GELSENKIRCHEN IM ZEICHEN DES WOLFES!
Um 16.30 h ertönte das Telefon, Ingojira am Apparat. "Wir fahren jetzt los, Naschy abholen!" Ich, in meiner Gurkenmaske, entsetzt: "Ich brauche noch Zeit!" - "Na, dann mach´ mal hinne!" Rekordverdächtige Katzenwäsche, dann ab Richtung Flughafen. Gespannte Erwartung unter den Strategen des Filmclubs. In der Ankunftshalle ereignete sich auch sofort Bizarres: Ein offensichtlich labiler Mensch begann, in der Zollkabine frenetisch zu kreischen, zu heulen und Dialekt zu schreien! Heinz K. grinste: "Na, vielleicht verwandelt er sich gerade in einen Wolf?" Es war aber gar nicht der Naschy. Der kam müde, unrasiert und freundlich lächelnd aus dem Eingangstor und brachte seine überaus charmante Frau Elvira und Sohn Bruno mit, mit dem ich sofort auf Englisch über deutsche Heavy-Metal-Combos quackelte. (Da isser nämlich Fan von!) Der Wagenpulk rauschte dann im Sauseschritt zum Hotel, wo die Koffer geräuschvoll in die Ecke geknallt wurden. Dann ging es zu einem griechischen Restaurant der höheren Preisklasse, wo Portionen serviert wurden, für die es im Diesseits keinen Namen gibt: Allein die Vorspeise war ein komplettes Hauptgericht! Ich machte mir gleich einen Namen als "borracho" und kegelte drei Gläser Rotwein in meinen Schlund... Paul - dessen Deutschkenntnisse erfreulich gut sind - erwies sich als angenehm zurückhaltender Zeitgenosse, der aber sehr bald auftaute, als er merkte, hier unter echten Fans gelandet zu sein! Er plauderte sehr angeregt über Filme (besonders schön die Anekdoten zu DRACULA JAGT FRANKENSTEIN!), die Schwierigkeiten mit Produzenten und die wenig anheimelnde Situation der spanischen Filmwirtschaft, die sich anscheinend wirklich in der Hand von kompletten Idioten und Beutelschneidern befindet... Während die springlebendige Elvira munter Liebreiz versprühte, schien Paul sich allmählich richtig wohl zu fühlen. So richtig staunte er aber erst, als Heinz Klett die Super-8-Spulen von z.B. DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (Titel von Teil 2: "Der Nervenhammer"!) hervorholte. Wir mußten versprechen, das Bildmaterial auch den ausländischen Kollegen von der Naschy-Front zur Verfügung zu stellen, aber vieles wird ohnehin demnächst auf der Buio-Omega-Seite einzusehen sein... Für unbedingt kommentarintensiv halte ich auch den Umstand, daß Heinz andauernd mit einer Videokamera herumhantierte, um das Event gebührend festzuhalten, der alte Nervbold! ;) Da wird demnächst auch eine Dokumentation zu gewärtigen sein, eine Art "Mondo"-Bestandsaufnahme des Events... Jedenfalls hatte ich das Gefühl, daß das etwas ganz Kostbares werden würde, denn Naschy betont schon in seiner Autobiographie, wie miserabel er gerade von den Kollegen in der Filmwirtschaft behandelt worden ist, und daß es gerade der Kontakt zu seinen Fans gewesen sei, der ihn trotz gesundheitlicher Engpässe der fiesen Art in den letzten Jahren immer wieder angetrieben habe. Und er wußte zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht, was alles vorbereitet war und wie viele Leute tatsächlich erscheinen sollten...Am nächsten Morgen prügelte ich mich mit einer besonders feisten Salami aus den Federn, um auch ja nichts von den anstehenden Ereignissen zu versäumen. Mit verschwollenen Augen erschien ich im "Schauburg"-Kino, denn hier sollte die Stadtverwaltung von Gelsenkirchen Einzug halten! Es erschien der Kulturdezernent Dr. Beck, und warum er dort erschien, ist fast eine Max-Goldt-Geschichte: Der Bürgermeister weilte nämlich im Urlaub, und so wurde der polnische Werwolf aus Spanien offiziell begrüßt von einem der stellvertretenden Stadträte. Da das Rathaus gerade umgebaut wurde, fand der Empfang an der Stätte der kommenden Filmfreuden statt, was uns allen ganz lieb war, da wir aus diesem Grunde weniger zu laufen hatten. Paul sollte sich ursprünglich ins "Goldene Buch" der Stadt eintragen, aber das ebensolche war gerade verlegt (!), und so improvisierten alle nach Leibeskräften! Dr. Beck erwies sich aber nicht nur als ehemaliger Jugendschützer (der sich vor den anwesenden Reportern ausdrücklich gegen Blutmanschfilme wie etwa MAN-EATER aussprach!), sondern auch als durchaus sympathischer Zeitgenosse, weswegen wir bei unseren Höflichkeitsbekundungen auch keine Probleme hatten. Paul Naschy stand derweil unter einem Plakat seines Filmes DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN, gab Interviews und fühlte sich sichtlich pudelwohl! Wir dachten: Ach, wie fein, wenn alles gut läuft! Wenn das mal auch weiterhin der Fall ist...
