ALLES KLAR MACHT DER FEBRUAR!



NEWSTICKERARCHIV

280203

Solange wir noch Februar haben, sollte ich schnell noch etwas über zwei Filme berichten, die ich mir gerade aus der Videothek ausgeliehen habe. Beide stammen von Veteranen des Horrorfilmes, und doch waren sie qualitativ wie Tag und Nacht. Zuerst schaute ich mir John Houghs BAD KARMA an. John Hough hat ja mal den durchaus bemerkenswerten und unheimlichen THE LEGEND OF HELL HOUSE (der bei uns mit dem eigenwilligen Titel TANZ DER TOTENKÖPFE geschlagen war) gedreht. Bei BAD KARMA ist allerdings ganz Feierabend: Einer der dümmsten und unfreiwillig komischsten Psychothriller, die ich in den letzten Jahren gesehen habe... Patsy Kensit (die Ex-Frau von Liam Gallagher) spielt eine schizophrene Psychopathin, die von dem Gedanken besessen ist, die Geliebte von Jack the Ripper zu sein! Ihr Arzt ist eine dieser Blubberblasen aus MELROSE PLACE und hat rein gar nix auf dem Kasten. Natürlich entfleucht sie seiner Obhut und macht sich daran, die Familie des Mediziners zu entbeinen. Nebenbei sammelt sie auch noch Organe von unglücklichen Individuen, die ihren Weg kreuzen, denn wie es sich für die Ex-Geliebte von Jack the Ripper gehört, glaubt sie an Reinkarnation. In den entnommenen Organen wähnt sie die Seelen der Verstorbenen. Abgesehen davon, daß die Story hanebüchen jenseits aller Beschreibungsmöglichkeiten ist, sind da ganz viele Momente kostbaren Unfugs. Wer den Film ganz bis zum Schluß durchschaut, bekommt bei dem Satz "Ich habe das Gefühl, das alles schon einmal erlebt zu haben!" hoffentlich genau so einen Peinlichkeitskrampf wie ich. Die Schauspieler sind größtenteils unterirdisch, und auch wenn die Inszenierung zumindest guten TV-Durchschnitt hält, schickt das Drehbuch alle Beteiligten ganz weit raus auf die hohe See... Mann, was für ein Schmonzes! Ganz anders da Sidney J. Furies HIDE & SEEK (der in den USA auch als CORD lief). Hier geht es um Daryl Hannah, die von einem illustren Pärchen gekidnappt wird, das erreichen will, daß Daryl das Baby der Gastdame austrägt. Als Psychopathengespann sind Jennifer Tilly und Vincent Gallo ziemlich spitze. Ganz zu Anfang dachte ich bei Jennifers Darstellung der geistig zurückgebliebenen Kidnapperin noch, daß hier eine neue Dimension des Überchargierens eröffnet würde. (Sie wirkt wie eine dämonische Version von der Sheriff-Sekretärin Lucy aus TWIN PEAKS!) Der Film wird dann aber richtig unangenehm, und obgleich er grobe Brutalitäten völlig vermeidet, verdient er sich seine 18er-Freigabe redlich, denn die Situationen, in denen sich der Film ergeht, sind reichlich sick... Irgendwann macht man sich über das Gehampel der Tilly nicht wirklich mehr lustig, denn da wird der Film richtig biestig. Furie (übrigens ein erklärtes Idol von Enzo G. Castellari!) hatte in THE ENTITY bereits sattsam Gelegenheit, Vergewaltigungsängste von Frauen zu thematisieren. In HIDE & SEEK geschieht das eher durch die Blume, aber es handelt sich um eine böse Blume, die auf den Gräbern der Geschundenen blüht! Was in BAD KARMA keine Sekunde erreicht wird, passiert hier fast unausweichlich: Man fiebert und ängstigt sich mit der Protagonistin, die auf Gedeih und Verderb den beiden Sickos ausgeliefert ist. Der Film rollt die Geschichte fast kammerspielartig reduziert auf, und man ist die ganze Zeit über unmittelbar dabei. Ich empfehle bei dieser DVD ausdrücklich die englische Tonspur, denn die ganze Nervwucht von Frau Tillys Performance kriegt man nur im Original mit, und der Film ist auch so leicht zu verstehen. Allein die Szene, in der die Frau vom Windeldienst vorbeikommt, ist ein ziemlicher Kracher. Nö, HIDE & SEEK verdient einen interessierten Blick durchaus - keine große Kunst, aber ein sehr spannender und teilweise arg verstörender Thriller, dessen Humor hohe Morbidität verrät... Mit dem Film kehrte Furie (der seine meisten Filme erst in Großbritannien, später in den Staaten drehte) in sein Heimatland Kanada zurück, und auch die abgelegenen Locations werden sehr effektiv genutzt. Demnächst gibt es auch etwas zur unglaublichen DVD-Veröffentlichung von LAST HOUSE ON DEAD END STREET, die man kaum genug loben kann. In der nächsten "Splatting Image" wird übrigens statt eines Textes von mir mal nur ein Interview enthalten sein, das ich bereits vor Jahresfrist geführt habe. Der Gesprächspartner ist Vassili Karis, der Held aus DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM und ähnlich merkwürdigen Filmen. Demnächst in diesem Theater. Morgen ist erst einmal März!

