NEUES SPIEL, NEUES GLÜCK...
JANUAR 2003



NEWSTICKERARCHIV

290103

Noch ein Eintrag aus dem gerade erwähnten "Lexikon der Geschmacklosigkeiten": "Der im 18. Jahrhundert in London lebende Scharfrichter John Thrift gilt bis heute als der unfähigste Vertreter seiner Zunft. Thrift war ein verurteilter Mörder, der unter der Bedingung freigelassen wurde, daß er als Scharfrichter für die Regierung arbeitete. Er war denkbar ungeeignet für seine Arbeit: Thrift war hochgradig nervös, konnte die Axt nicht richtig führen und brach häufig im falschen Moment in Tränen aus, vor allem dann, wenn er gerade jemandem den Kopf abschlagen sollte. Sein größtes Problem war jedoch, daß er kein Blut sehen konnte. Als er 1745 den Jakobitenrebellen Lord Balmerino im Tower von London hinrichten sollte, fiel er in Ohnmacht und lag dann schluchzend auf dem Boden, während die Zuschauer ihn zum Weitermachen anfeuerten. Als Thrift schließlich zur Axt griff, brauchte er fünf Hiebe, um Lord Balmerino zu enthaupten. Thrift hatte den Dreh nie richtig heraus, aber irgendwie schaffte er es doch, sich 17 Jahre lang als Dilettant durchzumogeln. Beim Volk war er wegen seiner stümperhaften Arbeitsweise nicht gerade beliebt, und als er 1752 starb, bewarf eine jubelnde Menge seinen Sarg und die Träger mit Steinen und den verwesten Kadavern toter Katzen." 

260103

Auf dem letzten Buio-Omega-Event hat mir ein netter Gast ein Buch in die Hände gedrückt, das sich in kürzester Zeit zu meiner Lieblingslektüre entwickelt hat: "Das Lexikon der Geschmacklosigkeiten" von Karl Shaw (erschienen bei Heyne) ist eine enorm kenntnisreiche, verblüffende Sammlung von Absurditäten, Abnormitäten & Monstrositäten aus der Menschheitsgeschichte, die mit sehr trockenem Humor dargereicht wird und nachhaltig Vergnügen beschert. Unter dem Eintrag "12 Hobbychirurgen" steht etwa folgende reizende Geschichte: "Arbeitskollegen des 52-jährigen brasilianischen Holzfällers Luciano Bastos waren höchst beeindruckt, als dieser 1994 nach einem Arbeitsunfall, bei dem er seine rechte Hand verloren hatte, jegliche ärztliche Hilfe ablehnte und sich selbst einen Haken bastelte. Über den Unfall wurde nicht mehr gesprochen, bis Bastos einmal versuchte, den Hut abzunehmen und sich dabei aus Versehen ein Auge herausriß." AUTSCH! Oder hier, unter "9 Mahlzeiten mit Todesfolge": "Der Italiener Paolo Ginelli feierte 1994 in einem Hotelrestaurant seinen 80. Geburtstag. Als er nach der Feier das Hotel verließ, fiel ihm das Reklameschild des Hotels auf den Kopf. Ginelli war sofort tot." Man erfährt den Namen des bislang einzigen Jockeys, der jemals in totem Zustand ein Hindernisrennen gewonnen hat, ebenso wie die unerfreulichen Begleitumstände der Beerdigung von Wilhelm dem Eroberer. Oder daß der erste Ball, mit dem in England Fußball gespielt wurde, der Kopf eines toten dänischen Räubers war. Oder die mirakulösen Auswirkungen von Diät-Cola auf die Gebärfähigkeit der Frau. Als Klolektüre (und das meine ich durchaus nicht abwertend!) ein echter Geheimtip, und lernen tut man dabei viele wichtige Dinge. Kennt Ihr den einzigen zusammenhängenden Satz, der von dem geistig zurückgebliebenen Kaiser Ferdinand I. von Österreich (jahrhundertelange Inzucht im Hause der Habsburger!) überliefert wurde? "Ich bin der Kaiser, und ich will jetzt Knödel." 464 Seiten wilde Geschichten nonstop, und das alles für schlappe 7 Euro 50, die exzellent angelegt sind... ÜBRIGENS: Premiere-Kunden, die William Castle mögen, sollten die Augen offenhalten, denn im nächsten Monat kommt sein ziemlich seltener DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS - den habe ich noch nie in der deutschen Fassung gesehen. (Erste Ausstrahlung am Freitag, auf Premiere 7!) Ferner wird die Serie VÄTER DER KLAMOTTE endlich mal wiederholt, mit der mich zarte Kindheitserinnerungen verknüpfen...

220103

Mein Herzblatt kennt Hazy und die anderen Sons of T. noch von früher, aus Hagen. Da aber nur der Sittenstrolch in Hagen haust, muß man schon weit fahren, um die illustren Herren zu treffen. Ich traf heute den Kasper, und zwar in dem Schlumpfkaff Iserlohn. Da gedachte ich eigentlich, auch eine liebe Studienfreundin zu treffen, für deren Theatergruppe ich demnächst den Brick in Tennessee Williams´ CAT ON A HOT TIN ROOF geben wollte, aber die "Perle" - wie man hier im Ruhrgebiet erbarmungswürdigerweise sagt - beherbergt momentan gleich zwei amerikanische Logiergäste, und deshalb war der Kasper auch der einzige Höhepunkt, den Iserlohn heute zu bieten hatte! Iserlohn glänzte wieder einmal durch bedauerliche Unbrisanz. Daran sind die zahlreichen Mietshausgebiete schuld, durch die ich heute wieder gekurvt bin. Aber da wohnen ja eh nur Schlümpfe. Das habe ich ja schon vormals verlautbart. Ist so. Ehrlich. In der Theodor-Heuss-Straße bin ich sogar von einem Bullenwagen aufs Korn genommen worden. Aber ich bin sicher zum Kasper gelangt, auch weil ich als Gastgeschenk einen Poli-Bären mitgebracht hatte. Das ist so ein Teddy, den man nur in Polizeipräsidien bekommen kann. Heute im Präsidium beschied man mir, daß es auch einen mit Lederjacke und einen mit Sherlock-Holmes-Mütze gebe - das hat mich irgendwie beruhigt. Die Leute dort halten mich mittlerweile wohl für pervers, weil das jetzt schon der sechste Teddy ist, den ich dort kaufe. Der erste war für meinen Schwager (=einen Hauptkommissar!), der zweite für Absurd-Ralf (bewacht dessen Spirituosen), der dritte für Bettina (Drogenbeauftragte einer wichtigen Schule hier, wohnt über mir), der vierte für den Kasper, der fünfte für noch so jemand, der sechste und bislang letzte für mich. Wenn ich jetzt noch weitere Poli-Bären kaufe, buchten die Leute im Präsidium mich sofort ein! Aber die Kerle sehen so niedlich aus, und sie sind so billig im Erwerb - ich weiß gar nicht, warum ich der erste in meinem Bekanntenkreis bin, der diese kleinen Knuddelschatzis als Geschenkideale entdeckt hat! (Ich habe sie das erste Mal in einem alten "Spinnrad"-Markt entdeckt...) Ich hatte jetzt noch profunde Auslassungen zum Irak-Konflikt niedergelegt, aber seid froh, daß ich das gelöscht habe. Legt Euch mit mir schlafen und laßt den Herrgott einen lieben Mann sein. So sagt man ja wohl. Ich bin müde. Schlaft wohl.