Sobald Dezernent und Journaille das Terrain verlassen hatten, nahm der Irrsinn seinen Fortgang: Wir schnappten uns die Familie Naschy und verfrachteten sie zum überaus häßlichen Hauptbahnhof Gelsenkirchens. Wir hatten unseren Gästen noch nicht verraten, was sie erwartete, aber sie errieten es schon bald - eine Bimmelbahnfahrt nach Köln! Und schon bald hing der Kölner Dom am Himmel und pries den Namen des Herrn. Ich muß gestehen, daß ich der eigentlich ja obligatorischen Pflichtübung des Domkiekens bislang noch nicht nachgekommen war, und vor der gotischen Fassade des Gotteshauses verharrte ich wortlos mit offenem Mund - das ist recht eindrucksvoll anzuschauen, was harter Hände Schweiß da im 13. Jahrhundert zutagefördert hat! Uns hartherzig an bangenden Bettlern vorbeikämpfend, gerieten wir schon bald in den munteren Strom der Besucher, der die Schiffe des Doms über Wasser hält. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, an den Bänken vorbeizuschweben. Auf einer der hintersten Bänke war eine augenscheinlich verzweifelte Frau dabei, ihren Leib nach links und nach rechts zu werfen, im vergeblichen Versuch, die irdischen Fesseln abzustreifen. Ihr Drängen war peinsam anzusehen und verbietet eine humorige Betrachtung. In der Sakristei lauerten die Gräber der Bischöfe, und die marmornen Replika der Gefallenen machten einen kurzfristig stumm. Mir ist mein Jesulein ja schon vor vielen Jahren entfleucht (eine von Max Goldt geklaute Formulierung), aber das Langen des Menschen nach Sinn ist wohl eine Sache, die auch den Gottungefälligsten nicht kalt läßt. Sailor RIP machte meinem weltlichen Torkelgang ein Ende und entzündete eine Opferkerze für die dahingegangenen Exploitationlegenden, z.B. unsere Tante Doris.
Nachdem wir wieder ins Freie gelangt waren, besuchten wir ein nahegelegenes Café, das aufgrund der üppigen Domfrequenz astronomische Preise für allerdings leckeren Kuchen einforderte. Hier legten wir kurz die Beine zur Ruhe, und dann wurde schon wieder in die Altstadt gepilgert. Soll heißen, Frau Naschy und Sohn Naschy taten dies, während ich und Stimmungsmacher Ingojira mit dem Naschbär verharrten, war doch das morgige Interview vorzubereiten. Auf das Interview kamen wir gar nicht, denn Paul erzählte bereitwillig von seinen Filmen und den Leuten, denen er begegnet ist, und das war überaus fesselnd. Paul ist nämlich alles andere als ein eitler Protzproppen; eher ist er zurückhaltend und blüht erst auf, wenn das echte Interesse seiner Zuhörer spürbar wird. Hier durfte er sich jenes Interesses sicher sein, und als Sailor und der Rest wieder eintrudelten, waren wir gerade mal bei NACHT DER VAMPIRE...
