WENN TEICH UND SEEN KRACHEN... DEZEMBER 2002
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NEWSTICKER NOVEMBER 2001281202
So, ich muß gleich abdüsen, habe aber noch schnell die TV-Übersicht fertiggestellt! Außerdem ist leider zu vermelden, daß mit George Roy Hill ein weiterer Hollywood-Veteran aus dem Leben geschieden ist. Zu seinen berühmtesten Filmen zählen der hinreißende Western ZWEI BANDITEN (BUTCH CASSIDY AND SUNDANCE KID), die charmante Gaunerkomödie DER CLOU (THE STING) und die düstere Vonnegut-Bearbeitung SCHLACHTHOF 5 (SLAUGHTERHOUSE FIVE). Nicht vergessen darf man natürlich die ruppige und ernüchternde Eishockey-Satire SCHLAPPSCHUSS (SLAP SHOT). Er starb am Freitag an den Folgen der Parkinson´schen Krankheit im Alter von 81 Jahren. R.I.P.
271202
Ein kleiner Weihnachts-Link!
261202
Bald ist es geschafft: Wir haben Neujahr! Bis dahin wollen noch viele polnische Böller gekauft werden, die unschuldigen Kindern die Pranken zersetzen... Das ist leider jedes Jahr das Gleiche: Man möchte freundlich durch die Straßen schlendern und das Hinweggleiten eines weiteren Krisenjahres kontemplativ begehen - schon sind sie da, die Rangen des Teufels, das Streicheldefizit im Videozeitalter. Ohne Gnade werden einem dickste Böller vor die Füße geworfen, Omas mit römischen Lichtern schikaniert, der Papst von Wunderkerzen verwüstet... Eine fürchterliche Zeit, aber, Gottseidank, sie währt nur einen Tag, dann ist wieder Stille! Am Ersten werde ich vor dem Fernseher sitzen und mir auf RTL all die Plattnasen ansehen, die sich diesmal wieder aus pyrotechnischem Dilettantismus die Gichtkeulen verknuspert haben... Für´s Nächste aber ist Weihnachten getan. Ich bin trotz Blitzeises und intensiver Gletscherbildung im bremischen Bereich in meine Heimatstadt gelangt und habe dort betuliche Tage verlebt. Dabei bin ich mir über einige Dinge klar geworden: 1. Ich muß mir unbedingt einen Arbeitsplan zulegen, der es mir ermöglicht, mein Büchle in absehbarer Zeit fertigzustellen. Ohne Disziplin läuft rein gar nichts, und wenn ich das nicht in den nächsten Monaten auf die Reihe kriege, muß ich zur christlichen Seefahrt. 2. Ich finde Toffifee sehr lecker. 3. Auch als weihnachtlich gemästeter Mensch braucht man Disziplin, denn selbst als der dickste Mensch der Welt steht es einem offen, ein Buch über den dünnsten Menschen der Welt zu schreiben - so will es die Magie des geschriebenen Wortes. In Bremen habe ich erstmals wieder Gelegenheit dazu gehabt, mehr als einen Film pro Tag zu sehen, und dabei habe ich mich ausschließlich auf Exploitation-Ware der eher hanebüchenen Sorte verlegt. So flackerte der immens unbemerkenswerte ATTACK OF THE 50 FT. WOMAN mit Allison Hayes über meinen Bildschirm, der zwar einen tollen Titel hat, aber sonst nicht viel. Deutlich besser war der britische X THE UNKNOWN, der im Gefolge von THE QUATERMASS XPERIMENT entstand und zwar nicht über ein Drehbuch verfügte, das die esoterische Unwägbarkeit eines Nigel QUATERMASS Kneale besaß, aber geschickt konstruierte und kompetent gespielte Gruselkost offerierte, die lediglich durch das Schokoladenpudding-Monster etwas geschmälert wurde. (Old Tele 5 brachte die deutsche Uraufführung!) Dabei keimte in mir der Plan, einen Artikel über die meistens überlegenen britischen SF-Horrorfilme der 50er/60er zu schreiben, aber die hat Magazinkollege Bodo T. bestimmt schon abgedeckt... Viel artikelträchtiger scheint da Curtis Harrington, dessen WHO SLEW AUNTIE ROO? (WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET?) ich endlich einmal zu sehen bekam. Fast alle Filme dieses Regisseurs sind immens kommentarbedürftig und vor allem verherrlichenswert. Mal schauen, ob ich den Herrn zu einem Interview bewegen kann. Mit Ted V. Mikels wird es wohl mit Sicherheit demnächst ein Interview zu lesen geben, denn den habe ich in der Folge des letzten SI-Artikels kontaktiert. Die einzige echte Neuigkeit, die ich heute leider zu vermelden habe, ist das tragische Ableben des großartigen Joe Strummer, ehemals Sänger der Pionier-Punkband The Clash: Mit nur 50 Jahren ereilte ihn sein Schicksal in Form eines Herzinfarktes. Es fällt mir heute leider ums Verderben nix Interessantes ein. Verzeiht mir und werft stattdessen lieber betagten Rentnern grimmige Kanonenschläge vor die Füße, um das Streicheldefizit im Videozeitalter einzuklagen! Laßt Schmauchspuren auf den Elefantenhäuten eisiger Patriarchen erglimmen, die eitel im Abwasser des Neujahrsstromes waten. 2003 steht vor der Türe - wolle mer es hineilasse? Habe mer eine Wahl? Nei, mer habe net! Mer wolle der Krawalltugende Tür und Tore öffne, auf daß die Dämonen des Altjahres das Saure bekommen, das sie verdienen... Von Politik, Wirtschaft und so fort kann man eh nix erwarten - also muß man den weihnachtlichen Gänsebraten so lange in die Röhre schieben, bis er Flügel bekommt und einen in ein Land trägt, wo pralle Fleischwürste an den Stauden dampfen, und Wirsing für die Vegetarier. Die Mandelsplitter rotieren da ebenso schelmicht wie der gestoßene Knusperkrokant, und leckeres Schneckenragout und geharnischte Hummer geben das Geleit! Für den Chefpiraten Klaus Störtebeker gibt es eine Doppelportion Labskaus, und für Madame Dubarry eine Kalbskaldaune mit Zimt. Die gebratenen chinesischen Enten fliegen dem gemeinen Bürger da direkt ins Maul, und chinesischer Pflaumenschnaps und Gewürzrabbiner steigern den Genuß ins Unermeßliche. Obendrauf plumpst eine dieser ekligen Cocktailkirschen, von denen ich noch niemanden habe sagen hören, daß er sie gerne äße... (Die schmecken auch wie das eingelegte Gemächt eines Ochsenfrosches!) Zum Abschluß gibt es Amarillenaugensorbet und granuliertes Tintenfischsperma mit Physalisausputzer auf Ex. Ein paar Dinosaurier dürfen in diesem Land auch herumlaufen, aber die haben sich gefälligst zu benehmen und ein ziemliches Betragen an den Tag zu legen! Im Dinosaurierabschieben bin ich sogar fleißiger als unser Innenminister Otto Schill, denn die niedlichen sich einem um den Hals, ganz anders als ihre urweltlichen Artgenossen aus dem capronischen Pleistozän, die noch Mumm in den Knochen hatten... Wenn die letzten Dinosaurier rausgekickt worden sind, tanzen Störtebeker, Jacques Gélee, Madame Dubarry und ich den letzten Tango und legen uns zur Ruhe. Bis zum nächsten Jahr. Das wird ein Wunschtraum bleiben. Da wartet kein fremdes Land, wo bunte Blumen blühen, nur das Hier und Jetzt. Das muß reichen. Und mit genug Chuzpe wird sich auch da wieder einiger Unfug stiften lassen... Demnächst in dieser Zeitschrift: Wird Madame Dubarry die Freuden neuzeitlicher Deodorante würdigen lernen, oder werden ihre Achselhöhlen (=die Achseln des Bösen, Baudelaire) in rokokoesker Lumpenhygiene olfaktorisches Elend versprühen? ("Ihre Tochter stinkt!" - "Ja, aber sie ist doch meine Tochter...")
