Hallo! Das hier ist ein Artikel über einen besonders dunklen Bereich, in dem sich das italienische Exploitationkino einst umgetan hat. Er sollte ursprünglich mal in der "Splatting Image" veröffentlicht werden, was aber leider vereitelt wurde durch die deutsche Bundespost, die die Sendung mit meinen Bildern verschlampt, verschludert und verbumfidelt hat. Daß dabei verschiedene Videocover von nicht ganz unwertvollen Videokassetten in den Besitz eines Unbekannten gerieten, der sicherlich nicht viel damit anzufangen wußte (Wixen ist praktisch unmöglich, hihi!), wird niemanden von Euch verdrießen, aber ich finde, daß der damit zusammenhängende Artikel trotzdem einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, was hiermit geschieht. Das ist gleichzeitig als kleines Hallo gedacht an alle Italofans, die sich schon etwas gegrämt haben, daß ich nur noch selten über Spaghettikunst referiere. Diese werten Menschen sind nun herzlich dazu aufgefordert, Tarzan an der Liane zu packen und sich mit artistischer Anmut in die auslaufenden sechziger Jahre zurückzulevitieren, wo so manches möglich war. Weiß Gott, das war damals alles möglich! Viel Spaß... (Bilder, wenn der fucking Scanner funktioniert!)

WER HAT DIE KOKOSNUSS GEKLAUT?

Italienische Dschungelploitation

Ist Ja mehr als nur das Gegenteil von Nein? Mit dieser ebenso bedeutungsschwangeren wie komplett sinnlosen Frage möchte ich meinen kleinen Artikel über Dschungelfilme beginnen, mit denen findige italienische Produzenten einst die exotische Atmosphäre des Dschungels mit dem Liebreiz heißer nackter Betthäschen verbanden, die leichtbeschürzt durch unwirtliches Buschwerk watschelten. Irgendwo zwischen "Mondo"-Filmen und Kitschern wie den deutschen "Liane"-Heulern angesiedelt, schlugen diese Filme Ende der 60er eine Saite an, die nicht immer die Schokoladensaite des mediterranen Filmschaffens darstellten, aber heute durch ihre hemmungslose Naivität und geile Gesinnung zu entzücken vermögen. Wer einen ernsthaften Diskurs zur unberührten Natur als Gegenentwurf zur verderbten profitorientierten Zivilisation erwartet, ist herzlich dazu aufgefordert, ihn selber zu schreiben. Die Filme boten nicht viel mehr als selten krause Exploitation im Gewand (oder besser gesagt: ohne das Gewand!) spannungsbetonter Abenteueroptik. Daß die Italiener auch hier dazu gezwungen waren, zu improvisieren, macht die Filme aus heutiger Perspektive ebenso rührend wie drollig. Kommt mit mir in das Wunderland von Karzan und Gungala und freut Euch an den üppigen Stauden und Lianen!

