ABPRALL VOM MANDRILL - APRIL, APRIL!
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NEWSTICKERARCHIV
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HOUSE OF 1.000 CORPSES, das 7 Millionen Dollar schwere Regiedebüt des ehemaligen "White Zombie"-Frontmannes Rob Zombie, wurde ursprünglich für die Universal hergestellt. Führende Köpfe der Firma bekamen aber kalte Füße, fürchteten sie doch, der Film wäre ein sicherer Fall für ein NC17-Jugendverbot, was bei großformatigen Horrorfilmen kommerzielle Trübsal verspricht. Nach Universal war es dann MGM, die Fersengeld gaben. Schließlich nahm sich die unabhängige Firma Lion´s Gate ein Herz, und sie ist es auch, die den Film herausbringen wird. Das fertige Werk habe ich nun (in leider recht ranziger Qualität) zu Gesicht bekommen, und ich bin in der Tat beeindruckt. Was Rob Zombie da (als Regisseur und Drehbuchautor) zusammengeschreinert hat, ist alles andere als der platte Teenie-Horrorfilm, den ich eigentlich erwartet hatte. Tatsächlich ist der Film sogar ziemlich furchterregend, und selbst in der zurechtgestutzten Form (Zombie mußte schwer Hand anlegen, um ein R-Rating zu bekommen) setzt er dem Zuschauer massiv zu. Ich prophezeie mal, daß der Film auch hierzulande zu einem Kult-Horrorfilm werden wird, aber daß er ungeschnitten herauskommt, kann ich nicht so recht glauben... HOUSE lehnt sich ausdrücklich an Tobe Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE an, wobei es in erster Linie der sein Sujet sattsam parodierende zweite Teil ist, an den Zombies Zankapfel erinnert. Ebenfalls kann man Charles Kaufmans MOTHER´S DAY als augenfällige Inspiration erkennen. Die Handlung ist denkbar simpel: Zwei Pärchen, die nach Spuren des mysteriösen Massenmörders "Dr. Satan" suchen, erleiden irgendwo im Hinterland eine Autopanne und geraten in die Fänge einer mörderischen Familie gemeingefährlicher Irrer. Soweit nichts Neues. Interessant wird der Film auf der formalen Ebene, da Zombie nicht gerade auf die klassische Erzählstruktur setzt und die Vorgänge stattdessen beständig mit Irritationen durchsetzt, etwa handgehaltene "dokumentarische" Einstellungen, Super-8-Material oder optisch verfremdete Szenen. Gleichzeitig bombardiert der Soundtrack das Ohr mit Songs aus der Feder von Mr. Z und recht nervenstrapazierender Effektmusik. Daß Zombie bislang nur ein paar Musikvideos gedreht hat, merkt man überdeutlich. Aber nicht glatte Schönfärberei ist das beherrschende Element: Zombie watet förmlich in Bildern menschlicher Niedtracht und Degeneriertheit, und er tut dies so konsequent, daß man sich als Zuschauer mit den Irren eingeschlossen wähnt. Obwohl die Verbrecher natürlich auch in diesem Film wieder kreative Köpfe sind und die Lacher auf ihrer Seite haben, wird der Film sehr bald beklemmend und immens unangenehm. Wenn sich Obermiesnik Otis Firefly die Gesichtshaut des Papas eines der entführten Mädchen aufsetzt, um ihr einen bösen Streich zu spielen, wird einem schon ganz anders... Die Psychopathen sind ziemliche Kanonen: Otis Firefly (einer seiner Brüder heißt Rufus Firefly, da Zombie offenbar die Marx-Brothers mag!) wird von Bill Mosely gespielt, dem Mann mit der Stahlplatte aus TCM 2. Karen Black (die sich mittlerweile auf B-Horrorfilme spezialisiert zu haben scheint) ist die Mutter des Clans und schwer nymphoman. Die Trumpfkarte ist Baby, eine junge Dame, die von Rob Zombies Lebensgefährtin Sheri Moon gespielt wird. Sie ist eine wahre Horrorbraut, wie eine Mischung aus verdrogtem Rockgroupie und Manson-Familie, und ihr enervierendes Lachen ist ansteckend wie eine tödliche Krankheit. Einen sehr hübschen Auftritt hat auch Sid Haig, den Exploitationexperten noch aus den Filipino-Gefängnisfilmen von Jack Hill kennen werden, mit dem er auch den großartigen SPIDER BABY machte. Sein Captain Spaulding (auch Marx-Brothers, wenn ich mich recht entsinne) ist ein clownsgesichtiger Tankstellenbesitzer mit angrenzendem Monstrositätenkabinett und Serienmörder-Geisterbahn! HOUSE OF 1.000 CORPSES als guten Film zu bezeichnen, bringe ich nicht ganz über´s Herz, denn handwerklich ist doch vieles uneben - Zombie scheint häufig willkürlich Einfall auf Einfall zu türmen. Gelegentlich übt er sich auch in hübschen Irritationsmanövern, wie z.B. in jener Szene, in der Polizisten bei einer Hausdurchsuchung auf Leichen stoßen. Da erschillt auf einmal Slim Whitmans Schluchzer "I Remember You" und gibt dem Zuschauer den Rest... Das Resultat von Mr. Zombies Bemühungen ist aber in jedem Fall eine nette Nervenmühle, die mir wesentlich lohnender erscheint als Mainstream-Horror, wie er etwa von Joel Silver (HOUSE ON HAUNTED HILL, GHOST SHIP) derzeit beschritten wird. Der Film ist zu grimmig, um ein adäquater Popcorn-Grusler für Freddy-Fans zu sein, und ist man zu Anfang noch versucht, seine grellen Effekte als Kasperkram abzutun, so bleiben einem die Kommentare bald im Halse stecken. Ein Film, der beißt, oh ja. Übrigens: Da ich derzeit wieder von Spam-Mails überschwemmt werde (teilweise von bedrohlichem Charakter), werde ich in Zukunft alle Mails, die nicht von Bekannten stammen, ungelesen löschen. Wenn Ihr mir schreibt, also bitte immer einen klaren Betreff angeben, der sich von Spam unterscheidet...