210103

In dieser Nacht kann ich kaum etwas Sinnstiftendes zutage fördern, denn geknechtet ist mein Leib, und ermattet ist meine Seele. Immerhin darf ich ankündigen, daß möglicherweise im Februar ein diskriminierender TV-Auftritt anstehen könnte, bei dem ich die ganze Zeit über devot in der Ecke sitze und gelegentlich keck griene und einen Kußmund in die Kamera werfe. Wenn ich von der Moderatorin etwas gefragt werde, sage ich nur: "Mainz grüßt Berchtesgaden!" oder so was... Genaueres mag ich auch nicht vermelden zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Immerhin fahre ich am Donnerstag zu einer Audienz der besonderen Art, denn Papst Kasper (seines Zeichens Gitarrist bei den "Sons of Tarantula") wird mir da ein Interview gewähren. Das Ergebnis wird dann hier zu lesen sein, es sei denn, mir wird übel mitgespielt, denn ich habe auch dem Sittenstrolch und dem Eber geschrieben, und wenn dann auch der Würger auftauchen sollte, habe ich natürlich komplett ausgespielt... Au Mann, dann bin ich aber endgültig geliefert! Wenn dieser Ticker also in naher Zukunft nicht nur für zwei oder drei Tage, sondern bis zum Sankt Nimmerleinstag schweigt, dann liegt das daran, daß ich zu Schweinskopfsülze verarbeitet worden bin. Dann komme ich nie wieder nach Hause. Sagt in diesem Falle bitte meinen Eltern Bescheid. (Die erreicht Ihr über das Bild am Ende des vorangegangenen Eintrages...) Was war da noch? Ach ja, am Freitag werde ich wohl bei einem der Terrorverleger gastieren, wo Italowesternschauspieler Peter Martell zu Besuch sein wird. Ansonsten bleibt noch zu erwähnen, daß im nächsten "Psychotronischen Bildungswerk" eine Gangsternacht veranstaltet wird, unter dem Motto "Nepper, Schlepper, Gangstarapper"... Dafür werde ich wohl einen kurzen Vortrag über James Ellroy halten. Habe ich schon einmal vom "Schnitzel-Inferno" berichtet? Also, in Bochum gibt es einen Imbiß, wo ein Gericht gereicht wird, das diesen merkwürdigen Namen besitzt... Das kann sich dann mit dem "Würstchen-Reaktor" die Hände reichen, der woanders in diesen Breitengraden wirkt & waltet. Kann man die beiden Läden nicht mal zusammenbringen? Ein Schnitzelinferno im Würstchenreaktor zu verzehren, muß ein wirklich überwältigendes Erlebnis sein... Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so!

200103 (oder so)

Was habe ich heute zu erzählen? Der Tag begann nicht gut - ich bin aufgewacht. Mit hängenden Backen schlurfte ich verquollen zum Badezimmerspiegel und begutachtete die Verwüstungen, die das unbarmherzige Leben in meine Physiognomie eingepunzt hat. Für alle, die nicht wissen, was der Begriff "Physiognomie" bedeutet: Der Turnvater Jahn ("Mens sana in corpore sano") hatte einen zwergenhaften Assistenten namens Josef. Dieser Josef war zuständig für den reibungslosen Ablauf der anstehenden Körperertüchtigungsriten. Er puderte die Barren ein, schob die Matten unter das Reck und salbte die Leiber der geschundenen Gladiatoren. Er war wirklich für jeden Murks zuständig, und nie floß ein Laut der Verzagtheit über seine waidwunden Lippen, für die jede Hilfe durch einen Labello-Stift zu spät gekommen wäre. Sie waren aufgeplatzt und schrundig, denn die heruntergeschluckten Derbheiten des Geschicks waren zu drastisch, als daß der damalige Lippenbalsam da hätte Abhilfe schaffen können. Der kleinwüchsige Josef fristete ein kärgliches Dasein, und während er noch nicht wußte, daß der Ruhm seines Herrn in der Geschichtsschreibung den seinen um ein Unermeßliches überstrahlen würde, so war es auch damals schon so, daß Josef nur die Brosamen abbekam, während Herr Jahn sich im Sternenglanz immenser Popularität suhlen konnte. Der Grund für Josefs Kleinwüchsigkeit war ein sehr einfacher und tragischer: Im zarten Alter von nur sieben Jahren hatte er einen Ball mitten in die Fresse bekommen, den ihm eine böse Bestie während eines schulischen Völkerballspieles zugedacht hatte. (Der einzige Zweck des Völkerballspieles, wie wir alle wissen!) Enttäuscht und erschüttert von der Grobheit der Menschen, weigerte sich Josef fortan, seine Körpergröße zu erheben, denn übel dünkte ihm der Weltenlauf. Und während seine Klassenkameraden zu ausgewachsenen Zinswucherern, Marketendern und Erztruchsessen heranwuchsen, beschied sich der Josef mit seiner Kleinwüchsigkeit und verharrte im Untergrund, wo die Pilze wuchsen und die Keimlinge keimten. Da niemand mit so einem kleinem Mann etwas anzufangen vermochte, wurde er herumgestoßen, auf garstigste Manier, und spät erst wurden ihm die höheren Weihen einer sportlerischen Laufbahn zuteil. Der Herzog von Westfalen nämlich erblickte ihn bei einer Wehrsportübung, bei der er dem ihm vorgesetzten Rittmeister anmutig in die Steigbügel half, und hieß ihn herzlich willkommen in seinem Hofstaat. Kein Wunder also, daß Turnvater Jahn - dessen Vornamen nur Eingeweihte erfuhren - auf den Zwerg aufmerksam wurde, und dessen geschickte Handhabung der ihm auferlegten Frondienste hinterließen einen bleibenden Eindruck. So wurde denn aus einer aus einer grundsätzlich wenig vielversprechenden Lebenslinie ein echter Sahnehappen des Lebensliniensgewerbes: Josef wurde alsbald zum Chefassistenten des überaus populären Herrn Jahns. Dieser unerhoffte Ruhm zahlte sich aber keineswegs aus, denn Josef wurde das Opfer eines Prototypen des Vorläufers der sogenannten Trambahn und endete kläglich zwischen den ersten zehn Metern Geleises, die für ebendiesen gelegt wurden - eine traurige Fußnote in den Annalen sowohl der Trambahn als auch der Körperertüchtigung! Während sich an Turnvater Jahn jeder Dummdepp erinnert (zu Unrecht, denn er soll ein rechter Stnkstiefel gewesen sein!), ist Josef in der Bezeichnung "Physiognomie" verewigt, denn wenn man den Physiognom von einst erwähnt, so gedenkt man der Kerben, die das Schicksal schlägt, wenn der Zahn der Zeit die Gunst des Augenblicks überflügelt. Mein Spiegel lief nicht dunkel an, aber das Frühstück war mir verdorben... Den Rest des Tages über ist eigentlich kaum etwas passiert. Abends ging es noch zur Bandprobe, wo Jörg das erste Mal das elektrifizierte Zepter des Rocksängers schwang und zukünftige Punkfans weiblichen Geschlechts zum Erzittern brachte. (Jörg wurde schon mal in einem der letzten fünf "Splatting"-Artikel erwähnt, und zwar in dem Text über den britischen Horrorfilm DER KELLER, wenn ich mich recht entsinne.) Meine Cora meinte, daß sie ihr rundgespieltes Plektrum etwas an einen rundgelutschten eckigen Bonbon erinnert, und ich halte dieses Plektrum gerade vor meine Augen - verdammt, sie hat recht! Alle Neuigkeiten dieser Welt sind mir nicht so wichtig wie Josefs Schicksal, Jörgs Premierendarbietung und Coras Plektrum. Das kann dem Erdenbürger nichts Wichtiges über den Gang der Dinge verraten, aber manchmal sind es die kleinen Nebensächlichkeiten, die bei der Orientierung helfen... Für Euch bedeutet das nur: Der FROSCH wird demnächst munter krachen, und wenn Ihr die von mir und Jörg gegreinte Version von Devos "Mongoloid" nicht gehört habt, dann habt Ihr wirklich etwas versäumt! Bald kommt der Frühling, dann der Sommer, und weiter denke ich nicht, denn ich habe ein Kurzzeitgedächtnis. Ich freue mich auf die Sonne und werde sie in mein Poesiealbum einpressen, damit sie nicht gar so schnell verschwindet. Die soll sich unterstehen, einfach so zu verschwinden, die doofe Sonne! Da wird es ja Nacht, und davon hat keiner was. Die soll mal schön am Strahlen bleiben, die Sonne, und gute Miene zum bösen Spiele machen, denn das böse Spiel wäre ohne Sonne viel unverdaubarer. Und man könnte es ja gar nicht recht erkennen, das böse Spiel. Und um den vielen Wortspielen ein angenehmes Ende zu bereiten: Das hier ist eine unscharfe, blaustichige und verkrumpelte Aufnahme der Tür zum Haus meiner Eltern. Dahinter sind meine Mutter und mein Vater. Man kann sie kaum erkennen, denn das Blitzlicht blendet so. Aber sie sind da. Und dafür liebe ich sie. Maßlos und ewig. Dafür, daß das Bild unscharf ist, kann ich nichts. Das war der blöde Fotoapparat. Der Blaustich liegt an den Lichtverhältnissen. Die sind nicht immer so, wie man sie sich wünscht. Aber das Motiv ist da. Und ich trage es in meinem Herzen. (In den Briefkasten haben irgendwelche blöden Nachbarskinder China-Böller gestopft. Die sind dann explodiert - die Böller, nicht die Kinder. Schade eigentlich.)