BUMSALA SCHUNKALA

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erlegen! Den ersten Abstecher in tropischen Wildwuchs unternahm 1967 der Sandalenfilmproduzent Fortunato Misiano mit seinem Film GUNGALA LA VERGINE DELLA GIUNGLA (DAS DSCHUNGELMÄDCHEN), und das Ergebnis kann man mit Fug und Recht als Kreuzung aus Daktari und Augsburger Puppenkiste bezeichnen. Daß er sich den Schmalfilmregisseur Romano Ferrara (Pseudonym Mike Williams) als Chefdompteur für seine Tigerschau aussuchte, war allerdings kein kluger Schachzug, denn der Film ist eminent langsam und entnervt selbst den geduldsamsten Italo-Aficionado. Der Film war trotzdem ein ordentlicher Erfolg, was aber eher an den weiblichen Reizen der Hauptdarstellerin lag: Kitty Swan, eigentlich Kersten Svanhold, ist in der Tat hold in jeder Hinsicht und schaut aus wie eine sehr junge Daniela Giordano, also monstermäßig schniek. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, mit erschrecktem Rehkitzblick durch die Wildnis zu huschen und dabei nicht mehr von ihrer Intimbehaarung zu präsentieren, als das die Davidoff-Werbung erlauben würde. Tatsächlich sieht man von ihrer Wohlgestalt relativ viel für einen Film dieser Zeit, und das ist in der Tat ein Fundament, auf das man als Produzent gerne bauen möchte... (Oh Gott, das war doppeldeutig!) Abgesehen von dem holden Schwan ist im Dschungel aber finsterste Nacht. Gleich zu Beginn führen einige Eingeborene einen bunten Dschungeltanz vor, der an die beiden Weißen, die sich einen Weg durch das Gestrüpp bahnen, aber verschwendet ist. Wolff und sein Partner wollen nämlich den blauen Riesendiamanten klauen, der das eine Auge eines Götzenbildes schmückt, das so ähnlich ausschaut wie der unrechtmäßige Sohn von Whoopi Goldberg und Käpt´n Rauhbein aus St. Pauli. Die Geldgier treibt einen Keil in das Gaunergefüge, und nachdem Wolff von seinem Partner abgeschossen worden ist, macht sich dieser aus dem Staube. Lange Jahre später erfährt der wieder genesene Wolff aber vom Wiederauftauchen des Karfunkelsteins und organisiert eine wissenschaftliche Expedition. Sein Vorwand ist die Entdeckung von Uranvorkommen, aber gefunden werden höchstens Urinvorkommen - der Dschungel weicht vor Entsetzen zurück über die Gruppe, die da aufbricht. Der Held des Filmes ist ein blondierter Hanselmann namens Loth, und obwohl es in der Bibel wohl Lots Frau war, die zur Salzstange erstarrte, so eifert ihr Göttergatte in diesem Film dem klassischen Vorbilde nach. An seiner Seite befindet sich die reizende Linda Veras, die zwar ein paar Jahre älter ist als Kitty der Schwan, aber aus Gewohnheit Lieblichkeit versprüht. Die schwarzen Kulis machen sich bald aus dem Staub, denn böser Zauber säumt den Weg der Forscher. Schon bald kriegen Loth und seine Frau spitz, daß Wolff Böses in seinem fettgepolsterten Busen hegt. Zu diesem Zeitpunkt ist aber bereits Gungala, "der Geist des großen Gottes Mango" (Cjamango?), auf der Bildfläche erschienen und verwirrt nicht zuletzt das Herz des salzigen Loth. Sie trägt eben den Diamanten auf der blanken Brust, den Wolff zu finden hoffte. Es gibt dann einige käsige Verwicklungen - Gefangennahme durch Uga-Uga-Stamm z.B. -, bis es zum finalen Showdown der Kontrahenten kommt. Sehr nett an der deutschen "Toppic"-Kopie ist das Format, da das andauernde Wechseln von Vollbild zu Breitwand genau andeutet, welche Einstellungen aus einem Afrika-Dokumentarfilm stammen und welche aus der Gichtkralle Ferraras. Immerhin scheint das Produktionsteam einen ganzen Leoparden zur Verfügung gehabt zu haben, und der schleicht sich auch noch durch spätere Filme! Der blonde Loth hat Glück, denn von dem Moment an, wo man ihn sagen hört: "Warum denn dieses?", ist klar, daß er von Rainer Brandt gesprochen wird, und auch, wenn Rainer hier leider kein Feuerwerk abbrennt, so ist doch klar, daß der Berliner Kneipencharme auch in die Seele des Möchtegernforschers eindringt, der allein nicht einmal den Weg durch den Tierpark Hagenbeck gefunden hätte... Er sagt dann auch andauernd Sachen wie: "Was hat denn das Tabu hier zu bedeuten?" Der große böse Wolff wird von einem feisten Darsteller namens Poldo Bendandi gegeben, und er erntet sicherlich den Schauspielerpreis für diesen Film. Der statischen Kameraführung zum Trotz, die die Szenen mit der internen Spannung einer Soziologievorlesung ausstattet, verwandelt Kitty Swan den archiverzeugten Dschungel in den Safaripark Hodenhagen und läßt den Zuschauer an all die entgangenen Lendenfreuden seiner braven Jugendtage denken... Regisseur Ferrara gab sein Debüt mit dem passablen SF-Film I PIANETI CONTRO DI NOI, machte zwei Krimis, die wirklich beim besten Willen nicht aufzutreiben sind, und fertigte mit GUNGALA seinen Schwanengesang. Die Darstellung der Eingeborenen ("Jambo, Bwana!") als kolonialistisch geprägt zu bezeichnen, wäre bei einem besseren Film angebracht gewesen. In GUNGALA wäre auch das Auftauchen von Lukas dem Lokomotivführer nicht nur angebracht, sondern höchst erwünscht gewesen. Kitty bescherte dem Film allerdings zahlreiche Zuschauer, so daß schon bald Teil 2 ins Haus stand: GUNGALA LA PANTERA NUDA (1967) sollte ursprünglich ebenfalls von Ferrara abgelichtet werden. Da er aber scheinbar nur losen Tönjes mit nach Hause brachte, übergab man den Auftrag dem aufstrebenden Regisseur Ruggero Deodato, der hier das erste Mal seinen Weg in den Dschungel fand. Da ich den Film aber bei meinem Südamerikaurlaub im Amazonas verlor, glänzt er hier durch Abwesenheit!