Captain Spaulding und seine Freunde haben auch eine Website!
220403
Heute bin ich zum See zurückgegangen, zu einem Zeitpunkt, als die Sonnenanbeter noch müde in ihren Betten lagen. Das war verflucht kalt und klar. Die Sonne war noch nicht ganz da, aber die Vögel im umliegenden Gebäum zwitscherten schon fröhlich vor sich hin. Langsam wurde es heller und heller. Ich saß wie ein Obdachloser auf meiner Bank und glotzte ziellos vor mich hin. Die Stille um mich herum war wunderbar, denn ansonsten brausen auf dem Autobahnzubringer immer reichlich Autos durch die Gegend und verschrecken die Tierwelt. Jetzt war es ganz ruhig und kalt und klar. Verschiedene Dinge klickten in meinem Schädel an die richtige Stelle, oder zumindest nahm ich es so wahr. Ich dachte an mich, meinen Platz im Leben, meinen Platz auf dieser Welt und so Dinge. Ich dachte an all die Sachen, die ich bereits falsch gemacht hatte. Mein Pulsschlag donnerte aufmüpflerisch in meinem Kopf. Ich dachte nur: "Au fuck, was ist da falsch gelaufen? Habe ich irgendwelche richtig bösen Dinge gemacht, die mich völlig wegabseits führen? Schließlich ist es doch der große graue Wonnebatzen in unseren Schädeln, der uns so ticken macht, wie wir ticken. Und zu etwa 99 Prozent geht das komplett in die falsche Richtung, ist nur Ablenkung von den unangenehmen Dingen, und dann wird die Ablenkung selber unangenehm. Konnten die Philosophen mit den großen Köpfen das besser? Waren die immun gegen den Unsinn, der gegen die Pforten drischt? Oder hatten die auch den Spaß der 24-Stunden-Bullshit-Berieselung, mit all den Zweifeln, die er mit sich bringt? Ob es nicht wirklich das eigene Unvermögen ist, sich mit den anderen Denksystemen zu arrangieren und es wirklich reicht, sich eine Jutetüte mit einem Öko-Aufdruck zu kaufen statt einer knisternden Plastiktüte, damit man ein besserer Mensch wird? Ach, Scheiß auf den besseren Menschen - es kommt nur auf den glücklicheren Menschen an. Es kommt nur auf das bessere Kopfgefüge an, mit dem man den alltäglichen Razzamatazz angemessen einordnen kann. Wie eine Bürokraft die neuen Akten des Tages in einen metallenen Aktenschrank einordnet, so muß auch der Ballast, der auf einen eintrommelt, bequem in den Aborten der eigenen Denkerstirne abheftet werden. Dann geht alles glatt. Organisation, Junge! Reine Organisation..." Ich grübelte so vor mich hin, als ich auf einmal bemerkte, daß vor mir eine Stockente schwamm. Es war schon hell genug, daß ich ihren grünen Kopf bemerkte, wie er mich anglotzte. Die Ente schwamm da rum und hatte offenbar nichts Besseres zu tun, als mich zu fixieren. Warum sie das tat, weiß ich nicht. Vielleicht war sie auf dem Weg zu einem neuen Nistplatz, oder vielleicht genoß sie auch einfach nur die Stille, bevor die Morgenläufer ihren Trab aufnehmen. Jedenfalls glotzte sie mich an. Ich war für einen Moment komplett verwirrt, hatte ich doch vorher so viele Gedanken in meinem Schädel gehabt. Die waren auf einmal weg. Das ist so, wie wenn man der trauernden Partei bei einer Beerdigung auf einmal statt einer Mitleidsbekundung einen Tritt in den Allerwertesten gibt. Die denkt dann nicht wirklich an den Verlust oder den Schmerz, nur an den Tritt in den Arsch, es ist leider so. Es macht auf einmal Päng. Ich fühlte sofort nur an eines: Wie schlau doch diese Tiere sind. Wie sie durch die Gegend zuckeln, ihren Alltag verrichten und die Natur als ganz genau das einschätzen, was sie ist. Das machen die Tiere ganz ohne Fernsehen und ohne Studium! Ob man sie süß findet oder nicht, ist ihnen komplett egal. Pickel auf dem Abtanzball oder Körbe von möglichen Liebschaften sind ihnen ebenso bedeutsam wie Schnee auf dem Himalaya. Sie machen einfach ihren Kram. Und darauf kann man wohl alles reduzieren. Man macht einfach seinen Kram. Der bürstet manchmal in die richtige Richtung, manchmal entgegen, aber letzten Endes fällt doch alles an die dafür vorgesehene Stelle. "Na, Crack-Dealer oder amerikanischer Präsident werde ich in diesem Leben eh nie!" dachte ich bei mir und verdrückte mich fromm, denn so allmählich wurde es laut um mich herum. Ich krauchte nach Hause, in meine klapprige Wohnung in Gelsenkirchen-Buer, und dachte an die Ente, die da einfach nur glotzte. Ich plumpste in mein Bett, und bevor ich es wußte, war ich weg. Ohne Kopf, einfach weg. Mir träumte, ich wäre eine Ente und schwamm über den Teich. Ich sah einen Menschen an, der auf einer Bank kauerte und Trübsal blies... Die Fortsetzung folgt. Das wird man wohl kaum vermeiden können.
