FILMTAGEBUCH

Filmtagebuch

WILLARD - Weil er keine Freunde hat und mit seiner siechen Mama wohnen muß, freundet sich Willard Styles mit Ratten an, die ihn bis zu einem gewissen Punkt trefflich unterstützen. Eine immerhin ordentliche Neubearbeitung des alten Ratten-Klassikers von Daniel Mann, in dem der ödipale Konflikt, dem der Hauptcharakter unterliegt, mit Joe-Dante-Nostalgo-Raffinesse mundfertig gemacht wird. Crispin Glover (der in dem großartigen Jugendfilm THE RIVER´S EDGE spielte, Michael J. Fox´ Vater in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT war und in FREITAG DER 13. - DAS LETZTE KAPITEL die Hand an den Tisch genagelt bekommt) leistet einen ordentlichen Job als repressiver Bürohengst, dessen Demütigungen einfach überhand nehmen. Zuerst freundet er sich mit der reizenden Weißmaus Sokrates an. Dann folgen die namenlosen Legionen. Der widerspenstige Riese Ben hingegen verkörpert ödipalen Konflikt auf Ratten-Niveau. Wenn der Rattenanteil der Rache getan ist, muß irgendwas schief gehen, das spürt man sofort... Die Neuverfilmung von Glen Morgan ist ordentlich und entbehrt auch der tierschützerischen Schnitzer der Originale (verbrennende Ratten sollten niemandem Spaß machen!), geht einigermaßen behutsam und umsichtig vor. Jenseits des Achtungserfolges gibt es auch keine Neuerungen. R. Lee Ermey (der Spieß aus FULL METAL JACKET) ist angemessen widerlich als böser Chef, die immer interessante Jackie Burroughs angemessen siech als Mutter. Ohne den gewohnten Krach geht alles ganz angenehm vonstatten, ohne daß aber nennenswerte neue Akzente geschaffen würden. Wer den alten Film nicht kennt, kann sich WILLARD ohne Reue anschauen. Wer ihn kennt, bekommt eine ehrenhafte, aber unaufregende Neuauflage geboten, der sich aber niemand zu schämen braucht. Cora hat den Film mit mir zusammen gekuckt. Ihr Haupteinwand war: "Warum werden im Abspann die Ratten nicht namentlich genannt?" Ihr Favorit war die Bullen-Ratte Ben, und das ist auch mit Sicherheit der absolute Crack des Filmes. Ich will jetzt auch eine Ratte als Freund...

