Die geplanten Filme und Gäste

Donnerstag, 27.6.:

18,00 Uhr Eröffnungsfilm: „Die Ente klingelt um halb Acht“
D/I 1968. R: Rolf Thiele. B: Roy Evans, Paul Hengge, Riccardo Ghione,
nach einem Roman von Aage Stenthoft. K: Wolf  Wirth. M: Martin Böttcher. D:
Heinz Rühmann, Hertha Feiler, Graziella Granata. Charles Regnier u.a.
Nach einem unter abstrusen Umständen entstandenen Autounfall findet
sich der Computerspezialist und strenge Rationalist Alexander (Heinz Rühmann)
als Patient in einem psychatrischen Sanatorium wieder. Nachdem er erkennen
muß, daß er diesem „Gefängnis“ nur entgehen kann, sobald er sich auf die
absonderlichen Spielchen des Personals einläßt, stellt er darüber
hinaus fest, daß sein auf Logik aufgebautes Weltbild an den multiplen Begebenheiten der
modernen Welt zerschellt.
„Die Ente klingelt um halb Acht“, welchen man auch als Anti-Rühmann
schlechthin auffassen kann, stellt durch die Kooperation zwischen dem
Altfilmer Rolf Thiele und dem Kameramann Wolf Wirth, der als Unterzeichner des
Oberhausener Manifests klar dem Neuen Deutschen Film zuzuordnen ist, eine absolute
Ausnahme in der deutschen Filmgeschichte dar. In avantgardistischen
Bildern wird hier zunächst eine typische Genredramaturgie entfaltet, welche sich
jedoch zusehends zu einem satirischen Rundumschlag auf die verwirrenden
Zustände in der politisch brodelnden BRD der Endsechziger entwickelt. So haben sich die
Oberhausener nun wirklich nicht Opas Kino vorgestellt. Und auch
Rühmann-Hasser sollten sich nicht abschrecken lassen, handelt es sich doch bei diesem
wohl psychedelischsten Beitrag des sonst doch eher braven Schauspielers um
die nahezu wildeste deutsche Produktion der Endsechziger - einer unser absoluten
All-Time-Favorites und gerade aufgrund des hier begangenen
Brückenschlags zwischen den Filmgenerationen der perfekte Eröffnungsfilm für das „Besonders
Wertlos“-Festival.

20,00 Uhr Henrik Peschel präsentiert „Rollo Aller I u. II“
D 1990 u. 1992. R: Henrik Peschel. B: Reverend CH. D., Rocko Schamoni,
Henrik Peschel. K: Henrik Peschel, Volker Ehlers. M: Motion, Rocko
Schamoni, Schorsch Kamerun. D: Rocko Schamoni, Reverend Ch. D., Franziska Hübler,
Hauke Ehvers, Ralf Holzhausen, Michele Bordini u.a.
Nach seinem Rausschmiß aus einer Straßenreinigungsfirma hat Eule das
Großstadtleben satt, entwendet ein Mofa und macht sich zusammen mit
seinem Geldspielautomaten-abhängigen Kumpel Daddel auf die Reise nach
Hongkong, um dort das Grab von Bruce Lee zu beehren. Allerdings kommt man lediglich bis
Berlin und kehrt nach einigen desaströsen Ereignissen reumütig zu Frau und Kind
zurück.
Henrik Peschels schräge Hommage an Hark Bohms Klassiker „Nordsee ist
Mordsee“ sticht auf vielfältige Weise aus dem Wust der 90er
Home-Made-Produktionen hervor. Zum einen weiß sie durch eine sichere Dramaturgie und
künstlerische Umsetzung zu bestechen, zum anderen stellt sie thematisch ein
Bindeglied zwischen dem Neuen Deutschen Film und der Hamburger Punkkultur dar, so
daß man fast den Eindruck bekommt, einer verzerrten Neufassung von Bohms
Aussteigersaga beizuwohnen, deren Neuinterpretationen sich vor allem aus dem
sarkastischen Witz der No Future-Generation speisen. Als spielfreudige und
überzeugende Hauptdarsteller glänzen mit „King“ Rocko Schamoni und Reverend Ch. D.
zwei Protagonisten der heutigen Hamburger Schule, welche sich auch für den
Soundtrack dieser Ausnahmeproduktion verantwortlich zeigen.
Des weiteren wird Henrik Peschel zur Präsentation von „Rollo Aller“
persönlich anwesend sein und dem Publikum in einem Filmgespräch weitere
Informationen geben.

