Buio-Omega-Event
19.02.2005
Guest
Stars:
Enzo G. Castellari
& Franco Nero
Was passierte so?
Als Enzo am Freitag eintrudelte, markierte das den Schlußpunkt
für endlose mühselige Vorbereitungen von seiten der
Clubberer, die jetzt solide durchatmen konnten. Ich war im Kino und
schoß alberne Fotos mit einigen Gleichgesinnten. Dann erschien
Enzo G. Castellari, den ich das letzte Mal vor etwa 8 Jahren in Rom
getroffen hatte. Enzo sah immer noch so aus wie damals und ließ
sich die Reisestrapazen nicht anmerken. Der Mann hat ja Erfahrungen als
Boxer (wie übrigens auch sein Vater Marino, der sogar
Meisterklasse erreichte!), und auch mit den Udo
Jürgens´schen 66 Jahren würde er mich in 5 Sekunden zu
Boden zwingen... Aggressivität ist für ihn allerdings ein
Fremdwort, wie alle Besucher des Events bestätigen werden. Er war
sehr herzlich, mitteilungsfreudig und liebenswert. Zitat Besucherin:
"Man möchte ihn einfach in den Arm nehmen und knuddeln!" Nach der
ersten Pressevorstellung ging es Richtung Duisburg, wo wir den
Landschaftspark besuchten. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges
Stahlwerk, dessen industrielles Ambiente mit einigen kulturellen
Etablissements aufgelockert wird. Im Schatten der reizvoll in
Primärfarben ausgeleuchteten Bauwerke läßt es sich gar
trefflich speisen, wie wir schon damals mit Paul Naschy feststellen
durften. Während Castellari unsere Fanwünsche befriedigte und
nonstop aus dem Nähkästchen plauderte, wurde kulinarisch
geleckert, bis die Speckgürtel fast borsten. Derweil rieselte der
Schnee, der sich überraschend eingestellt hatte. Als wir nach dem
Diner durch die Umgebung stapften, kam ich mir vor wie der
Hauptdarsteller in einer Neuverfilmung von DAS ROTE ZELT. Jeden Moment
kommt Roald Amundsen um die Ecke und fragt nach den Pinguinen. Statt
Pinguinen bekamen wir einige anatolisch anmutende Betrunkene, die aber
zum Glück keinen Stunk machten. Wir kamen unbeschadet nach Hause.
190205
Der Samstag begann
für mich erst spät. Ich begab mich gegen 4 Uhr zum
Schloß Horst, wo der Bürgermeister Gelsenkirchens nebst
einer hungrigen Journalistenmeute auf das Eintreffen von Franco Nero
wartete. Ich schüttelte Enzo die Hand und höfelte: "Did you
sleep well?" Er kuckte grimmig und meinte: "No!" Bei meiner
verdatterten Spinatmaske fing er an zu lachen und grinste breit. Soviel
zum trockenen Humor des Herrn Castellari! Mann, bin ich deutsch...
Signore Nero erschien dann mit dunklem Mantel und Sonnenbrille und
ließ das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Seine Reise
war wohl eher "Geht so", und platt war er auch, aber er nahm den Trubel
ebenfalls mit Gelassenheit hin. Bürgermeister Frank Baranowski
und seine Leute
führten uns dann durch das Gebäude. Bevor wir uns zu einem
gemütlichen Kaffee niederließen, trugen sich die beiden
Gäste noch ins Buch der Stadt ein. Ich werde nie vergessen, wie
ich beim Aufwiedersehensagen dem Bürgermeister die Hand
schüttelte und nur meinte: "Sie sind aber jung!" Das war durchaus
bewundernd gemeint, denn in meiner privaten Vorstellung sind
Bürgermeister dicke und grauhaarige Senioren mit sozusagen
angelebter Seriösität. Dieser hier wirkte jung, lustig und
sportlich.Er war zwar eher irritiert als erfreut, aber dafür habe
ich jetzt eine Erlebnisvignette mehr! Abends dauerte es sehr lange, bis
die erwartete Vielzahl der Gäste eintrudelte. Zu Anfang nahm sich
das Aufkommen an Leuten (allesamt bekannte Omega-Stammgäste) wie
eine gewöhnliche Veranstaltung aus, doch alsbald prasselten die
Massen. Ich habe seit meinem
letzten Springsteen-Konzert (uääärrchzzz!) nicht mehr so
viele Leute gesehen. Ich erzählte jedem mindestens dreimal,
wieviel Bammel ich vor dem Interview habe. Es freute mich sehr, Leute
kennenzulernen, die ich bisher nur aus dem Internet kannte, z.B. Mr.
Room, Bogeys Ziggi und Korky von den Filmforen. Thilo & Simon, die
Neverhorst-Könige, waren auch dabei und hatten sogar Ralf Eden
mitgebracht. Irgendwann erschienen dann die Stargäste in der
eigens präparierten Omegasine und flanierten über den roten
Teppich... Applaus allenthalben, fast schon Ausschreitungen! TOTE
ZEUGEN SINGEN NICHT, der erste Film, wurde von vielen zum ersten Mal
gekuckt und schund Eindruck. Wer jemals die Szene vergißt, in der
Enzo seine eigene Tochter Stefania von einem Auto überfahren
läßt, ist schwer zu erschüttern! Nach einer kurzen
Pause wurden wir alle auf die Bühne gekarrt. Ich saß da wie
Pik Sieben mit einem sorgsam vorbereiteten Zettel intelligenter Fragen.
