NULL NULL NUDEL: LIZENZ ZUM
ABKLATSCHEN
Italienische Agenten
rund um die Welt

Die Welt ist eine Auster. In achtzig Tagen um den Erdball zu reisen,
galt vielleicht zu Zeiten Jules Vernes noch als Vorrecht einiger
weniger Kosmopoliten, doch im Zuge der medialen Vernetzung des gemeinen
Bürgers hat sich der Globus zu einem Zauberwürfel gewandelt,
an dem jeder (auch jeder Depp) fleißig herumwürfeln kann.
Die unglückliche Folge dieser an sich ja grunddemokratischen
Entwicklung war freilich, daß die Welt dem Zauberwürfel
gefolgt ist: Nach einigen Stunden frustrierten Rumgewurschtels landete
sie in der Ecke, zwischen den anderen abgelegten Spielzeugen.
Wie rosig waren dagegen die Verhältnisse in den swingenden
Sechzigern! Da konnte man noch einer Haremsdame in Abu Dhabi unter den
Schleier schielen und wußte das Privileg richtig zu
schätzen. Natürlich wogten auch die Leinwände im
Rhythmus der Weltmusik, und der Klang der Farben umblies so manches
provinzielle Herz mit dem Fahrtwind der Sieben Meere. Das Filmgenre,
mit dem die Zurschaustellung fremder Häfen und Höfe wohl am
meisten verknüpft wurde, war der Spionagereißer, in denen
Agenten vom Schlage eines James Bond wilde Abenteuer erleben durften -
und wir mit ihnen! Da ja die Italiener gerne den Finger am Puls der
Zeit haben, ging auch für die Mittelmeerspione der Vorhang auf. Im
folgenden eine Auswahl der hübschesten Vertreter dieser prima
Schwippschwappwelle.
OPERATION HEISSE SÜLZE
Das italienische Westernkino hat einigen wirklichen Meistern
Gelegenheit geboten, wertvolle Erfahrungen im Staub der Prärie zu
sammeln, die sie hernach auch in anderen Filmgattungen nutzbringend
anwenden konnten. Sergio Sollima ist solch ein Fall, kennt man ihn doch
hauptsächlich wegen seiner drei großartigen Western LA RESA
DEI CONTI, FACCIA A FACCIA und CORRI UOMO CORRI, die auch seine
persönliche Hochwassermarke darstellen. Nach diesen
Genrehöhepunkten drehte er drei beachtliche Thriller, bevor er
sich dann - nach seiner extrem erfolgreichen SANDOKAN-Reihe - dem
Fernsehen zuwandte. Obwohl er eigentlich mehr dem kopflastigen Lager
der italienischen Filmemacher zuzuordnen ist, hat er seine
intellektuellen Ideen (wie auch seine Liebe zum Kino) stets
unauffällig, aber effektiv in Unterhaltungsfilme eingearbeitet.
Seine ersten drei vollständig eigenständigen Regiearbeiten
waren erstklassige Agentenfilme, mit denen ich diesen Artikel gerne
beginne!
Wie nicht anders zu erwarten, fahren seine beiden AGENTE-3S3-Filme
(gedreht unter dem Pseudonym "Simon Sterling") mit den Konventionen der
Bond-Filme heftig Schlitten. Der erste von beiden ist AGENTE 3S3:
PASSAPORTO PER L'INFERNO (AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN, 1965). Giorgio
Ardisson (ausnahmsweise mit dunklen Haaren) darf hier im Rahmen einer
Ko-Produktion der westlichen und östlichen Geheimdienste den
Aktivitäten eines scheinbar neutralen Spionageringes
nachspüren, der - im Auftrage eines Ex-Agenten namens Henry Dvorak
- versucht, Unfrieden zwischen den Großmächten zu säen.
3S3 klemmt sich zunächst an die Hufe der hübschen Tochter des
entführten Wissenschaftlers Dickson, Irma. Obwohl Irmchen zu
Beginn noch zögert, geht sie vor Ardissons arrogantem Prollcharme
bald in die Knie. Die Reise führt von Wien über die
Türkei in den Libanon. Am besten gefielen mir die Passagen in
Wien, zu denen u. a. eine erstklassige Beatclub-Szene gehört
(Song: "C'mon, let me tell ya" ist hitparadenverdächtig!), in der
Giorgio von einigen richtig rotzigen Rümpeln angemacht wird, dann
nett entgegnet: "Wieso, ich amüsiere mich hier prächtig!" und
dem Chefrocker seelenruhig ein Glas Bier über den Kopf
schüttet. Das führt dann zu Kampfhändeln und zu einer
aufregenden Autojagd. (Auch hier schmiert schmissige Beatmusik den
Fluß der Handlung.) Der Film profitiert von der sicheren
Inszenierung, die die Einzelszenen mit einer gehörigen Portion
interner Spannung ausstattet. Leider ist das Drehbuch aber nicht in der
Lage, diese Spannung über die ganze Laufzeit durchzuhalten, da die
überkomplizierte Storyline (Hemmschuh so vieler Spionagefilme) den
Geschehnissen den langen Atem raubt. Immerhin wird das
Agentengeschäft als ausgesprochen schmutzige, ehrlose und harte
Tätigkeit dargestellt, in der die sich sonst erbittert
bekriegenden Großmächte (im Westen repräsentiert von
Tom Felleghy, im Osten von Fernando Sancho) auch mal ins selbe Horn
blasen, bevor es dann wieder zur Sache geht.
Ein wesentlich zusammenhängenderes Drehbuch besitzt der zweite
Film, AGENTE 3S3: MASSACRO AL SOLE (AGENT 3S3 POKERT MIT MOSKAU, 1966).
Nach dem tollen Vorspannsong "Trouble Galore" wird 3S3 auf die Insel
San Felipe geschickt, wo der größenwahnsinnige General
Fernando Sancho nicht nur die Bevölkerung unterdrückt,
sondern auch einen schwunghaften Waffenhandel betreibt. Daß er
sich jetzt auch der Dienste des Wissenschaftlers Carlston
(DJANGO-Bösewicht Eduardo Fajardo) versichert hat, schmeckt dem
Westen ganz und gar nicht. Und da auch der Osten seine Vorbehalte hat,
schickt ihm der KGB noch den großen bösen Frank Wolff auf
den Hals.
Nach einer praktischen Lektion in Sachen Waffenhandel (Flugzeug
gerät ins Schlingern, worauf man die Verladeluke öffnet und
die Besatzung herauspurzeln läßt, die leichter zu ersetzen
ist als die Ladung) wird 3S3 - der sich selbst als Waffenhändler
ausgibt - vom Diktator mit offenen Armen empfangen. Als Leckerli am
Rande gibt es noch einen faschistisch gedreßten Michel Lemoine
als Sicherheitschef (stets flankiert von äußerst
gefährlich aussehenden Hunden) und das Teufelsweib Josefa, die
ihre beste Szene hat, als sie die Wehrsportübungen der Soldaten
unterbricht, um eine kleine Demonstration des Panzerfaustgebrauchs zu
geben: Sie hält einfach ungerührt auf eine Traube Soldaten,
die dann alle lustig den Weg runterkullern... Man gewinnt ganz den
Eindruck, daß Menschenrechte hier nicht großgeschrieben
werden.