SAMÖSA

Der dritte Streich von Misiano hieß SAMOA REGINA DELLA GIUNGLA und fand 1968 statt. Regie führte der allseits beliebte Katastrophen-Zampano Guido Malatesta (unter dem Pseudo "James Reed"), und er schenkte uns einen seiner gelungeneren Filme: SAMOA liefert zwar nicht so gelungenen Trash wie GERMANICUS IN DER UNTERWELT oder RÄCHER DER MAYAS, ist dafür aber als Abenteuerfilm immerhin gerade noch mal so konsumierbar. Der Hauptdarsteller entführt uns diesmal in den Dschungel der Agentenfilme, denn er wird von Roger Browne gespielt, dem Mann mit dem Halbmondgesicht! Gleich in der ersten Szene befindet er sich in einer wüsten Wirtshausschlägerei, als eine asiatische Schönheit auftaucht und ihm bescheidet: "Signor Wang erwartet Sie!" Roger spielt nämlich den angesehenen Forscher Clint Loman (Sohn von Willy Loman aus Arthur Millers "Tod eines Salzmannes"!), der für den Glückskeksspekulanten Mr. Wang eine Expedition leiten soll, deren Ziel die Auffindung der berühmten blauen Riesendiamanten sein soll. Zu diesem Behufe begibt man sich nach Borneo, wo es jede Menge Archivmaterial gibt, das man wieder mal neu aufbürsten kann... In diesem Film haben sich Malatesta + Co. bei dem Dokumentarfilm CONTINENTE PERDUTO bedient, dem zahlreiche Tierchen und Pflänzchen entlehnt werden und für Lokalklolorit sorgen. Da die Archivmeter eine gänzlich andere Bildqualität besitzen, sollte auch dem Dümmsten klar sein, daß die Crew von SAMOA nicht wirklich nach Borneo gefahren ist, sondern höchstens bis nach Croce Verde, wo ja auch viele der Kannibalenmampfereien entstanden. (Malatestas Ko-Autor heißt übrigens Gianfranco Clerici und hatte später teil am Drehbuch zu CANNIBAL HOLOCAUST!) Rogers Mitreisende sind wieder mal so ein Haufen: Andrea Aureli gibt den sinistren Professor Schwarz, Stuntprollprofi Claudio Ruffini einen Schergen und Evilface Ivano Staccioli darf wieder mal lüstern nach versteckten Reizen geilen. Damit sich das Geilen auch lohnt, darf Ivy Holzer als blonde Zoologin mitfahren, die auch schon mal komplett sinnlos auf einen Vogelschwarm ballert, da im Archivmaterial ein ebensolcher aufstiebt - Tote tragen keine Federn! Als kleinen Vorgeschmack auf Lenzis und Deodatos Tierleben gibt es eine eklige Szene, in der eine Schlange einer anderen die Clinton-Spezialbehandlung angedeihen läßt, bis sie ganz verschwunden ist... Aus dem Archivmaterial werden auch noch die Kajaks zurechtgebastelt, einige Kopfgeldjäger, die den Forschern eine schöne Zeit bereiten. Am Schluß werden auch noch einige neu gedrehte Eingeborene eingeführt, die alle aussehen wie Kellner aus dem Chez Farrakhan mit Lendenschurz. Nach 33 Minuten erscheint dann endlich Edwige Fenech auf der Bildfläche, in ihrem ersten italienischen Spülfilm. Verzückung macht sich breit, dann Ernüchterung, denn Edwige trägt einen Bikini, wenn auch einen sehr geometrischen. Die wunderschönen Waberorgeln Lavagninis (dieselben wie in GUNGALA, versteht sich) werden hier ergänzt durch ein zauberhaftes Harfen- bzw. Hafenglissando, das erfolglos versucht, ihr den Bikini abzustreifen. Sie ist Samoa, die einst von einem weißen Forscher im Dschungel vergessen wurde - vermutlich, um sie wieder einzusacken, wenn sie älter und knusprig ist. Sie führt die Gruppe zu ihrem Stamm, wo nicht nur Diamanten warten, sondern auch eine sehr junge Femi Benussi, die gerade aus Pasolinis GROSSE VÖGEL - KLEINE VÖGEL herausgekommen war. Ein großes Gevögel gibt es in dem Film aber leider nicht, denn die Darstellerinnen halten sich alle sehr zurück. Es gibt dann diverse Probleme mit den Diamanten und noch mehr Kopfjägerkirmes, bis der Möchtegerntriebtäter Ivano endlich Gas gibt und um sich ballert, aber eine gelegen plazierte Grube mit Treibsand gibt dem Finsterling, was des Finsterlings ist! Edwige ist natürlich ein Fetz für die Augen, wenn auch unangenehm aufstößt, daß ihr Suppenkaspar Hauser niemals die Kullerchen rauspurzeln läßt - haben wir dafür unser Eintrittsgeld bezahlt? Also schnell weiter zum letzten Teil der Serie!