DONNIE DARKO
- Ein unangepaßter Jugendlicher bekommt Besuch von einem Dämon mit Kaninchenkopf und Totenschädelgesicht - was kann da falsch gelaufen sein? Dieser außerordentlich merkwürdige Film überraschte mich zutiefst, da ich aufgrund des Titels und des Plakatmotivs einen Teenie-Slasher minderer Machart vermutete. Tatsächlich beeindruckte mich der Film so nachhaltig, daß ich sofort in die Stadt lief, um die DVD zu erwerben. Es gab leider nur noch die Tinbox-Collector´s-Edition. Auf die andere Fassung - ca. 10 Euro billiger - hätte ich eine Woche warten müssen. Ich kaufte das Ding trotzdem - so sehr beeindruckte mich der Film... Okay, Donnie ist zwar ungewöhnlich intelligent, aber sehr merkwürdig. Er hat merkwürdige Visionen, die nicht etwa aufhören, als ein ganzer Flugzeugmotor auf dem Haus seiner Familie landet. Er kann mit den Leuten um sich herum nicht viel anfangen, abgesehen von der neuen Schülerin Gretchen, deren Vater gerade versucht hat, die Mutter zu erstechen. Auch ist da diese alte verwirrte Dame, die sich von fast jedem anfahren lassen zu wollen scheint und doch nur nach ihrer Post schauen will. Sie hat einst ein Buch über Zeitreisen geschrieben. Jetzt ist sie nur noch ein pittoresker Fremdkörper in der glatten Gesellschaft dieser kalifornischen Kleinstadt. Hat das etwas mit Donnies Visionen zu tun, speziell mit den merkwürdigen Würmern, die aus dem Leib seiner Zeitgenossen herausquellen? Ich gewann nach etwa 30 Minuten den Eindruck, daß ich es mit mehr zu tun hätte als dem üblichen Teenie-Slasher. Dann startete ich ab in den Mikrokosmos dieses Films. Sein David-Lynch-artiges Ende ließ mich haltlos schluchzend zurück. Ich habe geheult wie ein Bekloppter. Ich rasierte mir direkt im Anschluß meinen Bart ab, was immer das über den Film aussagt. Ich war mitten drin im Film und liebte ihn. Was genau das Ende zu bedeuten hat, weiß ich immer noch nicht, aber der Regisseur Richard Kelly (der 7 Jahre jünger ist als ich) hat mit seinem Debüt-Langfilm einige Sachen richtig gemacht. DONNIE DARKO wurde koproduziert von Drew Barrymore, die auch eine sympathische Gastrolle hat als junge Lehrerin, die einer fundamentalistisch-fanatischen Fotze Platz machen muß, die behauptet, daß Graham Greene ein Pornograph ist. Mitten im Geschehen steht Jake Gyllenhaal, der nicht nur der Sohn von Regisseur Stephen Gyllenhaal ist, sondern auch ein verdammt guter Schauspieler. Ich behaupte jetzt mal, daß er eine Menge kifft, aber es trägt hier nur zum Gelingen seiner nicht unkomplizierten Rolle bei, denn Donnie ist weit mehr als der übliche Schul-Außenseiter: Er ist ein waschechter Geisteskranker! Oder trügt da der Schein? Er ist verflucht intelligent, verglichen mit seiner debilen Umwelt. Seine Eltern sind aufrechte Republikaner und glauben den Worten von George Bush Senior. Daß die Tochter für den Demokraten Dukakis wählt, ist ein Dorn in der Seite des Familienfriedens. Dann kommt Gott, in Gestalt des Flugzeugmotors. Gibt es eine Chance für das Übernatürliche in dieser Umgebung? Donnie sieht sich TANZ DER TEUFEL im Kino an und weiß Bescheid. Der positivistisch-debile Prediger (geniale Zauberrolle für Patrick Swayze!) bekommt das zu spüren. Kinderpornos haben da auch ihren Platz. Aber was soll dieser verdammte Flugzeugmotor bedeuten? Bis das halbwegs klar wird, erscheint noch einige Male der Hase Frank, dem einiges verflucht leid tut, warum auch immer. Ich habe lange keinen Film dieser Art mehr gesehen, der mich derart aufgewühlt und umgeblasen hätte. Massivst empfohlen! Jake Gyllenhaal trat die Columbia-Universität in den verlängerten Rücken und küßte seine nunmehrige Freundin Kirsten Dunst auf den ihren, was insgesamt ein guter Tausch ist. DONNIE DARKO - toller Film.

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KÖNIGIN DER VERDAMMTEN
- Der Vampir Lestat hat sich aus Todesüberdruß für ein Jahrhundert aufs Ohr gehauen, entdeckt dann aber, daß sich die Welt sehr nach seinem Geschmack entwickelt hat. Er tut das Naheliegendste und wird Rockstar, zieht damit aber den Zorn der anderen Blutsauger auf sich... Zu Anfang dachte ich noch: Boah, das wird bestimmt ein geiler Trasher! Zu stampfenden Rhythmen erzählt der Chef-Vampir einigen Stuß, dann sieht man eine original authentische MTV-Rockgruppe im saubersten Proberaum der Welt, und der Vampir singt einfach mit! Will heißen, er gröhlt einfach: "Uaaaahahh...", und alle sagen: "Mann , bist du gut!" Lestat schlägt dann auch bei seiner anvisierten Kundschaft ein wie eine Blendaxgranate und kokettiert eifrigst mit seiner Eigenschaft als Vampir. (Scheinbar stören niemanden die Hunderte von Groupies, die verschwinden müssen...) Der Film wird niemals wirklich gut, aber er ist vom australischen Videoclip-Regisseur Michael Rymer zumindest leidlich kompetent gemacht, wenn mir die Pseudo-Manson-Musik (von Korn-Musiker Jonathan Davis) auch sehr bald mörderisch auf den Zeiger ging... (Marilyn Manson ist viel zu intelligent für so einen Plünn. Oder meint Ihr, der möchte gerne ein Vampir sein?) Naja, und dann taucht auch bald die halbe Belegschaft vom "Zwischenfall" auf - Vampire sind nämlich überall, und sie sehen genau so aus, wie Leute, die wie Vampire aussehen möchten, gerne aussehen würden. Natürlich sehen die meisten verteufelt gut aus - wer beißt schon Greise und Ömsen? Naja, man bekommt dann halt 90 Minuten lang Vampir-Kitsch der oberen Hochglanz-Liga geboten. Der narzißtische Vampir Lestat (mit seiner albernen Fiedel!) erweckt aus simpler Blutgeilheit die ägyptische Vampir-Pionierin Akasha zum Leben, die von der guten Sängerin (und mäßigen Schauspielerin) Aaliyah gespielt wird. Aaliyah starb leider kurz darauf mit 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz, was wirklich sehr traurig ist, die an dem Film Beteiligten aber nur zu einer der üblichen klebrigen Gedenk-Featuretten inspiriert hat. ("Sie hatte viel Potential, und - sie hatte viel Potential!") Wo der Film hätte weitermachen sollen, ist die Szene beim Konzert, wo die Vampire über Lestat herfallen, vor unzähligen Musikfans - das ist so überzogen, daß es schon wieder beeindruckt. Der Film selbst bleibt eine wenig geschmackvolle, sehr effekthascherische Angelegenheit, die weder guten Trash noch eine interessante Ergänzung zum Vampir-Kanon bietet. Von der Autorin der Vorlage, Anne Rice, habe ich immer noch nichts gelesen, aber Bettina meinte, sie sei so eine Art Rosamunde Pilcher für Vampire. Das möchte ich mal so stehenlassen... :)