3S3 muß sich dann noch mit einer Horde wohlorganisierter
Freiheitskämpfer herumschlagen und einer britischen Kollegin, die
alles in allem ganz schnuckelig aussieht. Bevor dann Doktor Fajardo
seine Giftgasraketen abzufeuern vermag, kommt es zu einem finalen
Großgeballer, das die Fronten klärt... In der deutschen
Fassung fehlen angeblich 30 Minuten.
In Deutschland wurde auch noch Mino Guerrinis Nouvelle-Vague-Thriller
OMICIDIO PER APPUNTAMENTO herausgebracht als AGENT 3S3 SETZT ALLES AUF
EINE KARTE, der mit den anderen beiden Filmen außer dem
Hauptdarsteller nicht viel gemein hat, aber in jedem Fall ein echtes
Schnäppchen darstellt. Sollima drehte noch den rabenschwarzen
REQUIEM PER UN AGENTE SEGRETO (DER CHEF SCHICKT SEINEN BESTEN MANN), in
dem der elegante Charme von Held Stewart Granger aufs Trefflichste mit
seinen sehr wohlfeilen Methoden kollidiert. Danach begab sich Sergio in
den wilden Westen und schuf seine besten Filme. Giorgio Ardisson hat
mittlerweile den Löffel gereicht. Wer ihn mit heruntergelassenen
Hosen erleben will, kann dies tun in Mario Sicilianos EROTIC FAMILY.
Leider ist er nicht in den Hardcoreszenen drin; das wäre einfach
zu schön gewesen... Dann hätte man mit Fug und Recht
behaupten können: Agent 3S3 setzt alles auf eine Karte!
KENNWORT BLAUE KAKERLAKE
Also, es ist nämlich so: Bevor er die "Tagesthemen" gemacht hat,
war Ulrich Wickert Schauspieler in Italien! Die wenigsten wissen das,
jaja. Als "Alberto Lupo" begeisterte er die Massen in zahlreichen
Kostümfilmen und Abenteuerschnulzen. Und einen Agenten mimte er,
nämlich in Umberto Lenzis 1965 gedrehten A 008 OPERAZIONE
STERMINIO (HEISSE GRÜSSE VOM C.I.A., 1965), dem besten von etwa
drei oder vier Genrefilmen des Regisseurs.
Agent 606 des britischen Geheimdienstes (Lupo) wird nach Kairo
beordert, wo ein Professor einst ein Anti-Radar-Dingsda erfunden hat,
mit dem jetzt eine Masse Schindluder getrieben wird. Zur Hand geht ihm
hierbei Agent 008 aus Amerikanien, der sich als die wunderhübsche
Ingrid Schoeller erweist. Diese Erika Blanc ziemlich ähnlich
sehende Spionistin läßt sich in einem dubiosen Nachtclub als
Sängerin dingen, um Anschluß zu finden. Ein Orientale namens
Tsatsiki (oder so ähnlich) macht ihr Vorhaben einfach, denn er
lädt sie zu sich nach Hause ein... unter dem Vorwand, ihr
unbedingt seine Jadesammlung zeigen zu müssen. (Manche Menschen
schrecken vor nichts zurück!) Der Chinamann wird aber gemeuchelt,
und los geht die wilde Hatz: Lupo schmeißt einen Angreifer
kurzerhand vom Turm, Ingrid läßt sich von einem grimmig
aussehenden Sal Borgese mit einer Art
Freddy-Krueger-Gedächtnis-Handschuh quer über den Basaar
jagen und landet im Schönheitssalon "Charmant". Als man dann den
Erfinder (einen Schweizer namens Hans Mainz!) gefunden zu haben glaubt,
ruinieren böse Hände erst die Bremsleitung von Lupos Auto und
versuchen dann, das Agentenpärchen zu vergasen. (Die Bemerkung von
Ingrid - "He must have been a member of the SS!" - ist wohl etwas
geschmacksunsicher.) Schließlich gelingt es den beiden aber, die
Radarfalle von Kairo zu zerstören. Die Pläne freilich sind
noch nicht geborgen, und so begeben sich die beiden Guten in die
Schwyz, genauer, gen Zermatt, wo der Oberbösewicht
genüßlich zermattet wird.
Das Format des Filmes ist eher das einer Parodie, stets darum
bemüht, die eigene Storyline ad absurdum zu führen.
Natürlich liest Lupo "Leben und sterben lassen"; natürlich
techteln und mechteln die beiden Protagonisten ständig miteinander
herum; und selbst die Geschichte mit den Erkennungsparolen wird
verulkt. ("Das Baby hat Fieber!" - "Dann bleiben Sie gefälligst
zuhause, Sie Depp!") Die Sehenswürdigkeiten von Ägypten
werden sattsam vorgeführt; warum auch nicht. Ivano Staccioli gibt
einen guten Schurken ab - was soll er mit seinem Gesicht sonst auch
anfangen? Insgesamt eine höchst unterhaltsame Angelegenheit, deren
Humor hier nicht von einer prolligen Synchro stammt, sondern einem
spaßigen Drehbuch. Ob der Film hier auch auf Video rausgekommen
ist, weiß ich nicht. Meine Fassung war auf englisch mit
venezuelanischen Untertiteln! Erwähnt sei auch noch die gute Musik
von Lavagnino, dessen Kompositionen zu den Margheriti-SF-Filmen aus den
Sechzigern jetzt auf CD vorliegen und eine echte Anschaffung darstellen.
Ein weiterer Lenzi ist LE SPIE AMANO I FIORI (DIE HÖLLENKATZE DES
KONG-FU), der im Folgejahr entstand und bei uns als HELL CATS auch auf
Video erschien. (Da hat die Katze also Junge bekommen...) Die
Videofassung dieses Filmes ist von beeindruckender Hunzqualität
und macht aus einem ansonsten eher mittelprächtigen
Spionagereißer der ernsten Sorte ein surreales
Kabinettstückchen. Tatsächlich war ich nicht in der Lage,
herauszufinden, wovon das Ganze eigentlich handelt!
Beginnen tut das Spektakel mit einem Stierkampf, bei dem nicht nur der
Stier zu gewinnen scheint (ich persönlich applaudiere jedem Stier,
der einen Torero plattmacht!), sondern auch eine junge Frau an einer
Flasche Cola nuckelt und verstirbt. Ihren mißlichen Zustand nutzt
Geheimagent Roger Browne (der Spion mit dem größten Gesicht
Italiens, von der Seite die reinste Halbmondsichel!), um ihr eine Art
Massagestab aus der Tasche zu stibitzen. (Merksatz im
Rechtschreibelexikon: "Ich habe meiner Schwester eine Praline
stibitzt.") Der Dildo ist aber in Wirklichkeit ein Elektroskometer, mit
dem man auf Nuklearbasis das Harz an Bäumen messen kann. Wieso
Roger daraufhin von seinem Boß rund um die Welt geschickt wird,
kann nur vermutet werden - zu zerfurcht von Bildsprüngen und
Schnitten ist die Kopie. Der "Film-Dienst" sprach seinerzeit von
"schier ununterbrochenen Grausamkeiten". Auf Video kann man nur noch
von "schier" reden. Schreibt man nach der "neuen deutschen
Rechtschreibung" (=von Idioten für Idioten) die Mehrzahl
(=Meerzahl?) von "Ski" jetzt genauso? Mal nachschauen... aber nein, ich
bleibe hängen, und zwar an dem Wort "Schlangengurke"! Igitt...