210403
Den heutigen Tag habe ich mit Erbauung begonnen: Nachdem ich gestern gerade entdeckt hatte, daß über "Astra" auch der berüchtigte "GOD Channel" eingespeist wird, habe ich heute zumindest mal kurz einen Blick darauf geworfen. Und, was soll ich sagen - ein Gottesmann mit dem unglaublichen Namen "Reverend Dollar" schwang das Wort! Ich werde der Geschichte mal nachgehen und demnächst etwas Ausführlicheres über dieses Programm bringen... Der Filmclub war erneut eine schöne Sache, wenngleich ich mittelschwer in den Seilen hing. Wir zählten wieder um die 100 Besucher, die sich mit den Synchro-Kapriolen von ROBOTER DER STERNE herumplagen mußten und danach von Tomas Milian in TÖTE DJANGO das Nachtgebet gesprochen bekamen... Wenn man bedenkt, daß wir eigentlich nicht damit gerechnet hatten, daß sich der Club so lange halten würde - vergleichbare Veranstaltungen gehen meist schon wesentlich früher über den Jordan! -, sind die maßvoll steigenden Besucherzahlen eine wirklich feine Sache! In 9 Tagen, am ersten Mai, lockt ja bereits die nächste Sonderveranstaltung... Ich hoffe, Ihr habt ein schönes Osterfest verlebt! Ich war größtenteils in Bochum und habe dort mit einer Person meines Vertrauens die dortige Umgebung unsicher gemacht. U.a. sind wir wieder einmal Entenkucken gegangen, und diesmal habe ich sogar meine Knipse mitgenommen. Wenn da besonders ergötzliche Bilder von Enten, Gänsen, Schwänen und ähnlichem Getier herausgekommen sind, werde ich sie hier demnächst mal präsentieren. Besonders schön fand ich die zutiefst dramatische Episode mit den kämpfenden Bläßhühnern, die ihr Gefieder wirklich super aufstellen können! Ansonsten sei angemerkt, daß Premiere World jetzt einen neuen Sender hat, "MGM", den ich bislang weitgehend ignoriert habe. Das war ein Fehler, denn der Sender bringt die Filme weitgehend in Zweisprachfassung, d.h., man kann über die Optionstasten auswählen, in welcher Fassung man die Filme betrachten oder aufnehmen möchte. Auch die neuen Sachen (von Premiere 1 bis 4) laufen da jetzt häufig mit dieser Option, was ich als begeisterter Originalkucker sehr fein finde. Auf dem Sender "Studio Universal" ist es mir hingegen schon zum wiederholten Male (namentlich bei JACOB´S LADDER und Walter Hills AUSGELÖSCHT) aufgefallen, daß dort auch schon mal Vollbildfassungen gezeigt werden, bei denen man das "Matten" vergessen hat - andauernd tauchen so am oberen Bildschirmrand Mikrofone und sogar ganze Mikrogalgen auf! Das hat einen sehr eigenen Charme... Ansonsten werde ich demnächst in der TV-Sektion einmal monatlich auf seltene Premiere-Highlights hinweisen. In diesem Monat waren das u.a. Jess Francos DER HEISSE TOD (99 WOMEN), bei dem es sich um den meines Wissens einzigen Frauengefängnisfilm mit Maria Schell handelt! Herbert Lom, Mercedes McCambridge und Rosalba Neri geben ebenfalls Vollgas. Dieser auf Video bei uns nicht erhältliche Film lief anscheinend noch niemals im deutschen TV. Morgen (Mittwoch) läuft die Wiederholung, und dann kommt er wohl mindestens noch einmal im Mai. Ebenfalls toll ist die Ausstrahlung von DEN TOD ÜBERLISTET (THE MAN WHO COULD CHEAT DEATH), den ich für einen der besseren Horrorfilme von "Hammer" und Terence Fisher halte - erneut eine enorm seltene Sache, die sich Fans nicht entgehen lassen sollten! (Läuft erst im nächsten Monat wieder...)
180403
Und wieder einmal ist Karfreitag, und bedauernswert viele Bundesbürger wissen nicht, worum genau es bei diesem Feiertag geht. Tatsächlich hat das Fest seinen Ursprung im angelsächsischen Sprachraum, wo einst in mittelalterlichen Tagen ein derber Bauer namens Eric Boucher (dessen Vorfahren waschechte Hugenotten waren) seinen mühsam zusammengeflickten Karren über den lehmichten Landweg schleppte. Seine Ladung bestand aus Dutzenden von Käserädern und einem großen Vorrat an edelstem Zwirn, den er von einem Straßenhändler erstanden hatte. Zwar wußte er noch nicht so ganz, was er mit dieser Ladung anfangen würde, aber sie war halt ein echtes Schnäppchen gewesen, und irgendwo würde sich schon eine Ortschaft finden, der Käse und Zwirn bitter abgingen. Unverzagt trottete er voran und fuhr über so manches Schlagloch, das seinen Wagen zum Ächzen brachte, nicht aber seine Seele. Zwar stöhnte er manchmal ob seines Geschicks, und so manches "Es ist schon ein Kreuz!" entfloh seinen Lippen, aber ohne Unterlaß drosch er Schusters Rappen in den Schmutz und legte Meter um Meter zurück. Sein Heimatdorf, Dedkennedis (=gälisch), rückte unaufhaltsam näher. Alle trüben Gedanken, seine Zukunft betreffend, verscheuchte er mannhaft, waren da doch sein Weib und die krähenden Kinder, die sich auf ihn verließen. Schon bald ließ er die Grenzen seines Dorfes hinter sich und mangelte über die Hauptstraße. Den Augen seiner Mitdörfler bot er ein seltenes Schauspiel, wie es schien, denn alle traten nach draußen und lachten - der Schmied, der Tischler und der Bürgermeister, alle, wie sie da waren. Keckernd gellte das Hohngelächter durch Dedkennedis, und tief sank der Mut des Bauern. Doch als er den Marktplatz erreichte (so erzählt