DIE TAUSEND AUGEN DES DR. BUSEN

Juan Bosch Palaús zweiter Giallo des Jahres 1974, QUEL FICCANASO DELL´ISPETTORE LAWRENCE/LOS MIL OJOS DEL ASESINO (in England als THE KILLER WITH A THOUSAND EYES gelaufen - Mann, muß der gut sehen!), orientiert sich mehr am Genre des Polizeifilms und gibt uns einen gut gelaunten Anthony Steffen (=Antonio de Teffé), der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Antonio dürfte hier einigen Spaß gehabt haben, da die Dreharbeiten in Lissabon stattfanden, was seiner brasilianischen Abkunft durchaus entgegenkam...

In Lisboa also wird ein Interpolagent namens McAndrews bei einem Drogendeal abgerockt. Der mit ihm befreundete Inspektor Lawrence (Steffen) unterbricht seine Arbeit (=das Schikanieren einiger drogensüchtiger Hippies), um dem Kollegen das letzte Geleit zu geben. Gleich bei seiner Ankunft fällt er bereits der schönen Portugiesin Britt Nichols in die Arme, die ansonsten fast ausschließlich in Filmen von Jess Franco zu sehen war. (Na toll - wenn ich nach Portugal fahre, werde ich als erstes von Fußballfans zerkloppt...)

Lawrence denkt gar nicht daran, abzureisen, bevor der Mord an seinem Freund nicht gelöst ist. Ein französischer Interpolizist will ihm etwas Wichtiges verraten, macht aber ein gewaltiges Gewese darum und wird deswegen auch erschossen, bevor er mit Lawrence Tacheles reden kann. Auch die Frau des Franzacken taucht auf und wird erschossen. Und da heißt es immer, "daheim sterben die Leut´"?

Als nächstes lernt Lawrence Professor Costa (Eduardo Fajardo) kennen, einen nicht näher definierten Lebemann dämmriger Abkunft, der in einer Villa voller Tiere haust und von der Natur philosophiert. In seinem unmittelbaren Umfeld kommt Julian Ugarte unter die Räder, und es ist seine Freundin Maria Kosti (BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN), die Lawrence fast über den Haufen schießt.

Lawrence findet das man gar nicht gut und sucht sie in ihrer Boutique auf, wo er sofort von einer Muskelnudel angegriffen wird. Im normalen Leben wäre Steffen von dem Bodybuilder im Dorfbrunnen versenkt worden, aber hier tritt und boxt er um sich wie einst im Mai! Mit sanfter Gewalt bugsiert er Maria zu einem nahegelegenen Marktplatz, wo sie auch prompt von unbekannter (und selbstverständlich schwarz behandschuhter) Hand plattgemacht wird.

Eine kleine Überraschung folgt, als der ortsansässige Donnerbüttel Lawrence verhaftet. Er hat es allmählich satt, daß die Straßen Lissabons sich statt mit Olivenöl mit Leichen füllen. Lawrence redet aber mit Engelszungen und schafft es, daß der portugiesische Kollege ihn inoffiziell laufen läßt...

Nach einer weiteren Leiche wird Lawrence dann in einem Lastwagen entführt, und der bringt ihn nicht in "Rudi´s Reste Rampe", sondern in ein Drogenlager, wo Fajardo schon auf ihn wartet. Allerdings wird jener, bevor er aus der Schule plaudern kann, ins ewige Klassenziel versetzt. Und ein anderer Mann tritt auf den Plan - eine geharnischte und ganz und gar nicht angenehme Überraschung für Lawrence...

Das Drehbuch originell zu nennen, wäre wirklich etwas übertrieben. Wohl aber beschert es dem Film ein angenehmes Tempo, das ihn allen Anfechtungen zum Trotz in das Pantheon hoher Kuckbarkeit befördert! Im Vorspann lauert bereits ein Credit für einen Karateberater (Rainer Bonhoff oder so ähnlich...), der gespannt macht auf die Keilereien. Und ja, obwohl die Hauptdarsteller garantiert niemals die Luft eines Karatestudios geschnüffelt haben, wird gekeilt, daß die Sparren knarren! Anthony Steffen gibt den Feinden seiner Schauspielkunst die blanken Mocken zu schmecken, und das will mehr als einem nicht behagen... Dem Zuschauer behagt´s, und auch wenn China ganz weit weg ist, stellt sich Freude ein. Ich habe übrigens mal selber an einem Karatekurs teilgenommen, wo wir in bundeswehrähnlicher Verbundenheit über den Turnhallenboden robben durften. Vor den Stunden wurden immer Chuck-Norris-Filme gekuckt. (Wenigstens ordentliche, wie MCQUADE DER WOLF, hihi!) Nach zwei oder drei Sitzungen bekam ich Gelbsucht (echt wahr!) und fiel für mehrere Monate aus...

Zu den anderen Interpolizanten zählt auch der gutaussehende Antonio Pica, der hier eine relativ gute Rolle bekam (normalerweise mehr auf Stuntparts festgelegt) und dafür Regisseur Bosch in seinem "European Trash Cinema"-Interview auch Tribut zollte. Neben dem unglücklichen Ugarte (wer stirbt schon gerne unter Palmen?) ist auch Westernspezi Raf Baldassarre dabei, von dem ich auch gerne wüßte, was seit Mitte der 80er aus ihm geworden ist.

Fajardo - neben Fernando Sancho einer der großen spanischen Westernmänner - hat hier einen milde exzentrischen Part und weilt schönerweise noch immer unter den Lebenden. Mittlerweile über 80, der Mann!

Alles aus ist diesmal bei der Filmmusik von Marcello Giombini, der hier Dinge mit frühen Synthesizern anstellt, die ich auf meinem Yamaha mühelos übertroffen hätte - klingt wie "Space Invaders"-Easy Listening. Wer diesen Score auf CD rausbringt, kriegt einen dicken Schmatzer von mir und Prügel von den Käufern!

Regieassistent José Ulloa inszenierte immerhin den ordentlichen Kammerspiel-Endzeitfilm EL REFUGIO DEL MIEDO mit Craig Hill, der bei uns, wenn ich mich recht entsinne, GEFANGENE DER TIEFE hieß.

Insgesamt ein dickes Ding mit nicht viel drin, aber ein dickes Ding nichtsdestotrotz, und Spaß haben kann man bei dem Gezeigten allemal! Gönnen wir dem Steffen seinen Portugalurlaub und rocken wir uns mit Marcello in ein Prä-Kraftwerk-Morgengrauen... Ach so: Das "Ficcanaso" des italienischen Titels ist übrigens keine Ferkelei, sondern heißt so etwas Ähnliches wie "Spürnase". Habe gerade mein italienisches Wörterbuch nicht dabei, aber wann hat der Keßler schon mal was dabei?

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