MIT DER KÖNIGIN AUF TOUR
Catriona MacColls Besuch in Gelsenkirchen am 16. Mai 2009
Es
ist mittlerweile zu einer schönen Tradition beim "Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega"
geraten, Filmschauspielern, Regisseuren und anderen Exponenten des
internationalen Exploitation-Kinos unsere Türklinke in die Hand zu
geben, um ihnen ein klein wenig Ruhrpottgemütlichkeit
nahezubringen. Dabei handeln wir nicht nur aus Eigennutz, sondern sehen
uns als Repäsentanten einer ganzen Region, deren kulturelle
Schätze unbedingt in die ganze Welt getragen werden müssen,
zumindest im Geiste. Außerdem ist es ja so, daß diese
ganzen Stars ein Leben führen, das einer immerwährenden Reise
in den Glamour gleicht, so daß die auch einmal ein bißchen
verschnaufen müssen. Da schieben wir ihnen einen gemütlichen
Sessel hin, ein Stövchen, in dem ein trautes Feuer knackselt, und
die Füße dürfen sie auf unserem treuen Freund, dem
Bernhardiner Eberhard, ausruhen. Der mag das!
Auf der offiziellen Webpage von Buio
O. ist ja mittlerweile bereits ein Erlebnisbericht hinterlegt worden,
der mit viel Herzenswärme Auskunft erteilt über den Besuch
der großen, mitnichten alten Dame. Denn tatsächlich
wären viele Frauen, die nicht älter als 20 sind, heilfroh,
wenn sie nur für einen Tag mal so aussehen dürften wie der
kleine Finger unseres diesjährigen Gaststars. Daß nicht Neid
und Mißgunst die unausweichliche Folge solcher Anmut und Grazie
sein müssen, liegt an der schier überbordenden
Freundlichkeit, die die Frau ausstrahlt. Aber dazu gleich mehr.
Der Trubel begann am Donnerstag, als
abends ein merkwürdiges Vibrieren durch Buer verlief. Man
spürte es in der Luft - es knisterte und britzelte. Die Leute vom
Clubkomitee hatten Cati bereits am Flughafen abgeholt, und so sah ich
sie erst, als man in einem Nobelitaliener einkehrte, der gefühlte
drei Meter von meiner Wohnstatt entfernt seine Zelte aufgeschlagen hat.
Der Reisestreß war unserem Gast nicht anzumerken. Catriona - die
einst in so schreckenerregenden Werken wie DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES
und EIN ZOMBIE HING AM
GLOCKENSEIL in gräßliche Schwulitäten geriet -
erwies sich als wetterfest und erlebnishungrig. Und als hungrig, was
auch in Ordnung war, da der Nobelitaliener immer leckere Speisen
anbietet. Ich hatte Catriona zum letzten Mal vor fast exakt 13 Jahren
gesehen. Es muß der Abend vor dem Tag gewesen sein, an dem David
Warbeck mich im Bademantel empfing. Also, er hatte den Bademantel an,
nicht ich. William Lustig war auch da. Am Abend, nicht am Tag nach dem
Abend. Und William Lustig hatte auch keinen Bademantel an. Aber weiter
im Text: Catriona MacColl wurde von mir sofort mit ihre
Wohlbeschaffenheit betreffenden Komplimenten zugeschleimt, die alle den
erfreulichen Beigeschmack hatten, daß sie zutrafen. So hatte sie
sich nicht wesentlich verändert. Ich war da sehr erleichtert, denn
es hätte ja theoretisch auch ein Kartoffelsack zu Besuch kommen
können. Manch ein Prominenter kann ein garstig Liedchen davon
singen, wie das ist, wenn das Leben zuschlägt. Speckfalten bilden
sich, Furchen durchziehen das Antlitz, Kinne gehen auf Wanderschaft.
Nicht so bei Cati, die aussah wie der strahlende Morgen.
Tatsächlich wurde es in Buer für die Dauer ihres Besuchs um
durchschnittlich 3 Grad wärmer, was nicht zuletzt an unserer
Reaktion auf das Ereignis zurückzuführen ist. Es wurde lecker
gegessen, in Pasta geplanscht und Filmkram besprochen.
Der darauffolgende Tag führte
uns nach Köln, wo wir ein Kulturprogramm durchliefen, das von den
Jungs glänzend organisiert war und auf der Buio-Page hinreichend
erläutert worden ist. Hinzuzufügen ist lediglich, daß
meine Knie beim Versuch, den Kölner Dom zu erklimmen, bleibenden
Schaden davontrugen. Trotzdem hievte ich mich bis ganz nach oben. Kurz
vor der Kirchturmspitze gibt es einen Platz, an dem die
Kirchenbesteiger kurz verschnaufen können. Die findigen
Kirchenbauer haben es für angebracht gehalten, hier
merkwürdige diagonale Metallleisten anzubringen, die den einzigen
Zweck zu verfolgen scheinen, zur Todesfalle für Kölntouristen
zu werden. Um es kurz zu machen: Ich bin voll mit der Fresse an so ein
Teil gelaufen! Im ersten Moment war ich mir völlig sicher, mir die
Nase gebrochen zu haben. Dabei war nicht so sehr die verletzte
Eitelkeit meine Hauptsorge und die Aussicht, am nächsten Tag mit
einer wunderhübschen Frau eine Bühne zu teilen, während
meine Nase angeschwollen ist wie die von den Schwulen in
Ralf-König-Comics. Das wäre sicherlich ganz interessant
geworden. Aber ich wollte halt nicht, daß dieser stramm
organisierte Ehrentag durch "Jammer, jammer, tatütata" ein
ernüchterndes Intermezzo aufgezwungen bekäme.