Meiner persönlichen Interpretation nach ist Agent Browne auf der
Suche nach dem Grund für sein großes Gesicht. Er
recherchiert in Paris, in Brüssel und schließlich in Athen,
wo er verschiedene Leute kaltblütig erschießt. Einer davon
ist ein ghanesischer Rollstuhlfahrer; ein rechter Grimmbo noch dazu.
Feindliche Agenten hetzen ihn, wo immer er auftaucht, aber das ist eben
das Los von James Bonds Nacheiferern. Verfolgungsjagden finden statt an
illustren Plätzen wie dem Brüsseler Prater (heißt das
da so?) und dem athenischen Hafen Piräus. Roger stößt
schließlich auf einen griechischen, aber verwirrenderweise von
einem Türken geführten Blumenladen, in dem die Asiatin Yoko
Tani arbeitet. Ihr Boß ist der "Drache von Kong-Fu" und stellt
sich als Rogers Boß heraus, der einen schwunghaften Handel mit
Massagestäben betreibt, die offensichtlich in Yuccastauden
geschmuggelt werden. Sal Borgese taucht auch wieder auf und trägt
hier gar ein Hörgerät im Ohr. Vielleicht lief während
der Dreharbeiten auch nur AS Rom gegen Inter. Roger versucht
schließlich, über einen besonders bösen Bildsprung
hinüberzusetzen und verschwindet in der Spalte. Schier halt.
MISSION GEILER NIKOLAUS
Wer sich einen Giorgio-Ferroni-Film ausleiht, der tut für
gewöhnlich ganz gut daran, denn der dokumentargeschulte Mann
lieferte meist Beachtliches. Seine Sandalenfilme gehören etwa zu
den besten ihrer Art; die Western machen Spaß; und die beiden
Horrorfilme (DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN und NIGHT OF THE
DEVILS) bescheren dem Betrachter eine Latte, auf der sieben Raben Platz
haben. Was war von diesem Regisseur im Agenten-Genre zu erwarten?
Die Antwort gibt NEW YORK CHIAMA SUPERDRAGO (HÖLLENJAGD AUF HEISSE
WARE, 1966), in dem der amerikanische Toughie-Darsteller Ray Danton auf
die Pudelquaste drückt. In der ersten Szene dieses vielleicht
besten KONVENTIONELLEN Agentenfilmes aus Italien betritt eine Lady in
Pink den Garten eines Mannes, der yogarös verrenkt neben dem
Swimmingpool ruht. Sie greift zu einem gelegen daliegenden Dolch und
piekst den Mann in die Seite. Geheimagent Brian Cooper kriegt aber
nichts mit, denn er logiert auf einem fremden Planeten. Erst als sie
sein Metronom abstellt, erwacht Ray aus dem Tiefschlaf. Seine Freundin
Gabi - Agentin wie er - teilt ihm mit, daß bereits zwei Kollegen
dabei ums Leben gekommen sind, als sie versuchten, hinter das Geheimnis
einer Schule in Michigan zu kommen. Dort nämlich tragen sich
scheußliche Dinge zu: Herzschläge, Depressionen,
Schlägereien... Alles das, was in einer Großstadtschule zum
Alltag gehört, aber in Michigan eher verärgert. Cooper findet
es gar nicht toften, daß man ihn im Urlaub mit derlei Firlefanz
behelligt, aber da einer der beiden toten Agenten ein Freund war,
willigt er ein.
Die erste Spur führt in eine Bowlingbahn, wo junge Menschen zu
wilden Rhythmen ausgelassen tanzen. Jacques Herlin verkauft Kaugummis
an Jugendliche, die sich hernach die Rübe einschlagen. Ray will
den Mann zur Rede stellen, hat aber nur noch dessen sterbliche
Hülle in den Armen. Immerhin bekommt er heraus, daß die
Drogen - denn ja, die Kaugummis sind verdrogt - in chinesischen Vasen
aus Amsterdam eingeschmuggelt werden. Zusammen mit dem Knastologen Jess
Hahn begibt sich Ray ins Land der tanzenden Tulpen und glücklichen
Joints.
Als Kontaktperson stellt sich Marisa Mell heraus, die den Codenamen
"Rembrandt 13" hat. (Ach ja, Rays "nome dell'arte" ist natürlich
"Superdrago"; für einen nicht genannten Fußballtrainer
slawischer Abstammung wäre das ein guter Spitzname gewesen!) Da
ihm die taube Margaret Lee auf dem Dach nicht so lieb ist wie Marisas
Spatz in der feuchten Patschehand, wird erstmal satt gebürstelt.
Ein Millionär namens Lamasz (Lahmarsch?) steckt den Kopf zur
Tür rein und möchte auch in den Fall verwickelt werden. Kann
er haben: Er steht einer Verbrecherorganisation vor, die mit Hilfe
einer neuen, nicht detektierbaren Droge "eine neue Ordnung, die alle
glücklich macht" errichten will. Zu diesem Behufe hat man die
Teenies im College als Versuchskaninchen mißbraucht. (Wozu sind
Teenies sonst auch gut?) Bis Ray aber den Geheimbund gesprengt hat,
vergehen viele muntere Minuten, in denen Ray u. a. in einen Sarg
gesteckt und versenkt wird; ein Salon durch Zuführung harter
Drogen zu einem Saloon wird; und Bösemännchen Marco Guglielmi
auf seiner eigenen Stromfolter gebraten. Guglielmi (der ein ziemlich
unglaubliches Gesicht hat) begleitete Regisseur Ferroni bereits bei den
VERSTEINERTEN FRAUEN nach Holland. Danton erlebt hier (nach Francos
LUCKY EL INTREPIDO) den zweiten Maskenball des Jahres 66. "Rembrandt
13" ist natürlich eine Fälscherin und muß dafür
bezahlen. Margaret Lee zeigt leider kein nacktes Fleisch; täte sie
dies, so hätte der Zuschauer auch hier ihre riesigen Brustwarzen
bewundern können, die der Traum eines jeden Mamillenschneiders
sind. Die Droge trägt übrigens den tollen Namen "Synchron";
es gibt auch ein Gegenmittel, das folgerichtig "Antisynchron"
heißt und leider nie an Rainer Brandt ausgeteilt worden ist.
Bevor die Welt synchronisiert werden kann, ist der Film zu Ende und
läßt den Zuschauer mit der Frage zurück, ob der tolle
Score von Benedetto Ghiglia mal auf LP erschienen ist. Die Antwort
muß lauten: Ja.
Urteilt man allein aufgrund der allgemeinen handwerklichen Sicherheit,
so ist SUPERDRAGO bestimmt der beste Film seiner Gattung. Ferroni hatte
während seiner Schaffensperiode nie einen Durchhänger.
Lediglich sein Schwanengesang - der 1975 hergestellte ATTENTI,
RAGAZZI...CHI ROMPE, PAGA (deutscher Videotitel: DIE FUNNY-DRIVERS!) -
ist eine türkische Bombe von einigen Gnaden. Alle anderen Ferronis
sind absolute Kracher. Zu Ray gleich noch mehr.
KOMMANDO SCHWARZER PETER
Selten, ja selten hat es mir solche Schwierigkeiten bereitet, einen
Text anzufangen wie die Agentenstory. Das liegt wohlgemerkt nicht an
den zu behandelnden Filmen. Viel eher gibt es im Leben eines jeden
kreativen Menschen Perioden, in denen sich das Gehirn in eine
träge, fettige Wurst verwandelt, die nutzlos in der
Schädelkapsel vor sich hin siecht. Ständig auf der Suche nach
einer Entschuldigung, die drohende Arbeit hintanzustellen, ergibt sie
sich schließlich der Schande der Untätigkeit.