die Legende), erschien ihm auf einmal eine Fee. Ihre Haare waren silberdurchwirkt und ihr Gesicht blaß und edel, wenngleich sie streng roch. "Drei Wünsche hast du frei, Eric - wähle gut, denn eine zweite Gelegenheit wird dir nicht zuteil!" Eric kniff sich die Nase zu und überlegte. Schließlich wünschte er sich einen Butterstampfer, denn so einen hatte er sich schon lange gewünscht. Eric war ein schlichtes Gemüt. Die Fee machte "Ping", und da war ein fabrikneuer Butterstampfer. Dann kam der zweite Wunsch, und der war schwerer, wie das mit zweiten Wünschen so ist. "Ich hätte gerne einen Erztruchseß!" forderte Eric schüchtern, der gar nicht wußte, was das war. Sofort stand ein Erztruchseß auf der Straße und hielt Maulaffen feil. Was sich Eric jetzt als drittes wünschen sollte, wollte ihm ums Verderben nicht einfallen. Die Fee seufzte, schnippte mit den Fingern, und ein 16-Tonnen-Gewicht fiel vom Himmel und trümmerte den armen Bauern platt. Die Käseräder sprangen vom Wagen und rollten durch die Straßen. Wo immer sie hinrollten, verdorrte das Gras und verödete das Weideland. Der Zwirn wurde von den Dörflern verbrannt. Die Fee bekam einen lukrativen Job als Ausschenke in der Bierschwemme des Ortes und hatte schon alsbald einen Ruf wie Donnerhall, denn Sittenstrenge war nicht ihr starkes Gewand. Sie machte es mit jedem für einen Heiamann (oder wie das auf gälisch heißt), und zu recht vergessen ist ihr Name. Der Name von Eric Boucher wird aber nach wie vor hochgehalten von den treuen Christen, denn das letzte Käserad fiel in ein tiefes Loch, wo normalerweise Pferde ihre Notdurft verrichteten. Als die Dörfler es zu bergen versuchten, sprudelte auf einmal sämiges Erdöl aus dem Erdspalt, und mit einem Schlag war das Dorf saniert. Daraus wurde dann später Kensingtonshire, die Geburtsstadt des Strickliesels. Dieses Wunder wurde fortan von den gälischen Dörflern als "Car Friday" verehrt, und wie das so mit Feiertagen ist - ein jeder feiert gern. Schon bald schwappte das Käseradmirakel auf ganz England über, und als dann der Ärmelkanal Realität geworden war, durfte es auch in ganz Europa seinen Siegeszug antreten. Papst Biafra I. sprach im Jahre 1865 den toten Eric heilig, und hell leuchtet seitdem sein Name in den Augen der Nachwelt. Was es mit den Hugenotten (und ihrem Begründer, Hugo La Notte) auf sich hat, erzähle ich ein andermal. Falls ich vorher nicht mehr zum Schreiben komme, wünsche ich Euch schon jetzt ein freudiges Osterfest. Selbst für einen ungläubigen Thomas gibt es immer einen Grund zum Feiern, und wenn man mal richtig down und platt ist, kann man am örtlichen Teich viel Trost in den Augen der Enten und Erpel finden, die dort ihre Kreise ziehen. Die kümmern sich weder um Eric und seine Käseräder noch um die blöden Dörfler. Die geben einfach Gas, wie ihnen das ihre Natur vorgibt. Die Mandarinente, die ich mal am See von Schloß Berge traf, habe ich wohl schon erwähnt, wie auch die beiden rotäugigen schwarzen Schwäne. Es gibt immer Staunenswertes. Das finde ich sehr fein. Immer hinterher. Nach dem Club melde ich mich wieder.
160403
So, Axel Des Bösen ist wieder rausgekickt - ab heute regiert hier Demiourgos Popokakerlakis! Niemand kann von mir verlangen, ein ganzes Leben lang mit einer Gyros-Kaschemme herumzuwirtschaften. Da macht man sich den ganzen Tag über krumm, ist nett zu den Leuten, und dann ist man unterm Strich nicht mehr als der Freßgrieche ums Eck - das ist doch ungerecht! Marilyn Manson ist viel mehr als der Freßgrieche ums Eck, und das wird sich mit der Ankunft seines neuen Albums am 12. Mai noch verstärken, denn das ist ziemlich klasse... "The Golden Age Of Grotesque" erschließt sich sehr viel unmittelbarer als sein Vorläufer, "Holy Wood", und stampft nur so an einem vorüber. Die gelegentlichen sanften Beigaben sind vollständig abwesend; stattdessen wird Butter bei die Fische bzw. Butter beim Gyros gemacht. Ein klein wenig erschien mir das Album wie eine Party-Version von "Antichrist Superstar" - ohne den weitgehend ziellosen Nihilismus und das aufflackernde Selbstmitleid. "Grotesque" stellt eine Art Weiterentwicklung von seinem unmittelbaren Vorgänger dar, wie auch das gesamte Schaffen des Herrn Manson einen kontinuierlichen Prozeß darstellt. Auf seinem "Antichrist"-Album hatte Herr Warner seine Kunstfigur mythisch überhöht und stocherte paranoid in den Wahnsinn hinein, der ihn umgab. Auf "Mechanical Animals" - das nach wie vor bestproduzierte Album, wie ich finde - machte sich depressive Verzagtheit bemerkbar, die immer noch sehr suchend und unfixiert wirkt. Auf "Holy Wood" - so ´ne Art vorgezogenes Magnum Opus - positionierte er seine Kunstfigur als von Maden befallenen Christus-Ersatz recht präzise in einer auf Konsum und Bedürfnisbefriedigung begründeten Gesellschaft. Auf "Grotesque" läßt er die Kulturepoche der Dekadenz zusammenfließen mit einer bisher ungewohnten Neigung zur Verspieltheit, die auch schon mal sehr persönlich wirkende musikalische Bizarrerien zuläßt, die an das Debütalbum "American Family" gemahnen, wie z.B. im Titelstück. Inhaltlich