DAHMER - Die wahre Geschichte des Sexmörders Jeffrey Dahmer. Das war jetzt so ein Teil, das ich mir mehr durch Zufall ausgeliehen habe. Ich weiß nicht, ob die Reihe von Biopics über Massenmörder für das Kabelfernsehen entstanden ist. Könnte ich mir schon vorstellen. Das filmische Handwerk ist aber deutlich besser, als man das von solchen Filmen (die ich normalerweise sehr verabscheue) gewöhnt ist, und die Filmemacher gehen auch nicht mit dem Authentizitätsanspruch hausieren. Die Hauptfigur wird eingeführt als Arbeiter in einer Süßwarenfabrik, und man bekommt sehr bald spitz, daß mit dem Mann etwas nicht stimmt. Und zwar ganz und gar nicht. In der Hauptrolle ist der (sehr wie der junge Faßbinder aussehende) Jeremy Renner absolut hervorragend. Mit "True Crime"-Geschichten kenne ich mich nicht wirklich aus und kann deswegen nicht beurteilen, inwieweit die ganzen Einzelheiten den Tatsachen entsprechen, aber allein durch die Darstellung entsteht bereits eine extrem unangenehme Wirklichkeitsnähe, die bei Einhaltung der üblichen Hollywood-Plakativitätsregeln niemals möglich gewesen wäre. Der Film enthält sich nicht nur jeglicher Effekthascherei, sondern bleibt (bis auf eine blutige Szene, die aber auch eher als irregeleitete Form von Zärtlichkeit präsentiert wird) frei von Ekeleien. Auch hier wäre das volle Splatter-Programm ein massiver Fehler gewesen, da sie vom morbiden Tagesablauf des Triebtäters abgelenkt hätte. Regisseur David Jacobson macht das sehr geschickt und unaufdringlich, verzichtet selbst auf ein kathartisches Ende. Man bleibt eher schweigend zurück und betrachtet die Menschheit mit neuen Augen. Ein guter, unspektakulärer Film mit großer Wirkung. Bin beeindruckt.

GACY - Die wahre Geschichte des Sexmörders John Wayne Gacy. Lange nicht so gut wie DAHMER, aber allein schon durch die Darstellung des moppeligen Hauptdarstellers Mark Holton ein echter Gewinner. John Wayne Gacy scheint - wenn man dem Film Glauben schenken darf - ein echter "Family Man" gewesen zu sein. Ein Cop, der gutaussehende junge Männer aus unsicheren sozialen Verhältnissen für handwerkliche Tätigkeiten engagiert - huiuiui! Der Film ist deutlich konventioneller strukturiert als der wesentlich experimentellere DAHMER, aber auch hier wird ein sehr glaubhaftes Bild der Schein-Normalität erzeugt, unter deren Fassade der namenlose Abgrund lauert... Ich habe gerade gemerkt, daß meine Videothek auch noch einen Film über Ted Bundy vorliegen hat - der kommt dann also auch noch in den Player!

