FAUNA SOFT

In Harry Garms´ Werk "Fauna Europas" geben sich die Tiere Europas die Klinke in die Hand. Cora reichte mir das Buch neulich, als wir einen gelben Vogel identifizieren wollten, den wir im bei Bochum gelegenen Muttental gesichtet hatten. Der Vogel entpuppte sich als Girlitz, aber die Lektüre des 552 Seiten umfassenden Wälzers fesselte uns so, daß wir jenseits des Girlitzes daran kleben blieben. Wir vollzogen die phonetisch nachempfundenen Ausrufe der Vier- oder Zweibeiner nach - manchmal auch pantomimisch - und lachten uns einen Ast. Auch die vorgefundenen Tiernamen forderten zum Beömmeln auf. Dies ist die Natur, die uns umgibt. Sie ist überall, und wo Federn, Stacheln und Schuppengeflecht den Menschen angenehm auf seiner Reise durch die Endlichkeit verwirren, da gibt es Antwort in diesem Buch. Wie sieht das im Einzelfall aus?

Der Rohrschwirl, welcher vorwiegend in Spanien, Portugal oder Südfrankreich vor sich hin schwirlt, bevorzugt das Uferdickicht von flachen Seen mit Schilf oder Binsen, das gute Versteckmöglichkeiten offeriert, was ja auch einleuchtet. Sein Ruf lautet für gewöhnlich "zick-zick", aber singen tut er (zirpend) "örrr-örrr" oder "ürrr-ürrr". Auch nachts, will es die Parenthese.

Der Orpheusspötter wird da schon wesentlich konkreter und verlangt nach "titt-titt". "Hüld" lautet die Alternative. Sein Gesang ist schnell und abwechslungsreich, "nicht so gepreßt wie beim Gelbspötter", der ja auch ziemlich forciert wirkt, der Gelbspötter, wo immer man ihn trifft.

Man trifft ihn in Mittel- und Osteuropa, den Gelbspötter. Er bevorzugt Waldränder, Parkanlagen und Gärten mit hohen Bäumen. Sein Nest ist napfförmig und mit Astwerk verpflochten. Zweige, Stengel und Wurzelfasern sind sein Alles. Innen beklebt er alles mit Wolle oder Federn. Die Eier sind rosa, mit dunklen Flecken oder Punkten, was bei Menschen zur Besorgnis anhalten würde. Sein Ruf lautet "däck-däck-däckde-wih", während sein Gesang eher in Richtung "knäik-knäik-deluisih" geht. Was der in Klammern gesetzte Vermerk "Vogelstimmenimitator" soll, weiß ich leider nicht. Vielleicht heißt das, daß der heutzutage schmählich in Verruf gekommene Berufsstand der Vogelstimmenimitatoren hier eine Fundgrube fände. Mehr Vogelstimmenimitatoren! Das fände ich beatmender als TV-Persönlichkeiten wie die Christiansen.

Und hat sich schon jemand um die Spermagrasmücke gesorgt? Die Spermagrasmücke lebt ja auch quasi nur in Oberitalien, Dänemark und Südschweden. Manchmal kommt sie auch in der UdSSR vor. Für ihr Nest verwendet sie Haare als Auslage, und ihr Ruf ist "tscheck-err". Und - oh je - sie heißt Sperbergrasmücke!

Der Weidenlaubsänger oder Zilpzalp zilpzalpt sich durch fast ganz Europa. Ich weiß, daß das viele erschrecken wird, aber es ist so. Bemerkenswert ist vor allen Dingen sein seitliches Einflugloch, mit dem er das kugelförmige Nest ausstattet. Sein Gesang lautet wenig originellerweise "zilpzalp". So ein Langeweiler!

Der Zwergschnäpper erfreut sich aufgrund seines politisch inkorrekten Namens keiner übermäßigen Beliebtheit, aber das zu Unrecht, denn er ist ein äußerst liebenswerter Vogel und verwöhnt vor allem den Ostblock mit seinem "tink-tink-eida-eida-eida-wied-wied-wied". Er verköstigt sich mit Insekten und deren Larven. Ist das ein ökologischer Verdienst? You be the judge!