240203

Heute hielt wieder der Frosch sein strenges Regiment, und obwohl der Bassist durch Abwesenheit glänzte, powerten wir mächtig rein! So wurde immerhin ein Teil meines frisch verfaßten Gassenhauers "Golem à Go-Go" vertont. Das war ein sehr interessantes Erlebnis, denn es kam ganz anders als von mir vorgedacht. Im Hinterkopf schwebte mir ein Misfits-artiges Schrammelstück schnellen Tempos vor, aber da es sich ja beim Golem um einen eher klobigen Lehmmann handelt, entschied man sich für eine langsamere Variante, die jetzt etwas klingt wie Indianer auf dem Kriegspfad. Der Golem und die Indianer? Warum nicht? Prag ist überall! Für den Refrain - der u.a. lautet: "Das Leben war für ihn bequem/ Denn er war ja ganz aus Lehm..." - haben wir uns schließlich auf eine schnellere Schrammelei geeinigt, die durch gegrunzte Urlaute oder gezielte Publikumsbeleidigung aufgelockert wird. Am Schluß hatte ich fast Tränen der Rührung in den Augen, da dies der erste vertonte Songtext von mir war - freu! Die Gitarristin schnitt sich während einer der Schrammeleien übrigens in den Fingerknöchel und war dann minutenlang damit beschäftigt, das Blut von der Gitarre zu wischen! Am Schluß jodelten Jörg und meinereiner noch unsere Debil-Variante von Devos "Mongoloid", und friedvoll schied man voneinander. Filmtechnisch habe ich mir noch den gerade auf DVD herausgekommenen SCHOOL KILLER angesehen, da es sich um das neueste Werk unseres letzten Stargastes Paul Naschy handelt. Ich hatte ja nicht wirklich viel erwartet, denn der spanische B-Horrorfilm verdient heutzutage ja sein Geld wie der italienische - auf den Knien. SCHOOL KILLER orientiert sich grundsätzlich am Slasher-Kino und läßt eine Gruppe junger Dumpfbacken unter hanebüchenen Umständen ein seit langen Jahren leerstehendes Schulgebäude aufsuchen. Dort passieren dann merkwürdige Dinge, die die meisten der Spackos das Leben kosten. Zum Glück versucht es der Film nicht mit naseweiser Schlaumeierei wie die meisten Neo-Slasher, sondern verkauft sein Publikum auf freundliche Weise für dumm: Was die Protagonisten an geistigem Dünnpfiff absondern, ist drollig und erheitert das kindliche Gemüt. Dabei bleibt er auch schön naiv und aufs Wesentliche reduziert, womit er auch den Fallstricken aus dem Wege geht, die dem superb fotografierten DEEP IN THE WOODS das Totenglöcklein geläutet haben - Slasher müssen dumm und geschmacklos sein, ansonsten funktioniert das nicht... SCHOOL KILLER erzählt geradlinigen Nonsens, angereichert mit Beigaben aus der Geisterwelt und einigen Splattereien, und das ganze auf immerhin akzeptablem technischen Niveau. Der Paule hat zwar nur eine Butzemann-Rolle, aber die versieht er mit der gewohnten Inbrunst. Der Film ist natürlich eine ganz andere Liga als etwa THE DEVIL´S BACKBONE, aber wer SCHOOL KILLER ohne große Erwartungen in die Finger bekommt und Slasher mag, wird seinen Spaß haben... Ich hatte meinen Spaß am Wochenende, denn ich bin mit meinem Liebling um den See von Schloß Berge spaziert. Dort konnte man eine Vielzahl angenehm bürzeliger Enten beim Verrichten ihres Tagewerks beobachten. Ich mag die Tiere ja sehr. Auch eine bunte Mandarinente - die wohl aus irgendeinem Zoo ausgebüxt sein mußte - schwomm des Weges. Am schönsten fand ich aber die Sache mit dem Bläßhuhn. Eigentlich war das ja ein Bläßhahn, den wohl der Bürzel zwackte, denn während wir ihn beobachteten, näherte er sich einer Henne und versuchte, sie mit eindeutig unlauteren Absichten rücklings zu besteigen. Die Henne hatte aber keine Lust und schüttelte ihn ab. Er, den Rest seiner Würde zusammenkratzend, plusterte sich voll auf und schwamm schnell abseits, als sei gar nichts passiert. Wir haben aber alles gesehen, auch, wie sich die Henne daraufhin ebenfalls aufplusterte und sich offenbar einen Ast freute über den Gelackmeierten. Na, ich hoffe mal, der Hahn hat später mehr Erfolg gehabt! Vielleicht hat er ja im richtigen Moment eine Pulle mit Schampus parat und spielt den Bonvivant. Da kann doch keine Henne widerstehen. Obwohl... Bläßhühner haben ja diese SCREAM-Masken auf ihren Gesichtern. Ich hoffe mal, daß das jetzt nicht das Tier im Hahn geweckt hat und die Population im See demnächst drastisch dezimiert wird. Da kippt womöglich der ganze See um! Die doofen Gaffer, die immer Brotkrumen und anderen Abfall in den See werfen, denken immer, sie tun den Viechern etwas Gutes, dabei zerstören sie das natürliche Gleichgewicht im Biotop und fügen den Enten und Erpeln schweren Schaden zu. Auch mit gutem Willen kann man die Erde verwüsten. Und mit diesem schönen Gedanken gehe ich nun zu Bett - quak! (P.S.: Auf der "Ärzte"-Webpage kann man sich die CD komplett runterladen, die sie zu ihrer Lesetour gemacht haben: "Männer haben kein Gehirn" - die ist ein echter Kracher! Ebenso empfehlenswert ist ihre sehr witzige Punk-CD "Bullenstaat 5,6,7,8", die man dort auch downloaden kann.)

230203

Da wir uns ja bald vermutlich mit der TV-Serie "Krieg in Bagdad" auseinandersetzen werden müssen, habe ich mir endlich wieder einmal einen Hollywood-Kriegsfilm angesehen: BLACK HAWK DOWN von Ridley Scott. Ich hätte den Film WIR GEGEN DIE BÖSEN BIMBOS genannt. Nein, im Ernst: Mir gehen diese modernen Kriegsfilme mit ihren Pseudo-Antikriegsbeigaben mittlerweile richtig auf den Senkel, denn unterm Strich wohnt da die komplette Menschenverachtung. Man nehme eine Handvoll begabter Jungdarsteller, ein oder zwei gestandene Mimen (in diesem Fall Sam Shepard) und jede Menge Kriegsgerät und würfele sie in einen Krisenherd. Da es hier um Somalia geht, wirkt der Film geradezu wie eine Vorbereitung auf außenpolitische Kapriolen der Zukunft. Es setzt eine Menge sehr klebrigen Heroismus und pathetische Worte zum Thema "Weltpolizist Amerika", und dann wird geballert, und das nicht zu knapp - da wird gut was weggerotzt. Gegen solche Metzelarien finde ich selbst RAMBO 2 regelrecht sympathisch, da jener Film so absurd überzogen war, daß man noch herzhaft darüber lachen konnte. Bei BLACK HAWK DOWN werden gleich zu Anfang die historischen Fakten samt Analyse vorgeschoben, damit man während des Blutgeschmatters nicht etwa zum Nachdenken kommt, ob das alles denn so stimmen tut... Dramaturgisch geht der Film den Weg vieler neuer Big-Budget-Filme im Bruckheimer-Fahrwasser: Tausende von Charakteren, die während des Filmes sang- und klanglos verschüttgehen. Der eine oder andere Fall wird dann mal unbillig aufgeblasen, aber auch wirklich nur, um etwas "Herz" zu simulieren, etwa im Fall der fröhlichen Arteriengräberei bei Soldat Smith. Die Figuren sind dem Film wurschtegal, und das gilt nicht nur für den Gegner, der seine schwarzen Kräuselhaare über die Mauern steckt, damit sie ihm weggeblasen werden, sondern auch für die amerikanischen Soldaten. Auch toll die anderen Vertreter der "Dritten Welt", die meist rudelartig über die schwerstbewaffneten Soldaten herfallen. Keine Ahnung, warum sich die afro-amerikanischen Darsteller nicht weigern, bei so einem Schmonzes mitzumachen... Die Botschaft des Filmes lautet zusammengefaßt: "Es war ein steiniger, aber schöner Weg!" Die Technik ist natürlich exzellent, aber Ridley Scott hat einfach wesentlich mehr auf dem Kasten als diese Mischung aus CNN und Cannes-Werberolle. BLACK HAWK DOWN hat soviel Charme wie ein Tritt in die Nüsse. "Sagt meinen Söhnen, daß ich sie liebe!" (Randy Quaid in INDEPENDENCE DAY)

