IN MERZ DER BAUER
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NEWSTICKERARCHIV
---------------------280303
Freitagnacht, und ich bin eigentlich viel zu strack, um noch etwas in den Ticker zu schreiben. Tatsächlich hat mich heute Frau Holle in ihre Wohnstatt geladen, und wir haben so manches fromme Kissen geschüttelt und der Gebrüder Grimm gedacht, obwohl das beides zwei üble Schelme gewesen sein und so manches graue Mütterchen vom Nachttopf gestoßen haben sollen. Ja, Hollie (wie ich sie insgeheim nenne, in Gedenken an die Hollies) und ich haben gut gelästert über die prominenten Übeltäter. Rabauken, diese! In der wirklichen Welt hat sich nicht viel Erfreuliches zugetragen heute. Das Netteste, was ich finden konnte, war eine "Yahoo"-Meldung, derzufolge ein Hobbygärtner in Straubing die Polizei zu einem blaulichtbewehrten Kleineinsatz veranlaßte, da er Pistolenschüsse vernahm. Mir passiert das hier in Buer natürlich andauernd, aber in Straubing sind sie halt noch nicht so abgehärtet. Bei der Untersuchung des vermeintlichen Tatortes ergab sich folgendes: "Die Blütenhülsen des Strauches `Blauregen´ explodieren bei warmem Wetter regelrecht und schleudern ihren Samen mit einem lauten Knall in die Umgebung." Das geht mir beizeiten nicht anders, und nicht selten hat es sich bereits zugetragen, daß Blaulichter meine Umgebung umwuselt haben, und das wohlgemerkt nicht wegen mir, sondern wegen meiner verkommenen Nachbarschaft! Ich knalle niemals, wenn meine Blütenhülsen schleudern, das ist mal sicher - schon gar nicht, wenn Frau Holle ihr greises Haupt wohlwollend in meine Richtung neigt... Morgen probt meine Elvis-Band ein weiteres Mal, und niemand weiß, was sich da wieder für Absonderlichkeiten zutragen werden. Wird es erneut zu nackten Ausschweifungen kommen? Werden die Nachbarn von "Tonguesplit" ein weiteres Mal verzweifelt anklopfen, um das anhaltende Stöhnen zu beenden? Wird der Ültje-Mann wieder in den gebenedeiten Mikrokosmos des King aus Memphis eindringen? Wir wissen es nicht. Wir werden es erst morgen erfahren. Wir werden jetzt erst mal schlafen. Gute Nacht!
260303
Während der Frosch am Montag eine durchaus spannungsumwitterte Session hinter sich gebracht hat, bei der es zu einem Zusammenstoß mit einer anderen Bunker-Probe-Partei kam, deren Mitglieder immer in den Flur pissen, fand sich die Elvis-Presley-Inkantations-Fraktion heute zusammen und prügelte schmissige Rhythmen hervor - die unterhaltsamste Probe, die ich seit längerem mitbekommen habe. Für den Auftritt, der in nur 6 Tagen stattfinden wird, probten wir die Stücke aus dem Januar nochmal ein, und es klappte eigentlich exzellent. Außerdem studierten wir das Stück "Devil In Disguise" ein, das jetzt extrem singleverdächtig gen Charts schillert. Wird uns das berühmt machen? Ich bezweifele das ja doch, auch wenn die vorliegenden Fassungen den Rahmen des Coverversionsüblichen sprengen. So bürsteten wir "Are You Lonesome Tonight" spontan in einer stampfenden Fußball-Version hervor, und das berühmte "Viva Las Vegas" wurde nun unwiderruflich zu einem Lobgesang auf den Bochumer Sex-Shop "El Brasi" umfunktioniert. Dafür schäme ich mich schon jetzt sehr. Ansonsten hat sich "Can´t Help Falling In Love" von einer Sänger-Gitarristen-Version zu einer Full-Orchestra-Fassung weiterentwickelt. Wir wollen den Leuten ja auch etwas bieten. Ich finde ja nun doch, daß ich über eine ganz akzeptable Sangesstimme verfüge. Das Vermächtnis wird den 1. April überrumpeln wie ein überreifer Camembert! Wie es scheint, wird sogar das Fernsehen anwesend sein und über unseren Kram berichten. Das finde ich nur fair. Schließlich haben wir uns ja nett Mühe gegeben, und was da am Scherztag über die Dortmunder Gemeinde hereinbrechen wird, wird schon recht ungewöhnlich sein. Wir sind sehr glücklich über nette Gäste, aber unsere näheren Freunde haben gefälligst aufzukreuzen, sonst gibt es voll einen auf die Kapuze! Dortmund, "Cosmotopia", Schützenstr. 146, da werden wir residieren, begleitet von zahlreichen Vorträgen zum dicken Mann aus Memphis. Ansonsten ist heute nur noch zu vermelden, daß der sehr ehrenwerte Rüdiger Herrhausen aus Recklinghausen-Süd die westfälische Meisterschaft im Reibekuchen-Wundrubbeln gewonnen hat. Für einen unbekehrten Fischkopf wie mich ist das natürlich komplett unbedeutend. Viel wichtiger wäre da das Kohl-und-Pinkel-Wettmampfen, das traditionsgemäß in Husum stattfindet. Aber halt erst im August, weswegen ich darüber auch noch nicht berichten kann. Die blöden Reibekuchen interessieren doch schier niemanden. Die können sich die hiesigen Knallschoten von mir aus 12 Monate lang in die sieche Visage klatschen. "Meinst du, du kriegst das bis dann noch etwas schneller hin?" (Ralf) - "Ich weiß, wo du wohnst!" (Kai) - "Was heißt das: Halfzware - Tschak - Bong?" (Christian) - "Aber das ist auch egal!" (Cora) - "Demnächst gibt das aber einen Johnny-Cash-Abend!" (Torsten) - "Das war scheiße, aber lustig!" (Jörg) - "Ich füchte mich vor euch!" (Bonau) - Jau, Viva Las Vegas, und ich geh´ jetzt nach Bett!
230399
Okay, wie war das bisher mit der "Operation Iraqi Freedom"? Ein Hubschrauber ist ohne Feindeinwirkung abgestürzt - verdammt! Dann sind zwei Hubschrauber aneinandergesemmelt - ein Unglück! Dann haben amerikanische Geschütze einen britischen Jet runtergeholt - immer noch ein Zufall? In irgendeinem Militärlager der Amerikaner hat ein Soldat verrückt gespielt und Handgranaten gegen die eigenen Soldaten geworfen. Was wird das? Wollen die sich selber ausrotten? Mr. Rumsfeld wurde heute in einer amerikanischen Talkshow mit Aufnahmen gefangener GIs konfrontiert und wußte sich nicht besser zu behelfen, als darauf zu verweisen, daß das Ausstrahlen der Gefangenenbilder (natürlich nicht irakischer Gefangener!) gegen die Genfer Konventionen verstoße. Toll fand ich, daß selbst die ansonsten streng subjektiven "Tagesthemen" sich ein "Gerade er" nicht verkneifen konnten... Sorry, aber Rumsfeld und Bush sind für mich Verbrecher und nichts anderes. Rumsfeld und Cheney haben die Lektionen aus der Watergate-Affäre scheinbar nicht gelernt, und was Bush jr. dazu antreibt, seine heuchlerische und streng menschenverachtende Pose beizubehalten, weiß wohl nur sein Bankkonto. Gestern habe ich einer Party beigewohnt, wo mir eine etwas esoterische Bekannte vermachte, daß sie Bush für das Satan nächste Böse auf Erden halte. Das halte ich dann doch für etwas überzogen, denn eine strenge Harvard-Erziehung und die Sohnschaft unter dem ehemaligen Chef des CIA (der für mehr verdeckte Tötungsaktionen verantwortlich sein dürfte, als ich an zahlreichen Händen abzählen kann) dürften recht pragmatische Beweggründe für die gegenwärtige Verkommenheit beigesteuert haben. Der Krieg wird noch eine Weile dauern, und es wird noch viele Leute treffen - solche, die es sich selbst ausgesucht haben, und solche, die es sich niemals ausgesucht haben, die einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort auf dieser Erde waren. So sehr mich diese ganze Grütze belastet, so sehr zehre ich im Moment von den "Oscar"-Feierlichkeiten, die im Moment stattfinden. Steve Martin gab eine gewohnt lustige Eingangsansprache, bei der die Spitzen gegen Deutschland und Frankreich nicht fehlen durften. (Ich möchte aber ganz humorlos anmerken, daß das eines der ersten Male ist, wo ich mich komplett im Einklang mit der deutschen Regierung befinde und stolz auf deren Haltung bin.) Und der entschiedene Höhepunkt der Verleihung ist schon jetzt der Auftritt Michael Moores, der für seinen tollen BOWLING FOR COLUMBINE den Preis für den besten Dokumentarfilm einheimsen konnte. Er ging auf die Bühne, sagte quasi "Leckmicharmsch" zu dem ganzen Gedönse und verkündete - zu deutlichen Buhrufen -, daß er Mr. Bushs gegenwärtige Politik nicht gutheiße: "Shame on you, Mr. Bush, shame on you!" Das sahen angeblich viele der Besucher der Zeremonie genauso, aber sie besaßen nicht den Mut, das so deutlich zu sagen. Michael Moore ist für mich der Fußballgott - der Mann hat Eier aus Stahl! Nach Michael äußerte sich dann noch Adrien Brody, der Hauptdarsteller von Polanskis THE PIANIST (=bester Protagonist), sehr emotional zum Krieg, während sich die meisten anderen sehr bedeckt hielten. Auch sehr fein war aber Pedro