231202
"Jo-ho-ho, ich bin der Weihnachtsmann - möchtest Du gerne auf meinen Knien sitzen?" Und das ganze Jahr über sagen wir den Kleinen, sie sollen nicht mit Fremden sprechen! Gerade bin ich der Weihnachtshölle Buer entronnen, und meine Beine wollen nicht aufhören zu wackeln... Obwohl ich mir eigentlich geschworen hatte, alle Präsente im Vorfeld per Internet zu besorgen, sind da jetzt doch ein paar Sachen angefallen, die in letzter Minute aufgetrieben werden mußten. Immerhin habe ich verschiedene meiner Geschenke diesmal im Polizeipräsidium erworben - nein, ein Haftbefehl war nicht darunter!
Dieses nur im erweiterten Sinne weihnachtliche Bild zeigt den ehrenwerten Herman Umgar und einige seiner Freunde. Umgar ist ein hübsches Beispiel für alternative Lebensführung und lebt allein in einer Waldhütte mit seinen Würmern, denen er auch Nachtlieder vorsingt. Der Wurm zwischen Zeige- und Mittelfinger heißt zum Beispiel Bertha. Umgar ist die Hauptfigur des großartigen Filmes DIE WURMFRESSER, der meinem neuen SI-Artikel auch seinen Namen gegeben hat. Leider haben Sven und Thomas dieses prachtvolle Bild unterschlagen, und so poppe ich es einfach auf meine Seite! Vielleicht ist das ja auch weihnachtliche Verzückung, die da über Umgars Gesicht geistert. Vielleicht war er auch nur gerade in Buer einkaufen... Ich fahre gleich Richtung Bremen und bin somit für die nächsten zwei oder drei Tage nicht verfügbar. Der Ticker tickt dann wieder am zweiten oder dritten Weihnachtstag! Euch allen wünsche ich in jedem Falle ein frohes Fest, das nicht nur vom materialistischen Gedanken beseelt sein möge, sondern vor allen Dingen vom Gedanken an alle die schönen Dinge, die man bereits besitzt. Manche Menschen sind ja mit wenig zufrieden (siehe oben), und den anderen wünsche ich trotz allem ein knisterndes Lagerfeuer in ihren Herzen...
211202
Heute war Winteranfang, aber die Herzen wurden warm im Club, wo unser Weihnachts-Special "Musée Bizarre" seinen besinnlichen Verlauf nahm... Am Vorabend hatte ich mich wie üblich mit Sailor Rip getroffen, um wichtige lebensanschauliche Schnurren auszutauschen. Danach kuckten wir eine seiner neuen DVDs, und zwar das futuristische Actiondrama WEDLOCK, das bei uns nur in geschnittener Form herauskam. Rutger Hauer demonstriert da ein weiteres Mal, in welche Abgründe er nach seinen wenigen guten Hollywood-Filmen (THE BLADE RUNNER, FLESH AND BLOOD, THE HITCHER) vorgestoßen war: Die Schauspieler waren grottenschlecht (Mimi Rogers als Heldin eine lahme Nummer, Joan Chen als Bösewichtin eine debile Katastrophe), die Story hanebüchen (Knastfilmklischees und eine Noir-Liebesgeschichte, der alle Zähne gezogen waren), und ansonsten - schlimme Klamotten und schlimme Frisuren. Was der Hauer da auf dem Kopf mit sich führt, ist eine arischblond gefärbte Zopfperücke, die garantiert zum Gaudium der Crew während der Dreharbeiten herumgereicht worden ist... Au Mann, Roger-Corman-Protegé Lewis Teague hat mal den famosen ALLIGATOR gemacht, und jetzt dieser Mottenfifi - Sailor hätte die DVD fast stante pede aus dem Fenster gefeuert! Am nächsten Morgen durften wir ein durchaus überdurchschnittliches Zuschaueraufkommen feststellen - 95 Besucher hatten den Weg ins Kino gefunden. Sie sahen zuerst den Roger-Corman-Biggie A BUCKET OF BLOOD (DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI), der in der deutschen Fassung mit einem hochgradig amüsanten und sehr in die Länge gezogenen Prolog versehen worden war, in dem ein überschminkter Hutzelant mit einer Schaufensterpuppe monologisiert und generellen Nonsens zum Besten gibt: "Ticke-tacke, ticke-tacke..." Der zweite Film war Alexandro Jodorowskys berühmter MONTANA SACRA (THE HOLY MOUNTAIN), in dem viele merkwürdige Dinge passieren. Spätestens hier muß ich einräumen, daß meine zwote Ansprache lausig war. Während ich in der ersten Loriots berühmtes Adventsgedicht memorisierte und mich nur unwesentlich versprach, vergaß ich bei Jodorowsky die Hälfte und warnte die Zuschauer (wie ich finde) auch nicht angemessen vor dem bizarren Charakter des Filmes. Naja, trotz dieses milden Fauxpas verließ fast niemand vorzeitig das Theater. Die Kommentare der Leute waren teilweise verwirrt ("Was WAR das?"), teilweise von neuen Ansichten stimuliert, wie wir es uns gewünscht hatten... Ich hoffe, daß die Besucher den Mittag eher als Gewinn denn als Verlust betrachten - uns hat es wie üblich Spaß gemacht, und für das nächste Jahr sind auch schon reichlich Doppelprogramme mit absonderlichen Spezereien geplant! Jetzt eine kleine Rückblende: Am Donnerstagabend bin ich mit der Band wieder einmal im Bunker verschwunden und habe geprobt für das Presley-Ereignis. Erneut war es lausig kalt, und was gesangstechnisch beim ersten Male geklappt hatte, ging jetzt ziemlich in die Hose, da die Stimme über den Gitarrenverstärker herausgelassen wurde. Ich krisch, was das Zeug hielt, aber trotz meines zunehmend maroder werdenden Organs hörte man lediglich die professionell hervorgedroschenen Weisen von Mannesmann, Bauknecht und Pseudo-Krupp. Lediglich bei "Fever" konnte ich etwas gesanglich Relevantes beisteuern. Bei der nächsten Probe - so wurde mir zugesagt - wird aber ein Gesangsverstärker mit im Spiel sein. Abschließend droschen wir noch einige "Frosch"-Waisen - etwa Versionen von "Blitzkrieg Bop" und "Strychnine" -, bei denen ich erstmals mein Herzblatt bei der Ausübung ihrer gitarristischen Pflichten beobachten durfte. Die sah ganz nüchtern und konzentriert aus. So wird das bestimmt immer laufen. Ich liebe ja jetzt schon eine der vielen Show-Ideen: Ralf ruft "Ich will eine Frau!", Kai gröhlt "Ich will Kriiieg!", und Cora schreit "Ich will ein Pony!" Ja, dem Frosch ist hoffentlich eine gute Zukunft beschieden. Zu dem bewußten Waisen-Schreibfehler von eben möchte ich noch anmerken, was der große Schriftsteller Mark Twain sagte, als er auf einen gerade erfolgten Opernbesuch angesprochen wurde: "Etwas Ähnliches habe ich nicht mehr gehört, seit das Waisenhaus abgebrannt ist!" Wohlsein...