210203

Ich habe es doch getan, und zwar gleich nach der Niederschrift des Untigen. Ich bin mal davon ausgegangen, daß man den Inhalt der blauen Flasche mit dem des braunen Fläschleins vermengen muß. Möglicherweise habe ich damit auch einen grauenhaften Fehler begangen... Feige und Taurin gingen auf jeden Fall eine unheilvolle Vermählung ein. Zuerst ließ ich den Inhalt der blauen Flasche in ein "Beck´s"-Glas gluckern. Das war schon mal recht blau. Beim Hinzufügen der als "Druidenkraft" etikettierten Absonderlichkeit überzog den Glaskegel ein leichter Rauhreif. Auch tat sich ein Geruch breit, der etwas an das Formaldehyd gemahnt, das man aus den Pathologie-Stunden des Medizinstudiums noch gut kennen müßte. Man nennt das Sezieren toter Körper dort "präppen", glaube ich. Leichte Bläschenbildung am unteren Glasrand gehört wohl auch zu den festzuhaltenden Phänomenen. Ich meine auch, einen leichten Sirrton vernommen zu haben, aber da ich vorher schon etwas Tequila getilgt hatte, bin ich mir nicht mehr ganz sicher. In jedem Falle ließ ich das Glasgefäß eine Zeit lang stehen, damit sich die volle Wallungswucht echter Druidenkraft vollauf entfalten konnte. Bei leckeren Weinen soll man das Gemengsel ja auch etwas atmen lassen. Ich ließ den blauen Blubbersud also etwas atmen. Gelegentlich schnoff ich daran. Es roch nach Red Bull mit Feigeneinlage. Zwischendurch schrieb ich ein Sonett über meine Großmutter mütterlicherseits. Irgendwann legte ich dann meine Lippen auf das kalte Glas, das da wartete und kein Sünd´ noch Unschuld kannte. Ich merkte zunächst keinen Unterschied zu meiner sonstigen Befindlichkeit. Dann begann auf einmal ein mulmiges Magengefühl damit, sich den Weg zu meiner Oberfläche zu bahnen. Au Mann, was hatte ich erwartet? Dr. Jekyll und Mr. Hyde? Filmisch rockt am meisten die 1932er Version von Rouben Mamoulian, und Frederic March ist ewig groß als enthemmter Neandertaler im Menschen, dem die volle Bandbreite weltlicher Gemeinheiten zuteil wird. Noch besser ist freilich die Darstellung in der 1920er Version, in der der berühmte Theaterschauspieler John Barrymore den doppelgesichtigen Mediziner gab. Während in späteren Versionen der Hays Code und spätere Zensurmaßnahmen sexuelle Zurückhaltung geboten, war damals noch Schmalhans mitnichten nur der Küchenmeister - da ging das richtig ab in der guten Bude! Ich erbrach mich dann ein paar Mal in das unschuldige Porzellan meiner Gedenkstätte zur Verrichtung des Verdauungsfinales. Eine Erektion wurde mir nicht offenbar. Ich erinnerte mich sachte der Versuche des Frosches, den Turbonegro-Klassiker "I Got Erection" zu covern: "Wenn ich im Fernseh´n Ute Lemper seh´, krieg´ ich ´nen Ständer!", aber nichts dergleichen zwang mich zur stummen Eiche im Vorgarten, wo das Astloch dämmerte. Ich fühlte mich eigentlich wie immer, nur um 100 ml Grappa schwerer. Das leichte Zucken um die Augenwinkel sind vermutlich auch nur fibrilierende Nervenstränge. Was für eine Enttäuschung! Da denkt man, endlich mal einen fremdinduzierten Kick zu erhaschen, der mehr ist als die Pilze am Kuhgatter Zevens, die Marienerscheinungen Benediktbeurens oder der Rosenmontagszug in hiesigen Breitengraden. Statt dessen: Totale Ernüchterung! Don Potenzo ist ein lauer Lutscher. Tut mir leid, Euch enttäuscht zu haben, aber da hätte ich wirklich lieber 100 ml Bärenmarke auf Ex erhascht... Demnächst (vielleicht) die ganze Wahrheit darüber, warum Kommissär Ernst einem Pantomimen in der Fußgängerzone voll in die Schnauze haut.