Almodóvar, der den goldenen Spannemax für das beste Originaldrehbuch erhielt und trotzdem in seiner kurzen und ironischen Ansprache noch das Wort "Völkerrecht" einflocht. Ist aber niemandem aufgefallen, weswegen er einen netten Applaus bekam. Da war ansonsten eine Menge Gehampel, aber so ganz rausbrechen mochte doch niemand. Der Oscar für die beste Regie ging an Roman Polanski, den dieser aber aus naheliegenden (nicht mit dem Irakkrieg zusammenhängenden - Stichwort: 13) Gründen entgegennehmen konnte. Der Oscar für den besten Film ging an das Musical CHICAGO, das sogar meine Freunde Ralf und Kai begeistert hat. Ich werde mir das Ding doch noch anschauen müssen. Ganz abseits von den filmischen Festivitäten ist mir aber irgendwie der heutige Tag wichtiger, den ich mit meiner Freundin verbracht habe. Nach dem kolossalen Besäufnis bei Mannesmann und seiner Fürstin sind wir mit einem fetten Kater im Bett erwacht, der erst nett schnurrte und dann kiebig auskeilte. Wir sind dann wieder einmal in die traute Natur entflohen, nämlich in einen Wald, in dem nicht nur der frühlingshafte Sonnenschein sein charmantes Unwesen trieb, sondern auch zahlreiche Hunde. Im Hinblick auf die diversen Collies, die an uns vorüberzogen, erzählte mir Cora die Geschichte von dem Collie eines Freundes, der sich begeistert selbst befriedigte. Wie es war, morgens aufzuwachen, sofort das Schnaufen und Hecheln des Hundes zu hören und dann des einzigartigen Anblickes eines sich selbst fellationierenden Collies zu gewärtigen, kann ich nicht einmal erraten, und möchte es auch gar nicht... Bevor ich diesen Text über Blasecollies und Balleramis aber abbreche, möchte ich doch hinweisen auf den Dienstag in 8 Tagen (1. April), wenn der Elvis-Abend eine stürmische Reprise erfahren wird, im "Cosmotopia" in Dortmund. Wir werden dort den Großteil des Programms wiederholen, das auch schon im Rahmen des "Psychotronischen Bildungswerkes" ein Millionenpublikum zu Beifallsstürmen hingerissen hat. Außerdem hat die Punkband Der Frosch mit der Maske angekündigt, daß sie eventuell ein paar Songs als Dacapo drauflegen wird. Das wird dann eine Weltpremiere, und wer nicht dabei ist, wird sich vor Wut in den Popo beißen! Ich habe gerade noch eine deutsche Sprachversion von "Love Me Tender" geschrieben, die wir hoffentlich mit unseren Freunden von Kuschelterror singen werden, so obszön sie auch ist... Für den Frosch habe ich heute die Texte zu "Ich weiß, wo du wohnst" und "Penispumpe" geschrieben, und auch ein fieser Rap ist entstanden, der vielleicht einmal Millionen scheffeln wird. Nähere Angaben zum Auftritt werde ich noch etwa drei Tage vorher verkünden (hier und im Buio-Omega-Ticker). Jetzt lockt ganz entschieden die verspätete Nacht, und die frühen Vögel, die den berühmten Wurm gefangen haben, zwitschern bereits nach Leibeskräften...
210300
Nachdem ich heute nacht von einem Menschen geträumt habe, der alle Vokale nur als Umlaute aussprechen kann, was zu verständlichen Kommunikationsdefiziten mit seiner Umgebung führt, frage ich mich jetzt doch, was ich noch in meinen Kriminalroman packen kann, um ihn allmählich dem Stapellauf entgegenzuführen. Kommissar Ernst hat neulich schon einen Pantomimen zerkloppt, was schon mal eine nette Brücke von einer Inzidenz zur nächsten war, aber was soll man jetzt noch hinzufügen? Ich versuche ja doch, eigene Erinnerungen oder die anderer Leute einfließen zu lassen, aber was steht einem literarischen Kommissar gut zu Gesicht? Da kann man eigentlich nicht wählerisch genug sein, denn sehr im Unterschied zu den Gesetzeshütern der Realität muß ein literarisches Pendant doch eine Idealfigur sein, die trotz aller Fährnisse den Überblick bewahrt und einen Vorbildcharakter besitzt. Darf der auch einem rüffeligen Kioskbesitzer voll auf die Fresse hauen? Das ist gerade passiert, und das war auch ganz rechtens so, denn der wollte nicht mit Informationen rüberrücken, die eine Prostituierte mit dem Künstlernamen "Rosa Pflaume" betraf... (Ein Freund von mir kannte mal eine Frau dieses Namens.) Kommissar Ernst wird sich durch eine Flut von unwichtig erscheinenden Indizien hindurchwühlen, um in die wahre Flut des Verbrechens vorzustoßen, die abartige Sexspielzeuge mit ländlichem Ambiente nur scheinbar unpassend zu verbinden trachtet. Sicher wird aber sein: Kommissar Ernst läßt sich kein X für ein U vormachen und läßt den schweren Hammer des Gesetzes auf jeden herniedersausen, der ihm in die Quere kommt. Matthias Ernst ist kein grundböser Mensch, doch die Erfahrungen haben ihn hart gemacht. Manchmal drischt er etwas über das angestrebte Ziel hinaus, doch ob ihn das klüger macht - ich weiß ja nun nicht... Es gibt sehr viele Horrorfilme, die zum Thema haben, wie die fiktiven Figuren eines erfinderischen Geistes zum Leben erwachen (etwa in der einen Episode von THE HOUSE THAT DRIPPED BLOOD, dem Debütfilm von Oliver Stone, SEIZURE, oder dem kanadischen DEADLINE), aber das würde ich mir im Hinblick auf meinen Roman kaum wünschen. Kommissar Ernst ist zwar grundsätzlich okay, aber er hat viele angelernte misanthropische Züge, die seine direkte Verfrachtung in die Realwelt mehr als zweifelhaft erscheinen lassen. Er hat natürlich Humor, aber dann & wann gewinnen seine merkwürdigen Moralvorstellungen die Oberhand, und in solchen Fällen ist Vorsicht geboten, und es empfiehlt sich, weiträumig im Gelände Zuflucht zu suchen... Habe ich schon einmal erzählt, daß ich mich früher im Buschwerk meiner Grundschule verschanzt habe und dort alle bösen Worte hervorgestoßen habe, die mir damals einfielen? Man muß sich jetzt einen 10-Jährigen vorstellen, der in einem Busch sitzt und "Scheiße, Arsch, Schwanz, Ficken, Vögeln" intoniert, dann hat man in etwa die subversive Wucht von meinem Romanhelden, die mittlerweile natürlich arg überholt ist. Heutzutage muß man schon arg aufpassen, damit einen die Fernsehanstalten mit einer ähnlichen Darbietung verschonen - die läuft rund um die Uhr und ist weit weniger komisch! Kommissar Ernst hat jedenfalls schon mindestens einem Medienvertreter voll die Hand ins Gesicht gedrückt, und das ist vermutlich auch im Hinblick auf meine präpubertären Verfehlungen zu deuten. Das ist natürlich ungerecht, denn der nämliche Medienvertreter hat höchstens Harald Juhnke verarscht, aber was kann ich gegen Kommissar Ernst ausrichten? Der gibt halt eben Gas, und wenn das manchmal etwas übermäßig erscheint, dann rieseln da eben die Späne... Kann ich ja nix tun. Bin ich dem sein Babysitter? Nö. Also. Der Ernst soll schon mal müssen. In meinem wirklichen Leben ist eigentlich gar nix passiert. Habe ich schon erwähnt, daß ich am 1. April in Dortmund auf der Bühne stehe? Da findet nämlich die Wiederholung des Elvis-Presley-Events statt, und auch wenn Roland vermutlich nicht daran teilnehmen wird mit seinem tollen Vortrag über Elvis-Sichtungen, so bleibt doch immer noch ein hervorragender Reigen von psychotronischen Attraktionen, die den dicken Mann aus Memphis betreffen, und den Abschluß werden erneut ich, Bauknecht, Mannesmann und Pseudokrupp mit unserer Interpretation von Elvis-Songs bestreiten, die von Psychobilly bis Schleimscheiße reichen werden. Vielleicht treffe ich diesmal einen jubelnden Fan mit meinen vollgeschwitzten Taschentüchern. Beim ersten Mal ging die Post ziemlich ab. Die Polizei wird diesmal nicht kommen, denn das "Cosmotopia" liegt nicht direkt in einer Wohngegend, aber es ist ein ehemaliges Bordell, also worauf wartet Ihr noch? Jetzt schon die Karten sichern... Diesmal werde ich mir sogar mein Rüschenhemd aufreißen, was ich beim ersten Mal glatt vergessen habe. Da werden die Backfische hoffentlich quietschen. Wenn nicht, habe ich etwas falsch gemacht. Noch etwas? Jau, ich bin bei Saturn heute erkannt worden! Boah, darauf habe ich mein Leben lang gewartet, endlich ist es wahr geworden... Ich wollte nur ein paar CD-Rohlinge erstehen, und da spricht mich die Kassiererin an: "Waren Sie nicht neulich im Fernsehen?" Meine Erektion schwoll augenblicklich himmelwärts. War es das, worauf ich so lange gewartet hatte? Ja, das war es, worauf ich so lange gewartet hatte! Jetzt ist es passiert. Ab heute ist alles Makulatur. Jetzt kann ich machen, was ich will. Und ich werde es machen. Jetzt gehe ich erst einmal nach Bett.