SIN - Was dummen Action-Trash angeht, ist dieser Bullshit derzeit einer meiner Favoriten - der macht richtig Laune! Ving Rhames spielt einen Ex-Cop, der bei einem Festnahmen-Fuckup seinen Arm verloren hat. Man sieht ihn am Anfang, wie er irgendwo in Italien vor einem Grabkreuz kniet und hanebüchene Lyrikstreusel verstreut: "Tod, du bist so eitel!" oder etwas in der Richtung... Seine Tochter ist derweil in der alten Heimat in die Hände von drogensüchtigen Pornobestien gelandet, und in der Rolle des perversen Pornoregisseurs Charlie Strom brilliert Gary Oldman... Mein Gott, was hat dieser begnadete Schauspieler in solch einer Scheiße zu suchen? Naja, er chargiert auch nach Herzenslust, rollt mit den Augen, sabbert und trieft bei jeder Bewegung... Die Tochter von Ving ist dann auch Stargast bei einer Sadomaso-Orgie, wo ein paar der bewährten Hollywood-Drecks-Schlitzaugen ihre weltberühmte Gefühllosigkeit offenbaren dürfen. Vings Tochter (die sehr süße Kerry Washington) hat ´nen Superpart und schaut immer ganz traurig und mißbraucht in die Kamera. Damit sie einen Gegenpol hat, wird auch noch Alicia Coppola (noch eine aus dem Klan!) in die Handlung eingeführt, als Pornoregisseurin, die den Scheiß nicht mehr länger mitmachen will, schluchz... Sie wollte eigentlich lieber Kunst machen. Ja, so ist das. Ving kommt dann natürlich und haut allen die Grütze raus. Vorher wird er aber noch mit seinem nicht-appen Arm an einen Kirchenaltar genagelt (darunter macht Hollywood das nicht mehr!), schleift an dem angenagelten Arm den ganzen Altar durch eine Feuersbrunst und wundert sich dann noch, warum ihn die Leute "Action Jackson" nennen! (ACTION JACKSON, liebe Freunde und Nachbarn, war jener begnadete Unfug, in dessen Finale Carl Weathers mit seinem Sportwagen durch eine Hoteltür fährt, die Treppen hoch, durch den Flur, bis in die Wohnung des Täters - yeah!) Also, wer geglaubt hat, daß der furzernste 8 MM schon das letzte Wort zum Thema "Moderne Porno-Dekadenz" gewesen ist, kann hier mal einen Blick riskieren. Er bekommt am Schluß ein Finale, bei dem ich fröhlich gegackert habe, da es sich obendrein um eine quasi-religiöse Erlösungswirkung bemüht. Nein, nein, nein, dieses Hollywood! Wenn es das nicht gäbe, müßte man glatt eins bauen...

ANACONDA - Ein paar Anthroposophen, äh, Anthropologen begeben sich auf einem Boot nach Amazonashausen, um einen unerforschten Eingeborenenstamm zu suchen, geraten dabei aber an eine computeranimierte Riesenschlange. Tja, man bekommt bei dem Film exakt das, was man erwartet und verdient - einen leidlich kompetent gemachten Monsterquatsch mit Starbesetzung! Könnt Ihr Euch Jennifer Lopez (J Lo) und Ice Cube ("Bodycount´s in the house...") als Anthropologen vorstellen? Also, ich nicht... *gröhl* An ihrer Seite haben sie noch einen Briten, der vorhersehbarerweise als komisches Element eingeplant ist (Erinnert Ihr Euch an Pip aus SOUTH PARK? Erinnert Ihr Euch an Tony Blair aus dem Irak-Krieg?), sowie den Texaner Owen Wilson, der in THE MINUS MAN einen hervorragenden Psychopathen gespielt hat und in MEET THE PARENTS den wunderbar schleimigen Schwiegermuttertraum... Nach kurzer Wegstrecke auf dem Fluß (auf dem ich - ungelogen! - übrigens schon mal einen Piranha geangelt habe!) retten sie Jon Voight vor dem sicheren Tod. Jon Voight ist ein ganz famoser Schauspieler und war brillant in Filmen wie MIDNIGHT COWBOY oder DELIVERANCE. Auch hat er Angelina Jolie gezeugt, was immerhin erwähnt werden sollte. Ich schätze mal, er hatte einfach Spaß bei dem Gedanken, in einem Monsterfilm mitzuspielen. Vielleicht brauchte er auch das Geld. In jedem Fall drückt er unerbittlich auf die Tube und schaut so schlangenähnlich aus, daß man der Expedition eine Warnung vor die Brust nageln möchte. Der kneift die Augen zusammen, Mund leicht geöffnet, Mundwinkel nach unten - der sieht aus wie eine Mischung aus Anthony Hopkins und Anthony Steffen! Ansonsten ist der Film Dutzendware, aber er liefert exakt das, was man bei so einem Ding erwartet, und er tut es in fairer Quantität. Die Schlange ist 15 Meter lang und beißt auch schon mal Leuten, die einen Wasserfall herunterstürzen, die Rübe ab. Ich habe Schlimmeres gesehen. Tobe Hoopers CROCODILE ist schlimmer. Der ist viel schlimmer.