200203

Extrablatt: Grönland hat sich heute von den das Land umgebenden Gletschern gelöst! Mit einem gewaltigen "Knacks" unterstrich das Land den seit vielen Jahrhunderten angemeldeten Anspruch auf Unabhängigkeit und glitt in die schäumende Gischt des Eismeeres. Bei dieser Aktion kamen alle drei registrierten Grönländer ums Leben, werden aber vermutlich demnächst als tropische Zierfische wiedergeboren werden. Eine Freundin von mir mußte heute zum Zahnarzt, um einige Plomben überprüfen zu lassen, und der Vorgang bereitete ihr geharnischte Angst. ("Der gelbe Zahn, der so pfeift, würde mir Sorgen bereiten...") Ich heiterte sie auf mit einigen Schnurren aus meiner eigenen Dentalpraxis: wie mir etwa die beiden unteren Weisheitszähne entfernt wurden. Die saßen nämlich seitlich in die vor ihnen liegenden Backenzähne verkeilt. So mußte erst der Kiefer weggeraspelt werden, um die Weisheit geradezustellen, und dann konnte der Schotter rausgenommen werden. Um das zu erreichen, wurde mir ein quadratisches OP-Tuch über die Schnauze gelegt. Dann surrte auf einmal die Knochensäge: Mit schwankem Elan raspelte der wackere Mediziner die Kiefersegmente hinweg. Ich spürte rein gar nichts, sah nur, wie die Knochenteile und das Blut über das Tuch spritzten. Später dann, als die Betäubung nachließ, ging ich die Wände hoch. Das dauerte höchstens eine Woche. Die Anekdote vermochte die Freundin nicht zu beruhigen, und mit grimmer Miene schied sie von mir. Keine Ahnung, ob ich die jemals wiedersehe! Immerhin hat mir das meinen einzigen Klinikaufenthalt nach der Geburt in Erinnerung gerufen. Das war auch eine recht nette Geschichte: Es handelte sich um die Sektion des Phrenulums. Das Phrenulum ist der kleine Hautlappen, der die Vorhaut des männlichen Gliedes mit dem ebensolchen verbindet. Das ist so ähnlich wie eine Phimose, nur exklusiver. Der Hammer an der ganzen Aktion war, daß die Mediziner für die Regionalanästhesie drei Begleitmusiken zur Verfügung hatten: Rondo Veneziano, Vivaldis "Vier Jahreszeiten" und "Spiel´ mir das Lied vom Tod" von Morricone - echt wahr!!! Jeder wird erraten können, was ich gewählt habe... Als ich aus der Narkose erwachte, lag ich einem Krankenhausbett. Mir ward beschieden, ich könne erst in sechs Stunden wieder pischern gehen. Nach zwei Stunden gelüstete es mich aber nach dem Abort, und ich kam schwankend auf meine Beine. Ich trug so ein tolles, hinten offenes Hospitalgewand. Vorne war alles mit Blut verschmattert und sah so aus, als wäre ich gerade kastriert worden. Als ich so auf den Gang schlurfte, hörte ich hinter mir ein pikiertes Geräusper. Langsam wendete ich mich um und sah drei alte Damen, die mich völlig entsetzt musterten. Ich sagte nur: "Guten Tag!" und schlurfte von dannen... Gestern bin ich mit meiner Herzdame zu einem "Absurd-3000"-Treffen gefahren, wo sowohl Ralf, Hagen als auch Felix anwesend waren. Kai und Jörg vom Frosch waren auch dabei. Auf der Hinfahrt erstand ich an einer Tankstelle ein kommentarintensives Gebräu namens "Don Potenzo", das aus einer blauen Flasche besteht, an das ein kleines braunes Fläschlein namens "Druidenkraft" geheftet ist. Auf der blauen Flasche steht: "Wie so oft bei der Magie wundert man sich, was die geheimen Kräfte der Pflanzen bewirken können. Der Sage nach konnten die Druiden mit ihren Kräuter-Rezepten den Liebenden zu mehr Ausdauer und intensiverem Genuß verhelfen." Oben drauf steht: "VORSICHT! extrem geheime starke Kräutermischung VORSICHT! Germanen waren ein wildes Volk VORSICHT! DRUIDENKRAFT"... Abgesehen davon, daß Don Potenzo ein großartiges Pseudonym für einen Rockmusiker ist (vielleicht nehme ich das für meine Frosch-Inkarnation!), frage ich mich wirklich, ob ich jetzt einen virtuellen Selbstversuch wagen soll. Das Gebräu besteht aus Grappa mit Feige. Die "Druidenkraft" besteht aus den bei Druiden und Red Bull sehr beliebten Ingredienzien Taurin und Guarana. In der braunen Pampe schwimmen auch einige an Bambusschilf gemahnende Strunke herum. Soll ich mir das jetzt reinkippen? Alles für die Homepage? Ich weiß ja nicht...