scheint mir Herr Manson hier nahtlos an "Holy Wood" anzuschließen und seine Gott-/Rockstarpersona voll & ganz in den Kontext einer besinnungslosen Konsumkultur zu stellen, wobei es mir so vorkommt, als wäre ein Hauch mehr Abgeklärtheit und Klarheit in die ständig zwischen narzißtischer Selbstinszenierung und zur Kunst erhobenen Selbstabwertung pendelnden Kunstfigur Marilyn Manson gekommen. Er inszeniert die Welt als eine von unsichtbaren Regisseuren geschaffene Groteske, in der sich die Menschen mehr schlecht als recht zurechtfinden - im Grunde genommen nichts Neues, aber kaum jemals vorher so konkret ausgedrückt. Es gibt viele der gewohnten markigen Einzeiler wie "Hold the S because I am an Ain´t...", aber insgesamt überwiegt der Eindruck eines konsequenten Kunstwerkes, nicht der einer Sammlung vorantastender Probesalven. Daß die Musik über eine knappe Stunde hinweg gnadenlos fetzt, ist nicht wirklich ein Scheidungsgrund. Ich schätze mal, daß die hungernden Manson-Fans im Wonnemonat Mai ein Bündel Leckereien präsentiert bekommen, an denen sie massiven Geschmack finden werden! Zum am Samstag stattfindenden Buio Omega sei noch angefügt, daß ich mir heute auch den japanischen Beitrag angesehen habe, und wer dieses Doppelprogramm verpaßt, ist wirklich selber schuld! Das wird eine der extremsten Granaten, die wir jemals präsentiert haben - ich wäre fast weggeflogen... Die Synchro ist echt ein Fall für sich, und endlich kapiere ich auch den Titel des Programms, "Fettichist"... UN-GLAUB-LICH!!! Kommet zuhauf - vielleicht bringe ich lecker Gyros mit. Jetzt versenke ich mich erst einmal im Tzaziki meiner Träume - Nächtle!
120403
Hallo - ab heute übernehme ich das Kommando! Mein Name ist Axel Des Bösen, und ich bin es einfach satt, daß auf dieser Seite so häufig lasches Schindluder getrieben wird mit der Erwartungshaltung des Lesers. Den einstmaligen Seiteninhaber habe ich in seine Schranken verwiesen - er schmachtet nun in einer Germanistenzwingburg, und wird dort vermutlich auch das Ende seiner Tage erleben. Hat er etwas anderes verdient, als in den Überresten der Gruppe 47 vor sich hin zu vegetieren? Wohl kaum. Die Übernahme war kurz & schmerzlos und ist weitgehend gewaltfrei vonstatten gegangen. Einen kurzen Moment lang hat jener Verwalter des Überkommenen noch mit den Schultern gezuckt. Sein letzter Wunsch war ein Kaugummi der Marke "Airwaves", dann hat er sich bereitwillig in sein Schicksal ergeben. So schnell können sich Reichsübernahmen im Internet zutragen. Nun, wir müssen jetzt irgendwie miteinander auskommen! Bis jetzt war der Besucher dieser Seite Demokratie gewohnt gewesen - jetzt bekommt er Demokratie Plus, also Demokratie plus Anarchie plus Die Zukünftige Einsicht In Das Unabwendbare. Der Gewinn dieser neuen Netpräsenzform ist eine größere Standfestigkeit in Glaubensfragen, Geradlinigkeit der Weltsicht und vor allem unbestechliche Kommerzialität. Ich, Axel I., werde ein gerechter Herrscher sein und jedem seine Meinung lassen, solange es die meine ist. Wer nicht glücklich sein will, wird zum Besseren bekehrt. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Lasche Wischi-Waschi-Attitüden werden ab heute nicht mehr geduldet. Ab heute zählt nur noch die standfeste Linientreue. Das gilt auch für die Fluglinien. Wenn irgendjemand vom Flugplan abweicht, dann soll er mal über den Wolken bleiben - hier zählt nur noch die unbedingte Erdverbundenheit. Träumer und Spinner können sich gefälligst ins All verziehen. So weit sind wir ja mittlerweile schon - Juri Gagarin und Neil Armstrong haben für diese lendenlahmen Gesellen den Weg gewiesen. Wie es Jello Biafra ausdrückte: "One-Way Ticket To Pluto". Ein solches sei allen Abweichlern beschieden. Wir haben nicht die DDR zerschlagen, um jetzt miese Dekonstruktivisten in unseren Reihen zu dulden. Eine der ersten Meldungen des neuen Regimes wird sein: Ich habe gestern mit Ingojira von Buio Omega einen Superabend verbracht! Wir haben uns einen amerikanischen Polizistenfilm namens DIE SUPERCOPS angesehen, der von Gordon Parks stammte, seines Zeichens Regisseur von SHAFT und Papa des SUPERFLY-Schöpfers, der leider Ende der 70er mit dem Flugzeug abstürzte. SUPERCOPS war eine höchst vergnügliche und sehr autoritätsfeindliche Actiongroteske, die jeden Fan italienischer Bullenfilme wärmstens begeistern wird. Ich werde den Film demnächst mal meinem Schwager andienen, der ja Hauptkommissar ist... (Ich prophezeihe aber, daß er den Film lieben wird, denn er ist ja auch Tomas-Milian-Fan!) Danach stieß auch Ex-Horrorheaven-Michael hinzu und bekam einen tollen hongkongesischen Horrorfilm mit namens THE EYE, der den RING-Jüngern wärmstens empfohlen sei. Das ist auch so ein Film, den die Amis niemals hinbekommen werden, auch wenn sie die Remake-Rechte leider schon gekauft haben... Es geht um eine junge Frau, die seit Kindertagen blind gewesen ist, aufgrund einer Hornhauttransplantation aber wieder sehen kann. Leider sieht sie nicht nur den alltäglichen Unfug, sondern auch Menschen, wo eigentlich keine Menschen sein sollten - Seelen, so tot