FLUCH DER KARIBIK - Eine junge Frau, die immer von Piraten geträumt hat, wird von den Piraten-Zombies der "Black Pearl" entführt, die einen alten Aztekenfluch per Blutopfer von ihren knochigen Schultern nehmen wollen. Allerdings gibt es da noch den heldenhaften Captain Jack Sparrow, der ein Wörtchen mitzureden hat... Tja, und ich habe ihn noch im Kino erwischt, im "Endstation" in Bochum-Langendreer! Ich liebe ja Piratenfilme - Burt Lancaster in DER ROTE KORSAR - geil hoch zehn! Captain Kidd, Mary Read und Klaus Störtebeker sind meine Freunde. Deswegen konnte auch dieser Hollywoodfilm (dem das Filmtagebuch ja auch sein Titelbild verdankt!) eigentlich nicht verlieren. Natürlich macht der Film viele Dinge massiv falsch, was bei einer Bruckheimer-Disney-Koproduktion gar nicht anders zu erwarten gewesen war. Von allem gibt es ein bißchen zu viel, und von manchen Dingen viel zu viel. Die Actionszenen sind am besten, wenn sie relativ zurückhaltend sind. Piraten sind an sich ja ein sehr uncharmantes Völkchen, weshalb man auf Charme in der Produktion schon angewiesen ist. (Burt Lancaster etwa mit seiner Zirkusvergangenheit war früher ein absoluter Charme-Garant!) Das einzige Element an diesem Film, das Charme bereithält, ist natürlich Johnny Depp, der eine unglaubliche Vorstellung abliefert und seinen Jack Sparrow wie einen bekifften Zeichentrick-Dandy-Piraten aussehen läßt. Ich bin ja immer insgeheim neidisch, wenn ich höre, daß so viele Frauen auf den oder den Hollywood-Star abfahren. Bei Johnny Depp ist das was anderes - wer so gut aussieht und so gut spielt wie er, verdient das Königreich. Bei allem Rabatz, den FLUCH DER KARIBIK auffährt, ist er derjenige, der für mich den Film im Alleingang hochstemmt. Die Geister-Piraten sind hauptsächlich computeranimiert, was aber okay ist, da man immerhin den Trick benutzt, sie in einzelnen Einstellungen von fleischlichen Raufbolden zu Knochenkumpeln abwechseln zu lassen, je nachdem, wie das Mondlicht scheint... Toll ist der Moment, wo Jack selber für einen Moment zombiefiziert, an seinem Knochenarm hochschaut und meint: "Oh, das ist interessant..." Insgesamt durchaus spaßig, det Janze, gute Unterhaltung, und der Depp ist weiß Gott kein solcher.

SEXY BEAST - Ein ehemaliger Gangster hat sich in Spanien zur Ruhe gesetzt. Der Frieden wird aber gestört, als der beinharte Fiesling Logan auftaucht, um ihn mit sanfter Gewalt zu einem neuerlichen Beutezug zu überreden. Blut fließt... Tja, wie man diesen britischen Film klassifizieren soll, weiß ich selber nicht. Ist das ein Gangsterfilm? Eine schwarze Komödie? Ich habe mir das Ding mal auf Verdacht für 4,95 Euro mitgenommen, da mir Sailor RIP so vorgeschwärmt hat. Und siehe da, er wäre auch weit mehr wert gewesen, denn er ist exzellent inszeniert und rockt massiv! Der in Großbritannien sehr bekannte Ray Winstone spielt einen schmerbäuchigen Killer, der einfach nur noch seine Ruhe haben möchte. Er liebt seine Frau (eine ehemalige Pornotrulla), will Vergangenheit Vergangenheit sein lassen. Dann kommt Ben Kingsley als Erzschurke Logan. Der Mann ist hochintelligent, pflegt einen überaus reduzierten Sprachduktus und hat eine gewaltige sexuelle Störung. Und hier merkt man erst, wie gut der Film ist: War der Anfang auf dezente Weise komödiantisch, wird die Sache jetzt biestig, weil die Gespräche alle ihre Bedrohlichkeit aus dem abgehackten Hinundher beziehen und der irritierenden Beziehungslosigkeit. Man weiß, daß es hier um Leben und Tod geht, aber man fragt sich andauernd: "Was redet der böse Mann da gerade?" Daß Ben Kingsley ein Bombenschauspieler ist, weiß man nicht erst seit gestern, aber hier wird er ergänzt von einem sehr schlauen Drehbuch und einer exzellenten Regie von Jonathan Glazer, die beweist, daß Filme von Ex-Videoclip-Regisseuren nicht immer in unverbindlichen Schmodder abdriften müssen. Was der Titel des Filmes übrigens bedeuten soll, weiß ich selber nicht. Das ist ein ähnliches Rätsel wie bei STRAW DOGS von Peckinpah, der ja angeblich auf einem chinesischen Sprichwort basieren soll. ("Sexy-Biest, das du stehst in Halm von Schilf, kehle nie den Lücken zu dem bösen Mann aus Honolulu!") Toller Film!