22,30 Uhr „Schulmädchenreport II“
D 1970. R: Ernst Hofbauer. B: Günther Heller, nach dem Buch von
Günther Hunold. K: Klaus Werner. M: Gert Wilden. D: zahlreiche, ungenannt
bleiben wollende Schulmädchen aus deutschen Landen... ca. 90 Min.

Einer der Klassiker unter den deutschen Sexfilmen und zugleich der
zweite Teil der erfolgreichsten deutschen Filmserie aller Zeiten!!! Allein die
ersten drei Teile der Saga brachten es auf jeweils eine goldene Leinwand, was
besagt, daß mindestens 3 Millionen Zuschauer den einzelnen Filmen
beiwohnten. Und wenn man den ersten Teil noch einmal aus dem zeitlichen Abstand heraus
betrachtet, kann man den Erfolg sogar nachvollziehen:
„Schulmädchen-Report“ präsentiert in einem bunten Kaleidoskop ein Sittenbild der 70er
Popkultur, wie es schillernder kaum ausfallen mag. So transportiert die Serie trotz
offensichtlich gefakter Authentizität ganz nebenbei die Wertmaßstäbe der
zeitgenössischen Teenies. Wenn zum Beispiel eines der mit Minirock und Robert
Crumb-Stiefeln aufgebretzelten Mädels von über ihren Freund schwärmt „21, Bart und
Auto“, so spricht das Bände und erspart einem damit das Studium ganzer
Bravo-Jahrgänge. Hinzu kommen die Rahmenhandlungen, welche man nur noch als den
lallenden Wahnsinn betiteln kann, die furzkomischen Befragungen von Passanten und
der Soundtrack aus der fähigen Hand von Gerd Wilden, welcher die Reihe mit
einem nach vorne treibenden Grundbeat veredelt, so daß man davon ausgehen kann,
daß der Starttag des vierten „Besonders Wertlos“-Festivals mit einem wahren
Partyevent ausklingt.

Freitag, 28.6.:
 
18,00 Uhr „Engelchen – oder die Jungfrau von Bamberg“
D 1968. R: Marran Gosov. B: Marran Gosov, Franz Geiger. K: Werner Kurz.
M: Jacques Looussier. D: Gila von Weitershausen, Ulrich Koch, Dieter
Augustin, Hans Clarin, Christof Wackernagel, Rita Buser, Michael Luther u.a. ca.
81min.

Die etwas naiv geratene Landschönheit Katja zieht es nach München, und
zwar aus einem einzigen Grund: Sie will endlich ihre Unschuld verlieren! Das
ist jedoch leichter gesagt als getan, aber nach einigen Turbulenzen
erledigen sich manche Probleme von selbst.
Ab Ende der 60er machten sich selbst im durch und durch prüden
Deutschland die ersten Spuren der weltweiten sexuellen Revolution spürbar. So
durfte „Helga“ in voller Leinwandbreite ein Kind gebären und „Die Wirtin von
der Lahn“ ihren Rock vor den Augen des gierigen Spießbürgers ein Stück anheben.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten und manifestierten sich in
einer wahren Schwemme von Sex- und Aufklärungsfilmchen untersten Niveaus. Maran
Gosovs „Engelchen“ war der erste Neue Deutsche Film, welcher diese Situation
in karikierender Weise aufzugreifen wußte und katapultierte seine
Hauptdarstellerin, Gila von Weitershausen, in die Position eines gefragten Filmstars.
Dabei stellt „Engelchen“ in erster Linie einen Erotikfilm dar, ohne auf die zur
Schau Stellung nackter Körper verfallen zu müssen, behandelt er das Thema,
welches er mit Witz betrachtet, ohne es ins Lächerliche zu ziehen, doch mit
Intelligenz und Geschmack. Ähnlich wie die weiteren Produktionen aus dem Rob
Houwer-Umfeld, „Zur Sache, Schätzchen“ und „Wilder Reiter GmbH“
inszeniert Gosov sein satirisches Werk als wilden, wenig kopflastigen Beatfilm, dessen
Rythmus sich auf den Zuschauer überträgt. Doch das ist nicht das einzige verbindende
Element, stellten doch alle drei gerade aufgrund ihrer Unbekümmertheit
die ersten großen Erfolge des noch jungen Neuen Deutschen Films dar.

