DROGENDROGENDROGENDROGENDROGENDROOOOOOOOGEBÄRDE!

Nie werde ich vergessen, wie meine Mutter mich einmal fragte, ob ich Drogen nähme, z.B. Crash... Ich war an diesem Tag etwas heruntergewirtschaftet, das ist richtig, aber meine Seele war zu diesem Zeitpunkt unschuldig und rein wie ein Kinderpopo. Aber...war das wirklich so? Oder war ich nicht schon damals ein verkommenes Subjekt, das zitternd und bibbernd dem nächsten Exzeß entgegengiert?

Es muß raus, es kann nicht länger geheimgehalten werden.

Hier ist eine Auflistung der Drogen, an denen ich mich in meiner bisherigen Karriere verlustiert habe:

a) Frühstücksfleisch

Eines der düstersten Kapitel meiner Vergangenheit. Frühstücksfleisch ist eine schmierige, sülzwurstähnliche Abscheulichkeit mit aspikenem Geglibber ringsumher (manchmal auch noch mit daran haftendem weißem Griebenschmalz), das mir als Kind mundete. Das meiner Mutter zu sagen, war allerdings ein Fehler, denn fortan quoll der elterliche Kühlschrank vor dem Zeug über. Das hatte auch ein Gutes, denn ich hatte die finstere Substanz relativ bald über und konnte so in die Gesellschaft zurückintegriert werden.

b) Hering in Tomatensauce

Das ist natürlich das Zeug, das Spätnachhausekommer mit Heißhunger in sich reinschaufeln, ohne Rücksicht auf mögliche Lebensmittelvergiftungen. Diese würdelose Prozedur bleibt mir zum Glück heute erspart, da H.i.T. mich - wie die Masern - schon früh ereilte und nunmehr als überkommen betrachtet werden darf.

c) Eis

Ich wiege im Augenblick um die 90 Kilo und wöge gerne 5 Kilo weniger. Wie ich das schaffen soll, ist mir allerdings schleierhaft, denn direkt vor meinem neuen Domizil ist ein ausgezeichneter Eissalon, in dem das Orangeneis vor Güte kaum zu ertragen ist. (Gütiges Orangeneis - in Buer gibt es so was!) Eis gehörte schon immer zu meinen privaten Verhexungen. Als 10-jähriger habe ich es tonnenweise weggefuttert. Damals war ich noch jung und brauchte mir um mein Aussehen keine Gedanken zu machen. Heute bin ich ein alter Sack, und da die Hormone gelegentlich Betriebsfest haben, muß ich auf meine Linie achten, denn wenn ich mich vor einer Frau ausziehe, soll kein böses Gelächter erschallen, sondern wohliges Schnurren. Also - Eis oder die Frauen? Sinnesfreude oder Zölibat? Die Klärung der Frage dauert an.

d) Fischstäbchen

Von Iglu. Oder Iglo. Oder so. Seelachsschnitten mit Panierpampe drumrum. Häufig verlangter Schmatzbatzen im Hause Keßler. Seit ich nicht mehr dort wohne, bin ich aber weitgehend entwöhnt, denn ich schaffe es nicht, mir diese Dinger selber zuzubereiten. Das einzige Mal, das ich das versucht habe, endete im Fiasko. Bessere Resultate erzielte ich mit Schlemmerfilet, aber ich finde es so eklig, die Metallbehälter danach vom Fettgriepsch zu reinigen. (Vgl. "Die Unschuldigen mit den fettigen Händen" von Chabrol)

e) Testosteron

Aus meiner Pubertät ist die Beschäftigung mit der eigenen Sexualität nicht wegzudenken. (Bzw. wegzuwischen, kicher!) Daß sich andere mit meiner Sexualität beschäftigten, geschah erst einige Jahre später. Immerhin erwischte es mich ein Jahr vor Jello Biafra, wie ich seit seiner Lesung weiß. Das erste Mal war abstoßend - Sand knirschte zwischen den Zähnen, und ein Matrose spielte ein garstiges Lied auf einer angelaufenen Mundharmonika. Nach einigen Jahren fand ich es aber ganz okay. Seit ich wieder solo bin, injiziere ich mir das Testosteron intravenös und belästige die Hunde im Stadtpark. Das Gewese, das immer im Fernsehen darum gemacht wird, kann ich aber nicht nachvollziehen. Eis ist besser.

f) Video

Mit 13 bekam ich meinen ersten Videorecorder - die Weichen für eine abnormale Entwicklung waren gestellt! 3-Stunden-Kassetten kosteten damals noch 25 Mark, und in den Videotheken hatten die Sexfilme rote Punkte und die Horrorfilme schwarze. Ich erinnere mich gerne daran, wie es war, mit Freunden auf dem Boden herumzurutschen und ein gewaltiges Hallo zu veranstalten um eine lausige Raubkopie von "Krieg der Sterne", auf der man die Javas nicht von den Soldaten von Darth Vader unterscheiden konnte. Das war lange vor DVD! Anders als viele meiner Kollegen schaue ich mir noch immer hauptsächlich Videokrams an, auch wenn die digitale Technik schon so ihre Vorteile hat. Aber manche Sachen kommen vergriebelt einfach besser...

