THIS IS THE END...
oder Es ist fünf nach zwölf
Italienische Endzeitfilme, die nachdenklich machen
Es gibt sehr, sehr wenige Science-Fiction-Filme aus Italien. Dies ist
sehr schade, haben sich italienische Kommerzfilme doch meist durch eine
starke visuelle Seite hervorgetan. Was für Möglichkeiten hätte es da
gegeben: Filme über riesige Salmonellen, die das Kolosseum verwüsten;
fliegende Untertassen gegen die Mafia; Kommissar Eisen im
Weltraum... Die vertanen Chancen treiben einem die Tränen in die Augen.
Woran lag's? War es die Angst vor der eigenen Courage, im direkten
Vergleich mit Hollywood doch aufgrund der nicht so ausgefeilten
Spezialeffekteressourcen auf die Römernase zu fallen? Aber, aber! Hat
es Antonio Margheriti, jenen Chefkoch unter Cinecittàs Trivialästheten,
etwa gestört, daß die Astronauten in seinen Mitt-60er-Weltraumopern an
deutlich sichtbaren Drähten durch die Gegend schweben Oder daß die
Monstertentakel, die auf fremden Planeten gekappt werden, etwas an
einen handelsüblichen Gartenschlauch gemahnen? Tut das diesen trefflich
gearbeiteten Filmen etwa Abbruch?
Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Was sich manche Regisseure haben
einfallen lassen, um dieses Manko zu besiegen, verlangt nach
Bewunderung. So war z.B. Mario Bavas vielbesungener TERRORE NELLO
SPAZIO (PLANET DER VAMPIRE) eigentlich der erste veritable
Gothic-Horror im Weltenraum, lange vor ALIEN. (Zwar wird häufig der
lustige Cahn-Film IT! THE TERROR FROM BEYOND SPACE als ALIEN-Stammvater
genannt; die schauerromantische Poesie von Bavas Film geht diesem
flinken Gassenhauer aber ab.)
Doch die SF-Filme sind gegenüber den anderen großen Genres wirklich in
der bedauerlichen Minderzahl. Ausnahmen gibt es freilich: Als Anfang
der 80er der Australier George Miller zu seinem Rundumschlag gegen die
Zivilisation ansetzte, der da lautete MAD MAX 2-DER VOLLSTRECKER,
waren die Italiener zur Stelle. Es hagelte mehr oder weniger gelungene
Nachahmungsfilmchen, deren Kostümausstatter häufig aus dem reichen
Fundus der verschiedensten Filmgattungen schöpfen durften.
Selbiges traf auch zu, als der Sozialdarwinist aus Österreich mit
donnernden Hufen die Altzeit erbeben ließ und zu seinem Siegeszug um
die ganze Welt antrat! Aus allen Richtungen strömten sie herbei: Ator,
Thor, Eigentor. Und wer könnte jene wunderbare Kurzserie von nur zwei
Endzeitfilmen vergessen, die Castellari den WARRIORS
hinterhergeschleudert hat?
Dieser Artikel macht sich die Freude, einige der schönsten
Gegenentwürfe zur knabbergebäckfrönenden Zivilisation näher zu
betrachten, dabei Sinn und Unsinn locker Revue passieren zu lassen. Die
Elaborate sind von sehr unterschiedlicher Qualität; einige, so
argwöhnen manche, fordern gar zur Gewalt auf. Nun ja. Das tut
AKTENZEICHEN XY auch, wenn man der Berichterstattung eines nicht lange
zurückliegenden Entführungsfalles Glauben schenken darf. Die Anregungen
für geschmackliche Entgleisungen liegen auf der Straße. Man muß nur
suchen. Wer sich bei seinen Straftaten auf keulenschwingende
Neanderthaler oder Bodybuilder in schwarzen Latex-Strampelhöschen
beruft, darf sich jedenfalls einer gewissen Originalität rühmen, die
ihm bei Ede Zimmermann wahrlich versagt bleibt.
Los geht's!
ROCK
ME, BABY!!!
Ein schöner Start ist bekanntlich die halbe Miete. Und wie könnte man
solch einen Artikel angemessener beginnen als mit einem Film, dessen
deutscher Kinotitel lautet: ROCKIT
- FINAL EXECUTOR?
Abgesehen davon, daß in diesem Film keine Person mit dem Namen "Rockit"
auftaucht, beschert der fast schon obligatorische Anfangskommentar
einen Einblick in die Handlung des Films. Es geht um die postatomare
Zukunft, in der ständig verstrahlte Mitmenschen vom übrigen Kader
separiert werden "müssen".
Solchermaßen instruiert, sieht sich der mit reichlich Salzletten und
Bier (eventuell auch Freunden, aber die sind nicht so wichtig!)
ausgestattete Zuschauer einem Backpfeifengesicht namens Alan gegenüber,
der im Begriff steht, ausgestoßen zu werden. Ich kann das sehr gut
verstehen: Wenn es jemals ein Individuum verdient hat, ausgestoßen zu
werden, dann Alan. Der Schauspieler heißt übrigens William Mang,
verkörpert aber keine gelbe Gefahr. Er sieht einfach nur etwas doof
aus. Um ausgestoßen zu werden, muß man übrigens in eine U-Bahn steigen
("Isolierungszug"). Draußen sieht sich der frisch Geschaßte einigen
Ruinen gegenüber, die entweder einem Vorort von Rom entstammen oder
Bremen-Schwachhausen.
Obwohl er doof aussieht, klebt ihm gleich eine Heldin mit ihren
fettigen Haaren am Hacken. Das Glück währt aber nur kurz, denn eine
Bande fieser Rocker (deren Obermotz auf den Namen Melvin hört)
überfällt das aufgestoßene Paar und vergnügt sich mit der Fetthaarigen
solange, bis sie tot ist. Die Rocker werden uns als nicht
resozialisierbare Sonderfälle vorgestellt, die von Gruppenzwängen zu
unvorstellbaren Schandtaten getrieben werden. Alan hat dafür allerdings
kein Verständnis: Er will Rache. Erstmal schlagen ihn die Melvins aber
zusammen, bis er Blut speit. ("Ihr seid keine Menschen! Abschaum seid
ihr, Dreck, DRECK!!")
Was für ein Glück, daß es auch in der postatomaren Wüste noch Samariter
gibt: Der Ex-Polizist Sam ist schwarz und gut und Woody Strode, der
hier eine eher undankbare Rolle erwischt hat. Da ihm der Spieß im Blut
liegt, trainiert (= schindet) er Doofkopp Alan, bis ihm die Drüsen
qualmen. ("Ja, kriechen, kriechen sollst du, du gottverdammter Wurm!" -
"Schwäche zu zeigen, bedeutet den Tod!")
An dieser Stelle sollte kurz angemerkt werden, daß der
Film gar nicht so schlecht ist, auch wenn sich das hier vielleicht
anders ausnimmt.
Um den Melvins an den Kragen zu gehen, muß er sich mit einiger
Hintertücke in das Fort einschleichen, das die Unholde bewohnen. Und
dann geht das Gemetzel los, die Fetzen fliegen, kein Achselhaar bleibt
auf dem anderen...
Ich bin dazu angehalten worden, festzuhalten, daß Herr B. aus S. den
Film für ein Meisterwerk hält. Die zeitgenössische Kritik ist mit dem
Film wenig glimpflich umgesprungen. Meine Meinung liegt irgendwo
dazwischen. Handwerklich ist der Film ordentlich gemacht, zumal, wenn
man sich vor Augen hält, daß das Budget etwa bei einer Flasche
Spaghetti gelegen haben muß.
Viele Actionszenen in L'ULTIMO GUERRIERO (1983) (O-Titel) erinnern in
ihrer Zeitlupenstrategie an Castellari. Dies überrascht nicht, denn es
bleibt in der Familie: Regisseur ist Romolo Guerrieri (=Girolami),
Enzos Onkel, der einige gute bis sehr gute Filme auf dem Kerbholz hat,
die handwerklich eigentlich alle sehr versiert gemacht sind und über
eine interessante Handlung verfügen. Mit der Handlung hat es bei diesem
Film nicht so ganz geklappt. Die deutsche Synchro hat aber auch diesem
Film übel mitgespielt. Es fällt schwer, eine dramatische Grundstimmung
zu erzeugen, wenn andauernd Austäusche stattfinden wie: "Hey, wie heißt
du eigentlich?" - "Ich heiße Alan." - "Aha. Und ich bin Sam. Eigentlich
ist es egal, wie man heißt. Das einzige, was zählt, ist, zu
überleben..."
Ideologisch beißt sich der Film in den eigenen Schwanz. Da fallen wahre
Klassenkampfparolen; von den "Privilegierten" wird gesprochen, die die
armen "Ausgestoßenen"...na, eben ausstoßen! Dann aber trumpft der Film
auf mit geballtem Sozialdarwinismus, die Muskeln flexen, das Gesetz des
Stärkeren triumphiert. Aber das alles ist natürlich etwas neben dem
Punkt. Die Hauptaussage des Filmes ist die, daß alle schwer was auf die
Mütze kriegen sollen. Und dieses schöne Motto wird zu einem stets
wiederkehrenden New Wave/Disco-Motiv ausgiebigst beherzigt.
Anmerken möchte ich noch, daß Harrison Muller einen
Musketier-Sadomaso-Rocker mit weißem Johannes-Heesters-Schal spielt,
der meist zu sehen ist, wie er ein Samuraischwert dramatisch aus seiner
Scheide zieht. (Die hat er nämlich auch.)
