FUSSBALLREPORTAGE HEUTE:

1. FC Magdeburg - FC Bayern München

(Da ich ja immer noch einen bezahlten Job suche, hier ein kleiner Sachtext, um den Fernsehanstalten meine Eignung als Fußballreporter nahezubringen! Im folgenden meine Erinnerungen an ein DFB-Pokalspiel.)

Der Ärger begann mit dem Einlauf der Mannschaften: Da waren die Bayern! Mit gläsernem Blick walzten sie sofort mehrere Balljungen nieder, die sich - so weiß man heute - von dem Schock nie wieder ganz erholen und dem Fußball abschwören sollten. In einigem Abstand die Magdeburger, deren Trikots ungewöhnlicherweise das Porträt des Hauptsponsors trugen - Christian Anders war es, der dem Fernsehzuschauer elffach entgegengriente. Rechnete sich diese Mannschaft eine Chance aus gegen die sieggeschwollenen Bajuwaren?

Beim Anpfiff bekam der Schiedsrichter Dr. Merk sofort einen in die Schnauze, da Kalle Krawinkel, der Abwehrchef der Platzherren, in ihm irrigerweise den Verführer seiner Halbschwester Magda wähnte. Merk ließ trotzdem Gnade vor Recht ergehen und zeigte ihm nur die gelbe Karte. Seine Zähne pflanzte er sich sofort selbst wieder ein, denn Dr. Merk, wir erinnern uns, ist hauptberuflich Zahnarzt. Nach dieser kleinen Verzögerung konnte das Spiel beginnen. Der Ball wanderte anmutig durch die Reihen der noch schlafenden Ostprofis, und ein Gewaltschuß von Tarnat streckte mit einem gewaltigen Lattenknaller das Tor der Gastgeber nieder. Es plumpste einfach um - Erinnerungen an Madrid wurden wach. Da aber nicht Marcel Reif das Spiel mit seinem schalmeiengleichen Organ veredelte, sondern Gerd Rubenbauer, stand das Tor bereits nach 5 Minuten wieder da, wo es ja nun auch hingehörte.

Die ersten 20 Minuten vergingen wie im Fluge, denn nichts passierte. Merk pfiff wie ein Berserker, um echte Pokalfightatmo herzustellen, doch vergeblich - die wahre Ballerlaune wollte sich nicht einstellen. Dann begann der Psychoterror: Mehmet Scholl fing an, neue Aphorismen aus seinem reichhaltigen Schaffen zum besten zu geben, was er mit wilden Grimassen unterstrich, denn das Fernsehpublikum sollte ja auch was davon haben. Diese Pein dauerte aber nur kurze Zeit an, da Merk ein Herz für die Magdeburger hatte und den Aphorismenschmied vom Platz stellte. Auf der Bank des FC Bayern tat sich Unerhörtes: Hoeneß sprang mit hochroter Birne auf, trat einen Adidas-Werbecontainer wutentbrannt quer über den Platz und sprang dem Magdeburger Kotrainer Hermann Löns mit beiden Beinen in den Unterbauch. Löns krümmte sich minutenlang am Boden und wurde dann von Merk auf die Tribüne geschickt, da er sich die Trainingshose heruntergezogen hatte, um den Schaden zu begutachten. Eine satte Dosis Eisspray gab ihm den Rest. Hoeneß hatte sich bewunderungswürdig schnell wieder im Griff und verprügelte stattdessen den Mannschaftsdoktor Müller-Wohlfahrt. Matthäus war eine gewisse Genugtuung anzumerken, aber besser spielte er im folgenden auch nicht.

Denn jetzt kamen die Magdeburger. Mit großem Elan rollten sie das Spielfeld auf und wieder ab, tanzten Sirtaki und kippten diverse Flachmänner mit Ouzo auf den bayrischen Sturm aus. Diese Szenen der Entartung entgingen Merk und seinen Mannen vollkommen, so daß die Platzhirsche richtig auftrumpfen konnten: Nachdem Fink mit einem Ellenbogencheck ausgeschaltet worden war, lochte Stürmeras Martin Muezzin zum ersten Mal ein. Das Stadion erzitterte in seinen Grundfesten, flog etwa 2 Meter in die Luft und rumste mit einem titanischen Krachen zu Boden, das man noch an der Nordseeküste vernehmen konnte - da war Quallensterben angesagt!