180103

Der heutige Club war wieder einmal eine äußerst angenehme Erfahrung! Wie es scheint, gewinnen wir tatsächlich immer mehr neue Gäste hinzu, was mich maßlos freut - heute waren es über 100 Gäste... Das Doppelprogramm GELB-SUCHT offerierte als erstes den asiatischen Actionkracher KIBA DER LEIBWÄCHTER mit Sonny Chiba, wo ich neben einigen biographischen Anmerkungen zum athletischen Hauptdarsteller (der aufgrund einer Verletzung den Olympischen Spielen 1964 fernbleiben mußte - bizarrerweise derselben wie auch unser letzter Stargast Paul Naschy!) hanebüchenen Unsinn über das Mischgetränk Kiba (Kirsch - Banane) erzählte. Außerdem zerschnitt ich mir mit einem Universalmesser ein teures Hemd, das ich auf meinem Leibe trug. Das war eine Spontanaktion, die so schnell keine Wiederholung finden wird, aber ich stellte am Morgen eben fest, daß ich das Hemd nicht mehr leiden konnte... "Man kann einen Samstagmorgen nicht sinnvoller beginnen als mit einem Akt brutaler und sinnloser Zerstörung!" Völlig zerfleddert kam ich von der Bühne, hatte aber das Gefühl, daß sich der Einsatz gelohnt habe - so etwas sieht man nicht alle Tage! Der zweite Film war Armando Crispinos Edel-Giallo DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GRABES, der über eine Menge vergnüglicher küchenpsychologischer Einsprengsel verfügt, aber dafür sauber inszeniert ist und über pittoreske Darsteller verfügt - eine weitere Ausgrabung des Clubkomitees, die mich sehr gefreut hat! Danach bin ich erst einmal in die Federn gesackt und habe den Schlaf des Zerfledderten genossen. Da meine Nachbarin Bettina heute Geburtstag hatte, bin ich abends noch mit ihr und Robert Z. auf Piste gegangen, und auch die Club-Urgesteine Heinz Klett und Ingojira waren mit von der Partie. Ich aß Schnecken in Pfeffersauce und ein Hähnchen in einer Knoblauchangelegenheit, von der ich mir eigentlich das Rezept besorgen sollte - jamm! Wir palaverten dann noch über so dies und das, und auch neue Club-Programme wurden angedacht, denn der Filmfundus der Gebrüder HK und I ist schier unergründlich und wird noch für unglaubliche Granaten sorgen... Besonders toll fand ich das im Mai oder Juni erfolgende Doppelprogramm PINOCCHIOS MUTTER, das aus einem sehr lustigen Euro-Agentenfilm der 60er (mit einem sehr hölzernen Hauptdarsteller) und einem kanadischen SM-Sleaze-Gröhler der oberen Kreischliga bestehen wird! Danach bin ich mit Robert und Bettina noch nach oben gegangen. Gemeinsam verlustierten wir uns an der qualitativ wie preislich sehr delektablen e-m-s-DVD des alten Giallo-Vorläufers DAS DRITTE AUGE von Mino Guerrini, der ein direkter Vorfahre von Joe d´Amatos BUIO OMEGA ist. Beim nochmaligen Wiedersehen (nach über zehn Jahren) stellte ich fest, daß das morbide Schauerdrama um ein psychopathisches Muttersöhnchen, das gerne Tiere ausstopft und Probleme mit dem weiblichen Geschlecht hat, exzellent inszeniert und fotografiert ist, aber was die Darstellung des jungen Franco Nero angeht, so ist sie nur als enthusiastisch zu bezeichnen... Er ist schon zu Anfang ein seelischer Napfkuchen, aber wenn seine Geliebte stirbt, schaltet er wirklich den Turbo ein - Mann, was chargiert der über! Aber trotzdem, ein höchst willkommenes Wiedersehen, und Erika Blanc ist wie immer ein Fest für saure Augen, wie das bei den Engländern heißt... So, jetzt gehe ich nach Bett - die neue TV-Übersicht ist reingestellt!