Insgesamt ein durchaus gelungenes Partytape mit einem recht spannenden
Schlußakt. Der Film ist WIRKLICH nicht so schlecht! Und fotografiert
von Guglielmo Mancori, der einer ganzen Sippe von guten Kameraleuten
entstammt.
Wachposten: "Hier ist allmählich wirklich alles im Arsch!"
THE
DAY IM AFTER
Wie schwer ist es, einen brauchbaren Endzeitfilm zu drehen? Nicht sehr.
Die Erwartungen sind nicht gar zu hoch. Mit dem Film URBAN WARRIORS
(IT-Titel nicht eruierbar) hat man es mit ganz erlesenem Müll zu tun.
Die VideoWoche schrieb ihrerzeit über den Film "Apokalypse am
Baggersee", was nicht nur hübsch formuliert ist, sondern die Sache auch
auf den Grünen Punkt bringt.
Brad Milford und zwei andere Luschen gammeln in einem "modernen
Computer-Centrum" herum, als es an der Oberfläche gigantisch pilzt.
Natürlich bekommen die Burschen nichts mit; einer verstaucht sich aber
trotzdem den Knöchel.
Als die drei nach draußen gehen, sehen sie nichts, wo vorher angeblich
viel gewesen ist: Doomsday was here. Da es unter den obwaltenden
Umständen keinen großen Sinn macht, nach den Autos zu suchen, tapern
sie durch die Gegend. Sie finden u.a. eine Scheune; eine Bande
mutierter Rocker, die den Verstauchten durch Kopfabreißen von seinem
Leid erlöst; und ca. 10 Minuten recycletes Material aus ROCKIT - FINAL
EXECUTOR!
Wie dreist kann man eigentlich sein?? Die gesamte Partie mit
Western-Bäddie Giovanni Cianfriglia (komplett mit Nietenarmbändern und
dazu passendem Halsring) ist geklaut, sowie zwei oder drei andere
Sequenzen, darunter auch der tolle Schal von Muller.
A bissele enttäuscht war ich ja schon, denn Regisseur Giuseppe Vari
steht gemeinhin für gute Exploitation-Ware. Hier steht er überhaupt
nicht. Der Film ist to-tale Kacke. Lieber zitiere ich noch ein bißchen
Dialog: "Halt mal an!" - "Was glaubst du hier zu finden?" - "Ich weiß
nicht. Egal!"
Ansonsten empfehle ich, was ich neulich in einer Anzeige lesen durfte:
"Schwedenpollen gegen nächtlichen Harndrang"!
DIE
WÜSTE LEBT!
Frage: Was unterscheidet George Millers Endzeit-Opus MAD MAX 2 von
seinem unmittelbaren Vorgänger? Antwort: Ein Budget von 5 Millionen
Dollar. Noch 'ne Frage: Was unterscheidet I NUOVI BARBARI (METROPOLIS
2000, 1982) von MAD MAX 2? Antwort: Auch ein Budget von 5 Millionen
Dollar!
Dies ist wohl der erste richtig feine Film dieses Artikels. Die
deutsche Titelschmiede legt ein gutes Tempo vor, indem sie den Film mit
einem sehr verwirrenden Rufnamen ausstattet. Erst einmal trifft die
Bezeichnung "Metropolis" es nicht ganz; "Steinbruch" oder "Landebahn"
wäre da angebrachter gewesen! Auch mit dem Jahr 2000 haut es nicht ganz
hin, da die Handlung im Jahre 2012 spielt, dem Jahr, "in dem der
Atomkrieg zu Ende ging". Ein doppelter Axel gleich zu Beginn also. (Nun
klingt STEINBRUCH 2012 freilich etwas ärmlich...)
Der Film ist wirklich toll. Der beste Film, den man in einem Steinbruch
drehen konnte. Nein, ohne Hohn. Denn der Regisseur heißt Enzo G.
Castellari, und der hat schwer was auf dem Kasten.
Die Handlung ist wie üblich eher das Geschwür an der Nase
des Propheten: In deutlicher Anlehnung an den teuersten australischen
Film bis anno dato geht es um menschliche Siedlungen, in denen die
letzten Überlebenden des großen Oktoberfests sich gegen religiöse
Sektierer zur Wehr setzen. Würde Herbert Achternbusch einen
Barbarenfilm drehen wollen: Hier wäre der Ansatzpunkt.
Es gibt einen "good guy": Giancarlo Prete, der unter dem Pseudo
Timothy Brent firmiert und sich "Skorpion" nennt, dem fanatisches
Eiferertum zuwider ist und der einen persönlichen Groll gegen den
Bösewicht des Filmes hegt. Das ist nämlich ein Kreuzritter namens One,
dessen leicht
homophil angehauchte "Templar"-Clique die Worte der Bibel in die Analen
der Welt einbrennen will, mit dem Feuer des Herrn! (In einer Szene
fickt er den Helden vor versammelter Gruppe in den
Arsch, was ich sehr originell finde; mal was anderes.)
Es wäre etwas langweilig, wenn es nur einen einzigen Schurken gäbe.
Deswegen ist da noch der besonnenere Unterschurke Shadow (gespielt von
Enzos Bruder Enio Girolami) und der Gespiele von One, Mako, dessen
Temperament sehr hitzig ist und der eine Palastrevolte plant.
Unter den Darstellern ist hervorzuheben der hünenhafte George Eastman
(bürgerlich Luigi Montefiori), der seit den Zeiten der Spaghettiwestern
ein fester Bestandteil des italienischen Kommerzkinos ist - bei Fellini
gab er einst den Minotaurus! Mit weißen Strähnen im Haar versehen,
macht er einen wahrlich furchterregenden Eindruck; man möchte ein
Handgemenge mit diesem Mann vermeiden. Alle, die ihn kennen, sind aber
immer voll des Lobes über ihn, was für ein netter Mensch er doch sei.
Privat hat er, glaube ich, ein Fischrestaurant. Auch das spricht für
ihn.
Die bloßen Gräten der Handlung werden von Castellari mit
erheblichem inszenatorischen Eifer zu einer Bewegungsorgie geformt:
Überall kreiseln Wagen, fliegen Schauspieler und brennen
Benzinkanister. Der Film macht, wenn man nicht von Vorurteilen belastet
ist, einen Heidenspaß; viele Szenen sind ausgesprochen sorgfältig und
geschickt ausgetüfelt. Daß ein Endzeitfilm Spannung erzeugt, ist nicht
selbstverständlich. Und jenseits des "Ernstnehm"-Sektors, der bei
diesen Filmen eh nicht so ausgeprägt ist, gibt es ja noch die launigen
Extravaganzen eines winzigen Budgets, wie etwa den drolligen
Köpf-Ventilator an Makos Wagen.
Die deutsche Fassung ist ein wenig geschnitten, aber nicht annähernd so
stark wie derzeit die RTL-Fassung, die nicht viel mehr als 70 Minuten
lief! (In dem Film kommt meine Lieblings-Dummy-Explosion vor, in der
ein Charakter einen Explosivpfeil in die Rübe bekommt: Es macht PUFF,
und ein Motorradhelm macht sich auf die Reise...) Die Geräuscheffekte
sind ultracheap. Fred Williamson ist noch mit von der Partie. Der
Synthie-Score stammt von Ex-Goblin Claudio Simonetti.
Viel Spaß für wenig Geld!
DER
STÄNDER DES BARBAREN
Nachdem Hollywoods Vorzeige-Fascho John Milius uns mit seiner Version
von Howards Conan-Geschichten beglückt hatte, rasselte es lauter
billigst gedrehte Plagiate aus dem Land der Nudeln, allen voran
vielleicht Massaccesis ATOR-HERR DES FEUERS. Ein etwas unbekannteres
Elaborat ist SANGRAAL, LA
SPADA DI FUOCO (1982), der bei uns als DAS
SCHWERT DES BARBAREN lief. Tatsächlich besteht eine Verwandtschaft
zwischen dem ersten und dem zweiten Film, da beide beherzten Bezug auf
Ator nehmen: der Bodybuilder Peter McCoy (Covertext: "Der
faszinierende, neue Barbaren-Typ!") spielt Ators Filius.
Besagter Sangraal ist die einzige Hoffnung eines fast vollständig
ausgemerzten Volkes. Er fährt es ins gelobte Land. Leider dringt er
dabei ins Gebiet der Feuergöttin Rani ein, einer aufregenden Person,
deren Brüste wesentlich kleiner sind als die von Sangraal. Dafür hat
sie permanent aufgerichtete Brustwarzen, was auch bemerkenswert ist.
(Bestimmt zieht die ihr Höschen aus, wenn sie Motorrad fährt!)
Von Ranis Hohepriester Nantuck und seinen Tucken wird Sangraals Volk
komplett sattgemacht, was dann in blutiger Rache barbarenseits mündet...
Der Film ist mit Leichtigkeit einer der unterhaltsamsten seiner Zunft.
Zwar scheue ich vor der Behauptung zurück, der Film wäre gut gemacht,
aber sein idiosynkratischer Inszenierungsstil läßt einfach keine
Langeweile aufkommen. Regisseur Michael E. Lemick ist übrigens Michele
Massimo Tarantini, ehemaliges Ziehkind von Sergio Martino. Tarantini
ist hauptsächlich bekannt für zahlreiche Teenie-Komödien mit Gloria
Guida et al. Diesen Film drehte er scheinbar zumindest teilweise in
Südamerika, wohin er sich in den Folgejahren zurückzog, um dort noch
einige andere Sachen zu drehen. Er neigt etwas zu überemphatischen
Effekten, was manchmal hinhaut, manchmal aber auch dem unfreiwillig
Komischen nicht gerade aus dem Wege geht. Aber wen stört das in diesem
Genre der wippenden Muskeltitten und ölbeträufelten Luxustorsi?