Mit Django hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur einen sehr kurzen
Wortwechsel gehabt. Während mir Enzo bereits als charmanter
Plauderer bekannt war, schilderte man mir Franco eher als
introvertierten Gentleman, aber ich verließ mich mal auf die
Tatsache, daß beide sehr enge Freunde sind und einander schon
trefflich ergänzen würden. Nach etwa einer Minute spürte
ich, daß ich meine vorgefertigten Fragen vergessen konnte und
improvisierte munter drauflos. Mit dem Ergebnis bin ich
einigermaßen zufrieden, auch wenn ich zwei-, dreimal ziemlich
hang bzw. hung. Ich endete die Sache mit dem sensationellen Newshappen,
daß Enzo im Juni in Almeria die Dreharbeiten zu einem neuen
Western beginnen wird, in dem neben Franco auch Quentin Tarantino,
Dario Argento und John Landis als Kopfgeldjäger mitspielen werden.
Joe Dante ist auch dabei. Danach bekamen die beiden Gäste noch den
traditionellen "Joe" verliehen, was mir immer besonders viel Freude
bereitet, da det Janze ja von Herzen kommt und kein kommerzielles
Tamtam darstellt. Die lebenslange Mitgliedschaft im "Geheimnisvollen
Filmclub Buio Omega" war - wie der kostenlose Kaffee für die Stars
- für uns wie immer eine Selbstverständlichkeit! Danach
setzte es eine Autogrammstunde, bei der hoffentlich jeder wenigstens
ein Autogramm erhielt. Enzo & Franco kritzelten, bis die Hände
qualmten. Als die Gäste offiziell auf der Bühne verabschiedet
worden waren und KEOMA begonnen hatte, begab ich mich nach Hause, da
ich kräftemäßig klinisch tot war. Ich danke Euch allen
für Euer Erscheinen, das mit dazu beigetragen hat, den Abend
für uns unvergeßlich zu machen!
200205
Quasi als
Nachklapp ging es am frühen Mittag in die Schalke-Arena, das
sensationelle Stadion des beliebten Ruhrpottvereins. Da Sailor RIP, der
charmante Öffentlichkeitsspezi des Clubs (und eine rechte
Rampensau!) ein knallharter Schalke-Mann ist, war es besonders für
ihn ein innerer Vorbeimarsch. Ich genoß seine leuchtenden Augen.
Nicht nur von ihm erhielt ich aber befriedigte Kommentare á la
"Allein dafür hat es sich gelohnt!" Ich stand etwas abseits von
der Gruppe, betrachtete das Blau der leeren Ränge und fühlte
mich wohl in Gelsenkirchen. Enzo und Franco taten das wohl auch.
Für Enzo war das, denke ich mal, eine richtig tolle Sache, da er
als Regisseur naturgemäß nicht so häufig im Rampenlicht
steht. Hier ist ihm der Jubel zuteil geworden, der ihm auch
gebührt! Franco Nero war mit Sicherheit unzählige Male in
Cannes, aber es war ihm anzumerken, daß der diskrete Charme der
Buioomegasie ihn durchaus erreichte - zwischen publicitygeilen
Sektschwenkern und der berühmten Basis besteht immer noch ein
himmelweiter Unterschied! Das hieß für den Nachmittag Kaffee
und Kuchen in Schloß Herten (an dem ich nicht teilnahm, da meine
über alles geliebte Cora mit Fieber darniederlag!) und für
den Abend ein geradezu aristokratisches Mnjammnjam in Schloß
Berge, wo ja auch Schalke-Urgestein Charly Neumann seine Finger mit
drin hat... Insgesamt war dieses Event ein voller Erfolg. Es war das
bislang größte Projekt, das der Filmclub in seiner
mittlerweile ja schon mit Fug und Recht als langjährig zu
bezeichnenden Geschichte angepackt hat. Das hätte gut in die Hose
gehen können. Daß das nicht passiert ist, lag an unseren
angenehmen Gästen und vor allem am zahlreich erschienenen
Publikum! Hoffe, daß Ihr genausoviel Spaß gehabt habt wie
wir!
GALERIE
Hier
sehen wir einen Wermutbruder, der sich in unsere Limousine geschlichen
hat, um einmal einen Hauch vom großen Glück zu erhaschen. Er
wurde nach diesem Foto aus dem Auto entfernt und kompetent entsorgt.
Der
Vater von Keoma staunt über die Wunder moderner
Präzisionsoptik.
Hier
legt ein Gast ihm ein Cover von Fulcis GEISTERSTADT vor, was ihm
sichtlich Verdruß bereitet.
Der
Duisburger Landschaftspark oder Tschernobyl? You decide!
In
Hollywood liegt der Schnee auf den Tischen - bei uns liegt er auf der
Straße!
Zwei
Serienmörder, die zufällig vorbeikamen.
I
due violenti contro gli giornalisti dell´orrore!
Hier
unterschreibt Enzo einen Kaufvertrag für eine Immobilie in Buer.
Rechts der sympathische Bürgermeister.
Alle
lachen über Keßler...
Der
"Joe" in den Händen des sichtlich bewegten Weltstars.
Ein
Regisseur nimmt Liebe entgegen.
Ein
Szenenfoto aus DJANGO. Man achte auf das gute Buch.
Sieht
gestellt aus, ist es aber nicht. Schalke hat an diesem Tag 3:1 gegen
Gladbach gewonnen.
Enzo
erklärt gerade die Taktik des heutigen Spiels. Das ist die
originale Pressetribüne von Schalke.
"Wir
haben alles gegeben. Ein bißchen Glück war auch dabei, aber
wir sind halt gut!"
A
big "Thank You" to Signore Castellari e Signore Nero - you have made
many people very happy!
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