KEINE TULPEN, KEINE WINDMÜHLEN, ABER AMSTERDAM

Ein Reisebericht

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben! Ich bin schon seit meinen Teenagerjahren nicht mehr aus meinem Heimatland herausgekommen, sieht man mal von den zahlreichen "Arbeitsurläuben" ab, die mich in benachbarte europäische Länder entführten, wo ich vielen Menschen auf die Nerven ging, die das Pech hatten, von mir verehrt zu werden. Nun war es soweit: Mit meiner Freundin schnürte ich das Ränzlein und ging auf Wanderschaft. Das Ziel war die wunderschöne Stadt Amsterdam, zu der einige historische Vorbemerkungen nötig sind.

Amsterdam wurde erbaut im Jahre 1678. Tatsächlich waren dort schon vorher Kaufleute ansässig, die in Pfahlbauten hausten und mit güldenem Zierat schacherten. Manch einem von ihnen brachte das immensen Reichtum, der viele Neider erzeugte. Der spanische König Philipp etwa war so verbiestert, daß er im 17. Jahrhundert kurzerhand alle Holländer des Hochverrates bezichtigte. Ein ganzes Volk zum Tode verurteilt - wo hatte es jemals so etwas gegeben? Die Heilige Inquisition nahm sich des Falles an und forderte den berühmten hohen Blutzoll. Zum Glück erwischten die Folterknechte des irregleiteten Glaubens aber nur einige versprengte belgische Freischärler, so daß der Kelch wieder einmal an den Holländern vorbeiging. Aus Freude über die Gunst des Geschicks gründeten sie die Stadt Amsterdam. Dies gestaltete sich als sehr schwierig, zumal der Untergrund morastig war und einen dauerhaften Häuserbau verhinderte. Die Holländer griffen tief in die Trickkiste und festigten den Untergrund mit stabilen Baumstämmen, die den berühmten Sägewerken von Rotterdam entstammten. Viele der verwendeten Bäume wurden aus Übersee herbeigeschafft. Die Schiffe der "Vereinigten Ost-Indischen Kompanie" lieferten nämlich mitnichten nur exotischen Schangel, sondern auch Holz, welches die Grundlage stellte für die zukünftige Hauptstadt unseres sympathischen Nachbarlandes. Der Königspalast etwa benötigte knapp 14000 Stämme als Untergrund, der Bahnhof nur etwa 8000. Trotzdem kommen die Züge meistens rechtzeitig an. Da sieht man mal wieder.

Als wir abfuhren, regnete es in Strömen. Mir war bereits wenige Tage vor dem Termin klar, daß das sommerliche Wetter zuvor zu schön gewesen war, um wahr zu sein. Ich war fest entschlossen, der Weltstadt ihre Reize abzutrotzen, und sei es mit dem Regenschirm in der Hand! In Amsterdam gaben sich die Wolken ein Stelldichein, aber Cora erkannte sofort einen blauen Flecken am Horizont, der Hoffnung verhieß. Wir schulterten unsere Rucksäcke voller Haschisch, das wir einzuschmuggeln gedachten, und auf ging es. Nachdem wir im vorzüglichen Hotel Bridge eingecheckt hatten, sausten wir nach draußen, wo sich mittlerweile zwei oder drei weitere blaue Flecken am Himmelszelt tummelten. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis die Wolken sich verzogen hatten. Strahlender Sommerhimmel über uns weckte das Kind im Herzen - Unternehmungslust! Ganz in der Nähe des Hotels war der Rembrandtsplatz
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Rembrandt