150103

Der jordanische Schäferhund "Big Joe" hat sein Lebenslicht ausgehaucht! Über einen längeren Zeitraum hinweg hatte er die Liebesbriefe seines Herrchens an dessen Angebetete übermittelt. Als der Bruder der vergötzungswürdigen Maid einen der Briefe abfing, kam es zu einem Streit, bei dem der kanine Liebesbote mit einem Stein erschlagen wurde. Der Brautvater willigte nachfolgend in die Heirat ein, die im letzten Brief angetragen wurde. Der Yahoo-Text vermeldet: "`Big Joe´ wurde am Samstag im Garten des Verehrers beerdigt." Das klingt wie "Ende gut, alles gut", aber im Interesse des servilen Rüden möchte ich dies doch bezweifeln... Nett finde ich auch die Neuigkeit, daß "die Töchter und die Ehefrau des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit sexuellen Anzüglichkeiten beleidigt" wurden, und dies von einem der Anwärter auf den offiziellen deutschen Vertreter des "Grand Prix d´Eurovision", Joachim Deutschland! Warum können nicht auch die "Sons" antreten, etwa mit dem Song "Schokoladenonkel"? Das wäre doch mal was... Ich kann mir derzeit sowieso nicht den Bregen zermartern, denn wichtige Dinge beschäftigen den  großen grauen Wonnebatzen in meinem Schädel. So muß ich u.a. den Burenexperten Colonel Woolrich mit aussagekräftigen Sprechblasen ausstatten, wenn er Kommissar Ernst Paroli bieten möchte. Und Kommissar Ernst ist ein harter Hund - um George W. Bush jr. zu zitieren: "Make no mistake - I´m sick of the games!" Auch fordert der Frosch seinen hohen Blutzoll - die Videoaufzeichnungen lassen einiges Verheißungsvolle erahnen, aber ich bin mit meinem Gesangsbeitrag noch lange nicht zufrieden! Das klingt wie Käpt´n Ahab mit einer Gräte des großen weißen Wales im Maul. Da muß noch an einigem gefeilt werden, bis mir das rechtens dünkt... Gleichzeitig muß ich noch diverse "Liner Notes" schreiben, u.a. für THE BURNING, DOLLS, WAXWORK und Bruno Matteis VIRUS. Da bleibt wenig Zeit für Frohlocken, und doch bin ich heute zu Ralf geschlendert, um dort privaten Tönjes zu bekakeln und über Wenzels tollen neuen Film zu fachsimpeln. Der wird richtig toll, wenn er später im Jahr herauskommt. Die Mixtur von liebenswerten Ex-Meßdiener-Moralismen und richtig derben Breitseiten wird sehr aufwühlend, das ist mal sicher. Wer explodierende Mitmenschen, sprechende Tiere und harnröhrenbezogene Inkontinenz zusammenbringen kann, wird hier ein Spektakel erleben, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt hat... Gerade erreichte mich noch ein Bild zum Aron-Pressler-Kesley-Event, das unser Gitarrist Mannesmann himself gezeichnet hat. "El Brasi" ist ein berühmter Sexshop im Bochumer Raum, und bei unserem Auftritt wurde er nachhaltig thematisiert... Unser Mannesmann ist die Wucht auf Stelzen! P.S.: Am Samstag lockt der "Geheimnisvolle Filmclub Buio Omega". Da soll u.a. ein alter Etrusker ausgegraben werden, aber stattdessen lauert einer der besten italienischen Gialli der frühen 70er, die ich kenne. Armando Crispino ist der Regisseur. Und Sonny Chiba ist der Star des anderen Filmes, handelnd von einem Leibwächter, der einen ähnlichen Namen hat wie das Mischgetränk, das aus Kirsch- und Bananenkomponenten zusammenklabüstert ist... Volldampf gleich zweimal - der Besuch lohnt wie immer!

130103

Sei kein Frosch - auch keiner mit einer Maske! Da meine Herzdame bei einer gewissen Punkband die Gitarre bedient, bin ich heute mit einer Videokamera bei der Probe aufgetaucht, um dort die frühen Zuckungen des Frosches zu dokumentieren. Sollte der Frosch irgendwann einmal berühmt werden, habe ich hier gleich sein archaisches Gequake parat und verdiene mir dann ein goldenes Näschen - der kluge Mann baut vor. Außerdem habe ich mir damit eine Rolle als Gast-Leadsänger gescheffelt, denn der Presley-Auftritt hat doch sehr Spaß gemacht - ich habe Blut geleckt, das vielleicht eines fernen Tages über die Menschheit kommen wird! Wir studierten erst einmal eine umgetextete Version von "She" von den Misfits ein, die hoffentlich nicht nur uns viel Spaß machen wird. "Blitzkrieg Bop" geriet gar zu einem Ausflug in die Regionen des Gefängnis-Duschalltages, die ich mit Rücksicht auf die möglicherweise nicht ganz so nervenstarken Leser hier nicht genauer ausführen möchte... "Strychnine" von den Sonics wurde auch versucht, und es klappte auf Anhieb ganz hervorragend, wobei mein dissonantes Gejohle mehr als angemessen vom plüschigen Klangteppich der Gruppe verborgen wurde. Nett finde ich aber mein Songintro: "Ich bin ein Anwaltssohn..." - "...aus Tupelo!", wie der Schlagzeuger gleich nett ergänzte. Das Schöne am Frosch ist, daß die Ideen und Konzepte nur so sprudeln, noch bevor ein solides musikalisches Fundament errichtet worden ist. Das wiegt mich momentan noch etwas in Sicherheit, aber schließlich ist auch die Halloween-Schnapsidee vom Presley-Abend grausame Wirklichkeit geworden - oh Gott, worauf habe ich mich da eingelassen? Mein Vater wird mich eh enterben, wenn er das Video sieht, wo sein Sohn mit Kasperperücke und Leopardenjacke durch die Gegend schlingert und blökt wie ein Schaf bei Fassenacht. Dann habe ich jede familiäre Rückendeckung hinter mir gelassen und muß mit dem Frosch Geld verdienen oder betteln gehen... Andererseits sind wir eigentlich schon so gut, daß ich mir keine Sorgen zu machen brauche. Vielleicht hagelt es ja auch Millionenverträge, oder ich werde zum ältesten Video-Jockey (mit dem goldenen Sulky) bei "Viva 2" gemacht - der, der älter ist als alle anderen zusammen... Andere entdecken das Rock´n´Roll-Leben für sich, wenn sie 17 sind - ich bin schon fast 70! Na egal, der Frosch frickelt auch weiterhin an schmissigen Rhythmen herum, bis sie qualitativ an das Cover heranreichen, das Mannesmann bereits für die Debüt-CD gebastelt hat! (Den Titel darf ich leider noch nicht verraten, denn ansonsten werde ich mit Bückhaft nicht unter 10 Jahren bestraft. Das werde ich beherzigen, da mich mein Seelenheil etwas frommt!) Die Videoaufnahmen waren super und zeigen den mysteriösen Bassisten und die mysteriöse Gitarristin in voller Klampfpracht, während der nur eine Spur weniger mysteriöse Drummer mit einer Fluppe im Maul griesgrämig dreinblickt... Ach, Spaß macht´s, und demnächst noch viel mehr, wenn der zwote Sänger, Captain Lust, das Achterdeck der Andrea Doria betritt! P.S.: Der neue Film von Wenzel Storch sieht schon richtig gut aus (habe gerade heute die neueste Fassung besichtigt), und auch wenn sich manche zarten Seelen an den Drastizitäten stoßen werden, so obsiegt doch der allgegenwärtige Charme. "Petzi"-Fans mit Sinn für Ungewohntes werden ihr Halleluja finden, soviel ist mal sicher! Und der Song "Tellerlip Girl" wird um die Welt gehen... Mein persönlicher Lieblingssatz ist schon jetzt: "Na, du Nafti!" - wartet´s ab. 

