JUBEL, TRUBEL, SCHWANGERSCHAFT!Eine Ex-Freundin von mir erwähnte mal in einem Telefongespräch, das einen Monat nach unserer Trennung stattfand, beiläufig, daß ein Kind in ihrem Leib heranwächst. Auf meiner Stirn entstanden Perlen des Schweißes wie bei einem Kreislaufkollaps! Sie ließ mich dann auch fünf Minuten zappeln, bis sie mir sagte, daß es von meinem Nachfolger war... Frauen können so gemein sein, und wir Männer haben es eigentlich auch verdient. In jedem Fall schlug ich Rad bis zum Morgengrauen.
Der Mörder in Stelvio Massis CINQUE DONNE PER L´ASSASSINO (1975) ist nicht ganz so elegant: Er mordet schwangere Frauen, was das Zeug hält. Das ist nicht nur morbide und unsozial, sondern belastet auch den bekannten Schriftsteller Giorgio Pisani (Francis Matthews), dessen Frau Erika das erste Opfer ist. Sie erwartete ein Kind der Liebe. Schade nur, daß Giorgio herausfindet, daß er unfruchtbar ist, das Kind somit nicht von ihm stammt. Anzunehmen, daß der Mord (und die darauffolgenden) auf seine Kappe gehen, ist somit naheliegend. Zu naheliegend, wie ich meinte, als ich den Film nach langer Zeit erneut schaute. Und tatsächlich werden einige dringend Tatverdächtige präsentiert: Da ist der zynische Bruder der Verstorbenen, ein echtes Arschloch vor dem Herrn; da ist ein nicht minder zynischer Kinderarzt, der seine Geliebten wechselt wie andere Leute die Unterhosen; und auch die mit diesen Herrschaften verbundenen Frauen hätten allen Grund, hier konsequent einzuschreiten...
Wer der Mörder ist, verrate ich natürlich nicht. Aber ich verrate, daß John Carpenter NICHT der Regisseur des Filmes ist. Denn die deutsche Fassung behauptet ganz frech, daß der amerikanische Kultfilmemacher der Urheber des vorliegenden Ringelreigens ist. Ganz realistisch gedacht, dürfte der Name Carpenter auf die Videokunden einen magischeren Reiz ausgeübt haben als der Stelvio Massis. Ich selbst würde natürlich jederzeit einen Massi vorziehen, aber wir gehen halt nicht in die Millionen... Nicht nur dieser Etikettenschwindel ist aber ein Heuler, sondern auch der deutsche Titel: DAY KILLER heißt es da. Was ist ein DAY KILLER? Wenn man Zeit totschlagen kann, das gebietet die Logik, so sollte das auch mit Tagen möglich sein. Vielleicht verrichtet der Tageschlagetot aber auch nur bei gleißender Sonne sein - genau! - Tagewerk... Der Film selbst straft diese Annahme Lügen, denn in bester Giallo-Manier geht es hier vornehmlich beim fahlen Schein des Mondlichtes zur Sache. Vielleicht sind auch die berühmten Tage gemeint, die mit dem Motiv des Killers so viel zu tun haben...? Aber hier greife ich wirklich in den Unterleibsbereich, und...
...und das tut der Mörder auch! Denn obwohl der Film ein ungewöhnlich gutes Drehbuch für einen Giallo besitzt (vom beschlagenen Autorengespann Gianviti-Clerici-Mannino), so gehen ihm während der Morde die Gäule durch: Unterleibsschnitte vom Schambein zum Nabelmund. Uppsala, habe ich höchst schwedisch gedacht. Und die sexualpathologische Fantasie, die hier Pate stand, ist die des Mörders, denn der Mörder hegt einen Ingrimm gegen weibliche Zeugungskraft im Busen, und das, obwohl die auf den Leichen eingeritzten "orientalischen Fruchtbarkeitssymbole" natürlich ein strammer Scherz sind, mit dem der Mörder die untersuchenden Polizanten auf´s Abgleis locken will.
Und wer untersucht den Fall? Bodybuilder Howard Ross ( = Renato Rossini), der einst mit Sandalenfilmen groß herauskam. Sein Untergebener Palumbo ist ein rechter Schussel und verantwortlich für die vielen komödiantischen Akzente des Filmes. Diese Akzente werden von der ausnahmsweise mal brauchbaren Videosynchro angemessen wiedergegeben. Als Giorgio Albertazzi von den Bullen verhört wird, bemerkt er mittendrin einen in der Tat recht deplaziert wirkenden Michelangelo-Druck an der Wand des Büros und meint: "Michelangelo - Kompliment, Herr Kommissar!" Kinderarzt Albertazzi - ein richtiger Saftsack - doziert in einer Szene vor Kollegen, als er ein todkrankes Baby begutachtet: "Ein hoffnungsloser, idealer Fall!" Als Lösung für das Problem der Überbevölkerung verweist er auf die Bibel - Herodes! (Uffa.) Matthews bekommt das mit, und da dessen Kind auch im Kreißsaal liegt, meint Albertazzi zu ihm: "Ich hoffe, Sie verstehen Spaß!"
Matthews selber hat einen schönen Satz, als er gerade verhört worden ist: "Man neigt zum Verneinen bei der Polizei!" Francis Matthews ist natürlich ein gehobener britischer Darsteller, den ich gerade in dem Hammer-Schocker BLUT FÜR DRACULA gesehen habe. Auf der DVD jenes Filmes plaudert er auf der Kommentarspur höchst unterhaltsam mit seinen Kollegen Christopher Lee und Barbara Shelley - sehr empfehlenswert! Matthews hatte auch eine eigene Krimiserie, "Paul Temple", und führte durch einen TV-Englischkurs meiner Jugend, "Follow Me"...
Eine weitere Kracherzeile stammt von Erikas zynischem Bruder Fabrizio, der von sich behauptet: "Selbst ich habe meinen Eltern Freude bereitet - neun Monate vor meiner Geburt!" Boah, ich hoffe, diese Zeile fällt mir mal bei der passenden Gelegenheit ein!
Trotz der eminent widerlichen Mordszenen-Inserts thematisiert das ungewöhnlich kluge Drehbuch den Frauenhaß des Mörders nachdrücklich. Leider ist die Auflösung dann weniger überzeugend, aber ich denke, das kann man verschmerzen. Die weiblichen Darsteller sind im übrigen zuckersüß und umfassen u.a. die Französin Pascale Rivault (die auch in Borowczyks LA BETE zu sehen ist) und die Niederländerin Katia Christine, die die blonde Kinderschwester von Matthews´ Baby spielt.
Die Musik von Giorgio PROFONDO ROSSO Gaslini ist als japanische "Cinevox"-CD herausgekommen und wie alle anderen Werke des Mannes höchst delektabel. Allerdings darf man keine "Easy Listening"-Ware erwarten. Neben einem lieblichen Hauptthema gibt es vornehmlich schräge Jazz-Improvisationen zu hören, die auf der LP bzw. CD mit ironischen Titeln wie "Reiner Konservativismus", "Die Morgenröte der Revolution" und "Soziale Kluft" ausgezeichnet sind...
Die häufigere Fassung des Filmes erschien auf dem "Sunset"-Label, aber es gibt auch eine obskurere Fassung von "Procusa", die einen vollständigeren Vorspann besitzt. Tja, wie es immer wieder so schön heißt - es ist was unterwegs...
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