DIE SPUR DES FALKPLANS

Italienische Gangster im Strudel der Zeit

Einleitung

Allmählich werden ja in ganz Deutschland die Unken ruchbar, welche rufen: Dem Keßler gehen die Themen aus. Und tatsächlich: Es gibt nur soundsoviele Filmgenres, die man ehrenhaft beackern darf. Glücklicherweise waren einige der Unken so freundlich, mir als Anhaltspunkt für die Suche immerhin einen Filmtitel zu nennen - MILANO CALIBRO 9, everyone's favorite. Da man aber nun schlecht einen ganzen Artikel über einen einzelnen Film aus dem Dung stampfen kann, werden in diesem Aufsatz verschiedene andere Filme mit einbezogen, in denen böse Menschen mit kühlen Kanonen ihr ganz besonderes Gesetz verkünden. Es ist dies das Gesetz der Gewalt und des Terrors, was irgendwie ganz tröstlich ist, denn das Gesetz der Gänseblümchen und Strickliesel ist längst nicht so aufregend. So also nun eine Exkursion in die aufregende Welt des pastabezogenen Gangsterfilmes.

AM EINSAMSTEN ALLEIN

Zwar sind Gangsterfilme in den USA bereits seit den krisengeschüttelten 30ern der große Renner gewesen; in Europa mußte man aber bis zum Beginn der fünfziger Jahre auf die Filme warten, die den ambivalenten Reiz des Desperadotums zum Gegenstand ihrer aktionsreichen Stories werden ließen. In jenem Jahr trug es sich nämlich zu, daß einige behördlicherseits nicht unbedenkliche Galgenstricke unter sachkundiger Leitung von Jean Gabin einen der wohl folgenreichsten Einbrüche der Filmgeschichte tätigten. Im Stile von Jacques Beckers RIFIFI wurden in den 50ern/60ern zahlreiche Versicherungsanstalten düpiert. Der Grundtenor dieser Werke veränderte sich nur unbedeutend; lediglich eine wachsende Neigung zu Pomp und Flitter wurde im Nachfeld der Bond-Filme spürbar.
Mino Guerrinis GANGSTERS '70 (GANGSTER STERBEN EINSAM/ DER AIRPORT-COUP, 1968) gehört zu den atmosphärisch dichtesten Beispielen dieser Gattung und ist eher der schwärzeren Behandlung des Gangsteralltages verhaftet, wie sie der schicksalshafte ASPHALT JUNGLE einst vorgab. Verbrechen lohnt sich eigentlich nicht, aber manchmal ist man sich eben nicht ganz so sicher...
Wie so häufig in Filmen, geht es auch in GANGSTERS '70 um einen Mythos. Dieser Mythos ist der des aufrechten Verbrechers, fast ein Widerspruch in sich, der aus den Jahrzehnten seiner Laufbahn eine Erfahrung bezogen hat, die ihn zu so etwas wie einer Vaterfigur werden lassen. Dieses Charaktermuster kennt man auch aus zahlreichen Western. Hier wird der Mythos verkörpert von Fabio Destil, einem Mastermind-Ganoven, der gerade viele Jahre hinter schwedischen Gardinen verbracht hat. Er ist ein Kompendium der zweifelhaften Gangstertugenden solcher Filme, ein Destillat aus allen abgebrühten Antihelden, die man in dieser Sorte Film jemals gesehen zu haben meint. Gespielt wird der alternde Outlaw von Joseph Cotten, dessen Gesicht eine Ikone des klassischen Hollywood-Kinos darstellt. Der Kurs ist abgesteckt.
Gleich vor den Toren des Gefängnisses erwartet Destil der ehemalige Spießgeselle "Professor" Sempresi. Nachdem das Austauschen von freundschaftlichen Worten abgeklungen ist, wird sehr schnell deutlich, daß Destil einen Plan ausgetüftelt hat, für dessen Ausführung ihm allerdings das Geld fehlt. Auch mit dem Fundament seines guten Namens in Gangsterkreisen kann nicht gearbeitet werden, da Destil vollkommen im Dunkeln bleiben möchte: Er hat keine Lust, wieder in den Knast zu wandern, schon verständlich.
Als sie den Gangsterboß Affattato (sprechende Namen sind doch immer was Feines) besuchen, lehnt dieser zwar ab, entwickelt aber in seinem Busen einen finsteren Plan: Als Sempresi versucht, beim Poker das Geld aufzutreiben, läßt ihn der Schurke zusammenschlagen und zwingt ihn dann dazu, als Singvogel zu arbeiten. Sempresi, völlig verzweifelt, willigt ein.
Der erste Teil des Filmes gilt hauptsächlich der Rekrutierung unbekannter aber fähiger Gesichter für die Durchführung, bei der Destil und Kollegen u.a. auf einen drogensüchtigen Ex-Olympioniken (Scharfschütze) zurückgreifen und auf eine abgehalfterte Schauspielerin, die gerade versucht hat, Selbstmord zu begehen.
Mit minutiöser Präzision wird dann der Plan in die Tat umgesetzt. Fast alles klappt wie am Schnürchen. Dennoch passiert Unvorhergesehenes, einer der Gangster verliert sein Leben. Und als sich die Bande in Sicherheit wähnt, kommt es durch das plötzliche Auftauchen des skrupellosen Affattato zu einem Blutbad. Die wenigen Überlebenden sind danach ganz auf sich allein gestellt und kämpfen um die nackte Haut.
Eines der Grundthemen, mit denen Regisseur Guerrini seinen Film versieht, ist die Einsamkeit ausnahmslos aller Charaktere: Egal, wie hart und verbittert die Gangster im Einzelfall auch auftreten mögen, sie werden alle spürbar getrieben von der Furcht, daß es jenseits ihrer von Gier gezeichneten Handlungen nichts anderes mehr gibt, daß ihre Existenzen letztlich sinnlos sind. Es sind gescheiterte Existenzen, selbst die angenehmeren unter ihnen, und sie leiden erbärmlich. Immer wieder werden Momente betont, in denen Personen allein in einem Raum sind und nichts mit sich anzufangen wissen. Das Ticken von Uhren, überhaupt das Überbetonen von Geräuschen, erzeugt fast paranoide Hellhörigkeit; kleine Details, wie etwa eine Fliege, machen diese stummen Momente zu bedrückenden Szenen.
Im Mittelteil des Filmes entwickelt sich eine Art von Freundschaft zwischen dem Schützen und der Schauspielerin. Sie beide wissen ganz genau, daß sie ihre Ideale in Mord und Prostitution ertränkt haben: "Ehrgeiz ist der Wurm, der uns auffrißt." Ihr Leben scheint vorgezeichnet und unabänderlich.
Nicht gar so viele Filme sind es, die von Mino (eigentlich Giacomo) Guerrini in der BRD gezeigt worden sind. Seine Werke aus den 60er Jahren verraten häufig große Begeisterung für die französischen Filme der "nouvelle vague". Obwohl es sich meistens um Genrefilme handelt (Agentenfilme, Thriller, Sexfilme), sind sie doch meist formal wie inhaltlich bewußt irritierend angelegt, verweigern sich den jeweiligen Konventionen. Sein brutaler Spionagefilm OMICIDIO PER APPUNTAMENTO etwa benutzt den selben Hauptdarsteller wie Sollimas zynische 3S3-Abenteuer (in der BRD wurde der Film auch als 3S3-Film vermarktet: AGENT 3S3 SETZT ALLES AUF EINE KARTE), schafft es aber irgendwie, ein noch düstereres Weltbild zu erschaffen als Sollimas Filme. Am Drehbuch wirkte damals der spätere Regisseur Fernando di Leo mit, wie auch am Buch zu GANGSTERS '70.
Man mag Guerrinis Filmen vorhalten, sie wären manieriert: Ständig kurbelt die Kamera, bizarre Bilder werden von scheinbar unpassenden Klängen auf dem Soundtrack fast vorsätzlich kompromittiert. Aber gerade in GANGSTERS '70 wird deutlich, wie wenig von diesen technischen Kunststückchen in Wahrheit selbstzweckhaft ist. Guerrini weiß ganz genau, wie er die deprimierende und schließlich tragische Grundstimmung des Filmes erzeugt: Kameraschwenks verraten den Charakter des Darstellers (an einer Stelle schwenkt die Kamera über Kunstköpfe und Puppen auf die gescheiterte Schauspielerin) oder bezeichnen ihr Innenleben. (Mehrfach betrachten sich die Protagonisten selber, in Spiegeln, Wasserlachen oder Brillengl„sern; ganz und gar nicht narzißtisch, sondern unsicher und angstvoll suchend.)
Selbst der mythische Gangster Destil wird als zutiefst einsamer Mensch beschrieben. Eine Szene, in der er seine ehemalige Geliebte Anna auf einem Tennisplatz besucht, dient nur dazu, diese Seite seines Charakters zu etablieren. Die Menschen ertrinken förmlich in der Endsechziger-Künstlichkeit der Umwelt, den grotesken Art-Deco-Kulissen, der grellen Leblosigkeit. Menschen werden durch die Gegenstände definiert, mit denen sie sich umgeben, der fiese Affattato zum Beispiel durch sein andauerndes Herumhantieren mit Inhalatoren und Brausetabletten.
Der Soundtrack des Filmes stammt von Egisto Macchi und enthält u.a. imitierte Sägegeräusche, Funkwellengefiepe und Geh„mmer von Eisenstangen.
Der Film ist auf Video bei zwei Labeln herausgekommen, beide fast um ein Viertel des Filmes gekürzt. Die "Greenwood"-Fassungen sind immerhin um 4 Minuten länger als die sonst erhältlichen. Die Kürzungen sind meist handlungsstraffend (bzw. -entstellend), auch wenn einige herbe Brutalitäten (besonders am Schluß) der Schere zum Opfer fielen: eine Affenschande.
GANGSTERS '70 ist ein Film, der demonstriert, wie man mit einem guten Drehbuch und einem guten Regisseur auch alte Kinomythen auf wahrhaft aufregende Art neu beleben kann. Nur wenigen ist dieses Kunststück gelungen; Mino Guerrinis Film geht über eine Pastiche weit hinaus, definiert die alten Muster mit neuen Methoden. Was dabei herauskommt, ist der vielleicht existentialistischste Gangsterfilm, den man sich vorstellen kann. Melville hätte seine helle Freude daran gehabt.