wie die Seelen von Fernsehpersönlichkeiten. Wenn ein Lebenshauch entfleucht, kriegt die Heldin das sofort mit. Die Reise geht dann nach Thailand, um die Historie der Spenderin aufzudröseln, und oh ja, das hat etwas mit den Erscheinungen zu tun... Nach etwa der Hälfte dreht der Film von einem Schocker zu einem der in asiatischen Gefilden durchaus beliebten Reinkarnationsdramen, inklusive tränentreibender Verflechtungen. Das ist aber richtig lobenswert, denn man wird richtig überrascht, und auch die Horrorfilmfans werden sattsam zufriedengestellt, denn die drei oder vier Schocks, die der sehr ruhig erzählte Film anbietet, sind absolute Gnadenhämmer und sollten über Lautsprecher genossen werden, denn der Sound ist hier sehr essentiell... Gerade bei den ersten beiden Kloppern habe ich laut aufgeschrien, was Ingo und Micha zu vollkommen unangebrachter Belustigung veranlaßt hat - ich gehe bei solchen Filmen halt richtig mit! Also: Neben RING, DARK WATER und KAIRO ist das jetzt der vierte asiatische Geisterfilm, der mich richtig verjagt hat. Wer solche Klunkern übrigens DVD-mäßig erstehen will, der wende sich an www.charmes.de, wo man als Asien-Fan sein Eldorado findet und Hongkong-DVDs für wenig mehr als 30 Märker erstehen kann. Kulant und nett sind die Leute obendrein. Ich bin begeistert gewesen, in mehr als einer Hinsicht. So, Axel Des Bösen geht jetzt nach Bett. Ich hoffe mal, daß ich heute nicht wieder von toten Kindern in Dritte-Welt-Ländern träumen muß. Lieber träume ich von asiatischen Geistern oder häßlichen Tresendamen in hiesigen Stromlieferantenfilialen, die mir den Saft abdrehen. Davon demnächst vielleicht mehr. Shut-Eye now. Gute Nacht.
100403
Au Backe, in den letzten Tagen bin ich gräßlich faul gewesen! Das tut mir sehr leid, aber hätte ich Euch jeden Tag nerven sollen mit News von einer Qualität wie "Heute habe ich mir wider besseren Wissens bei McD eine Frühlingsrolle gekauft, reingebissen und mir den Gaumen verbrannt, so daß am nächsten Tag die Haut in Fetzen herunterhing und mir den wohlverdienten Nächsttages-Aperitif vergällte"? Ich glaube nicht. Das Originellste war noch, daß ich mit dem Phänomen der Verdrängung konfrontiert wurde. Man kann sogar sagen, daß mir dieses durchaus nicht wesensfremde Phänomen seine barsche Fratze mitten ins Gesichtsfeld hineinstreckte und einen ansonsten sehr annehmbaren Tag mit düsteren Schatten bedrohte. Geht es Euch manchmal auch so, daß Ihr eine Packung Milch im Kühlschrank vergeßt? Irgendwann fällt es einem dann wieder ein, und dann vergißt man es schnell wieder, weil man keine Lust hat, die Packung zu öffnen und auszuwaschen, wie ich es als "Grüner-Punkt"-Lusche meistens tue. Dann kommt eines Tages der Moment, wenn man den Kühlschrank öffnet, und die Milchtüte pfeift einem fröhlich entgegen. Wenn es mehrere Tüten sind, pfeift es sogar manchmal in stereo. Kann man es einem Individuum da verargen, wenn es die inkriminierenden Tüten einfach un-öko im Müllcontainer verschwinden läßt? Ich glaube, Ihr ahnt jetzt, warum ich einige Tage lang nichts von mir hören ließ... Als Filmfan hat man ja immer die schöne Welt der Illusion vor Augen. Auch im tiefen Tal der pfeifenden Milchtüten gibt es noch die große Vision, die Hoffnung, daß da ein Abenteuer lauert, das sich nur nicht entschließen kann, gerade jetzt seine Klauen nach einem auszufahren, aber schon morgen kann es soweit sein... Um es kurz zu machen: Kein Abenteuer, nur die doofen Milchtüten. Ich bastele seit Tagen an meinem Kommissar Ernst herum und versuche gleichzeitig, meinen neuen Splatting-Artikel Gestalt annehmen zu lassen. Der wird "Rot ist die Heide" heißen und von deutschen Horrorfilmen der Nachkriegsjahre handeln. Einige wenige Male wurde nämlich den hellichten Heimatfilmen ein düsteres Schauerbild entgegengehalten, wo nicht die liebeshungrigen Söhne griesgrämiger Ödhofbauern die Hosen anhatten, sondern Vampire und anderes Schattengelichter. Vertreten sind natürlich Klassiker wie EIN TOTER HING IM NETZ oder DIE NACKTE UND DER SATAN, aber auch Sachen aus den 60ern/70ern wie JONATHAN und NACHTSCHATTEN werden vertreten sein. Für den Schweizer Film MOSQUITO DER SCHÄNDER muß ich derzeit noch eine Nische basteln, aber das wird wohl klappen... Meine nette Überraschung am Rande wird ein Film mit Dieter Hallervorden sein (!), der als Satire beginnt und wie eine deutsche TV-Version des TEXAS CHAINSAW MASSACRE endet... Mal abwarten. Ansonsten sehe ich einfach mal zu, was die nächsten Tage bringen werden. Vielleicht ruft Bernd Eichinger an, um mir einen sensationellen Vorab-Vertrag für Kommissar Ernst anzubieten. Vielleicht werde ich auf dem Tankstellen-Nachhauseweg von einem pickligen Metzger überfallen. Vielleicht bekomme ich auch Skorbut, weil meine Ernährung derzeit hauptsächlich aus Käsebrötchen, Diätbrause und alten Kamellen besteht. Im nächsten Club (=übermorgen in einer Woche) geht es um japanische Superhelden (in einem Film, der so ähnlich heißt wie KLOBOTER DER FERNE) und schwule italienische Cowboys - da wird der Alltagstrott brutal abreißen, das ist mal sicher!