Na, regt sich was?
200301
Hier ein offener Brief, den der Autor und Filmemacher Michael BOWLING FOR COLUMBINE Moore an den Präsidenten der USA, Mr. George W. Bush jr., geschrieben hat und der so ziemlich alles über den miesen Krieg sagt, der jetzt ins Haus steht... Danke an Molotto für den Tip! Ja, die "Operation Iraqi Freedom" ist angelaufen, und schon sind die ersten Irakis von ihrem Leiden erlöst worden! Wenn die Tausenden von Toten nicht wären, die in den nächsten Tagen und Wochen zu erwarten sind, müßte man Onkel Bush wirklich dankbar dafür sein, daß er die Katze aus dem Sack läßt - endlich wird der Rest der Welt unmißverständlich darauf gestoßen, was die UNO wirklich wert ist. Ich bin mir sicher, daß unsere Politiker (und die der anderen Länder) sehr schnell mit Vernunftgründen bei der Hand sein werden, warum man dieses Vorgehen eigentlich ja doch gutheißen muß. Im Grunde genommen ist es ja geradezu wagemutig, pionierhaft... Wie stolz wäre wohl Benjamin Franklin (eines meiner großen Idole) auf Onkel Bush, wenn er sein beherztes Vorpreschen mitbekommen würde! Na ja - gar nicht stolz, denn Benjamin Franklin hatte verbrieftermaßen Humor und somit ein eingestanztes Mißtrauen vor der Macht, und daß das heutzutage nicht nur Leute wie Mr. Moore und Jello Biafra teilen, sondern viele Menschen überall auf der Welt, stimmt einen zumindest einen Tick zuversichtlicher... Selten haben sich europäische Regierungen so eklatant über die Meinung ihrer Bevölkerung hinweggesetzt - da freut man sich doch, daß man in einer Demokratie lebt! Frau Illner und Herr Kerner vom ZDF hatten heute einige Leute zu Gast. Obwohl Herr Kerner geradezu verbissen an seiner offensichtlichen Pro-Krieg-Überzeugung festzuhalten versuchte, hatte er mit einem Völkerrechtsspezialisten einen Gast, der ihm plausibel darlegte, daß die Vorgehensweise der US-Regierung rechtlich nun mal als "Verbrechen" gewertet wird und als Angriffskrieg, nichts anderes... Man wird das verdammte Recht halt umschreiben müssen - wie sonst kann man die momentanen Vorgänge rechtfertigen? Den Massenmörder Hussein werden die Raketen genausowenig finden wie die Inspektoren die chemischen Kampfstoffe, die jetzt erst - so es sie überhaupt gibt - mit ziemlicher Sicherheit zum Einsatz kommen werden. Die Haltung der Bundesregierung - wenn auch durch politische Faktoren erzwungen - ist erfreulich unterschreibenswert, wenn auch hier die Kompromisse bereits Gestalt annehmen. Das türkische Parlament hat heute einen bezaubernden Kniefall hingelegt, sehr zum Unmut eines guten Teils seiner Landesbevölkerung, die sich nicht zu Unrecht bedroht fühlt. Kommt es noch jemand anderem so vor, als ob die Stabilität der Welt nicht in den allerbesten Händen liegt? Was meinen denn die Kulturschaffenden dazu? Die haben keine große Lust, diesen grausigen Müll kommentarlos hinzunehmen. Bei der "Oscar"-Verleihung nächste Woche hatte man ja schon die Geschichte mit dem roten Teppich gestrichen - oh, was für Taktgefühl! -, aber nun haben auch schon die ersten Partizipanten abgesagt. Aki Kaurismäki dürfte in den USA wohl kaum eine Signalwirkung erzielen, da den eh nur Cineasten kennen, aber Will Smith war schon ein anderes Kaliber - mal schauen, wer noch nachzieht. Céline Dion hat sogar auf ihren Stern im "Hollywood Walk of Fame" verzichtet, was mir unerwartete Sympathie für die Frau einflößte, wie auch für die Country-Gruppe "Dixie Chicks", die nach einer Kritik an der Politik der USA auf ca. 30 Prozent ihres Rundfunkeinsatzes verzichten durfte... Joe McCarthy, können Sie mich hööören? Hoffentlich kapieren in den Staaten möglichst viele Leute, daß es nicht un- oder antiamerikanisch ist, der eigenen Politik kritisch gegenüberzustehen, sondern im Gegenteil zutiefst amerikanisch. Eigentlich kann ich die Amis extrem gut leiden. Ben Franklin hätte die Machtstrategen um George Bush in den Hintern getreten und seinen Zwillingstöchtern in die Nippel gekniffen - das war kein Weichei, der Ben! Ich möchte schließen mit den Worten des 64-jährigen CNN-Gründers Ted Hall, der eigentlich die Berichterstattung aus Bagdad übernehmen wollte, von seiner Vorstandsetage aber daran gehindert wurde: "Ich bin 64 Jahre alt, und das wäre eine spektakuläre Art gewesen, von der Erde zu scheiden. (!) Aber sie haben abgelehnt, weil ich nicht qualifiziert genug sei. Ein Mikro vor den Mund halten und der Welt erzählen, was um einen herum passiert, ist nicht besonders schwer." Wahrscheinlich müsse man nur sagen: "Ich bin in Bagdad. Ringsherum fallen überall Bomben." In diesem Sinne.
180302
So, gestern habe ich mit meiner Freundin den Landstrich rund um den Botanischen Garten der Universität Bochum (aufgrund ihrer funktionellen Bauweise auch bekannt als Bad Cronenberg!) unsicher gemacht. Dabei sind wir an Hühnern sonderzahl vorbeimarschiert, die fröhlich vor sich hinpickten und Eier ersannen, die hoffentlich bald mal gelegt werden... Die Hähne waren ziemlich unsympathisch und geckenhaft, aber mit den Hennen ließ sich leben. Wir wanderten durch ein unbefestigtes Waldstück und landeten schließlich an einem Acker, der aussah wie das Ende der Welt. Ein paar Kinder kamen des Weges, die einen Hund bei sich führten, den sie irgendwo aufgelesen hatten und ihn nun im Dorf zu Tale abgeben wollten. Hübsch fand ich den Rufnamen, den sie dem Hund gegeben hatten: "Hund ohne Namen"! Danach waren wir noch an einem See, in dem viele Gänse schwammen. Die Gänse wanzten sich an die Spaziergänger ran, als gäbe es kein Morgen: Da sie im See nicht gefüttert werden durften, gingen sie an Land und gaben dort Vollgas! Enten (meine persönlichen Freunde) waren auch zuhauf anwesend, und bei den Schwänen begeisterte mich ein Paar schwarzer Schwäne, die rote Augen hatten - cool! Die waren auch richtig nett, wir schlossen Freundschaft usw. Eine tolle Nachricht erreichte mich heute: Langnese bringt demnächst neue "Magnum"-Sorten heraus, die den sieben Todsünden nachempfunden sind! Zuerst kommen "Wollust", "Faulheit" und "Völlerei". "Neid", "Habgier", "Rache" und "Eitelkeit" werden nachgereicht... Das ist übrigens kein Scherz, sondern echt wahr! Könnt Ihr Euch vorstellen, Euch einen Gefrierfettbatzen namens "Rache" in den Mund zu führen? Da habe ich mit meinem schwarzen Milchspeiseeis namens "Mandingo", das ich in irgendeinem Artikel mal ersonnen habe, gar nicht so weit ab von der Wahrheit gelegen... (Nennt mich den Jules Verne des Speiseeises!) Wie wäre es mit einem Muttermilcheis namens "Kleiner Schreihals"? Aber laßt uns nicht von Eis reden, sondern von etwas Heißem: Die neue Platte der norwegischen Punkrockband Turbonegro, "Scandinavian Leather", wird ja bald herauskommen. Ein alter nackter Mann mit Nikolausmütze war so nett, mir eine Vorabausgabe davon zukommen zu lassen, und sie rockt & rollt bereits zum zweiten Mal auf meinem digitalen Plattenteller - hach, die Leute wissen einfach, wie man das Blut zum Tanzen bringt! Die Band war ja 1998 - gleich nach ihrer fabulösen "Apocalypse Dudes" - auseinandergegangen, da Sänger Hank in der Klapse landete und den Thorazin-Shuffle tanzte. Jetzt ist er wieder raus und fährt mit seinen Hörern Schlitten: Hört Euch das erhabene "Turbonegro Must Be Destroyed" an oder den schönen Schlußsong "Ride With Us". Dazwischen machen Turbonegro das, was sie so gut beherrschen - simplen, krachigen, vollklingenden Punkrock mit hoher Mitstampfquote. Der "Denim Demon" ist bald wieder unterwegs und fordert seinen Tribut - da qualmen die Hosenlatze von gestandenen Seebären... Noch was zu ´nem Film? Ich habe mir das amerikanische Remake von Hideo Nakatas RING angesehen. Die Meinungen gingen weit auseinander, von "Bodenlos" bis "Besser als das Original". Ich bin eigentlich überrascht, wie gut das Ergebnis ist: Verglichen mit dem erbärmlichen DAS GEISTERSCHLOSS (THE HAUNTING - a fucking disaster!) ist das "Dream Works"-Remake des japanischen Filmes zumindest eine ganz kreative Angelegenheit, die von offensichtlichem Respekt vor dem Original geprägt ist und einige bemerkenswerte Schockmomente offeriert. Teenies, die das Original nicht kennen, werden den Schreck ihres Lebens bekommen! Natürlich wird der unaufdringliche