Für die Kameraarbeit lieh sich Tarantini Martinos trefflichen
Stammfilmer Giancarlo Ferrando aus, der den Film mit einer geradezu
hyperaktiven Bildführung versieht: Zooms, Schwenks und Wackler, wohin
das Auge blickt. Zweiter Kameramann ist Pasquale Fanetti, der unter dem
Pseudo Frank de Niro (!) zahlreiche Soft- und Hardcore-Produkte
fotografiert und inszeniert hat! Es gibt auch einen saftigen
"Sangraal"-Titelsong, der ein wenig an die "Carmina Burana" erinnert...
Mit von der Partie ist die hübsche Sabrina Siani, die ihre Brüste,
glaube ich, von ihrem Vater geerbt hat. Und einen Gastauftritt als
Stammesfürst absolviert der illustre Luciano Rossi, hier mit Bart,
unter dem Pseudo Lu Kamante!
Bleibt zu erwähnen, daß der Film trotz der Freigabe ab 16 wohl einer
der blutrünstigsten Barbarenstreifen ist : In einigen Szenen fliegen
die
Eingeweide. Meine Lieblingsszene ist jene, in der die etwas
schmerbäuchige Eskimotucke Nantuck dem Hauptdarsteller mit beiden Füßen
in Zeitlupe gegen das Brustbein donnert: Männliche Grazie in
Vollendung! Jetzt aber weiter...
DAS
SPIEL IST AUS!
Der 1983 entstandene ENDGAME
ist nicht Joe PORNO HOLOCAUST d'Amatos
Bearbeitung von Samuel Becketts gleichnamigem Bühnenstück. Viel eher
kann man den Film als eine weitere Adaption von Robert Sheckleys
MILLIONENSPIEL ansehen, das selbst Stephen King für seinen RUNNING MAN
ausgeschlachtet hat und dessen spannendste Filmversion Yves Boissets
derber KOPFJAGD - PREIS DER ANGST ist.
In einer hoffentlich fernen Zukunft (nach dem großen
Knall) hat ein merkwürdiges Spiel großen Zuspruch, das sich "Manhunt"
nennt und das dem Begriff "Reality TV" neue Dimensionen verleiht:
Gedungene Mörder hetzen ein freiwilliges Opfer für horrende Summen
durch die ruinengesäumte "Unterstadt", stets verfolgt von
sensationsgeilen Fernsehkameras, die den Zuschauer in der ersten Reihe
sitzen lassen. Ron Shannon heißt der Gejagte, und er kämpft nicht nur
gegen seine Häscher, sondern auch gegen mutierte Penner, die alle
aussehen wie Gurkenmurkser. Schließlich läßt er sich von telepathisch
begabten Rebellen zum Kampf gegen das faschistische System
aufstacheln...
Aristide Massaccesi, der auch unter dem Namen Federico Slonisco für die
(erstaunlich gute) Fotografie verantwortlich ist, hat hier als "Steven
Benson" einen wirklich brauchbaren SF-Kracher hingelegt, dessen gute
Grundidee (trotz ihrer Abgenutztheit) dem Film ein solides Rückgrat
verleiht, an dem die zu erwartenden Bizarrerien aufgefädelt werden wie
Perlen an einer Schnur. Sogar die gesellschaftskritischen Elemente der
Story finden hier und da Einlaß, was für Massaccesi recht bemerkenswert
ist. Der Film ist wesentlich spannender als die Softsexer, die er in
den 80ern reihenweise produziert hat. Inzwischen macht er wieder Filme,
in denen auf andere Weise geknallt wird als in ENDGAME.
Die Besetzung macht Spaß: Pier Luigi Conti alias Al Cliver gibt einen
brauchbaren Helden ab (ja, er ist besser als in JUNGFRAU UNTER
KANNIBALEN!); Laura Gemser spielt überraschenderweise unter Pseudonym
(Moira Chen); George Eastman ist dabei als Killer Curt Carnac; und
Gordon Mitchell ist als General zu bewundern.
In der letzten Szene ist auch der Regieassistent zu sehen, Michele
Soavi, bis zu dessen fulminantem Regiedebüt AQUARIUS, für Massaccesi,
noch einige Jahre verstreichen sollten.
Auch sehr empfehlenswert ist der eher unzusammenhängende, aber manchmal
recht surreale TEXAS 2000 (2020 TEXAS GLADIATORS, 1983) von "Kevin
Mancuso", dessen deutsche Fassung saftig geschnitten ist.
Regieassistent auch hier "Mike Soft". Den Großteil des Films hat
übrigens Schauspieler George Eastman inszeniert. Unbezahlbar in diesem
Film ist der Oberschurke: Donal O'Brien in SS-Uniform, mit der
schäbigsten Lache der Endzeit...(Er heißt übrigens wirklich "Donal",
ohne D.)
Ruckzuck die Fresse dick!
PANEM
ET CIRCENSES!
Auch wenn Lucio Fulci der Honigseim noch vom letzten Artikel vom Maul
trieft, hielt ich es doch für unerläßlich, ihn auch hier hochleben zu
lassen! Grund des Jubels: I
GUERRIERI DELL'ANNO 2072 (DIE SCHLACHT DER
CENTURIONS, 1983)...
Eigentlich wollte ich den Film ja nur so nebenbei unterschmuggeln; eine
Viertelstunde reingucken, die Erinnerung aufleben lassen und flink den
Text in den Rechner gerotzt...Falsch gedacht: Es ist kurz nach 1 Uhr
morgens, und der Film hat großen Spaß bereitet!
Die Handlung ähnelt dem vorangegangenen ENDGAME, auch wenn
2072 sich eher an Jewisons ROLLERBALL orientiert. Ein Multimediaheld
namens Drake zieht sich den Groll seiner TV-Gesellschaft zu, indem er
heiratet: Die Quoten sacken. Deshalb bringen die Miesniks seine Braut
um und schieben ihm die Eliminierung ihrer Mörder in die Schuhe. Drake
bekommt eine Chance, sich zu relahibitieren - ein Super-Kampfspektakel
im Kolosseum, mit 20 zum Tode verurteilten Sträflingen als
Gladiatoren...
Obwohl ich anfänglich noch meine Vorbehalte gegen den Film hatte,
lösten sich diese im Rausch der schnellen Bilder im Nu in Wohlgefallen
auf: Was Fulci mit wenig Geld arrangiert hat, verdient Respekt.
Natürlich sind verschiedene Effekte nicht ganz so geglückt, aber das
spannende Geschehen läßt Mosereien darüber gar nicht erst zu. Das
Drehbuch bastelt äußerst geschickt Versatzstücke und Genreklischees
aneinander, kombiniert sie mit einigen recht gelungenen neuen
Einfällen. So ist der Wagemut, ein futuristisches
Wagenrennen à la BEN HUR in Szene zu setzen, komplett mit
spacig aufgezottelten Bikes mit Beifahrer, bei dem Budget glatte
Tollkühnheit. (Der Produzent muß ein Optimist gewesen sein, anders kann
ich mir das nicht vorstellen.)
Nirgendwo sind Besetzungsangaben zu finden, deshalb hier ein paar der
Leckerbissen: Oberbösewicht Cortez wird von Claudio Cassinelli
gespielt, mit besonders unpassendem Haarteil; unter den Gladia-Toren
befinden sich Fred Williamson und Al Cliver; und ein Verbündeter mit
entstelltem Narbengesicht ist gerade noch als Donal O'Brien zu
erkennen...
Der Held wird von dem mimisch etwas blassen Jared Martin gegeben, den
DALLAS-Fanatiker noch als Dusty Farlowe in Erinnerung haben mögen.
Fulci besetzte ihn auch bald darauf in AENIGMA (DÄMONIA). Ach ja, und
Howard Ross gibt einen wunderhübsch sadistischen Leuteschinder, mit
einer übergroßen Mütze, die etwas an die der Offiziere aus den
STURMTRUPPEN-Comics erinnert...
Natürlich können Dämlacks (oder Dämlacke) dem Film vorwerfen, daß er,
obschon er die Sensationsgeilheit der Medien geißelt, sich an eben
diesen Sensationen ergötzt. Aber eben solches traf auch schon auf
ROLLERBALL zu, und weshalb sollte man ausgerechnet Fulci diesen Vorwurf
machen?
Der Film ist bunt, grell und streckenweise sehr hart, gut fotografiert
von Unbekannt, mit einem krachenden Rocksoundtrack von Riz Ortolani
garniert. Insgesamt finde ich es eigentlich nicht einzusehen, daß sich
2072 so viele
schlechte Kritiken eingehandelt hat, denn die Inszenierung ist alles
andere als "dilettantisch" (KFD), sondern unter den gegebenen Umständen
geradezu Zauberwerk. Kein Meilenstein vielleicht, aber ein
hochunterhaltsamer SF-Reißer, der
dem Zuschauer genau das liefert, was er verspricht. Finde ich in
Ordnung.
Übrigens hat Fulci zur selben Zeit auch noch den
Weichzeichner-Barbarenfilm CONQUEST gedreht, der einigermaßen minutiös
die Odyssee eines jungen Herrn namens Ilias durch unwirtliche Gegenden
nachvollzieht. Abgesehen davon, daß der Film in der alten VCL-Fassung
ausgesprochen blutrünstig ist, kann man dem Film auch im Formalen
einige Fulci-Touches nicht absprechen. Insgesamt finde ich ihn aber
etwas langatmig. Die beste Sequenz zeigt eine schwule Version von
Chewbacca, wie sie einem Greis zugrunzt: "Okra mag keine alten Männer!"
und ihm mit einem einzigen beherzten Schlag das Gehirn freilegt.