Eine ähnliche Wurst muß wohl auch Rick van Nutter in seinem
Kopf gehabt haben, wenn auch aus anderen Motiven. Denn nach seinem
Auftritt als Felix Leiter in THUNDERBALL fiel für diesen
vermutlich angelsächsischen Akteur der Vorhang, zumindest im
Hinblick auf internationale Großproduktionen. In ungefähr
einer Handvoll italienischer Filme (zumeist Western) dümpelte er
noch ein wenig herum, bevor er dann endgültig im Morast der
Anonymität versank. Vielleicht bremste die Flasche seinen
Niedergang, so daß der Fall nicht allzu schmerzhaft war...
In UN COLPO DA MILLE MILIARDI (TURKISH CONNECTIONS, 1966) von Paolo
Heusch hatte Ricky Gelegenheit, von der zweiten Agentengeige zum ersten
Violinisten zu avancieren: Als Ted Fraser ist er Geheimagent CD7, dem
es obliegt, das Verschwinden eines Technikers zu untersuchen, der in
einem geheimen Forschungslabor tätig war. Nachdem es "Puff"
gemacht hat und einige Laboranten den VIRUS-Effekt kennengelernt haben,
hat der geflüchtete Fulton das Geheimnis der Gamma-Strahlen in
seinem Körper. Die Spur führt nach Istanbul, wo Rick sofort
in der Hafenkneipe "Paradies auf Erden" landet, die von
Ex-Franco-Darsteller Alberto Dalbes geleitet wird. Hauptattraktion der
Kaschemme ist die hübsche Princy (Marilù Tolo), die -
eigentlich Tochter eines reichen Reeders - sich im Abschaum der
Menschheit suhlt und sich - oh Schreck! - dabei auch noch richtig
wohlfühlt. Rick merkt, daß ihn das mißratene Gör
weiterbringen kann, boxt sich mit einem schwarzen Loddel herum und
schleppt dann die vollkommen ausgepowerte Princy nach Hause: Deadbeat
at Dawn.
Reederpapa Theolodzpoulos (oder so ähnlich) wird vom verdienten
Eduardo Fajardo gespielt und ist begnadet widerlich. Tatsächlich
hat der böse Oheim mit seiner Stieftochter ein schmuddeliges
Verhältnis angefangen und hält sie auf Drogen. Sein
böser Plan, so stellt sich heraus, umfaßt die Kaperung eines
Urandampfers, mit dessen Hilfe dann der gesamte Suez-Kanal verstrahlt
werden soll... Ob Reeder wirklich solche skrupellosen Menschen sind,
weiß ich nicht; da kann ich nicht mitreeden. (Ja, man muß
schon tief in die Kiste der Plattheiten greifen, um sich aus einem
kreativen Loch emporzuwuchten!) Wird Agent CD-ROM es schaffen, die
Urin-Verstrahlung unserer beschneidungswütigen Ägypterfreunde
zu verhindern? Und hat Rick die Marilù gebürstelt? Fragen
über Fragen, die hier nicht beantwortet werden wollen.
Rick nestelt die ganze Zeit über nervös mit seinen
Händen herum und schaut mißgelaunt. Vielleicht ist ihm das
Gespenst seiner Vergessenheit bereits im Traume begegnet. Marilù
gibt hier eine ihrer Sixties-Schlampen, wie nur sie sie zu geben
vermochte. In den Siebzigern verlegte sie sich auf Seventies-Schlampen.
(Das war wieder einer für die kreative Kiste!) Philippe Hersent
spielt den Ex-Nazi-Wissenschaftler Gottlieb (in der deutschen Fassung
heißt er Jankowicz, wieso nur, grübel...), der auch gern mal
gesunde Patienten mit Krebs total dichtstrahlt. Abgesehen von einigen
törichten Dialogpassagen ("Die Dummköpfe nehmen den Tod ernst
- im Grunde ist er etwas vollkommen Harmloses!") präsentiert sich
der Film relativ ernst und fällt angenehm aus dem kalauernden
Rahmen. Irritierend der ehemalige deutsche Kinotitel FRAUEN ALS
KÖDER FÜR CD7, der nun wirklich gar keinen Sinn ergibt.
Regisseur Heusch (spricht sich aus, wie er sich schreibt) ist eh ein
verläßlicher Kunde und steht meist für gutes Handwerk
mit realistischen Kanten. (Auf sein Konto geht auch der erste
italienische SF-Film, LA MORTE VIENE DALLO SPAZIO, von 1958.) Angemerkt
sei auch, daß Piero Umiliani ("Mahna-mahna,
da-dü-da-dibbi...") eine gewohnt hörbare Schubidu-Musik
liefert, deren Höhepunkt ein Schluchzer namens "L'alba viene a
cercare te" ist. Das Lied ist angeblich als Single erschienen, wurde
aber das letzte Mal in einem Eskimoiglu im Beringmeer gesichtet.
Immerhin, seinen prachtvollen Soundtrack zu Scattinis Mondo-Film
SVEZIA, INFERNO E PARADISO kann man sich noch kaufen: 70 Minuten
fröhlicher Leichthör-Musik zum Mitsteppen, inklusive des
ursprünglichen "Mahna-Mahna"... Das singt auch der Rick, und zwar
bis zum heutigen Tag!
TODESCHIFFRE NASSER SACK
Ein Mann betritt ein Pfandhaus. Es handelt sich nicht um eine Person,
die den unbescholtenen Betrachter sofort mit viel Hoffnung für die
Zukunft ausstattet: grimmige, hagere Züge; hellblondes, fast
weißes Haar, eine Seite new-wavig über das Gesicht fallend;
ein Geigenkasten in der Hand. Und tatsächlich, aus eben diesem
Geigenkasten fördert er eine dicke Wumme zutage und macht den
alten Pfandleiher hin. Im Hintergrund nudelt ein Fernsehgerät und
berichtet von dem Boxkampf Rollin gegen Troller (!), bei dem zwar
niemandem das Ohr abgebissen wird, aber es geht auch so hoch her:
"...Beinarbeit, die den bulligen Neger sichtlich nervös macht."
Hui, mich machen solche Synchros auch sichtlich nervös. Hier
schüfe eine Prise Antisynchron Abhilfe. Immerhin setzt der Killer
beim Rausgehen einer Papststatuette den Kopf auf!
Schwenk auf den Kampf selbst. Der britische Geheimagent Ralph Lester
ist offenbar Boxfan und fühlt sich wohl. Unruhe kommt auf, als ein
Freund von Lester Ärger mit dem dubiosen Mr. King bekommt, dem er
Geld schuldet. Lester versucht zu intervenieren, aber King ist ein Mann
ohne Herz. Geschoben ist der Kampf auch noch.
Ein Dollar verrät Lester, daß hier eine Verbindung zu einem
offenen Fall vorliegt. Sein Boß weiß zu berichten,
daß sogar das Kennedy-Attentat involviert ist. Was allerdings
King mit der Sache zu tun haben könnte - der ein hohes Tier bei
der US-Raumbehörde ist -, ist ungewiß. Nachdem Lester den
Albinokiller aus dem Fenster geworfen hat, begibt er sich nach
Barcelona, wo Barbara, Trägerin eines der mysteriösen
Dollar-Scheine, gesichtet wurde. Bei seinem Tun unterstützt ihn
ein als besonders säulenheilig verschrieener Kollege - Deckname
"Der Priester" -, der sich als hübsche Frau entpuppt.