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KICHIKU
- Ein paar junge Leute in einer linksgestrickten Studentengruppe agieren ihre diversen menschlichen Defizite aus und begehen Waldfrevel im Quadrat. Das Regiedebüt von Kazuyoshi Kumakiri sorgte bei seiner Aufführung auf der "Berlinale" 1998 für entsetzte Besucher und sicherte sich einen Ruf als Skandalfilm. Tatsächlich ist der Film sogar recht ernsthaft gemacht und - bedenkt man den Umstand, daß der Filmemacher erst 23 war - durchaus beachtlich. Allerdings finde ich es hier einmal wirklich nicht unproblematisch, daß viele Splatterfans sich den Film lediglich unter dem Gesichtspunkt der Spezialeffekte ansehen werden, denn von Fun-Splatter ist der Film meilenweit entfernt. Stattdessen versucht sich der Film am Genre des Psychodramas und schildert den Ursprung von Terrorismus als eine Mischung von gesellschaftlichem Außenseitertum und persönlichen Problemen. Die Botschaft "Psychosexuelle Konflikte make the world go round" ist so neu nicht, und was als eine Art Pickelausdrück-und-Vögel-WG beginnt, wird ab etwa einer Stunde zu einer Widerwärtigkeit von einigen Gnaden. Die jungen Leute - die vorher lediglich so wirkten, als wären sie beim AstA rausgeflogen - drehen richtig ab, als die Situation extrem wird, und Kastration und ähnliche Ausfälle sind die Folge. Wäre der Film nicht so offensichtlich ernstgemeint und um die minutiöse Darstellung einer Extremsituation bemüht, würde es sich nur um einen hinterletzten Sado-Exploiter übelsten Zuschnitts handeln. Auch so kann einem aber ganz anders werden, wenn man sich vor Augen führt, daß es sehr viele unterschiedliche Zuschauergruppen gibt, und sich diesen Film als Splatterfilm à la VERSUS anzuschauen, wäre schon sehr sick. Tatsächlich finde ich, daß der Film ab dem Moment krass abfällt, wenn die Blutrunst einsetzt. Hatte ich es schon bei AMERICAN PSYCHO sehr begrüßt, daß die Regisseurin die Gewalt des Buches extrem abgeschwächt hatte, um das Augenmerk auf die Abartigkeit der Figuren zu lenken, so ist man spätestens bei dem Kopfschuß eher angeekelt vom Film als von den Figuren. Auch danach gelingt es einem nicht, eine Bindung zu den (durchweg unsympathischen) Charakteren aufzubauen. Kumakiri gelingt es sicherlich, die dargestellte Gewalt zu motivieren und als Abartigkeit zu kennzeichnen, aber auf emotionaler Ebene war ich irgendwann raus und habe mich nur noch darüber geärgert, daß Übungen in filmischem Exzeß sich zunehmend selbst ihrer Wirkung berauben. Eine filmische Roßkur wie Pasolinis DIE 120 TAGE VON SODOM erfüllte noch ihren Zweck. Zwei oder drei dieser Filme - schön und gut. Aber irgendwann wird es zu solch einer Selbstverständlichkeit, das exzessive Ausleben von Gewaltphantasien zu thematisieren, daß man zwangsläufig abstumpft. Zugegeben, mir sind ernsthafte und gut gemachte Filme wie dieser hier deutlich lieber als dilettantischer Splatter-Quatsch wie VERSUS oder der ideologisch nicht ganz unbedenkliche BATTLE ROYALE, aber letzten Endes fördern sie nur die Mutlosigkeit, solchen Mißbildungen der Gesellschaft entgegenzuwirken. KICHIKU ist absolut nihilistisch und scheint keine Hoffnung für die Menschheit zu besitzen. Ich wünsche dem Regisseur jedenfalls, daß er als nächstes einen GLÜCKSBÄRCHI-Film machen kann - mal schauen, was draus wird! KICHIKU ist nicht schlecht - es kann einem aber nur schlecht von werden... Wenn man depressiv drauf ist oder keine Lust hat, sich arg zusetzen zu lassen, sollte man vom Betrachten des Films auf jeden Fall Abstand nehmen! (Anmerkung: Wer sich den Film trotz meiner Gesundheitswarnung antut, sollte danach das beigefügte "Making Of" schauen, das die Laune wieder etwas hebt, sieht man doch die nunmehr sehr freundlichen Schauspieler beim Herumflachsen...)

