DEN PFUNDEN EIN SCHNIPPCHEN
 

Wenn mir das schnaufende Ringen um weibliche Anerkennung einmal eine ruhige Minute läßt, dann sehe ich selbstkritisch an mir herab und beurteile meine Marktchancen, pfundstechnisch gesehen. Ja, es ist nicht von der Hand zu weisen - der Jugend Glanz ist dahin. Ich habe so manche Nacht zum Tage werden lassen in dem Bemühen, mir eine garantiert narrensichere Methode auszudenken, dem göttlichen Fettwart ein Schnippchen zu schlagen und die Waage zu meiner Freundin zu machen. (Schließlich möchte ich nicht, daß die Reaktion der Dame, vor der ich meinen Alabasterleib als nächstes entblöße, hartherziges Gelächter ist...)

Da ich das hieraus gewonnene Wissen einer hoffentlich sittlich genügend gereiften Menschheit zur Verfügung stellen möchte, hier im folgenden einige der erfolgversprechendsten Ansätze:

a) Die Zillertal-Methode:

Diese Technik ist unter Medizinern auch bekannt als die "Ganghofer-Bulimie", da sie in einem unentwegten Betrachten von deutschen Heimatfilmen aus den fünfziger und sechziger Jahren besteht. Man muß den anfänglichen Brechreiz tapfer bekämpfen, der sich ob der unverstellten Menschen und ihren wippenden Fichten einstellt, und wird fortan nicht mehr unter Hungergefühlen leiden. Es ist dies eine von den Ärzten nicht abgesegnete Methode. Tatsächlich wird in Fachpublikationen sogar beständig vor ihr gewarnt, seit man einmal einen Dicken, der sich in dieser Form zu entleiben trachtete, aus seinem Domizil barg. Nach mehreren Tagen trockenen Würgens verstarb er im Krankenhausbett. Es empfiehlt sich also, eine eiserne Konstitution mit ins Feld zu tragen, wenn man diesen verzweifelten, aber erfolgssicheren Weg einschlagen möchte. Gelegentliche Überfremdungen mit Mutantenstadl-Sendungen der ARD ist nicht nur erlaubt, sondern wünschenswert. Es ist aber bitte wirklich zur Vorsicht geraten, denn sonst wird man eines Tages aus seiner Wohnung entfernt, eingerahmt von Edelweiß-Romanen, Heimatfilmvideos und Kotze. Als Jimi Hendrix des Heimatfilms zu enden, kann niemandes Wunsch sein. In diesem Zusammenhang fällt mir auch die Geschichte von Lupe Velez ein, die Kenneth Anger in seinem wundervollen "Hollywood Babylon" erzählte: Lupe, in den 40ern bekannt als das "Mexican Spitfire", hatte mit ihrem schwindenden Ruhm zu kämpfen. Als sie sich schließlich dazu durchgerungen hatte, den Sensenmann willkommenzuheißen, konstruierte sie sich auf Kredit ein Tableau aus brennenden Kerzen, Blümchen und einem regelrechten Schneewittchen-Altar, den sie sich in ihrem Zimmer hergerichtet hatte. Die dumme Nuß hatte in ihrer Törichtheit aber eine Überdosis an Schlaftabletten eingenommen, die natürlich ihren Magenhaushalt reizten. So wurde sie von fürchterlichen Übelkeitsgefühlen heimgesucht, die sie zur Toilette trieben. Die von ihr im Vorfeld herbeizitierten Journalisten, die sie eigentlich als Hauptdarstellerin eines Schneewittchen-Revivals hätten vorfinden sollen, fanden sie stattdessen mit dem Kopf im Klo, erstickt an ihrem Erbrochenen. Eine Spur von Kotze führte durch die Wohnung. Mein Lieblingsselbstmord, für all jene, die diesen Quatsch einmal erwägen sollten...

b) Die Du-darfst-nicht-Methode:

In jedem Supermarkt gibt es die Erzeugnisse der Firma "Du darfst nicht", deren an und für sich wohlschmeckende Kohlehydratschwemme eingezäumt wird von einer bescheidenen, aber unbedingt tödlich wirkenden Menge Zyankali! Wer sich diese Leckerbissen vor die Nase stellt, wird einen beständigen Speichelfluß feststellen. Sollte man dem dunklen Drang aber nachgeben, führt dies unweigerlich zum Tode. Auch eine Art, abzunehmen.

c) Die Infotainmentmuschi-Methode:

Heuern Sie bei einem der herkömmlichen Kabelkanäle als Moderatorin einer "Daily Talk Show" an. Diese anorektischen Vogelfrauen werden von einem deutlich fühlbaren Verlangen getrieben, frisch d.h. dünn rüberzukommen. Was sie damit ihrem Körper (und ihren Zuschauern) antun, scheint ihnen schnurz und wurscht zu sein. Wenn man in diesen Berufsstand hinübergewechselt ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als der ungesunden Maßgabe Tribut zu zollen. Ansonsten wird man aus der Popularität wieder hinausgekickt und landet im Dunkel der Anonymität. Dort kann man wieder so viel fressen, wie man will.

d) Die AntiFa-Methode:

Nehmen Sie an allen linksgerichteten Demos teil, die Ihr Umfeld hergibt! Laufen Sie vor den Hütern des Gesetzes um Ihr Leben, oder tun Sie wenigstens so! Was auch immer das bisherige Leben an sportlicher Betätigung hergab - hier lauert der Schlüssel zum Dünnsein! (Möglicherweise auch der Schlüssel zum Dummsein, aber das ist dann Ihr Problem.) (Merke: Rechtsradikale sind eh dumm; wenn man auf der linken Seite haust, muß man sich erst dumm machen.)

e) Die Stammheim-Methode:

Nehmen Sie teil an einer politisch oder sonstwie religiös orientierten Veranstaltung, bei der Hungerstreiks im Bereich des Möglichen sind. Wenn Sie noch keine Ideale haben, die einen Hungertod wert sind, dann lassen Sie sich welche einblasen. Der Behandlungserfolg ist hier aber stark abhängig von der Selbstkontrolle des jeweiligen Teilnehmers. Wenn Sie es zu weit treiben, hätten Sie auch genausogut dick bleiben können.

f) Die Backfisch-Methode:

Verlieben Sie sich in eine 16-Jährige! Diese jungen Damen werden meist getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach Dünne, die der des Hungers auf wohlschmeckende Mahlzeiten diametral entgegensteuert. Wenn Sie hier zu dick werden, kann das den unmittelbaren Verstoß in den Abgrund der Ungeliebtheit nach sich ziehen. Und das wollen wir ja nicht, oder?

g) Die unaufrichtige Methode:

Diese Methode habe ich von Max Goldt geklaut. Trinken Sie soviel Zuckerplörre, wie ihr Magen verträgt, und futtern Sie wie ein Scheunendrescher. Dann hängen Sie sich ein Schild um, auf dem steht: "Meine Kleidung wiegt 20 Kilo!"

h) Die Wolkenkratzer-Methode:

Springen Sie aus einem Hochhaus. Dann sind Sie dünner.

i) Die Cjamango-Methode:

Schauen Sie sich ganz häufig diese Website an. Macht dünn. Ehrlich.

k) Die Vegetarier-Methode:

Seien Sie ihren tierischen Mitbürgern ein Freund und verzichten Sie fürderhin auf den Verzehr von tierverarbeitenden Speisen. Werden Sie Veganer und halten Sie alles Tierische von sich wie einen Schutzschild. Gehen Sie noch weiter und essen Sie nur noch mit Gammastrahlen beschossene Speisen, die von Priestern mehrerer Glaubensrichtungen geläutert worden sind. Ich versichere Ihnen: Am Schluß fressen Sie die neueste "Hörzu", und Bäume hört niemand schreien...

l) Die Pogo-Methode:

Gehen Sie auf jedes verdammte Pogokonzert in Ihrer Umgebung, gute wie schlechte, und zappeln Sie sich die Seele aus dem Leibe. Lassen Sie den Rhythmus in sich eindringen - da hat Müller-Milch keine Chance!

m) Die Liedermacher-Methode:

Hören Sie die Weisen liberaler Liedermacher, die jene in gutgemeintem Gutmenschentum aus sich herausgebrochen haben. Teilen Sie um Himmels Willen nicht ihre Auffassungen, sondern lassen Sie sich nur vom Klang der jämmerlichen Klampfereien berauschen. Versuchen Sie mal, dann noch was zu essen. Na - geht das?

n) Die Monte-Carlo-Methode:

Verspielen Sie all ihr Geld in Monte Carlo, in Las Vegas oder der örtlichen Spielothek. Dann haben Sie nix mehr, wovon Sie sich fett machende Speisen kaufen können. Einfaches Problem - einfache Lösung!

o) Die Wolgawurm-Methode:

Lassen Sie sich einige Kilo Wolgawürmer herbeikarren. Der Wolgawurm ist eine spezielle Wattwurmart, die unter anderem folgende Besonderheit zu ihren Vorzügen zählt: Menschliche Fettzellen sind ihr ein Wohl und Labsal, und an der richtigen Stelle angewendet erübrigt sie jede Fettkur. Das Problem ist nur, daß man etwa eine Handvoll der kleinen Racker in den Darmtrakt einführen muß, um einen optimalen Erfolg zu gewährleisten, und wer macht das schon gerne? Diese Methode ist also nur für die ganz Verzweifelten gedacht.

p) Die Baggersee-Methode:

Ernähren Sie sich nur noch von Sand. Sand enthält, außer Sand eben, zahlreiche vitaminspendende Algen und Kleinstorganismen, z.B. Spulwürmer, Teerlarven und Schneckenschiß. Man kann auf Sand über einen geraumen Zeitraum überleben und führt sich damit so gut wie keine Kalorien zu, ohne zu sterben. Allerdings macht diese Kur - um ganz ehrlich zu sein - nicht wirklich Spaß.

Ihr seht also, es gibt viele Mittel und Wege, um dem Fettberg zu entrinnen. Man kann sich allerdings ersatzhalber auch ein gesundes Selbstwertgefühl zulegen. Denn es gilt der Satz von Wiglaf Droste: "Dick sieht zwar lustig aus, fühlt sich aber saugut an!"

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