DAS STERBEN VOR DEM TODE

Bevor der italienische Polizeifilm ein eigenes Gesicht erwarb (und sich die beherzten "poliziotti violenti" ihre eigenen Gesetze zulegten), war da Dunkelheit. Diese Dunkelheit wurde vornehmlich bestimmt vom etwas unsicheren Herumlaborieren mit den Versatzstücken angelsächsischer Vorbilder. War es dem Italo-Western schon bald gelungen, sich eine originäre Privatphilosophie zuzulegen, die die Motive des "amerikanischsten" aller Genres auf meist eigenwillige Weise kommentierte, fuhr die Filmsparte der vielen Falschspieler und Frauenmörder für lange Zeit sehr eingleisig.
Nur dann und wann löste sich der Kriminalfilm von seiner Schiene, um eigene Wege einzuschlagen. Ein schönes Beispiel hierfür ist der düstere, in Jugoslawien gedrehte COMANDAMENTI PER UN GANGSTER (HÖLLE VOR DEM TOD, 1968).
Regisseur Alfio Caltabiano war in den Sechzigern vornehmlich als Kleindarsteller und Waffenmeister tätig, bevor er sich im Jahre 1967 dazu entschloß, den Regiestuhl zu besetzen. Das Resultat war ein deutsch koproduzierter Western, BALLATA PER UN PISTOLERO, in dem er die Rolle des Bösewichts innehatte. Auch in COMANDAMENTI, seinem zweiten Film, spielt er unter dem Pseudonym Al Northon eine der Hauptrollen: einen knallharten Gangster in schwarzer Leder-Motorradkluft!
COMANDAMENTI beginnt gleich mit einem Massaker: In Kanada räumen Gangster untereinander auf. Es geht um einen Geldtransport für die "Organisation", der niemals sein Ziel erreicht hat. Wie es scheint, hat einer der Gangster - ein gewisser Frank Cline - das in ihn gesetzte Vertrauen schändlich mißbraucht und das Boot irgendwo versenkt. Mehrere Parteien versuchen nun heftigst, die Barke ausfindig zu machen...
Ein besonderes Interesse an der Person Clines hat der abgebrühte Killer Norton, dessen Schwester, die mit Cline verheiratet war, eine der ersten war, die für das teure Spiel mit ihrem Leben bezahlen müssen. Norton will die Blutwurst. Auf seinem Weg zu dem Verschwundenen findet er einen unerwarteten Partner in dem Spielhöllenexperten "Fünf Cents", der mehr an dem Geld interessiert ist als an allem anderen. Sein Bruder ist taubstumm und heißt "Maschinenpistole"; letzteres nicht zu Unrecht. Bis zum aufregenden Finale ist der Weg der Pistoleros aber mit Leichen gepflastert.
Sieht man sich einmal an, wer für das Drehbuch mitverantwortlich ist, wird einem so manches klar: Dario Argento, noch vor dem fulminanten Beginn seiner Regisseurkarriere, drückt diesem Film seinen unverkennbaren Stempel auf. Viele Elemente sind klar argentoesk - etwa die Idee, einen alten Mann als Vertrauensmann ("Singvogel") Nortons einzubauen, der ein Häuschen bewohnt, das bis zum Dachfirst mit Vögeln vollgestopft ist. Auch würde ich - angesichts anderer Regiearbeiten Caltabianos - die Vermutung wagen, daß der optische Stil des Filmes sehr auf dem fruchtbaren Mist Argentos gewachsen zu sein scheint. Viele Einstellungen, die bestimmten Gegenständen eine Signalwirkung zukommen lassen, erinnern ebenfalls an die späteren Arbeiten Argentos.
Auch gibt es viele visuelle Einfälle, die stark an das Western-Genre gemahnen, dem sich Caltabiano als "maestro d'armi" besonders verpflichtet zeigt. Häufig wird Spannung dadurch erzeugt, daß man lange Zeit von Charakteren kaum etwas anderes zu sehen bekommt als ihre Arme oder Beine. Im besten Leone-Stil benehmen sich die Gangster des Filmes nach einem allseits anerkannten rituellen Muster; Realismus ist nicht das Ziel des Filmes. Selbst die langen Schießereien sind eher dem Ballett verpflichtet als dem rauhen Spätwestern Hollywoods, der sich in den Folgejahren entwickeln sollte.
Die Geschichte, die Caltabiano und Argento erzählen, ist aber harter Tobak. Ein düstererer Gangsterfilm läßt sich schwerlich vorstellen: Werte wie Moral oder Tugend sind vollkommen bedeutungslos im luftleeren Raum des Gangstertums, werden ersetzt durch ein verinnerlichtes Netz von Ritualen, das für die Protagonisten in der gottlosen Welt, in der sie sich bewegen, so was wie eine Sinngebung zu sein scheint. So gibt es für Norton einfach keine andere Möglichkeit, als den Mörder seiner Schwester ausfindig zu machen; eine Alternative zu diesen "Gangstergeboten" (Titel) wäre einfach nicht vorstellbar, die Welt würde umkippen. Ehre, Demütigung und Tod sind die beherrschenden Faktoren in der kalten Gangsterwelt des Filmes.
Die Rolle der Polizei in COMANDAMENTI ist bestenfalls die des Stichwortgebers, auch wenn der Schluß etwas anderes anzudeuten scheint. Auch die Gesetzeshüter respektieren das eigene System der Unterwelt. So kann ganz zu Anfang der untersuchende Inspektor ungerührt den Killer Norton um seine Mithilfe bitten. Die Grenzen verschwimmen zuweilen: Die Religion der einen ist nur die umgekehrte Religion der anderen, ein zynischer Gegenentwurf.
Die düstere Grundstimmung des Filmes wird auch unterstützt von der auf Grau- und Blautöne beschränkten Farbgebung. Eine eigenartige Wirkung haben auch die offensichtlich in der Nähe von Belgrad gelegenen Schauplätze, die sich gegen die gewohnten Landschaften Italiens oder Spaniens so fremdartig ausnehmen wie die Mondoberfläche. Übrigens gibt es bis zum heutigen Tag bemerkenswert viele Koproduktionen zwischen Italien und Jugoslawien. Gerade für Kriegsfilme hat sich das zerklüftete Erscheinungbild des Nachbarlandes empfohlen: Von den nicht sehr gelungenen WW2-Filmen, die Umberto Lenzi in den Achtzigern teilweise aus jugoslawischen Restbeständen zusammengezimmert hat, bis zu Giuliano Montaldos eindrucksvollem GOTT MIT UNS reicht die Pallette. Vielleicht gibt es zwischen den beiden Ländern kein Auslieferungsabkommen...
COMANDAMENTI ist kein Meisterwerk, keine Frage. Doch die Konsequenz, mit der die düstere Geschichte verfolgt wird, läßt den Zuschauer nicht kalt. Der Film beeindruckt durch seine Fremdartigkeit. Dieser Eindruck wird nur geschmälert durch die wie so häufig unpassende Synchro, die auf Kraft noch einige Schenkelklopfer dazugegeben hat. John Hustons berühmter Vergleich mit dem Zuckerguß auf dem Braten bietet sich an. Gelegentlich schafft sie es hier jedenfalls, den Film auf Bud-Spencer-Prügelniveau runterzuwirtschaften.
Sehr hübsch ist die Musik von Ennio Morricone, die bereits auf CD erschienen ist und die Gesetze (bzw. Gebote) der Gangster einzeln musikalisch auflistet.
Als der Inspektor Norton fragt, wo man seine Schwester begraben soll, lautet die Antwort: "Jedes Grab wird gut sein, wo sie vor den Gangstern sicher ist und vor der Polizei!"