Großartig ist hier die Szene, in der Lester die hübsche
Barbara abschleppt: Er gibt ihr Feuer, schaut ihr in die Augen und
führt sie wortlos von dannen. Daraufhin labert er ihr die Tasche
voll - "Ich bin ein unglücklicher Verehrer von Mannequins" ist da
noch das Brauchbarste - und schleckt sie ab. Poppen kann er sie
allerdings nicht mehr, da auf einmal "Der Priester" im Zimmer steht,
und da kann natürlich keiner mehr! "Amerika hat die Frauen
ruiniert und logischerweise sind jetzt die Frauen dran und ruinieren
Amerika!" lautet sein Kommentar.
Gemeinsam werden die beiden dann von "Madame Null" gekascht, die sich
mit lauter Frauen umgibt und nicht nur darin Lester nicht ganz
unähnlich ist: Beide sind Söldner, die das machen, wofür
sie bezahlt werden. Beide würden nicht zögern, sich
gegenseitig umzupusten, sollte dies der Auftrag erfordern, aber
zwischen beiden besteht auch eine gegenseitige Achtung voreinander.
Tatsächlich aber geht es um eine Geheimorganisation namens "V3",
die gleichzeitig Moskau, Washington und Berlin-Zehlendorf
erpreßt: Jede Nuklearrakete kann von den Dunkelmännern
ausmanövriert und für eigene Zwecke mißbraucht werden.
Man verlangt die bedingungslose Kapitulation. Kann Agent Lester die
Welt vor Dr. King und seinen schwarzen Horden retten?
SICARIO 77 VIVO O MORTO (SICARIO 77 - DAS GEHEIMNIS DER TÖDLICHEN
STRAHLEN, 1966) ist eines der drei Meisterwerke, die Mino Guerrini um
diese Zeit verbrochen hat. Ich zögere nur deswegen, ihn als besten
Agentenfilm der italienischen Produktion zu bezeichnen, weil er
handwerklich dermaßen ausgefallen operiert - fast schon
experimentell -, daß er wirklich eine Klasse für sich
bildet. Vergleichbar ist er am ehesten mit Guerrinis OMICIDIO PER
APPUNTAMENTO (AGENT 3S3 SETZT ALLES AUF EINE KARTE), in dem ebenfalls
mit deutlichen Anleihen bei der französischen "Nouvelle Vague"
eine schwarze Gangsterstory erzählt wird ohne Wenn und Aber,
unterstützt von einem guten Fernando-di-Leo-Drehbuch. Der visuelle
Stil von SICARIO 77 ist total abgefahren: Schwenks, handgehaltene
Verfogungsjagden, bizarre Winkel - super! Da macht die Verbrecherhatz
Spaß... Eine gewisse visuelle Verliebtheit mit spiegelnden
Oberflächen war auch in Guerrinis GANGSTERS 70 (GANGSTER STERBEN
EINSAM) feststellbar. Die erstklassige Kameraarbeit (deutsche Fassung
segensreicherweise letterboxed, sonst hätte man da überhaupt
nichts mehr erkannt!) stammt von Camillo Bazzoni und Vittorio
APOCALYPSE NOW Storaro. Wie in den anderen Guerrinis geht es
vergleichsweise herb zur Sache: Einer der Untergangster hat eine
Peitsche mit Haken dran, mit dem einem Agenten ein Auge rausgekloppt
wird, der dann auch die ganze Schlägerei lang wild herumheult. Zu
den weiteren Attraktionen gehört eine spannende
Seilbahn-Verfolgung und die aufregende Finaljagd, die in der
berühmten Kathedrale Sagrada Famiglia in Barcelona gefilmt wurde -
total chefig. Lester wird gespielt von dem Amerikaner Robert Mark, der
übrigens bitte nicht zu verwechseln ist mit Robert Widmark alias
Alberto dell'Acqua, einem Mitglied einer Familie von Zirkusakrobaten.
Mark hat nur in wenigen Western und zwei, drei anderen Sachen
mitgespielt. Eine totale Sensation ist aber der Advokat des bösen
King, denn der wird gespielt von Demofilo Fidani, sonst im Regiestuhl
zu Hause! Als böser Dr. Krauss hat auch Luciano Rossi noch einen
Kurzauftritt; er taucht auch in OMICIDIO kurz auf und wird dann vom
Dach geschmissen oder so was Feines... Die Filmmusik ist vorwiegend
jazzlastig und immerhin singlemäßig verwertet worden. "Es
gibt keine Ideale mehr" ist ein Dialogsatz. "In unserem Beruf sind die
Verrückten an der Tagesordnung" ein anderer. Beide geben gut die
desillusionierte Grundstimmung eines aufregenden Actionkrachers wieder,
den man sich nicht entgehen lassen sollte. Wenn man grundsätzlich
noch kein Interesse an diesem Genre gehabt hat, wäre SICARIO 77
ein blendender Einstieg.
PASSWORD FEUCHTER EBER
Ein hübsches Beispiel italienisch-spanischer Freundschaftskultur
ist auch Giorgio Steganis 1966 herausgekommener AGENTE LOGAN MISSIONE
YPOTRON (MIKE MURPHY 077 GEGEN YPOTRON). Die erste Frage, die der Film
aufwirft, hat mit dem titelgebenden Agenten zu tun, denn Luis Davila
(Pseudonym: Luis Devil) heißt in der deutschen Fassung "Mike
Murphy". Besagter Murphy wird in der Sommerhitze seiner Ferien besucht
von einem Kollegen, aber auch dieser Kollege heißt nicht Logan,
sondern Wilson. Wie es scheint, ist der berühmte Professor Morrow
von Unholden gekascht worden. Murphy ist Morrow freundschaftlich
verbunden, da ihm dieser einst das Leben rettete: Ein fieser
Wissenschaftler namens Leikmann (ein Name, der Assoziationen weckt)
wollte Murphy einst ans Leder, um ihn für unmenschliche Versuche
zu mißbrauchen. Durch Morrows beherztes Eingreifen konnte
dräuendes Unheil abgewendet und Leikmann unschädlich gemacht
werden. Morrow-Töchterlein Jean sieht aus wie Audrey Hepburn mit
Zöpfen und will Mike dem Murphy zu Beginn nicht so recht
vertrauen. Natürlich steht sie bereits in Kontakt mit den
Entführern, will aber das Leben des Oheims nicht durch Gequatsche
gefährden. Murphy gelingt es aber trotzdem, den Bösewichten
auf die Spur zu kommen. Diese führt zur Weltraumkapselfabrik
(haben wir hier auch um die Ecke!) "Monosabre", wo Mike eine
Führung mitmacht und sofort im Schwerkraftsimulator landet. Bevor
aber Mikes Innerstes nach außen gekehrt werden kann, erscheint
Franco-Aktrice Janine Reynaud (mit blonder Perücke) und befreit
den gebeutelten Meisterspion.
In Gestalt von Argentinier Alberto Dalbes ist sogar noch ein zweiter
Francomane dabei, als böser Chef des Versuchslabors "Indra". Er
steckt knöcheltief im bösen Spiel, ist aber
schließlich, wenn die Rechnung präsentiert wird, nur
für einen Trostpreis gut. Auch Janine wird von einem Todesstachel
dahingerafft, der seine Opfer in einen Lähmungszustand verfallen
läßt, der wenig Spaß zu machen scheint und mit dem
Tode endet. Am Schluß schaut dann auch noch der gute Leikmann
rein, alle schütteln sich nett die Hände und ballern sich
dann über den Haufen.