20,00 Uhr „48 Stunden nach Acapulco“
D 1967. R: Klaus Lemke. B: Max Zihlmann. K: Hubs Hagen, Niklaus
Schilling. M: Roland Kovac. D: Christiane Krüger, Dieter Geissler, Monika
Zinnenberg, Rod Carter, Charly Kommer, Alexander Kerst u.a. ca 81 Min.
Hin und her gerissen zwischen einem Leben mit einer biederen
Industiriellentochter und dem Jet-Set-Schönheit Laura beschließt Frank
alles auf eine Karte zu setzen und adaptiert ein Gangsterdasein nach Vorbild amerikanischer
B-Filmhelden. Die Sehnsucht nach großen Abenteuern treibt ihn über Rom
nach Acapulco und letztendlich in den Tod...
„Was uns von den bekannten Jungfilmer-Produktionen unterscheidet? Wir
sind einfach 50 Jahre jünger“ Bereits wenige Jahre nach dem Oberhausener
Manifest grenzten sich die ersten Jungfilmer von den kopflastigen ersten Filmern
des Neuen Deutschen Films ab, um mit deutlich sinnlicheren Beiträgen
nachhaltig die „Langeweile aus den Kinosälen“ zu vertreiben. Neben May Spils („Zur
Sache, Schätzchen“) und Franz-Josef Spieker („Wilder Reiter GmbH“) trat
hierbei vor allem Klaus Lemke mit seinem „48 Stunden nach Acapulco“ hervor. Lemke
setzte in seiner Produktion deutlich mehr wert auf die authentische
Inszenierung des Jet-Set-Lifestyles und konszipierte den Film als unterhaltsamen
Genrebeitrag. Hierbei fungieren die Charaktere allerdings eher als Metafiguren, die
ihre eigenen Interpretationen von amerikanischen B-Filmhelden in
durchführbare Lebenskonszepte umzusetzen versuchen und sich daran zu Grunde richten.
Ebenso abenteuerlich wie die Handlung von „48 Stunden....“ gestaltete sich
allerdings die Produktionsgeschichte des Filmes, welche in echter Rekordzeit von
statten ging: Am 5. Mai ’67 faßte man die Idee, um 23 Uhr des selben Datums
konnte man bereits einen Produzenten verpflichten und bereits am 2. August lag das
komplette Werk zur Projektion bereit. Nach wenigen weiteren Kinoprodukionen konnte Lemke mit Filmen wie „Die
Rocker“, „Idole“ und „Paul“ einen Namen als renommierter
Fernsehregisseur gewinnen.

22,30 Uhr „Einer von uns beiden“
D 1974. R: Wolfgang Petersen. B: Manfred Purzer, nach dem Kriminalroman
von -ky. K: Charly Steinberger. M: Klaus Doldinger. D: Jürgen Prochnow,
Klaus Schwarzkopf, Elke Sommer, Ulla Jacobson, Kristina Nel, Walter Grosss,
Otto Sander, Berta Drews u.a. ca. 105 min.