Symbolismus des Originals in der Ami-Fassung sattsam ausgedeutet, da hier alles seine Erklärung haben muß, irgendwo. Regisseur Gore Verbinski hat aber noch ein paar ganz effektive Symbolismen aus eigener Manufaktur hinzugefügt, etwa den Baum, die Pferde und das hübsche Herbstlaub, die die Natur etwas in den Vordergrund rücken. Auch scheint er seine Argento-Filme gesehen zu haben. Leider war das japanische Original einfach sehr, sehr gut und einer der wenigen Horrorfilme, die mir in 34 Jahren Angst gemacht haben. Der amerikanische THE RING ist gut für starke Spannung und einige herausragende Schreckeffekte, aber für Angst ist der Film einfach eine Spur zu kalkuliert und aufwendig. In der Chef-Szene des Originals (Sadako krabbelt aus dem Fernseher - siehe auch die Dame oben auf dieser Seite!) starrt der Zuschauer nur noch gebannt auf das Etwas, das da erscheint. Der enge Raum des Journalisten wird im Remake zu einem weiträumigen Loft-Studio, das eine Konzentration auf das Grauen kaum noch zuläßt und technische Effekte in den Vordergrund rückt. Auch wird unklugerweise versucht, Suspense zu erzeugen, indem die (allerdings bildhübsche) Heldin Naomi Watts (aus dem tollen MULHOLLAND DRIVE) heranbraust, um eventuell noch Rettung herbeizuführen... Weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem: Wer das Original nicht kennt, hat es mit einem vorzüglich gemachten und teilweise sauspannenden Geisterfilm zu tun. Cineasten auf der Suche nach dem wahren Grauen halten sich aber bitte an das japanische Original, das ja auch gerade von "Anolis" auf DVD veröffentlicht worden ist. (Von Hideo Nakatas neuem Grusler DARK WATER reiche ich demnächst eine Review nach.) So, ich nasche jetzt an einem Eis namens "Faulpelzigkeit" und gehe nach Bett.
160302
Eine traurige Nachricht für Italo-Fans: Der ehrenwerte Schauspieler Ivan Rassimov ist im Alter von nur 64 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit verstorben. Der Mime mit den markanten Gesichtszügen ist uns Fans wohlbekannt aus vielen großen Filmen, etwa Mario Bavas PLANET DER VAMPIRE, Damiano Damianis LA STREGA IN AMORE, Edoardo Mulargias CJAMANGO (mein Pseudonym im Internet!), verschiedenen Gialli von Sergio Martino, verschiedenen Polizeifilmen und MONDO CANNIBALE 1 & 2. Außerdem spielte er mit leuchtenden Augen einen Jim-Jones-Verschnitt in Lenzis appetitzügelndem LEBENDIG GEFRESSEN. Eine nette Italienerin hat ihm zu Ehren eine hübsche Webpage eingerichtet, auf der man sich den tollen Mann anschauen kann. Er (wie auch seine Schwester Rada) gehört zu den eindrucksvollsten Gesichtern, denen man im Rahmen des italienischen Exploitation-Kinos immer wieder begegnet. So langsam sterben diese Zeugen einer schönen Epoche aus, oh je. Ivans Tod wird von vielen Fans überall auf der Welt betrauert werden. Ein Grund mehr, sich am Donnerstag seinen Polizeifilm KALIBER 38 - GENAU ZWISCHEN DIE AUGEN (Tele 5) anzusehen, in dem er eine schöne Schurkenrolle innehat. Trinkt ein Glas guten Weines auf Freund Rassimov... R.I.P.
130302
Gestern bin ich zu meiner Cora gefahren, um mit ihr den Fernsehauftritt zu beschnüffeln. Als ich eintrudelte, zitterte ich am ganzen Leibe, so nervös war ich. Ich konnte mich mittlerweile nicht mehr daran erinnern, ob meine Rede einigermaßen zusammenhängend war oder nicht. Tatsächlich sah das im Fernsehen ganz zufriedenstellend aus, wenngleichend meine Mimik manchmal etwas der von Sibylle Rauch ähnelte. Insgesamt war ich aber ganz zufrieden - daß die Augen manchmal etwas dejustiert und auch so manche Grimasse etwas überzählig wirkte, ist halt der Wegzoll, den der Weltengang von einem fordert - halt nicht alles mehr so wie mit 22... Aber das war schon okay - ich hatte ganz was anderes erwartet. Ich erwähnte brav die Omegisten und den Frosch - ich hatte meinen Zweck erfüllt. Außerdem wurde meine Web eingeblendet, der schöne Ausschnitt aus THE MIGHTY GORGA dödelte über den Äther (wenn auch ohne den anschließenden Riesenaffen, der der Echse den Bregen rauskloppt!), und auch das Cover von DIE WURMFRESSER wurde kurz eingeblendet. Für alle die, die sich den Auftritt aufgezeichnet haben, weise ich auf meinen Lieblingspolizisten Jürgen hin, der auf dem Videogerät steht (oink!) und auf den netten Poli-Bären, der auf dem Fernseher oben steht und manchmal geisterhaft angeleuchtet wird. (Bela hat den kleinen Kollegen danach geschenkt bekommen.) Bei den Videos hatten wir eigentlich noch die Misfits, Nine Inch Nails und Motorhead ("Eat The Rich") ausgekuckt, aber mit Sid, den Ramones, Mr. Manson und den ungepluggten Ärzten waren wir für die kurze Sendezeit auch wirklich gut bedient. Ich hatte noch versucht, Schweine im Weltall aus Wenzel Storchs DER GLANZ DIESER TAGE einzuschmuggeln, aber das ging dann leider nicht. Zu Wenzels neuem Film gibt es demnächst noch die volle Sahnepackung, wenn Käpt´n Gustav und seine Mannschaft in See stechen... Wer die Sendung verpaßt hat (wie etwa meine liebe Schwester Susanne!), dem bleibt der Sonntag (22 Uhr) für die volle Wucht psychotronischer Weltordnung. Meine Freunde sind da wirklich gut getroffen, finde ich. Danke nochmal an Bela und das Fast-Forward-Team (Charlotte, Eric und Micha) für diesen netten Farbklecks in meiner Vita! Ich habe für Bela und seine Ärzte noch einen kleinen Text auf meine Seite geklatscht, um den Tag gebührend zu begehen. Da habe ich den werten Herren ganz unmögliche Instrumente zugeschrieben, aber das wird jeder Fan eh selber nachvollziehen können... Auch neu ist ein kurzer Werbetext für unsere eigene Punkband, den Frosch. In meinem Privatleben ist heute eigentlich nur eine bemerkenswerte Sache passiert, die andeutet, daß wir alleinlebenden Menschen immer schön auf die Preisschilder achten sollten: Suppenkasper, der ich bin, habe ich mir eine leckere Bihun-Suppe und eine Hummer-Rahm-Suppe von "Lacroix" eingeholt. Während die Lacroix-Leckereien zwar teurer sind als andere Suppen, sind sie ungelogen leckerer als alles andere, was ich an Dosensuppen jemals gekostet habe - schmeckt wie im Restaurant. Mit der Hummer-Rahm-Suppe habe ich allerdings einen Bock geschossen, denn ich mußte feststellen, daß der kleine Klumpen kulinarischer Leckerhaftigkeit über 10 Mark kostete! Während Frau Bihun lediglich 3 Mark auf die Waage brachte, kosten die Lacroixiaden alle ungefähr 5,20 DM. Das sind sie - Hand auf´s Herz - auch wert, aber für eine verschissene Dosensuppe über 10 Mark zu bezahlen (5,29 Euro), ist einfach unethisch. Ich habe es nicht rechtzeitig bemerkt, und als es mir auffiel, mochte ich das gute Stück kaum essen, so betuckert kam ich mir vor. Wer sich die Krabbensuppe derselben Firma kauft, zahlt nicht einmal die Hälfte, und schmecken tut es genausogut. Die verdammte Hummersuppe steht jetzt in einer Vitrine in meinem Foyer und sammelt Staub! Die Hummer krumpeln ohnehin immer so eklig herum, wenn sie einem vor der Mahlzeit vorgeführt werden. Außerdem hat mir mal jemand gesagt, daß man die Tiere nur kopfüber in das kochende Wasser halten darf, da sie ansonsten markerschütternd schreien! Ich will das nicht hören, und so werde ich zwar kein Vegetarier, aber ich werde mich ab jetzt an die Steinpilzsuppe der Firma halten, denn Steinpilze schreien mitnichten. Fleisch finde ich inzwischen übrigens ziemlich atze, aber das liegt eher an der faserigen Beschaffenheit als an ethischen Bedenken. Schlecht zubereitete Fettbatzen in einen hineinzuschaufeln, kann nicht das Ziel des großen Planers sein, und auch wenn ich Tofu für geschmacklich gleichrangig mit einem in Labberwasser eingelegten Radiergummi halte, so dürfen Schweine und Rinder von mir aus in Frieden im Wiesenmulch suhlen... (Schweine sind übrigens grundsympathische Tiere - die finde ich richtig lieb!) Im Club werde ich vermutlich wieder meine frischzerfetzten Klamotten vom letzten Mal tragen - mal sehen, ob ich die rechtzeitig zusammentackern kann. In der Linksammlung befinden sich jetzt einige neue Links, u.a. die Kollegen von www.vachss.de (bei denen Kindesmißbrauch weiß Gott keine Chance hat!) und das Forum von meinen Freunden von Wicked Vision, wo ich ein Unterforum für den europäischen Exploitationfilm betreue...