ROUTE 666 - Einige Beamte des Zeugenschutzprogrammes sollen einen ausgebüchsten Kronzeugen zum Prozeßtermin bringen und benutzen dabei dummerweise eine stillgelegte Strecke der "Route 66", wo ein paar Geisterzombies ihr Unwesen treiben. Hmm, also das ist der neue Film von William SCARECROWS Wesley... Gar so schlecht, wie die Kritiken vermuten ließen, fand ich den Film nicht. Ebenso wie bei BONES (und etwa 98 Prozent der amerikanischen Horrorfilmproduktion!) muß man freilich sein Gehirn an der Kinokasse abgeben, um auf seine Kosten zu kommen. Eigentlich ist es ja ein Armutszeugnis, wenn die Nicht-Horror-Anteile in einem Horrorfilm wesentlich netter sind als der Rest, und ich hatte hauptsächlich meinen Spaß an den Austäuschen des knallharten Helden Lou Diamond Phillips und seinem schwarzen Schützling  Steven Williams. Obwohl ich immer häufiger Filme in der deutschen Fassung höre, wenn ich mich nett berieseln lassen möchte, wählte ich hier den Originalton, und das war wohl wirklich die bessere Variante. Dale Midkiff (aus PET SEMATARY) gibt eine gute Vorstellung als Arschloch (wie Cora sagen würde: "Yuppie scum must die!"). Wo es problematisch wird, sind die Auftritte der Zombies, denn die Wackelkamera reicht mittlerweile nicht mehr aus, um Szenen gruselig zu machen, und das Make-Up der Burschen ist ziemlich unterirdisch. Besonders stulle fand ich den Typen mit dem Preßlufthammer, wobei ich schon anmerken möchte, daß ich ein Herz für stumpfe Bösewichter à la Jason habe - die machen den Eindruck, als müßten sie jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen und zur Arbeit gehen... (Freddy ist für mich ein elitärer Fatz, aber dazu habe ich meine Meinung ja schon mal kundgetan!) Das Drehbuch ist völlig närrisch - mit der übernatürlichen Gefahr konfrontiert, wissen die Helden immer gleich so Sachen wie den Umstand, daß die Zombies nur auf Asphaltplätzen erscheinen können, also auch im Tankstellenklo! Wenn am Schluß noch die Geister-Dampfwalze auftaucht, ist ganz Feierabend - schöner Gastauftritt auch von Peckinpah-Veteran L.Q. Jones! Also, nette Doofie-Unterhaltung, wenn man´s braucht! (Und ich brauchte das gestern abend...)

THE DEAD HATE THE LIVNG - Tscha, ein veritables Fanboy-Produkt vom sonstigen Trailer-Cutter und Making-Of-Mann Dave Parker, der für "Full Moon" schon so einiges gemacht hat. Den ganzen Film über wimmelt es von Verweisen auf andere Horrorfilme, etwa einen Grabstein für Lucio Fulci oder eine Anspielung auf Make-Up-Spezialist Giannetto de Rossi. Der Film beginnt mit zwei Szenen zum Jaulen, nämlich einem Videotagebuch, in dem ein Wissenschaftler (der eher aussieht wie eine lebendig gewordene Crack-Pfeife!) von einem Zombie umgelegt wird. Dann folgt eine Horrorszene, die sich aber als "Film im Film" herausstellt - stöhn. In einem stillgelegten Krankenhaus versucht eine Crew von Möchtegern-Filmemachern, Schrecken auf Zelluloid zu bannen. Die Gelegenheit hierzu bietet sich, als man im Keller einen merkwürdig aussehenden (und aufrecht positionierten) Sarg entdeckt, in dem eine echte Leiche liegt - der Crackbolzen vom Anfang. War der erste Teil des Filmes noch eine einigermaßen drollige Parodie auf B-Picture-Filmmaking, passiert jetzt ein echter Klops: Die Jungs wollen einfach weiterdrehen und die Leiche als Requisit verwenden! Und die Crew macht mit! Aua... Der Sarg erweist sich dann als Tor zur Hölle, und ebenso als Tor zu fröhlichem Splatter-Quatsch, denn der Crackmann (und einige andere, die wohl gerade in diesem Winkel des Jenseits herumhingen) erwachen zum Leben und geben den College-Kaspern Saures. Dabei ist positiv zu vermerken, daß das Make-Up der Wiedergänger immerhin lustig ist, und wenn man mit solchen Clownereien was anfangen kann, liefert der Film durchaus das, was er verspricht. Mir selber ist solch eine Aneinanderreihung hanebüchener Situationen, mit denen die Splattereffekte mehr schlecht als recht legitimiert werden, mittlerweile deutlich zu wenig. Solche Sachen haben für mich einen "Hey, wir brauchen keine Atmosphäre und machen uns stattdessen über alles lustig!"-Ansatz, den ich eher unsympathisch finde. Beachtlich ist allerdings, daß der Film ursprünglich ab 16 lief (ob geschnitten oder ungeschnitten, darüber teilen sich die Meinungen in den Foren) und wohl uncut im Fernsehen ausgestrahlt wurde, und Szenen wie jene, in denen ein rechter Grimmbär von Zombie einem der Yuppies die Eingeweide herausreißt und ihn dann daran durch die Gegend schleift, sind schon etwas happig... Die DVD enthält ein nettes "Making Of", daß aber leider blöd überlabert wird. Vielleicht war ich aber auch nur zu doof, den Ton umzuschalten...