170203

Beim Geburtstags-Club am Samstag haben wir 140 gezählt, und zwar nicht Marienkäferchen am Festtagsgebinde, sondern zahlende Gäste, was für uns sondernormen ist und ein Ansporn für kommende Filmstunden... Nachdem ich mir beim letzten Mal das Hemd zerfetzt hatte, ging es diesmal der Hose an die Wäsche. Was die wenigsten wissen: Ich habe kaum noch etwas anzuziehen! Niemand soll sagen, ich würde mir nicht die Hose aufreißen für diese Geselligkeit... Diesmal kamen zuerst die herumtapernden Bleichgesichter von Mr. Romero aus Pittsburgh, und danach machte Jack Arnolds TARANTULA die Leinwand unsicher. Wir haben bemerkenswert viele neue Gäste begrüßen dürfen, und auch wenn die gewöhnliche Ordnung der Dinge (erst der alte Film, dann der Hauptfilm) diesmal umgekehrt wurde, so verließ kaum jemand das Kino. Einige waren, wie ich erfuhr, sogar in erster Linie wegen dem antiken Spinnengarn gekommen, und das freute mich doch sehr. Danach gab es wie üblich lecker Kuchen, und zwar nicht nur den üblichen Clubkuchen, sondern auch noch andere, von fremder Hand gebackene und gespendete. Daß im Kino in der selben Nacht eingebrochen worden war, war aufgrund der vorbildlichen Organisation nicht zu bemerken. (Selbst die Polizisten erschienen in stilvoller Monstertracht und gaben das eine oder das andere Autogramm: "From Gojira with Love - Sayonara!") Weltgeschichte: Die Zeichen stehen immer mehr auf Krieg, die Politiker überschlagen einander, was unsouveräne und verantwortungslose Verlautbarungen angeht, und Toppmüller ist schließlich gefeuert worden. Warum hat der Mann nicht schon früher das sinkende Schiff verlassen? War doch klar, daß das in die Hose geht. Na, vielleicht war das schlicht Verantwortungsgefühl - eine aussterbende Tugend in dieser Welt. Eigentlich zu begrüßen, aber ob ihm das jemand dankt? Hoffe mal, daß die Leverkusener Anhängerschaft ihm vergangene Höhenflüge nicht vergißt. Neben Leverkusen ist jetzt auch M´gladbach im bösesten Strudel talwärts. Schalke spielt wechselhaft, kann aber noch den Kopf oben halten, während meine Bremer im Moment dabei sind, ihren massiven Kredit aus der Hinrunde zu verspielen - doof, das! In London-Innenstadt ist jetzt eine Maut eingeführt worden, aber das interessiert mich auch nicht. Den Sonntag habe ich größtenteils mit meiner Herzdame verbracht - zum gegenseitigen Wohlgefallen sind wir um einen klirrend kalten See spaziert und haben Gänse gesucht, die sich in finsteren Löchern verkrochen hatten. Heute waren wir schon wieder zusammen, als der Frosch seine Probe abhielt, die (zumindest für mich) ganz im Zeichen meiner gegenwärtigen Bestrebungen steht, die Frühzeit dieser Band auf CD festzuhalten. (Das natürlich nur, um mir, wenn der Frosch irgendwann geschlüpft sein wird, eine goldene Nase zu verdienen!) Nicht zu glauben, was für eigenartige Effekte man erzählt, wenn man die Videokamera unterschiedlich postiert! Mal ist das Schlagzeug im Vordergrund, mal schraubt sich die Melodie der Gitarre in den Vordergrund. Nur der Gesang, der bleibt immer im Hintergrund. Das verletzt meine Eitelkeit, das finde ich gar nicht schön! Der Gesang von Jörg (den manche Captain Lust nennen) ist volltönend und dröhnend, während meiner theatralisch um die imaginäre Deckenleuchte wabbelt und bizarre Effekte zu erzielen trachtet. Zwischendurch haben wir mit meinem neuen Spielzeug herumhantiert - einem Stimmenverzerrer, ähnlich dem Ding, das der Mörder in SCREAM verwendet. Kai ist fast kollabiert vor Gelächter, als ich mein irres Gegreine abgezogen habe. Vielleicht entsteht irgendwann noch ein Song, der "Ich weiß, wo du wohnst" heißt... ("Gib´ mir Hall, Baby! Mit Hall macht das doppelt so viel Spaß, gnarf gnarf gnaaaarf...") Mal sehen, ob uns das irgendwer abkauft. Die erste CD habe ich jedenfalls bereits gepreßt, und die wird NIEMALS jemand in die Hände bekommen! Darauf befindet sich neben den Groteskerien am Rande auch eine Endlosversion von "Industriemädchen" von SYPH und eine Debilversion von "Mongoloid" von Devo, bei der man ernsthaft Zweifel am Verstand der Agierenden entwickeln kann. (Monsterstimme: "Du würdest gar nicht glauben, was ich mit zwei Milchflaschen und einer Stimmgabel alles anfangen kann!" - Cora: "Leute, ihr macht mir Angst!") Na, man wird sehen, was daraus wird. Der nächste Song wird "Golem à Go-Go" heißen, und die Anregung entstand auf der Viva-2-Reise am letzten Dienstag... Nächtle.

130203

Am Samstag wird der mittlerweile vierte Geburtstag des "Geheimnisvollen Filmclubs Buio Omega" stattfinden, wie üblich im Schauburg-Kino von Gelsenkirchen-Buer, etwa 200 Meter von meiner Wohnung entfernt. Der Wunschfilm des Publikums enthält viele Stumpfgesichter, die so ähnlich sind wie die Scheintoten in der Straßenbahn, nur gefährlicher. George A. Romero inszenierte den Höllenspuk, und ich halte den Film für einen der amerikanischen Horrorklassiker der späten 70er: "When there´s no more room in hell, the dead will walk the earth." Ein großartiger Mix aus blutigem Horror, guter Schauspielerführung und grimmiger Satire. Und wem der spektakuläre Wunschfilm noch nicht genügt, der bekommt den 1955er SF-Horrorfilm von Jack Arnold über die Bedrohung mit den acht Füßen... Zusammengenommen mit meinen eigenen Füßen macht das mal gerade schlanke Zehn - wollt Ihr Euch von zehn Füßen abhalten lassen, zum Club zu kommen? Ich hoffe ja mal, daß 1.000 Füße da nicht ausreichen würden... Die Geburtstagsfeier findet morgen statt, und die Oktopeden werden das Kino heimsuchen, unter sachkundiger Leitung von "Monstrula"-Doktor Ingojira. John Agar ist auch nicht weit, also müßt Ihr keine Angst haben. (Vor Romeros Wiedergängern muß man allerdings Angst haben, aber was wäre das Leben ohne eine Prise Risiko?) Macht den Samstagvormittag zu einem besonderen Zeitraum und schenkt ihn Romeros Kalkleisten und dem achtbeinigen Schrecken aus dem Weltall - das gibt´s nur dann und niemals wieder... Und eine Torte gibt´s auch, wie immer!