Am Rembrandtplein begegnete ich einigen netten Exzentrikern, die sich nicht nur grau angemalt hatten, sondern überdies eine Szene aus den Bauernkriegen nachspielten. Hierzu führten sie exakt nachgebildete Musketen mit sich, die sie als Landsknechte von echtem Schrot & Korn ausweisen sollten. Tatsächlich waren sie aber nur mittellose Tagelöhner, die sich ihr kärglich Brot in einer Mittelalter-Laienspielgruppe verdienten. Hier packe ich gerade Kuddel am Arm, der nicht viel mehr besitzt als seinen Kittel am Leib. Ein netter Flame, urwüchsig und deutschfeindlich bis ins Mark, aber das hinderte ihn nicht daran, mit uns eine Buddel Genever zu leeren, im Schatten der Nikolaikirche. Dem Reisenden ist kein Klischee zu pathetisch, wenn dafür eine unbezahlbare Reiseimpression herausspringt! Rembrandt (im Hintergrund, auf dem Sockel) war nicht dabei, sondern malte ein Bild mit dicken Frauen, die einander an die Möpse packen. Diese Flamen sind echte Ferkel, aber das geht in Ordnung, solange sie nicht Fahrrad fahren. Ich empfehle jedem, der sich diese Stadt erarbeiten will, das Töfftöff in der Garage zu lassen, denn die Parkgebühren sind sondernormen. Autos gibt es in Amsterdam recht wenige, und der Fahrstil ihrer Besitzer orientiert sich an einem Respekt vor den zweirädrigen Verkehrspartnern, der in Europa wohl einzigartig sein dürfte. Man muß sich das so vorstellen, daß der Amsterdamer Autofahrer geduckt in seinem Wagen sitzt, verunsichert und gebeutelt von einem vagen Gefühl seiner Schuld. Der Radfahrer hingegen beeindruckt durch eine selbstsichere Pose des Triumphes, die er vermutlich auch nicht ablegt, wenn er jemanden umfährt. In Deutschland bedeutet einen Zebrastreifen dem Fußgänger, daß er hier einigermaßen sicher die Straße überqueren kann. In Amsterdam heißt ein Zebrastreifen: "Vorsicht, Radfahrer!" Amsterdam-Neulinge benötigen manchmal bis zu einem Tag, um sich daran zu gewöhnen, daß übellaunige Radler ständig 20 cm entfernt vor einem oder hinter einem vorbeiswutschen. Und tatsächlich habe ich fast nur aggressiv aussehende Radfahrer gesehen, mit Mienen wie Steven Seagal, bevor er zum tödlichen Aikido-Schlag ausholt. Als uns mal eine freundliche Radfahrerin begegnete, wäre ich fast in Ohnmacht gefallen!

Rembrandtgarage

Auch Rembrandt war Autofahrer, wie dieses Bild beweist. Die junge Dame, die sich gerade gegen den Drahtesel lehnt, ist eine von Amsterdams berüchtigten Fahrrad-Prostituierten. Der Herr, der ihr entgegenschraddelt, ist ein Freier, wie ich selber bezeugen mußte, und beide verschwanden in der Garage. Nur mit Malerei kann auch in Amsterdam niemand mehr seinen Lebensunterhalt bestreiten. Mich hat das etwas schockiert. Rembrandt - ein Loddel? Sollte das möglich sein? Man beachte übrigens den geradezu neurotischen Sicherheitsabstand, den der Mercedesfahrer zum Radler hält. Verkehrte Welt. Viel wichtiger als das sittliche Trauerspiel, das in diesem Bild versteckt ist (und ich habe den angeschnittenen Mann am rechten Rand noch gar nicht erwähnt!), ist natürlich der idiosynkratische Häuserbau. Noch nie zuvor habe ich so große Fenster gesehen. Amsterdamer Häuser sind bunt, eckig bei gleichzeitiger Neigung zur verwirrenden Verschnörkelung, wunderbar uneinheitlich in ihrer Form und nicht selten schief wie dem Dr. Caligari sein Kabinett. Wenn es eine Stadt gibt, deren Architektur so richtig meinen Geschmack trifft, dann ist das Amsterdam! Spannung bis zum Exodus, da kann man tagelang nur staunenden Auges gaffen. Im in der Einkaufsmeile Kalvertstraat gelegenen Begijnhof findet man auch eine Häuserzeile, die im Stil des 17. Jahrhunderts gehalten ist. Da sich Touristen häufig danebenbenehmen und die dort ansässigen Bewohner belästigen, wird angeblich im Moment darüber beraten, das ganze Areal für Touristen zu sperren. Ich und meine geliebte Begleiterin sahen eine Frau in einem Garten sitzen, der es offensichtlich nicht behagte, von dummen Fotoamateuren begafft zu werden. Wir beschränkten unsere Teilnahme deshalb auf einen kurzen Blick auf die schönen Häuser und zogen uns dann zurück, aus Respekt vor den Anwohnern. Man darf sich nicht von jedem Hajupei begaffen lassen müssen, das ist ziemlich igitt. Menschen sind keine Zootiere, ausgenommen natürlich die Deppen, die sich im Fernsehen begaffen lassen. Dezenz rulez!