LURKING FEAR - Abzuraten! Ein weiterer Versuch von "Full Moon", sich der Geschichten H.P. Lovecrafts anzunehmen und sie für ein neues Publikum modisch aufzupeppen. In diesem Fall gab man der Originalstory einen Kriminalplot hinzu, der von einem Schatz handelt, der in einem Sarg versteckt sein soll und Ganoven anzieht wie Motten das Licht. Die Schauspieler sind richtig lausig, mit der einzigen Ausnahme des Briten Jon Finch. Bei jedem Auftritt als schleimiger Ober-Gangster versprüht der Shakespeare-Theaterdarsteller (den man auch als Protagonisten aus Hitchocks FRENZY kennen mag) lässige Professionalität, was bei diesem Müll-Drehbuch schon eine Leistung ist. (Seine Leistung kann man nur wirklich würdigen, wenn man den O-Ton einschaltet.) Der Rest der Besetzung spielt entweder hölzern (das Mädel aus HELLRAISER) oder chargiert über (Jeffrey Combs). Die Ghouls sehen einfach nur dull aus und werden am Schloß mit lauter Bombastik-Buff-Bomben konfrontiert, die sich Lovecraft so wohl auch nicht gedacht hat. Für diesen Film hätte man nicht nach Rumänien fahren müssen, wo der Großteil des Filmes entstand. Dadd is´ ziemlicher Murks, Freunde!

BONES - In einem ghettomäßig verbrieften Spukhaus wollen junge Hallodris eine Disco eröffnen. Dabei bekommen sie es mit dem Geist eines Super-Pimps zu tun... Nein, dieser Film handelt nicht vom Schiffsarzt der "Enterprise", "Bones" McCoy! Stattdessen bekommen wir einen Retro-Blaxploitation-Supergau geboten, daß einem die Rastalocken qualmen... In der Hauptrolle als Geisterloddel brilliert Gangstarapper Snoop Doggy Dogg. Nicht, daß er schauspielerisch etwas auf der Latte hätte, aber er besitzt natürlich die Mischung aus arroganter Ausstrahlung und Rampensauqualität, die solch eine Rolle zum Funktionieren bringt. Und das ist nicht selbstverständlich, denn das Drehbuch ist so hohl, das schwimmt sogar in Milch! Abgesehen von diversen mäßig originellen visuellen Einfällen (wie z.B. der schwarzweißen "Höllenwand", in der die Verdammten herumjammern) gibt es in der zweiten Hälfte nur noch viel konventionelles Geknalle und Gezische, das zwar wach hält, aber nicht sättigt. Schön aber, Pam Grier als schwarzmagisch beleckte Ex-Geliebte des Doggy Doggs zu sehen - die Frau schaut immer besser aus, je älter sie wird! In weiteren Nebenrollen findet man die eine der beiden Miezen aus GINGER SNAPS und eine extrem gutaussehende dunkelhäutige Darstellerin, von der man im besten Sinne des Wortes mehr sehen möchte! Regie führte Ernest Dickerson, der als Kameramann tolle Arbeit bei einigen Spike-Lee-Filmen verrichtet hat und schon beim launigen EC-Horror-Comic RITTER DER DÄMONEN als Filmemacher hervortrat. BONES ist komplett hirnfrei, aber einigermaßen unterhaltsam und temporeich. Ich finde, der Herr Dogg sollte lieber weiterhin den Dämon machen, als in drittklassigen Pornovideos mitzumischen...

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