Endlich mal jemand, der seinen Standpunkt überzeugend darlegt.
SARTANA
IN DER WÜSTE
Der bestinszenierte Endzeitfilm - neben den Castellaris und FIREFLASH -
ist für mich ohne Zweifel THE
EXECUTOR (GLI STERMINATORI DELL'ANNO
3000, 1984). Was aus diesem Film hätte werden können, wenn man sich nur
etwas mehr Mühe mit dem Drehbuch gegeben hätte...
Aber auch so gibt es viel zu bestaunen. Zum Beispiel ähnelt der Film
sowohl inhaltlich wie auch formal verblüffend MAD MAX 2. Auch hier geht
es um die erbarmungslose Jagd nach Wasser, in die ein Fremder ohne
Namen gegen den eigenen Willen hineingezogen wird. Eigentlich nur auf
seinen Vorteil bedacht, landet er schließlich auf der Seite der Guten.
Gleich die erste Szene, in der der Fremde von zwei post-apokalyptischen
Killer-Cops verfolgt wird, ist eindeutig eine (sehr begabte) Kopie von
Millers Film. Die Besessenheit mit Autostunts in Zeitlupe und
splitternden Knochen findet sich ebenso wieder wie die düstere Stimmung
und die Wortkargheit des Geschehens. Das Leben ohne Wasser ist wahrlich
kein Zuckerlecken.
Daß der Film so ausgesprochen gut inszeniert ist,
überrascht nicht, wenn man weiß, daß hinter dem "Jules
Harrison"-Pseudonym Giuliano Carnimeo steckt, der als "Anthony Ascott"
eine stattliche Anzahl lustiger Western (häufig herben Zuschnitts)
gedreht hat, die durch tolle Regieeinfälle aus dem Rahmen fielen.
Nachdem die Western-Zeit vorbei war, versuchte sich Carnimeo (nicht
Carmineo, wie häufig geschrieben wird) an Komödien. Sein letzter hier
erschienener Film war der nicht so berühmte Horrorfilm RATMAN.
Zwar verpuppen sich die Schauspieler alle hinter
Ami-Namen, aber einige sind doch zu erkennen: Der unverwüstliche
Eduardo Fajardo spielt den Kommandanten der Siedlerfestung, mit langem
weißen Bart; ein Unterguter wird gemimt von Venantino Venantini; die
wohl berühmteste Schwarze in Italo-Filmen der späten 60er und frühen
70er, Beryl Cunningham, spielt eine heiße Lederbraut; und auch der
omnipräsente Luciano Pigozzi hat einen Gastauftritt.
Wie schon gesagt, wenn man noch ein paar eigene Ideen investiert
hätte...
Auch so ist der recht harte Film aber deutlich über dem Schnitt. Ein
kleiner Junge fragt den Helden, warum man keine Motorräder erfinde, die
mit Sand führen. Darauf dieser: "Dann würden wir hier in einer
Benzinlache schwimmen. So ist das Leben!"
Wie deprimierend. Kellner, noch zwei Schnaps, bitte...
SCHNEEWITTCHEN
UND DIE 7 PILZE
Ein weiterer Italo-Regisseur mit den höheren Weihen der
Endzeiterfahrung ist Sergio Martino. Dieser fleißige Filmemacher gab
uns im Jahre 1983 den Streifen 2019: DOPO LA CADUTA DI NEW YORK,
bei
uns gelaufen als FIREFLASH! Und was soll ich Euch sagen: Der Film ist
sehr gut!
Bekannt für seine dankbare Aufnahme populärer Filmstoffe, würfelt
Martino hier Elemente aus DIE KLAPPERSCHLANGE und BLADE RUNNER zusammen
und reichert diese Saucengrundlage an mit eigenen Bizarrerien, die
vielleicht auch der Feder seines häufigen Ko-Autors, Ernesto Gastaldi,
entstammen, der hier als Julian Berry firmiert. Gastaldi hat übrigens
neben seinen schier unzählbaren Drehbüchern auch als Regisseur
gearbeitet: Am erfolgreichsten ist der 1966 erschienene LIBIDO, ein
exzentrischer Landhausthriller mit Giancarlo Giannini in einer frühen
Filmrolle; danach kommt aber sofort der sleazige Hippie/Rockerthriller
LA LUNGA SPIAGGIA FREDDA, der auf Video als DEATH COMPANY erschienen
ist: Der sanftmütige Robert Hoffman als Rockerchef ist einfach eine
Schau!
In FIREFLASH äußert sich die Neigung Gastaldis zu
Exzentrizitäten u.a. darin, daß er die reichlich actionlastige Mär mit
Anleihen bei Schneewittchen (!) verfeinert hat, samt Zwergen und
Prinzessin im Glassarg!
Bevor wir zu den Gebrüdern Grimm kommen, gibt es allerdings viel
Bekanntes aus Doomsday County: Die fiesen Euraker haben nämlich einen
atomaren Krieg angezettelt, der zur fast vollständigen Verseuchung der
Erde geführt hat und zur Unfruchtbarkeit sämtlicher Frauen - die Tage
des kriegslüsternen Menschengeschlechts sind also gezählt.
Da wird der Megafighter Flash eingeführt wie ein Diaphragma. Er boxt am
besten und bekommt das Recht zur Tötung dreier Menschen(!). Dazu darf
er sich noch mit einer geilen Megasusi vergnügen, die nicht den
Eindruck macht, als würde sie regelmäßig zum postatomaren
Gesundheitsamt gehen. Flash sieht das genauso und schenkt ihr die
Freiheit.
Aber Unerwartetes geschieht: Flash wird gespacenappt und nach Alaska
verfrachtet. Dort wartet der ehemalige Präsident der "Konföderierten"
auf ihn. Scheinbar haben die Schlaumaxe ein fertiles Weibchen
ausgemacht in der Ruinenstadt Manhattan! Flash nun ist der Auserwählte,
der sie (mit zwei Mitkämpfern namens Bronx und Racket!) zuerst befreien
und danach bumsen soll. (Letzteres natürlich ohne die zwei anderen!)
Was für ein Szenario! Natürlich fallen Flash und Konsorten in die Hände
der Euraker, werden durch eine Horde von Zwergen aus diversen Gefahren
gerettet (!), geraten in die Gefangenschaft von Affenmenschen unter der
Führung eines gewissen Big Ape (!!), und nebenbei lacht sich Flash auch
noch eine Freundin an, was ich auch machen würde, wenn sie von
Valentine Monnier gespielt würde... (Euraker: "Gut gewaschen und
desinfiziert dürfte sie Vergnügen bereiten!")
Gemessen am Endzeitstandard ist der Film
offensichtlich besser produziert worden und gewinnt beträchtlich durch
Martinos geschickte Regie, die aus den Actionszenen das bestmögliche
herausholt. (Für mich der beste Martino der 80er.) Auch wird der Film
enorm aufgewertet durch die saubere Kameraführung von Giancarlo
Ferrando, die den Zuschauer an den aufregenden Aktionen teilnehmen
läßt.
In der deutschen Fassung kommen zahlreiche Dialoge sehr dummdreist
daher; auch hapert es mit der internen Logik, deren Fehlen manche
Handlungen etwas unmotiviert erscheinen läßt. Davon abgesehen erfreut
der Film das Herz von Jung und Alt.
Der Held wird gespielt von dem Ami Michael MONSTER SHARK Sopkiw; der
zum Ehrenitaliener ernannte Brite Edmund Purdom gibt ein Gastspiel; und
George Eastman ist gut wie selten als großer Affe, der den Planeten mit
kleinen Äffchen zu bevölkern trachtet! Auch dabei der häufige
Castellari-Veteran Romano Puppo, der eine der Hauptrollen in RACKET
gespielt hat und hier eine Rolle gleichen Namens ausfüllt.
Die deutsche Videofassung verprellt durch garstiges Vollbild und
zahlreiche Schnitte. Gerüchten zufolge ist der Film auf Pro 7
letterboxed gelaufen, was immerhin die schöne Kameraarbeit retten
würde, aber ob die Fassung dieselben Schnitte aufweist, weiß der Wind
allein.
Peter hält den Film für den besten Endzeitfilm aus Italien. Bei mir
reicht der Enthusiasmus nicht für ein volles Glas mit Ambrosia, aber
auch mit dem Rest läßt es sich sehr gut leben.
ZARTE
BANDEN
Der 1982 entstandene 1990: I
GUERRIERI DEL BRONX (THE RIFFS-DIE GEWALT
SIND WIR) ist sicherlich kein Film, den man dem New Yorker Amt für
Touristik vorlegen möchte, es sei denn, es reitet einen der Schalk.
Denn die Stadt der tausend Gelichter wird in Castellaris Bandenfilm von
ihrer gänzlich unattraktivsten Seite gezeigt: Ruinen und verwahrloste
Slums, wohin man sieht; brutale Straßengangs, die den lieben langen Tag
damit verbringen, sich gegenseitig den Bregen weichzuklopfen; und
psychopathische Bullen, die gewissermaßen als Vorbild für die
aufstrebende Jugend nicht viel taugen!
Auf die Gefahr hin, den letzten Anstrich intellektuellen
Vergeistigtseins zu verspielen: THE RIFFS ist vollkommen genial,
großartig, 10 Punkte, alles aus! Von der ersten Sekunde rast Sergio
Salvatis Kamera durch die Stadt der Träume und nimmt die Gebäude
auseinander, man kann den Mörtel förmlich rieseln hören! Vollgestopft
mit großartigen Einfällen, läßt die visuelle Faszination des Filmes
keinen Moment nach. Der Rocksoundtrack von Walter FRIEDHOFSMAUER
Rizzati besorgt den Rest: Wieder etwas, das in keiner Plattensammlung
fehlen darf.