120203

Nachdem meine müden Knochen jetzt reichlich Zeit hatten, sich zu regenerieren, will ich mal schnell berichten, was gestern so passiert ist: Früh morgens (ca. 10 Uhr) tuckerten Robert & ich mit meinem Trecker nach Bochum, um Ralf abzuholen. Es war schon ziemlich eng da oben auf dem Treckerbock (oder wie das heißt), aber in Duisburg luden wir noch Heiko und Rüdiger von KINDER DER NACHT 2 auf, und gemeinsam schneckten wir dann Richtung Köln, zu den "Brainpool"-Studios, wo die Musiksendung "Fast Forward" produziert wird. Die haben da ein exzellentes Sicherheitssystem - keine Ahnung, wie die Musiker da ihr Koks durchkriegen sollen! Keine Chance für den Milzbrand: Von Männern in weißen Schutzanzügen wurden wir mit einer rhombenförmigen Flüssigkeit abgespritzt. Danach ging es erst einmal in die Cafeteria, wo wir den Anblick ca. 18-jähriger Pipimädchen und ca. 40-jähriger, sehr jugendlich aussehender Männer (Typ "Plattenfirma-Exec") genossen. Bevor wir aber in das Hochheiligste gelangten, mußten wir auch schon wieder weg, um Bela B. in seinem Hotel heimzusuchen, wo auch noch Freund Thilo hinzustieß. Zu Herrn Felsenheimer ist zu sagen, daß ich im Zuge meiner Reisen schon viele Promis und Halbpromis kennengelernt habe, aber der Mann gehört wirklich zur Schaumkrone - boah, ist der nett! Da er obendrein Film- und Comicfan ist, plauderte die Gruppe angeregt mit ihm über dies & das im Hotelrestaurant, und zwar so lange, bis kaum noch Zeit für das Interview für das KINDER-DER-NACHT-Supplement war. Wir haben das aber noch bewältigt, und auch wenn ich mein Musikinterview leider nicht mehr hinbekommen habe, wird das definitiv noch ein andermal erfolgen, denn der Kontakt war wirklich sehr angenehm, oh ja. Die Rückfahrt zu den Studios gestaltete sich dann etwas komplizierter, weil ich meinen Falkplan versehentlich verlegt hatte, aber ich stellte befriedigt fest, daß die Jahre des Verschlisses meinem Sinn für die totale Navigation noch nichts haben anhaben können... Nach einer weiteren Anti-Milzbrand-Spritze kamen wir in den VIP-Raum, wo wir Eierbrötchen bekamen und vom freundlichen Make-Up-Menschen richtig durchgepudert wurden. Von "Fast Forward" erschien ein sehr sympathischer Mensch namens Michael, der uns mit den organisatorischen Einzelheiten vertraut machte, und auch Mama Charlotte (Grüße an Polly!) schaute kurz vorbei und versprühte Liebreiz. Bei der Aufzeichnung selber merkte ich, daß die TV-Präsenz nicht gerade meine Kaiserdisziplin ist, denn ich war nervös wie Sau - keine Ahnung, ob das jetzt besonders peinlich oder einigermaßen souverän wirkte. (Zu bezeugen am 12. März!) Am professionellsten schlug sich Rüdiger, der ein Kreuz hat, auf dem sieben ausgewachsene Zuchtbullen Platz haben und in KDN 2 einen Finstermann spielt. Ich spielte einen Ausschnitt aus THE MIGHTY GORGA vor, in dem mit lila Eiern geworfen wird, und machte fett Werbung für "Buio Omega". Nach der Aufzeichnung fuhren wir zurück ins Hotel, lüpften noch ein paar und düsten dann im Schneckentempo zurück in die Heimat. Dank sei Bela für seine außerordentliche Gastfreundschaft und auch den Leuten von "Brainpool". Den großen Tag beendeten wir dann in einem McDrive in Duisburg, wo Rüdiger 3 McRib´s und einen Muffin verschlang - Irrsinn! Um 4 Uhr morgens sackte ich erschöpft ins Bett und gönnte  - wie eingangs erwähnt - meinen müden Knochen Ruhe. Jetzt trinke ich erst einmal Kaffee! Hier das Autogramm, das ich mir geholt habe...

090203

Auhauerha, diesmal habe ich mich ja lange rar gemacht! Das lag zweifelsohne daran, daß eigentlich gar nichts passiert ist. Ich bin von den Polizisten hoppgenommen worden, aber nicht, weil ich ein Kasperleplakat stehlen wollte, sondern wegen Geschwindigkeitsübertretung vor einer Schule. Verdammt - habe ich wieder keines der Rotzblagen erwischt! Der Polizist war aber nett und gab mir nur 30 Schläge mit seinem Knüppel, und die Musikbegleitung durfte ich mir auch selber aussuchen... ("Hey Jude" von den Beatles) Ein Kasperleplakat habe ich aber auch so bekommen. Genaugenommen waren es sogar acht, und die nette Jungperson an der Kartentheke des Kasperletheaters hat mch angeschaut wie einen komplett Geisteskranken. ("Ein alleinstehender Mann, der acht Kasperleplakate kauft? Oh Gott, wo ist mein Elektroschocker?") Eines davon hängt jetzt in meinem Schlafzimmer: "Kasperle kommt im Theaterzelt!" ("Ermäßigung in allen Kindergärten.") Natürlich fiebere ich dem übermorgigen Fernsehereignis in gespannter Vorfreude entgegen. Tatsächlich habe ich deswegen bereits seit drei Nächten keine Sekunde geschlafen. Meine Augen sehen aus wie von unten fotografiert, und mein sonst so babyesk glänzender Teint ähnelt den Gewächsen auf dem Gesicht eines Feldherrn aus dem dreißigjährigen Krieg... DVD-mäßig habe ich in letzter Zeit den schönen Clint-Eastwood-Film PLAY MISTY FOR ME (SADISTICO, 1971) in die Finger bekommen. Daß dieser wunderschöne MISERY-Vorläufer hierzulande eine dermaßen ansehnliche Silberling-Auswertung erfährt, war nicht zu erwarten, denn Eastwoods Regiedebüt floppte massiv. Eastwood spielt einen Radio-DJ mit Frauenproblemen - der wird die gar nicht mehr los! Das wird spätestens dann zum Problem, als seine Beziehungspartnerin von einst vorbeischaut, und eine segenspendende Union in Griffweite ist... Aber da ist ja noch jene Anruferin, die ständig Erroll Garners Klassiker "Play Misty For Me" in ihr Ohr geschmachtet bekommen möchte. Clint hat sie kennengelernt, aber noch nicht richtig, denn Fan Numero Uno ist nicht nur ein ausgemachter Nervbolzen, sondern auch eine GEMEINGEFÄHRLICHE IRRE!!! Als klar wird, daß sie ausgebootet werden soll, fliegen schon bald die Messer, und Clint wird dazu gezwungen, seinen flatterhaften Lebenswandel zu überdenken... Wo immer Männer sind, die Bindungsängste besitzen - hier wartet ein gnadenloses Waten in allen Abgrenzungsneurosen, die einen echten Macho schrecken können. Was Jessica Walter sich als wirre Evelyn zusammenspielt, treibt auch den selbstbewußtesten Phallokraten in die Ecke - boah, ist die fies! (Und, was den Film gut macht: Clint ist eigentlich nicht ganz unschuldig an der Maläse...) In punkto Blutrunst hält sich der Film einigermaßen zurück, aber er ist wirklich ein richtiger Bringer. Universals Studiobosse haben sich damals nur ins Fäustchen gelacht, als es darum ging, dem neuen Starakteur eine Möglichkeit zu bieten, den Regiestuhl zu erklimmen. Aber Clint klomm, und das Resultat ist ein mordsspannender, gut inszenierter Prä-Slasher, in dem sogar Eastwood- Befürworter Don DIRTY HARRY Siegel als Barkeeper herumturnt... In unserem "Saturn"-Markt wird der Silberling derzeit für 16 Euro angeboten, und da sollte man schon zugreifen, denn die Bildqualität ist exzellent (viel besser als bei COOGAN´S BLUFF!), und die Disk enthält noch eine aufschlußreiche Featurette, in der die Hauptbeteiligten zu Wort kommen. Wer die Ärzte mag: Aus ihrem unmittelbaren Umfeld stammt eine Gruppe, die den beziehungsreichen Namen Nudo Tra I Cannibali ("Nackt unter Kannibalen", hihi!) trägt. Demnächst soll sie auf Tour gehen, und hier findet Ihr ihre Webpräsenz. Besonders hübsch: die samten übersetzten Wortgebilde in der deutschen Sprachfassung! Bis Mittwoch, denn da gibt es bestimmt einiges zu erzählen...