Als die letzten Staubteilchen sich gelegt und Fink seine Schulter wieder eingekugelt hatte, ging es weiter im Text. Die Magdeburger kannten kein Halten mehr und brachen den bajuwarischen Abwehrriegel ein weiteres Mal. Muezzin konnte nur durch eine Knochengrätsche von Nowotny, der überraschenderweise aufgelaufen war, am Nachlegen gehindert werden. Der darauffolgende Elfmeter wurde von Muezzin selbst so kraftvoll ins linke obere Eck gefeuert, daß das Netz zerriß und von gerade anwesenden Nornen gestickt werden mußte. Der Ball flog trotzdem mit Schmackes in die Nordkurve und zerriß einer im siebten Monat schwangeren Sachbearbeiterin aus Sauerfeld die Milz. Die Sturzgeburt wurde nach dem Spiel live im ZDF übertragen und von Rolf Töpperwien mit wippendem Haupt kommentiert. (Der Mann sieht ja, wenn er den Spielern das Mikro vorhält, immer aus wie die Plastikhunde auf dem Armaturenbrett!) Aus dem Kind wurde dann nix. Der Schlumpf war blau und lebte nur bis zum Heute-Journal.

Aber weiter im Spiel: Die Magdeburger waren jetzt enthusiasmiert und spielten sich in einen Rausch hinein, der auch von den bereits erwähnten Flachmännern unterstützt wurde, denn Kotrainer Löns - von der Schmach genesen - hatte Nachschub parat. Wilde Schlachtengesänge trällernd, stürzten die Spieler aus den neuen Bundesländern in den gegnerischen Strafraum und setzten sich dort fest. Erst durch wildes Treten von seiten einiger Bayern konnten sie dazu bewegt werden, das 3:0 zu schießen. Diesmal war es Dr. Müller-Wohlfahrt, der auf Hoeneß die Haßkarre schob. Die Sensation lag in der Luft.

Kurz bevor die Bayern das erste Mal den Strafraum der Haushunde penetrieren konnten, pfiff Dr. Merk die 1. Halbzeit ab, und zwar nach handgestoppten 36 Minuten! Die mitgereisten Bayern-Fans schlugen alles kurz und klein und wurden folgerichtig alle eingesperrt. Hitzfeld und Hoeneß gaben einander schallende Ohrfeigen, und auch Paul Breitner, der mitgereist war, wollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und biß Hoeneß in die rechte Wade.

Die zweite Halbzeit sah eine ganz andere Bayernmannschaft: Fast alle Spieler waren ausgewechselt worden! Jancker boxte jetzt für den lieben, aber ineffektiven Elber, der wilde Flüche ausstoßend das Stadion verließ und draußen mehrere Straßenbahnen umkippte. Die Bayern kannten keine Gnade und semmelten dem Schlußmann der Magdeburger sofort den Anschlußtreffer ins Netz. Genaugenommen schossen sie den Schlußmann ins Netz, denn Tarnat war wieder am Werk und donnerte dem Unglücklichen das Leder dermaßen an die Birne, daß er fortan von schweren Realitätsverlusten geschüttelt wurde. Tatsächlich ereignete sich nach sehr bald nach Wiederanpfiff folgendes: Torwart Paul Loch, der einen Abstoß treten mußte, trippelte stattdessen vor den Ball, drehte sich um und schoß vor den entsetzten Zehntausenden den Ball ins eigene Netz! Mit ausgelassenen Flic-Flacs voltierte er danach über den Rasen und bekam natürlich sofort die rote Karte. Es sollte sein letztes Spiel für die Magdeburger sein, denn nach diesem Wahnsinnsakt wurde er von der erregten Menge gelyncht.

3:2 - die Bayern hatten es auf dem Fuß. Doch nun nahmen sich die Regionalligisten noch einmal ein Herz und gaben Gas, daß die Klüsen qualmten. Behende schob sich Muezzin im Alleingang durch die Bayernhälfte und gab dem Kahn, was des Kahns ist - das 4:2 zappelte im Netz! Kein lupenreiner Hattrick, das ist wahr, aber Muezzin freute sich einen Ast und wurde von seinen Mannschaftskameraden erdrückt. Er mußte ausgewechselt werden.