g) Fernsehen

Eine schlimme Volksseuche. Die Leute sprechen immer so viel von der Gewalt in den Medien. Was mich mehr beschäftigt, ist die DUMMHEIT in den Medien, die sich ungefiltert auf 100% der Zuschauerschaft überträgt. Bereits beim Einschalten verliert der Medienjunkie die ersten Tausend Gehirnzellen. Und wenn dann Infotainmentmuschis und Marktstrategen ihr grausiges Handwerk verrichten, verwandelt sich der graue Wonnebatzen im Schädel binnen kürzester Zeit in Darwinpudding. Ich behaupte immer, nur ausgewählte Fernsehsendungen zu konsumieren. Das ist eine Lüge. In Wirklichkeit schaue ich mir auch den abseitigsten Dreck an und stehe voll & ganz im Bann der Blöden. Von allen Drogen, die ich mir zuführe, ist das TV der absolute Killer.

h) Musik

Unter einer CD oder Schallplatte pro Tag läuft bei mir überhaupt nichts - das ist wichtiger als Kaffee! Dabei ist es ein nicht zu unterschätzendes Problem, den richtigen Tonträger zur richtigen Gelegenheit hervorzukramen, denn in meiner Behausung türmt sich der ganze Klumpatsch bereits zu Gebirgen. Wenn ich die falsche Platte wähle, ist mir häufig der ganze Tag versaut. Eine richtige Wahl hingegen adelt den Augenblick und schafft Mut und Energie für einen neuen Lebensabschnitt.

i) Auto

Mein erstes Auto hieß Betty (nach Betty Blue) und war ein niedlicher kleiner Opel Baguette. Auch mein zweites Auto ist von der gleichen Firma und läuft immer noch vorzüglich. Sein Name ist Maurizio. Ich kann Autofetischisten nicht verstehen - es ist sehr angenehm, von Punkt A nach Punkt B zu kommen, ohne sich dabei von alten furzenden Frauen im Zug vollquatschen lassen zu müssen. Außerdem kann man sich noch nette Mucke um die Ohren blasen und andere Autofahrer anbrüllen. Aber insgesamt bin ich nicht wirklich ein Autojunkie - fahren streßt mich immens.

j) Lärmstop

Seit einiger Zeit kann ich ohne Lärmstop nicht mehr schlafen. Das sind diese kleinen gelben Schaumstoffdinger, die man sich in die Ohren packt, auf daß der schnöde Alltag ausgesperrt werde. Früher bin ich selber herumgestampft wie ein Wikinger. Das auslösende Erlebnis war wohl die Zeit, die ich unter einem christlichen Klavierspieler gewohnt habe. Der Mann hat mich allegemacht! Sein Repertoire umfaßte so unterschiedliche Sachen wie "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt", "Hawa nagila" und "Imagine all the people". Ich habe nichts gegen Christen an sich, aber wenn sie singen, sind sie schon ein Kreuz.

k) Krimskrams (Unordnung)

Zwar bin ich nicht das, was man auf Neudeutsch einen "Messy" nennt, aber das Geheimnis, wie man in einer Wohnung picobello klar Schiff hält, hat sich mir noch nicht eröffnet. Vielleicht leide ich ja zuwenig darunter. Von Haus aus bin ich aber ordentlich. Solange hier keine Silberfische marodieren oder die Asseln tanzen, geht das ja auch alles an, oder? Und wer muckt, kriegt auf die Schnauze und fliegt raus! Auch habe ich eine unheilige Vorliebe für Schnickschnack. So finden sich in meiner Wohnung nicht nur unzählige Stofftiere, sondern auch eine Gipsbüste vom Oberkörper meiner Exxe, die offizielle Schwulenpuppe Billy, mehrere Lava- und Taifunlampen, eine Bongotrommel, Totenschädelkerzen usw. Und die Saison ist gerade erst eröffnet...

l) Zuckerbrause

In meiner Kinder- und Jugendzeit habe ich Unmengen an widerwärtiger Zuckerplörre à la Fanta, Sinalco und so Zeug verschlungen. Leider, leider, leider trinke ich das immer noch ganz gern, aber Fruchtsäfte und Wasser aus dem Hahn sorgen für Abwechslung.

m) Fußball

Darüber steht nun wirklich alles in dem Text über Sport.

n) Spiegel

Die billigste und gesündeste Droge.

o) Klo

Kreative Menschen kacken gerne. Von Heinrich Böll wird berichtet, er habe nicht selten bis zu zehn Stunden auf dem Abort verbracht, und so manche edle Idee mag ihm da gekommen sein. Der Selbstreinigungsprozeß, der beim Entleeren der Eingeweide stattfindet, ist in noch viel zu wenigen Künstlermonographien berücksichtigt worden. Ich bevorzuge bei der Wahl der Klobrille schlichte Grautöne, da grelle Schreifarben die Peristaltik oft hemmen.

p) Badewanne

Luciano de Crescenzo unterteilt die Menschen in Duscher und Bader. Ich bin ein Bader und lümmele mich gerne stundenlang in der eigenen Sieche, oder doch zumindest solange, bis das Wasser merklich abgekühlt ist. Schaumbäder sind exquisite Veredelungen des Alltages. Umso schlimmer, daß in meiner Wohnung nur eine Dusche steht. Nicht auszudenken, was wäre, wenn ich mich verlieben würde, und die neue Herzensdame hat dann auch nur eine Dusche... Über solche Dinge denke ich nach, wenn ich in der Badewanne liege.

... und dann halt noch Kaffee, Zigaretten und Wein.

Ganz schön erschütternd, nicht wahr?

                       Drogen sind nicht gut für Euch.                                     Geldbeschaffung für Drogen

BACK TO KLINIK