Die Pott-Boys hatten ja für den Abend ein Restaurant ausgekuckt. Und was für ein Restaurant sie ausgekuckt hatten! Es handelte sich um eine Kölsch-Brauerei, in dessen Großraumeßzimmer wir Platz nahmen. Um uns schwirrten diverse dickbäuchige Männer herum, denen angeblich von ihren Arbeitgebern vertraglich untersagt wurde, höflich zu ihren Gästen zu sein. No shit - das ist wohl irgendwie proletarische Authentizität oder so! Ich bestellte eine sogenannte "Bierkutscherpfanne" und fuhr relativ gut damit. Paul und sein Sohn Bruno bestellten einen Frankfurter und sahen sich bald Würsten ausgesetzt, die ungelogen zu den größten zählen, die ich jemals gesehen habe - und ich habe ein Buch über Pornofilme geschrieben! Da unser heißgeliebter Heinz Klett die ganze Tour über mit einer Videokamera in unser aller Visagen lugte, darf man gespannt sein auf den Anblick eines Paul N., der entsetzt auf eine riesige Wurst glotzt, die auf einem etwa halb so großen Teller vor ihm liegt - das wird ein "Mondo"-Film reinsten Wassers! Abträglich erschien mir der Umstand, daß es die schmerbäuchigen Kellner ("Köbes" genannt) am Dienst am Kunden vermissen ließen - trotz herzergreifender Aufmerksamkeitsheischereien brachte ich es gerade mal auf zwei Glas Kölsch, und das, bei Gott, ist zu wenig für den Schatten der Frankfurter Wurst! Ungelogen begab ich mich zwischenzeitlich nach draußen, von Übelkeit gewürgt, da mir der Fleischkram, die dicken Männer und die speckichten Lachfratzen etwas zu penetrant wurden. Und doch, es schien Paul und seinen Lieben zu gefallen, denn es wohnte dem Ganzen ja ein gewisser Kuriositätengehalt inne, der sich mit dem merkwürdigen Deutschlandbild des Filmes DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (der am nächsten Tag laufen sollte) durchaus vertrug... "Der Köbes ist rauh!" heißt wohl die dazugehörige Redensart - das ist wahr!
Auf der Rückfahrt mußten wir ab Duisburg eine U-Bahn nehmen, die wir nur mit Müh und Not erreichten. Totmüde lehnte ich mein grauhaariges Haupt an das Fenster, aber der nimmermüde Heinz Klett war schon dabei, eine etwa 40-jährige Passantin zu belästigen, die als einziger Nichtbeteiligter im Abteil weilte. "Kennen Sie den nicht? Das ist Paul Naschy!" wisperte er ihr ins Ohr. Er nahm sich meine Ausgabe von Pauls Autobiographie und zeigte ihr die ganzen Bilder: "Sehen Sie, hier werden ihm die Augen rausgekloppt, und hier wird er angenagelt..." Paul war das ein klein wenig unangenehm. Ich hingegen benäßte mich fast und muß zugeben, daß ich niemals den Mut aufgebracht hätte. Die Passantin hatte glücklicherweise Humor, und da Heinz ja auch der Charme in Person ist, geriet die U-Bahnfahrt zu einer höchst netten Begebenheit, die ein vorzügliches Real-Life-Hörspiel abgegeben hätte...
In der Nacht schlief ich unglaubliche 5 Stunden, und das nach drei Nächten, in denen ich insgesamt 8 Stunden geschlafen hatte... Ich weiß immer noch nicht, wie ich den Samstag überlebt habe, ohne einen Kreislaufkollaps zu erleiden. Jedenfalls erwachte ich frisch und trottete zur Schauburg. Dort waren schon die ersten Gäste eingetrudelt und füllten ihre Mitgliedsformulare aus. Zum eigentlichen Event muß ich kaum mehr etwas sagen, da der liebe Carsten das auf seiner Website so vorbildlich gemacht hat. Am Schluß lag ich auf jeden Fall entseelt auf der Bühne, die im Saal des Schauburg für das nachfolgende Tanzereignis aufgebaut worden war. Ich war nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Das Interview war gut gelaufen, die Zuschauer waren zufrieden, und was mich anging, so war ich damit zufrieden. Paul war während des Bühnengespräches sehr sachlich