Das offensichtliche Modell für die RIFFS ist Walter Hills THE WARRIORS.
Verknüpft wird das Ganze mit Elementen aus Carpenters KLAPPERSCHLANGE.
In der nahen Zukunft ist die Bronx nämlich ein einziger Trümmerhaufen,
ein Alptraum marodierender Straßengangs. In diesen Alptraum hinein
flüchtet Ann, die Tochter eines der reichsten Männer der Welt. Von den
gewissenlosen Schergen des Kapitals wird der vollkommen wahnsinnige
Bulle Hammer auf die Stadt losgelassen: Mit seiner abgesägten
Schrotflinte zersetzt der Mann das Lumpenproletariat - auch eine Art
von Städtesanierung!
Wie gut, daß es da die "Riffs" gibt, zu denen Ann sich geflüchtet hat.
Ihr Chef ist ein junger Lockenkopf namens Trash, der den bösen Plan
Hammers - die Banden gegeneinander auszuspielen - durchschaut. Am
Schluß des Films steht eine gigantische Polizeiaktion, die einen
Peckinpahschen Kloß im Hals erzeugt.
Wer nur ein kleines bißchen zart besaitet ist, sollte sich
von diesem Film fernhalten: Er ist wirklich ultrahart, erspart dem
Zuschauer nicht viel. (Das gilt übrigens nicht für die
Rüttel-Plus-Fassung, die dem Zuschauer viel erspart.) Alle anderen
werden ihren Spaß haben an diesem großartig inszenierten Film, dessen
Bildkompositionen Westernmotive in den Großstadtdschungel übertragen,
daß kein Auge trocken bleibt. Die coolen Rituale der Banden werden mit
bizarrem Humor geschildert, der sich in den "Uniformen" der Gangs
niederschlägt. So gibt es etwa eine Stepdance-Gang, eine
Rollschuh-Gang, eine Zuhälter-Gang etc. Die Autos und Paraphernalien
sind ohnehin bereits eine Schau. Mit viel Sinn für surreale Details
(z.B. ein am Hudson River vor sich hin trommelnder Schlagzeuger, der
ein Gipfeltreffen von Bikern untermalt) wird aus den überbetonten
realistischen Details der unschönen Wirklichkeit eine Art Parallelwelt
geschaffen, in der die Unterdrückten des Systems ihre
Männlichkeitsrituale austragen. Dahinter der nur von Haß motivierte
Hammer ("Ich will euch vernichten!"), dessen Menschenverachtung die
Brutalität der Gangs ins rechte Licht rückt. Kein Gut oder Böse im
Kampf ums Überleben.
Unter den Darstellern finden sich viele Bekannte:
Hammer wird gegeben von Vic Morrow, der einst selber als Juvenile
Delinquent begann, in Richard Brooks' SAAT DER GEWALT (1955), und der
nur ein Jahr nach den RIFFS bei Dreharbeiten aufgrund eines
Hubschrauberunfalls etwas den Kopf verlor. Fred Williamson hat hier
eine richtig geile Rolle als Bandenguru Oggi, mit knallbunten
Pluderklamotten. Christopher Connelly gibt einen guten
Cop. George Eastman ist wieder mal 100 Meter groß und spielt einen
Bandenchef namens "Mongole"! Und der langjährige Castellari-Mitstreiter
Gianni Loffredo ("John Sinclair"!) hat auch eine schöne Rolle, als
verräterisches Bandenmitglied.
Übrigens beginnt der Film wie ein Familienfilm: In der ersten Szene ist
das erste, was wir sehen, Enzos Tochter Stefania, die Ann spielt. Die
beiden bösen Konzernschergen, die gleich danach zu sehen sind, sind
Enzo himself und sein Bruder Enio!
Es sind jetzt bereits 72 Zeilen; wenn ich nicht aufpasse, dann läßt
meine Begeisterung diesen Artikel ausufern. Also, nehmt die
Begeisterung zur Kenntnis und seht Euch beizeiten dieses düstere
Comic-Strip-Juwel an! Es lohnt sich.
NEUE
HEIMAT
Mit der Fortsetzung FUGA DAL
BRONX (THE RIFFS 2-FLUCHT AUS DER BRONX,
1983) nimmt sich Enzo den sozialen Wohnungsbau vor. Die Bronx wird
leergeräumt im Rahmen einer gigantischen Umsiedlungskampagne. Ein
großer Konzern plant, die Stadt der Zukunft zu errichten. Nach außen
hin gibt man sich menschenfreundlich, "traumhafte" Ersatzwohnungen
werden angeboten, die Evakuierung geschieht auf "freiwilliger" Basis.
Die Wirklichkeit schaut freilich etwas anders aus: Unter fachkundiger
Leitung des Annihilations-Experten Floyd Wangler (Henry Silva in guter
Zähnefletsch-Form) streifen mit Flammenwerfern ausgerüstete
Spezialtrupps durch den Stadtteil und machen jeden kalt, der ihnen vor
die Flinte kommt. Den Stadtrat kümmert das Ganze angesichts der zu
erwartenden Finanzspritzen herzlich wenig: Man schaut in die rosige
Zukunft.
Gleich zu Beginn erwischt es Vater und Mutter von Trash. Dieser denkt
gar nicht daran, sich zu beugen und geht im wahrsten Sinne des Wortes
in den Untergrund, um sich mit dort lebenden Gangs zu verbünden, den
letzten Überlebenden des alten Gang-Systems.
Zusammen mit einem als wahnsinnig geltenden Eremiten und dessen
Söhnchen klaut Trash kurzerhand den Präsidenten des Konzerns (Enio G.)
und läßt die Bronx damit zu einem Kriegsschauplatz werden...
Der zweite Teil ist nicht ganz so gut wie der erste, was
teilweise an der Synchro liegt (die uns mit Sprüchen versorgt wie "Ich
hab' nicht Schwein, ich hab's drauf!") und teilweise an der etwas zu
lang ausgedehnten Schlußmetzelei, die das Interesse für Explosionen und
fliegende Körper ein wenig
überstrapaziert.
Abgesehen davon ist auch dieser Film blendend
inszeniert, sehr spannend und unterhält ganz famos. Neben Silva hat
Antonio Sabàto einen Gastauftritt, als Rocker mit Ohrringen und sehr
fröhlichem Gemüt. Und Moana Pozzi, die derzeitige Pornokönigin
Italiens, steckt mitten im Getümmel. Die Musik von Francesco de Masi
ist sehr ansprechend. Fotografiert ist der Film nicht ganz so gut wie
Teil 1, aber immer noch zweckdienlich. Die Dummy-Explosionen in diesem
Film sind nicht zu zählen. Die deutsche Fassung ist an einigen Stellen
etwas geschnitten.
In meinen heißesten Träumen stelle ich mir ein Double Feature mit
diesen beiden Filmen vor, auf großer Leinwand, mit hunderten
begeisterter Fans mit Bierbechern aus Plastik. Das muß dann der Himmel
sein. (Anm.: Damals hätte ich was von Buio Omega ahnen müssen, was?)
RATTEN
FOR PRESIDENT!
Bisweilen gelingen den deutschen Verleihern ja geradezu geniale
Schachzüge. So werden Filme als Fortsetzungen deklariert, die mit den
erfolgreichen Vorläufern nicht die Bohne zu tun haben. Ein famoses
Beispiel für diese schöne Tradition ist der dritte Teil von Castellaris
RIFFS-Reihe, im Original geheißen: RATS - NOTTE DI TERRORE
(1985)!
Unbescholtene Beobachter (so es sie gibt) mögen nach einer
oberflächlichen Betrachtung des Covers diesem Etikettenschwindel
aufsitzen; bemerkt man aber den Namen des Regisseurs Bruno Mattei, so
sollten sich ernsthafte Zweifel einstellen.
Diese werden bestätigt. Denn gleich zu Beginn ist schon alles vorbei.
Nachdem die Welt wieder mal atomar vor die Hunde gegangen ist, treibt
sich eine Bande von Überlebenden durch die Ruinen New Yorks, wo sie
Hilfreiches zu finden trachtet. Die Überlebenden sind Rocker, deren
Ausstaffierung den Hell's Angels die Freudentränen auf die
wettergegerbten Wangen zaubern würde. Die Charaktere haben Namen wie
Chocolate, Luzifer und Video (!). Der Boß heißt wenig originell King.
Auch existiert ein Depp, der für die Komplikationen zuständig ist und
sich Duke nennt, da er Carpenters KLAPPERSCHLANGE gesehen hat. Dumb
fucks unite!
Gemeinsam richtet man sich in einem unterirdischen Labor namens Delta
82 ein; ein zerschundener Leichnam, der den Weg nach unten säumt, wird
ignoriert. Nicht ignoriert werden können aber die Millionen von Ratten,
die sich daraufhin mausig machen und ein
"10-kleine-Negerlein"-Spektakel mit den Faschingsrockern anfangen, daß
die gesellschaftskritischen Fetzen fliegen!
Tja, gar nicht schlecht, Bruno! Es handelt sich hier um einen
neo-gotischen Horrorfilm im Gewand eines ökologiebewußten SF-Schockers
im Stile der frühen Siebziger. Natürlich wird das Ganze aufgemotzt bis
zum Abwinken, die Sterne werden verschwendet, bis keine mehr da sind!
