diesmal gibt es die volle Ladung Jacopetti-Aufklärung, die stark beatmet von Ralfs Studiumsfinale sein wird... (Ralf hat ein Schaukastenfoto aus dem Film in seinem Schlafzimmer hängen, das drei Leute zeigt, die neben einem schwarzen Leichenberg posieren. Der Mann links ist Jacopetti, der Mann auf den Knien Ko-Regisseur Franco Prosperi. Jetzt gehe ich erst einmal schlafen. P.S.: Das Foto oben entstand an einem Drehort von Jean Rollins LES DEUX ORPHELINES VAMPIRES und zeigt mich beim Kaspern vor einem Kreuz. Die Kamera hält mein Freund Peter Blumenstock.