Der vor sich hin vegetierende Exstudent Ziegenhals schlägt sich mit
kleinkriminellen Aktivitäten und dem Fälschen von Abschlußarbeiten über
Wasser. Als er mal wieder eine Dissertation für einen Auftraggeber fertigstellt,
kommt er einem Dozenten auf die Schliche, der seine Promotion auf ähnlichem Weg
erlangte. Aus Ziegenhals‘ Erpressungsversuchen entwickelt sich schnell
ein hasserfüllter Kampf...
Nachdem Wolfgang Petersen sich aufgrund einiger Tatortfolgen und dem
Fake-Dokumentarfilm „Smog“ einen Namen als Fernsehregisseur machen
konnte, sollte er mit „Einer von uns beiden“, der Adaption eines mittelmäßigen Krimis des
Berliner Autoren –ky, sein Kinodebüt abliefern. Das Ergebnis ist ein
Thriller, wie man ihn in Deutschland selten gesehen hat und eher von den kleinen,
dreckigen Klassikern des amerikanischen B-Films kennt. Petersen erzählt
die Handlung straight, versetzt den Zuschauer jedoch mit gut getimten Wendungen und
Pointen immer wieder in Verwunderung und steigert das Spiel zwischen
den beiden Protagonisten zu einem Psychoduell höchster Intensität. So verwundert
es bereits beim Erstlingswerk kaum, daß Petersen schließlich nach
Hollywood geholt werden sollte.

0,30 Uhr „Ein Toter hing im Netz“
D 1960. R u. B: Fritz Böttger. K: Georg Krause. M: Willy Mattes. D:
Alex d’Arcy, Barbara Valentin, Harald Maresch. Helga Neuner, Helga Frank,
Rainer Brandt u.a. ca. 86 min.

Nach einem Flugzeugabsturz sucht eine Gruppe weiblicher Models Zuflucht
auf einer einsamen Tropeninsel. Dort stößt man zunächst auf eine in einem
riesenhaften Spinnennetz gefangene Menschenleiche, um sich kurz darauf
mit einem von einem Spinnenbiß infizierten Monsterwesen konfrontiert zu sehen.
Fritz Böttgers „Ein Toter hing im Netz“ stellt nicht nur zusammen mit
seinem Begleitwerk „Die Nackte und der Satan“ eine der ersten im Horrorgenre
angesiedelten deutschen Nachkriegsproduktionen, sondern auch einen der
wenigen bundesdeutschen Beiträge dar, die bis heute im Ausland Kultstatus
genießen. So attestierten etablierte Kritiker dem Film surrealistische Qualitäten,
welche in den heimischen Produktionen ihresgleichen suchen. Darüber stellt die
stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografie, welche trotz steter Betonung
der bedrohlichen Momente mühelos die schwüle Tropenatmosphäre
transportiert, eine frühe Arbeit des späteren Kubrik-Kameramanns Georg Krause („Wege zum Ruhm“)
dar. Dieser gehobene Ruf kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, daß man bei
„Ein Toter hing im Netz“ in erster Linie einen Trashklassiker erster Güte
vor sich hat, weshalb überschäumende Laune im Zuschauerraum bereits im
Vorfeld zugesichert werden kann.

Samstag, 29.6.:

15,30 Uhr „Der Räuber Hotzenplotz“
D 1973. R: Gustav Ehmck. B: Gustav Ehmck, nach dem Kinderbuch von
Otfried Preußler. K: Hugert Hagen. M: Eugen Thomass. D: Gert Fröbe, Lina
Carstens, Josef Meinrad, Rainer Basedow, David Friedmann, Gerhard Acktun u.a. 114
min.