110302
Heute bin ich einmal kurz nach draußen gegangen, um mir Zilchen zu ziehen. Als ich die Straße überqueren wollte, die den Zigarettenautomaten von meiner Behausung trennt, wurde ich einer Mutter mit ihren Kindern gewahr, die neben mir rumlungerte. Für gewöhnlich beachte ich rote Ampeln immer dann, wenn Kinder in Sichtweite sind (=schlechtes Beispiel) oder andere Erwachsene bereits warten (=unhöflich). Ich wartete also vorbildlich. Dann wurde es grün, und ich überquerte die Straße. Während ich den Asphalt beschritt, vernahm ich von der Schraube einige abfällige Bemerkungen, mit denen sie ihre Kinder auf meinen abgerissenen Zustand hinwies. (Ich hatte in der Tat ungewaschene Haare und war unrasiert.) Da küßte mich die Muse: Ich drehte mich um, breitete die Arme aus und blieb einfach mitten auf der Straße stehen! Dumpf starrte ich den Mutter-Bratzen-Klüngel an und bewegte mich nicht. Es wurde rot, und ich vollführte einige Tanzschritte, bei denen ich meine Arme wild durch die Gegend schwenkte. Ich endete in einer broadwayreifen Schlußposition. Wenn ich das draufgehabt hätte, hätte ich auch noch einen Handstand vorgeführt. Ich tänzelte auf einem Fuß mit den Händen in den Manteltaschen auf die andere Straßenseite, wie ich das einmal bei Bill Murray in GHOSTBUSTERS gesehen habe, und winkte dann noch einmal lächelnd zurück. Die Mutter zeterte mit wilden Gesten in meine Richtung. Passiert ja selten, daß man mal das Richtige zum richtigen Zeitpunkt tut... Als ich etwas später in der Sparkasse den per großkotziger "Ankündigung zur Vollstreckung" angekündigten Grundsteuer-Betrag überwies, wurde ein Penner neben mir von einem geschniegelten Sparkassenfifi aus dem bierumkränzten Mittagsschlummer gerissen. "Ich bin noch niemals obdachlos gewesen!" zeterte schlierig der alkoholische Mitmensch. Da war ich leider zu feige, dem Sparkassenfifi zu bedeuten, daß er sich gerade wie ein richtiges Arschloch aufführt. Da habe ich leider nicht das Richtige zum richtigen Zeitpunkt gesagt. Das wäre vermutlich wichtiger gewesen. Mist. Wiederum später bin ich voll auf die Schnauze gefallen, als ich von der Videothek (TAXI ZUM KLO von Frank Ripploh und RETURN OF THE LIVING DEAD 3 von Brian Yuzna) zurückkehrte. Drei gut gekleidete Twens latschten in 5 Metern Entfernung vorbei, waren ob meines Mißgeschicks sichtlich erschreckt, gingen aber schüchtern kichernd weiter. Es wäre mir lieber gewesen, sie hätten entweder voll rausgeplatzt mit dem Gelächter oder mir halt geholfen. Aber es war halt nur die gute alte deutsche Durchschnittspampe. Ich rappelte mich auf und hatte zum Glück nur einige Abschürfungen und Schnitte zu beklagen. Bei der Frosch-Bandprobe gestern sind kaum bemerkenswerte Ergebnisse erzielt worden, auch wenn die erste deutsche Version des Titelsongs von Jack Hills großartigem Horror-Schalk SPIDER BABY sehr annehmbar klang - ein bißchen wie "Rammstein", verarscht mit Wolfsgeheule... Das Stück "Ständer" könnte sich zu einem Liebling von mir und Jörg entwickeln, denn wir haben es sehr inbrünstig hervorgeblökt. Das neue Turbonegro-Album kommt ja gottseidank bald heraus... ("Wenn ich im Teich ein kleines Entchen erspäh´, krieg´ ich ´nen Stääänder...") Ansonsten gab es eine schöne Titelmelodie für den "Orion"-Versand für Sexspielzeug, die spontan improvisiert wurde. Irgendwann, wenn der Frosch mal bekannt geworden ist, werde ich mir mit diesen Mitschnitten ein goldenes Näschen verdienen. Da ich keine Nachkommen zu zeugen gedenke, könnte das die Stütze meines Alters werden. Morgen kommt ja diese Sendung auf Viva, und passend zum Anlaß habe ich einen Text über Die Ärzte verfaßt. Abschließend möchte ich noch ein kleines JPEG einflechten: Ich habe schon seit längerem eine Kladde an meiner Bettstatt liegen, um eventuelle Geistesblitze festzuhalten, die mir in Träumen zuteil werden. Man vergißt sowas ja allzu schnell. Die Kladde liegt jetzt irgendwo unter den Stapeln von Comicbüchern, die unter meinem Bett hausen. Heute morgen entdeckte ich eine Notiz die auf einen Kassenbon des Kleiderhauses "Sinn & Leffers" gekritzelt war. Da habe ich mal eine durchaus akzeptable Hose erstanden. Jetzt stand da aber klar & deutlich untenstehende Botschaft. Warum sind die Eltern unseres Bassisten reinlich? Ich kenne die Herrschaften gar nicht! Das sind mit Sicherheit äußerst liebenswerte Zeitgenossen, aber was ist da in meinem Traum vorgegangen? Mit dieser kryptischen Frage lasse ich Euch jetzt alleine. Vielleicht träume ich gleich die Fortsetzung. Wenn ja, lasse ich Euch das wissen. Vielleicht träume ich ja auch vom Paradies...