Der Steinschmätzer macht sich bemerkbar durch sein "töck-töck" und gelegentlich "jiew-jiew-jiew". Mal im Ernst, wenn ein Vogel mir gegenüber so etwas verlautbaren würde, würde ich ihm den Vogel zeigen! Der kann ja wohl nicht dafür... Er pflanzt sich fort in Felspalten, Steinhaufen und "seltenen Kaninchenhöhlen", was mir auch recht angemessen dünkt. Erst durch dummerhaftiges Töcken unangenehm auffallen, und dann auch noch die lieben Kaninchen verscheuchen! Das ist mir ja einer...

Die Alpenbraunelle zwitschert sich lerchenähnlich durch den Mittelmeerraum, gelangt aber auch bis in den Kaukasus. Sie zieht ihre Insekten, Schnecken, Würmer und Beeren meistenteils aus "Geröllhalden über der Baumgrenze", wie immer sie das macht. Ihr "trrui-trrui" oder "tjürr-tjück-tjück" klingt auch selten bescheuert. Die Alpenbraunelle ist auch mehr so ´ne bessere Schrottamsel.

Die Heidelerche treibt sich fast überall herum. Der kann man auch mal in Castrop-Rauxel über den Weg laufen! Sie steigt "singend steil in die Luft", was mir auch gelegentlich passiert. Auch singt sie "im Rüttelflug" weiter, was immerhin angenehm anrüchig klingt. Ach nee, das ist ja die Feldlerche! Die Heidelerche hat manchmal Kinder, aber die verlassen ihr Nest nach ca. 9 bis 15 Tagen, was ich auch tun würde, wenn meine Mutter "meist im Fluge, auch sitzend, `lülülü´mit abfallender `düdldüdl´-Strophe" singen würde. Die hat doch nicht alle Nadeln an der Tanne, die Heidelerche! Wer schaltet das Jugendamt ein?

Die Stummelleiche, äh, -lerche kennt als Ruf nur ein mattes "prrit", was mir in diesem Fall auch einsehbar scheint. Ich würde mich als Stummellerche auch nicht mehr trauen.

Die Schwanzmeise erfreut das Gebälk Europas (=Eures Opas, haha!) durch Gesänge wie das erregte "serrp-serrp". Komisch, ich muß mir jetzt eine Meise mit einem Riesenständer vorstellen, aber das liegt wohl nur an meiner verkommenen Wesensart.

Die Beutelmeise hat eine Brutdauer von etwa 20 Jahren und einen Ruf namens "zieh-zieh". Der Gesang (leise) lautet "si-si-si". Das ist jemand, der sich selbst antwortet - in seiner Autarkheit ebenso lobens- wie nachahmenswert. Die Beutelmeise schleppt sich selbst. Fesch!

Der Grauwürger ist die Antwort des Tierreiches auf Trude Unruh. (Oder umgekehrt.) Er ist ein "Teilzieher", was immer das heißt. Die Beute wird "nicht aufgespießt, sondern in Astgabeln geklemmt". Das macht Sinn, denn so hat man vorher noch eine Menge Spaß! Der Ruf lautet "äk-äk" (wie die Marsmenschen aus MARS ATTACKS) oder "giehr" (wie Dagobert Duck).

Der Unglückshäher "klettert meisenartig in den Bäumen" und befindet sich "im Winter gern in der Nähe menschlicher Siedlungen", was ich auch ganz gut nachvollziehen kann. Er ernährt sich unter anderem von Abfällen. Zu seinen Rufen zählt das wunderbare "huisk-i". Wer jemals einen Vogel "huisk-i" rufen hören möchte, wende sich an den Unglückshäher!

Der Heckenpisser kommt meistens nur in Tasmanien vor, was ihm von der europäischen Ornithologiefront scharf verargt wird. Er ernährt sich vornehmlich von seinen Jungtieren und scheidet sie aus als Dung. Sein Nest kleidet er aus mit dem Scheidensekret frühzeitig ergrauter Biber. Sein Ruf erschillt nur zu Nachtzeiten, und er heißt "Bi-bop-ä-lula".

Abgesehen vom letzten Tier sind alle Vögel erhältlich im oben angegebenen Standardwerk. Das ist wild, unterhaltsam und lehrreich! Wärmstens empfohlen. Und das waren nur die Vögel...

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