181202
Also, entweder habe ich mich im letzten Datum geirrt oder den Ticker schon länger vernachlässigt, als sich geziemt! Entschuldigt bitte meine Saumseligkeit, aber der dunkle Monsun braust derzeit über meine knöchernen Gebeine, und ich habe gut damit zu tun, die kleinen Steinpartikel von meiner Babyhaut fernzuhalten, auf daß sie keinen dauerhaften Schaden erleide... Den heutigen Abend habe ich jedenfalls damit zugebracht, ein paar muntere Zeilen für den Erzählertext von Wenzel Storchs neuem Film zu verfassen. Mein persönlicher Favorit darunter ist: "Dem Darm der reichen Müßiggänger werden heute wieder einige Leckereien untergejubelt." Auch sehr nett ist die Einführung der blasenschwachen Propagandaminister: "Millionen müssen nachts mal raus - hier sind zwei davon!" Wartet ab, bis Ihr die Minister seht - der eine hat in SOMMER DER LIEBE Poppwürste gefuttert; der andere spielte bei der Punkband "Mottek" aus Hildesheim - beide spielen exzellent. Ich habe heute den ersten Film seit langer Zeit gesehen, der mich zum Plärren gebracht hat, und dies nicht aus Sentimentalitätsgründen, sondern weil der Autor-Regisseur so unglaublich gut ist und ich mich geschämt habe: Es handelt sich um den zweiten Film des unaussprechbaren (vermutlich indischstämmigen) Regisseurs von dem vorzüglichen THE SIXTH SENSE, UNBREAKABLE. Das war wieder so eine Geschichte, mit der kein Drehbuchschreiber einem heutigen Hollywoodproduzenten zu kommen wagen würde: Bruce Willis spielt einen "Security Guard" in einem Footballstadion, der ein Eisenbahnunglück als einziger überlebt. Auf tritt Samuel L. Jackson, der zeit seines Lebens unter seinen weichen Knochen gelitten und so ziemlich jede Blessur erlitten hat, die man erleiden kann. Samuel ist Comic-Strip-Fan, und seine Theorie ist, daß er und Bruce zusammengehören, als Plus- und Minus-Pole ein und derselben Lebenslinie. Während er selber zum Versagen geboren ist, ist Bruce für ihn eine Art proletarischer Comic-Superman in Zivil, und wem diese Vorstellung albern und kitschig dünkt, der sollte sich den Film mal ansehen, denn M. Night Shivahimalaya (oder so) versteht sein Handwerk wie kaum ein anderer Hollywoodianer. Die Menschen werden in seiner Bildführung auf eine sehr geschickte Weise definiert durch den Raum, in dem sie sich aufhalten. Daß Bruce Willis zum zweiten Mal bei ihm den Protagonisten macht, kann ich gut nachvollziehen, denn der Regisseur erweckt seine Figuren wahrhaft zum Leben, und für Willis muß das nach der nicht sehr kommerziellen Vonnegut-Verfilmung BREAKFAST OF CHAMPIONS ein weiteres Liebhaberprojekt gewesen sein. Sein eigentlich völlig abgestumpfter Wachtposten wird in ein Leben voller Sinn gestoßen, und wartet man nur auf eine christliche Erbauungsbotschaft, so kommt sie auch, aber anders als geplant: Das Böse ist da, um das Gute zu bestätigen, und wenn das Gute siegen soll, so kann es das nur gegen die eigene Natur - ein ebenso intelligentes wie von Hollywood ungewohntes Konzept, denn Komplikationen werden in der Regel gescheut... Ich werde mir den dritten Film des Regisseurs, SIGNS, auch anschauen, trotz des doofen Kinotrailers. Erwarten tue ich jetzt freilich eine Menge, aber UNBREAKABLE hat mich wirklich umgeblasen. Ebenfalls habe ich mir noch den Film ALONG CAME A SPIDER des Neuseeländers Lee Tamahori angeschaut, aber neben dem grundsätzlich sympathischen Morgan Freeman und einem zumindest akzeptablen Schurken (Michael Wincott) hatte der Film nur schlechte Computereffekte und ein dümmliches Drehbuch anzubieten und ging bestenfalls als gerade noch akzeptabler Zeitvertreib durch... Eine ganz andere Liga. Morgen werde ich wieder nach Bochum in den Probebunker fahren und eine Kreischversion von "Heartbreak Hotel" gröhlen. Die Toiletten sind da ganz schwer zu finden, und wenn man sie gefunden hat, geht man schnell nach draußen, um getreu von Heinrich von Kleist sein Wasser in der freien Natur abzuschlagen. Da kann man die verbogenen Hakenkreuze bewundern, die immer noch an den Eisenverzierungen prangen, und man kann Adolf Hitler bewundern, wie ihm auf den Graffiti der Satan die Rosette versilbert... Danach fahre ich zu meiner Freundin. Am Samstagabend esse ich mit den Omegisten zu Abend, denn ein Weihnachtsessen ist angesagt. Wer bei der samstäglichen Sitzung nicht unser lieber Gast ist, ist selber schuld, denn das Programm ist ein echter Kracher. Selbst Cora will dabei sein. Dann fahre ich nach Bremen, um dort mit meiner Familie ein stimmungsvolles Fest zu verleben. Ich werde immer an M. Night Shivahimalaya denken und mich grämen, daß ich noch nichts ähnlich Wertvolles zustandegebracht habe. (Der ist so verflucht jung! Er spielt im Film einen vermeintlichen Drogendealer, der von Willis gefilzt wird...) Aber es freut mich, wenn Ihr des öfteren mal anwesend seid. So erreicht das dann doch jemanden, und die Mühe ist nicht umsonst. Morgen übernachte ich bei meinem Herzblatt, aber übermorgen kann ich Euch ja vielleicht schon wieder neue Absonderlichkeiten vom Elvis-Imitieren berichten. Vielleicht fällt mir morgen keine Buddel Fahrenheit auf die Spüle, sondern eine Einladung des Goethe-Institutes, das mir den Faust-Preis am Bande verleihen möchte - wäre doch mal was. "Habe nun Philosophie/ Juristerei und Medizin/ und leider auch Theologie/ durchaus studiert mit heißem Bemüh´n..." Der Keßler geht jetzt ratzen. Nächtle, meine Lieben.