Und auch wenn das Drehbuch totale Hirnfinsternis verursacht, auch wenn
die Regie wenig beeindruckend ist und die Spezialeffekte den Bereich
des Lächerlichen ohne Scham penetrieren, bereitet der Film bescheidenen
Spaß. Denn Trash gibt es in diesem Werk zuhauf zu bewundern. Mir
gefällt es einfach, wenn Bilder von wahren Rattenbergen geschickt
zusammenmontiert werden mit Einstellungen, in denen blutüberströmte
Darsteller mit ein oder zwei Ratten wahre Veitstänze aufführen.
Überhaupt ist der Film ziemlich gschmackig. Bruno hat keine Kosten und
Geschmacksgrenzen gescheut: Selbst aus Mündern kommen die kleinen
Racker gekrabbelt! Einige Leichen sehen aus wie aufgeblähte
Dinosaurierarschlöcher. Das Blutgespritze ist aber weniger eklig als
die Hundertschaften von Ratten, die einzelnen Darstellern auf den Kopf
fallen. Die mögen das scheinbar. Bah.
Auf dem Qualitätssektor überzeugt in erster Linie die
ordentliche Fotografie von Veterinär Franco delli Colli, die das
schmale Budget an und ab ganz geschickt umschifft; zur Absicherung der
Spannungseffekte dient die synthetische Musik von Luigi Ceccarelli, die
mit sakralen Orgelklängen Gothic Flavor verbreitet.
Das schundige Drehbuch stammt von Matteis häufigem Mitstreiter Claudio
Fragasso, der als Regisseur unter anderem MONSTER DOG mit Alice Cooper
und den Zombie-Knüller AFTER DEATH (DAS BÖSE IST WIEDER DA) zu
verantworten hat. Auch hier hat er an der Regie mitgearbeitet. Ihn
trifft Mitschuld. (Anm.: Mittlerweile macht er ja richtig gute Filme!)
Die Synchro schafft barocke Höhepunkte mit feinsinnigen Bemerkungen wie
"Dir haben sie wohl auf die Platte geschissen!". Auch wäre der Film
ärmer ohne die insgesamt zwei hinzugemogelten Bezugnahmen auf die
"Riffs". Hier erfreut Sinn für Kontinuität.
Am Schluß bemerkt eine Darstellerin resigniert zu den Rattenhorden:
"Wir haben die Atombombe überlebt, aber wir müssen vor euch
kapitulieren!" Auch der Zuschauer wird entwaffnet vom naiven Charme
eines nicht ganz so bedeutenden Filmes.
Hingewiesen sei an dieser Stelle auf die beiden von Bing Crosby
produzierten Rattenfilme WILLARD und BEN. Zu letzterem sang der damals
noch unmündige Kinderfreund M.J. den Titelsong. Wäre sein Leben anders
verlaufen, hätte er vielleicht auch den Titelsong zu RATS gesungen...
ALLES
GUTE KOMMT VON UNTEN
Die Überschrift ist nur mit Vorsicht zu genießen, denn ich kann I
PREDATORI DI ATLANTIDE (ATLANTIS INFERNO, 1983) nicht so ganz
leiden.
Schade eigentlich, denn der Regisseur ist immerhin der verdiente
Ruggero Deodato, der sich hier hinter dem Pseudo "Roger Franklin"
verbirgt. Er selber hat gegen das fertige Produkt nämlich auch so seine
Vorbehalte. Der Mann hat recht.
Jeder Regisseur, der Kannibalenfilme mit US-Pornodarstellern in der
Hauptrolle dreht, verdient einen Platz in der Ruhmeshalle. Deodato, der
einst als Assistent bei Rossellini angefangen hat und später mit
CANNIBAL HOLOCAUST (NACKT UND ZERFLEISCHT) den vielleicht grausamsten
und grauenvollsten Film aller Zeiten gedreht hat, gilt nicht zu Unrecht
als einer der originelleren und begabteren der italienischen
Kommerzregisseure. Im Idealfall haftet seinen Filmen eine bizarre
Effektivität an, die den Zuschauer überrumpelt wie eine Ente ohne
Schnabel.
Nun - bizarr ist ATLANTIS INFERNO allemal; lediglich mit der
Effektivität hapert es hier.
Das wirre Drehbuch will es so, daß eine Gruppe von Wissenschaftlern in
einer Unterwasserstation mit einem Seebeben konfrontiert wird, das
Unerwarteteres zutage fördert als fliegende Fischstäbchen: Der
versunkene Kontinent Atlantis feiert ein stürmisches Comeback. Die
Eierköpfe, die vom Beben verschont bleiben, paaren sich mit einigen
gelegen kommenden Teufelskerlen und Glücksrittern, darunter immerhin
Chris Connelly und Ivan Rassimov. Gemeinsam erreicht man die
heimatliche Scholle. Diese ist in der Zwischenzeit aber filettiert
worden von einer marodierenden Rockergang, deren Anführer einen
Totenschädel aus Plexiglas trägt und mit seinem Tambourstab
Cheerleaderambitionen verrät: Wo sein Stab wackelt, herrscht Mord und
Entsetzen. Nach ausführlichen Schießereien verschlägt es die Helden
dann auf die Insel der Atlantiden, wo eine Menge Schnickschnack
passiert, der einem aber auch nicht den Lebensabend sichert.
Ja, konnte man seinen Kannibalenfilmen gewisse neorealistische Ansätze
nicht absprechen, so ist hier von Deodatos Ursprüngen nicht viel zu
sehen. Zwar sind die Ereignisse für sich ganz ordentlich inszeniert,
aber die grellen Ereignisse machen unter dem recht feierlichen
Grundtenor der Regie irgendwie keinen Spaß. Der Film verwundert, da er,
obschon besser gemacht als manche anderen in diesem Artikel, doch
weniger Freude bereitet. Ich denke, dies ist darauf zurückzuführen, daß
der Ansatz, den Deodato wählt - den eines minutiös beobachtenden
Actiondramas - mit den grotesken Ereignissen übelst disharmoniert und
vom dümmlichen, schwach motivierten Drehbuch nur unzulänglich gestützt
wird. Die Charaktere sind einem einfach scheißegal. Selbst das
Auftauchen der Westernveterane Rassimov und George Hilton kann die
grundlegende Blaßheit des Spektakels nicht überdecken. (Michele Soavi
hat eine relativ ausgedehnte Gastrolle als überlebender Wissenschaftler
und Deodato erscheint kurz auf einem Hubschrauberlandefeld.) Außerdem
wird den ganzen Film über nicht gekachelt. Dies verwundert, steht doch
der Fortbestand der Spezies Mensch auf dem Spiel.
Die Musik stammt von Guido + Maurizio de Angelis, die in der besten
Szene des Films ihren Sommerhit "Santa Maria" einsetzen, zu makabrem
Effekt. Die deutsche Fassung ist freilich geschnitten.
Man gewinnt an und ab den Eindruck, daß die Crew etwas mit Pilzen
herumexperimentiert hat. Dem Zuschauer empfehle ich dasselbe, wenn er
sich den Filmabend etwas angenehmer gestalten möchte. Deodato hat
einige großartige Filme gemacht; dieser hier gehört nicht dazu. Sein
nächster Film wird übrigens wieder ein Horrorfilm, WASHING MACHINE. Der
Chronist hofft und schweigt.
COCKTAIL
DER FREUDE
Der Film THE LAST WARRIOR
macht es einem etwas schwer: Zwar ist er
definitiv in Italien entstanden, unter dem Titel IL GUERRIERO DEL MONDO
PERDUTO; wie der Kameramann des Filmes, Giancarlo Ferrando (wer
sonst?), aber bestätigt hat, handelt es sich bei dem Regisseur David
Worth aber wirklich um einen Amerikaner. Außer einem kurzen
Gastauftritt von Harrison Muller sind aber kaum Spaghetti-Regulars
festzustellen - rätselhaft...
Der Prolog erzählt vom Atomkrieg, den nur wenige überlebt haben. Ein
fieser Diktator hat die Macht an sich gerissen. Revoluzzer haben sich
unter der sachkundigen Leitung eines gewissen McWayne in die Berge
geschlagen.
Auftritt Josh McBride: Dieser kernige Haudrauf düst auf einem Motorrad,
das der Sprecher dreist als "technisches Wunderwerk" bezeichnet, durch
die Pampa. Sein Bordcomputer heißt Einstein, hat eine "Nummer
Fünf"-Stimme und gibt die ganze Zeit mehr oder weniger gelungene Späße
zum besten. Die ersten 10 Minuten bestehen fast ganz aus diversen
Keilereien mit Andersdenkenden. Danach fährt er gegen ein Felsmassiv
und wacht überraschend bei den Rebellen auf. Diese wollen ihn für ihre
Zwecke gewinnen...
Der Film ist ganz drollig. Es gibt eine schöne Sequenz in einer Art
Sadomaso-Disco, wo es wirklich abgeht wie 10 Zäpfchen. Im Hintergrund
intoniert eine Big-Brother-Stimme ungerührt: "Ihr alle seid meine
liebsten Kinder. Trinkt den Cocktail der Freude!". Es gibt
unterirdische Zombies,
die aussehen wie Lebertran auf Beinen. Ein bukolischer Späthippie trägt
mutig eine Toga, obwohl das Wetter eine recht frische Angelegenheit zu
sein scheint. Die Bösewichter tragen alle SS-Uniformen; gelegentlich
huscht sogar ein Hakenkreuz durchs Bild, um zu beweisen, daß die Macher
Geschichtsbewußtsein besitzen. (An dieser Stelle möchte ich anmerken,
daß ich die Korruptionsaffären, in die sich die derzeitige Regierung
Italiens verstrickt, sehr begrüße.)
