DIE HEISSE NACHT DES HIERONYMUS

Der Spanier Juan Bosch Palau, den man im wesentlichen durch einige Western und den Paul-Naschy-Film EXORCISMO kennt, zauberte auch zwei Koproduktionen mit Italien, die dem Thrillerbereich zuzuordnen sind. Die eine von beiden, LE CALDE LABBRA DEL CARNEFICE/LA ULTIMA CENA DE SATANA (1974), kann man sogar als veritablen Giallo klassischen Strickmusters bezeichnen. Umso schöner, daß er auf USA-Video unter dem Titel DIE HEISSE NACHT DER KILLER herausgekommen ist, und das in vorbildlicher Qualität!

In der Hauptrolle kann man die britische (allerdings in Kairo geborene) Sängerin Gillian Hills bewundern, deren filmische Stippvisiten immer nur in die zweite Garde führten. Ein Jammer, denn ihre Schönheit ist beträchtlich, und so zieht sie sich denn auch aus - bravo! (Dies tat sie auch in anderen Filmen: In A CLOCKWORK ORANGE etwa wird sie zu den Klängen der "Diebischen Elster" getollschockt...) Ihre Reporterin Peggy Forrester wohnt in London. Normalerweise tut sie das in trauter Eintracht mit ihrem Freund Michael, aber da dieser ein Kriegsberichterstatter ist und das Weltgeschehen ungünstig, wird er nach Vietnam geschickt. Gillian verliert keine Zeit und vermietet Michaels Wohnungsteil an einen gewissen John Kirk Lawford. "Klingeling!" macht die Eingangstür, und auf ihrer Schwelle steht Bruno Corazzari, der so asozial aussieht wie selten. Der geübte Giallofan weiß, daß, wo Brunos unverwechselbares Ponem lauert, Unheil zu gewärtigen ist. Und ja, er ist natürlich nicht Lawford, denn auf einmal steht der echte Namensträger parat, und er wird von dem deutlich gelackter anzuschauenden Angel del Pozo gegeben. Bruno kratzt das nicht mehr, denn er ist - so scheint´s - in einem äußerst geschmacklosen Bademantel aus dem Fenster gefallen. Nun ist es ja so, daß es an sich schon unerfreulich genug ist, aus dem Fenster zu fallen und sein Gesicht über den Asphalt zu verteilen. Dies aber auch noch in einem quietschroten Überzieher zu veranstalten, verrät schlechten Stil...

Peggy ist ohnehin schon sehr desorientiert, hat sich doch Michael am Telefon gemeldet, der offensichtlich wieder in London ist. Bevor sie ihn aber treffen kann, wird scharf geschossen. Nur knapp entgeht sie einem Mordanschlag. Verschiedene ihrer Freunde und Bekannte schließen innige Bekanntschaft mit einem schwarz gedreßten Killer und seinen diversen Sicheln und sonstigen Stechwerkzeugen. Natürlich taucht Bruno am Schluß wieder auf. Das darf ich verraten, da sich das Cover der deutschen Kassette nicht weniger indiskret verhält und ihn fett grinsend abbildet, Arges im Sinne...

Tja, und auch wenn Bosch (bei meinen Eltern steht, glaube ich, ein Wäschetrockner von ihm!) visuell weniger elegant verfährt als etwa die Signori Martino und Lenzi, so stellt das Tape doch einen netten Fund dar für Giallofans, denen die Spaghetti ausgegangen sind. Und im wesentlichen läuft auch alles so, wie man es gewohnt ist: Wir haben einen vermummten Butzemann, der sich durch die Besetzungsliste hindurcharbeitet und mit seinen phallischen Mordwaffen tiefe Spuren im moralischen Empfinden des Betrachters hinterläßt. Die Synchro ist ziemlich lausig, aber wen stört´s - die Mörder in solchen Streifen zeichnen sich weniger durch einen sonoren Baß aus als vielmehr durch ihre zupackende, prosaische Wesensart! Schaffe, schaffe, Häusle baue, wie´s der Schwabe will.

Zu den üblichen Verdächtigen zählt diesmal eine nervtötende Tucke, die in ihrer Freizeit den Baß zupft und alles in allem Kenneth Anger ziemlich ähnlich sieht... Winnetucks Katze heißt leider nicht Holly-Baby, sondern Bonzo, was alles in allem auch okay ist. (Wer erinnert sich noch an die "Bonzo Dog Doo-Dah Band"?) Außerdem spannt er auch mal auf dem Fenstersims und schmäht die Brust der Protagonistin, die unbedeckte: "Ich würde niemals so schlabberige Titten anfassen - da bekomme ich ja Ausschlag!" So würde ich das nun nicht gerade empfinden, aber die Geschmäcker sind halt verschieden. In einer der besten Szenen sucht der Mann nach seinem verschollenen Kater und findet den Hausmeister dabei, wie er gerade einen Hasen häutet. Der Baßzupfer kriegt zwar spitz, daß es sich nicht um seinen Bonzo handelt, reibt dem Hasenschinder das blutige Fell aber quer durch die Visage...

Aus spanischen Landen stammt Silvia Solar, die Peggys ältere Kollegin Jackie spielt. Redaktionshure Shirley kommt angenehmerweise aus Italien: Orchidea de Santis, immer noch ein Bonbon von einer Frau, hat auch eine Webpage, die Ihr hier findet... Neben einigen hübschen Fotos von sich zeigt sie uns auch ihre geliebten Lieblingstiere, und der Bonzo ist bestimmt auch dabei! Sagt mal Hallo, oder zumindest Miau... Als Verleger (bzw. Rohrverleger) glänzt noch Stelio Candelli in einer selten schleimigen Rolle. Daß er nicht auch gemeuchelt wird, ist einer der wenigen richtigen Schwachpunkte des Filmes!

Bruno ist wie immer die Wolke Sieben. Rena Niehaus erzählte mir von ihm, er sei ein sehr ernster Schauspieler, der sich intensiv auf seine Rollen vorbereitet, und das sieht man den zahlreichen Schurken, die er gespielt hat, auch weiß Gott an! (Ganz toll finde ich etwa seinen Auftritt in dem Lina-Wertmüller-Western SEIN KÖRPER FÜR EIN POKERSPIEL, wo er einen homophil angehauchten Pinkerton-Detektiv gibt, der George Eastman liebevoll foltert...)

Marcello Giombini übt bereits für seine Meisterleistung in den Alfonso-Brescia-SF-Filmen à la DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM und holt alles aus den frühen Synthies heraus. In manche Suspense-Themen ist sogar noch der Glockenschlag des Big Ben hineingearbeitet...

Insgesamt kein toller Film, aber ein schöner Zeitvertreib für den richtigen Kunden, mit viel Seventies-Schnickschnack für die Unentwegten.

         Super, nicht? :)

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