SPARGELTARZANA

Eingeborene, die tanzen gerne! So ist das meist in Filmen wie Guido Malatestas TARZANA SESSO SELVAGGIO, und das tun sie denn auch gleich zu Beginn. In London ist dem betuchten Lord Donovan zugetragen worden, man habe in Nairobi den zerschellten Flieger seines vor 16 Jahren verschollenen Sohnes entdeckt. Auch die Gattin ist Moos, doch von der gemeinsamen Tochter fehlt jede Spur. Den Unkenrufen seines intrigenreichen Beraters Franco Ressel zum Trotz, schickt der Lord eine Expedition los, angeführt von dem amerikanischen Haudrauf Glenn Shipper. Daß dieser von dem westernerprobten Ami Ken Clark gegeben wird, sorgt hier für einen neuerlichen Desorientierungseffekt. Immerhin kann man an Kens kantigen Zügen gut die Kontraste einstellen... Wer sich für den ehemaligen Minenarbeiter Clark interessiert, kann in der bislang letzten Ausgabe von "European Trash Cinema" ein informatives Interview nachlesen. Weitere Mitglieder der Shippertörn sind ebenfalls westerngestählt: Furio Meniconi ist der brave Lars, Andrea Aureli läßt seine Megastirn als Dr. Kruger ergleißen und die fiese Ivano-Rolle aus SAMOA hat hier Raf Baldassarre, den man eigentlich nur dabei hat, um zu rauchen, zu saufen und nackte Frauenkörper anzuglotzen - was für ein Programm! Die titelgebende Tarzana stellt sich selbstverständlich als die vermißte Elizabeth heraus, und was lange währt, wird endlich wahr: Femi Benussi läuft größtenteils nackt durch das Buschwerk - na bitte, es geht doch! Was hat diese Frau für süße Jochbeine - Beine, in deren Joch man gerne eingesperrt werden würde... Doch zu lang ist´s her, oh je. Wunderhübsch sind ihre Tierstimmenimitationen, etwa ihre Löwenschreie, die so ähnlich klingen wie das Gegurre der Tauben auf meinem Dach. (Oh Gott, oder habe ich etwa Löwen auf dem Dach?) Na, die einzigen Tiere, um die es in diesem Urwald geht, sind natürlich die Möpse, und der Sexfaktor des Filmes ist sicherlich der ausuferndste dieses kleinen Nebengenres. Und es gibt noch mehr heiße Bienen, summsummsumm: Franca Polesello ist dabei, die ich hier erstmals nackt gesehen habe, was insgesamt eine gute Idee war; und die Schwarze Beryl Cunningham zeigt sich - auch eine Frau, aus deren Nabel man hochgeistige Getränke schlürfen möchte... Nachdem Beryl von einem Leoparden verspachtelt worden ist, kommt es schließlich zu Geballer allenthalben, das erst endet, als Raf das Häschen in der Grube macht und Ken die süße Taranza davon überzeugen kann, daß nicht alle Menschen böse sind. (Supereinfall für die Polesello, als es darum geht, Tarzana zu beschwichtigen: Sie reißt sich die Kleider vom Leib und meint: "Schau, wir sind beide gleich!") Danach nahm Ken die Femi mit in seine Mine, und die beiden warden nie mehr gesehen... Die Moral von der Geschicht: Serengeti darf nicht sterben!