Ex-Terminator Robert "Hey Bob" Ginty gibt einen zotteligen Helden ab.
Persis Khambatta, die kahle Sternenmaid aus dem ersten
Star-Trek-Film, hat hier Haare auf dem Kopf und auf den Zähnen. Fred
Williamson wird leider verschenkt als Guerilla. Und Donald Pleasence
gibt eine großartige Imitation seiner Blofeld-Verkörperung aus MAN LEBT
NUR ZWEIMAL. In einer Szene rotzt ihm Persis beherzt ins Gesicht. So
was gefällt mir. Dafür wird sie dann mit einem sogenannten
"Anti-Mind"-Gerät behandelt, das so ähnlich ausschaut wie die
Fernbedienung für mein Videogerät. (Wer Onkel Donald mal richtig platt
erleben will - so nach der zweiten Buddel Selbstgebranntem -, der
sollte sich Bruno Matteis KAMPFGIGANT ansehen...)
Der Film sieht gut aus, bewegt sich mit ordentlichem Tempo voran und
ist leidlich kurzweilig. Mein Lieblingsdialogsatz lautet: "Verdammte
Ische, aus dir mach' ich ein Meerschweinchen!" Als schöngeistige
Anmachformel gefällt die Zeile, die einem just Pinkelnden zugeworfen
wird: "Hey, Macho, soll ich dein Mäxchen ausschlenkern?"
Der Schlußsong bemerkt philosophisch "I've been here before...", womit
er durchaus recht hat. Insgesamt in Ordnung, aber keine Zigarre.
ROBOKLOPP
Irgendwann. Die von Pestiziden gebeutelte amerikanische Bevölkerung
steht am Abgrund. Einen Ausweg verheißt sie sich von dem
Reformpolitiker Mosley (wenig anheimelnder Plakatspruch: "You have no
future!"), der zu einer Kundgebung erwartet wird. Aber es kommt anders:
Ein muskelbepackter Fremdling erscheint und exekutiert ihn mittels
Eiertritt. Die Polizei jagt den Mann in einen mit Hochspannung nicht
geizenden Schacht, der den Anschläger brutzeln soll.
Aber das klappt nicht, denn es handelt sich um PACO - KAMPFMASCHINE DES
TODES, welcher vom fiesen Konzernboß Turner gedungen worden ist,
um dem
Ökopapst die Lichter rauszuhauen: ein Cyborg, ein kybernetischer
Gorilla, den nur Arnold Schwarzenegger stoppen könnte, wenn er sich für
so wenig Geld zu einem Italo-Film hergeben würde. Aber die Schillinge
bleiben unschuldig, und Paco dreht durch, denn Spuren seiner ehemals
humanistisch gesinnten Persönlichkeit dringen an die Oberfläche. Er hat
nämlich nur so getan, als hätte er Mosley zum Eunuchen gemacht...
Trotzdem wird er jetzt von allen Seiten gejagt: von der Polizei, die
den Veranschlagten noch dem Tode nah wähnt; von den Bösewichtern, da
die Schandtaten Turners nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken
sollen.
In der Wüste von Texas schließt Paco Freundschaft mit der Kneipieristin
Linda, deren Bar beliebter Anlaufhafen versiffter Truckerproleten ist.
Mit einigen von denen legt sich der Robomex auch gleich an, daß der
Sauerampfer spritzt...
Allein eine Szene, in der lauter verschwitzte Lastwagenfahrer von einem
hübschen Bodybuilder quer durch die Landschaft gekloppt werden, wäre
schon Anlaß genug, sich VENDETTA DAL FUTURO (1986) auszuleihen. Aber es
kommt ja noch besser: Sergio Martino hat hier den schönsten
italienischen TERMINATOR-Rip-Off hingelegt, Meilen vor Matteis
Edelpocke CONTAMINATOR alias SHOCKING DARK alias TERMINATOR 2 (sehr
komisch, Bruno!). Es macht Spaß, sich die ausgelassenen Ringelreihen
anzusehen, die da stattfinden: Mit großer Comic-Strip-Verve und noch
größerem Tempo treibt Martino die Geschichte durch die amerikanische
Landschaft, wie üblich unterstützt von Signore Ferrando.
Und tatsächlich: Auch wenn der Film durch seine Schauplätze etwas
amimäßig dreinschaut, so ist er den Actiongurken aus dem Land der
untergehenden Möglichkeiten doch haushoch überlegen. Das Tempo gibt dem
Pizza-Service recht!
Und Sergio lädt sich gern Gäste ein: Die blonde Linda ist die
altbewährte Janet Agren; ein wahnsinniger Wissenschaftler namens Dr.
Alster (der wohl das Alsterwasser erfunden hat) nimmt Gestalt an durch
Donal O'Briens unverwechselbare Züge; und Claudio Cassinelli gibt einen
Profikiller mit zurückgegelten Haupthaaren. (Für ihn zahlte sich der
Film übrigens nicht aus, da er tragischerweise in einem Unglück ums
Leben kam; bei seinem Ableben im Film wird deshalb etwas geschummelt.)
Wen habe ich vergessen? John Saxon gibt wie üblich einen glänzenden
Chefschurken, und George Eastman brilliert als Truck Driver mit
Nervenproblemen. (Eine schöne Szene: Eastman, 3 Meter hoch, nähert sich
der Dampfmaschine des Todes drohend, um sie zu provozieren. George ist
wohlgemerkt kein Mensch, dem man gerne eine Beule in den Wagen fahren
möchte. Die ganze Bar zittert. Man hört Eierschalen knacken. Paco
bemerkt cool: "Du bist ein Stück Dreck!". Wegen solchen Momenten bin
ich Filmfan.)
So schrecklich ernst hat Martino den Film nicht genommen. Das Ergebnis
ist ein aufregender, rasanter Actionjauler, der zwar etwas geschnitten
aussieht, aber das Ansehen lohnt. Ein Partyfilm, wenn man auf der
richtigen Party ist. Claudio Simonettis Musik gibt den passenden Schuß
Cyber-Groove dazu und ist mit einem Stück auch auf der Fantastival-CD 4
vertreten.
Paco (mit der Stimme von Thomas Danneberg/Arnold Stallone): "Okay, ihr
Schweine! Ihr wolltet die Hölle - jetzt bekommt ihr sie!!"
NUR
HIRN UND KNOCHEN
Das Betrachten von Franco Prosperis GUNAN IL GUERRIERO (GUNAN,
KÖNIG
DER BARBAREN, 1982) weckt im Betrachter die Sehnsucht nach dem
Mutterleib. Damals konnte man sich noch in aller Ruhe zurücklehnen,
Fünfe gerade sein lassen und die ständig steigenden Mietkosten
verdrängen. GUNAN funktioniert ähnlich. Ein tiefer Frieden macht sich
in der Seele des Zuschauers breit, der Urzustand des Menschen, die
Einheit mit der Natur, ist wiederhergestellt.
Es gibt übrigens ZWEI Franco Prosperis. Der eine war einst
Ko-Konspirator von Gualtiero Jacopetti bei dessen Dokumentar-Schockern.
Ein einziger Film mit Spielhandlung stammt von ihm: BELVE FEROCI (WILD
BEASTS), der zeigt, was man im Tierpark Hagenbeck vermeiden sollte. Der
andere Prosperi aber hat im Verlaufe seiner Karriere einige recht gute
Filme gedreht und einige hundsmiserable. Zu den guten gehört sein
Erstlingswerk TECNICA DI UN OMICIDIO (ICH HEISSE JOHN HARRIS), ein
spannender Gangsterfilm von 1967 mit Fortsetzung. Auch empfehlenswert
ist die Groteske L'ALTRA FACCIA DEL PADRINO (EIN PATE KOMMT SELTEN
ALLEIN, 1973), dessen Hauptdarsteller in seiner Marlon-Brando-Parodie
so erfolgreich ist, daß bei mir fast nächtlicher Harndrang ausgelöst
wurde: Göttlich!
Mit GUNAN nun hat Prosperi den MONDO CANNIBALE 3 des Barbarenfilms
abgeliefert. Selten wurde die ehrwürdige Technik der Zeitlupe so
sinnlos überstrapaziert wie in diesem Film. Andauernd laufen Darsteller
mit schweißglänzenden Muskelbergen über grüne Wiesen und Auen.
Gleich der Anfang überrascht durch seinen Verzicht auf eine Exposition:
Die wortkargen Ereignisse fallen in luftleeren Raum. Dafür wird gleich
zu Anfang ein ganzes Dorf von Zeitlupen-Reitern niedergemacht. Wem
diese Szene bekannt vorkommt, der hat sie übrigens in SANGRAAL gesehen,
der zeitgleich von Pino Buricchi produziert wurde. (Buricchi war auch
der Produzent von ROCKIT und URBAN WARRIORS, wo ja ähnliche
Tauschhändel vorgegangen sind.) Ein Schauspieler mit unglaublich
schlecht sitzender Perücke (der obendrein aussieht wie eine
Fleischeinwaage) bekommt von seiner Barbarenlady Mina zwei
Söhne geschenkt, die von zwei Fellbeuteln verkörpert werden. Leider
bekommt er nicht mehr viel mit, denn ein schwitzendes Schwein, der
Nuriak der Furchtbare genannt wird (aber aussieht wie Schubiak der
geistig Zurückgebliebene), bohrt ihm seinen Zweihänder in die Wampe und
macht Mina einen Kopf kürzer.