DER FALL ÜBER DIE BANK

Eines der schönsten Sprichworte unseres Heimatlandes lautet "Trau, schau, wem". Zwar habe ich niemals so ganz begriffen, was es bedeutet, aber der phonetische Wohlklang ist wohl schwer zu übertreffen. Daß Lügen und Diebestaten oftmals lange Beine haben, ist in Gangsterkreisen keine wirkliche Neuigkeit. Natürlich darf die ruchlose Tat nicht zum heißersehnten Ziele führen, da würde der Papst im Grabe rotieren. Aber bis die Gaunerhände vom Feuer ihrer Ambitionen verbrannt werden, vergeht in entsprechenden Filmen nicht selten eine lange Zeit der Spannung. So auch in des ehemaligen Theaterregisseur Siro Marcellinis knallbuntem LA LEGGE DEI GANGSTERS (QUINTERO, DAS KILLER-AS/DER KILLER, 1969), in dem es wieder einmal um das Gesetz der Gangster geht, das - ich wiederhole mich gerne - nicht von Stricklieseln geprägt ist, sondern von satten Tritten in die empfindlicheren Regionen des menschlichen Körpers.
Geile Beatmusik mit gespenstisch verfremdetem Stöhnen markiert den Anfang von LA LEGGE. Wem das Stöhnen gilt, kann nur vermutet werden: Vielleicht hat es damit zu tun, daß die Vinyl-Single seit langer Zeit nur noch in den feuchten Träumen von Soundtrack-Sammlern existiert. Eher aber gehört sein langendes Bangen den Aktivitäten einer Gruppe dreister Verbrecher, die bereits vor Beginn des Filmes eine Genueser Bank ausgeräumt hat. Beim zweiten "Hold-Up" gibt es leider Komplikationen: Polizisten stürmen herbei, ein pflichteifriger Amtmann beißt ins harte Brot des Heldentodes. Kein Wunder also, daß den am Raubzug beteiligten Desperados die Muffe geht. Einen davon, Bruno, verleitet die Hitze des Moments sogar zu Rückblenden, die ungefähr die erste Hälfte des Filmes bestreiten.
In ihnen wird deutlich, wie ein junger sizilianischer Spund, den Kopf voller urbaner Flausen, in die denkbar schlechteste Gesellschaft kommen kann. Zuerst tanzt Bruno in einer äußerst langhaarigen Beat-Schwemme, wo diverse Subjekte Anstoß daran nehmen, daß er nah an einer "Ische" tanzt. Aus Dank wird er brutal zusammengeschlagen.
Wie gut, daß man in Genua schnell die richtigen Leute trifft! Da sich Bruno beim Autoknack bewährt, wird er schnell unter die Fittiche von Rino genommen, der Großes mit ihm im Sinne hat. Erstmal aber bekommt Bruno Gelegenheit, im bereits kennengelernten Tanztempel die Fäuste kreisen zu lassen: Er spuckt und fistet direkt in die Kamera. Seine vormaligen Feinde landen ganz tief im Gully.
Nachdem dann auch noch zwei dekadente Milchbubis angeworben worden sind, macht Rino klar, worum es geht: Eine Bank soll erleichtert werden. Der Plan ist genial und vertrackt. Für die Finanzierung steht ein Obergauner namens Quintero parat. Aber, oh weh! Besagter Quintero wird von niemand anderem als Klaus Kinski gespielt, und so darf sich auch niemand wundern, daß der Mann im Hintergrund mit gezinkten Karten spielt. Kinski nimmt allen Beteiligten die heiß verdiente Sore ab. In der zweiten Hälfte des Films versucht er dann, die gesamte Gang auszuschalten, was ihm im Groben und Ganzen auch gelingt; er macht keine Gefangenen. Der Polizei ist es im Grunde ganz recht, daß sich das Natterngezücht gegenseitig dezimiert. Aber der tote Amtmann fordert Vergeltung, und so kommt es im Hafengebiet schließlich zum tödlichen Showdown zwischen Rino und der Justiz...
Regisseur Marcellini hat vorher wie nachher keinen ähnlich gelungenen Film hinbekommen: LA LEGGE dampft förmlich vor beatgeschwängerter Hochspannung. Sehr hilfreich ist da natürlich Piero Umilianis Musik, bei der jeder Glockenrock zu bimmeln beginnt. Die Stöhner sind schon exzellent, aber wenn die Sängerin sich dann noch anschickt, "Ti-Ti-Ei" zu singen, dann wird klar, daß die Gangster keine Chance haben. Und Kinski als Todesengel läßt die Puppen tanzen: Super die Szene, in der er eine Frau besteigt; nie war das Liebesspiel so kompliziert wie hier. Auch ansonsten verfügt der Film über eine flotte Besetzung: Maurice Polì hat hier vielleicht seine beste Rolle als Rino; der oftmalige Pasolini-Darsteller Franco Citti stellt seine derben Gesichtszüge Landei Bruno zur Verfügung; Toughie Giovanni Pazzafini macht den Fahrer, wie üblich der Koloß von Rhodos mit Schnurrbart; und Hélène Chanel, immer eine Schau, spielt eine dekadente Gräfin mit einer Frisur Marke "Paradoxe Vogelkunde". Die Beatszenen sind schräg fotografiert und laden zum Mittanzen ein. Hier wird die Jugend gezeigt, wie sie wirklich ist - am Abgrund! "Wenn du schön aufgegeilt bist, kommt alles andere von alleine" und "Nach ein paar Zügen sieht die Welt ganz anders aus" sind zwei typische Äußerungen von Menschen, denen die Orientierung abhanden gekommen ist. Und wenn man sie tanzen sieht, dann hat man auch eine Ahnung, wieso. Seit meiner letzten Rave habe ich nicht mehr so geschmunzelt. Super die Szene, in der die Chanel von drogenverhangenen Beat-Zombies umtanzt und dabei bemalt wird: Exzesse in der Ständerklinik, das ist es genau, wovor die Süßmuth-Rita uns immer gewarnt hat...
Die Kameraarbeit von Routinier Silvio Fraschetti ist cool und leistet sich viel Handgehaltenes. Sogar einen subjektiven Shot aus den toten Augen des Dr. Kinski gibt es. Bleibt noch anzumerken, daß Kinski einen Hintermann hat. Den sieht man nur einmal ganz kurz, als scheinbar zufällige Spiegelung im Wagenfenster von Rino und seiner Freundin. Der arglos Gespiegelte trägt eine dunkle Sonnenbrille und einen Panamahut. Keine Frage, hier hat man es mit dem eigentlich Schuldigen zu tun, dem Drahtzieher, dem Fadenzieher... Aber mir fehlen die Beweise.
LA LEGGE DEI GANGSTERS - der Traum vom großen Glück in einer gnadenlosen Welt, in der der Haß regiert. Macht es richtig und seht Euch den Film an!