und professionell geblieben, taute aber schon bald auf und plauderte sehr bereitwillig aus seinem Erfahrungsschatz, so daß ich praktisch null hinzufügen mußte. Ich habe ein sehr akkurates Gespür für Menschen, und als ich ihm am Schluß ein paar Fragen eher emotionaler Natur mitgab (wie ihn etwa seine Kollegen in wichtigen Phasen seines Lebens im Stich gelassen hatten), merkte ich, wie er erst verdutzt, dann durchaus emphatisch reagierte. Als ich die Ehre hatte, ihm am Schluß unseren Preis, den "Joe", für sein Lebenswerk zu überreichen, merkte ich, daß ihm das sichtlich naheging, und auch die "Standing Ovations" unserer lieben Gäste verfehlten ihr Ziel nicht - das hat ihn gefreut, den Paul! Als Sahnehaube gab es auch noch das Original von dem Bild, das mein lieber Freund Torsten völlig unverlangt anläßlich des Events gemalt hat. Ich könnte mich sehr täuschen, aber damit hat der Paul bestimmt nicht gerechnet! Nach dem zweiten Film setzte es dann die formelle Verabschiedung des Publikums, während dessen Paul u.a. formulierte, daß er gerne wiederkommen würde. Ihm wurde daraufhin noch ein original Werwolfkuchen überreicht, den ihm meine liebe Cora und die nicht minder lieben Sven und Sandra gebrutzelt hatten... Der blutete aus dem Bauch, der Kuchen, denn da war verflüssigter Kirschmansch eingewoben! ;)
Zwei Stunden Pause, in denen Schalke verlor und Bremen ein 4:4 hinbröselte. Dann ging es weiter Richtung Schloß Berge (Charly Neumann!), wo ein lauschiges Gelage seinen Lauf nahm. Ich hoffe, daß ich mich nicht allzusehr danebenbenommen habe. Der Grundton war ein grundguter, und drollige Anekdoten wurden ausgetauscht, wie etwa jene von damals, als Sailor RIP der Doris-Wishman-Begleiterin Allison imponieren wollte, indem er von den Arbeiterproblemen des Ruhrgebietes referierte und der beklagenswerten Arbeitslosenquote. Auf einmal fragte er Allison arglos: "Do you like SNATCH?", womit er den hervorragenden Film meinte. Leider heißt "Snatch" in der englischen Umgangssprache auch Fotze, und so führte das zu einigem unheiligen Geknicker und zu Sailors hochroter Birne... Der höchst unsolide Playboy des Clubs, Herr Steinbeck, brachte dann das Gespräch irgendwann auf die im Restaurantmenü angepriesenen Pfirsichspalten, und das brachte auch Sailors liebenswerte Herzensdame zum Knickern, und zwar so, daß alsbald die Tränen quollen... Der Kuchen wurde auch angeschnitten, und rot quoll´s aus der Kruste. Die Naschys und der Rest der Bande mampften nach Herzenslust.
Am Sonntagmorgen hieß mich ein grimmer Wecker emporschnellen: Auf zum Schloß Berge! In den dortigen Parkanlagen flanierten wir nach Herzenslust, und ich muß zugeben, daß sie den Bremer Rhododendronpark an Pracht überstrahlen, wenn auch mein Herz in Bremen ruht... Das Gelsenkirchener Wappen war auf jeden Fall in Blumenform fest in die Scholle eingepunzt, und was man zwischen den Stechpalmen an Bläßhühnern (Blähhühnern?) herumtollen sah, war überaus liebenswert - diese Tiere sehen alle so aus, als hätten sie eine SCREAM-Maske auf der Stirn! Ans Herz gewachsen sind mir aber in erster Linie die Enten, und auch von jenen lustigen Gesellen tummelten sich dort eine Menge. Schließlich setzte man sich ins Restaurant und schlürfte edlen Bohnensud.
Danach ging es in ein Hertener Edelcafé, das pikanterweise nahe der Psychiatrie gelegen war. Hier hatten wir damals auch Doris Wishman empfangen, zum allseitigen Wohlgefallen. Auch Familie Naschy war zufrieden mit der Gastlichkeit, auch wenn die am Brückengeländer angebrachten Handschellen zu einigen ungesunden Spekulationen Anlaß boten - wie man hier wohl mit Zechprellern verfährt?