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Mein persönliches Forum für alle Fragen und Kommentare, was Europloitation-Filme angeht! (Unter "Europloitation" von Cjamango, was sein ich.) Wenn Ihr Fragen und Informationen habt, die auch öffentlich gemacht werden dürfen, dann macht Eurem Herzen Luft...

100103

Bochum ist eine Reise wert! Nicht nur wegen der zahlreichen Baustellen, sondern auch in Anbetracht einer neuen Meldung, die da besagt, daß es dort eine Familie gibt, die seit 33 Jahren einen gezähmten Flußaal in ihrer Badewanne hält. Der Patriarch jener Familie fing den wuseligen Fisch im Jahre 1969 - zum Vergleich: Ich wurde 1968 geboren! Es war ein gutes Jahr, aber für den Aal war es sogar ein besseres, da er seit damals in der Badewanne besagter Familie herumklabastert, und wann immer ein Familienmitglied ein Bad nehmen möchte, wandert der Aal in einen Eimer. Hatte er sich anfangs auch gegen die Umsiedlung gesträubt, gewöhnte er sich schon bald daran und schwamm seine schmalen Kreise. Der Yahoo-Text vermeldet: "Eigentlich hatte es ihn damals zum Abendessen geben sollen, doch dann schloß ihn die Familie ins Herz." Auch toll finde ich, daß sich ein britisches Ehepaar in den Kostümen der "Teletubbies" das Ja-Wort gegeben hat! Sie taten dies als "Tinky Winky" und "Laa-Laa"... Ihr als Trauzeuge fungierender Sohn und dessen Freundin verkleideten sich als Pferde! Wenn man schon diesen durchaus ernsthaften Schritt vollzieht, soll man das wenigstens mit Stil und Würde vollziehen, und die Fosters haben es hier allen vorgemacht! Aus Ehrfurcht werde ich ein kleines GIF ans Ende des Eintrages basteln... In re GIFs: Ich habe neulich den ziemlich lauen Krimi ALONG CAME A SPIDER gesehen, in dem Morgan Freeman den Entführer von gleich zwei Diplomatenkindern jagt. Regisseur Tamahori hat mittlerweile die höheren Weihen (bzw. Weias) erhalten, da er den neuen Bond-Film inszenieren durfte. Freeman ist ja ein ganz sympathischer Darsteller, aber er braucht wirklich ein besseres Drehbuch als diesen hanebüchenen Mottenfifi. Selbst der Darsteller des Psychopathen (wer immer er war) war völlig aufgeschmissen, obwohl er seine Rolle mit Andacht vollzog. Wie weniger zartbesaitete Naturen als ich sagen würden: Was für ein Scheißdreck! Der Kram mit den GIFs, in denen Spione geheime Botschaften verstecken können, entspricht wohl der virtuellen Wirklichkeit, aber so, wie dort präsentiert, halte ich das für Seemannsgarn der weniger relevanten Sorte... ANY GIVEN SUNDAY (JEDEN VERDAMMTEN SONNTAG) von Oliver Stone hatte den Vorteil eines bildkräftigen Regisseurs, aber Oliver Stone ist nicht wirklich Robert Altman, und seine Verflechtung von Satire und pathetischem Football-Schmonzes erreicht kaum die Wucht von Altmans entsprechenden Demaskierungen. (Schaut Euch mal NASHVILLE an - au Mann!) SUNDAY hat einen wie üblich brillanten Al Pacino, zahlreiche tolle Nebendarsteller und einen Inszenierungsstil, der sich stark an NATURAL BORN KILLERS orientiert. Zu den besseren Gags zählt noch das herausgerissene Auge, da es wirklich augenscheinlich Satire sein soll, aber viele Einfälle riechen doch zu stark nach konventionellem Hollywoodkino, um den Zirkus legal über die Rampe zu tragen - das war mir schon bei KILLERS ein Hemmschuh im ansonsten perfekten Gedönse... Ganz aus ist bei Ex-Kritiker Rod Luries THE LAST CASTLE (DIE LETZTE FESTUNG), in dem Robert Redford erneut sein BRUBAKER-Shtick abzieht, und trotz diverser antimilitaristisch angehauchter Mätzchen gehorcht er nur den gewohnten Gefängnisfilm-Klischees und beschert uns ein Ende, das an Dummheit und Inkonsequenz kaum zu Übertreffen ist - da kann man richtig  jaulen! James Gandolfini von den SOPRANOS spielt zwar den Lagerleiter, aber das kann den Film kaum retten... Am heutigen Tag habe ich nur die 1976er Verfilmung von Peter Straubs frühem Horrorroman "Julia" begutachtet: THE HAUNTING OF JULIA (JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR - blöder Titel, da Julia gar nicht wiederkehrt!) Da geht es um Mia Farrow, die ihre Tochter bei einem Erstickungsanfall per Tracheotomie (=Luftröhrenschnitt) zu retten versucht, doch die Tochter stirbt. Sie versucht ihrem unsympathischen Ehemann Keir Dullea zu entfliehen und ein neues Leben zu beginnen. Doch ständige Erscheinungen machen ihre Emanzipationszeit zur Qual. Es scheint sich herauszustellen, daß nicht nur einer, sondern gleich zwei Kindsmorde verantwortlich sind für ihre "Wahnvorstellungen", doch Mias Besessenheit führt sie schließlich zu einer Pforte, die, hat man sie einmal zugeschlagen, keine Rückkehr erlaubt... Das Buch ist ziemlich gut, doch der (britische) Film wird zum einen kompromittiert von einer lausigen Videoumsetzung (grausiges Bildformat, das viele Effekte völlig verdampfen läßt; lausige Synchro) und zum anderen von einer zu zurückhaltenden Regie, die die wirklich grausigen Momente des Romans zu sehr der Imagination überantwortet. Damit steht der Film im krassen Gegensatz zu der Verfilmung von Straubs meisterhaftem GHOST STORY (ZURÜCK BLEIBT DIE ANGST), in der enorm wirkungsvolle Handlungsstränge fallengelassen werden zugunsten einer albernen Modermumie, die immer für dulle Schockeffekte sorgt, wenn Fred Astaire und die anderen altgedienten Mimen ins Gras beißen. Lest Euch unbedingt mal Straubs "Ghost Story" ("Geisterstunde" hieß der, glaube ich, auf deutsch) durch - das ist einer der unheimlichsten und schönsten Horrorromane, die ich jemals gelesen habe. Die Verfilmung kann man getrost knicken, und bei JULIA - obschon wesentlich sensibler inszeniert - ist die Romanvorlage besser. Immerhin hat JULIA einige hübsche Momente, die viel mit der Besessenheit einer Mama für ihr totes Kind zu tun haben, doch es geht zu lange um zu wenig, um das Zuschauerinteresse aufrecht zu halten. Im letzten Akt wird der Film deutlich spannender, aber endet erneut auf einer zu vagen Ebene, um dem Zuschauer nahezubringen, daß hier familiäres Drama getan wird... Jo mei. In Anbetracht der unsensiblen und dummen Schocker, die heutzutage das Horrorgenre bevölkern, ist JULIA natürlich noch sehr lobenswert, aber in der deutschen Ätzfassung muß man sich das Ganze nicht wirklich anschauen - da lese man lieber die Romanvorlage. (In Straubs und Stephen Kings "Talisman" gibt es diese unglaubliche Szene, wo einer Figur die Nase abfällt - das werde ich nie vergessen!) Nase ab - Flagge hoch!    