Jau! Das erfreulichste Element dieses sehr ordentlichen Agentenfilmes
ist Nico Fidencos tolle Musik, mit einer ewig wiederkehrenden
E-Gitarre, die lauter wimmert als ein ganzer Schwarm Klageweiber. Unter
den Toughies des Filmes befindet sich Luciano Pigozzi, häufiger
Margheriti-Mitstreiter mit dem ganz speziellen Gesicht, der hier
meistenteils ausschaut wie ein grummeliger Fisch. Fernando Bilbao ist
sowas wie Spaniens Antwort auf George Eastman; ja, auch er arbeitete
mit Franco zusammen und zwar als Frankensteins Monster! Von Franco wird
übrigens demnächst bei "Crippled Dick" eine CD mit Jazzmusik
erscheinen. Die Musik ist sehr fein und enthält unter anderem eine
Version von Daniel Whites schöner Musik zu LA COMTESSE NOIRE. Mr.
White ist übrigens gerade verstorben - Friede seiner Asche.
Stegani begann seine Karriere mit einer persönlichen Empfehlung
von niemand geringerem als Jean Renoir, die ihn in eine längere
Zusammenarbeit mit Giorgio Ferroni führte. Am besten gelungen sind
Stegani seine Western (u. a. GENTLEMAN JO...UCCIDI! mit Anthony
Steffen). Später drehte er einen sozialkritischen Film mit Ornella
Muti (IL SOLE NELLA PELLE/ZU TODE GEHETZT), einen erotischen Film mit
Eleonora Giorgi (DISPOSTA A TUTTO) und den recht sleazigen MILANO: IL
CLAN DEI CALABRESI, in dem Mafiaboß Antonio Sabàto auf
seiner Flucht vor Polizei und befeindeten Gangstern in ein
Versuchslabor gerät, sich da infiziert und eine Seuche
verbreitet... Zuletzt hörte man von Stegani als Drehbuchautor bei
einigen der besseren Episoden von Lamberto Bavas unveröffentlicht
gebliebener Thriller-Reihe ALTA TENSIONE. Details zu diesen Filmen
findet man in einem gerade erscheinenden Buch über italienische
Horrorfilme, DAS WILDE AUGE, Corian-Verlag - Autor habe ich vergessen.
GEHEIMAUFTRAG SAFTQUALLE
Nicht nur im Westerngenre leisteten sich italienische Produzenten
zahlreiche Zusammenarbeiten mit den westgelegenen Mittelmeerkollegen.
Auch Italiens Spezialagenten vertauschten an und ab ihre
blutverschmierten Makkaroni mit leckerer Paella. Man nehme etwas Reis,
füge saftigen Safran hinzu, schnibbele Fisch, Muscheln und
weiteres Geschnetz hinzu - da läuft einem jeden doch das Wasser im
Munde zusammen!
Nur am Rande agentös, aber extrem empfehlenswert ist der 1967
hergestellte IL SAPORE DELLA VENDETTA (span. PERSECUCION HASTA
VALENCIA) von Julio Coll, der bei uns unter dem Videotitel KILL BUSTERS
(grummel!) seine Erstveröffentlichung erfuhr.
Hauptdarsteller Tom Tryon ist ein ganz faszinierender Fall für
sich, da dieser amerikanische B-Darsteller später zum
erfolgreichen Bestsellerautoren avancierte und u. a. die Vorlagen
fertigte zu dem kreuzunheimlichen Horrordrama THE OTHER und Billy
Wilders Mystery FEDORA. In KILL BUSTERS (angeblich auch als DIE
BLUTSPUR erhältlich) spielt er den ehemaligen Interpolagenten
Harry Bell, für den auf Geheiß seiner schmuddeligen
Vorgesetzten einst die Glocke läutete, und für Harry
hieß das drei Jahre Knast. Was Wunder, daß sein Herz nicht
mehr für den Staatsdienst schlägt. Für teures Geld
verdingt er sich stattdessen bei dem zwielichtigen Mafioso Marco, der
mächtig in der Patsche sitzt: Andere Dunkelmänner haben sich
mit einer dicken Drogenladung davongemacht, die für Marcos
Geschäftspartner bestimmt war. Wenn Marco den Stoff nicht wieder
auftreiben kann, dann läutet für ihn eine Glocke ganz anderer
Art. Harry, obwohl nicht gerade ein Freund des Gangsters, kann die
Kohle gut gebrauchen und willigt ein.
Zuerst führt die Handlung nach Barcelona, wo Harry nicht nur
katalanischen Schönheiten nachsteigt, sondern in der Privatwohnung
eines kleinen Ganoven die Hippiebraut Jill kennenlernt, die sich in
ihrer unkomplizierten Art selbst eingeladen hat. Diese vorlaute
Rothaarige hat echte Autoritätsprobleme, die auch dem eher
machomäßig eingestellten Harry voll auf die Nerven gehen.
Natürlich läuft er ihr ständig über den Weg, bis er
sich schließlich dazu entschließt, sie zu seiner
Privatsekretärin zu machen. Vorher wird er aber noch ein
bißchen zusammengedroschen (man will dort ausprobieren, ob er gut
brennt) und lernt einen Interpolagenten namens Max Meishofer kennen,
der zwar wie er hinter der Sore her ist, aber irgendwie auch ganz okay.
Die Spur führt Harry bald nach Roma, wo eine internationale
Transportfirma den Deckmantel für das Drogengeschäft
abzugeben scheint. Zwischendurch muß dann Interpol-Maxe die
Meisen von unten betrachten, was Harry wurmt. Aber der Tote gibt ihm
den wichtigen Hinweis, daß der große Boß auf einer
Orangenplantage in Valencia zu finden ist.
Der Film ist wesentlich besser als Colls andere Europroduktion in
diesem Feld, SECHS PISTOLEN JAGEN PROFESSOR Z., die unter anderem mit
Klausjürgen Wussow geschlagen war. Vielleicht ist es das
ausgesprochen gute Drehbuch (von Sergio Donati und Vielschreiber
Santiago Moncada), das KILL BUSTERS zu einem echten Knaller werden
läßt, denn der Film funktioniert jenseits des reinen
Spektakels auch ganz gut als Drama - selten in diesem Genre. Die sehr
ungewöhnliche Beziehung zwischen Agent-Gangster Harry Bell und
seiner Hippiefreundin ist eindeutig Vater-Tochter-konnotiert,
läßt aber gleichzeitig durchscheinen, daß das
Mädchen in seinem freiheitsdurstigen Idealismus dem zynisch
gewordenen Helden einiges voraus hat. Sie merkt, daß er gefangen
ist "in irgendeiner furchtbaren Falle". Er selber gerät jedenfalls
mächtig ins Wanken. Zuerst noch reiner Realmensch ("Bist du
moralisch?" - "Ich weiß gar nicht, was das ist!"), spürt er,
daß ihm etwas Wesentliches verlorengegangen ist. Auch die
Beziehung zum "guten" Interpolagenten Meishofer - obwohl
grundsätzlich gewohnte "Buddy"-Kost - hat ungewöhnliche
Subtilitäten, die sie glaubhaft und interessant machen. Unter den
Schauspielern stechen hervor: Lorenza Guerrieri, hübsch wie die
Sünde, als Hippienixe; Westernspezi Mirko Ellis als Interpolizist;
und Fiesnik Franco Ressel in gewohnter Form als Marcos böser
Partner. Die Musik von Marcello Giombini ist eine seiner besten -
Höhepunkt sicherlich die Durchführung von Lorenzas
Liebesthema als Hippiesong am Strand, der sich wie ein
Westernschluchzer ausnimmt und echten Mitschnipscharakter besitzt.