HOLLAND:VIETNAM - 0:0

Als Musterforscher George Barrett mit seiner Pilgergruppe durch den Forst tapert, gerät er in den Hinterhalt von bösen schwarzen Männern und wird pfeilgeboten. Das Gift wird ihm allerdings suggestiv aus den Venen gelutscht von einer reizenden Überraschung: LUANA LA FIGLIA DELLA FORESTA VERGINE (LUANA, DER FLUCH DES WEISSEN GOLDES, 1968)! In diesem Fall hat die bezaubernde Dschungelnixe einen indochinesischen Einschlag, da sie von der Vietnamesin Mei Chen gemimt wird. Und damit der Titel des Textes auch seinen Sinn erhält, muß ich verraten, daß der Held Barrett von dem Holländer Glenn Saxson gespielt wird, den man aus diversen Italowestern kennen mag. Derweil bohrt sich pfeilschnell ein mächtiges Sportflugzeug durch den pittoresken Wolkenhimmel über Nairobi. (Das war ein ekliger Satz, wa?) In ihm befindet sich nicht nur Kleindarsteller Ivan Scratuglia (häufig mit dem schönen Pseudo "Ivan Scratt" geschlagen), sondern auch die blonde Sexbombe Evi Marandi, deren Vater einst in der Gegend von Marandi abgestürzt ist und tödlich zerscholl bzw. verschellte. Da sie einen Führer braucht (schluck!), wendet sie sich an George Barrett. Doch dieser ist zu einem zynischen Bastard geworden, dessen Leben sich ganz um Poker und billigen Fusel dreht. Sie heuert ihn aber an, auch wenn Norman, der feiste Partner ihres Papis, nicht ganz einverstanden ist. Nur aus Jux und Dollerei prügelt sich George vorher noch mit dem schwarzen Drogenhändler Okeke herum und liefert sich mit ihm ein Armdrücken über zwei grimmigen Skorpionen. Im Dschungel stoßen beide dann bald auf das süße Reismädchen, deren knabenhafte Formen geschickt von ihren langen schwarzen Haaren verdeckt werden. Wie sich herausstellt, war sie die Tochter einer orientalischen Prinzessin (kreisch!), die einst von Papa Marandi geehelicht worden war. An ihrer Seite befindet sich ein Schimpanse, der die sizilianischen Gesten voll drauf hat und eigentlich wesentlich besser spielt als die anderen Darsteller. Mit dabei ist erneut Raf Baldassarre, der hier ausnahmsweise mal einen Nettling spielt, der den Namen Pogo trägt! Wie sich herausstellt, hatte Evchens Papi eine fleischfressende Pflanze entdeckt, aus der sich ein hochwirksames Halluzinogen entwickeln läßt, mit dem Norman jetzt dicke Kohle macht. In einem aufsehenerregenden Finale geht es den Drogenhändlern aber an den Kragen, Okeke verschwindet in der tollen Gummipflanze (die aussieht, als sei sie aus einer alten STAR TREK-Folge übriggeblieben!) und Glenn und Evi kehren dem Dschungel den Rücken: "Der Busch mag uns Europäer nicht!" Nein, und warum auch? Den Film kann man allerdings mögen, denn er verfügt sicherlich über das beste Drehbuch der hier besprochenen Filme und funktioniert als Abenteuerfilm ganz passabel. Der Regisseur war Roberto Infascelli, Sohn eines bekannten Produzenten, und drehte später auch den achtbaren Polizeifilm LA POLIZIA STA A GUARDARE (DER UNERBITTLICHE VOLLSTRECKER). Mit dem von ihm produzierten LA POLIZIA RINGRAZIA (DAS SYNDIKAT) begründete er auch praktisch das Genre, das uns allen schon soviel Freude bereitet hat. Kurz darauf fiel er allerdings einem Autounfall zum Opfer - eine fleischfressende Pflanze wäre sicherlich origineller gewesen... Die Synchro ist ebenfalls eine Spur besser geraten, auch wenn sich bei den Eingeborenen erneut die Balken biegen. (In Bezug auf Pistolen fällt etwa der schöne Satz: "Die Feuerkaiser werden sprechen!") Wie dem auch sei, meinem Steiff-Löwen Leo hat der Film prima gefallen, und mir hat besonders eine Szene gefallen, in der eine knuddelige Ziege, die ein böser Mensch an den Baum gebunden hat, einem Löwen zum Fraß vorgeworfen wird. Da kommt nämlich gerade noch rechtzeitig Luana und rettet sie - der "Goldene Deodato" für Robertos Tierliebe! Ansonsten fällt auf, daß das Archivmaterial besser eingearbeitet worden ist und Teile des Films wohl tatsächlich in Afrika gedreht wurden. Ich könnte jetzt noch ein bißchen über meinen Südamerikaurlaub erzählen und daß ich im Amazonas einen Piranha geangelt habe, aber - um Helmut Berger zu zitieren - das interessiert mich eigentlich auch nicht!

NACKT UNTER!