141202
Ich habe gerade eine Geschichte gehört, die möglicherweise in den Bereich der "urban legends" einzugliedern ist, mich aber hinreichend in meinen moralischen Grundfesten erschüttert hat, um sie hier kundzutun: Zwei gleichgeschlechtlich Liebende, des konventionellen Sexes Müde, hatten sich eine neue Spielart ausgedacht. Dabei applizierte der eine dem anderen ein Rohr in den Analtrakt. Jetzt kam der Hamster ins Spiel: Vermutlich mit faulen Versprechungen wurde der kleine Freund in das Rohr gelockt, um dort wer weiß was zu verrichten. Leider kam der kleine Liebling eines Tages nicht mehr zum Vorschein, so daß der unbeteiligte Herr ein Feuerzeug entflammte, um in den Tiefen des Rektums nach dem Rechten zu sehen. Es kam zu einer spontanen Entflammung, das Rohr donnerte, spieh den brennenden Hamster direkt ins Gesicht des gespannt Lugenden und brach jenem das Nasenbein... Es kann sein, daß dies Seemannsgarn einer besonders magenstrapazierenden Sorte ist, aber es wurde mir von gleich zwei Quellen bestätigt und klingt interessant. Außerdem tun die Menschen für ihre Libido einfach alles, und der Komödie sind da keine Grenzen gesetzt! Wo wir gerade dabei sind: Mir fielen letztlich wieder zwei nette Horrorkomödien ein, die ich einmal auf dem Label "Marketing" gesehen hatte, als ich noch ein junger Spund war. Die eine hieß EIN SPRUNG IN DER SCHÜSSEL (HYSTERICAL) und war sehr albern; die andere hieß ICH GLAUB´, MEIN STRAPS FUNKT S.O.S. (NATIONAL LAMPOON´S CLASS REUNION) und war noch alberner. Vielleicht hat die ja einer meiner Leser... Max Goldt hat ein neues Buch herausgebracht, das sich der Tagebuchform befleißigt und mit Sicherheit nicht von brennenden Hamstern handeln wird, sondern von Alltagsbetrachtungen in erlesenem Deutsch. Da werde ich demnächst mal mehr zu vermelden... Mein eigenes Westernbüchle wird demnächst in einer englischen Sprachfassung erscheinen, damit auch das Ausland in den zweifelhaften Genuß meiner verschwommenen Prosa gelangt. Auch das geheimnisvolle P-Buch wird wohl im "Terrorverlag" erscheinen, wie es ausschaut. Auf dem TV-Sender Premiere World wird demnächst eine meiner Lieblingsserien wiederholt, nämlich MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE! Wie es scheint, geschieht das sogar in chronologischer Reihenfolge, weswegen ich das Rudiment eines Textes ins Netz stelle, den ich mal vor Jahresfrist angefangen habe... Die fehlenden Folgen werde ich in den nächsten Wochen nachreichen, versteht sich. Im übrigen sollte man bei der Weihnachtssitzung des "Geheimnisvollen Filmclubs B.O." unbedingt anwesend sein, denn es gibt einen seltenen Jodorowsky-Film zu begutachten, der schon seit Jahren nicht mehr über unsere Leinwände geflackert sein dürfte, und einen der schönsten Filme von Roger Corman, in dem es um die Liebe zu Beatniks und zur Kunst an sich geht... Horror und Kunst in höchster Vollendung - das beste Programm seit langem, meiner Ansicht nach. Also, paßt auf Eure Hamster auf und haltet Schirme, Charme und Melonen im Anschlag!
121202
Gerade lief etwas über Möllemann im Fernsehen. Da mußte ich doch an den berühmten Knastdichter Jacques Gelée denken, der mich schon immer sehr beeindruckt hat. Jacques Gelée wurde geboren in den Wirren der 68er Unruhen in Paris, als Kind einer Bistro-Besitzerin und eines Kaminkehrers. Sein Vater starb, als er noch ganz klein war (= Jacques, nicht der Vater!), und so oblag es der Mutter, den kleinen Springinsfeld angemessen auf die Welt, die da vor ihm lag, vorzubereiten - ihn zu stählen im Angesicht der dräuenden Fährnisse! Leider war sie etwas dull im Schädel und zwang ihn dazu, die ersten dreizehn Jahre seines Lebens ein Shirley-Temple-Kostüm zu tragen. Außerdem ließ sie ihn in einem Wäschekorb im Keller hausen, was angesichts der horrenden Verkleidung vielleicht auch ein "blessing in disguise" war, wie der Engländer sagt. Als die Pubertät einsetzte, begehrte Jacques gegen die Fesseln einer verfehlten Erziehung auf und riß aus. Sein Weg führte ihn in die Bretagne, wo er zunächst Leichenwäscher wurde, dann Revuetänzer. Als "Gigi Hupfdôle" feierte er wahre Triumphe. (Sofern man das vor den dortigen Weinbauern so nennen durfte!) Im privaten Rahmen bandelte er mit verschiedenen Damen und Herren an, die ihn ausnahmslos brutal verdroschen. Das gab seiner Kunst die nötige Kantigkeit, und als er kantig genug war, verließ er die Provinz und ging zurück nach Paris, wo er als Romanschreiber reüssierte. Auch seine Gedichte waren nicht ohne. Er war häufiger im Knast als draußen, da seine sehr extravagante Lebensführung ihren Tribut zollte. Dort wurde er auch meist verdroschen. Für die Leinwand schuf Gelée u.a. den herausragenden Kurzfilm UN CHANT DE VELOURS, in dem er seine Erfahrungen als Knastologe aufarbeitete. Eine der berühmtesten Szenen zeigt einen jungen Matrosen, der von von Kopf bis Fuß tätowierten Versicherungsvertretern mit einer Daunenfeder zu Tode gekitzelt wird. Die berühmte Erektionsszene verschaffte ihm eine weitere Haftstrafe, die er aber auf einer Backe absaß. Auch schuf er seinen Prachtband "Böhmen, wie es singt und lacht (unter besonderer Berücksichtigung landwirtschaftlicher Schrullenhaftigkeit)", der von Ernst Kahl illustriert und von Robert Wise zu einem aufsehenerregenden Hollywood-Spektakel