090103

Nach einigen Tagen des Schreckens ist es endlich getan: Der Presley-Abend hat stattgefunden, und er übertraf unsere Erwartungen bei weitem! Was Kai und Ralf im Rahmen des "Psychotronischen Bildungswerkes" zusammengefrickelt hatten, war eine ebenso unterhaltsame wie informative Mischung. Den Anfang machte Ralf mit einem lustigen Intro, das die Kasperletheater-Szene aus G.I. BLUES in den passenden soziologischen Kontext (der Familie Hedwig) einordnete. Danach erzählte DJ Martini in seiner unnachahmlich sympatischen Art eine Geschichte von dem beliebten Gassenhauer "La Paloma", untermalt von zahlreichen Songbeispielen. (Was das mit Elvis zu tun hatte? Tjaaa, das wüßtet Ihr gerne...) Inspiriert von den jüngst geborenen Clownbabys, gab sich das hervorragende Liedermacher-Duo "Kuschelterror" ein Stelldichein, als Elvis-Klone Aron und Garon - Grobi und Robert sind echt die Wucht in Tüten! Nachfolgend referierte Kai mit dem Raffinement eines echten Feinschmeckers von den Eßgewohnheiten des Kings, der an einem Morgen wegschaffte, was ein Publikum von 70 Leuten an einem Abend nicht bewältigen kann. Das wissen wir, weil während des Vortrages eine kleine Kochstunde eines der Leibgerichte des Sängers bescherte - Bananensalat! An einem königlichen Morgendoppelquantum dieses Leckerbissens tat sich das Publikum gütlich. Es blieb mehr als die Hälfte übrig, aber wenn man eine Sache gerne mag, langt man auch schon mal kräftig zu... Ein sehr netter TV-Drehbuchautor namens Roland hielt dann einen ebenso erhellenden wie lustigen Vortrag über Elvis-Sichtungen und ähnliche paranormale Ereignisse. Den Abschluß machte (gegen Viertel vor Zwölf!) Aron Pressler Kesley, den anzusagen ich die Ehre hatte. Ihn dann darzustellen, war auch eine Ehre, aber eine, die mir ein geharnischtes Lampenfieber bescherte, besonders in Anbetracht der Exzellenzen, die mir vorangegangen waren... Das Line-Up bestand aus Mannesmann an der Gitarre, Bauknecht an den Drums und Pseudo-Krupp am Baß. Ich schmiß mir eine viel zu enge Leopardenjacke um, in der ich mich kaum noch bewegen konnte, setzte mir eine Perücke auf mit einem etwa 20 cm langen...Hörnchen, nennt man das, glaube ich. Das Sahnehäubchen war dann eine riesige schwarze Sonnenbrille, mit der ich tatsächlich nichts mehr sah. Das erleichterte mir den Auftritt beträchtlich. Der erste Song war "Heartbreak Hotel" in einer teilweise "Demented Are Go"-artig gekrächzten Version, die sich tempomäßig an den Cramps orientierte. Nummer Zwo war mein Liebling, "Fever", das auch - ichfindejanundoch - ganz passabel klang. Dann kam "You ain´t nuthin´ but a Hound Dog", das von meiner Quietscheente und einem kleinen Kuhstimmengerät begleitet wurde. ("Das ist mein Muh-Muh-Pedal...") Lied 4 schmachtete "Are You Lonesome Tonight?" und wurde gefolgt von "Can´t Help Falling in Love" in einer reduzierten Ärzte-Version. Dann sollte eigentlich das nominelle Schlußstück vor der Zugabe kommen, "Viva bzw. Wie war Las Vegas?", aber schon vorher hatte uns die nette Tresenkraft Pamela einen Zettel zukommen lassen, den ich einscannen und unten abbilden werde. Während des dritten Verses von "Viva" erschienen dann zwei Gäste irgendwo hinten und formten mit ihren Mündern die Worte "Polizei, Polizei!" Die Band bewortete mein hektisches Gehampel mit langsamem Verstummen, und ein launiges "Die Büttel sind da, die Büttel sind da!" schoß durch unsere Köpfe. Die Hüter des Gesetzes erwiesen sich aber als nett, ließen sich besänftigen und zogen von dannen. So brachten wir dann noch "Sweet Dreams" (das ja eigentlich von Elvis stammt!) und ein sanft geschmachtetes "Love Me Tender", während dessen ich schweißnasse Kleenex-Tücher ins Publikum schmiß... DAS HAT SPASS GEMACHT!!! Und vermutlich wird es in Dortmund demnächst noch eine Wiederholungsvorstellung des ganzen Abends geben, im "Cosmotopia". Da werde ich mir auch das Hemd bis zum Nabel aufreißen und meine Brusthaare zeigen, wie ich das eigentlich gemacht hätte, hätte ich es nicht aus Nervosität vergessen... Tja, der erste Gig, und schon kommt die Polizei - es war vielleicht der Beginn von etwas ganz Großem... *lol*  Fotos vom Event demnächst.

