NULPEN IN AMSTERDAM

Unter dem unscheinbaren Titel DIAMANTEN-LADY ist auf Arcade seinerzeit einer der weniger bekannten Gialli erschienen, und zwar IL DIAVOLO A SETTE VOLTE (1971) von Osvaldo Civirani. Civirani war ein vorzüglicher Fotograf und Kameramann, doch ähnlich wie bei dem Briten Freddie Francis spielten sich seine Regiearbeiten meist in dem Gebiet des Trivialen und des Genrekinos ab. Tatsächlich hat Civirani ein dem Vernehmen nach hervorragendes Buch mit Fotografien aus der gesamten italienischen Filmgeschichte veröffentlicht. Nähere Informationen finden Interessierte auf seiner Website, und die ist hier!

Eine der ganz wundervollen Amerikanerinnen, die sich in italienischen Gialli verdingt haben, ist Carroll Baker, die einst als Protagonistin von Tennessee Williams´  tollem BABY DOLL begann und seitdem in zahlreichen Filmen mitwirkte, die mir die Dame ans Herz geschweißt haben! Auch sie hat eine Webpage, und die findet Ihr hier!

In IL DIAVOLO spielt sie eine Übersetzerin in Amsterdam, Julie Harrison, deren Leben erfolgreich, aber ereignislos ist. Dies ändert sich auf einen Schlag, als ein unheimlicher Fremder ihr in einer dunklen Gasse nachstellt und Fotos von ihr schießt. Wie es scheint, hat ihre Zwillingsschwester Mary etwas damit zu tun, die sich derzeit in London aufhält. Als man versucht, Julie zu kidnappen, werden automatisch zwei Männer auf den Plan gerufen, die sie gerade kennengelernt hat: Der elegante Dave Burton (Stephen Boyd) und sein wie aus dem Ei gepellt aussehender Rennfahrer-Buddy Tony (George Hilton). Gemeinsam tun sie alles, um die süße Julie vor den Nachstellungen der Gangster zu retten. Doch dies erweist sich als recht schwierig, hat doch Mary einem reichen Deppen einen der wertvollsten Diamanten der Welt abgeluchst. Kein Wunder, daß sich jetzt die Verbrecherwelt massiv für sie interessiert, und da ihr Julie wie aus dem Gesicht geschnitten ist, liegt die Erblast jetzt auf ihr...

Bei den nun folgenden Verwicklungen kommen diverse italienische Darsteller zum Einsatz, die man aus solchen und ähnlichen Rollen kennt: Luciano Pigozzi, der Peter Lorre des italienischen Exploitationfilms, entwickelte sich nicht nur zu Antonio Margheritis persönlichem Maskottchen (er ist fast in jedem späteren seiner Filme dabei!), sondern kocht, wenn man David Warbeck Glauben schenken mag, verflucht gute Pasta! Ah, ein Mann nach meinem Geschmack! Ein Interview kam bisher nur deswegen nicht zustande, weil er bei meinem letzten Rom-Besuch gerade an einer Lebensmittelvergiftung litt - ich hoffe, nicht von der Pasta! Er ist auf jeden Fall eines der prägnantesten Gesichter der Italo-Familie, und irgendwann hole ich das Interview nach und nasche von der Pasta... Auch mit dabei ist der hervorragende Daniele Vargas, im wirklichen Leben Zahnarzt, oder besser Ex-Zahnarzt, denn mittlerweile ist ihm leider Gottes der Zahn gezogen. Er trumpfte in unzähligen Sandalen- und sonstigen Kostümfilmen als Schurke auf und war auch in Western und Gialli ein gern gesehener Gast. Ivano Staccioli, schließlich, ist ein weiteres unverwechselbares Gesicht, dessen Spur sich aber leider seit Mitte der siebziger Jahre verliert...

Am Schluß gibt es freilich eine Überraschung, aber ich bin noch nicht verkommen genug, um sie hier preiszugeben!

Carroll ist wie üblich eine Wolke. Sie hat in ihrer Rollenwahl auch exzentrische Parts nicht gescheut und spielte so u.a. die Protagonistin in dem Andy-Warhol-Schocker BAD, wo bekanntlich ein Baby aus dem Fenster geworfen wird... Schaut mal auf ihrer Page vorbei und sagt Hallo - da werden keine Babies aus dem Fenster geworfen, sondern Blumen. Stephen Boyd hatte seine edelste Stunde in BEN HUR, wo er einen schließlich bekehrten Bösewicht spielte. Trotz seiner scharfkantigen Züge ein guter Schauspieler, der auf die Abgründe hinweist, die jenseits der Seifenopern-Dimension lauern können. George Hilton ist sein übliches uruguayanischstämmiges Selbst und grient sich mit seinem hübschen Gesicht durch sämtliche Grachten Amsterdams. Boah, was hätte ich für eine Abschußquote gehabt mit so einem Gesicht in meiner "wilden Zeit"... Als Carrolls Sekretärin Margaret (die alsbald den kantigen Zügen Boyds erliegt) ist auch die Amerikanerin Lucretia Love dabei und versprüht Anmut.

Insgesamt ist IL DIAVOLO wirklich kein richtiger Kracher und auch höchstens nur ein Randgiallo, aber ich fand es früher immer brutal toll, wenn solche Filme bei uns auf Video herauskamen, und das möchte ja auch einmal festgehalten werden! Die Musik ist von Stelvio Cipriani.

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