Der Abend führte dann in den Landschaftspark Duisburg, wo man in kompetenter Zechenumgebung ein erstaunlich vielseitiges Menü genießen durfte - mit Abstand das qualitativ beste des Events! Ich aß Flugentenfilets mit Schattenmorellenjus ( Jus Primae Noctis?) und Schlumpfnudeln (oder so). Daß Morellen (also verhungerte Kirschen) zu Entenfleisch munden, hätte ich mir nicht träumen lassen, aber hier ward´s getan! Ich gab mir zum Abschluß besondere Mühe, den Club würdig zu vertreten - ich gab alles. Paul war überaus erzählfreudig und gab zahlreiche Schnurren zum Besten, die davon zeugten, daß er sich wohl mittlerweile richtig zuhause fühlte. Und das tat er zu recht, denn bei uns war er zuhause - wir beteten ihn förmlich an, und zwar nicht nur als Filmperson, sondern auch als Filmfan, der Filmgeschichte geschrieben hatte. Wir lauschten seinen Geschichten, wir nahmen Anteil an seinem Geschick und wurden für einen kleinen Moment Familie. Und das war kein Schmäh, sondern tief empfunden. Ich habe mittlerweile einige satte Nackenschläge von den Nornen und den Parzen abbekommen, die unser aller Schicksal flechten, aber meine Lust an der unerwartbaren Vielfältigkeit des Lebens ist mir immer noch nicht abhanden gekommen. Viele von uns Filmfans eint, daß wir der ständig experimentierfreudigen und staunenden Kinder in uns gewahr sind, und hier wurde das Staunen endlich einmal wieder zur schönen Wahrheit! Schön, daß Paul Naschy bei uns war, denn er war wirklich bei uns, und der bavaesk beleuchtete Landschaftspark mit seinen riefengestählten Loderfackeln gab dem Schlußabend des Erlebnisses eine angemessen mystische Note. Wir rissen viele frivole Witze, lachten zusammen mit unseren Gästen, aber ich glaube, daß es doch bis weit unter die Oberfläche gedrungen ist, was da stattgefunden hat. Paul Naschy war ein sehr ehrlicher Gast, ohne große Verstellung und Gefallsucht, und er ward zu einem der unseren, und Gott segne ihn dafür! Das war ein richtig saftiger Zusammenstoß zwischen Fans und ihrer Legende. Paul Naschy war eine meiner ersten Begegnungen mit dem Horrorfilm, und nachdem ich ihn getroffen habe, freut mich das umso mehr! Das ist nicht immer so, wenn der Mythos mit dem Hier & Jetzt aufeinandertrifft, aber hier schmolz es zusammen und vertrug sich, und das finde ich schön! Solche Begebnisse bestärken mich darin, daß es lohnend ist, ein Filmfreund zu sein, denn Filme sind immer die Begegnung mit den Idealen und die Angst vor der Zerstörung derselben. Was hier für mich geschah, war ein erneuter Beleg dafür, daß Ideale etwas ganz Festes und Alltägliches sind und daß wir alle sie ständig in uns tragen. Ob wir nun kirschige Flugenten vertilgen oder - wie Paul - Rumpsteaks, die viel zu "durch" sind - alle basteln wir uns täglich durchs Leben, und unser Lieben und Leiden findet immer seinen Ausdruck in dem, was wir erzeugen - ob das nun hohe Kunst ist oder triviales Mottengeschwirr. Die Motten, die da um das Licht kreisen, sind mir heilig. Ich bin selber so eine Motte, und auch der Paul war so eine Motte, und das, was wir da umkreisen, ist mitnichten das, was uns die Projektoren vorgaukeln, sondern auch die Wahrheit hinter den Bildern. Das ist Blut und Schweiß und Schönheit. Das sind manchmal auch Schattenmorellen und die Angst davor, ob die vermeintlichen Freunde einem nach drei Bypass-Operationen noch beiwohnen. Das ist die Verbindung von dem, was in uns wuselt mit dem, was auf der Leinwand flimmert. Das ist unsere andauernde Sucht nach Liebe und Schönheit. Und hier habe ich sie wieder einmal gefunden. Ein großes Hoch auf Paul, Elvira und Bruno - es war schön, sie bei uns gehabt zu haben!
Doch, auhauerha - der Vollmond! Ich muß jetzt wieder meinen Pelz anlegen und zum Himmel jaulen. Und vielleicht zerreiße ich ein Schaf oder zwei. Aber irgendwo darf ich auch wieder eine ruhige Silberkugel schieben, und wenn es in der Gesellschaft von so lieben Menschen ist wie den Naschys, will ich gerne mein Wolfsdasein nachvollziehen. Ich werde in meinem Wald herumtollen und um die Bäume tanzen. Und wenn mich jemand einen Stock apportieren heißt, werde ich ihn in die Flosse beißen. Das ist Ehrensache. Ein Werwolf sein oder ein Waswolf sein - mit so runden und liebenswerten Menschen zusammenzutreffen wie den Naschys, erleichtert die Orientierung beträchtlich. Bleibt mir vom Leibe mit den lustigen Weibern von Windsor - der Naschy war da, und sein Lied behagte mir gar sehr!
HHHHOOOOOOOOOOWWWWWWWWWLLLLLLLLLLLLLLLLL....................
Hier erzählt der Filmclub von Naschy (bald auch mit Fotos vom Naschy-Tag)!
Hier erzählt Carsten vom Naschy-Tag!
Hier erzählt der Taikonaut vom Naschy-Tag!