DER TANZ AUF DER BOLKAN

"This is a Ma-a-an's World..." Mit dieser schönen Weise eines ehemaligen Mithäftlings beginnt Romolo Guerrieris 1969 entstandener UN DETECTIVE, der bereits im Originaltitel andeutet, daß die Vorbilder dieses Filmes auf angelsächsischem Territorium zu suchen sind. Geschichten, wie sie das Leben und Raymond Chandler schrieben, bildeten das ideologische Rückgrat des vielleicht besten Gangsterfilmes überhaupt, der in Italien gemacht wurde: Hell Comes to Pastatown! Der deutsche Titel des Werkes lädt nicht gerade zu solchen Erwartungen ein. DIE KLETTE klingt etwa so spektakulär wie, sagen wir mal, DIE ZECKE oder DIE NERVENSÄGE oder LASS' MICH IN RUHE, DU BLÖDER ZUSCHAUER, NEBENAN LÄUFT DER NEUE BOND, GEH' LIEBER DA REIN! Die Kassette, die ich von diesem Film erwerben durfte, war jedenfalls von einem dicken Staubwulst bedeckt und weinte bitterlich und hilflos den Jammer der Entrechteten. Falls in Euren Videotheken dieser Film ausliegt: Kümmert Euch um die Kassette! Sie ist sensibel, verfügt über mehr innere Werte als mancher Geldschrank und ist darüber hinaus ein vorzüglicher Gesellschafter.
Marino Masé hat es nicht leicht. In Cozzis ASTARON fiel er schließlich dem Heißhunger des Titelmonsters zum Opfer. Auch UN DETECTIVE konfrontiert ihn mit dem pappigen Ende der Salzstange: Er bekommt sofort eine Kugel verpaßt!
Belli hingegen ist zum Überleben bestimmt, er ist "streetwise": Eine lange Zeit im Polizeidienst hat ihn abgehärtet und ihm Lehrstunden verschafft, die ihm nun in seiner Tätigkeit als Privatschnüffler sehr zugute kommen. Mit reichen Leuten hat er keine Probleme, vorausgesetzt, sie zahlen. Der einflußreiche Anwalt Valenti spart nicht mit dem Kleingeld, ist es doch sein leiblicher Sohn Mino, der ihm Sorgen bereitet. Scheinbar hat der Halbstarke sich mit einem englischen Fotomodell namens Sandy zusammengetan. Belli soll sie nun unter Aufbietung aller legalen und halblegalen Methoden von dem Sohnemann abbringen. Gesägt, tun getan - er macht Sandy seine Aufwartung, und die junge Frau macht ihm gegenüber kein Hehl daraus, daß ihr der Bengel relativ egal ist, ihr geht es um die Kohle. Belli ist kein Mann der Umschweife und droht ihr mit Ausweisung. Ihre Reaktion ist ebenso eindeutig wie verlockend: Textilien gleiten raschelnd zu Boden. Doch Belli hat Eier aus Beton: "Ein hübscher Busen ist zuwenig. Ich habe da meine Grundsätze."
Nicht viel später wird Belli klar, in was für einer Schlangengrube er sich ausgebreitet hat. Denn Mino und Sandy hatten Kontakt zu einem windigen Plattenproduzenten, der von Marino Masé gespielt wurde. Nunmehr erloschen, wirft der Leichnam finstere Fragen auf: Wem konnte daran gelegen sein, den kleinen Gauner zum Verschwinden zu bringen? Seine Nachforschungen führen Belli in Abgründe, in denen ihn auch seine Erfahrungen und seine ethische Wendigkeit nicht vor Schlimmerem bewahren können...
Tja, dieser Film ist die reinste Abrißbirne! Vom ersten Moment an zieht er den Zuschauer in seinen Bann, saugt ihn ein mit der Unerbittlichkeit eines "Schwarzen Loches". Franco Nero gibt in diesem Film alles, er ist steinhart und versteht keinen Spaß. Merli erscheint dagegen direkt als Karikatur. Wenn Belli die ganzen Halbweltler untersucht, dann fliegen die gesellschaftskritischen Fetzen - Rom brennt! Gleich zu Anfang knallt er der hübschen Sandy eine, nur aus Prinzip. Aber das war nur zum Aufwärmen. Als klar wird, daß der reiche Bengel in eine Mordsache verwickelt ist, schlägt ihn Belli satt zusammen. "Hör' auf zu heulen! Du stirbst nicht", lautet sein Kommentar. Er weiß ganz genau, daß den Buben noch ganz andere Dinge erwarten, wenn er nicht die Klappe aufmacht; lange Jahre etwa, in denen er mit anderen Gefangenen das Spiel "Heb'-die-Seife-auf" spielen kann. Beim rüpeligen Fotografen Claudio, der kurz vorher eines seiner Models verdroschen hat, macht er noch viel weniger Umstände: Wie ein Wirbelwind braust er durch das Atelier und belichtet den Künstler über. Mein persönlicher Favorit ist eine Szene gegen Ende des Filmes, als Belli eh schon alles wurscht ist: Er betritt das Beat-Schlafzimmer der drogensüchtigen Schickse Emanuelle, in dem sich verschiedene Beat-Schlaffis tranig herumlümmeln. Man weiß einfach, daß die kleinste Bemerkung der Auslöser für einen Hurrikan sein wird. Und tatsächlich - einer der Schlaffis steht auf und fragt, auf Belli zeigend: "Ist er ein Sänger?" Belli schaut nur genervt und scheuert ihm eine, daß die Plateausohlen klappern. Alle Leute, die im Raum überflüssig sind, verschwinden jetzt ohne große Diskussion.
Man kann also nicht sagen, daß der Belli-Charakter übermäßig verkitscht würde. Tatsächlich spielt er auch schon mal mit dem Gedanken an Erpressung. "Sie haben Geld ganz gern, was?" fragt Sandy an einer Stelle. Aber im Mikrokosmos dieses Filmes sind alle Leute schlecht bis ins Mark. Hier heißt es wirklich "Leben und leben lassen" - wer meint, das ignorieren zu können, kommt unweigerlich unter die Räder. Das Glück bleibt bei dieser Philosophie freilich auf der Strecke. Niemand hat Spaß, alle Akteure sehen konsequent so aus, als ob sie bis drei Uhr durchgeschafft hätten.
Die Schauspieler sind große, große Klasse: Franco Nero durfte später in TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT von Romolos Neffen Enzo G. Castellari erneut einen Belli spielen; diesmal im Polizeidienst. Einen wunderbaren Bullen gibt Renzo Palmer, der so etwas wie der Günther Strack des italienischen Films ist und diesem an Leibesfülle in den Folgejahren nacheiferte. (Jedes Land hat seinen Strack; bei den Amis ist es Charles Durning!) Er achtet Belli, hat aber ebenfalls keinen Bock darauf, sich die Pension versauen zu lassen. Laura Antonelli, die bald darauf groß rauskommen sollte und ihren wunderschönen Stempel vielen Erfolgen (wie MALIZIA) aufdrücken sollte und deren beste Leistung als Darstellerin in Viscontis traumhaftem Schwanengesang L'INNOCENTE stattfand, hat eine kleine Nebenrolle. Der korrupte Avvocato wird gespielt - wie könnte es anders ein? - von Adolfo Celi. Da erübrigt sich jedes weitere Wort. Und seine schöne, geheimnisvolle Frau wird verkörpert von der umwerfenden Florinda Bolkan. Diese gebürtige Brasilianerin, die eine von Präsident Kennedys letzten Geliebten gewesen sein soll, ist wirklich eine totale Blendgranate: Ihre kühle Laszivität, die einen aktiven Vulkan an unterdrückten Leidenschaften ahnen läßt, ist die perfekte Ausstattung für die gelangweilte reiche Frau, die ihre Jugend und ihre Energie für ein sorgenfreies Leben geopfert hat und jetzt anfängt, das zu bereuen. Ein brodelnder Eisblock, das ist diese Frau, und sie setzt die Leinwand in Flammen!
Der Schluß ist unerwartet und brutal. Guerrieri hat nie wieder einen so tollen Film hinbekommen, obwohl einige seiner Werke sehr sehenswert sind. Es sollte klar geworden sein: Ab in die Videothek und abstauben!

THIS LAND IS MAILAND

Der Film MILANO CALIBRO 9 (MILANO KALIBER 9/ ROCCO, 1972) beginnt denkbar unromantisch: Ein Mann spuckt nach einer Taube. Hält man sich vor Augen, daß es sich bei dem Taubenspucker selber um einen schrägen Vogel handelt, der eine wichtige Rolle bei einem Drogengeschäft spielt, ist die unschöne Geste gleich relativiert. Leider hat irgend jemand gepatzt, denn die Sache geht schief. Der Gangster Rocco, bekannt für seine gewalttätigen Anwandlungen, tritt dazwischen mit der Wucht einer Dampframme und prügelt sich durch bis zu dem wahren Schuldigen. Zusammen mit den Informanten verschnürt er den Verräter zu einem hübschen Paket, packt die Delinquenten in einen Steinbruch und jagt alle zusammen in die Luft.
Dies ist nicht etwa die gesamte Handlung des Films; nein, das alles spielt sich vor dem Vorspann ab! Regisseur Fernando di Leo klärt von Anbeginn an die Fronten: Wer nicht pariert in der Welt des Gangstertums, der braucht den Tag des Jüngsten Gerichts nicht zu erwarten, um Heulen und Zähneklappern zu erleben. Ehre unter den Unterweltlern existiert keine. Wer sich auf andere verläßt, ist schon verlassen.
Ugo Piazza ist ein kleiner Ganove, der für den "Amerikaner", den mächtigsten Gangsterboß Mailands, in den Knast gegangen ist. Er wurde einst geschnappt bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion, bei der er 300.000 geraubte Dollar über die Grenze bringen sollte. Seinen Ausführungen zufolge hatte man ihn damals beklaut; dumm nur, daß ihm dies der "Amerikaner" nicht abnimmt. Und so erwartet Ugo, als er nach drei Jahren wieder ungesiebte Luft atmen kann, ein äußerst ungehaltener Rocco und prügelt ihn auch sogleich zusammen. Bei der Polizei hat er keine Freunde: Von einem besonders paranoiden Kommissar (gespielt vom Amerikaner Frank Wolff, der kurz darauf Selbstmord beging) wird der arg Gebeutelte nur verhöhnt.
In seiner Not wendet sich Ugo zuerst an seine Freundin Nelly, die als Schönheitstänzerin ihr Geld verdient und die Herzen der Zuschauer zum Hüpfen bringt. Nachdem er sich mit Streicheleinheiten eingedeckt hat, ist seine nächste Station der kräftige Profikiller Gino, der es zwar für Selbstmord hält, gegen den "Amerikaner" anzutreten, aber Rocco eins auf die Mütze gibt, als dieser hinzustößt und Ugo schikanieren will. Wilde Flüche ausstoßend, verschwindet Rocco und läßt einen stark genervten Gino zurück, der aber durchaus gewillt ist, Ugo zu helfen.
Obwohl er eigentlich aus dem Verbrecherleben aussteigen möchte (was ihm der verhaßte Kommissar nicht abnimmt), zwingt ihn der "Amerikaner" dazu, wieder für ihn zu arbeiten: Sein erster "heißer" Auftrag ist ein Mord. Das Mordopfer wird nicht genannt. Erst bei der Vollstreckung wird ihm klar, um wen es sich handelt: seinen einzigen Freund, Gino...
MILANO CALIBRO 9 ist vielleicht die Meisterleistung der Italiener auf dem Gebiet des lakonischen Gangsterfilms. Mit Sicherheit aber ist er die beste Regiearbeit des ausgesprochen wechselhaften di Leo, der zahlreiche Drehbücher (vorzugsweise für Western) geschrieben hatte, bevor er 1968 seinen ersten alleinverantworteten Film drehte. Von da an brachte er etwa 20 Filme heraus, von denen die meisten mit Sex und Gewalt nicht gerade geizen. Zu seinen gelungeneren Werken zählt der brutale Gotik-Slasher LA BESTIA UCCIDE A SANGUE FREDDO (DAS SCHLOSS DER BLAUEN VÖGEL/ DER TRIEBMÖRDER) mit Klaus Kinski, das morbide Schulklassenkampf-Drama I RAGAZZI DEL MASSACRO (NOTE 7) und der sehr harte Gangsterfilm IL BOSS (DER TEUFEL FÜHRT REGIE) mit Henry Silva. In den Achtzigern war er nur mehr zweimal aktiv: 1980 entstand der entschieden schlüpfrige Thriller VACANZE PER UN MASSACRO (TOY) mit Joe Dallessandro und 1983 der antiquiert wirkende Söldnerfilm RAZZA VIOLENTA (SÖLDNER ATTACK).
In MILANO CALIBRO 9 zeigt er sich nicht nur als Drehbuchautor, der es versteht, sein Publikum zu fesseln; auch seine inszenatorischen Fähigkeiten, die in vielen seiner Filme zu kurz gekommen sind, machen den Film zu einem ungetrübten Vergnügen für Fans harter Krimikost.
Aber auch wenn das Buch beispielhaft straff durchkonstruiert ist und seine Charaktere mit mehr als nur dem Mindestmaß Glaubhaftigkeit ausstattet, so wird der Film erst richtig sehenswert durch die fantastische Besetzung, die Darsteller aus allen Winkeln der Erde aufbieten kann, die die Leinwand fast zum Explodieren bringen! Mario Adorf ist als Rocco ein wirbelnder Derwisch, der seine Stupidität und Beschränktheit instinktiv durch Gewalt auszugleichen versucht. Auch wenn Adorf sonst bereits eher ein wütender Bär von einem Schauspieler ist, als Rocco deliriert er förmlich in seinen Szenen die Kollegen an die Wand. Stets an der Grenze zur Parodie, ist seine Figur mit jener beunruhigenden Mischung aus Brutalität und Lächerlichkeit ausgestattet, die Handgemenge mit Hooligans so ausgesprochen unangenehm sein läßt. Ist Adorf der Bär des italienischen Genrefilms, so ist der Amerikaner Lionel Stander der Knuddelteddy, in diesem Fall allerdings einer mit Vampirgebiß: Er spielt den unversöhnlichen Gangsterboß, und gerade diese Besetzung gegen den Strich erweist sich als besonders reizvoll. Fast 40 Jahre liegen zwischen diesem Film und seiner Rolle als Gary Coopers Bodyguard in Capras MR. DEEDS GOES TO TOWN! Neben dem bereits erwähnten Frank Wolff glänzt noch Frankreichs Toughie Philippe Leroy, der in zahlreichen Italo-Produktionen der 60er und 70er mitspielte, als Gino. Und die Deutsche Barbara Bouchet (bürgerlich: Bärbel Guttscher) ist schön wie selten als halbseidene Bettgefährtin von Ugo.
Wie gut alle diese Schauspieler sich auch verkaufen: Der absolute Glanzpunkt des Filmes ist Hauptdarsteller Gastone Moschin als Ugo, der mit nur wenig Aufwand eine bewundernswert intensive Leistung vorstellt. Sein kleiner Ganove, der zwischen die Mühlsteine Justiz und Verbrechertum gerät und versuchen muß, das Beste aus seiner prekären Situation zu machen, läßt in jedem Moment die langen Jahre der Demütigung erkennen, die er durchlaufen hat. Die Zeit des Wartens auf das Glück hat ihn stumm gemacht, ein Spielball der Mächtigen.
Und noch ein weiteres Kuriosum: Fiel der Kriminalfilm dieser Zeit vor allem durch seine bedingungslose Hinwendung zur "heroischen" Selbstjustiz auf (etwa in di Leos LA CITTA SCONVOLTA/AUGE UM AUGE), so überrascht MILANO CALIBRO 9 durch die Charakterisierung von Wolffs Kommissar als eisenfressendem Brutalinski, den sein gewalttätiges Umfeld blind gemacht hat für menschliche Belange: Er würde die Verbrecher am liebsten kollektiv ausrotten. Bei Ugo freilich beißt er auf Granit; deswegen haßt er den ruhigen Knacki auch so inbrünstig.
Ein enorm spannender Film mit einer großartigen Filmmusik von Luis Enriquez Bacalov, die auch in di Leos LA CITTA SCONVOLTA und VACANZE PER UN MASSACRO Verwendung fand.