Folterstuhl

Indezente Menschen gehören in diesen Stuhl, der im "Torture Museum" zu sehen ist. Für 5 Euro gibt es einen kurzen Rundgang durch die Abgründe der menschlichen Historie, und Mundbirnen, Schädelspalter und sonstige Folterwerkzeuge sind dort zusammen mit zeitgenössischen Abbildungen zu erhaschen. Die meisten der dort deponierten Exponate sind hoffentlich Replika und keine Originale, aber beschwören möchte ich es nicht. Die Präsentation erfüllt auf jeden Fall alle Ansprüche, die ein Exploitation-Fan stellen mag. Nur etwa hundert Meter daneben gibt es das beste Birneneis, das ich jemals gegessen habe, und auch das Erdbeereis war an Leckerkeit kaum zu übertreffen. Die Kugel kostete tatsächlich 1 Euro 70, aber - das war es wert! Mundbirnen und Birneneis - eine seltene Kombination, und dazu noch strahlender Sonnenschein... Die Milde des Klimas hielt sich noch bis in die Nacht, und so saßen wir auf dem Balkon und schauten verträumt auf die Gracht mit den Hausbooten und den lampenumkränzten Brücken. Ein renitentes Bläßhuhn klagte uns lautstark sein Leid, aber vielleicht freute es sich auch bloß und wollte uns an seinem Glück teilhaben lassen. Das war Amsterdam, wie ich es in Erinnerung behalten werde: eine Stadt der schönen Details und der angenehmen Atmosphäre, die wir auch in Zukunft noch einige Male heimzusuchen gedenken. Und gegen die Radfahrer hilft ja noch die chemische Keule.

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Am nächsten Tag begrüßte uns grießgrauer Himmel, der unsere Laune aber nicht trüben konnte. Wir wollten ins "Dungeon", eine Dépendance des Londoner Verlieses, wo Horrorfans so richtig auf ihre Kosten kommen. Der Eintrittspreis war sehr saftig, aber er sollte sich als gerechtfertigt erweisen. Gleich nach dem Eintritt bekam Cora ein Riesenbeil in die Hand gedrückt, mit dem sie mir den Kopf abschlagen sollte. Ich steckte devot Kopf und Hände in den dafür vorgesehenen Schandkragen, und wir durften dann wild schreien, wovon ein schönes Foto geknipst wurde. Danach begrüßte uns eine dominante Dame molligen Zuschnitts, die aussah wie eine SM-Version von Magenta aus der "Rocky Horror Picture Show". Frauen und Herren wurden sofort erst einmal getrennt, um kurz darauf eher zufällig wieder zusammenzutreffen. Magenta hatte sich jetzt umkostümiert und war ein Folterknecht der Inquisition. Was ich nicht wußte: "Audience Participation" wird bei der Veranstaltung großgeschrieben, und wen erwischte es von unserer Gruppe als Folteropfer? Na klar - ich kam in den Stuhl und Cora in den Käfig! Wie waren richtig verratzt... Magenta gab Gas und quälte mich mit einer Zungenzange und einem Genitalkneifer, was mich insgesamt etwas verunsicherte. Angemerkt werden muß, daß die Schauspieler sehr geschickt am Rande dessen agierten, was man noch spaßeshalber mitnehmen kann. Manchem mag das auch schon etwas drüber sein. ("Oh, you´re not a very smart one, are you?") Sie blieben aber für mein Empfinden stets diesseits und machten ihre Sache verdammt gut, vor allem, wenn man bedenkt, daß sie dieselbe Show in den 80 Minuten unseres Besuches nacheinander für mehrere Gruppen abreißen mußten, und das in verschiedenen Rollen. Manche "Beleidigungen" waren aber auch einfach zu geil: Bei der Inquisitions-Szene wurden zwei hiphoppig gekleidete Gäste der "crimes against fashion" bezichtigt, was einiges Gekicher auslöste... Ich wurde auch zum Tode verurteilt. ("What? You´re German? GUILTY!!!") Es gab einige historische Informationen, etwas Splatter, und am Schluß beendete eine kurze Achterbahnfahrt durch eine verfluchte Kirche die Show. Scheiße, war das genial! Beim Rausgehen erstand ich noch verschiedenen Schangel (u.a. eine ungeschnittene Fassung von Takashi Miikes IMPRINT, hähä!) und erfuhr auch, daß es ein Hamburger "Dungeon" gibt, was mir bisher nicht bekannt war. Wenn man also Hansestädter ist und die dortigen Attraktionen ähnlich fulminant sind, sollte man mal reinkucken. In London war das angeblich auf die dortige Historie zugeschnitten, mit Jack The Ripper und so fort, während die holländische Variante entsprechend umgewichtet war. Aber das war schon eindrucksvoll. Wir kamen durchgeschüttelt und begeistert raus, und es empfing uns sommerlicher Sonnenschein! Wer immer nach Amsterdam fährt und schlechtes Wetter erlebt, sollte nicht verzagen, denn es kann sich im Nu ändern. Wir haben an drei Tagen Sonnenschein und sommerliche Temperaturen erlebt. Mein Bassist Kai hatte viermal strömenden Regen. Glück war also vermutlich auch dabei. Kommen wir nun zu Dr. Film.