verarbeitet wurde. Er starb schließlich, als er auf dem Hollywood Boulevard von einer gigantischen Maraschinokirsche erschlagen wurde, die dort als Deko-Element eines Geschäftes für Sadomasokleidung aufgehängt worden war. Ein großer Mann - ein überaus dummer Tod! Hoffen wir, daß es Möllemann nicht ebenso ergeht... Ansonsten war heute ein echter Kanonentag! Meine Mama - die, glaube ich, der einzige regelmäßige Gast ist, den ich jemals auf meiner Seite hatte - hat mich internett gescholten, daß ich den Ticker derzeit so sparsam aktualisiere. Das zeigt nicht nur, daß ich eine tolle Mama habe, die sich auch für diesen kruden Kram erwärmen kann, sondern auch einige vermutlich allgemeingültige Mißverständnisse evoziere. Wenn es nach mir ginge, würde ich den Ticker an jedem Tag, den Polyglott werden läßt, auf den neuesten Stand bringen, doch der Widrigkeiten sind so viele. Das Fahrenheit-Verhängnis, das ich vor einigen Tagen so jovial schilderte, ist in Wirklichkeit ein dicker Tritt in mein schmal bemessenes Geldsäckel und wirft Wunden, die kaum eine Versicherung tragen würde. Merke: Man kann da tricksen und fixen, was das Zeug hält, aber irgendwann steigt jeder Provinzverein ab - da hilft kein Treuegelöbnis! Ich habe heute genau zwei Sesambrötchen mit Halbfettmargarine gegessen. Dann habe ich meine immer noch andauernde Erkältung in vollen Zügen genossen und einige Stunden in dem Bett gelegen, in dem ich eigentlich den ganzen Tag über ruhen sollte, damit der Mist bald vorbei ist. Dann habe ich einen Anruf von Ingmar Bergman bekommen, der mir auch noch seine Depressionen aufoktroyierte - "Du glaubst gar nicht, was die Elche hier im kühlen Norden für einen Krach machen!" Der kann gar nicht mehr schlafen, weil die Elche röhren, wie nur Elche röhren können... Zwischendurch habe ich mich telefonisch mit meiner Freundin gestritten, habe einen Marmeladenpott an die Wand geklatscht, und den Kuddelmuddel darf ich dann vermutlich auch bezahlen... Da lobe ich mir Jacques Gelée und seine gesunde Knastkost, denn der Mann wußte wenigstens, was er absaß, und er tat dies mit Anmut und posthumem Erfolg. "Freunde, ich hab´ Freunde, ich werde niemals einsam sein." (King Rocko Schamoni) Gott sei´s, und das bald!
111202
Nachdem wir jetzt die zwei kältesten Nächte seit Aufzeichnung des deutschen Wetters hinter uns gebracht haben und meine Erkältung immer noch andauert, möchte ich jetzt doch einmal verraten, daß der Titel des Dezembertickers einem Gedicht des ehrenwerten Matthias Claudius entlehnt ist: "Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht/ wenn Teich und Seen krachen/ das klingt ihm gut, das haßt er nicht/ dann will er tot sich lachen." Meine gegenwärtige Winterlektüre sieht freilich etwas anders aus: Don Martin und sein Käpt´n Hirni rollen die Gegenwart auf. Besonders hübsch: Die Entstehungsgeschichte des Superhelden, wo gezeigt wird, wie Käpt´n Hirni zu seinem Outfit und seinem Namen kam... (Er ist ein komplett debiler Volltrottel, der seine ganzen Jugendjahre damit verbracht hat, Superheldencomics zu schmökern, etwa "Superwurm", "Supermampf", "Superfurz", "Superwürg" und "Superfröhn"...) Schön auch der Comic, wo ein blondbelockter Schönling elegant eine an Bahnschienen gefesselte Schöne vor dem herannahenden Zug rettet, mit ihr heroisch grinsend über eine Absperrung hüpft und auf der dahinter liegenden Straße von einem Eislastwagen der Firma "Feinbein" überfahren wird... (Ein paar schöne Strips findet Ihr auf dieser Page, die sich zwar auf dem von Pop-Up-Menüs durchseuchten Geocities befindet, aber jo mei, gibt Schlimmeres...) In den Yahoo-News habe ich eine nette Neuigkeit gefunden, nämlich diese! Eine weitere Meldung ist ganz und gar nicht lustig, aber immerhin ungewöhnlich... Ansonsten haben sich meine Schalker auf die Knochen blamiert, als sie sich von den absolut überlegenen Krakauern zu Würstchen verarbeiten ließen. Die Dortmunder hingegen (mit einem debil grinsenden Schröder im Publikum, der neben einem Mann saß, dem ich niemals die Hand geben würde - Silvio Berlusconi!) enttäuschten nur milde, als sie gegen den AC Mailand mit nur 0:1 verloren... Wenzel Storch wird morgen noch ein paar schöne Schnipsel für seinen neuen Film nachdrehen, damit det Dingen Anfang nächsten Jahres endlich in den Verleih gehen kann. Ein paar erzählerische Beigaben habe ich ihm auch zugeschickt - mal schau´n, ob was davon im fertigen Produkt landet! Mir wurde im übrigen gerade angeboten, eine prominente Rolle bei der Band "Der Frosch mit der Maske" zu übernehmen, als eine Art Horrorversion von Elvis Presley - ist das mein Schicksal? Als Zerrbild eines amphetaminsüchtigen Hausfrauenidols den Rock´n´Roller zu mimen? Och, eigentlich gefällt mir der Gedanke nicht schlecht. Die Schande stirbt immer als letztes, und ich werde auch zusehen, daß ich meine Gesangsbeiträge streng an Bands wie den Cramps oder Demented Are Go orientiere... Meine Version des "Sonics"-Klassikers "Strychnine", die auf den Namen "Strick Neun (Was geschah mit den ersten 8 Stricken?)" hört, ist gerade fertig geworden... Da kann man sich doch nur fragen, was aus dem nächsten Jahr so wird! Übrigens, kleiner Lichtblick: Das P-Buch (=Ferkelfilme) wird jetzt wohl doch noch erscheinen. Nähere Infos beim Verfasser. Zosch, Kadong, Zappadauz!