KRÜCKAUF KRÜCKAB

Ein Unterlabel der Videofirma "Highlight" hieß einst "Vegas Video". Nun liegt es bei den selbstgewählten Namen schon nahe, zu vermuten, daß die ganzen Highlights nicht bei Vegas herauskamen. Hier servierte man eher Vages, darunter auch einen beschlagnahmten Film, bei dem niemand so recht weiß, wieso er eigentlich vom Markt genommen wurde. (Deswegen steht er auch überall noch rum!) Eine Glanzleistung des in Arizona gelegenen Labels ist aber Roberto Bianchi Monteros Reißer DAS RATTENNEST, nach dessen Originaltitel ich lange fahnden mußte, ist der Film doch selbst in Bella Italia recht obskur.
UNA DONNA PER SETTE BASTARDI (1973) ist kein hübscher Film. Man hat hier alle Kosten gescheut, dafür aber munter rangeklotzt, um einen kleinen Sleazekracher zu fertigen. Da auch Gangster mitspielen, ist hier der richtige Platz für eine Würdigung.
Nach einem Prolog, in dem böse Menschen den Träger eines Schnurrbarts mit Humus bedecken, schraddelt Richard Harrison (von dem auch die Storyidee stammt) in einem Käfer herbei, der den Eindruck macht, als wäre er unter die Punker geraten. Auch Richard ist vom Zahn der Zeit gezeichnet: Eine Krücke hemmt die Federwirkung seines Schrittes. Das ist nicht gut, denn der Käfer gibt seinen Geist auf. Ein Wegweiser fährt nach "Valley", und talwärts zieht's den Krückenmann. Ein stimmungsvolles Intermezzo findet statt, als Richard einen Truck anhalten möchte, von diesem aber über den Haufen gefahren wird.
In einem kleinen Goldgräberkaff (Gordon Mitchells "Cave"-Filmstudio!) trifft Richard erneut auf Brummi und Fahrer. Letzterem haut er sofort die Krücke in die Klöten, der Mann hat keinen Bock auf Mucken. Diese kurze Angebundenheit verschafft ihm sofort Respekt. Und den hat er bitter nötig, denn die Belegschaft, die sich hier herumtreibt, ist schon illuster: Dick, ein Raubmörder; Smith, ein Kinderschänder; Gordon, ein Fahnenflüchtling; Carl, der Mann ohne Führerschein; und ein Greis mit radioaktivem Zahnersatz. Alle diese Herrschaften werden aufgewühlt von Kalles Schnalle, der scharfen Rita, welche nymphoman und Ex-Hure ist. Kalle versteht keinen Spaß, wenn es um die geile Gretel geht, der wird unleidig.
Die Darsteller sind übrigens durch die Bank klasse ausgewählt. Am besten schneidet Ivano Staccioli ab, als debil kichernder Kinderfreund. Er hat nicht Unrecht, wenn er greint, daß Rita jeden rüberläßt, nur ihn nicht. Ein trüber Gast auf dieser Erde, wie Goethe sagen würde... Ein feiner Schauspieler, der Ivano. Auch mit dabei ist Luciano Rossi als taubstummer Vagabund mit Mundharmonika (und Flöte, jede Wette!), dem sein Gebrechen noch nicht reicht: Zusätzlich hat er auch noch Hautausschlag und einen Buckel. Der sieht haargenau so aus wie der Mitarbeiter des Monats bei McD. (Großartig die Szene, in der Ivano, der bei Rita wieder mal abgeblitzt ist, versucht, Rossi zu vergewaltigen und von Richard die Pinne in die Fresse bekommt!)
Tja, und Rita wird gespielt von Dagmar Lassander, was bereits alles aussagen sollte über die Rolle: ein Pandämonium unterdrückter Leidenschaften, eine Kindheit im Hafenviertel, Katholizismus an der Flasche, sie hat ein Einwegticket auf der Barke mit der gläsernen Fracht! Der schießt der Vaginalsulz aus den Ohren! Hier bin ich Mensch, hier darf ich rein...
Und wer rudert die Barke? Natürlich Gordon, der Mitchell! In einen adretten Drillich geworfen (Goretex gab's damals noch nicht), ist er das Mastermind, das zusammen mit Carl einen Goldschatz beiseitegeschafft hat und zu dessen Erhaltung über Leichen geht. Am Schluß, als sich die Toten türmen, kommt es zu einem fulminanten Schlußfight, bei dem Richard den Gordon mit den Fäusten desinfiziert. (Super übrigens die Todesarten: Rossi wird auf einem hohen Zaun aufgespießt aufgefunden, auf den er theoretisch aus vier Meter Höhe draufgefallen sein muß, wie auch immer. Ein anderer Charakter wird von einem Schweizer Armeemesser an der Wand festgenagelt.)
Tja - die Idee, einen absolut düsteren "film noir" für wenig Geld zu machen, hat hier durchaus schmackhafte Früchte getragen. Zwar keine ernsthafte Konkurrenz für die französischen Meisterwerke der 60er und 70er, liefert DAS RATTENNEST aber 90 Minuten nihilistisches Entertainment der ruppigen Art. Den Brutalitäten geht der Film nicht aus dem Wege. Jo mei. Die Welt ist ein Rattennest. Die Musik von Franco Micalizzi gibt einigermaßen Vollgas: Sauberer Gitarrenrock der frühen 70er, relaxter Sound, wie geschaffen für eine Gartenparty mit den Darstellern dieses Filmes. Die Orgel stört da nicht, nein, durchaus nicht. Und die Querflöte, mit der nicht gegeizt wird, steht in stimmungsvollem Kontrast zu dem "Fotznhobel" (das ist österreichisch für Mundharmonika!) vom Herrn Rossi. Eigentlich überflüssig, es zu erwähnen, aber der Regieassistent ist wieder einmal Mario Bianchi, über dessen SCHNEEFITTCHEN demnächst mehr zu lesen sein wird. Vielleicht nicht hier, aber irgendwo bestimmt.