050403
Gestern abend habe ich mit meiner Freundin nach einem angenehm verbrachten Abend den "TV-Shop" gekuckt. Das ist so eine unsäglich schlecht synchronisierte Abfolge von amerikanisch produzierten Werbesendungen, die so dull sind, daß man es kaum glauben mag. Mein persönlicher Favorit ist ja Jack La Lannes "Power Juicer", mit dem man alles entsaften kann, was den Weg kreuzt. Da werden Sellerie und Erdbeeren hineingewürfelt, und alte Vollfettdamen kringeln sich fast vor Entzücken, wenn sie den Wohlgeschmack und die Färbung des Elaborats bezeugen. Jack La Lanne himself thront neben einer frohgewordenen Spätdreißigerin mit verhärteten schönen Gesichtszügen, die mit jeder Verzerrung ihrer krampfhaft auf Jugendlichkeit und Vitalität getrimmten Grimassen einen weiteren Fruchtbatzen in das Gerät hineinschiebt. "Saft veränderte mein Leben", meint auch ein kurzgeschorener Hallodri, der ohne weiteres im Irak-Krieg glaubhaft gewesen wäre. Dann wechselt die Szenerie sofort zu dem "Abswing"-Bauchmuskeltrainer. Das ist auch ganz wild: Da sieht man eine geradezu identische Brünette, wie sie vor einem Hort von Mitmenschen paradiert, die auf einem Trimm-Dich-Gerät festgeschnallt sind. Wo bleibt da der Klassiker "Joah, Jim, das ist ja eine tolle Gartenkralle, fantastisch!!!" Besonders beeindruckend fand ich den Teil, in dem Essensreste vakuumversiegelt wurden. Kann sich irgendjemand vorstellen, was mit Leuten passiert, die solch ein Ding erwerben und nur ein kleines bißchen debil in der Birne sind? Die schweißen doch alles ein! Zuerst - ssst! - die Reste im Aschenbecher. Dann - ssst! - der Hamster. In einem Film nach meinem Geschmack müßte sich jemand an der heimischen Drechselbank mehrere Finger abhobeln und dann - ssst! - in Zellophan einschweißen, um sie dann genauso zur Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses zu bringen! Überhaupt würde ich mir einen Horrorfilm wünschen, wo alle Schurken diese unnachahmlich geisteskranken Gesichter zur Schau trügen - das wäre mal ein Horrorfilm! Als ich zum gemeinschaftlichen Betrachten der George-Bush-Sitcom gerade oben war (schön geschmacklos, aber sonst: geht so), hat mir Robert ein Exemplar der BLUTIGE SEIDE-DVD überantwortet. Abgesehen davon, daß der Silberling den Klassiker in unnachahmlicher Qualität darbietet, bin ich selbst mit unserem Audiokommentar sehr zufrieden. Robert läßt sich gelegentlich von meinem Sinn für Unfug infizieren, steuert aber ansonsten seriöse Theoriegrundlagen bei, die ihren Widerpart in meinen doch sehr humorlastigen Beigaben finden. Besonders lustig finde ich es, daß wir uns durchgehend mit "Herr Zion" und "Herr Keßler" anreden. Auch der Quatsch mit Gerhard Schröder ist noch drin, der sich am selben Tag in San Remo aufhielt. Ich finde, wir ergänzen einander ganz vortrefflich. (Ich und Robert, nicht ich und Gerhard Schröder!) Beim nächsten Buio-Omega-Event gibt es bestimmt einige der Silberlinge zum Verkauf, möchte ich mal annehmen. Ansonsten habe ich nur hinzuzufügen, daß ich heute eine hinreißende eMail zum Thema Irak bekommen habe, wo das Ende der Welt verkündet wurde. Deutschland ist sowieso dem Höllenfeuer geweiht aufgrund des Brandenburger Tors ("the Nazigate"), aber auch die Vereinigten Staaten könnten sich mirakulöserweise dem infernalischen Reigen einverleiben durch ihren Angriff auf das heilige Land. Hmmh... Da geht es also nur um den Angriff auf das heilige Land, und nicht um das Abmetzeln zahlloser irakischer Zivilisten? Interessant... ("That means Final Solution - Endloesung.") Das Brandenburger Tor (bei dessem einzigen Besuch ich nur mit besoffenen Punks gekaspert habe, die darunter lungerten) ist nach Meinung des Verfassers der Mail verantwortlich für den Absturz der gesamten Menschheit ins Höllenfeuer, wenn es nicht niedergerissen würde. "Wenn es Deutschland obläge, wäre die Menschheit schon der Hölle überantwortet und für immer verloren." Hmmh, die Position der deutschen Regierung zum derzeit tobenden Unrechtskrieg (wo bleiben die Massenvernichtungswaffen?) ist eine der wenigen Sachen, die ich Schröder & Co. wirklich zugutehalte. Der Brief ist ganz offensichtlich das Werk amerikanischer Dummspacken, die an die moralische Hoheit ihres Landes appellieren, obwohl es ganz offensichtlich nur um Macht und Geld geht. Zu Vergnügungszwecken empfehle ich die damit verbundene Website www.zevo.de, auf der sowieso kein Link funktioniert.