040203

Heute nacht habe ich wieder etwas gelernt, und ich möchte nicht zögern, Euch das neuerworbene Wissen zukommen zu lassen: Wenn Ihr mit "Microsoft Word" einen wichtigen Text verfaßt (z.B. einen Text über James Ellroy für das "Psychotronische Bildungswerk" übermorgen), und es erscheint nach einem Knopfdruck eine Botschaft, die da lautet: "Den Text wiederherstellen", dann solltet Ihr sehr zögern, auf "Ja" zu drücken, denn wenn Ihr den Text des Tages noch nicht abgespeichert habt, dann wandert er in den Orkus, The Big Nowhere, directly splitsville... So geschehen gerade eben. Ich werde mal zusehen, daß ich morgen so viel wie möglich von dem heute Geschriebenen rekapitulieren kann, aber man wünscht sich bei solchen Gelegenheiten doch die alte Daunenfeder und das klöternde Tintenfaß zurück. Bin ich froh, daß ich dafür nicht bezahlt werde, sonst müßte ich mich ja richtig ärgern... *grrrrr* Am nächsten Dienstag werde ich immerhin das außerordentliche Vergnügen besitzen, bei einer Sendung der beliebten Viva-2-Sendung "Fast Forward" mitzumischen. Die gewohnte Moderatorin, Charlotte geheißen, trägt ja zur Zeit einen kleinen Sonnenschein unter ihrem Herzen und läßt die Sendungen während ihrer Abwesenheit in den Händen von Gästen. Demnächst ist Bela B. von den Ärzten der Augenfang des Programms, und während die Herzen tausender quietschender Backfische vor den Fernsehgeräten zu Pudding zerfließen, darf ich als abschreckendes Beispiel fungieren. Eingeladen sind auch Thilo Gosejohann (von CAPTAIN COSMOTIC) und Heiko Bender (von KINDER DER NACHT 2), und es wird wohl eine sehr exzentrische Sendung werden, mit viel Fachgesimpel über Exploitationfilme, Punkrock und künstliche Darmausgänge... Ich weiß nicht, ob die Sendung noch am selben Tage ausgestrahlt wird, aber man darf gespannt sein. In den "Yahoo"-News gibt es zwei interessante Meldungen mit Musikbezug. Die eine handelt davon, daß der legendäre Erfolgsproduzent Phil Spector unter Mordverdacht festgenommen worden ist - Näheres hier. Außerdem steht jetzt fest, daß die nicht minder legendäre norwegische Punkcombo Turbonegro ihre erste Deutschland-Tournee nach der Reunion durchziehen wird - die Tourdaten hier! Ebenfalls aus Norwegen kommt noch eine Meldung, derzufolge die in Oslo ansässige Familie Hölland eine böse Überraschung mit ihrer letzten Stromrechnung erlebte: Diese betrug nämlich 7,6 Millionen Kronen! Das reicht in Norwegen normalerweise für 830 Haushalte oder für eine Erste-Klasse-Reise nach Hölland. Man kann der braven Familie nur wünschen, daß sich das als Irrtum herausstellt. Hoffentlich hat da keiner den Sexnotruf angerufen und dann den Hörer nicht auf die Gabel gelegt...

030203

Heute möchte ich nur kurz hinweisen auf den Umstand, daß am Donnerstag wieder einmal Festtag ist im "Psychotronischen Bildungswerk", wo diesmal ein Abend stattfinden wird, der sich mit dem Gangstertum in unserer Welt befassen wird. Das Event wird stattfinden unter dem zimmermanischen Motto  "Nepper, Schlepper, Gangstarapper", und neben zahlreichen Vorträgen und Filmausschnitten wird es auch wieder hoppe Mucke vom Bonaumaten geben. Ich habe mich dazu verpflichtet, einen Vortrag über James Ellroy zu halten, an dem ich auch schon verbissen feile, und dies trotz meiner keimenden Erkältung... Angeblich soll ja sogar ein Beichtkasten aufgebaut werden, in dem jeder seine Sünden beichten kann, was ich für einen exzellenten Einfall habe - ich werde mir schon mal was ausdenken, was kracht! Neigungsmäßig würde ich mich am ehesten der Todsünde der Trägheit verpflichtet fühlen, die in SEVEN so anschaulich von Mr. Sloth repräsentiert wurde. Aber wie soll man sowas schon hinter einer Schreinemakers-Wand in unterhaltsamer Weise darbieten? Da überlege ich mir doch lieber etwas Pittoreskeres... Die schönsten Sünden werden, wenn ich die Psychotronen richtig kenne, bestimmt prämiert - strengt Euch an! Beginnen tut die Chose bestimmt wieder um 20.30 h, und zwar in der Herner Str. in Bochum, im "London - Tokyo - Paris". (Direkt neben dem "Rauschen".) - "Vergib´ mir, Vater, denn ich habe gesündigt!" - "Wo hast du gefehlt, mein Sohn?" - "Ich war nicht bestürzt, weil die Raumfähre explodiert ist." - "Hmmh... Warum nicht? Waren das nicht Menschen wie wir?" - "Nicht ganz, Hochwürden, denn die Raumfahrer hätten genau wissen müssen, in was für eine Gefahr sie sich begeben. Ist ja kein Spaziergang zum Bürgerpark, gewissermaßen. Und die Sicherheit und das Glück ihrer Familien haben sie auch riskiert." - "Hmmh... Aber traurig ist es doch trotzdem?" - "Ja, gewiß, aber es dauert mich nicht so wie die Tausenden von Menschen, die alljährlich von besoffenen und bekifften Autofahrern umgenietet werden. Die können in der Regel gar nichts dafür. Auch wenn sie vielleicht mal was geklaut haben. Das haben wir ja alle." - "Ich nicht, mein Sohn!" - "Oh, äh, nein, das meinte ich nicht. Kennen Sie eigentlich das Buch `Abartig´ von dem Regisseur John Waters?" - "Nein, mein Sohn! Was ist das?" - "Das ist eine richtig tolle Essaysammlung, in der sich der überaus verehrungswürdige John Waters über das Exploitationkino, Pia Zadora, Lesungen in Gefängnissen, die Manson-Familie, einen Besuch im Weißen Haus, Russ Meyer und alles, was er so liebt und haßt, ausläßt. Und gut übersetzt ist es obendrein." - "Hmmh, dann werde ich mir das Buch wohl auch mal durchlesen müssen." - "Kennen Sie auch die tollen Kasper-Plakate, die derzeit überall im Ruhrpott aushängen?" - "Jetzt aber raus hier, sonst hole ich das Krokodil!" So, ich gehe jetzt schlafen.