Ein Randprodukt dieser Welle war Roberto Mauris 1968 hergestellter EVA LA VENERE SELVAGGIA, der bei uns als NACKT UNTER AFFEN erschien. Wem dieser Titel noch nicht farbig genug ist, der halte sich an den Alternativtitel, der auf der Videokopie erscheint: KING KONG UND DIE BRAUNE GÖTTIN! Zwar ist die Spanierin Esmeralda Barros nicht wirklich braun, aber vielleicht sollte das auch nur eine Bezugnahme auf die Qualität des vorliegenden Produktes sein... Aber immer langsam: Bei einem Überfall auf einen Lohngeldtransport wird der ehemalige Söldner Burt Dawson (Brad Harris!) von seinen Komplizen eiskalt abserviert. Ernüchtert und dampfend vor Rachedurst verweilt der wackere Kämpe in Nairobi, da er hofft, den bösen Albert Munier in die Finger zu bekommen. In einem bezaubernd unnützen Noir-Subplot gibt es Eifersüchteleien zwischen ihm und dem dicken Theodor (Westernspezi Aldo Cecconi), dessen Frau Adriana Ambesi einst eine Affäre mit Burt hatte und im übrigen aus dem Kaff raus will. Bei einer kleinen Safari (reiche Schnösel, die wehrlose Tiere umbringen!) wird die reizende Tochter von Theodor gekascht, und zwar von einem Riesengorilla! Denn wie sich herausstellt, hat Albert eine Methode kultiviert, den Gorillas einen Sender zu implantieren, der sie zum Spielball seines finsteren Willens macht. Wie Albert mit einer Handvoll draller Gorillas die Welt unterminieren möchte, bleibt sein Geheimnis, aber das ist exakt das, was er vor hat. Gramgebeugt dingt Theodor den müden Söldner, auf daß er seine Tochter wiederhole. Da Burt hier Gelegenheit bekommt, mit Albert und seinem Schergen Turk abzurechnen, willigt er ein. Es folgt ein wenig Urwaldgehoppel, bei denen den Safaristen eine prall beeuterte Dschungelnixe namens Eva vor die Linse läuft. Eva hat den guten Geschmack, stets nackend aufzukreuzen und spricht mit den Tieren, was zu ihrem debilen Gekichere paßt. Wie eine Atomphysikerin schaut sie nicht gerade aus... Doch während Esmeralda wirklich ganz schniek anmutet, sind die Männer dieses Filmes alle Quasimodos - schwer zu sagen, wer mit den Affen des deutschen Titels gemeint ist! Nach einem wilden Gerangel und diversen "mad scientist"-Schnacks von Albert haben die Affen den Kanal voll und machen Schluß: Eva spricht das magische Wort "Maiala!" (italienisch für "Schlampe") und befiehlt damit scheinbar den Primaten, aus dem größenwahnsinnigen Professor die Holzwolle rauszukloppen... Vielleicht ist EVA nicht gerade Mauris bester Film, aber mit Sicherheit ist dies seine genialste Trashgranate - boh, geht der zur Sache! Es scheint so, als seien einige Partien des Filmes sogar in Afrika gedreht worden, was baß erstaunt, denn das Drehbuch ist ein unglaubliches Gemisch aus wilden Zutaten, die nicht wirklich zusammengehören. Gleich zu Beginn gibt es eine minutenlange Operationssequenz, in der Marc Lawrence und Westernspezi Paolo Magalotti einem Affenkopf aus Gummi eine Patronenhülse einpflanzen! Marc Lawrence war übrigens ein verdienter Hollywooddarsteller, der u.a. den bizarren Tierhorrorfilm PIGS inszenierte und sogar noch am Anfang von FOUR ROOMS zu sehen ist... Hier dreht er mörderisch auf und wird unterstützt von einer Synchro, die ihresgleichen sucht. Wie meint Brad, als er das erste Mal Evas ansichtig wird? "Sie sieht göttlich aus und klettert wie ein Affe!" Va-va-voom... Brad hat auch einen schönen Moment, wenn er barbusig im Teich badet und dazu wie ein Depp lacht... Theodors Töchterlein wird von der hübschen Ursula Davis gespielt, aber die einzige, die sich auszieht, ist leider die braune Eva. Die diversen Rassismen (Kuli Mulumba: "Nix gut für schwarze Männer hier!") sind eigentlich weniger positiv, wirken aber in diesem Trashumfeld unwiderstehlich. Das perfekte "Double Feature" mit HÄUTET SIE LEBEND! Was für ein Film... Die schöne Easy-Listening-Musik stammt von Roberto Pregadio, und immerhin der Shake aus der Beatclub-Szene findet sich auf "Beat at Cinecittà Vol. 3"! Nach Betrachten dieses Films wird jeder fordern: Der Mauri in den Container! Ich bin ohnehin dafür, daß man "Big Brother" verlängert auf eine Laufzeit von 4 Jahren... Wer lebendig rauskommt, darf sich dann durchs Feldbuschwerk bohnern - yippie!