030403
Ein Freund hat mir gerade diesen interessanten Link geschickt... Es kursierten ja bereits seit längerem Gerüchte über eine ominöse "Schwarze Liste" mit Künstlern, die sich gegen die Bush-Regierung und den derzeit tobenden Krieg ausgesprochen haben. Ich hielt das für übertrieben. Auf dieser Webpage aber werden nicht nur französische und deutsche Produkte aufgelistet, die es zu boykottieren gilt, sondern auch die Namen von Persönlichkeiten, die sich für und gegen den Krieg ausgesprochen haben. Bei letzteren sind die Managementadressen mit aufgeführt, damit man seinen Unmut äußern (sprich: Haßmails schreiben und die Mailboxen zum Erliegen bringen) kann. Seht Euch die Geschichte mal näher an - klingt ´n bißchen nach McCarthy, wenn Ihr mich fragt...
020403
Ein ansonsten netter Mitmensch hat mir neulich das Frühstücksbrötchen mit der Bemerkung versüßt, das Gesündeste am Eigenurin sei der sogenannte Mittelstrahl. Darunter hat man sich wohl den stolzen Strahl vorzustellen, der das erste zaghafte Tröpfeln ablöst und schließlich in den ganz und gar vitaminarmen Schlußschwall mündet... Abgesehen davon, daß mich auch diese erregende Eröffnung nicht vom Genuß der eigenen Jauche zu überzeugen vermag, gefällt mir das Wort doch sehr. Manchmal begegnet man ja solchen Worten. Auch bin ich neulich wieder mal in einem Wendehammer gelandet, in dem ich mitnichten brutal zusammengeknüppelt wurde, sondern im Gegenteil friedlich meiner Wege ging. Vom Mittelstrahl ist es nur ein Katzensprung zu den neuen "Magnum"-Eissorten, die bekanntlich nach den sieben Todsünden benannt sind! Ich hatte nun Gelegenheit, die Eise "Wollust" und "Faulheit" zu mir zu nehmen, die eigentlich ganz lecker waren. "Wollust" ist angenehm zurückhaltend und präsentiert sich in einem blassen Rosa - Erdbeerglasur, die mit den grellen Quietschfarben und -geschmäckern ihrer Zeitgenossen zum Glück nichts gemein hat. Außerdem hat man sich lobenswerterweise jedes Erdbeercocktails enthalten, der für mich immer einen unbefriedigenden Fehlgriff darstellt: Meistens wird der Rest des Eises durch die Fruchtmansche nämlich langweilig gemacht und nicht etwa veredelt. "Faulheit" stellen sich die Eismacher als stark karamelllastige Angelegenheit vor, die vor allem den Süßzähnen unter den Eisfans zu empfehlen ist. Ist "Eitelkeit" auch eine Todsünde? Wenn ja, dann hatte ich gestern einen Vorgeschmack darauf, denn da fand der zweite Elvis-Auftritt statt. Wie immer, wenn ich vor ein Publikum treten muß, hatte ich auch diesmal die Hosen gestrichen voll, Mittelstrahl inklusive... Dabei hatte ich mir extra eine neue Jeans gekauft und auch zwei dicke Goldketten, die ich dem staunenden Publikum präsentieren wollte. Dazu bin ich in einen vorwiegend von Backfischen frequentierten Billigschmuckladen gegangen, wo ich zwei Gürtel erstand, die ich mir um den Hals schlingen wollte. In diesem und in einem anderen Laden erklärte ich meine Absicht, heute als Elvis auftreten zu wollen. Der erste Ladenbesitzer meinte nur: "Naja, der Leibesumfang stimmt ja!" (Mutterwitz Ruhrgebiet), und im zweiten Laden hörte ich einen der Backfische, als ich rausging, sagen: "Ciao, Elvis!" Tja, der Set lief auch ganz okay soweit, wenn ich auch die Ketten/Gürtel nicht richtig um den Hals bekam. Immerhin dachte ich diesmal daran, mir dramatisch das Hemd aufzureißen und meine behaarte Brust zu präsentieren, was mit höflichem Applaus bedacht wurde. Für den Set hatten wir zwei neue Lieder eingeübt, nämlich "Devil In Disguise" und Frank Zappas "Elvis Has Just Left The Building", die ich beide als deutlichen Gewinn empfand. Mit meiner Gesangsleistung war ich ganz zufrieden, mußte aber erneut feststellen, daß ich nicht gerade eine Rampensau bin - meine Bewegungen waren so steif wie ein Rüdendödel zur Paarungszeit. Das lag aber auch an dem verheerend engen Leopardensakko, das meines Wissens einer Frau gehört, die einen dramatisch anderen Körperbau besitzt als ich. Außerdem ist nicht gut Rumhopsen, wenn andauernd die sauteure Brille von Mannesmann und die Perücke vom Kopf zu rutschen drohen... Das Publikum war aber unentwegt und hielt zum größten Teil bis zum Schluß durch. Danach brachte noch der "Frosch" ein paar Stücke auf die Bühne, was vielleicht an diesem Ort doch etwas unpassend war, und wir vergeigten auch so einiges, aber leben heißt lernen, nicht nur lärmen... Insgesamt war´s lustig, und ich habe in der Nacht nicht Alpträume von einem mich peinigenden Elvis gehabt, sondern träumte davon, daß meinem Kindheitsteddy das Fell abgezogen wird, und darunter war er ganz schwarz - Psychologen an die Front! Und, ach ja: Die DVD von Mario Bavas großartigem BLUTIGE SEIDE ist jetzt draußen, mit meinem (und Robert Zions) erstem Audiokommentar! Mal schau´n, wie die so geworden ist...
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Elvis´ Oma und Mannesmann (hinten), Pseudokrupp und Bauknecht (vorne)