WUNSCHLOS UNGLÜCKLICH

Aus einem nicht näher bekannten Grund ist Duccio Tessari bisher immer um eine Erwähnung in meiner Kolumne herumgekommen. Aber irgendwann erwischt es halt jeden! Lange war es überfällig: Er gehört einfach zu den ganz Großen, zu den wahren Heroen im Regiehimmel. Nicht nur gehörte er schon als Autor zu den Erfindern des Italo-Westerns - auch als Regisseur ist er für einige Meilensteine verantwortlich. Etwa für den großartigen Giallo UNA FARFALLA CON LE ALI INSANGUINATE (BLUTSPUR IM PARK) oder den unheilschwangeren Amnesie-Thriller L'UOMO SENZA MEMORIA (DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS). Und, oha, ich merke gerade, daß er doch schon einmal Gast gewesen ist, mit seinem Düster-Western IL RITORNO DI RINGO (RINGO KOMMT ZURÜCK). Tscha, eigentlich müßte ich jetzt den ganzen Anfang umschreiben, aber der Redaktionsschluß naht mit Riesenschritten. Sei's drum.
TONY ARZENTA (TÖDLICHER HASS, 1973) ist neben dem Kinski-Film I BASTARDI Tessaris lohnendste Arbeit im hier besprochenen Genre. Und es ist auch der mit Sicherheit schwärzeste Film des Artikels, spielt er doch in einer Welt, die komplett eingenebelt ist von Hoffnungslosigkeit und Abgestumpftheit. Alle Charaktere bewegen sich durch einen langen Tunnel, dessen Ende sich schließlich als noch dunkler erweist als der Tunnel selbst. Boh, mein Gott, was für ein Downer!
Dabei beginnt der Film doch so nett: Papi Tony Arzenta (gespielt mit kontinuierlicher Knatschmiene von Alain Delon) wohnt dem fröhlichen Geburtstag seines kleinen Buben bei. Aus dem Verhalten seiner Gattin Anna wird aber deutlich, daß die Ehe nicht ganz ohne Probleme ist. Tony ist nämlich ein Arbeitstier. Für die Mafia räumt er bereits seit einiger Zeit die Hindernisse aus dem Weg, mit tödlicher Professionalität. Aber den müden Killer quält der Wunsch nach einem biederen Familienleben. Seinem Freund und Chef Nick Gusto beichtet er seinen Wunsch nach Ausstieg aus der Szene. Nick ist aber vollkommen klar, daß die anderen Bosse diesem Wunsch niemals zustimmen werden. Tony weiß zuviel, um einfach die Gardinen zu wechseln. Seine Weigerung, das Spiel weiterzuspielen, ist sein Todesurteil.
Aber nicht Tony ist es, den die Bombe in seinem Wagen zerfetzt; durch einen grausamen Zufall sind es Anna und der kleine Carlo, die den Tod finden. Tony beobachtet die Explosion von seinem Fenster aus mit zusammenfallendem Gesicht. Die Menschlichkeit, die gerade begann, sich durch die Maske der langen Jahre der Gefühllosigkeit hindurchzuarbeiten, verbrennt zusammen mit Tonys beiden Lieben und seinem Lebensglück. Was übrig bleibt, ist die professionelle Hölle, die unmenschliche Maschinerie des Verbrechertums. Tony - das verrät ein Blick in seine toten Augen - wird alle Mafiosi im Höllenfeuer brennen lassen.
Zuerst sind alle ganz lieb zu ihm; alle kondolieren ihm und demonstrieren ihr Wohlwollen. Nick aber rast bereits vor innerer Hektik; er weiß nur zu gut, daß ihm sein Freund die Schuld geben wird für die Katastrophe. Und für Tony beginnt die offene Feldschlacht: Gleich nach der Beerdigung erfolgt der erste Attentatsversuch, den die gedungenen Mordbuben aber am Kreuze bereuen. Durch Mithilfe des ehemaligen Gangsterliebchens Sandra gelingt es Tony dann, nach und nach die Großkopfeten aufzutreiben und zur Hölle zu schicken. Die Reise führt ihn durch ganz Europa, z.B. nach Kopenhagen. Wo er hinkommt, wird auf den Knochen getanzt. Das Finale führt in schließlich in die Kirche, zu einer Hochzeit...
Ja, fürwahr - wenn man noch vorhat, auf eine Party zu gehen, sollte man den Film im Videoschrank lassen! Was TONY ARZENTA an Düsternis ausstrahlt, würde auch das hysterischste Frohgemüt zu einem Dominikanermönch erstarren lassen. Und die Brutalität, mit der der Film zu Werke geht, ist nicht von schlechten Eltern; für zarte Gemüter werden hier keine Gänseblümchen gepflanzt. Am Garstigsten finde ich die Szene, in der Arzenta einen Gangster im Zug plattmacht, der nach Dortmund fährt, wohl zur Borussia. Hitzfeld Tony begnügt sich nicht damit, dem Mafioso den Bregen rauszublasen - er läßt ihn noch aus dem Fenster baumeln, wo er Gelegenheit hat, verschiedene Signale und Pfeiler mitzunehmen. Buff, buff, buff - die Bundesbahn verbietet das Hinauslehnen nicht ohne Grund...
Delon, der mittlerweile den rechtsextremen LePen unterstützt (jeder, wie er kann), ist hier in einer Art Hardcore-Variante des Samurai-Typs zu sehen, wie er ihn in Melvilles DER EISKALTE ENGEL verkörperte. Hier von "eiskalt" zu sprechen, ist fast eine Untertreibung. Tony tritt eine Schneelawine des Todes los, die er selber nicht mehr stoppen kann. Sie räumt auf in einer gänzlich heruntergekommenen Welt, wie eine Sintflut, die Sünder und Reine gleichermaßen mit sich reißt. Alle geraten unter die Räder, auch kleine Fische, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Und alle sind so unglücklich! Carla Gravina, komplett großartig als Schlampe Sandra, hat die langen Jahre des Herumgetretenwerdens satt und wendet sich von der Szene ab. Doch sie muß erkennen, daß man etwas haben muß, dem man sich zuwenden kann. Sie erwartet der grimmige Orkus von Tonys seelenlosem Haß, in dem niemand leben, geschweige denn glücklich werden kann. Selbst die Polizei (in Gestalt von Silvano Tranquilli; wer meint, daß dieser Schauspieler die Hauptrolle in einigen Mittsiebziger-SF-Filmen von Rainer Erler gespielt hat, irrt nicht) bietet Tony ihren Schutz an, vorausgesetzt, er nennt Namen und macht alle platt. Tony aber ist nur sich selbst gegenüber verantwortlich. Als narkotisierte Schmerzensmutter schleift er sich durch die kaputte Welt und sucht nach einem Ausgang.
Hallo, Meisterwerk! Die Besetzung ist umwerfend. Neben Delon und der Gravina ist noch Hollywood-Toughie Richard Conte dabei, der aussieht wie Cassavetes mit Magengeschwür. Kurze Auftritte absolvieren Anton Diffring, Rosalba Neri und Ettore Manni. Nicoletta Machiavelli fliegt ja gleich in die Luft. Marc Porel, der 2 Jahre später zusammen mit Ray Lovelock durch den asozialsten Polizeifilm Italiens rasen sollte (Deodatos EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN) und Antonellis Liebhaber spielt in Viscontis DIE UNSCHULD, hat einen guten Auftritt als Tonys Freund Domenico, den seine Verschwiegenheit in die Schrottpresse bringt. Und meine liebe Freundin Erika Blanc ist auch dabei, als brutal zusammengeschlagenes Nuttchen, das Tony helfen will und gleich die Rechnung präsentiert bekommt. Schönheit auf dem Abstellgleis, da fährt kein Zug mehr nach Dortmund.
Trotz der extrem brutalen Vorgänge verbreitet der Film eher traurige Stimmung, was auch der melancholischen Musik von Gianni Ferrio zuzuschreiben ist. Nein, hier herrscht Heulen und Zähneklappern. Wer sich bisher vom dicken Delon auf dem Cover hat abschrecken lassen - hier ist Italien drinnen, ganz heftig und ganz groß. Tessari ist vor wenigen Monaten gestorben. Bald ist Italien leer. Dann müssen wir wieder amerikanische Filme gucken.
Gangstertrinkspruch: "Auf unsere Mutter Italien!" - "Steck' sie dir an den Hut!"