SPARZAHN

Und hier ist er wieder, unser aller Freund Miles Deem alias Demofilo Fidani! Eines seiner größten Trash-Meisterwerke ist nämlich ein Film mit direktem Dschungelbezug: KARZAN IL FAVOLOSO UOMO DELLA GIUNGLA (1972). Der Film beginnt mit einem kurzen Prolog in "England", wo der ehrenwerte Mr. Fox (Ettore Manni nach seinem siebten Martini) einer erlauchten Gruppe von Zuschauern einen Heimfilm mit garantiert "nie gesehenem Material" offeriert - Wasserbüffel, Giraffen und Zebras. Und dann ist da noch ein dicker Mann, der sich unbeholfen an einer Liane durchs Bild hangelt. Ganz klar, daß es sich hier um den Überlebenden des Barrett-Flugzeugabsturzes vor einigen Jahren handelt. Fox, der nicht nur Waffenhändler ist, sondern auch Humanist, gewinnt den betuchten Lord Carter (jau, wieder Roger Browne!) dazu, eine Expedition zu finanzieren. Dieser Trupp setzt sich zusammen aus großartigen Menschen, denen man schon immer begegnen wollte: Neben Manni und Browne schippert noch ein blondierter Fotoreporter mit (Gerardo Rossi, aus Fidanis HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN!) sowie dessen Freundin Melù Valente. Meiner Vermutung, daß es sich hier um Fidanis Ehefrau und Ko-Autorin Mila Valenza handelt, wurde leider nicht stattgegeben, denn Melù ist ca. 25 und geil wie die Nacht! Außerdem stößt noch ein zum Glück stummer Kuli namens Crazy hinzu, dessen Pseudonym zwar "Crazy Matthews" lautet, der sich aber als Stuntman Attilio Severini herausstellt, der u.a. Jennifer Connelly gedoubelt hat, als sie in PHENOMENA beim Schlafwandeln auf dem Dach herumturnt! Gemeinsam geht´s in die Wildnis, und hier lauern zahlreiche Gefahren. Attilio z.B. legt sich sofort fast lang, als er über eine Wurzel stolpert, und ich bin mir aus irgendeinem Grund ziemlich sicher, daß das nicht gespielt war, sondern überlegen improvisiert! Ettore legt erst einmal ein paar Archivelefanten um und outet sich damit als widerwärtiger Sportjäger. Meiner persönlichen Meinung nach sollte man alle Jäger mal in den Schwarzwald laden, wo sie eine Woche Gelegenheit haben, aufeinander Jagd zu machen - das wäre ein Spaß, und zwar auch für alle anderen! Sie stoßen schon bald auf ein Dorf voller gemeingefährlicher Eingeborener, die alle aussehen wie Ron Williams beim Kinderfasching. Aus kolonialistischen Kanonen spricht das Recht des Stärkeren, und alles purzelt wild durch die Gegend... Erst, als sie das angestrebte Plateau erreichen ("Plateau is taboo, master!"), verkrümeln sich die Sattelschlepper dank eingenäßter Hosen. Sie haben aber falsch daran getan, denn sie verpassen den Auftritt von Johnny Kissmüller jr. (!), einem Bodybuilder, der aussieht wie Treat Williams mit Schwulenperücke und angeklebten Muckis! Mitgebracht hat er angenehmerweise seine Freundin Shiran, welche von Simone Blondell, also Tochter Fidani gegeben wird... Simonetta ist dem Moffel wirklich gut gelungen, denn ihre Leuchteaugen und das Grübchen im Kinn bohren sich dem männlichen Zuschauer sofort ins Herz! Mone und Johnny Furzmüller balgen sich dann quer durchs Mangrovengebiet, gesäumt von Johnnys (Karzans) mutigen Urwaldschreien - noch so ein Film, dem man sich nicht unter Drogeneinwirkung aussetzen darf! Natürlich werden beide von den Safaristen gefangen, und Schwein Manni will beide an die Zivilisation verhökern, aber Lord Browne entdeckt sein pochendes Herz für die unberührte Wildnis und kauft die beiden frei... Ja, Naturverbundenheit ist ein Ideal, das am besten in undogmatischer (sprich: schlichter) Umgebung wuchert. Mit Sicherheit ist KARZAN ein wesentlich sympathischerer Naturfilm als Boormans EMERALD FOREST, da der PC-Wetterhahn hier nicht bockig seine Windeier legt... Davon abgesehen macht es einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie sich die Akteure gleichzeitig einen Weg durch das Dickicht von Croce Verde als auch durch dasjenige des Drehbuchs bahnen, und wenn dazu noch Lallo Goris "Easy Listening"-Mucke im Hintergrund nüddelt, kann man nicht allzu viel verkehrt machen! Lallo schenkt uns hier ein knalliges Titelthema, das ergänzt wird von einigen Themen aus seinen Arbeiten zu früheren Fidani-Western, die jetzt ja gerade auf CD veröffentlicht werden. Auch schön eine wunderschöne Galaabendorgel, wie sie etwa im Hotel Flamenco meiner Kindheit hätte erklingen können... Zwischendurch gibt es Badefreuden zu bestaunen vor den wunderschönen Wasserfällen von Montegelato (in jedem zweiten Western oder sonstigem Genrefilm zu sehen), in denen Simonetta mal ein Oberteil trägt und mal keins. Geschrieben wurde dieser Text am Abend der amerikanischen Präsidentschaftswahlen, und mit Goris Musik hätte Gore garantiert gewonnen, auch ohne dabei durch unwirtliches Bushwerk zu rödeln... Diese Gunst bleibt den Akteuren von KARZAN zum Glück erspart, so daß wir einen Trash-Klassiker zu genießen haben, der zwar nicht an Bo Dereks TARZAN herankommt, aber auch so einiges auf dem Schwitzkasten hat!

