BRD 1951
R:
Kurt Oswald
B:
Richard Oswald
K:
Ladislao Vajda
M:
Christian Anders
D:
Marianne Hoppe, Luis Trenker, Dietmar Schönherr, Paul Dahlke,
Attila
Hörbiger, Hans Nielsen, Kristina Söderbaum...
Walpurga Hundgeburth, die Frau des Almbauern Waldemar Hundgeburth, kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Mehr als beglückt, den desolaten Umständen ihrer Jugend durch die Liebesheirat entronnen zu sein, fügt sich Walpurga in die Mißlichkeiten, die eine Ehe mit einem Almbauern mit sich bringt. Trotzdem erweist es sich, daß man die Vergangenheit nicht ohne weiteres abschütteln kann: Walpurga infiziert ihren Galan mit einer unaussprechlichen Krankheit, die ihr junges Glück in Verruf bringt. Ganz Benediktbeuren steht Kopf, als der Ursprung der Krankheit ruchbar wird. Nur das beherzte Eingreifen des Erzherzogs Max kann Abhilfe schaffen...
Daß ausgerechnet ein Drehbuch des ehrenwerten Richard Oswalds (der einst einige von Deutschlands ersten Aufklärungsfilmen zu verantworten hatte) zu dem ersten Schocker führte, der sich explizit mit Geschlechtskrankheiten auseinandersetzte, ist eine Ironie des Schicksals. Oswald schuf u.a. den ersten deutschen Film über Homosexuelle, ANDERS ALS DIE ANDEREN, der später von dem Regisseur Veit Harlan sinnentstellend neu bearbeitet wurde. Für diesen und andere Filme wurde Oswald alsbald von den Naziverbrechern geschaßt. In GRÜN IST DIE EICHEL entfaltet sich das ganze Spektrum seines aufklärerischen Wagemuts. Erst sein Sohn konnte die kühne Konzeption in angemessener Ausdrucksstärke auf die Leinwand bringen, die hier in der Gewandung eines frühen Heimatfilmes landläufige Konzeptionen über die Normalität des Almalltages ins Wanken bringt. Das durchaus zu Herzen gehende Drama der gefallenen Walpurga im Bannstrahl ihrer unbarmherzigen Gegenwart ist ein Nackenschlag für das unverbindlich vor sich hin dümpelnde Deutschland, dessen Massen in nichtige Eskapismen flohen, um den geballten Stumpfsinn des Nachkriegsdeutschlands vergessen zu machen. Diese frühe Auseinandersetzung mit dem brennend heißen Thema der sexuellen Infizierung ist besonders brisant im Hinblick auf die späten 60er Jahre, in denen die Topoi der Heimatfilme umgebogen wurden in pseudo-sexfreundliche Klamaukfilme, in denen die Verklemmungen einer sinnesfeindlichen Ära ungeschmälert zum Ausdruck gebracht wurden. Ein Meisterwerk des frühen deutschen Aufklärungsfilmes.