MIT DER MITRA DURCH DIE WELT

Einer der fleißigsten "Poliziescho"-Regisseure war ohne Frage Umberto Lenzi, dessen Werke in diesem Genre in der BRD nahezu vollständig auf Video vorliegen. MILANO ODIA (DER BERSERKER, 1974) ist wahrscheinlich der kommerziell erfolgreichste und populärste von den knapp 10 Filmen und - wenn man das im Vorjahr erschienene Gangsterdrama MILANO ROVENTE nicht mitrechnet - auch sein erster richtiger Polizeifilm.
In ihm geht es um eine wahrhaft bemitleidenswerte Kreatur, den kleinen Gauner Giulio, der vom Leben stiefmütterlich behandelt worden ist und der mit allen Mitteln versuchen will, sich seine Scheibe vom großen Kuchen abzuschneiden. Seine Methoden sind skrupellos: Bei einem Banküberfall, den er als Fahrer miterlebt, verliert er die Nerven und erschießt einen zufällig vorbeikommenden Polizisten. Als die Bande ihn wegen seines Versagens zusammenschlägt, weiß er sich nicht anders zu helfen, als bei seiner Freundin unterzukriechen, der ihm hörigen Ione. Sie überredet er auch, ihm ihren Wagen auszuleihen, den er für einen großen Coup benötigt: Er will die Tochter eines reichen Industriellen namens Porrino entführen. Bei diesem Unterfangen sollen ihm zwei Freunde helfen, die sich von den enthusiastischen Ausführungen Giulios anstecken lassen.
Leider klappt bei der Umsetzung des Plans nicht alles so wie zunächst erhofft. Zuerst erschießt einer der drei aus Panik den Freund der Industriellentochter; danach wird eine ganze Familie müßiggängerischer Reicher in die Geschichte hineingezogen: Ein Massaker ist die Folge, das der fast wahnsinnige Giulio voll und ganz genießt. Auch vor einem kleinen Kind wird nicht haltgemacht.
Obwohl der Vater des Mädchens auf ein Heraushalten seitens der Polizei besteht, hat Kommissar Grandi ganz andere Vorstellungen, da er genau weiß, daß das Mädchen tot ist, sobald die Verbrecher das Geld in den Händen halten. Er versucht, den Fall auf seine eigene Art zu lösen...
Daß Lenzis Film bei uns niemals im Kino zu sehen war, sondern erst auf Video veröffentlicht wurde, ist eine Rabenschande, da es sich um die Hochwassermarke von Lenzis langjährigem Schaffen handelt. Seit seinem Seeräuberdrama LE AVVENTURE DI MARY READ im Jahre 1961 hatte sich Lenzi einen Namen gemacht als effizienter, gelegentlich sogar durch einen markanten ironischen Humor hervorstechender Erzähler, der in seinen Filmen eine allzu persönliche Handschrift vermied, durchaus in der Tradition des klassischen amerikanischen Erzählkinos. Lernt man Lenzi kennen, so ist man gar nicht erstaunt darüber, mit welcher Inbrunst der Mann gerade von den US-Regisseuren erzählt; mit Händen und Füßen bricht sich der Enthusiasmus Bahn bei einem Filmemacher aus Leidenschaft. Seine besten Arbeiten schuf er im Bereich des Spannungskinos, wo ihm seine Neigung zu präziser, scharfsichtiger Erzählweise zugutekam. In den späteren 80ern begann auch er die Auswirkungen des zunehmenden Verfalls des italienischen Genrekinos mitzuerleben - seine Filme aus jüngerer Zeit sind meist wenig bemerkenswerte Billigfilme, wie so viele ihrer Zeitgenossen mit "attraktiven" amerikanischen Schauplätzen.
Bei MILANO ODIA geht Lenzi in die Vollen. Der Film detoniert fast vor innerer Spannung, die Charaktere werden grell gezeichnet, aber ohne, daß sie ihre Glaubhaftigkeit im Rahmen des Genres einbüßen würden. Verständlicherweise verläßt sich der Regisseur auf die zentrale Darstellerleistung von Tomas Milian, der wie so häufig mit seiner Rolle auf und davon läuft: Sein Giulio ist ein prinzipiell groteskes Großmaul, das mit nur wenig sympathischen Zügen ausgestattet ist. Trotzdem bekommt man eine ungefähre Vorstellung von der Zwickmühle, in der der Charakter steckt: Die Gesellschaft hat ihn auf die allerletzte Sprosse der sozialen Leiter verbannt. Ein Aufstieg mit legalen Mitteln erscheint unmöglich. Der Haß, der in dem psychopathisch gewordenen Entführer steckt, bekommt manchmal eine beunruhigende Nachvollziehbarkeit, besonders, wenn - wie im Falle der nur aus trunksüchtigen Flaschen bestehenden Familie, die von ihm massakriert wird - die Privilegierten als gefühllose Deppen gezeichnet werden. Der Charakter geizt nicht mit lustigen Bonmots, die häufig nur seine soziale Unfertigkeit herausstellen; wenn er zum Beispiel der Entführten den Brief an ihren Vater diktiert, fällt ihm als Drohung für den Fall der Nichtzahlung nichts Besseres ein als: "Wenn nicht, ficken sie mich in den Arsch!" Im ersten Moment ist diese Äußerung einfach nur bizarr deplaziert, da klar ist, in welcher Gefahr das Mädchen schwebt; gleichzeitig aber steht die hilflose Vulgarität, die in dieser Bemerkung steckt, jenseits der komischen Note auch für die Limitiertheit der Figur, für die sie nicht nur selbst verantwortlich ist. Milian geht in der Darstellung voll auf, schreckt nicht vor grellen Tönen zurück.
Auch der Rest der Besetzung ist ansehnlich: Den Kommissar gibt ein besonders grimmig dreinschauender Henry Silva (nein, er hat das gleichnamige Videolabel NICHT gegründet!), der auch in Lenzis Selbstjustizreißer L'UOMO DELLA STRADA FA GIUSTIZIA die Titelrolle eines amoklaufenden Familienvaters verkörperte. Als ängstlicher Junggangster, der von Giulios Charisma immer tiefer ins Verderben gezogen wird, ist Ray Lovelock zu sehen.
Erfreulicherweise hat die verantwortliche Videofirma (VPS) den Filmen von Lenzi eine ordentliche Synchronisation zukommen lassen, was sonst ja alles andere als selbstverständlich ist. Bei derselben Firma sind auch eine Vielzahl anderer Italo-Polizeifilme uraufgeführt worden, meist gut bearbeitet. Dafür werden verschiedene Leute einst in den Himmel gelangen, da bin ich sicher.
Das Drehbuch dieses für zarte Gemüter ungeeigneten Reißers stammt von Ernesto Gastaldi, der auch hier wieder für interessante Figurenkonstellationen sorgt. Die aufregende Musik von Ennio Morricone ist inzwischen auf CD wiederveröffentlicht worden.
Ja, die Stadt Mailand hat es wahrlich nicht leicht! Nach MILANO CALIBRO 9, MILANO ROVENTE, MILANO TREMA und MILANO ODIA folgte später sogar noch MILANO VIOLENTA. Vielleicht sollte man die nächsten Ferien doch eher im Salzkammergut verbringen...

FEDER UND SCHWERT

Weniger um die Verzahnung von Wirtschaft und Verbrechen als vielmehr um die wichtige Rolle der Massenmedien im Kampf gegen die Mafia geht es in Stelvio Massis LA LEGGE VIOLENTA DELLA SQUADRA ANTICRIMINE (DIE KILLER DER APOKALPSE, 1976). In diesem ungewöhnlich feierlichen Exemplar der Filmgattung wird demonstriert, wie Presse und Polizei, statt miteinander zu kooperieren, sich gegenseitig Konkurrenz machen. Beiden Parteien sind die menschlichen Werte abhandengekommen; in der ständigen Beschäftigung mit brutaler Gewalt wird das organisierte Verbrechen nur mehr als Vorwand benutzt, um selbstzweckhaft die eigene Lebensphilosophie zu verteidigen... wenn's sein muß, auf Kosten anderer.
Der Film beginnt sehr unspektakulär mit einem alten Mann, der ein "Player Piano", ein mechanisches Klavier, hinter sich her schleppt. Demselben Mann werden wir auch in der letzten Einstellung wiederbegegnen; einer der wenigen Kunstgriffe, die sich Massi in diesem optisch eher schlichten Krimi leistet. Bei der Geburtstagsfeier eines kleinen Mädchens wird deren Vater, der Pate Don Antonio, Opfer eines Mordanschlages. Verantwortlich ist der blinde und verbitterte Dante Ragusa, der seinem berühmten Namensvetter nur insofern nahesteht, als daß er die einstmals beschrittenen Höllenkreise mit viel Nachschub versorgt. Noch biestiger als er ist sein leiblicher Bruder Nino, der gleich zu Beginn unter Mordanklage steht. Da die einzige Zeugin in diesem Prozeß aber von den Schergen Ragusas eingeschüchtert wird, steht die Anklage auf tönernen Füßen und bricht zusammen. Ragusas Intimfeind Jacovella sieht dies mit Magengrimmen, da ihn die zunehmende Impotenz von Recht und Ordnung gewaltig wurmt. Seiner Ansicht nach werden die Verbrecher von den Medien hochstilisiert zu Helden; für die Polizisten hingegen, die Tag und Nacht ihre Haut hinhalten müssen, hat man nur Spott und Verachtung übrig. Auch wenn er Meutereien innerhalb der Polizei aufs Schärfste ahndet, kann er seine verzweifelten Kollegen nur zu gut verstehen.
Kompliziert wird die Geschichte, als bei einem besonders skrupellosen Banküberfall ein Polizist sein Leben verliert. Täter ist der aus miesen sozialen Verhältnissen stammende Antonio Blasi, den nur die Panik zu der Tat getrieben hat. Auf seiner Flucht klaut er unglücklicherweise das Auto Nino Ragusas, an Bord stapelweise belastendes Material. Grund genug für Dante, den kleinen Ganoven für vogelfrei zu erklären.
In die Ecke getrieben, setzt sich Blasi mit Verleger Maselli in Verbindung, dessen Zeitung Jacovellas ruppige Methoden in der Vergangenheit besonders ins Kreuzfeuer genommen hat. Zwar hält Maselli Jacovella für einen äußerst fähigen Mann; aber seine dubiosen Methoden, die sich oftmals außerhalb des Gesetzes abspielen, sind dem geläuterten Linksliberalen ein ganzer Dornenstrauch im Auge. Als Jacovella Wind davon bekommt, daß Maselli sich hinter seinem Rücken mit dem Flüchtigen trifft, explodiert ein Pulverfaß: "Wie zwei Hunde, die um einen Knochen kämpfen", gehen die beiden Kontrahenten gegeneinander vor.
Dieser Film stellt einen krassen Gegensatz dar zu den Polizeifilmen, die Massi später hergestellt hat. Stets ausgesprochen rasant, waren sie doch in der Regel bewußt überzeichnete Supercop-Märchen (oft mit Maurizio Merli als feuerfestem Gesetzeshüter), deren Selbstjustizgehalt zwar unbestritten war, aber doch kaum Statementcharakter besaß. In LA LEGGE VIOLENTA verwöhnt Massi nicht das Auge, sondern den Kopf. Das soll nicht heißen, es würde tiefgehende Ursachenforschung betrieben, nein, ganz gewiß nicht. Aber die interessante Frage, inwieweit die Öffentlichkeitsarbeit der großen Zeitungen und Fernsehstationen eine Mitschuld an der Misere der Verbrechensbekämpfung und somit der Entstehung radikaler Tendenzen trifft, wird hier explizit angesprochen und bestimmt den bitteren Grundton des gesamten Films. Alle Parteien in diesem Film sind desillusionierte, kranke Menschen: Jacovella ist von den Enttäuschungen seines Berufes in die Resignation getrieben worden, er kennt nur noch Mißtrauen und die Sprache der Gewalt; Ragusa ist ein gewissenloser Verbrecher, dessen seelische Verderbtheit auch in Form seiner körperlichen Gebrechen nach außen getragen wird; und Maselli ist anzumerken, daß er früher einmal leidenschaftlicher Demogänger gewesen ist, bevor er angefangen hat, die Neuigkeiten allein nach Spaltenzahl zu bemessen. Was alle vereint, ist ihre erschreckende Einseitigkeit, ihr Glaube an das kranke System, das sie somit daran hindern, zu gesunden. Am besten schneidet noch der Polizistenmörder Blasi ab, der zwar eine große Schuld auf sich geladen hat, dies aber immerhin aus menschlich verständlichen Motiven getan hat (Familiengründung mit seiner Freundin, Panik).
Die Besetzung ist gut in Form: Der Italo-Amerikaner John Saxon absolviert hier seine vielleicht brutalste Rolle überhaupt; Lee J. Cobb als blinder Mafiaboß gibt seiner Figur mit geringem mimischen Aufwand Tiefe; Renzo Palmer (so strack wie selten) ist wie üblich eine Bank als Maselli; und der begabte Lino Capolicchio (Hauptdarsteller von LA CASA DALLE FINESTRE CHE RIDONO) gibt einen glaubhaften Tonio Blasi.
Die Synchronisation ist leider wieder einmal zum Gottserbarmen schlecht. Der Sprecher von Nino Ragusa klingt beizeiten wie eine von Helge Schneiders ekligeren Stimmen, und die Szene, in der Verbrecher den Kopf einer Frau aus einem fahrenden Wagen gen Asphalt drücken, ist auch jenseits der Schmerzgrenze. (Die Sprecherin ist meine nächste Wahl für die "Calgonit"-Frau!) Wer mit dem Film nichts anzufangen weiß, kann sich im übrigen einen Spaß daraus machen, die häßlichen Pullover der Darsteller zu zählen, die die Vermutung zulassen, daß Massi einen farbenblinden Kostümdesigner beschäftigt hat...