040103

Der Zyklop hat auf den Salmonellen keine Opfer gefordert, weil sich alle Insulaner in Höhlen verschanzten. Ich weiß gar nicht, ob das gestrige News sind oder heutige News, aber egal - News sind immer aktuell, daher der Name! (Hat Polyphem sich um die Aktualität geschert, als er Odysseus, dem Alberich und den anderen Kanonen die Hölle heiß gemacht hat? Na also!) Aktuell ist aber garantiert, daß irgendein Psycho heute zahlreiche Frankfurter in Angst und Schrecken versetzt hat, als er mit seinem Motorflieger durch die Lüfte zog und drohte, den 11. September zu machen. Originell ist immerhin die Begründung des Deppen: Er wollte an die Explosion des Raumschiffes "Challenger" gemahnen, mit besonderer Bezugnahme auf die Astronautin Judith Kresnik, der ersten jüdischen Allschifferin der Geschichte, wie er im exklusiven n-tv-Interview vermeldete. Naja, der Bursche hatte zweifellos nicht alle Haare am Scrotum, aber seine Motivation ist durchaus inspirierend. Man kann da allerdings zahlreiche andere Wege suchen, seine Heldinnen zu verewigen, etwa einen Punksong über sie zu schreiben. (Z.B. Die Ärzte, "Der lustige Astronaut".) Ansonsten habe ich heute einen Stapel netter Tapes auf CD gebrannt, darunter Exemplare der Labels "Pissende Kuh Kassetten", "Trümmer Products" (von Lutz, dem Sänger von "Rudolfs Rache") und "Schachtmeister". Natürlich ist Wenzel Storchs Kassette "Hey Wenzel" ein ausgesprochener Favorit, besonders das tolle Stück, wo Baron Lallu (der in DER GLANZ DIESER TAGE als Marionette eine Orgel spielt) von seinen Erfahrungen mit der Bimmelbahn berichtet. Ganz groß ist aber auch das Tape von "Hermann Naujoks und die Naujoks". Hermann Naujoks war ein Zeitgenosse, der unter Wenzel und seinen Mitbewohnern lebte und gelegentlich nach oben kam, um dort seine Wäsche zu waschen. Die Waschmaschine durfte er aber nur benutzen, wenn er den Bewohnern etwas vorsang, was er auch nett tat. Das finde ich absolut großartig! Die Kassette verwöhnt den Zuhörer mit so schönen Liedern wie "Wer biß die nackte Ulla?" (auch in DER GLANZ DIESER TAGE) oder "Die Elefanten tanzen Cha-Cha". ("Habense, habense, habense nich getanzt...") Es hat sich vor einiger Zeit schon einmal ein Musikant der früheren Tübinger Punkband "Autofick" gemeldet, mit dem ich auf jeden Fall mal ein Interview für diese Seite machen möchte. Ansonsten sind auch Interviews geplant mit meinem Idol Eric Hysteric von "Der durstige Mann", Lutz von "Rudolfs Rache" und einem Menschen von einer sehr berühmten Punkband, den ich aber noch anonym halten möchte, da ich ihn nicht kompromittieren will. Der Kasper von den "Sons" ist auch geplant, wie auch Deutscher W. von "OHL". C.B. von den "Radierern" möchte ich auch noch vor das Mikro zerren. Mal sehen, was aus alledem wird... Wenn sich unter meiner Leserschaft ehemalige PKK-Kontributoren befinden (z.B. Hermann Naujoks, Kööm, Schnibbel oder Leudde von "Schweine im Weltall" oder so), mailt mich bitte mal an, denn ich würde gerne was Ausführlicheres zum Thema verfassen, und neben Diet und Iko hätte ich gerne noch andere Zeitzeugen... 

030103

Wollte heute nix mehr schreiben, aber jetzt muß ich doch, denn ich habe einen sehr empfehlenswerten Film gesehen: THE DEVIL´S BACKBONE (EL ESPINAZO DEL DIABLO) vom Mexikaner Guillermo del Toro. Nach dem deutlich überdurchschnittlichen CRONOS und dem unterhaltsamen MIMIC drehte er diesen sanften Grusler, bevor er mit BLADE 2 endgültig Richtung Hollywood wechselte. Was man bei dem flotten BLADE-Gemetzele kaum für möglich halten sollte: THE DEVIL´S BACKBONE ist ein ruhig erzählter, behutsamer Film, der seine Geister - anders als etwa Amenábars THE OTHERS - nicht in gewohnter angelsächsischer Manier als simple Schreckmacher mißbraucht, sondern eher auf den Pfaden solch dunkler Märchenfilme wie Robert Wises THE CURSE OF THE CAT PEOPLE oder Frank La Loggias THE LADY IN WHITE wandeln läßt. Es geht um den kleinen Carlos, der zu Zeiten des Bürgerkrieges von seinem widerstandskämpferischen Papa in einem abgelegenen Waisenhaus untergebracht wird. Neben den üblichen Hackordnungskämpfen muß Carlito aber auch noch mit einem veritablen Gespenst fertigwerden: Ein kleiner Junge ist einstmals unter mysteriösen Umständen ermordet worden. Der Film läßt sich lange Zeit, bis er sein Geheimnis lüftet, und so werde ich das Rückgrat des Teufels tun, das hier vom Kamm zu blasen, aber er bringt es fertig, sowohl spannend als auch unheimlich zu sein. Der Geist will zwar Rache, aber er schließt mit Carlos eine Art Freundschaft, was den Film eher als morbiden Kinderfilm erscheinen läßt denn einen Horrorfilm, aber er ist an keiner Stelle süßlich und zeigt die Schrecken der Kindheit - die am Herzen des Horrorfilmappeals liegen - mit großem Einfühlungsvermögen und großer Intensität. Die Zeichnung des Bürgerkriegsumfeldes erinnert manchmal etwas an den Meister Carlos Saura, wobei del Toro einen viel aufwendigeren Bildstil verwendet, aber anders als Amenábar greift er nicht nach dem abgründigen Schrecken, sondern nach dem Wunder, das ein isoliertes Kind in der Schwärze menschlicher Niedertracht finden kann, wenn sich die Schatten lichten: Wenn auch der Geist zunächst erschreckend und bedrohlich wirkt, so gehört die Strafmaske wahrlich den diesseitigen Miesniks, die so abgründig schlecht sind, daß kein Gruselgeist mitkommt... Mit von der Partie ist der Amenábar-Darsteller Eduardo Noriega als gutaussehender Hausmeister mit Untiefen und die häufige Almodóvar-Aktrice Marisa Paredes als einbeinige Waisenhauschefin. Und Pedro Almodóvar war auch Produzent des Filmes. Eine sehr schöne Überraschung - ein Märchen für böse Jungen, die sich insgeheim nach dem Guten sehnen. Und ohne den "Film-Dienst" wäre ich niemals auf den Film aufmerksam geworden... Ein dicker Pluspunkt für die Herren des "Wir raten ab"´s. Die Verleih-DVD von "Kinowelt" enthält ein Video-Interview mit Guillermo, ein "Making of", Storyboards und andere Extras. Ayayay!