Doktor Film

Ich wünschte, ich könnte zu Dr. Film eine coole Geschichte erzählen. Dr. Film ist bestimmt eine phatte Sau. Der kennt seinen Fassbinder und seinen Bergman aus dem Effeff und frißt die Kracauer-Guppies und Benjamin-Benjamins zum Frühstück. Wenn ihm jemand mit Laura Mulvey kommt, dann kommt der nur mit der tollen Szene aus DER TROST VON FREMDEN, wo der sinistre Christopher Walken das liberale britische Ehepaar durch Venedig führt und sie dann an einem Feministinnen-Plakat vorbeikommen. Miranda Richardson, die "diese Frauen" eigentlich bewundert, spricht ihn darauf an, und Walken meint nur müde und fast mitleidig: "Ach das... Das sind Frauen, die keinen Mann bekommen!" Dr. Film hat den Bogen raus und ist sich zu fein für faule Spielchen. Ich hoffe, daß das Graffito "Amok 4" darunter keine tiefere Bedeutung hat. Ich wollte das nur fotografisch festhalten. Dr. Film ist sicherlich ein netter Kerl. Und wenn man gerade die Peripherie des Nuttenviertels abgeschritten hat, um zum Hauptbahnhof zu gelangen, sind solche vermutlich beziehungsreichen Momentaufnahmen ganz ergötzlich. In diesem Zusammenhang möchte ich folgendes Bild einflechten.

Anker im Sturm

Im Kanon der Ankerbilder, die ja stets einen freudianischen Zusammenhang nahelegen, ist das hier ein ausgesprochen großer Anker. Ich halte mich darauf an einem übergroßen Ring fest, an den nach den Gesetzen der Logik verschiedene Glieder eingespannt sein müßten. Man muß den Anker ja irgendwie einholen. Er liegt übrigens direkt vor dem Eingang zum Schiffahrtsmuseum, das zwar für seine 10 Euro Eintritt nur eine Anzahl von Zeichnungen, Modellschiffen und sehr schlechter Belüftung zu bieten hat, aber der richtige Rocker ist "De Amsterdam", die naturgetreue Replika eines im 17. Jahrhundert gesunkenen Handelsschiffes, auf dem ich und meine Liebste uns tummelten nach Herzenslust. Es ist eine Sache, Piratenfilme zu kucken und eventuell über die Rauhbeine zu lesen, aber tatsächlich an Bord solch eines Schiffes zu sein, ist einfach bombastisch! Und nicht genug damit, daß man Bug und Heck mit all ihren Schätzen abmessen konnte - der Blick ins Innere des Schiffes offenbarte so manches. Die Kapitänskajüte etwa kann nicht viel höher als 1,60 m gewesen sein. Man kam sich dort vor wie in einem Puppenhaus, und während in entsprechender Filmware die Protagonisten stets breitschultrig und knorrig wie eine Eiche durch das Schiff paradieren, so raubte uns dieses Erlebnis fromme Illusionen von Männlichkeit im Schäumen der Gischt. Okay, die Männer waren damals deutlich kleiner als heute, aber selbst damals wird das ohne massive Rückenprobleme kaum abgegangen sein. Und jede Fahrt für die "Compagnie" dauerte etwa anderthalb Jahre. Von den entsandten Schiffen sank etwa ein Drittel, also kann das auch nicht ganz ungefährlich gewesen sein. Wie uns im "Dungeon" bereits nachdrücklich geschildert wurde, füllte man die Matrosen damals gerne ab, schleppte sie an Bord und setzte die Segel. Auf so einer Nußschale den Ozean zu überqueren, muß ein rechter Teufelssturm gewesen sein! Nun ja, wir genossen das Erlebnis und die Fantasie, einfach mit dieser tollen knirschenden Jolle abzusegeln, aber wir kamen wenigstens wieder lebendig von Bord. Ein richtiger Kracher, und wer nautische Interessen hegt, sollte sich solch eine Chance nicht entgehen lassen...