Produzent Manuel Cano inszenierte später den
Greenwood-Kultknüller DER SUMPF DER RABEN, der neben einer
unglaublichen Synchro auch eine echte Autopsie besitzt. Es gibt viele
gute Gründe, sich KILL BUSTERS anzuschauen. Ach ja, und er leistet
sich sogar den Luxus eines tragischen Endes...
Ein anderer guter Spanierfilm ist HALLO WARD...E FURONO VACANZE DI
SANGUE! (1967) von Julio Salvador, der bei uns im Kino als DER TOD
FLIEGT NACH JAMAIKA lief und auf Video DER JÄGER heißt. Der
Film beginnt etwas durchwachsen in einem Parodiemodus, der etwas an
Maxwell Smart erinnert und Böses erahnen läßt, zumal
Hauptdarsteller Ray Danton überhaupt nicht geeignet ist für
Stolperhumor. Danton ist einer von B-Hollywoods angenehmeren
Toughiedarstellern gewesen, der mehr als einmal Gangster mimen durfte
(am gelungensten vielleicht in THE RISE AND FALL OF LEGS DIAMOND von
Bud Boetticher) und sicherlich als Rauhbein extrem glaubhaft agierte,
da er nicht nur sehr cooles Gebaren, sondern auch ein prägnant
geschnittenes Gesicht zu seinen Vorzügen zählte. Hier
stolpert er also zuerst einmal durch die Gegend, verliert sofort seinen
Job als Hoteldetektiv, wird aber von einem Freund namens Pinky nach
Kingston auf Jamaika gerufen, wo die Palmen sich wiegen und der Rum ein
frohes Lebensgefühl verbreitet. Bei Pinky hilft aber auch Rum
nichts mehr, denn ein böser Mensch hat ihn blutig abgemessert, als
Danton eintrifft. Selbstverständlich gibt der Film von hier ab Gas
und läßt Ray mit zahlreichen Bäddies kollidieren,
darunter dem stets gern gesehenen Luciano Pigozzi, dem Peter Lorre des
italienischen Kinos. Die Musik von Morricone-Gitarrist und
GOOD-BAD-UGLY-Pfeifer Alessandroni ist nicht sehr einheitlich, aber
sehr abwechslungsreich. Bei diversen Verfolgungsjagden malträtiert
er seine Gitarre, daß es nur so eine Art hat.
Nach diesem (übrigens von Mario Siciliano koproduzierten)
Reißer begab sich Danton wieder nach Amerikanien, wo er u. a. die
Horrorfilme THE DEATHMASTER und PSYCHIC KILLER drehte, die beide nett
anzusehen sind. Auch der mit Salvador zusammen gedrehte CRYPT OF THE
LIVING DEAD ist gar nicht so schlecht. Dantons Tod - ich weiß
nicht, ob der schon stattfand, aber diesen Kalauer lasse ich mir nicht
entgehen!
OPERATION TOTER TRUTHAHN
Wühlt man ein kleines bißchen im deutschen Kino der
sechziger Jahre herum, so findet man eine Vielzahl höchst
unterhaltsamer Spannungsfilme. Einige von diesen, wie etwa diverse
Mabuse-Filme, waren Ko-Produktionen mit Italien. Am bedeutsamsten von
diesen teutonisch-romanischen Zungenküssen waren jedoch sicherlich
die Filme der "Kommissar-X"-Serie (basierend auf der populären
Groschenromanreihe von Bert F. Island), in der der smarte
Frauenliebling Joe Walker durch die pittoreske Vielfalt dieser Erde
jettete, stets verfolgt von dem ihm in treuer Haßliebe zugetanen
Captain Rowland. Der erste Film der Serie war DODICI DONNE D'ORO
(KOMMISSAR X: JAGD AUF UNBEKANNT, 1965), inszeniert von
Actionspezialist Gianfranco Parolini. In der Folge entstanden vier
weitere Filme, die in Deutschland teilweise als Werke von Parolini,
teilweise als Rudolf-Zehetgruber-Arbeiten ausgegeben werden. (In den
Italo-Credits fungiert "Cehett Grooper" nur als Regie-Assistent, und
das auch nur hier und da.) Danach kam ein relativ schwacher Film von
Roberto Mauri, bevor die Reihe mit dem unbedeutendsten Film 1971
verabschiedet wurde, inszeniert von dem sonst sehr
verläßlichen Harald Reinl.
Mein persönlicher Liebling ist der 1968 gedrehte GANGSTERS PER UN
MASSACRO (KOMMISSAR X: DREI BLAUE PANTHER), der auch in der deutschen
Fassung als Parolini durchgeht. Am Anfang dieses konsistent
unterhaltsamen Filmes fährt ein Auto durch kurvenreiche
Landschaft. In dem Wagen befindet sich der fiese Verbrecher Arthur
Tracy, nebst einigen Polizisten. Doch schon knallen die Kanonen:
Böse Menschen brauchen Tracy zur Durchführung ihrer finsteren
Pläne. Geraubte Juwelen sind mit im Spiel.
Die Szene wechselt nach Calgary in Kanada, wo gerade eine
Weltausstellung die Touristen anzieht. Das Morddezernat New York hat
Captain Rowland just in dieses bunte Getümmel hineingeschickt, um
Tracy dingfest zu machen. Wie sehr ihm aber auch die gefährlichen
Verbrecher mißfallen - den größten Schock erlebt er,
als er auf einen alten Bekannten stößt: Joe Walker,
Privatdetektiv! Von der Versicherungsgesellschaft beauftragt, hat sich
auch Joe an die Fersen des Unholdes geheftet. Wie immer, so ist er auch
hier seinem Kollegen eine Nasenlänge voraus - sowohl bei den
Frauen als auch in dienstlicher Hinsicht. Denn Joe hat bald erkannt,
daß Arthur einen netten Zwillingsbruder hat, mit dem er die
Rollen getauscht hat. Bis dann aber die Fronten geklärt sind,
vergehen noch viele spannende Minuten.
Parolini ist ein altes Schlachtroß, was aktionsbetonte Stoffe
angeht. Seinen ersten Film drehte er bereits 1953, aber seine Karriere
hob erst 1961 ab, als er den ersten SANSONE des Peplum-Kinos drehte.
Außer einigen weiteren Sandalenfilmen und den KX-Filmen machte er
noch diverse gute Western (z. B. SARTANA - BETE FÜR DEINEN TOD und
die drei SABATA-Filme), bevor er in den Siebzigern mit einigen
Haudrauf-Komödien seiner Karriere ein mittelmäßiges
Ende setzte.