020103

"Dosenpfand ist Liebespfand!" Mit diesem oder ähnlichen Werbesprüchen hätte man den heißumkämpften ökologischen Schmusehappen in den vergangenen Monaten schon einmal etwas schmackhafter machen können, aber nein, man versäumte dies, und jetzt regiert in den Supermärkten das Chaos! Da mir Chaos meist tierisch gut gefällt, applaudiere ich der rot-grünen Regierung für diese kleine Charade - bis Oktober muß man noch warten, bis es einheitliche Maßgaben gibt. Mal schau´n, wie viele Bürger bis dahin alle Getränkedosen in getrennten Säcken mit den dazugehörigen Quittungen lagern... Anmerkungen zum Clownkind, das die Wissenschaft derzeit beschäftigt, erübrigen sich - das sieht bestimmt aus wie Charlie Rivel, die alte Schnapsdrossel! (Oder Grock - "einen steifen Grock gefällig?") Bei Droste hieß es ja mal irgendwo sinngemäß, daß er den Aufstand nicht nachvollziehen könne - wen kratzt das, wenn Menschen nicht nur aussehen und sich benehmen wie geklont, sondern es auch sind? Ich will auch einen Klon, verdammt! Und zwar einen ganz häßlichen, zum Schikanieren... Gerade jetzt läuft in "Explosiv" ein Beitrag, in dem Dieter Bohlen davon erzählt, wie er gestern mit seiner Estefania fast abgestürzt wäre, mit einem maroden Privatflugzeug. Hat der gerade von seiner Herzdame erzählt, sie habe sich "in die Hose gepinkelt, ein bißchen"? Man kann über Bohlen sagen, was man will, aber langweilig wird er eigentlich nie... Genausowenig wie - geschickte Überleitung! - HOLLYWOOD BOULEVARD, ein neues Schmankerl aus dem Hause "Anolis"! Dieses charmante B-Movie-Juwel habe ich durch eine günstige Fügung als Kopie der meines Wissens bislang einzigen TV-Ausstrahlung von 1980 besessen, aber qualitativ war die nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die DVD hat eine sehr ansehnliche Quali, die mich mehr als zufriedenstellte. Joe Dante und Allan Arkush waren zu jener Zeit damit beschäftigt, Trailer für Roger Cormans Produktionsfirma zusammenzuschneiden. 1976 bekamen sie die Chance, einen Film zu inszenieren. Während Arkush den fast zeitgleich auf DVD veröffentlichten ROCK´N´ROLL HIGH SCHOOL hervorbrachte (mit den Ramones - hey ho, let´s go!), machte Joe Dante eben jenen liebenswerten HOLLYWOOD BOULEVARD, der die Bemühungen einer jungen Provinzlerin schildert, im Filmgeschäft Fuß zu fassen. Sie landet natürlich im Morast des Exploitation-Filmes, und nachdem sie als Stuntdouble ihr Leben riskieren darf (und für einen Banküberfall mißbraucht wird, der als Filmdreh getarnt wird!), landet sie auf den Philippinen und darf mit dem durchgeknallten Regisseur Paul Bartel richtigen Schmodder drehen. Dann läuft noch ein vermummter Killer herum, der die Starlets der Reihe nach abschlachtet... Neben Bartel gibt es ein Wiedersehen mit der großartigen Mary Woronov, dem anbetungswürdigen Dick Miller (als schmieriger Agent Walter Paisley = sein Rollenname aus A BUCKET OF BLOOD!) und Godzilla. Der Film ist vom Fernsehen damals mehr als akzeptabel synchronisiert worden und für B-Movie-Guerillas ein komplettes Muß... Zwei Jahre später machte Joe Dante PIRANHA, und der Rest ist Geschichte. (Als Extras wartet die DVD mit einer sympathischen Einführung vom Regisseur und einem ebenso informativen wie lustigen Kommentar mit einigen der Hauptbeteiligten auf, darunter natürlich Joe D.) HOLLYWOOD BOULEVARD und R & R HIGH SCHOOL geben ein brillantes Double-Feature ab - ich ziehe die 10! Ansonsten war ich gerade bei der vorletzten Probe von Aaron Pressler Kesley, und die Jungs haben jetzt - mirabile dictu! - eine echte Gesangsanlage, mit der das richtig Spaß macht. Der Set steht jetzt soweit, und am nächsten Mittwoch geht in Bochum die Post ab. Beginn ist wie üblich um 20.30 h oder 21 h (ich prüfe das noch nach), und das lange Programm umfaßt Vorträge über Elvis-Sichtungen usw., wilde Filmschnipsel, eine Live-Backstube mit "Kingschnitten" und mannigfaltige Exzesse.

311202

Ein altes Jahr geht zur Neige. Gemächlich vor sich hintatternd, doch um den Ausdruck gelassener Würde bemüht, erklimmt es die letzten Stufen, um das olympische Feuer an seinen Nachfolger weiterzureichen: 2003, noch ein junger Spund, nicht ganz grün hinter den Ohren, aber voller süßer Verheißungen und spannender Möglichkeiten. Und wenn ich morgen früh nicht mit der Zunge in den Rührfix gerate, dann kann das alles ganz passabel werden! Besser als das letzte Jahr wird es wahrscheinlich schon, denn in der Nachschau ist schon einiger Schleim den Bach hinuntergeflossen, und vieles habe ich hier gar nicht erwähnt, da doch zu privater Natur. Die schönste Sache, die mir passiert ist, habe ich aber preisgegeben: Sie ist 28, hat rotgefärbte Haare und einen Uhu auf der Schulter... (Der Totenschädel in der Ellenbeuge ist für die verdatterten Ömsen auf der Straße, die sich daran stoßen - huh, ein Satanist!) Heute abend wird ein schöner, ruhiger Jahreswechsel verlebt, und das wünsche ich Euch auch! (Laßt Euch vom fiesen Dauerregen nicht die Laune verhageln.) Wenn mich jemand mit einem Böller schikaniert, dann kriegt der voll einen auf die Zwölf... Eben bin ich noch bei Gitarrero Mannesmann gewesen, der mit mir einige Presley-Balladen einübte, damit am 8.1. auch alles schön klappt! Da werde ich mich gut zum Horst machen, aber das härtet ab. Genauere Angaben werde ich zwei Tage vor dem Event machen, wenn ich unruhig zu werden beginne... *schluck* Da ich vorhabe, auch im nächsten Jahr wieder zahlreiche immens banale und farblose Dinge zu verherrlichen, fange ich gleich mal damit an: Die Bueraner Innenstadt wimmelt von Kanaldeckeln (KLONK!), auf denen mysteriöserweise Folgendes steht: `Dieser Platz ist für "SIE" reserviert.´ Hmmmh... Über den Sinn dieser anonymen Botschaft habe ich schon häufig gerätselt. Wird da - behördlicherseits, sozusagen - eine pauschale Drohung ausgesprochen, die die braven Bürger dieses Ruhrpottidylls in die Nähe von Ratten und Fäkalien befördern möchte? Gruselig, irgendwie. Die Gänsefüßchen könnten eine weitere subtile Beleidigung sein, die andeutet, daß die Angesprochenen gar keine würdevolle Anrede verdienen. Oder ist damit eine Frau gemeint? In jenem Fall meinen die Gänsefüßchen wohl, daß es sich um eine besondere Frau handelt, die Angebetete, die Herzensdame! (Na, ich werde Cora jedenfalls von der Innenstadt fernhalten, das ist mal sicher.) Da die umgänsefüßelten Buchstaben alle idiosynkratisch großgeschrieben sind, könnte es sich auch um eine Geheimorganisation handeln, etwa "Schutzverband Inkontinenter Eremiten". Wenn Eremiten inkontinent sind, dann könnten sie dort unten in der Tat gut aufgehoben sein, nicht wahr? Ja, über solche Dinge grübele ich nach, wenn ich meine Feiertagseinkäufe mache... EIN FROHES NEUES JAHR EUCH ALLEN!!! P.S.: Das fesche Bild oben stammt aus Wenzel Storchs neuem Film.

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