Abschied von einem Werwolf



Nicht einmal eine Stunde, nachdem mich die Nachricht vom Tode Tony Kendalls erreicht hatte, kam der nächste Keulenschlag: Der 1934 in Madrid geborene Paul Naschy (bürgerlich: Jacinto Molina Alvarez) ist in der Nacht zum 1. Dezember verstorben. Paul beehrte unseren Filmclub vor etwa 7 Jahren. Wir waren damals noch nicht sehr professionell, was Stargäste anging, und Paul war sicherlich für uns das, was man eine "große Nummer" nennt. Nicht nur wegen seiner generellen Popularität bei Liebhabern des Horrorkinos, sondern vor allem wegen der persönlichen Erinnerungen, die wir mit seinem Namen verknüpften. Als tragischer Werwolf Waldemar Daninsky war der frühere Gewichtheber Paul Naschy viele Male über die Leinwand gehoppelt, in Filmen wie DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA, NACHT DER VAMPIRE, DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE und DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES. Auch in anderen Genrefilmen, die vielen Fans ans Herz gewachsen sind, war er zu sehen: DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN, BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL, TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER und wie sie alle hießen. Was ihm Schauspieler wie Laurence Olivier oder Robert de Niro an mimischer Brillanz voraus haben mochten, machte er mehr als wett durch seinen ganz besonderen "Fanboy"-Charme: Als lebenslanger Bewunderer von klassischen Horrorfilmen stampfte er die meisten dieser Produktionen selber aus dem Boden, schrieb die Drehbücher und versuchte, den Heroen seiner Kindheit ein Denkmal zu setzen. Gerade im Deutschland der frühen 70er kam er damit groß an. Die Filme waren ungemein populär, und einige von ihnen entstanden auch in Zusammenarbeit mit deutschen Produktionsfirmen. In den letzten Jahren sollte Paul noch einige mehr oder weniger dankbare Gastrollen in spanischen und amerikanischen Filmen einnehmen, meistens unter der Regie von jungen Filmemachern, die Fan seines Schaffens waren. Von diesen Spätwerken ist der stark autobiographisch beatmete ROJO SANGRE der vermutlich beste.

Wie schon gesagt, wir waren damals noch sehr unprofessionell, und umso dankbarer waren wir, als sich Paul im wirklichen Leben als gemütlicher Knuddelbär entpuppte, als liebenswürdiger, gescheiter und angenehmer Zeitgenosse, mit dem wir viele schöne Episoden erleben durften. Die Tage, die wir damals mit ihm verbrachten, gehören zu den glanzvollsten, an die ich mich erinnern kann. Für diese schöne Zeit und für seine Filme bin ich dem "Hombre Lobo" sehr dankbar!

Wer mehr über sein Leben erfahren möchte, kann dies tun in meinem Ankündigungstext für die Veranstaltung oder in meinem Frontbericht. Auch auf der Homepage von Buio Omega gibt es unter der Rubrik "Hall Of Shame" ("Buio-Stars") einen ausführlichen Text und viele Fotos zu Naschy und zum Event.

Paul

Paul Naschy (1934 - 2009)

R.I.P.



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