Als der schreckliche Räuber Hotzenplotz, der auch ehrfürchtig „der Mann
mit den sieben Messern“ genannt wird, Großmutter die heißgeliebte
Kaffeemühle stiehlt, sehen sich Kasper und Seppel dazu gezwungen, dem finsteren
Unhold Einhalt zu gebieten. Leider mißlingt der Plan, und Kasper gerät in die
Fänge des fiesen Zauberers Petrosilius Zwackelmann...
Beim diesjährigen „Besonders Wertlos“-Festival soll auch endlich erneut
die Tradition der Kindervorstellung aufgenommen werden, und welcher Beitrag
bietet sich dafür besser an als Gustav Ehmcks „Der Räuber Hotzenplotz“?
Stellte Preußlers Romanvorlage bereits den erfolgreichsten Bestseller unter den
deutschen Kinderbüchern der Nachkriegszeit dar, genießt Ehmcks Adaption
auch unter erwachsenen Fans des Buches schon lange Kultstatus. Das mag zum einen
daran liegen, daß Ehmck mit diesem Film eine der werkgetreusten
Literaturverfilmungen der deutschen Filmgeschichte gelungen ist. Der eigentliche Grund
hierfür findet sich allerdings in Gert Fröbes Verkörperung des Protagonisten.
So scheint Fröbe weniger eine Darstellung als eine regelrechte Transformation
vollzogen zu haben: Vor den ungläubigen Augen des Zuschauers baut sich der
fleischgewordene Mann mit den sieben Messern auf, flucht, tobt und kann
dennoch seine liebenswerten Seiten nicht verbergen. So darf man letztendlich gespannt
sein, ob sich mehr Kinder oder Erwachsene im Publikum befinden.

18,00 Uhr „Berliner Ballade“
D 1948. R: R.A. Stemmle. B: Günter Neumann. K: Georg Krause. M: Werner
Eisbrenner, Günter Neumann. D: Gert Fröbe, Aribert Wäscher, Tatjana
Sais, Ute Sielisch, O.E. Hasse u.a. ca. 89 min.

Im Jahre 2049 versetzen sich einige Zukunftsbewohner per Zeitbetrachter
zurück in das Jahr 1949 und verfolgen das Schicksal des
Kriegsheimkehrers Otto Normalverbraucher (Gert Fröbe). Dieser schlägt sich von einigen
unangenehmen Umständen begleitet zurück nach Berlin durch und versucht die Probleme
des Nachkriegsdeutschen mit Bravour zu meistern, was leichter gesagt ist
als getan.
„Berliner Ballade“ war einer der in der direkten Nachkriegszeit
entstandenen Trümmerfilme, die sich sozialkritisch aber mit ironischer Distanz der
deutschen Nachkriegssituation widmeten. Während sich jedoch Filme wie
Wolfgang Staudtes „Rotation“ in erster Linie um einen Realismus bemühten, gibt
sich Stemmles Werk ungleich experimentierfreudiger und wählt für die
Schilderung der zeitsspezifischen Allerweltsprobleme, Käutners „Der Apfel ist ab“ nicht
unähnlich, dem Kabarett entlehnte Techniken. Die Hauptrolle des Otto
Normalverbraucher, Prototyp des deutschen Kriegsheimkehrers, gibt dabei
ein hervorragender und glaubhaft abgemagerter Gert Fröbe, der hier vor allem sein
komödiantisches Talent unter Beweis stellen und, dank frenetischer Publikumsreaktionen,
den Startschuß für seine langjährige Karriere setzen kann. Der federleichte
Balanceakt zwischen authentischer Darstellung der geschichtlichen
Situation und humorvoller Unterhaltung machte sich ausgezahlt: „Berliner Ballade“
blieb einer der einzigen Trümmerfilme, welche sich sowohl künstlerisch als auch an
der Kinokasse behaupten konnten.

20,00 Uhr Simon und Thilo Gosejohann präsentieren „Captain Cosmotic“
D 1993-98. R u. K: Thilo Gosejohann. B: Thilo Gosejohann, Jan-Hendrik
Meyer. D: Jan-Hendrik Meyer, Catrin Hansmerten, Simon Gosejohann, Wolfgang
Butzlaff, Alexander Clarke, Dirk Deitermann, Sonja Poppen, Oliver Piper
u.a. 89 min.