Tatsächlich war nur die Wurzel etwas gestaucht. Die Nase blieb
dran. Als besonders toll habe ich die Bootsfahrt auf dem Rhein in
Erinnerung. Und am Heinrich-Lübke-Ufer waren wir auch. Schön
war´s!
Am Samstag lief ich völlig
übermüdet auf, was auch von den Fotos im Internet
dokumentiert wird, auf denen ich aussehe wie meine eigene Oma. Das ist
aber okay, denn durch mein derangiertes Aussehen (wäre ich doch
vorher zum Friseur gegangen!) schillerte die Pracht meines
Interviewpartners nur noch intensiver. Das Gespräch war
ausführlich und informativ, Catriona die erwartete souveräne
Partnerin, die man nur leicht anstupsen mußte, damit sie aus dem
Schatzkästchen ihrer Erfahrungen spendiert. Sie präsentierte
sich als echte Lady, und selbst eine in bezug auf andere Frauen nicht
selten sehr gnadenlose Freundin meinte nur: "Schöne, intelligente
Frau!", was bei ihr einem Adelsschlag gleichkommt. Als Cati von unserem
Publikum noch stehende Ovationen bekam, berührte sie das sehr, wie
man auf den Fotos auf der Buio-Page unschwer erkennen kann. Sie schrieb
dann noch Autogramme, bis die Fingerknöchel bluteten. Erneut: eine
tolle Frau!
Beim abendlichen Umtrunk war ich dann
leider nicht dabei, da ich unglücklicherweise bei einer
Eskimolyriklesung anwesend sein mußte, die von meinem Hausmeister
veranstaltet wurde. Der hätte mir das Leben zur Hölle
gemacht, wenn ich nicht erschienen wäre! Aus Gram habe ich
Kribbelwasser getrunken, bis mir die Ohren zu den Augen rausquollen.
Der Sonntag präsentierte sich in
seinem zweitschönsten Gewand. Die Sonne verhüllte schamvoll
ihr Antlitz, was ich persönlich darauf zurückführte,
daß sie wohl Bammel davor hatte, mit Catriona in Wettstreit zu
treten. Den hätte unsere gute alte Freundin, die Sonne, auch
verloren, und das sage ich ohne Häme. Der Nachmittag bei
Schloß Herten war erneut sehr erfreulich. Der Cati sagten wir
übrigens niemals, wo wir sie als nächstes hinschleppen
würden. Wir wollten das als eine Art freundliches Kidnapping
aufziehen und streuten vergnügt falsche Hinweise. Würden wir
sie wieder zu ihrem Mann nach Hause lassen? Würde sie den
Süden Frankreichs jemals wiedersehen?
Die Klärung dieser Frage
mußte auf sich warten lassen. Erst einmal entführten wir sie
zum Landschaftspark Duisburg, einer wirklich tollen Anlage, wo schon
den Herren Castellari, Nero und Brandt die Augen übergegangen
waren. Catriona erging es nicht anders, denn wie jeder normale Mensch
verliebte auch sie sich in die Industrieruinen, die nächtens sogar
bunt ausgeleuchtet werden. Wir paßten auf sie auf, damit sie sich
nicht verlief. Noch heute werden bekanntlich Skelette gefunden von
arglosen Touristen, die - geblendet von der Schönheit der
architektonischen Strukturen - sich verlaufen haben wie die
Mädchen in PICKNICK AM VALENTINSTAG und verschmachtet sind im
Dunstkreis der Geister der Werktätigen, die hier einst geschuftet
haben. Wir schufteten nicht, doch es biß die Maus keinen Faden ab
- wir mußten unseren Gast ziehen lassen! Catriona war da. Jetzt
isse wieder weg. Sie hinterläßt schöne Erinnerungen bei
uns, und wir hoffen, daß auch unsere Besucher einen kleinen
Eindruck bekommen haben von dem Wunder, das Catriona MacColl ist!
Sanft
wie ein Lamm, stark wie ein Baum, saftig wie das Grün - bitte ein
Kölsch!
Wolken
kämpfen gegen Schönheit, doch Schönheit obsiegt.
Vorne,
der pupst, hinten, der Papst!
Der
Kölner Dom kennt viele Ecken, und wir sahen alle davon!
Ein
Triebtäter im Kölner Dom, der zum Glück dingfest gemacht
werden konnte.
Schreiben,
bis der Arzt kommt - Joe kann da nur staunen!
In
gehobener Stimmung.
Nippes
Cologne: Bonro 1015 wäre neidisch geworden auf diesen Tag.
Szenenfoto
aus TCM 3: THE KIDNAPPING.
Der
Filmgelehrte ist immer zu einem munteren Späßchen aufgelegt.
Auch
wir haben ein Paparazzoproblem.
Hübsches Foto aus der WAZ,
begleitet von nettem Bericht über das Event.
Relevante Links:
Die Buio-Omega-Webpage - Bericht über Catriona
MacColl unter "Hall Of Shame" --> "Buio-Stars"
YouTube-Video vom Interview
(Auszug)
Teil
1 Teil
2 Teil
3
YouTube-Video vom Anfang
der Veranstaltung
WAZ
- Der zum Foto gehörende
Bericht
Zwar nicht mit Cati, aber
generell nette Bilder von Buio auf Flickr
BACK