Der Amerikaner Brad Harris (Titelheld von SANSONE) begleitete Parolini
durch bemerkenswert viele Filme. Am glücklichsten besetzt war der
Amerikaner jedoch in den KX-Filmen, wo sein leidender Muskelmann
Rowland einen lustigen Kontrast zu dem quirligen Tony Kendall alias
Luciano Stella darstellte. Die Besetzung dieses Filmes ist ohnehin mehr
als dankbar: Die Zwillingsbrüder werden gespielt von Franco
Fantasia, der in unzähligen Abenteuerfilmen dabei war (manchmal
als Waffenmeister, manchmal als Darsteller) und einigermaßen
leicht zu erkennen ist; die rätselhafte Frau vom "guten" Fantasia
wird gemimt von der umwerfenden Erika Blanc, Siegfried Rauch spielt den
Unterbösewicht; und an dessen Seite ist da noch ein bulliger
Gangster namens Smoky, der ständig eine Fluppe im Maul hat und im
übrigen von Parolini selber gespielt wird! Zu den
erinnerungswürdigsten Szenen gehört der flotte Rodeoritt von
Harris bei der Stampede in Calgary; eine Balzszene, in der Kendall
versucht, die hübsche Corny Collins rumzukriegen; eine
wunderschön unrealistische Karaterangelei in einem Yachtclub; und
die abschließende Keilerei in einem Sägewerk. Die
ungewöhnlich gute Musik stammt von Marcello Giombini, der bei LA
BESTIA NELLO SPAZIO schon etwas abgebaut hatte. Ko-Produzent Ralph
Zucker hat zahlreiche Export-Fassungen von italienischen Filmen
erstellt und war der Verlobte des hübschen Starlets Brigitte Skay
(aus Mannheim). Zu Zehetgruber möchte ich anmerken, daß ich
vermute, daß er tatsächlich die beiden Filme, die ihm hier
zugeschrieben werden, inszeniert hat, denn unsere italienischen Freunde
sind häufig sehr wohlfeil im Eingemeinden der Filme
fremdländischer Regisseure... Außerdem verdient "Rolf
Gruber" (wie er in einem KX als Schauspieler heißt) einen Orden
für seinen tollen Polizei-Reißer ICH SPRENG'EUCH ALLE IN DIE
LUFT! (1968), einer Vorwegnahme des späteren Merli-Poliziesco IL
COMMISSARIO DI FERRO - dieselbe Story und viel Gas in den Reifen.
Ausleihen! Ach, und Brad wird beim Oktoberfest sein - Näheres in
einer späteren Ausgabe...
CODENAME HAFERGRÜTZE
Zum Abschluß des Artikels muß unbedingt noch ein Sergio
Grieco mit rein, da dieser Veteran italienischer Abenteuerkost in den
Sechzigern eine ganze Reihe fröhlicher Bond-Rip-Offs machte
(Pseudonym: Terence Hathaway), die alle handwerklich wie
spannungsmäßig deutlich über dem Schnitt liegen. Das
letzte dieser Produkte war der 1968 gedrehte RAPPORTO FULLER, BASE
STOCCOLMA (DER BOSS STRIBT NOCH VOR 12) - für mich der beste
Grieco-Agentenfilm.
Ken Clark (amerikanischer Hauptdarsteller u. a. der 077-Filme von
Sergio G.) mimt hier den Formel-1-Testfahrer Ken Warth, der für
den Autofabrikanten Bennett in Stockholm tätig ist. Zu seinem
Leidwesen wird Warth in eine Spionageaffäre hineingezogen, die mit
dem Mord an Doppelagentin Greta Fuller beginnt, die einen furchtbar
wichtigen Report weiterzugeben hatte. Zum Glück hatten die Gretl
und ihr Freund vor, ein wenig zu linken, und so ist der Report nicht in
die Hände der Gegenseite gefallen. Doch wo ist der Schnipsel? Die
Russen vermuten, daß Ken im Besitz der kostbaren Informationen
ist. Dieser weiß nicht, wie ihm geschieht, als er sich im
Kreuzfeuer westlicher und östlicher Spione wiederfindet. Wie sich
schließlich herausstellt, haben militärische Wirrköpfe
ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten vor, der just in
London weilt. Zwei Jahrzehnte Entspannung waren halt genug. Die
große Frage ist natürlich: Kann der Rennfahrer die ruchlose
Tat verhindern?
Tja, das ist jetzt wirklich die Frage! Erster Grund für einen
Eisprung ist das hübsche Breitwandformat des Videotapes - durchaus
nicht selbstverständlich bei alten "Toppics". Der Titelsong "The
Touch of a Kiss" hat echten Mitschnips-Charakter - Trovajoli hat ganze
Arbeit geleistet. (Von dem Soundtrack sind drei Tracks auf einer LP
erschienen. Umilianis propere Hallo-Musik zu Grieco-Clarks Agentenfalle
TIFFANY MEMORANDUM gibt's jetzt gar auf CD.) Neben Clark ist noch ein
zweites Kantengesicht zu sehen, als Gegenagent Mac: Paolo Gozlino, der
einst als professioneller Tänzer angefangen hat und mittlerweile
wieder zur Choreographie zurückgekehrt ist. Pallardy-Spezi Jess
Hahn spielt Kens Chef. Die weibliche Hauptrolle wird gegeben von der
zuckersüßen Beba Loncar, die zu der Zeit international ein
emsiges Bienchen war. Summsumm. Die Szenen in einem schwedischen
Badehaus erstaunen durch frühe Oben-Ohne-Szenen (sonst nur noch in
Mario Sequis mittelprächtigem DIE KOBRA). Die deutsche Tonspur
kalauert fleißig drauflos und gibt uns Zeilen wie "Ich schwinge
einen heißen Stab!" und "Aus meiner Angst kannst du drei machen!"
Die Brutalitäten sind durchaus von zupackendem Charakter und
ließen diesen Film einst in die 18er-Kategorie fallen. Mit Ken
Clark, der jetzt in Italien lebt, erscheint übrigens
demnächst ein Interview in DRACULINA - eines von mehreren
Interviews, die mein Freund Massimo Lavagnini geführt hat. (Andere
Opfer umschließen u. a. Sklavenfreund Mario Pinzauti.)
Tja, Griecos Karriere machte dann einen scharfen Knick und führte
ihn u. a. ins Nonnenhaus, wo er LE SCOMUNICATE DI SAN VALENTINO drehte,
der sich angeblich nicht durch Realismus in der Darstellung des
Klosterdaseins auszeichnet. Howard Ross spielte die Hauptrolle in dem
Thriller L'UOMO CHE SFIDO L'ORGANIZZAZIONE. Helmut Berger lief Amok in
LA BELVA COL MITRA (DER TOLLWÜTIGE). In I VIOLENTI DI ROMA BENE
(Holland: TERROR IN ROMA) wird das Gesicht einer jungen Dame über
Stacheldraht gezogen - der Film ist nicht so dolle. Und dann war es mit
Sergios Karriere und Leben auch schon vorbei: Der grimmige Schnitter
machte Schnippschnapp. Und jetzt werfe ich mir eine Kutte über,
mache ein ganz grausliches Gesicht und spiele Sensenmann:
Schnippschnapp, Artikel, aus ist's mit dir! Was bleibt, ist Luft. Die
war auch vorher schon da. Man soll einen Artikel aber nicht auf einer
depressiven Note beenden. Deshalb schlage ich jetzt noch einmal eine
fröhliche Note an, die dem Leser Mut für die Zukunft geben
soll! Denkt Euch also eine fröhliche Note und geht mit Gottes
Segen und einem heiteren Herzen in die weite Welt hinein.
Christian Keßler
(Der Artikel erschien zum ersten Mal im September 1997 in der
"Splatting Image" Nr. 31.)