Nach der Begegnung mit einer außerirdischen Macht verwandelt sich der
schwächliche Vertreter Dieter Parker in den Superhelden Captain
Cosmotic. Zusammen mit der auf gleiche Weise mutierten Amazone Powerbitch gilt es fortan
die Pläne des finsteren Oberbösewichts „der Berator“ zu vereiteln, welcher
sich zum Ziel gesetzt hat, den Erdkern abzusaugen und somit die Gravitation
unseres Planeten auszuschalten.
Seit nunmehr 12 Jahren fertigen die Brüder Thilo und Simon Gosejohann
zusammen mit ihrem Gütersloher Freundeskreis zumeist im Genrekino
angesiedelte Kurz- und Langfilme, denen allesamt eins gemeinsam ist: Die
offensichtliche Freude bei den Dreharbeiten übertragen sich ungefiltert auf den
staunenden Zuschauer. Das mag bei einigen Home Made-Produktionen der Fall sein,
selten hat man jedoch in diesem Bereich eine so stetig anwachsende Professionalität
wahrnehmen können. Wußte schon der No-Budget Knüller „Operation Beauty“
durch perfekte und dennoch spielerisch leicht einstudierte
Actionchoreographien und geschickt getimte Pointen zu begeistern, gelang die Umsetzung von
„Captain Cosmotic“ so außergewöhnlich gut, daß eine DVD-Veröffentlichung durch
die amerikanische Firma Troma kurz nach Fertigstellung des Films erfolgte.
Im Anbetracht des fertigen Produkts erscheinen die Kosten von 1800 DM
nahezu lächerlich, stellt „Captain Cosmotic“ doch den Beweis dar, das gutgemachtes Genrekino auch
abseits der großen Leinwand und vor allem der hochbudgetierten Traumfabrik
Hollywoods entstehen kann, und läßt die Vermutung aufkommen, daß
B-Film-Mogule wie Roger Corman die Gebrüder Gosejohann sofort in die USA importieren
würden, um mit deren Hilfe den ihnen entzogenen Action-Markt zurück zu erobern.
Die Filmemacher Thilo und Simon Gosejohann werden übrigens zugegen sein
und in einem Filmgespräch Rede und Antwort stehen.

22,30 Uhr Christian Anders präsentiert „Die Brut des Bösen“
D 1979. R, B u. M: Christian Anders. K: Ricardo Navarrete. D: Christian
Anders, Deep Roy, Dunja Rajter, Maribel Martin, Fred Harris u.a. 85
min.

(Anmerkung: Möglicherweise wird das aus kurzfristigen Terminproblemen auch "Die Todesgöttin des Liebescamps", aber das wäre ja fast noch schöner...)

Wie aus heiterem Himmel sieht sich der in Spanien residierende Karatemeister Frank Mertens (Christian Anders) den Bedrohungen des Gangsterbosses Van Bullock ausgesetzt, welcher die Karateschule des Champions gerne als
Hauptstützpunkt seines Drogensyndikats gewinnen möchte. Da sich Mertens
vehement diesen Plänen widersetzt, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus
Rauschmitteln, Gewalt und Verbrechen, bis er nur noch ein Wunsch in seinem Herzen
schlägt: Rache!
Seit Beginn seiner Karriere betrachtete sich Schlagerstar Christian
Anders als überaus vielseitiger Künstler. So versuchte er sich bereits kurz
nach Beginn seines kreativen Werdegangs als Autor, schrieb an Musicals
gemahnende Konzeptalben und übte sich als Karatekämpfer. So verwundert es kaum,
daß er sich Ende der Siebziger als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller des
ersten deutschen Karatefilms versuchen mußte, dem er bald seine
„Todesgöttin vom Liebescamp“, der mit Sicherheit größte Publikumserfolg des zweiten
„Besonders Wertlos“-Festivals, folgen ließ. In seiner ersten Regiearbeit kommt vor allem eines nicht zu kurz:
unfreiwilliger Humor, was den Streifen zu einem echten
Publikumsliebling und Partyevent reifen läßt.
Und als ob das nicht alleine reichen würde, können wir zum krönenden
Abschluß noch mit einem besonderen Leckerbissen aufwarten: Chritian
Anders wird „Die Brut“ höchstpersönlich vorstellen und mit einer
Live-Karatedemonstration sämtliche offen gebliebenen Fragen erledigen!

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