090302
Ich habe mir am Freitag die Ausscheidung zum "Grand Prix d´Eurovision" angesehen, und eine Ausscheidung war´s, fürwahr... So was kann ich mir nur im Kreise Gleichgesinnter anschauen, und wie in den beiden Vorjahren waren auch hier Robert & Bettina perfekte Gastgeber und litten mit mir durch die sängerische Ödnis. Meines Erachtens war das die lausigste Ausscheidung seit einigen Jahren: Einige Leute versuchten, wie Xavier Naidoo zu klingen, doch während ich auch dessen Musik nicht mag, so kann er es wenigstens - diese Leute konnten es nicht. Ein polnischer Expatriat sang ein extrem törichtes Lied über Feuer und Liebe, und mit der ungelenken Diktion und dem Grummelgegröhle erzwang er nicht nur zahlreiche abstoßerregende ausländerfeindliche Bemerkungen von mir und meinen Mitkuckern, sondern auch den Favoritenstatus in unser aller Wertschätzung. (Ein Pole, der Rammstein UND Joachim Witt verarscht, wenn auch unfreiwillig - was könnte besser sein?) Realistisch gesehen hätte ich es fast gut gefunden, wenn der unlustige Kanzlersong den Zuschlag erhalten hätte, denn das wäre dann eine RICHTIGE Blamage geworden und hätte ein bezeichnendes Licht auf den sogenannten deutschen Humor geworfen. Ich halte Schröder mittlerweile für ein Schraubgrinsen ohne was dahinter (für sein Paradepferd Fischer habe ich nach wie vor Sympathie übrig), und ich hätte diesem Mann auch solch eine mediale Blamage von Herzen gegönnt. Das Rennen machte aber ein sehr schwaches Siegel-Lied von einer Dame namens Lou, die den Pfad von Corinna May beschreiten wird. (Hatte Siegel sich damals nicht entblödet, auf die Blindheit der Sängerin anzuspielen? Hohoho...) Nach diesem Ereignis haben die beiden Katzenhalter sich mit mir noch das Edgar-Allen-Poe-Attentat RIPTIDE (THE MASQUE OF THE RED DEATH) angesehen, über das ich demnächst noch einmal ausführlicher schreiben werde. Kunstlehrerin Bettina hat irgendwann nur noch mit einem Schrumpfkopfmund dagesessen und der dargebotenen Respektlosigkeiten geharrt mit Bittermiene, während Robert zwischen den beiden Katzen herumgerollt ist und sich geschüttelt hat. Ich saß nur lautlos implodierend daneben, als der ehrenwerte Herbert Lom die Worte sprach: "Jetzt kommt König Ludwigs großes Ostereiersuchen!" Ja, der Prinz Prospero ist weit weg bei diesem Film, und es handelt sich wirklich um einen ehrenvollen Begleitfilm zum jüngst in einem meiner Artikel ausführlich behandelten HOUSE OF USHER - der Poe war schon ein sicker Hund, da gibt es nix! Danach haben wir noch den ernsthaft sympathischen DOLLS von Stuart Gordon gekuckt, für den ich gerade Liner Notes zu einer bald erscheinenden DVD geschrieben habe. Den finde ich ungewöhnlich sympathisch, da altmodisch und liebevoll geskriptet von Filmfan Ed Naha. (In diesem Moment - nur, um die Texterstellung- Realität-Identitäts-Balance zu dokumentieren - habe ich eines meiner besten Weingläser runtergeschmissen. Dazu singen die Ärzte: "Ich bin entsetzt, ich bin empört...und das prangere ich an!") Am vorangegangenen Wochenende hatten wir gemeinsam bereits eine "Superstar"-Sendung gekuckt, und dieses erbarmungswürdige Schauspiel hat auch meine Cora mit angeschaut. Der einzige der drei schamlosen Zurschausteller, der über Showtalent verfügte, nämlich Daniel, wurde rausgewählt. Endgültig gewonnen hatte er mich damit, daß er als Verarschungstitel "Born To Be Wild" wählte - das hatte eine gewisse Größe. Der vom Humor gänzlich unbeleckte Clearasil-Prittstift Alex versündigte sich unklugerweise an Joe Cockers "You Can Leave Your Hat On", und gegen Joe Cocker kann man sagen, was man will - er hatte Saft in den Klöten. Das war Blasphemie! Egal - der Prittstift hat das Rennen gemacht, und die Frauke-Ludowisch-und-weg-Klonin Juliette die tapfere Verliererin gegeben, obwohl die bei weitem nicht so unerträglich war. Außerdem hat einer der wenigen sympathischen Boxer - Vladimir Klitschko - am Samstag die Fresse vollbekommen. Echt - ich und Cora hatten uns gerade Bernard Roses hervorragenden CANDYMAN angeschaut und wollten danach nur noch nettes TV-Gepladder schauen - da gab der Südafrikaner dem unüberwindlich scheinenden Klitschko einige Klopper mit, die einfach tödlich waren. Für mich war das der erste Klatscher, der genau im falschen Moment kam. Mich hätte der Schlag für einige Monate in die Reha-Klinik befördert. Bei Vladi war es die Vorentscheidung. Das hat sowohl Cora als auch mich geschockt. Egal - Vladi bleibt mein persönlicher Favorit. Auch Boxer müssen nicht immer gewinnen. Gibt es noch was? Am Mittwoch kommt die "Fast Forward"-Sendung, bei der meine Wenigkeit auf einem Sofa mit dem backfischumschnurrten und wirklich extrem sympathischen Bela B. sitzt. Da rede ich einigen unreinen Kram über Exploitationfilme, mit dem ich mich endgültig aus dem Kreis der ernstzunehmenden Filmrezensenten herausköbele. Daß ich mein Geld damit verdiene, meinen Körper Randexistenzen am Bahnhof Gelsenkirchen feilzubieten und so fort. Es gibt neben mir aber noch einige andere Persönlichkeiten zu bestaunen, einige meiner liebsten Freunde, den Absurd-3000-Ralf, meinen Nachbarn Robert Zion, den sehr netten Thilo Gosejohann, und Heiko und Rüdiger von KINDER DER NACHT 2 waren auch ziemliche Granaten. (Rüdiger - der souveränste von uns allen - hat bei McDonald´s nächtens drei McRib und einen McFuckingGuffin verzehrt - boah!) Wenn man sich diese Sendung anschaut, sollte man nur darauf achten, wie häufig ich Bela mit einem falschen kurzen "Bella" anrede und nicht mit dem korrekten "Behla" - von Germanisten sollte man nicht zuviel erwarten... Achtet aber bitte auf den im Ticker bereits erwähnten Poli-Bären, den im Bild plaziert habe. Der ist kuschelig und süß. Die Polizisten-Schwein-Melange, die ich Jürgen getauft habe, habe ich auf dem Fast-Forward-Videorecorder plaziert, wenn ich mich recht entsinne. (Nicht, daß die lieben Fastforwardianer jetzt verklagt werden - mein Sündenfall!) Die meisten Videoclips habe ich wohl auch ausgesucht. "Eat The Rich" - ein komplett toller Clip von Motorhead - stammt von Bela. Ob die den Misfits-Clip bringen? Der ist recht blutrünstig... Micha von den Viva-Leuten war beim Telefonat noch etwas vorsichtig, aber Charlottes Eric rief aus dem Hintergrund: "Den bringenwa!" Am nächsten Samstag ist wieder Buio Omega, und da gibt es diesmal einen Horror-Psycho-Thriller, in dem der umwerfende Chuck Connors die Hauptrolle spielt. Mein persönlicher Favorit ist allerdings der erste Film, der zu den verschwindend wenigen deutschen Horrorfilmen aus den 50ern/60ern gehört. Da stranden Mannequins vor einer Insel und finden dort in riesigen Spinnennetzen aufgeknüpfte Körper. Trotzdem feiern sie eine fette Beach Party, denn: "You gotta fight for your right to party!" Barbara Valentin und Co. machen das mal, denn dieser unschlagbare Klumpen Horror-Trash folgt nicht wirklich den Gesetzen der Logik. Und auf der großen Leinwand gibt es den Film (anders als im TV) mal auch in einer unzensierten Fassung, mit Möpsen, die mitnichten kläffen, sondern das Herz entzücken. Da geht die richtige Spinnenparty ab - am Samstag bei B.O.!