Die beiden Brüder werden aber von einer diensteifrigen Amme zu Amazonen
gebracht (den "Kunjats"), die die zwei Bälger zu strammen Bodybuildern
erziehen. Als solche kloppen sie sich um das Recht, den Namen Gunan
tragen zu dürfen, und zwar im "Wald der bösen Geister". Peter McCoy
gewinnt, da seine Perücke nicht ganz so lächerlich aussieht. (Ein Wort
zu schlecht sitzenden Haarteilen: Zwar ist die gröbste Verfehlung auf
diesem Gebiet immer noch in Franco Agramas DAWN OF THE MUMMY/DIE MUMIE
DES PHARAO zu bewundern, aber der Film GUNAN ist debil lächelnder
Zweiter!) Sein Bruder möchte ihn verraten, wird aber von Schubiak auf
einen Gummikopf reduziert. Gunan schwört blutige Rache.
Na, und die hat er dann auch. Wie schon gesagt, die Zeitlupen geben dem
Ganzen manchmal eine fast surreale Atmosphäre. Wenn Kafka einen
Barbarenfilm drehen würde, dann sähe der wohl so aus. Peter McCoy sah
NIE so dull aus, wie in diesem Film. Er erinnert mich an den vor Jahren
verstorbenen Pornostar Wade Nichols. (Jedenfalls schätze ich mal, daß
Wade jetzt so aussieht.) Die Szenen, in denen er todesmutig mit seinem
10-Meter-Schwert Unbewaffnete niederstreckt, sind von zirzensischem
Frohsinn. (Die Zeitlupen enthüllen übrigens bedrückend häufig, daß er
seinen Gegnern mit der Waffe lediglich auf den Kopf klopft oder ihre
Lederwesten streichelt.) Meine Lieblingsszene ist die in der
Folterkammer, wenn Gunny und seine Braut Sabrina Siani auf dem
unglaublichsten aller Foltergeräte ihre Marter erleiden. (Die Siani hat
zahlreiche Nacktszenen, enthüllt Knabenhaftes und rettet den Film vor
der Vergessenheit. Sie war übrigens auch in SANGRAAL und CONQUEST mit
von der Partie...na, und MONDO CANNIBALE 3!)
Zu all diesen Vorgängen dröhnt eifrig Roberto Pregadios
wohlmeinender Score, der aber an die Mainzelmännchen-Scharmützel dieses
Films eher verschwendet ist. Kameraarbeit stammt vom bereits erwähnten
Pasquale Fanetti. Das Drehbuch ist von Italiens Sleaze-Veteran Nr.1,
Piero Regnoli, der seit den 50ern unzählige Drehbücher verfaßt hat, bis
hin zur harten Pornographie. (Eines seiner Meisterwerke, Bianchis
MALABIMBA, wird vermutlich im nächsten Artikel ausführlicher besprochen
werden.)
Wer Näheres zur Entstehungsgeschichte des Films erfahren möchte, der
lese bitte das Super-Meier-Comic-Album Nr.12. Die Produktionsfirma von
GUNAN nennt sich "Leader Films"! Ein filmisches Pixie-Buch...
Da der Artikel ohnehin bereits seine weiten
lebensanschaulichen Kreise zieht, sei hier auch noch festgehalten, daß
die HÖRZU anläßlich der Ausstrahlung eines Elvis-Presley-Westerns ein
Foto des recht mies gelaunten Kings mit folgenden Worten kommentierte:
"Joe Lightcloud, singender Indianer, grillt aus Versehen einen
Zuchtbullen." DAS nenne ich eine Inhaltsangabe...
KRAFT
DURCH KEULE
GUNAN war nicht Prosperis letzter Film, merkwürdigerweise. Diese Ehre
gebührt TRONO DI FUOCO
(THE THRONE OF FIRE, 1984), der fast den
Eindruck eines filmischen Suizides hinterläßt. Es wäre mal etwas
Neues... Max Goldt weiß zu berichten von jemandem, der sich für seinen
Selbstmord den Altglasbehälter der Apollinaris-Werke ausgesucht hat.
Dieser Film könnte als das cineastische Gegenstück gewertet werden.
In TRONO treibt ein Hottentotte namens Morak sein Unwesen, der um ein
paar Ecken mit dem Leibhaftigen persönlich verwandt ist. Seine
Junggesellenträume werden von Prinzessin Belkarin beherrscht, deren
Brüste von Sabrina Siani getragen werden. Peter McCoy ist hier
Siegfried und sieht nicht einmal mehr aus wie Wade Nichols, sondern nur
noch wie ein Haufen eingelegter Kutteln.
Eigentlich möchte ich nicht mehr so viel über den Film verlieren. Er
ist tatsächlich noch schlechter als sein unmittelbarer Vorgänger. Der
aufgesetzte Märchenanstrich blättert schon während des Vorspannes ab,
und der Bart von Harrison Muller sieht so aus, als ob Fliegen drin
nisten. Gleich zu Beginn, als die frisch geschwängerte Teufelsbraut
durch den Wald eiert, sieht man am Rande, wie die Pappkulissen sich
biegen, es stürmt gar so sehr. Auch in diesem Film findet sich Material
aus SANGRAAL wieder, diesmal sogar zweimal! Der Soundtrack stammt vom
Vater-und-Sohn-Team Carlo und Paolo Rustichelli und ist nicht so prall.
Mir fehlt jetzt die Lust, noch mehr über Barbarenfilme zu schreiben.
Das könnt Ihr eigentlich selber machen... Macht Euan Dreck doch
alleene!
Da ich Lenzi und Billie Berger ja nun mag, habe ich mir einen Text über
IRONMASTER (ER-ST?RKER ALS FEUER UND EISEN) verkniffen. D'Amatos zwei
ATOR-Filme sind nett, aber keine Zigarren. Eine Zigarre (zumindest auf
dem Fun-Level) ist hingegen des letzteren TROLL 3, welcher auf amüsante
Weise Elemente des Nibelungenliedes in das Barbarenterritorium
überträgt, mit Laura Gemser als Kriemhild (!) und Donal O'Brien in
einer absoluten Paraderolle als König Gunther (!!). Hagen von Tronje
wird verkörpert von einem niedlichen Henson-Monster mit Sabber im Maul
und "roten Schwulenstiefeletten", wie sie Herr B. aus S.
bezeichnet... Das reicht jetzt aber auch. Ich will jetzt was von Dr.
Alexander Kluge gucken...
PFUSH
Und doch noch einer zum Schluß: Tonino Riccis RUSH (1984) ist keine
reine Freude. Wohl aber ist er der beste von insgesamt 4 Filmen, die
Ricci mit dem mimisch eher unbedarften Conrad Nichols abgedreht hat.
THOR IL CONQUISTATORE ist ja bereits in einem anderen Heft angemessen
gewürgt worden. RUSH 2 ist vermutlich nur in der BRD eine Fortsetzung;
in seinem Ursprungsland heißt er RAGE, FUOCO INCROCIATO und hat
immerhin Werner Pochath als Bösewicht anzubieten. Und FRATELLI DI
SANGUE schließlich ist hierzulande als AFGHANISTAN CONNECTION (!)
verwurstet worden.
Rush - das ist das Geräusch, das ertönt, wenn man an der
Kette zieht. Das ist aber auch der Held aus dem Nichts, der einfach so
ins Bild fällt, um einem Lumpenloddel die Musik leiser zu stellen, der
sich gerade an Rushs Lieblingsgeranie zu schaffen machen will. Pflanzen
sind nämlich in der Zukunft des Films verboten. Nur "Bonzen" haben das
Recht, sich ihre kleinen grünen Freunde zu züchten.
Da kommen Militärtrupps der "Neuen Ordnung" und suchen "arbeitsscheues
Gesindel". Rush wird gekascht. Zusammen mit seinen Leidensgenossen
kommt er in eine Art Mischung aus KZ und Treibhaus, wo Gefangene
Radieschen züchten.
Nach diversen Reibe- und Foltereien gelingt Rutsch die Flucht. Wie
Rambo der Erste zottelt er durch den Wald und beweist
Einzelkämpfertugenden. Dann kommt er wieder zurück, zettelt eine
Lagerrevolte an und macht den Oberbösewicht satt.
Ich gestehe es: Auch beim zweiten Durchgucken habe ich den Finger nicht
von der bösen Taste mit "FF" drauf lassen können - zu ermüdend fand ich
die pausenlosen Ballereien. Wenn es nicht wegen Gordon Mitchells
Chefnazi wäre (mit Gelfrisur, Motorradjacke und geiler Gürtelschnalle)
- der Film wäre kaum zu ertragen.
Zu den positiveren Eindrücken zählt da noch Francesco de Masis Musik,
die versucht, den Eindruck einer Hanswurstiade auszulöschen. Aber
Riccis Regietalent, das im Verlauf seiner fleißigen Karriere selten
über die Ufer trat, flackert hier nur bescheiden und träumt von den
Sternen. Sehr nett ist in dieser Hinsicht der Schlußfight, bei dem
leider allzu deutlich wird, daß die Stuntmänner von Mitchell und
Nichols ihren Vorbildern nur unzulänglich ähneln.
Ganz am Schluß kommt noch ein Moment der Freude, der die
monotonen Metzeleien fast vergessen macht: Bodenloser Kitsch bricht
sich Bahn und zaubert ein mongoloides Grinsen auf das Gesicht des
Helden. Hier reichen sich Thor und Rush die Hand und gründen ein
Nagelstudio in Entenhausen.
Ein Film für jene Leute, die beim Eismann die Sorte Stracciatella immer
als "Schtraziatella" bezeichnen. Oder man muß sich mit Onkel Donald
zumindest vorher einen ansaufen.
Wir haben nur eine Welt.
Auf Wiedersehen.
Christian
Keßler
Der Artikel erschien erstmals
in der "Splatting Image" Nr. 19 (September 1994).
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