091202
Heute habe ich mal einen Blick in die DVDs von CASTLE OF BLOOD und ZEDER geworfen: CASTLE hatte eine maue Bildqualität und eine englische Tonspur, die klingt, als wäre sie aus einer Toilettenschüssel heraus aufgenommen worden, aber es bleibt doch die beste Fassung, die von diesem schönen Film bislang veröffentlicht wurde. Immerhin ist die rätselhafte Nacktszene mit Silvia Sorrente enthalten, die wohl auf Betreiben der französischen Koproduzenten entstand. (In Frankreich waren Nacktszenen bereits in Großfilmen der 50er Jahre gang und gäbe.) ZEDER besitzt eine Bildqualität, die diesem schönen Grusler mehr als angemessen ist, wenngleich die englische Tonspur leider nur Monoton aufzuweisen hat. Trotzdem laviert sich Gabriele Lavia nach wie vor anmutig durch bolognesische Abgründe jenseits des Grabes. So brillant wie LA CASA DALLE FINESTRE CHE RIDONO ist der Film natürlich nicht, aber für Fans sollte er dennoch mandatorisch sein. (Es reicht aber auch die deutsche TV- oder Videofassung, die ordentlich synchronisiert war...) Da ich in meinem gegenwärtigen Schleimpfuhl nicht wirklich arbeiten kann, habe ich mich auf das Betrachten von DVDs und Videofilmen verlegt, was in letzter Zeit gar zu rar geraten ist. So habe ich etwa Sam Raimis SPIDER MAN geschaut, an den ich mich lange Zeit nicht herangewagt hatte, und siehe da: Der Film ist komplett großartig! Der Film funktioniert sowohl als Comic-Verfilmung wie auch als Actionfilm, ist sehr geschickt strukturiert (Drehbuch: David Koepp) und unterhält grandios. Selbst die CGI-Effektszenen sind hier einmal wirklich atemberaubend, wenngleich man diesen Film wohl besser im Kino hätte sehen müssen... Zu Raimis humorvoller Regie gesellen sich vorzügliche Darsteller, etwa der gut ausgewählte Tobey Maguire, die rasend schöne Kirsten Dunst und der wie üblich tolle Willem Dafoe. In Nebenrollen gibt es für Italo-Fans ein Wiedersehen mit dem alten Fidani-Westernveteranen Hunt Powers (richtiger Name Jack Betts), der Dafoes fiesesten Konzernpartner spielt. Und auch Robert Kerman (der Hauptdarsteller von CANNIBAL HOLOCAUST und Pornoveteran) hat einen Kurzauftritt als Schlepperkapitän, wenn Peter Parker zwischen seiner Geliebten und einem Bus voller Kinder zu entscheiden hat... Hervorragende Unterhaltung, die ich mir definitiv auch privat zulegen werde! Danach biß mich die Kulturmotte: Die weniger bekannte Tennessee-Williams-Verfilmung BLUTSVERWANDTE (BLOOD KIN) verlangte nach Sichtung. Der Film von Sidney Lumet erwies sich als sehr bühnenlastig und baselte die gewohnten Grundthemen von Mr. Williams (Alter Süden vs. Neuer Süden bzw. Idealismus vs. Materialismus) in wenig schmuckvoller Form aneinander, die neben den darstellerischen Leistungen von James Coburn und Lynn Redgrave kaum etwas zu bieten hatte - weit entfernt von der ENDSTATION SEHNSUCHT! Viel besser da die Kurt-Vonnegut-Verfilmung HAPPY BIRTHDAY WANDA JUNE, die eines der besten Beispiele für Früh-70er-Anti-Establishment-Kino ist, das ich kenne. Rod Steiger und Susannah York sind grandios in dieser bitteren Groteske um Männlichkeit und ihre Vermeidung, aber der wahre Held ist Bill Hickey (Theaterdarsteller, vielen bekannt aus DIE EHRE DER PRIZZIS als Pate), der zwar den Kriegshelden spielt, der die Bombe auf Nagasaki geworfen hat, aber ein goofyesker Suppenkasper ist, der meist nur mit offenem Mund in der Gegend steht - ein Naturtalent von Schauspieler, im Kino viel zu selten verwendet... Um konditionellen Kalamitäten vorzubeugen, gehe ich jetzt schlafen!
081202
Es schaut so aus, als müsse die beliebte Combo Der Frosch mit der Maske bei der anstehenden Probe am Dienstag auf ihren Ersatz-Elvis verzichten, da dieser mit flächendeckendem Schleimaufkommen zu kämpfen hat! Ich klinge im Moment selber wie ein Frosch, und eine Maske hätte ich auch gerne, huhuuu... Meine Nase hat noch nicht das Stadium rohen Fleisches erlangt, welches das Kennzeichen wahrhaft gelungener Erkältungen ist, aber gestern erlitt ich einen bluthochdruckbedingten Flüssigkeitsverlust in der Nasenregion, und zwar gerade, als ich "The Great Tits of America" (S. King), sprich: McDonald´s, verließ. Ich hätte ja lieber im Lokal angefangen zu bluten, denn dann hätte ich möglicherweise Bekanntschaft mit der berüchtigten McD-Geheimpolizei geschlossen. So aber blieb der Fischmäc unversehrt, und ich verließ mit einer gewissen Würde das Etablissement, bevor mir dann der Lebenssaft über das Gesicht sprudelte. Immerhin habe ich bestimmt einige Bueraner Passanten milde geschockt. Für Erkältungen empfehle ich übrigens immer das Medikament "Gelomyrtol Forte", das anstehende Infektionen aus ihrem Dämmerschlaf herausreißt und so richtig ins Rampenlicht zerrt. Das ist für ein paar Tage etwas unerquicklich, aber dafür ist der grause Spuk auch bald vorbei. Niemandem ist an grippalen Infarkten gelegen, die sich wochenlang hinschleppen. Gelomyrtol versieht die ausgeatmete Luft überdies mit einem angenehm eukalyptischen Beigeschmack, der den verhaßten Erkältungsgeschmack weitgehend killt. Das ist besser als odorierte Taschentücher! Die Zeit, die ich brachliege, vertreibe ich mir mit dem peinsamen Erstellen gebrannter CDs - peinsam deshalb, weil meine Player ("Windows Media" und "Real One") seit einigen Wochen nur noch Acid-Remixe ausspucken und man jedes verdammte Stück ca. dreimal anklicken muß, bevor es endlich fehlerfrei den Silberling mit milden Klängen besprudelt... Das hängt irgendwie mit dem Brenner zusammen, der mir neulich eingebaut worden ist, aber mir fehlt leider der Sachverstand, um hier Abhilfe zu schaffen. Computer sind wirklich sehr eigenartige Geschöpfe - nicht schnöde Maschinen, sondern eigenständige Wesenheiten. Ich dachte einstmals ja auch, daß man mit binärkodiertem Logismus zu rechnen hätte, aber tatsächlich sind sie höchst sensibel und eigenbrötlerisch und zaubern einem so manch unerklärbaren Wahnsinn an die Pfoten. Das macht sie, finde ich, sehr sympathisch, auch wenn man seinen Rechner manchmal an die Wand klatschen möchte... Die letztlich erfolgte Ausstrahlung von EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN