PROGRAMMHINWEIS:

Wertlos 1

Wertlos 2

Am Donnerstag ist es mal wieder soweit: Das "Besonders wertlos"-Festival bringt Bochum-Langendreer zum Erzittern! Im schönen "Endstation"-Kino, dessen Programm mich des öfteren die mir angeborene Trägheit überwinden läßt, findet ein exklusiver Zelluloidtaumel statt, in dessen Zentrum wie stets das deutschzentrierte psychotronische Kino steht. Juwelen aus der Nachkriegsgeschichte germanischen Filmschaffens geben sich ein Stelldichein. Für Banausen wie mich, der ich einst dachte, daß die teutonische Filmlandschaft nichts anderes zu bieten gehabt hätte als seichte Nichtigkeiten und hermetisches Intellellenkino, ist dies die Gelegenheit, auf lustvolle Weise dazuzulernen. Exploitation, Wagemut und Experimentiergeist fließen in den hier gezeigten Kostbarkeiten zusammen. Das ist manchmal kommerziell, manchmal volle Kanne gaga, manchmal nachdenklich stimmend. Ich war die letzten paar Jahre anwesend und habe es kein einziges Mal bereut!

Die Jungs aus der "Absurd 3000"-Redaktion präsentieren ein saftiges Programm: Rolf Thieles DAS MÄDCHEN ROSEMARIE macht den Anfang, und wer diesen Lattenkracher aus der Wirtschaftswunder-Zeit noch nicht kennt, sollte sich das nicht entgehen lassen - für mich einer der drei oder vier besten deutschen Nachkriegsfilme, und eines der seltenen Beispiele gelungener deutscher Satire! Danach setzt es die volle Sleazepackung in dem Buio-Omega-bewährten DAS STUNDENHOTEL VON ST. PAULI, der Curd Jürgens als Kommissar in einem wahren Exploitation-Overkill sieht, inklusive sexueller Perversionen, grellen Klassenkampfes und ungezählter Tassen Kaffee, die sich der wackere Gesetzeshüter in den Schlund schüttet... Hardcore-Bilder gibt es auch. Danach kommen Natja Brunckhorst und Uli Edel und geben uns den berühmten CHRISTIANE F., zu dem man wohl nichts sagen muß.

Der Freitag startet mit einem besonders seltenen und lohnenden Krimi aus der Küche des "Klimbim"-Erfinders Michael Pfleghar, der wohl alle überraschen dürfte, die ihn nur von Frau Steeger & Konsorten her in Erinnerung haben. Danach wartet ein echter Klassiker: DEADLOCK dürfte wohl eine der gelungensten Mischungen aus Genrekino und 70er-Jahre-Drogen-Psychotronia sein, die jemals hierzulande gedreht wurde. Italowestern meets Film Noir meets ZABRISKIE POINT, alles untermalt von der großartigen Musik der Rockgruppe The Can. Mario Adorf, Anthony Dawson (=der britische Schauspieler!) und Marquard Bohm geben alles, und wer den Regisseur Roland Klick (SUPERMARKT - yeah!) kennenlernen will, kann das hier bewerkstelligen, denn der Regisseur ist persönlich anwesend. Da ich ihn noch niemals kennengelernt habe, freut mich das ganz besonders. Im Interview auf VOX wirkte er supersympathisch. Danach kommen die Kinski-Freunde zu ihrem Recht, mit dem erzseltenen DER ROTE SCHATTEN, in dem Klaus einen Serienmörder spielt. Ein ebenso grimmiger wie spannender Film, der mich am ehesten an Robert Siodmaks NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM erinnert hat. Ich durfte diesen tollen Film bereits im Kino besichtigen. Ansonsten ist er fast nicht zu bekommen. Den Abschluß macht Zbynek Brynychs DIE WEIBCHEN, der sehr bizarr ist und somit dieser Nachtstunde angemessen... Uschi Glas kennt man ja seit dem letzten Festival (mit Werner Enke höchstselbst!) ganz anders, als man das so gewohnt ist. Hier kommt die Steigerung!

Der Samstag beschert uns Lilo Pulver in dem knallbunten WIRTSHAUS VOM SPESSART. Danach kommt ein Film namens DIE FRÜHREIFEN, den ich noch nicht kenne, der aber wohl als Folgeproduktion von DIE HALBSTARKEN aufzufassen ist, und wenn der nur halb so gut ist wie jener Film, lohnt der Besuch. Habt Ihr schon einmal Jörg Buttgereit getroffen? Das solltet Ihr aber! Wer Filme über Sex mit Leichen dreht und dabei so liebenswert bleibt, verdient einen Orden. Godzilla-Filme mag der Mann auch - was soll man dem noch hinzufügen? Jörg führt uns einige seiner legendären Kurzfilme vor, und da ich mit diesem "Splatting Image"-Kollegen bisher nur telefoniert habe, freue ich mich darauf, ihn leibhaftig zu erleben! Und nein, das ist beileibe noch nicht alles - danach kommt Wenzel! Wenzel Storch führt uns (in einer Ruhrpott-Erstaufführung) seinen neuen Film DIE REISE INS GLÜCK vor, und das ist für mich ein besonderes Vergnügen, da ich Wenzel als einen überaus liebenswerten Menschen kennengelernt habe und obendrein ein klein wenig an den Erzählertexten zu jenem Film mitarbeiten durfte... Wartet mal auf die Szene, in der die kleinen Mädchen von den Propagandaministern des Inselkönigs vollgepinkelt werden! Die Texte werden vom Grandseigneur des deutschen Synchrongewerbes, Friedrich "David Niven" Schoenfelder gesprochen, und allein in der Erwartung dieses Erlebnisses krampft sich mein armes Herz zusammen... Nach dieser Erfahrung zeigt uns Wenzel noch seinen Klassiker SOMMER DER LIEBE, und weinend und schluchzend werden wir alle dann nach Hause gehen. Ich werde wohl den meisten Teil der Zeit anwesend sein und auf die Fußball-EM scheißen! Der Wanderpokal hat seine eigenen Gesetze, und das lasse ich mir nicht wirklich entgehen. Wenn Ihr in Ruhrpottnähe wohnt, dann schaut bitte vorbei - es lohnt sich. Bochum hat dieses Jahr fußballmäßig richtig begeistert, und den cineastischen Nachschlag setzt es hier! Das wird ganz großes Tennis...

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