020203

010203

Da ich den Monatsbeginn normalerweise immer um einige Tage verpasse, habe ich mein Geschick heute mal in die eigene Hand genommen und komme der Zeit sogar um einen Tag zuvor! (Heute ist natürlich noch der 31. Januar, aber "wer will da den Richter spielen und das Paket mit den Minuspunkten öffnen?") Gestern abend bin ich mit meiner Freundin in ein Theaterereignis geraten, bei dem Stummfilmgrotesken von Buster Keaton und Charlie Chaplin von einer New Yorker Kapelle akkustisch veredelt wurden. Die Musiker waren sehr wacker und trotzten nicht nur der Patina des Filmmaterials, sondern auch dem Umstand, daß die ersten beiden Filme je einmal rissen und Dunkelheit über das unruhige Publikum warfen. Das Mikrofon des Dirigenten und Conferenciers gab dann auch noch den Geist auf. Dem Maestro kräuselten sich finstere Wolken über der Stirne, aber er zog den Auftritt trotzdem professionell und sympathisch durch. Die Stummfilme waren durchaus zu genießen, auch wenn ich bei so was immer den gesprochenen Kommentar von Hanns Dieter Hüsch vermisse... Man muß allerdings anmerken, daß die Vorführung in einer Kulturfabrik mit höheren Weihen stattfand, wo livrierte Gustav Gänse einen von der Eingangstür bis zum Saal geleiteten, und in der Pause gab sich das Bildungsbürgertum ein furchterregendes Stelldichein. Es gibt ja durchaus Theateraufführungen, bei denen es angemessen ist, wenn die mehr oder weniger betuchten Besucher so anmutig ihre Sektschwenkermienen spazierenführen, daß man irgendwie weiß: Es geht um die Pause, nicht um die Vorführung. ("Jan-Uwe, haben Sie zufällig an mein Opernglas gedacht?") Als ich eine Zigarette in einem Aschenbecher ausdrückte, der auf einem Tisch stand, wo zwei mittlere Frauen schweigend herumlümmelten, meinte die eine frostig: "Wir sind Nichtraucher!" Ich entschuldigte mich brav, drückte die letzten Glutbatzen aus, dachte aber: "Weia!" Soll man solchen Leuten einfach einen blauen Dunst mitten ins Gesicht blasen? Ich weiß ja nun nicht... Aber wir alle sind Opfer. Ich war heute beispielsweise ein Opfer der Witterung. Da im April der Elvis-Abend wiederholt werden soll und Mannesmann, Bauknecht und Pseudo-Krupp noch ein paar neue Stücke einstudieren wollten, schlidderte ich im Schneematsch nach Bochum und entging um Haaresbreite der Tod-Kombi aus Erfrieren und Karambolage. Gerade angekommen, beschied mir der Bauknecht, daß Mannesmann in Witten festsaß - Essig war´s mit der Probe, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte! Den Jammer überbrücken half mir Bauknecht aka Fötus Scheißzeit, bei dem gerade Freund Hagen seine matten Glieder ausruhte. Wir sprachen über sehr schlechte Filme, z.B. jene des Filipinos Cirio H. Santiago. Die sind aber auch wirklich sehr schlecht. Wir schauten in ein besonders bizarres Exemplar hinein, das NAKED FISTS oder so hieß, worin eine martialische Frau einer dräuenden Vergewaltigung durch Karatetritte entrann. Sie rettet sich in die Arme eines blonden Schnauzbartträgers, der ihr eine Liebesszene liefert, die sich gewaschen hat: Er wirft sie aufs Bett, schlitzt ihr mit einem Messer die Hose vom Leib und dann die Bluse. Sie greift sich dann das Messer und entledigt den breitbeinig über ihr postierten Schnauz seiner Hose. Dabei zieht der eine Miene, die ebenso leidenschaftlich wie grenzdebil wirkt. Die darauffolgenden Ausschweifungen verwehrt uns die Regie zum Glück, aber das dauert auch so schon ca. 2 Minuten, die Bauknecht zum vergnügten Kreischen brachten... Naja, am Montag gibt es wieder eine normale Probe mit dem Frosch, für die ich bereits einige Songs geschrieben habe. Einer heißt "Froh sein wie ein Petermann" und setzt sich launig mit dem Polizeialltag auseinander. Ein anderer heißt "Oxen Split Torturing" ( = ein brechreizerregender Film, aber ein schöner Titel!), der von der Rache des Viehs an einem bösen Bauern handelt. Den Titelsong von Jack Hills toller Komödie SPIDER BABY habe ich auch umgetextet - mal sehen, ob´s gefällt. P.S.: Das Bild für diesen Monat zeigt den Kasper von den Sons, welcher meist übellaunig ist und böse Pläne in seinem Busen trägt. Ich hoffe, daß ich in diesem Monat noch das Interview hineinstellen kann. Passend dazu möchte ich anmerken, daß es ein Kasperle-Theater im Umkreis gibt, das auf Plakaten mit dem tollen Schnack "Der Kasper kommt im Theaterzelt" warb... ("Ermäßigte Eintrittskarten für Kindergärten.") Leider haben die Verantwortlichen den doppelbödigen Charakter der Verheißung spitzbekommen. Jetzt kleben überall Poster, auf denen steht: "Der Kasper kommt auf Tournee - Erfolg ist kein Zufall!" Das ist eigentlich fast noch besser, und ich sehe mal zu, ob man die Dinger irgendwo kaufen kann. Ansonsten klaue ich nächtens einen der Aufsteller!

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