060302
Heute hat mich meine Lebensabschnittsgefährtin mit einer neuen Tätowation überrascht: Ein Dolch, nicht ein Molch, ziert jetzt ihren rechten Unterarm! Sie meinte: "Na, der Torsten hat halt gerade Langeweile gehabt..." Das Tattoo ist sehr gelungen, auch wenn es noch immer rötlich glimmt im frischen Penetrationstaumel. Torsten ist ohnehin ein absolut begnadeter Hautstanzer und Zeichner - sein Portfolio enthält viele schöne Bilder, die ausgesprochenen Einfallsreichtum und Liebe zum Detail verraten. Die blauen Delphine, die sich viele auf ihre Körper punzen lassen, werden übrigens auch gerne als "Blaue Bananen" bezeichnet, während diese mysteriösen Tribals auf dem Rücken über der Analfalte auch gerne als "Arschgeweih" tituliert werden... Das finde ich lustig, und sobald Torsten endlich mal seine Homepage hochfährt, werde ich nicht zögern, sie zu verlinken. Hier ist erst einmal ein Fremdlink, wo der Meister auch selber zu erblicken ist. Torsten ist eine Seele von Mensch - ich finde den Mann total großartig! (Er ist ja auch der "Mannesmann" von der Elvis-Combo...) Abgesehen davon, daß er menschliche Qualitäten aufweist, die jene meiner meisten Erdgenossen schwer in den Schatten stellen, bastelt er auch Zeichnungen herbei, die weit jenseits des in Tattoo-Studios Gebräuchlichem liegen. Vielleicht diesele ich demnächst mal ein paar Scans seiner Schöpfungen hier rein... Dem Ralf von "Absurd 3000" hat er einen "Coffin Joe" gebastelt, der frisch aus dem Grabe kommt, und seine Barbara Steele ist ein Meisterwerk, das wesentlich lebensechter als das zugrundeliegende Foto kommt... (Das Naschy-Bild vom Event hat er in gerade mal 3 Stündlein gemalt.) Im Ruhrpott bezeichnet man Freundinnen ja auch gerne als "Perle" - wenn ich das jemals zu meinem Schmatzspatz sage, haut die mir voll auf die Zwölf! Also: Meine Perle hat mir eine wundervolle Wochenmitte beschert. Au Mann, jetzt habe ich richtig Ärger... Im Moment bastelt sie gerade an einer Hausarbeit zum Thema "Metamorphosen im Horror-Film", und verdammt will ich sein, wenn ich da nicht auch einige gelungene Metamorphosen beisteuere! Wie schlägt man einen Bogen von Ovid über Kafka zu Mr. Hyde? Das Leben bleibt doch immer spannend. John Barrymore - der Schauspieler-Titan, der Jekyll/Hyde in der legendären 1920er Verfilmung spielte -, mußte aufgrund seiner Trunksucht ja schließlich festgebunden werden, damit er seine Szenen abdrehen konnte. Frederic March mußte auch festgebunden werden, und zwar auf Miriam Hopkins, in der 1932er Version vom Herrn Mamoulian, die wesentlich textilfreier und gewagter war als die Spencer-Tracy-Version von Victor VOM WINDE VERWEHT Fleming aus dem Jahr 1941 - der Zensurhammer forderte seinen Tribut. In meiner schmalbrüstigen Vita forderte heute ganz etwas anderes seinen Tribut - der nackte Hunger! Ich schob meinen ausgemergelten Leib in ein McDonald´s-Restaurant, um einen Schub extrem unkomplizierter Kohlehydrate aufzunehmen. Bevor ich die von der Werbung versprochenen Kohlehydratbatzen aufnehmen konnte, geschah aber folgendes: Ich verlor meinen verdammten Appetit! Ich stand inmitten einer Flut halsloser Kinder, die dem ersehnten Grumpfsnack entgegenfieberten. Oder vielmehr: Sie fieberten dem Essen nicht entgegen, wie das die Pflicht eines jeden gottverdammten Christenmenschen sein sollte - sie lungerten stumpf der medientechnisch gebenedeiten Äsung entgegen, aber bevor noch ein aufgeblasenes Luftbrötchen mit Belag ihre ausgedörrten Mäuler erreichen konnte, packte mich der nackte Würg, das komprimierte Entsetzen derer, die die Nahrungsaufnahme für etwas Edles und Erstrebenswertes betrachten. Ich betrachtete die Beispiele von zukünftigem "Poor White Trash" für einige Minuten, gedachte dann der Tatsache, daß die Nahrungsaufnahme Spaß machen und die Geschmacksknospen zum Erblühen bringen sollte und haute einfach ab. Dieses Erlebnis ist mir jetzt schon einige Male zuteil geworden, und ich bin nach wie vor der Ansicht, daß man beim Döner-Kalle um´s Eck wesentlich besser aufgehoben ist! Im McD-Restaurant kennt man mich mittlerweile schon wegen meiner Marotten, das habe ich beim letzten Male sehr deutlich mitbekommen, aber gut so, denn die obwaltenden Kräfte sollen nicht den Eindruck bekommen, sie dienten der heiligen Sinneslust des Essens in derselben Weise, wie es teure und billige Restaurants ganz in Eurer Umgebung tun - freundlich, persönlich und lecker! Wer jetzt noch Geistesnahrung braucht, der hole sie sich auf Romano Scavolinis Homepage, wo der Regisseur des bei uns idiotischerweise beschlagnahmten NIGHTMARE seine Kreise zieht - das ist ein intelligenter Zeitgenosse! Auch nett ein neuer Text über Gordon Mitchells malerische Erzeugnisse... Ich beende diesen Text mal mit einem Foto von Gordon und Mickey Hargitay, auf dem der Text eingelinkt ist... (Unter "Splatter Mafioso".)
040302
So, der Frosch hat wieder einmal getagt. Erfreulicherweise haben diesmal keine Spannungen das gemeinsame Ziel vernebelt - beim letzten Mal rauchte es ja doch merkbar. Obwohl... Diesmal kam uns meine Manie, die genußvollen Klampfereien videotechnisch festzuhalten, doch etwas in die Quere. Diesmal wagte ich eine Art improvisierten Dolly-Shot: Ich verband die Lautsprecherbox der Gesangsanlage mit dem Instrument unseres Bassgitarristen. Mein Ziel dabei war es, einen MAN-EATER-artigen Kamerataumel zu erzeugen, wie damals, als die Kamera einen die Treppenflucht hinabstürzenden Körper auf seinem Flug ins Nichts nachvollzieht. Zu diesem Behufe knotete ich einen dicken Pappknubbel in das Band, damit die Videocam auf ihrem Flug aufgehalten werde. Leider hielt der Knubbel nicht stand, und so donnerte die Cam justemang in die Bassgitarre von Kai. Kai, der ansonsten ein überaus netter Zeitgenosse ist, fand sein zersplittertes Instrument gar nicht erquicklich und plazierte seine massige Pranke sehr unleidig in meine linke Gesichtshälfte, die daraufhin leuchtend anschwoll. Es wäre sehr schön, wenn dieses Experiment einen Keil in die intensive Künstlergemeinschaft getrieben hätte, aber tatsächlich habe ich das jetzt erstunken & erlogen - künstlerische Freiheit alaaf! Es ist rein gar nichts passiert bei der heutigen Probe, was die Bahnen des Alltäglichen gesprengt hätte. Wir haben wie üblich geschrabbelt und unser geringes Bestes gegeben, mit dem kleinen Unterschied, daß wir diesmal eine erste Aufnahme unserer Coverversion von "I Got Erection" von Turbonegro aufgenommen haben... "Wenn meine Freundin nach Cinzano stinkt, krieg´ ich ´nen Ständer!" finde ich ziemlich gut... Die Zeitläufte werden uns recht geben. Ansonsten haben wir bereits vorhandene Falten geglättet und uns auf den weit in der Zukunft liegenden Premierengig vorbereitet. Da das "Psychotronische Bildungswerk" eh schon einen Punkabend vorbereitet, ist dieser Gig vielleicht nicht ganz so weit. Jetzt am Donnerstag präsentiert das ehrwürdige Bildungswerk erst einmal einen wie immer sehr exklusiven Abend. Da ich im Moment natürlich nicht genau weiß, was das für ein Programm ist (habe ich doch erst einmal Kais forsche Rechte zu verarzten), werde ich morgen noch Nachhall erklingen lassen, damit man weiß, wohin man am Donnerstag am sinnvollsten zu stromern hat... War es der Kinski-Kai mit dem Narrenabend? Wenn ja, dann gebührt ultimative Aufmerksamkeit, denn besagter Kai (ein anderer als der, der mir die Rechte verpaßt hat) ist ein echter Hofnarr. Narren haben ich immer für altertümliche Spaßmacher gehalten, nicht für die karnevalesken Schwachsinnsheinze von heute. Narren hatten an alten Königshöfen das Privileg, den Herrschenden zu sagen, was Sache ist. Dabei rollte schon der eine Kopf oder der andere. Der Kai-Narr ist nicht nur ein bombennetter und schlauer Mensch, sondern verdient noch heute seinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf. Außerdem ist er verbriefter Kinski-Fan. Das Auflaufen ist somit mandatorisch. Morgen werde ich vermelden, was da definitiv haust im Wonnemonat März.