DAS KONGLOMERAT DES SCHRECKENS

Nun ist er tot, der Vater der Lehmköpfe, der Erfinder des Zombie-Zooms. Traurig ist's, und groß ist die Zahl der Betrübten. In Limburg an der Lahn, so hörte ich, plant man gar die Errichtung einer Klagemauer für Onkel Lucio.
Das Schicksal, das Fulci ereilte, traf seinen Schmugglerfilm LUCA IL CONTRABBANDIERE im Land der Mainzelmänner und Lauschangreifer schon einige Jahre früher. Womit Regierungsbedienstete keinen Pardon kannten, soll nicht Gegenstand dieses Textes sein; stattdessen befasse ich mich mit der englischen Fassung, welche da heißt: THE SMUGGLER.
Fabio Testi ist Luca, der Contrabandwurm Numero Uno von Neapel. Die Ware, die er nicht schmuggelt, muß erst noch erfunden werden. Nur von Drogen läßt er die Finger. Als in der Anfangsszene eine gutorchestrierte Schmuggelei von den Wasserpolizisten aus WOODOO vereitelt wird, muß er aber das Schmuggelgut zurücklassen. Ein Singvogel hat den Schnabel nicht gehalten, und Luca brennt darauf, ihm das Singen zu verbieten. Mit Hilfe des Yuppie-Gangsters Perlante (wäre der Film von Tarantino, mußte Tim Roth diesen Part übernehmen) will er dem finsteren Scherino das Handwerk legen.
Doch Scherino mahlt als erstes: Bei einer nicht ganz routinemäßigen Straßenkontrolle wird Lucas Bruder Micky von den Kugeln falscher Carabinieri durchsiebt. Was jetzt kommen muß, ist klar: ein Bandenkrieg im ganz großen Stil. Doch nicht Scherino ist die graue Eminenz, die hinter dem ehrlosen Schmuh steckt. Ein Franzose, der "Marsigliese", will den bisher auf Zigaretten spezialisierten Markt Lucas mit harten Drogen anreichern. Um dieses Ziel zu erreichen, scheut er keine Gemeinheit: Wer aufmuckt, wird vollständig zersetzt.
Ist Luca zunächst noch entschlossen, dem frankophilen Eindringling Paroli zu bieten, so gerät seine Courage ins Wanken, als seine süße Frau Adele von den Häschern des "Marsigliese" gekidnappt wird. In einem Showdown steht Luca dem Mann aus Marseille gegenüber, es kann nur einen geben...
Fulci macht keine Gefangenen. Daß dieser Film jemals ungeschnitten in deutschen Kinos laufen konnte, erscheint heutzutage fast als Ammenmärchen, und die Amme, die diesen Film bis zum Schluß durchhält, möchte ich sehen. Die Gewaltaktionen des Filmes sind beispiellos ausgewalzt, wirken in ihrer Überzogenheit wie grotesker Comic-Strip, nicht wie krasser Naturalismus. (Daß bei den hiesigen Behörden mit dieser Argumentation kein Blumenstock zu gewinnen ist, weiß man ja zur Genüge... Guter Scherz übrigens, Freunde!) Diese Tendenz zum splatterigen Grand Guignol entfernt natürlich auch den Zuschauer von der Handlung, die eigentlich recht spannend anzusehen ist. Man findet Luca wirklich sympathisch, sein Schicksal läßt nicht kalt. Nur lenken die diversen Wasserfälle an roter Farbe von der Story ab. Der "Circus-Krone"-Effekt setzt ein. Einige Szenen sind darüber hinaus extrem gehässig: die etwa, in der Oberschleimi Marcel Bozzufi das Gesicht einer namenlosen Drogenschlampe mit dem Bunsenbrenner bearbeitet (unter den wachsamen Augen von Luciano Rossi und Romano Puppo), ist schon extrem widerlich und läßt jeden zirzensischen Charakter vermissen. Auch eindeutig drüber war meines Erachtens die Vergewaltigung von Adele ("No, this time we gotta do it right - face down!"), die Luca über Telefon mitanhören muß und die niemandes Herz erfreut. (Wobei die Frage gestattet sein muß, ob jemandem an der Darstellung einer Vergewaltigung gelegen sein kann, die das Herz erfreut...)
Na ja. Fulci füttert seine Spatzen mit zahlreichen gelungenen Szenen. Eine Discosequenz etwa, die mindestens eine Minute lang nur von einem Stroboskoplicht erhellt wird und die Bewegungen nicht nur der Tänzer ins Surreale rückt, ist ein typisches Beispiel für Fulcis Spielwitz. (Ajita Wilson hat hier ein Cameo.) Fulci mischt natürlich auch persönlich mit, als einer der Killer, die am Schluß Schlitten mit dem Drogenboß fahren sollen. Man sieht Fulci, wie er seine Knarre ölt, die Pfeife in der Schnauze. Bei diesem Schlußgeballer bekommt auch Romano Puppo sein Fett weg: Man kann sagen, er verspürt eine große innere Leere...
Interessant ist die Verteilung der Sympathien: Es ist ein Mafiaboß, der schließlich für die Befreiung von Adele sorgt und den Franzacken in den Orkus jagt. Die kleinen Schmuggler werden eher mit Sympathie gezeichnet. Nur die Schleimbeutel, die sich an Drogen bereichern wollen, werden entsprechend unbarmherzig bewertet. In einer besonders gelungenen Szene sieht man, wie die Polizei eine Großrazzia im Hafengebiet durchführt. Viele arme Leute laufen durcheinander und versuchen, ihre geringen Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. Eine Mamma Miracoli mit einer einzigen Stange Zigaretten (!) wird barsch von Beamten in den Einsatzwagen gezerrt, wo - so darf man vermuten - sie ihr Fett bekommt. Auch der nüchterne Staatsanwalt Daniele Dublino ist kein Typ, mit dem man den Kaiserwalzer tanzen möchte...
Wie dem auch sei, Fulci ist tot. Er läßt eine große Lücke zurück, die auch niemand wird füllen können, wie's aussieht. Seid alle recht nett zu Euren Mitmenschen und schmuggelt keine Zigaretten. Verbrechen zahlen sich nicht aus. Lügen haben kurze Beine. Ciao.

(Ursprünglich erschienen in der Ausgabe 27 der Zeitschrift "Splatting Image", September 1996.)

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