scheint übrigens tatsächlich uncut gewesen zu sein. Ich habe nur kurz hineingelinst, aber die Bonus-Tritte bei der Handtaschenlady am Anfang waren drin! Ein Grund mehr, am nächsten Freitag die Videogeräte heißlaufen zu lassen... Ich habe zwei schöne neue DVDs bekommen: ZEDER von Pupi Avati und CASTLE OF BLOOD (LA DANZA MACABRA) von Antonio Margheriti. Beide habe ich noch nicht gesichtet, aber Robert von oben meint, der ZEDER habe eine preisungswürdige Qualität, und dieses wunderbare Post-Mortem-Poem sollte man sich keinesfalls entgehen lassen! Zu LA DANZA MACABRA mit Barbara Steele ist nur anzumerken, daß das Innencover einige Oben-ohne-Stills von Diana Lorys zeigt, die ich bislang nur in französischen Sexmagazinen der 70er erhaschen durfte - das scheint eine sehr interessante Fassung zu sein! Mein CANNIBAL APOCALYPSE von Antonio M. ist nach zwei Monaten immer noch nicht eingetrudelt, weshalb ich annehme, daß er wohl erfurtbedingten Zollproblemen zum Opfer gefallen sein wird. (Z. Zt. wird ja selbst der absurdeste Kram konfisziert, u.a. John Carpenters HALLOWEEN oder THE EVIL DEAD 2 - schaut auf DVD-Inside nach!) Wenn einem so etwas widerfährt, dann ist das zwar keinen Asbach-Uralt wert, aber in die Hosen zu machen braucht man sich deswegen auch nicht: Der Bildträger ist zwar mit Sicherheit futsch (Beweismaterial!), aber eine Anzeige hagelt es deswegen nicht - wäre ja auch noch schöner! Ansonsten grabe ich gerade in einem Stapel alter "MAD Magazine"-Bücher, die aus dem Nachlaß meines Bruders stammen... Die tollen Übersetzungen mit Namen wie Feinbein, Klabuster und Kaputnick scheinen tatsächlich erst passiert zu sein, als Herbert Feuerstein der Redaktion beitrat. Don Martin ist einer meiner persönlichen Helden - Genie!!! Toll etwa die Story, wo ein schwer depressiver Mitmensch seine Wohnung verläßt, um vor der Tür einem Krawattenverkäufer zu begegnen. "Brighten up your day - buy a tie!" steht auf dem Bauchladen des Verkäufers. Der Depri kauft eine Krawatte, und sofort hellt sich seine Miene auf! Er ist glücklich, springt tänzelnden Schrittes die Treppe hinauf. Auf dem letzten Bild sieht man ihn dann an der Krawatte baumeln, immer noch ein glückliches Grinsen im Gesicht... Tja, schwarzer Humor, gelle? Das Musical mit der trunksüchtigen Steptanzspinne ist auch vollkommen groß... Dave Berg ist dabei, Al Jaffee, die tollen Film-Parodien von Mort Drucker und Co., "Spion & Spion" von Prohias, und natürlich der ehrenwerte Sergio Aragones, von dem Ralf noch einige deftige Horror-Comix besitzt! Tja, Comic Art, ein unterschätztes Fachgebiet, über das ich demnächst auch mal was schreiben werde... (Schöne Grüße an Markus vom Club - komm´ mal mit den Marveleien rüber!:) Och, ich knalle mir jetzt noch etwas MAD rein und klabustere mich dann nach Zappadong! Wohlsein...
061202
Ich bin gestern mal ausnahmsweise früh aufgestanden, da ich dachte, dem Herrn Morgen die Goldzähne aus dem Maul brechen zu müssen... Todesmutig durchmaß ich meinen Flur, drang ein in den Sanitärbereich der Wohnung, furunkelte nachweisbar gewissenhaft im Schatten der Morgenhygiene - da fiel die Fahrenheit-Flasche! Mit großem Getöse verabschiedete sich ein Behältnis sehr wohlduftenden After Shaves. Braungetönt stob es zu Tale, kannte nicht Freund, noch Feind, bollerte rücksichtslos hernieder... Ich hatte es nicht geplant, aber doch geschah´s: Eine braune Parfümflasche traf mein Spülbecken und zertrümmerte es! Ich habe so etwas niemals zuvor in meinem Leben gesehen, doch hier zerbarst ehrliches Porzellan unter der Wucht traulicher Düfte... Es mag etwas frivol klingen, doch vor meinem schlafschweren Mattauge zerplatzte mein Weihnachtsgeld in tausend Scherben - das sind mindestens 1000 verf***te Märker, die dieser kleine Fehlgriff kostete! Ich finde das sowas von atze, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Mein kürzlich erfolgter Autocrash war gar nichts gegen diesen komplett unvermeidbaren Fauxpas, denn eine private Haftpflichtversicherung zählt nicht zu meinen Besitztümern. Darf ich mal vulgär werden? Verdammte F***scheiße - wenn ich meinen Winterstreudienst nicht absolviert hätte und sich ein Erdenbürger vor meiner Wohnung den Steiß gebrochen hätte, würde ich jetzt eine Rente bis an dessen Lebensende bezahlen! Also - private Haftpflichtversicherungen rechnen sich. Für mich bedeutet das gar nichts - mir ist nur mein gesamter Jahresrest versaut. Ach, ich habe mehrere davon. Egal - da ist soviel Geld - ich bin das Kind von Paul Getty! Da sind Fantastillionen... Wie ich jedesmal sage, wenn ich irgendwo gegengestoßen bin: "Das war nur mein Armgelenk - ich habe zwei davon!" Habe ich schon einmal davon erzählt, daß ich bei besonders törichten Mißgeschicken "Schloßgeist!" ausrufe? Das liegt an einem alten "Werner"-Comic von Brösel, wo ein betrunkener Indianerhäuptling nach Hause zurückkehrt, und alle artikulieren sich da nur in Pseudo-Deutsch. Wenn er zur Wigwam-Tür hereinwankt und von der Gemahlin/Squaw einen über den Schädel gesemmelt bekommt, meint er nur punchdrunk: "Schloßgeist!" Das ist auch alles, was mir zu solchen Sachen einfällt... Ansonsten bin ich ab gestern so richtig hübsch platt - Erkältung an allen Fronten. Meine Birne ist tödlich malade, das Husten dringt durch alle Wände, der Rotz bricht sich Bahn durch´s Mittelmeer. Im Moment höre ich nur die gleichförmigen Takte von Philip Glass zu Clive Barkers hervorragendem CANDYMAN. Da lernt man nur, daß, wer fünfmal den Namen des Butzemannes vermeldet, demselben überantwortet ist. "Candyman, Candyman, Candyman, Candyman, Candyman..." Hört mich denn niemand? Tja, dann muß ich wohl den Garten der Gegenwart auch weiterhin bepflügen. Ich kümmere mich jetzt erst einmal um den Schleim, der von meinen Nüstern trofft - muß es so etwas wie Erkältung wirklich geben? P.S.: Der grimmige Mex von ganz oben ist Livio Lorenzon aus Roberto Mauris COLORADO CHARLIE - Superbild. Der Pinguin darunter ist der bereits angesprochene Flutschi - den habe ich von einem britischen Schokoriegel entlehnt. Mein Gott, was der mit dem Quietscheentchen vorhat? Wohlsein.