030302
Helau und Alaaf, liebe Narren und Narralesen - die fünfte Jahreszeit ist wieder angebrochen! Der Ausruf "Alaaf" geht übrigens auf Fürst Metternich zurück, der zu irgendeiner Gelegenheit überlieferungsträchtig raunte: "Cöllen al aff!" Warum man nun die Erkenntnis, daß alle Kölner Affen seien, für einen geeigneten Stimmungsmacher bei den gegenwärtigen Festivitäten hält, ist mir schleierhaft, doch das ist nicht das einzige, wo mir der rechte Geist drastisch abgeht. Ich mache heute jedenfalls die Fenster ganz fest zu, und am Abend geht´s in den Proberaum! Gestern wollte ich mit meiner Partnerin in ein Museum, wo eine Ausstellung über kinetische Kunst zu sehen war. Am Eingang hockten drei mürrische Putzfrauen, die wohl das Museumspersonal darstellen sollten. Wir waren die einzigen Gäste, und gleich beim ersten Exponat schoß ich den Bock: Es handelte sich um eine etwa 2 Meter große Metallplatte, daneben ein Klöppel und eine Plakette mit der Aufschrift "Bitte schlagen" - hmmh, kombiniere... Ich schlug also zu. Leider erwischte ich versehentlich den Griff, und ein gewaltiges "DONNNNGGG!!!" hallte durch das Gebäude! Ich wäre vor Scham fast im Boden versunken... Eine der Putzfrauen (die theoretisch auch an einen Pommes-Stand gepaßt hätte) rauschte sofort herbei und ramenterte, was mir denn einfiele. Meine lahme Entschuldigung, da stünde ja schließlich "Bitte schlagen", ließ sie nicht gelten. Bei unseren weiteren Betrachtungen folgte sie uns in etwa 5 Meter Entfernung mit Argusaugen, so daß wir nach einer Minute auch schön wieder verschwanden. Kultur in Buer - immer wieder ein schönes Erlebnis! Das hier ist für den Museumsdrachen:
010302
Heute habe ich mir zwei weitere Schmankerl aus der DVD-Sektion meiner Videothek gegönnt: THE MANGLER und BLAIR WITCH PROJECT 2! THE MANGLER hatte ich bislang noch gar nicht gesehen, aber der Name des Regisseurs - Tobe Hooper - ließ den Film in meinen Korb purzeln. Und was soll ich sagen? Das ist einer der wenigen Fälle, wo ich nach ca. 60 Minuten das Handtuch warf - es ging einfach nicht mehr! Eine so konzentrierte Ballung hochgradigen Schwachsinns habe ich lange nicht mehr gesehen... Wem der Sinn nach einem richtig erstklassigen Bäddie steht, der darf hier beherzt zugreifen, denn Hoopers Werk handelt von einem besessenen Bügelgerät, das in einer heutigen Wäscherei vor sich hin rattert, die ausschaut, als hätte Charles Dickens zuviele "Gothic Novels" gelesen! Geleitet wird diese Wäscherei von "Freddy" Robert Englund, den der Make-Up-Mann als alten Sack zurechtgeschminkt hat, und das nicht sonderlich geschickt... Robert hat aber nicht nur den Kajalstift im Po, sondern auch noch zwei künstliche Beine, mit denen nicht gut Hürdenlaufen ist... Ted Levine als äußerst unsympathischer Bulle schaut vorbei, als in besagter Wäscherei eine alte Dame zerbügelt und zusammengefaltet wird. Ihm wird bald klar, daß es sich hier nur um das Wirken unirdischer Mächte handeln kann. Die Logikkette, die ihn dahin führt, erinnert etwas an Kommissar Schneider, aber hier ist das meiste wohl tatsächlich ernst gemeint. Ted Levine hat einige der lausigsten Dialogsätze seine Karriere - boah, ist das schlecht! Meine Lieblingsszene kommt, als ein kleiner Junge von einem besessenen Kühlschrank erstickt wird. Der PSI-geschulte Kollege des Polizisten wird von besagtem Kühlschrank "gebissen", und so sieht man dann zwei erwachsene Männer mit einem Kühlschrank ringen... Danach greift sich Levine einen gelegen herumliegenden Vorschlaghammer und donnert wie Thor himself auf den Kühlschrank ein. Keine Ahnung, was da im Hirn des Drehbuchautors vorgegangen sein mag, aber es wird nicht viel gewesen sein! Und wer ist als Drehbuchautor vermerkt? Harry Alan Towers - yippie!!! Stephen King hat mal eine Kurzgeschichte geschrieben, die ich schon damals atze fand, aber was Hooper und seine Kumpane da herumgestrickt haben, riecht nach dem verzweifelten Versuch, ein an sich bereits rettungsloses Drehbuch dezent ironisch zu verbrämen, und das ist noch schlimmer als ernst zu stranden! Noch schlimmer als LIFEFORCE... Die Fortsetzung zum BLAIR WITCH PROJECT, den ich - allen Unkenrufen meiner Freunde zum Trotz - ganz ordentlich und teilweise recht scary fand, geht sehr viel mehr in die Vollen und serviert Blut und Geschmatter. Das auf einem ordentlichen technischen Niveau. Faszinierenderweise ist aber keine der Horrorszenen auch nur annähernd so gruselig, wie das im Original der Fall gewesen war. Der erste Auftritt des ertrunkenen Kindes im Krankenhaus etwa hätte kreuzunheimlich sein können, wird aber von dem unendlichen Gelaber (das ja auch schon im Original vorhanden ist) weitgehend nullifiziert. Man hat es hier mit einem selbstzweckhaft verworrenen, aber immerhin einigermaßen faszinierenden Neo-Slasher zu tun, der einige ganz schlaue Wendungen aufzubieten hat, sowie eine ganz effektive Besetzung junger Nobodies und einen geschickt zusammengebüxten Soundtrack. Ich fand auch hier wieder, daß der Film etwas prätentiös aufgeblasen wirkte, aber Teil 3 (in Produktion) werde ich mir dann wohl auch ansehen... Habe ich schon einmal von dem britischen Psychothriller THE HOLE geschrieben? Der setzt diese "Eingeschlossene Studenten"-Nummer noch sehr viel effektiver um - ein wirklich spannendes Filmchen, oh ja. Außerdem habe ich eine Review zum gerade erschienenen Silberling von LAST HOUSE ON DEAD END STREET erstellt...
280203
Solange wir noch Februar haben, sollte ich schnell noch etwas über zwei Filme berichten, die ich mir gerade aus der Videothek ausgeliehen habe. Beide stammen von Veteranen des Horrorfilmes, und doch waren sie qualitativ wie Tag und Nacht. Zuerst schaute ich mir John Houghs BAD KARMA an. John Hough hat ja mal den durchaus bemerkenswerten und unheimlichen THE LEGEND OF HELL HOUSE (der bei uns mit dem eigenwilligen Titel TANZ DER TOTENKÖPFE geschlagen war) gedreht. Bei BAD KARMA ist allerdings ganz Feierabend: Einer der dümmsten und unfreiwillig komischsten Psychothriller, die ich in den letzten Jahren gesehen habe... Patsy Kensit (die Ex-Frau von Liam Gallagher) spielt eine schizophrene Psychopathin, die von dem Gedanken besessen ist, die Geliebte von Jack the Ripper zu sein! Ihr Arzt ist eine dieser Blubberblasen aus MELROSE PLACE und hat rein gar nix auf dem Kasten. Natürlich entfleucht sie seiner Obhut und macht sich daran, die Familie des Mediziners zu entbeinen. Nebenbei sammelt sie auch noch Organe von unglücklichen Individuen, die ihren Weg kreuzen, denn wie es sich für die Ex-Geliebte von Jack the Ripper gehört, glaubt sie an Reinkarnation. In den entnommenen Organen wähnt sie die Seelen der Verstorbenen. Abgesehen davon, daß die Story hanebüchen jenseits aller Beschreibungsmöglichkeiten ist, sind da ganz viele Momente kostbaren Unfugs. Wer den Film ganz bis zum Schluß durchschaut, bekommt bei dem Satz "Ich habe das Gefühl, das alles schon einmal erlebt zu haben!" hoffentlich genau so einen Peinlichkeitskrampf wie ich. Die Schauspieler sind größtenteils unterirdisch, und auch wenn die Inszenierung zumindest guten TV-Durchschnitt hält, schickt das Drehbuch alle Beteiligten ganz weit raus auf die hohe See... Mann, was für ein Schmonzes! Ganz anders da Sidney J. Furies HIDE & SEEK (der in den USA auch als CORD lief). Hier geht es um Daryl Hannah, die von einem illustren Pärchen gekidnappt wird, das erreichen will, daß Daryl das Baby der Gastdame austrägt. Als Psychopathengespann sind Jennifer Tilly und Vincent Gallo ziemlich spitze. Ganz zu Anfang dachte ich bei Jennifers Darstellung der geistig zurückgebliebenen Kidnapperin noch, daß hier eine neue Dimension des Überchargierens eröffnet würde. (Sie wirkt wie eine dämonische Version von der Sheriff-Sekretärin Lucy aus TWIN PEAKS!) Der Film wird dann aber richtig unangenehm, und obgleich er grobe Brutalitäten völlig vermeidet, verdient er sich seine 18er-Freigabe redlich, denn die Situationen, in denen sich der Film ergeht, sind reichlich sick... Irgendwann macht man sich über das Gehampel der Tilly nicht wirklich mehr lustig, denn da wird der Film richtig biestig. Furie (übrigens ein erklärtes Idol von Enzo G. Castellari!) hatte in THE ENTITY bereits sattsam Gelegenheit, Vergewaltigungsängste von Frauen zu thematisieren. In HIDE & SEEK geschieht das eher durch die Blume, aber es handelt sich um eine böse Blume, die auf den Gräbern der Geschundenen blüht! Was in BAD KARMA keine Sekunde erreicht wird, passiert hier fast unausweichlich: Man fiebert und ängstigt sich mit der Protagonistin, die auf Gedeih und Verderb den beiden Sickos ausgeliefert ist. Der Film rollt die Geschichte fast kammerspielartig reduziert auf, und man ist die ganze Zeit über unmittelbar dabei. Ich empfehle bei dieser DVD ausdrücklich die englische Tonspur, denn die ganze Nervwucht von Frau Tillys Performance kriegt man nur im Original mit, und der Film ist auch so leicht zu verstehen. Allein die Szene, in der die Frau vom Windeldienst vorbeikommt, ist ein ziemlicher Kracher. Nö, HIDE & SEEK verdient einen interessierten Blick durchaus - keine große Kunst, aber ein sehr spannender und teilweise arg verstörender Thriller, dessen Humor hohe Morbidität verrät... Mit dem Film kehrte Furie (der seine meisten Filme erst in Großbritannien, später in den Staaten drehte) in sein Heimatland Kanada zurück, und auch die abgelegenen Locations werden sehr effektiv genutzt. Demnächst gibt es auch etwas zur unglaublichen DVD-Veröffentlichung von LAST HOUSE ON DEAD END STREET, die man kaum genug loben kann. In der nächsten "Splatting Image" wird übrigens statt eines Textes von mir mal nur ein Interview enthalten sein, das ich bereits vor Jahresfrist geführt habe. Der Gesprächspartner ist Vassili Karis, der Held aus DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM und ähnlich merkwürdigen Filmen. Demnächst in diesem Theater. Morgen ist erst einmal März!