Ab hier begannen die Nicklichkeiten. Zuerst flog Effenberg vom Platz, nachdem er den Rechtsaußen Magdeburgs, Heiner Klumpschuh, unbeherrscht in den Solarplexus getreten hatte. Der erzürnte "Effe" - wie ihn seine Fans nennen - trat eine Bandenwerbung über die Tribüne und bekam dafür noch eine zweite rote Karte. Aus Frust machte er der Reporterin Gaby Plapperitz ein Kind.

Dann war die Reihe an Jancker, der nach einem gegen ihn verhängten Elfmeter vollkommen die Selbstbeherrschung verlor und die Mutter des Linienrichters verbal mit Kot überzog. Glücklicherweise war der Liri schwerhörig, und so hatten nur die Fernsehzuschauer und das Stadionpublikum etwas von der Entgleisung. Jancker schoß den Elfmeter selbst und semmelte die Kugel zwo Meter neben den Kasten.

Auch die Magdeburger ließen sich foultechnisch nicht die Butter vom Brot nehmen: Mittelgewicht Schnallenberger versetzte den Nabel von Mehmet Scholl - der unbemerkt wieder aufs Spielfeld geschlichen war - um zehn Zentimeter nach rechts! Merk konnte die Bayern aber nicht leiden und schickte Scholl direkt ins Gefängnis, ohne über Los zu gehen und 4000 Mark einzuziehen...

Mann, was für ein Spiel! Die Kampfhändel kannten keine Grenzen. Auch Ollie Kahn mochte da nicht beiseitestehen und schallerte Fink zu Klump, der wiederholt gepennt hatte. Fink überlegte kurz, ob er zurückhauen sollte, besann sich dann aber doch eines besseren.

Die Magdeburger wähnten sich jetzt auf der Siegerstraße, doch sie hatten die Rechnung ohne den Rekordmeister gemacht, der einen Extraball im Tor der Gastgeber plaziert hatte. Als Ersatztorhüter Kuno Kummerspeck klar wurde, was ihm und Paul Loch da entgangen war, war es auch schon zu spät: Es stand 4:3 für die Gäste! Kummerspeck wurde im Nu 10 Kilo dicker und mußte ausgewechselt werden. Jetzt stand Libero Klaus Störtebeker im Tor der beherzten Platzhernien.

In der 95. Minute fiel dann noch das 4:4, das diesmal von Dr. Merk höchstpersönlich verwandelt wurde. Die Verlängerung war da, und Kaiserslautern bebte!

In der Verlängerung passierte dann rein gar nichts, außer daß das Sendestudio in Mainz von einer Terroristenbande kurzfristig besetzt wurde. Eine Spezialeinheit von Jod-S11-Körnchen (Trill-Fertigfutter!) konnte ihnen aber den Garaus machen.

Das Elfmeterschießen verlief dann gnadenlos gleichförmig: 10 Leute lochten unnachgiebig ein. Erst, als Gerd Rubenbauer - der eingewechselt worden war - auf seinem Speichel ausrutschte, glitt der Schuß über den Spann und wurde zum Sputnik. Er leuchtet noch heute über Magdeburg, deren Freude über den Sieg ein 354-tägiges Dauerfest zur Folge hatte, das erst durch die vollkommene Verarmung der Stadt beendet wurde...

Ja, so war das damals! Es war ein Abend unter Tausenden, aber was für ein Abend! Im Fußball ist alles möglich, der Ball ist rund und der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Die Bayern haben´s überstanden, die Magdeburger nicht wirklich, was uns einiges über die Welt erzählt, wie wir sie kennen. Das ZDF hat jetzt einen Anti-Terror-Pförtner eingestellt, der früher Rausschmeißer im Bremer Indie-Lokal "Römer" war. Und ich schreibe diesen Quatsch hier. Wohlsein und alles Liebe für´s neue Jahr - die Saison ist noch laaange nicht vorbei... :)

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