041202
Klaus Löwitsch hat ausgebrüllt... Ich habe für den Schauspieler ja immer eine Schwäche gehabt, da er sich so gar nicht kompromißbereit in seinem Auftreten gezeigt hatte, was ihn sehr von 1000 gefallsüchtigen Kollegen unterschied. Da möchte man sich gleich noch einmal ASPHALT-KANNIBALEN vom gleichsam vor kurzem verschiedenen Antonio Margheriti ankucken, wo Löwitsch den psychopathischen Vietnam-Veteranen Bukowski synchronisierte... Oder wie wär´s mit Corrado Pani in dem unerreichten Italowestern WILLKOMMEN IN DER HÖLLE? Neulich in der Videothek machte ich ja einen recht guten Fang: Bei dem Horrorfilm DEADHOUSE handelte es sich überraschenderweise um den 1982er MAUSOLEUM, den ich schon seit Jahren mal wiedersehen wollte! Um einen im landläufigen Sinne guten Film handelt es sich dabei natürlich nicht, aber die nymphomane Bobbie Bresee mit den grünen Leuchteaugen hatte ich noch gut in Erinnerung. Ihr Partner ist Marjoe Gortner, der einstmals Prediger war, seinen Rock aber an den Nagel hing, um an Meisterwerken wie Luigi Cozzis STARCRASH oder Ernst von Theumers JUNGLE WARRIORS teilzuhaben - was für ein Tausch! Gelegentlich ist der Film für einen Exploitationfilm etwas zäh, aber er fährt in der Tat genügend käsige Höhepunkte auf, um sein Zielpublikum bei der Stange zu halten. Und zwei oder drei sehr splattrige Momente machen ihn auch für Gorehounds durchaus akzeptabel. Ich muß diese Woche noch sehr fleißig sein, deshalb nicht böse sein, wenn der Ticker manchmal nur jeden zwoten oder dritten Tag was Neues aufzuweisen hat... Im Moment höre ich gerade Die Ärzte und erfreue mich daran, daß sie noch immer nichts von ihrem Charme verloren haben! (Farins Soloalbum macht auch Spaß, oh ja.) Gleichzeitig wundere ich mich nach wie vor darüber, daß sich die beiden LPs immer noch auf dem Index befinden, denn man muß schon viel Kreide gefressen haben, um Lieder wie "Claudia" oder "Das Schlaflied" für jugendgefährdend zu halten... Was Die Ärzte nunmehr seit Jahrzehnten betreiben, ist die Verherrlichung von Charme und Liebenswürdigkeit - das es gerade sie erwischen mußte, ist eine Affenschande... ("Sie kratzt, sie klebt, sie stinkt" - Meisterklasse!) Für all jene, die meinen "Newsticker" nicht regelmäßig lesen, hier noch ein Hinweis darauf, daß Tele 5 am Freitag Ruggero Deodatos EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN ausstrahlt, der auf Video leicht geschnitten war und so etwas wie die ironische Holzhammervariante des italienischen Polizeifilmes darstellt... (Lieblingszitat: "Lenker im Bauch is´ nich´ gut!") Und die Woche darauf läuft GEWALT RAST DURCH DIE STADT mit Maurizio Merli... Tele 5 lebe hoch! Und wer am Donnerstag noch nix vor hat, kann wieder im "London Tokyo Paris" in Bochum vorbeischauen, wo Ralf & die Seinen diesmal die famosen Gosejohann-Brüder abfeiern, deren toller CAPTAIN COSMOTIC gerade eine vorzügliche DVD-Veröffentlichung erlebt hat. Simon und Thilo sind extrem nett, kennenswert und anwesend; nicht nur deshalb lohnt sich der Besuch! Ach ja, und hier noch eine bizarre Meldung...
021202
Daß man dem Monat Dezember einen besonders exquisiten Rahmen gewährleisten muß, steht ja nun außer Diskussion. Abgesehen von dem verbrecherischen Tamtam, das bereits jetzt im Vorweihnachtstaumel die Hauptstraßen und auch die Seitengassen unserer Verkaufsstraßen absolut ungangbar macht, bereitet man sich schon jetzt auf den Schluß des Monats vor, an dem man bekanntlich nicht nur (unter Zuhilfenahmen von Böllern und ähnlich greuslichem Knallwerk) die bösen Geister vertreibt, sondern auch Fazit zieht, was denn nun im vergangenen Jahr am ganz persönlichen Horizont vorübergezogen ist. Bei mir war das die Erkenntnis, daß ich dringend neuer Schuhe bedarf, denn meine alten sehen so aus, als habe man sie von den leichenstarren Füßen eines toten Wegelagerers abgeklaubt. Auch knarzen die Pantinen - das darf man keinesfalls dulden. Wenn man sich an die alten "Lurchi"-Comics von Salamander erinnert, dann wird einem sehr rasch klar, daß nicht der Mensch den Weg bestimmt, den er beschreitet, sondern seine Schuhe. Seine Füße mit angemessenem Schuhwerk zu bedecken, ist honett & zeugt von edler Wesensart, denn die Füße sind es schließlich, die uns durchs Leben tragen. Anders als die Lebensabschnittspartner bleiben sie uns garantiert stets treu, und ihre Kraft allein stemmt die Last des Fleisches, die den frommen Geist lockend umgarnt! Daß sie einen dann auch an viele schnöde Orte tragen (wie z.B. den Weihnachtsmarkt, wo pappichte Waffeln feilgeboten werden), ist eine Fehlleistung des menschlichen Geistes und mitnichten der freundlichen Treter, denen man Irrwege niemals anlasten sollte. Sie haben das edelste Leder verdient, das schmiegsam und wohllöblich den Fortlauf der Geschichte sichert... Die Sohlen meiner Collegeschuhe weisen bereits Löcher auf, durch die der Regen und die Engerlinge dringen. Dem werde ich demnächst Abhilfe schaffen, trotz meines lamentabel mauen Geldsäckels. Was würden etwa die Kicker der gestern siegreichen Fußballvereine Werder Bremen und Schalke 04 sagen, wenn ihnen während der erwarteten Glanzleistung die Maulwürfe auf die Hühneraugen linsen würden? Die würden niemals Tore schießen, und Not und Arbeitslosigkeit wären die Folge... Ich habe heute einen glänzenden Morgen genossen! Entgegen meiner Gewohnheit stand ich früh auf, jumpte in meine Pantoffeln und harrenden Heldentaten entgegen. Mit Elan stampfte ich vor meinen Badezimmerspiegel, sah das Grauen, das sich dort verbarg, und griff nach dem Kamm, es zu schlichten. Dabei berührte ich meine Fahrenheit-Flasche (After Shave), die polternd auf die Spüle fiel und sie zertrümmerte. Dieser Tagesbeginn vernichtete mein Weihnachtsgeld: Ein etwa 20 cm langer Riß ziert nun die Porzellanschüssel. Das freche Biest ist zersprungen wie ein Ei! Da ich keine private Haftpflichtversicherung besitze, bedeutet dieser kurze und schlaftrunkene Ausrutscher etwa 1000 Mark Schaden - lustig, wa? Naja, ich bin eh knietief im Dispo und kann das nicht bezahlen, aber es sind Morgende wie dieser, die eine Beziehung zwischen Weihnachten und Füßen entstehen lassen... In den nächsten Tagen werde ich ein nettes Bild einflechten. Jetzt bin ich erst einmal mordswirsch und gehe ins Bett. Nächtle.