Am Abend genossen wir das Nachtleben Amsterdams. Wer den Wunsch hegt, nach ein oder zwei Uhr noch einen zu heben, muß allerdings lange suchen. Im Schwulenviertel um die Warmoesstraat fanden wir schließlich einen sehr geeigneten Irish Pub, der fachliche Kompetenz mit angenehmem Ambiente verband. Man sollte aber auf gar keinen Fall darauf hoffen, an jeder Straßenecke ein Taxi stehen zu sehen, wie dies in Deutschland der Fall ist. Durch das Rotlichtviertel sind wir auch kurz getapert, aber es war ähnlich trostlos und auf laute Weise unspektakulär, wie das bei solchen Vierteln der Fall zu sein pflegt. Viele betrunkene Menschen, ein paar aufgedonnerte Frauen im Fenster - zerplatzte Träume allenthalben. Ich finde so etwas nicht mehr romantisch, sondern deprimierend. Da lobe ich mir die Chinesen, die das Viertel direkt jenseits des Bahnhofs bevölkern und Läden voll grellen Ramsches feilbieten. Besonders beliebt waren heuer die Winkekatzen - güldene Katjes, die beherzt den linken Arm hoben, warum auch immer, das dafür aber ohne Unterlaß. Auch gab es in manchen Schaufenstern riesige Vasen, in denen entweder kleinere Vasen verborgen waren oder entführte Kinder, denn so große Blumen gibt es ja gar nicht.

Den letzten Tag ließen wir es ganz ruhig angehen und genossen das milde Wetter. Gelegentlich saßen wir auch auf dem Balkon. Das sah dann so aus:

Balkontag

Wir düsten irgendwann ab und landeten wohlbehalten im heimischen Ruhrgebiet. Da wir beide ausgepowert waren bis ins Mark, sanken wir erschöpft und wohlig ermattet in die weichen Kissen. Amsterdam hat uns geschafft, aber im positiven Sinn. Sie ist keine Metropole der unvermeidbaren Sehenswürdigkeiten, sondern bietet sich dem geneigten Betrachter an wie ein sanfter Trunk, der den Gaumen gespannt macht auf mehr. Ein Ambiente-Brunnen der eher unauffälligen Art, wo man selten in Ekstasen verfällt, aber sich stets wohl fühlt. Die Holländer sind - der Radfahrer zum Trotz - ein ungewöhnlich anheimelndes Völkchen. Keine Um-den-Hals-Faller wie die Italiener. Das täuscht ja auch häufig. Sie sind ein bißchen wie meine Norddeutschen - reserviert und vorsichtig, aber korrekt und ohne geheuchelte Behaglichkeit. Wenn man sich da wohlfühlt, kann man davon ausgehen, daß es mit rechten Dingen zugeht. Keine Schwaller und Fremdenverkehrsbuhler, sondern ehrliche Vollwertleute. Hat mir sehr gefallen. Das Land hat jetzt auf jeden Fall zwei Fans mehr...

Balkonnacht

Und das haben wir von meinem Balkon aus gesehen, wenn es dunkel wurde. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Man beachte die Fahrräder - sie sind immer noch da...

P.S.: Den historischen Exzerpt sollte man bitte nicht allzu ernst nehmen, näch.

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