ZAMBO UNTER KANNIBALEN

Als letzten Film präsentiere ich den ehrenwerten ZAMBO IL DOMINATORE DELLA FORESTA (SIE NANNTEN IHN ZAMBO, 1972), und zwar nur, weil er auf dem deutschen Videocover eine schöne Werbeschlagzeile besitzt: "Er kam als Sträfling und blieb als Freund!" Und wer ist das, der da kommt und bleibt? Brad Harris, meine Damen und Herren, der gleich zu Anfang bei einem Gefangenentransport den Mithäftling Buddy kennenlernt. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht, doch Tansania und Uganda (wo der Film gedreht wurde) sind unwirtliche Gegenden, und die zahllosen Archivtiere, denen die beiden begegnen, werden auch bald langweilig. So ist Buddy eigentlich ganz froh, als er einen giftigen Kaktus futtert und verreckt! Brad ("Du warst ein guter Kamerad, schluchz!") biegt daraufhin um die Ecke und befindet sich in einem kenianischen Feriendorf, wo er standesgemäß als Gott Zambo angebetet wird, denn auf Bodybuilder stehen die da... Nach diesem hübschen Westernauftakt (untermalt von extrem westernlastiger Lala) passiert erst mal zwei Jahre gar nichts. Dann kommt der freundliche Professor Woodworth (Attilio Dottesio) und stellt eine Expedition zusammen, bei der neben diversen finsteren Gestalten auch seine Nichte mitrauscht. Und da kommt Stimmung in die Bude, denn da haben wir Gisela Hahn, deren blonde Schönheit auch kühleren Gemütern als mir permanenten Hahndrang verschafft hat! Zu den Bösewichtern zählen erneut der Raf B. als auch Daniele Vargas, der im privaten Leben Zahnarzt war (bzw. Tarzahnarzt, wuhaha!) Kaum sind sie im Dschungel, wird die Gisel von einem verkleideten Gorilla angegriffen, doch herbei eilt Zambo und haut dem Plastikaffen die Klüsen dicht. Durch Zufall stoßen die Forscher dann auf Simbahne, "die Stadt des Minenkönigs", wo angeblich nicht nur eine Menge Gold, sondern auch "das Geheimnis der Sterne und des Weltalls" verborgen sein soll. Dieses Geheimnis scheint aus einem Gartenzwerg aus Balsaholz zu bestehen, sowie aus zahllosen Malereien, deren Sinn erst noch gedeutet werden muß. Der Professor wird dann noch in einer Gruft eingesperrt, worauf ein gewaltiges Gerangel stattfindet, das jeder der Schauspieler mit seiner Karriere bezahlt. Am Schluß taumelt der umnachtete Dottesio vor die Kamera und röchelt: "Ich habe das Auge des hellblauen Gottes gesehen!" Und der Gott Bitto Albertini, der ZAMBO gemacht hat, war nicht nur hellblau, sondern sogar veilchenblau, als er sich die Story ausdachte. Aber Fans des Trashkinos werden es ihm danken, denn ZAMBO gehört zu seinen lustigeren Filmen, bei denen budgetmäßig meist Schmalhans der Küchenmeister war. Bitto war früher ein sehr guter Kameramann, dessen Regiearbeiten aber meist in den Exploitationkeller gerieten. Mittlerweile ist er leider verstorben, aber mein Freund Massimo hat noch ein Interview mit ihm gemacht, das man wohl in "Draculina" nachlesen kann. Brad Harris ist erneut der Mienenkönig und macht den Eindruck, als könnte er ganz Afrika im Alleingang befrieden. Zu Gisel muß man, glaube ich, nicht mehr viel sagen, außer vielleicht, daß mir Hans Billian mal ein schönes Foto von ihr gegeben hat, wo sie auf der Kühlerhaube ihres gemeinsamen Wagens liegt. (Die beiden waren nämlich mal liiert - Hans im Glück!) Wo immer sie ist - schöne Grüße aus Bremen! So, und jetzt klappen wir mal den Dschungel zu - frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr Euch allen!

Ja, nicht wahr? Alles Liebe auch im August 2001!

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